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Martin Z. Schröder

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  1. Die angebliche Hitler-Empfehlung (sogar im Plural!) halte ich für ein Gerücht, weil ich noch nie einen Beleg dafür gesehen habe. Es gibt nur bei Luidl (glaube ich) einen Hinweis, daß in einem Urkundenwettbewerb eine Arbeit von Hitler ausgezeichnet worden sei, in der die Futura eingesetzt gewesen ist. Dieser Halbsatz wurde mit einem merkwürdigen Gruselvergnügen fälschlich aufgebauscht. Daß Hitler sich überhaupt mit Druckschriften befaßt hat, erscheint mir recht unwahrscheinlich. Er hatte genug anderes zu tun. Sollte er sich mit der Futura auch nur einmal befaßt haben, hätte er sie wegen deren Urhebers sicherlich gleich verboten. Paul Renner war ein mutiger Mann und veröffentlichte noch 1932 in der Schweiz eine Broschüre gegen die Nazis. Er wurde 1933 verhaftet und entlassen und emigrierte. Die Times habe ich als Handsatzschrift aus vielen Druckereiauflösungen gar nicht in Erinnerung, und da sie 1932 in England erschienen ist, dürfte sie vor Kriegsende in Deutschland kaum breit eingesetzt worden sein. Nach dem Krieg war sie vor allem im Buchsatz im Einsatz. Im Bibeldruck beispielsweise, weil man mit ihr viel Text auf wenig Raum bekommen kann. In der Nazizeit wurde vor allem Schrift verwendet, die größtenteils vorhanden war. Eine neue Schrift zu kaufen, war für eine Druckerei eine große Investition. Eine Bleischrift hält bei richtiger Verwendung einige Jahrzehnte durch.
  2. Ich kenne die Maschine nicht, aber vielleicht hift das: https://offsetdrucker.net/thread/6289-bedienungsanleitung-fuer-triumph-andruckpresse/
  3. Was soll denn der Mann noch machen, außer exakt das drei Absätze darüber selbst zu schreiben: Was von den drei Möglichkeiten ist es, Böswilligkeit, Ignoranz oder Leseunfähigkeit? Oder eine vierte?
  4. Ist es, verehrter Herr Spiekermann, nicht gerade aus dem englischen Sprachraum bereits länger bekannte sittliche Übung, auf die Verletzung von Gefühlen vorab und pauschal Rücksicht zu nehmen? Wir können kurzfristig 20.000 und mehr der dargestellten Buchbeilagen liefern, die das Leserix nach Entgegennahme der von Bleilettern gedruckten Mitgefühlsbezeugungspauschale für eigene Zwecke des Gefühlsverletzungsausgleichs verwenden kann, was Ihrem Buch einen enormen Mehrwert verliehe, eine Preissteigerung ermöglichte und Sie zu einem so reichen Manne machte, daß Sie ... ... sich auch etliche der folgend abgebildeten Karten leisten könnten, um sie an dann immer noch unbefriedigte Gerechte zu senden; rückseitig Raum für Autogramm (kann auch vom Klischee eingedruckt werden, sofern die Linien nicht so dünn sind, daß sie wegbrechen) ist vorhanden.
  5. Ich erkläre das gern, ich kenne mich damit ein wenig aus, beruflich bedingt: Wenn eine Linie in einem großen Grad, also einer großen Darstellung, extrem fein ist, dann wird sie bei einer Verkleinerung der Gesamtform in kleinen Graden unsichtbar, sie »bricht weg«. Das hat mit der Drucktechnik nur soviel zu tun, daß im Hochdruck, etwa in Bleilettern, Haarlinien tatsächlich im Wortsinne brechen können, sie sind aber vorhanden, und wenn sie physisch wegbrechen, dann sind das Unfälle beim Drucken. Im übertragenen Sinne gibt es dieses Problem bei der Reproduktionsverkleinerung beispielsweise von Zeichnungen mit Haarlinien. Aus Holzstich oder auch Radierungen, durchaus auch aus Zeichnungen und natürlich Fotos, können in jeder Reproduktion feine Linien verschwinden, sowohl schwarze Linien wegbrechen als auch weiße Linien zulaufen (auch im übertragenen Sinne). Es hängt nicht vom Druckverfahren ab, wenn schon in der Druckvorlage Linien oder Punkte im übertragenen Sinne »wegbrechen«. (Übrigens ist das Übertragen von Sinn eine benutzenswerte Eigenschaft unserer Sprache, meine ich. Sogar Erinnerungen oder Sprache können brüchig sein, man kann brechend sprechen (»gebrochenes Deutsch«), ohne daß dabei eine Bleiletter involviert ist oder gar zu Schaden kommt. Man kann auch beim Schreiben Linien brechen wie in den Frakturschriften, ohne daß dabei woanders etwas aus Blei kaputtgeht.) Man kann sich beim Druck von solchen für kleinere Grade ungeeigneten Schriften behelfen, indem man im digitalen Satz eine Kontur um die gesamte Schrift legt, dabei aber muß man aber die Verengung von Punzen und die Verdickung auch der stabilen und womöglich ohnehin fetten Linien inkaufnehmen. Diese Manipulationen sind also nur bedingt machbar. Ich mußte gerade eine sehr schlecht gezeichnete Didot verarbeiten, in der schon bei 20 Punkt die Haarlinien unsichtbar wurden, also »wegbrachen«. Nicht auf dem Bildschirm, der denkt mit und ersetzt in der Darstellung das Bild, zumal wenn man diese vergrößert. Aber die Wahrheit zeigt sich im Druck, diesenfalls war es Digitaldruck (ich kooperiere mit Kollegen aller Druckverfahren). Die feinen Linien waren kaum sichtbar, sie waren »weggebrochen«. In der fetten Didot spielt es zum Glück kaum eine Rolle, wenn die fetten Linien in einem recht großen Grad dann 0,1 mm (das ist viel!) dicker werden, man muß nur beachten, daß die Ecken und Spitzen die richtige Form behalten und ggf. Details bearbeiten. Dieses Problem der viel zu feinen Linien habe ich auch bei der Zentenar von Peter Wiegel festgestellt. Ich habe bei dieser Kritik an der Arbeit nicht einkalkuliert, daß ich sie gar nicht ernstnehmen soll. Nun habe ich hier mehrfach gelesen und mich belehren lassen, daß es sowieso jedem klar sein müsse, daß es sich bei Herrn Wiegels Schriften um Hobbybastelei für Modellbauer handelt und die Qualität der Schrift deshalb von vornherein allbekannt minderwertig ist. Daß man dies aber weder pauschal noch im Detail benennen soll, wußte ich nicht, und daß man das nicht sagen sollte, weil es verletzend sei, wußte ich auch nicht. Das tut mir leid. Daß diese Kategorisierung als »anspruchsarme Hobbyschrift, die von anspruchsvollen Typografen benutzt wird« mir nicht stimmig erscheint und daß ich nicht verstehe, wie sie nicht verletzend sein soll, liegt an mir, das gebe ich zu. Mich verletzt eigentlich gar nichts, jedenfalls nicht hier, auch wenn ich die inniglichen Bemühungen dazu mit Respekt zur Kenntnis nehme und auf die unablässige Fortsetzung schon gespannt bin, wobei ich etwas Abwechslung in den abwertenden Formulierungen durchaus als Wertschätzung empfände.
  6. Deshalb habe ich zwei weitere Schriften geprüft. Warum tust du das nicht?
  7. Ich habe mir nun auch noch einmal die Zentenar und die Kabinett-Fraktur von Peter Wiegel angeschaut, weil ich die beiden gut kenne und mein Urteil auch prüfe, wenn ich dazu aufgefordert werde. Ich könnte dort ähnliche Schwächen monieren und auch im Bild zeigen, es ist dasselbe Problem des Unverständnisses der kalligrafischen Details. Ralph Unger hat auch geändert, und nicht immer gut: Die neu gezeichnete Fahne der st-Ligatur in der Zentenar-Fraktur stürzt mich in Trauer. Aber alles in allem ist die eigentliche Schrift bei Ralph Unger noch vorhanden und einige der Änderungen kann man auch verstehen. Während die Digitalisierung der Kabinett-Fraktur von Peter Wiegel einfach klobig ist und die Zentenar wiederum teilweise wegbrechen würde im Druck kleiner Grade und teilweise geradezu antikalligrafisch gemacht ist durch unbegründete Formen. Kann man alles im Detail sehen. Also wenn Herr Spiekermann vor der Verwendung solcher mangelhaften Schriften warnt, finde ich das uneingeschränkt vernünftig. Daß man auch Geld ausgeben kann für schlechte Schriften, ist eine andere Geschichte.
  8. Ja, Gothisch mit h, so heißt die Schrift freilich nicht. In meiner Kritik beziehe ich mich ausdrücklich auch auf eine Ligatur, die genauso schlecht gemacht ist wie alles andere. Nicht gelesen? Möchtest du vielleicht statt der leichten Kritik an der Kritik eine andere Schrift genauer betrachten und hier zeigen als Gegenbeispiel? Ich lasse mich von Qualität immer gern überzeugen.
  9. Zur Qualität der Schriften von Peter Wiegel: Ich habe es nicht nur so dahingesagt, daß sie nicht viel taugen. Damit meine ich weder Symbole für Schrauben noch die ausdrücklich untypografischste setzbare Schrift der Bleisatzzeit, die Schreibmaschinenschrift, für die keine Regel galt, weshalb sie (vielleicht nach einer Empfehlung Tschicholds, oder war es Forssman?) bis heute von manchen Typografen für Briefe verwendet wird, weil ihre Unvollkommenheit nicht wehtut. So etwas herzustellen, ist sinnvoll und gut, und damit hat Herr Wiegel etwas wirklich Feines getan. Solche Werkzeuge können den Verwender mit Dankbarkeit erfüllen. Es hat nur eben mit Typografie nichts zu tun. Peter Wiegel nennt sich selbst »Schriften-Dilettant (und dazu stehe ich)« und sagt aber doch mit einem formulierten Anspruch: »Alle hier angebotenen Schriften habe ich selbst erstellt und jedes Schriftzeichen auch selbst gezeichnet. Es sind also zuallermeist keine eingescannten und automatisch vektorisierten Buchstabenformen, wie man sie oft bei Free-Fonts findet, mit vielen Knoten und verwaschenen Konturen, sofern dies nicht direkt der Stil der Schrift ist.« Wie nun »alle« und »zuallermeist« unter einen Hut zu bringen sind, entzieht sich meinen Fähigkeiten, aber wenn ich mir einfach eine Schrift greife, die einen großen Namen hat und von einem bedeutenden Schriftkünstler stammt, habe ich vielleicht die Chance, eine Schrift zu erwischen, die den beschriebenen Kriterien genügt. Sie müßte sich ja an den formulierten Ansprüchen messen lassen, die sich von anderen Freefonts absetzen wollen. Schaue ich sie mir an, die ausgesuchte Grobe Gotisch, dann tut sie das nicht. Und das kann jeder sehen. Die viel zu weite Laufweite habe ich für das Foto so weit verengt, daß sie halbwegs zum Original paßt. Unten Bleisatz, oben die Zeichnung von Peter Wiegel. Nun kann man die Buchstaben direkt vergleichen, und wer aufmerksam hinschaut, wird rasch erkennen, daß es sich bei der Nachformung nicht mehr um die Grobe Gotisch von Schneidler handelt. Ob es die Punzenformen sind (das Schluß-s!), die Außenformen (man vergleiche, wie b und o aufeinanderstoßen) oder schlicht die Umrisse. Nichts stimmt. Rundgelutschte Ecken und dafür Ecken, wo keine hingehören: die st-Ligatur. Der schöne Schwung des langen s ist einfach weg, es ist nur noch ein fetter Schweif. Das Kunstvolle an dieser Schrift ist ihre Leichtigkeit, die durch die große Kunst zustande kommt, an den richtigen Stellen einen Bogen anzudeuten, alles spitzig zu schneiden, Verjüngungen einzuarbeiten wie beim kleinen »l«. Man schaue sich oben die schweren stampfenden »l« an und unten die nach unten schmaler werdenden, die dadurch Zierlichkeit gewinnen trotz ihres enormen »Gewichts«. Das hat Peter Wiegel gar nicht gesehen, er kann nicht kalligrafisch schauen. Deshalb taugt das eben nicht viel. Diese Digitalisierung ersetzt sicherlich sehr gut eine Bleistiftskizze, aber aus typografischer Sicht ist sie nicht brauchbar. So etwas hat Schneidler nicht gemacht. Das hat auch mit Interpretation nichts zu tun, dafür sind die Abweichungen zu willkürlich. Ich finde das ärgerlich, aber so ist das mit der Kunst. Man nennt auch zu schlecht gespielten Konzerten den Komponisten und zu Kunstpostkarten den Maler. Allerdings weiß da jeder Bescheid; bei Schriften ist es richtig, daß ein Fachbuch davor warnt, diese Kopien ungeprüft für gut zu halten. Geirrt habe ich mich mit der Bemerkung, Gratisware sei immer schlecht. Das stimmt nicht. Und es trifft eben nicht auf alle Arbeiten von Herrn Wiegel zu. Wenn sich jemand auch die Mühe macht und dabei einen Cat-Font findet, der wirklich die Schriftkunst seines Urhebers aufgreift, lasse ich mich gern belehren.
  10. Ich unterschied zwischen Typografen und allen anderen. Alle andern sollen machen, was sie wollen, das ist völlig in Ordnung. Das steht in meiner Anmerkung. Ich habe nichts »abgeleitet«. Vielleicht machen wir mal einen Lese- und Verständnis-Workshop?
  11. An Herrn Spiekermanns Kritik an den Schriften von Peter Wiegel wüßte ich nichts auszusetzen. Wenn ich mich frage: Hast du jemals eine Catfonts-Schrift runtergeladen und betrachtet? Ja. Hast du sie jemals verwendet? Nein. Warum? Weil sie nicht viel taugen. Sie sind für digitalen Satz in verschiedenen Größen nicht gemacht. Ich habe auch mal die Zuarbeit abgelehnt, weil ich nicht gratis für Gratisfonts arbeite. Was verschenkt wird, taugt meistens wenig. Das weiß doch jeder. Ich bin glücklich über digitale Schriften mit vielen Schnitten, damit ich den Schnitt der Größe anpassen kann. Alles andere ist entweder zu zart, wenn man es klein setzt, oder es wird klobig, wenn man große Größen verwendet. Die Catfonts sind Hobby-Digitalisierungen. Wie hier schon gesagt wurde, kann man sie für Modellbau oder Hobby-Zwecke sicherlich verwenden, aber was soll ein Typograf mit den Schriften anfangen? Mich hat der Aufwand ohne Erfolg eher traurig gestimmt. Die Form der Website spricht im übrigen auch nicht ganz leise für sich. Ich habe schon Schriftdesigner mit Bleisatzvorlagen versorgt und habe mitbekommen, welcher Aufwand nötig ist für eine gute Umsetzung. Das wollte Peter Wiegel nie machen. Es ist natürlich in Ordnung; jeder hat die Freiheit, zu tun und zu lassen, was er mag. Aber wenn ein Typograf in einem Buch davor warnt, mit solchen Schriften zu arbeiten, dann kann ich das gut verstehen und finde es auch richtig. Man kann damit nicht gut arbeiten, und das kann man auch sagen, und man kann das auch sehr deutlich sagen. Kritik an einer Arbeit darf auch Gefühle verletzen. Die persönlichen Angriffe hier finde ich allerdings unwürdig.
  12. Was meinen Sie damit, daß man den Druck der Typen nicht sehe, aber spüre? Wenn hier alte Kollegen hereinspazieren und Druck vom Bleisatz betrachten, wollen sie gerade keine Schattierung auf der Rückseite sehen. »Die Letter darf das Papier nur küssen«, sagt der Drucker. Das Pressen, das Einprägen der Schrift ist gerade kein Qualitätsmerkmal für Buchdruck, sondern genau das Gegenteil. Wo man was »spürt«, kann der Drucker sein Handwerk nicht gut genug. Die Qualität des Buchdrucks mit Bleisatz liegt im Bild, das man sehen kann, in der Lebendigkeit der Schrift. Hier wird sogar eine Futura lebendig, weil in die eigentlich leblose Linie ein wenig Bewegung kommt. Und wenn man vom Klischee prägt, kann man es nicht nur spüren, man sieht es auch. Aber das meinten Sie ja nicht, das ist weniger das alte Handwerk.
  13. Danke!, das Beten hat geholfen. Jetzt hab ich's hier gelesen. Selbst wenn ich einen Fernseher hätte, würde ich im RBB allenfalls einen alten Film anschauen, aber nicht diesen Magazinquatsch. Ich weiß aus Erfahrung (Gegenstand solcher Beiträge), daß sich das niemand anschaut außerhalb von leeren Pflegeheimaufenthaltsräumen. Da kann jeder sagen, was er will, es ist schnurzpiepe.
  14. (Vorab: Ich bin altmodisch, für mich ist Antiqua der Gegensatz zu gebrochenen, und ich unterscheide zwischen serifenloser und Antiqua mit Serifen nach Stilrichtungen.) Vielen Dank für die guten Hinweise! Ich werde dem Freund empfehlen, sich einen Berater einzukaufen für das Projekt. Es ist eigentlich nichts, wo man nur mit ein paar Tips ausreichend Entscheidungswissen gewinnt. Das sehe ich an diesen Fragen. Es sind sehr viele Namen, die Ausführungsdetails kenne ich nicht. Also nochmals danke!
  15. Ein befreundeter Künstler sucht nach einer Antiqua, deren Buchstaben verbunden sind, für ein Denkmal. Es sollen Wörter (Namen) in Metall oder Stein gefräst werden, und um die Menge der Befestigungen zu reduzieren und um bei Beschädigungen die Reparaturen mit niedrigem Aufwand ausführen zu können, sollte die Schrift Buchstaben durch Linien verbinden. Im Moment steht die FF Sizmo Line im Entwurf, der Künstler würde gern noch etwas anderes probieren. Ich verstehe davon gar nichts, hat jemand Erfahrung mit solchen Aufgaben und eine Empfehlung?

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