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Kursive rückwärts

Hervorgehobene Antworten

Im Diercke-Weltatlas von 1957 sind Gewässer mit einer klassizistischen rückwärts geneigten Kursiven beschriftet. WTF kennt sie nicht, Identifont läßt mich nicht rein.

t293112_Nordsee.jpg

Wahrscheinlich gibt es so etwas gar nicht mehr.

...

Wahrscheinlich gibt es so etwas gar nicht mehr.

Liebe Katharina,

falls dein Posting nicht nur ein sentimentales Räsonieren über den Niedergang der Schriftkultur und den Verfall der Formenvielfalt sein sollte, sondern, wenn auch nicht ausdrücklich so formuliert, eine verklausulierte Frage gewesen sein sollte, ob dergestalt rückwärts geneigte Schriften nicht vielleicht doch den Weg ins digitale Zeitalter gefunden haben, so sei getrost: Die ehrenwerte Firma Linotype ansässig im idyllischen Bad Homburg vor der Höhe, hat es sich angelegen sein lassen in liebevoller Kleinarbeit die altehrwürdrige Kursivschrift für den Einsatz auf modernen persönlichen Computern aufzubereiten, wovon du dich anhand folgendes Verweises selbst überzeugen kannst:

http://www.linotype.com/de/915/kursivsc ... ilie.html#

Wow! Danke für den Link, Foniq :P Ich hatte diesen alten kartographischen Rückwärtskursiven auch schon nachgetrauert, ohne zuerst nachzuschauen, obs das nicht vielleicht doch gibt. :D

als typografisches kuriosum: okay, aber kriegt ihr nicht magenweh, wenn ihr sowas seht. ich find diese kursiven ziemlich „schräg“ :oops:

Und wenn es schon eine Sammelstelle wird, dann etwas ot:

Das ist aber jetzt nicht wirklich OT gewesen. :!:

Der Geograph Böhm in Schmilka zeichnet …

»Vitzthumsche Wiesen« und »Teich« mit ch- und tz-Ligaturen; wunderschön, leider nicht ganz richtig, da in weit gesperrte Zeilen nun mal keine Ligaturen gehören.

Hat zufaellig auch jemand eine Idee, durch was sich diese linksgeneigte Schreibweise der Gewaessernamen in der Kartografie ergeben hat?

Ich erinnere mich noch, dass es dafuer bei den Berthold Titelsatzgeraeten sogar extra ein Optik gab um diese "Verzerrung" hinzukriegen.

Gruesse

Hans

  • Ersteller

Prima! Vielen Dank an alle, die Tipps gegeben haben!

Als Textschrift würde ich so etwas natürlich nicht hernehmen wollen, aber zum Beispiel als Auszeichnung für einen Buchumschlag? Gibt es denn Beispiele für diese Schriften in freier Wildbahn? - Abgesehen von Landkarten natürlich!

Gibt es denn Beispiele für diese Schriften in freier Wildbahn? - Abgesehen von Landkarten natürlich!

Poesiealben zwölfjähriger Mädchen vielleicht?

  • Ersteller

@ Buckdrucker: Hat zufaellig auch jemand eine Idee, durch was sich diese linksgeneigte Schreibweise der Gewaessernamen in der Kartografie ergeben hat?

Ich könnte mir vorstellen, daß man unter dem Gewimmel von Ortsnamen auf der Landkarte klarmachen wollte, daß dieses Wort ein Gewässer bezeichnet.

Ich denke, daß das eher damit zusammenhängt, daß es auf Landkarten Zeilen gibt, die schräg nach unten laufen — ein Fall, der ja sonst kaum vorkommt. Wenn man also eine Karte gerade vor sich liegen hat und einige Zeilen laufen schräg abwärts, einige schräg aufwärts, dann stellt die Linkskursive für erstere wahrscheinlich eine Verbesserung der Lesbarkeit dar (oder zumindest hat man dies vielleicht angenommen), da die Buchstaben dann (relativ zum Auge des Betrachters, der ja die Karte nicht dauernd dreht) gerader erscheinen, als wenn sie wirklich gerade wären.

(Bißchen kompliziert ausgedrückt, ich hoffe, trotzdem verständlich.)

Ich denke, daß das eher damit zusammenhängt, daß es auf Landkarten Zeilen gibt, die schräg nach unten laufen.

Dann müssten aber z.B. bei Seen in Südwest–Nordost-Ausrichtung andere Beschriftungen verwendet werden.

Richtig. Da wäre dann die gewöhnliche Cursive angesagt. Ich habe das auch noch nicht verifiziert, das war nur die einzige Erklärung, die mir zu dem Thema eingefallen ist.

mit der schreibrichtung hat die linksneigung nix zu tun („Atter-See“!):

attersee.jpg

die kartografische konvention, gewässer mit linksgeneigte schrift zu bezeichnen, scheint um die mitte des 20. jh wieder aus der mode gekommen zu sein. (das ist nur mein grober eindruck. ich bin sicher kein experte.)

zur verwendung „normaler“ typografischer auszeichnungen im kartendruck hab ich das hier in einem atlas von 1945 gefunden:

orteorte.jpg

die wiedergabe unterschiedlicher bedeutung (nicht größe!) scheint hier wichtig genug, um einen großen teil des typografischen pulvers zu verschießen. außer fett und unterstrichen bleibt dann nicht mehr viel übrig.

Und wenn es schon eine Sammelstelle wird, dann etwas ot:

Der Geograph Böhm in Schmilka zeichnet wunderbare Wanderkarten des Elbsandsteingebirges von Hand und beschriftet sie auch so. Links- und rechtsgeneigt.

http://www.boehmwanderkarten.de/kv/is_mmor.html

Hm, warum hat der gute Mann denn da die Comic Sans verwendet? *duck*

Und wenn es schon eine Sammelstelle wird, dann etwas ot:

Der Geograph Böhm in Schmilka zeichnet wunderbare Wanderkarten des Elbsandsteingebirges von Hand und beschriftet sie auch so. Links- und rechtsgeneigt.

http://www.boehmwanderkarten.de/kv/is_mmor.html

Hm, warum hat der gute Mann denn da die Comic Sans verwendet? *duck*

Hmm, elegant, sogar mit "tz"-Ligatur!

Ich habe mal einen Einstellungstest für Grafiker von irgendeiner Werbeagentur gesehen, in dem wurde die Aufgabe gestellt mit der Comic Sans eine Anzeige für Edeluhren zu gestalten, weil der Kunde es sich in de nKopf gesetzt hat. Na, irgend ein Mutiger, der sich daran versuchen will?

Alpha

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