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Standardwerk zur Schriftgeschichte?


Lars Kähler

Empfohlene Beiträge

Moinsen!

 

Gibt es etwas, was Ihr als »Standardwerk der Schriftgeschichte« durchgehen lassen würdet?

 

Halte ich es vielleicht schon in den Händen mit einer Ausgabe von Erich Buchholz’ »Schriftgeschichte als Kunstgeschichte« aus dem Jahr 1965? Was gibt es denn noch so?

 

Ich selbst habe des Weiteren noch folgende Bücher und Broschüren in meinem Bestand:

 

2.

Geschriebenes zu kleiden

Abschnitt »Im Gefolge Gutenbergs«

Festschrift zum 75jährigen Bestehen des Hauses Sigloch

 

3.

Kleine Geschichte der geschriebenen Schrift

Einführung in die abendländische Schriftgeschichte von den Römern bis ins. 20. Jahrhundert

© 1998 Jost Hochuli

 

4.

Die Schriftentwicklung

© 1994 Hans Eduard Meier

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Aha! In der Rezension von amazon zum ersten genannten Buch heißt es: »Dabei haben die unterschiedlichen Alphabete dieser Völker doch denselben Ursprung: die ägyptischen Hieroglyphen!«

Das ist ja Wasser auf meine Mühlen! Nach meinem eigenen Wissen und Verständnis haben sich die Hieroglyphen zunächst als magische Bildzeichen und später dann als Konsonantenschrift entwickelt, etwa um 3200 v. Chr. Vorher schon gab es erste Schriftansätze in Nordkorea und Mittelamerika.

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  • Harald Haarmann: Universalgeschichte der Schrift. Frankfurt am Main: Campus, 1991

Albert Kapr: Schriftkunst. Geschichte, Anatomie und Schönheit der lateinischen Buchstaben. Dresden: Verlag der Kunst, 1971

František Muzika: Die Schöne Schrift in der Entwicklung des lateinischen Alphabets. 2 Bd. Prag: Artia, 1965

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  • 6 Monate später...
Gast

Auch wenn die Diskussion schon etwas her ist …

 

›Schriftgeschichte‹ ist ein umstrittenes Thema, da natürlich die Autoren sich Beispiele heraussuchen, die ihre Argumentation untermauern und die Dokumente nicht immer eindeutig, teilweise nicht vorhanden sind und teilweise spekulativ interpretiert werden. Deshalb würde ich sagen, dass es per se kein Standardwerk gibt. Die Aufgelisteten Bücher sind soweit alle spannend! Empfehlen würde ich Albert Kapr (mit dem Hintergrund, dass er Schrift- und Buchgestalter war, und auch Sozialist), Muzika (eher kritisch), Hans Eduard Meier (gibt einen relativ groben, aber sehr guten Überblick), Max Bollwage und Mediavillas sollen sehr gut sein.

 

Hier noch drei ausgezeichnete Bücher:

André Gürtler ›Die Entwicklung der lateinischen Schrift‹

Gerrit Noordzij ›The stroke. Theory of writing‹

Hans Foerster und Thomas Frenz ›Abriß der lateinischen Paläografie‹

 

Weiterführend könnten noch interessant sein:

Martin Steinmann ›Von der Handschrift zur Druckschrift der Renaissance‹

Edward Johnston ›Writing, Lettering and Illuminating‹

 

Vielleicht hilft es dem einen oder anderen, der jetzt gerade dazu recherchiert …

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Warum ist eigentlich der "sozialistische Hintergrund" von Albert Kapr im Zusammenhang mit der Schriftgeschichte so besonders erwähnenswert?

  • Gefällt 1
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… imperialistische Lügenpresse …

 

Ha, von dieser Druckmaschine habe ich ja noch nie gehört. Eine Presse, die alles Gesetzte während des Druckens in Lügen verwandelt? Teufelswerkzeug das, fürwahr!  ;-)

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Stimmt. Aber die hat definitiv nicht an meiner Schule ihr Unwesen getrieben.  ;-)

 

Und die einzige Presse, die es dort gab, war die Offsethöllenmaschine, an der wir unsere Schülerzeitung wochenends fabrizierten – um sie dann als echtes Presseerzeugnis unter die Schülerschaft zu bringen. Zensur gab es da höchstens mal, wenn wir allzu authentische Lehrerzitate brachten.  ;-)

 

Aber jetzt schnell zurück zum Thema dieses Threads. 

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Jan Tschichold: Meisterbuch der Schrift. Große und informative Abbildungen mit Erläuterungen.

 

Als ein Standardwerk der Schriftgeschichte würde ich die »Schriftanalysen« von Max Caflisch ansehen, weil er zu allen Schriften ihre historischen Wurzeln ausführlich darstellt und überhaupt das Sehen lehrt.

 

Ebenfalls als Sehschule und durch Querverweise als Historie lesbar: »Das wohltemperierte Alphabet« von Axel Bertram.

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In der Druckerei in welcher ich früher beschäftigt war wurde auch die Schülerzeitung des Gymnasiums gedruckt. Einmal hatten die Schöler uns die Vorlage übergeben ohne vorher dem Direktor vorzulegen. Als der dies doch noch mitbekam drehte er mächtig am Rad und einiges wurde trotz Artikel 5 rauszensiert. Hie und da ein Satz aber auch ein oder zwei komplette Artikel.

Die Schüler wollten nicht alles neu setzen und wir nicht alles neu montieren und so wurde es halt von der Offset-Druckplatte getilgt. Dafür gab es spezielle Stifte welche eigentlich eher Schnittkanten verschwinden lassen sollten und auch ein Flüssigkeit. Der fertigen Zeitung sah man die Zensur natürlich sofort an.

 

Den in meinen Augen schlimmsten Satz hatte der Direktor aber aus Unkenntnis übersehen. In einer Grußecke stand in etwa: „Max Mustermann grüßt Frau Soundso.“ – Eigentlich harmlos aber Frau Soundso war eine Lehrerin und Max Mustermann der ortsansässige Beerdigungsunternehmer :shock: .

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Jan Tschichold: Meisterbuch der Schrift. Große und informative Abbildungen mit Erläuterungen.

 

Als ein Standardwerk der Schriftgeschichte würde ich die »Schriftanalysen« von Max Caflisch ansehen, weil er zu allen Schriften ihre historischen Wurzeln ausführlich darstellt und überhaupt das Sehen lehrt.

 

Ebenfalls als Sehschule und durch Querverweise als Historie lesbar: »Das wohltemperierte Alphabet« von Axel Bertram.

 

Oh, der Caflisch interessiert mich. Die anderen beiden natürlich auch, aber die habe ich bereits im Regal stehen (den Tschichold zumindest als Nachdruck), aber den Caflisch kenne ich noch gar nicht und was Du darüber schreibst klingt interessant. Gibt es das Buch noch zu kaufen? Muss ich morgen gleich mal recherchieren. Danke für den Tipp!  :gimmifive:

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http://www.typografie.info/3/page/Buecher/design-und-typografie.html/_/schriftanalysen-r71

 

Ich lese eigentlich ständig in diesen beiden Bänden. Sie sind leider nur schwer zu bekommen.

 

Ebenfalls genauere Einsichten in die Schriftkunst liefert das dicke Frutiger-Buch »Schriften«, in dem er erklärt, warum und wie er seine Werke erschaffen hat. Es ist aber weniger ein Werk über Schriftgeschichte.

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Warum ist eigentlich der "sozialistische Hintergrund" von Albert Kapr im Zusammenhang mit der Schriftgeschichte so besonders erwähnenswert?

Als ich Anfang der 1980er Jahre Schriftsetzerlehrling war, wurde uns Kaprs Buch Gestalt und Funktion der Typographie ans Herz gelegt. Wenn ich mich recht entsinne, wurde es von uns Lehrlingen als praktisch und gut angesehen, daß Kapr darin den Sozialismus wie eine lästige Pflicht in der Einleitung abhandelte, um dann kaum noch einmal darauf zurückzukommen. Man konnte den unvermeidlichen, aber geschickt gebündelten ideologischen Anteil, dem sich ein Autor für ein solches Buch wohl kaum entziehen konnte, also einfach »links« liegenlassen, wodurch dieses Buch bis heute brauchbar geblieben ist. Eine besondere Zuneigung zu Ideologien kann man Kapr nicht vorwerfen, was vielleicht auch dem Einfluß von F.H. Schneidler zu verdanken ist, bei dem Kapr nach dem Krieg studierte.

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Als ein Standardwerk der Schriftgeschichte würde ich die »Schriftanalysen« von Max Caflisch ansehen, weil er zu allen Schriften ihre historischen Wurzeln ausführlich darstellt und überhaupt das Sehen lehrt.

 

Mhh. Aber »alle Schriften« heißt ja in dem Fall: eine vergleichsweise kleine und eher willkürliche Auswahl. Das Ergebnis kann hochspannend sein, aber es kann und will damit nicht dass sein, was ich unter Standardwerk der Schriftgeschichte verstehe. Letzteres will ausdrücklich das große Ganze und alle wesentlichen Verbindungen der Teile verständlich machen. Eine lose Sammlung von Schriftrenzensionen kann das nur schwerlich. 

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Ja, das war mißverständlich. Alle behandelten Schriften, nicht alle, die man für ein Werk über Schriftgeschichte aussuchen würde. Die Schriftanalysen könnten als Standardwerk der Schriftrezension gelten, nicht der Geschichte.

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Eine besondere Zuneigung zu Ideologien kann man Kapr nicht vorwerfen, was vielleicht auch dem Einfluß von F.H. Schneidler zu verdanken ist, bei dem Kapr nach dem Krieg studierte.

Wohl wahr. Und eine gewisse "Linientreue" ist bei Menschen seiner Generation und deren Erlebnissen (Krieg und Vertreibung) nicht so ungewöhnlich oder gar verwerflich, zumal Kapr ja obendrein in der DDR großartige Möglichkeiten bekam, sich als Typograph, Gestalter, Lehrer voll auszuleben. Wer weiß, ob er diese Karriere woanders hätte machen können. Das ging übrigens noch einer ganzen Reihe anderer hervorragender Leute so: Wittkugel, Klemke, Reher, Bertram und viele andere hätten alle problemlos vor 1961 in den Westen gehen können, sind aber als mehr oder auch oft weniger engagierte "Sozialisten" alle in der DDR geblieben ... Es gab ja sogar Fälle, daß einige Leute aus unserem Gewerbe aus dem Westen in die DDR wechselten, wobei nicht immer die politische Überzeugung dazu den Anstoß gegeben hat.

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Ich hatte das Glück, Albert Kapr bei einem seiner Besuche in Braunschweig

näher kennenzulernen. Er stand in ständigem Kontakt mit Klaus Grözinger, seinem
Studienkollegen aus Stuttgarter Zeit. Klaus Grözinger lehrte damals an der

HBK Braunschweig. Bei den Gesprächen mit Albert Kapr habe ich nie auch

nur den Anschein ideologischer Verblendung gewonnen, im Gegenteil: Kapr

war ein exzellenter Fachmann, dessen großes Wissen beeindruckend war.

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Noch ein paar Werke, die lesenswert sind:
 

Barthel, Gustav: Konnte Adam schreiben?

Weltgeschichte der Schrift. Köln, 1972

 

Brandi, Karl: Unsere Schrift. Drei Abhandlungen zur Einführung
in die Geschichte der Schrift und des Buchdrucks.
Göttingen, 1911

Ehmcke, Fritz Helmuth: Die historische Entwicklung der
abendländischen Schriftformen. Ravensburg, 1927

 

Mieses, Matthias: Die Gesetze der Schriftgeschichte. Konfession und Schrift
im Leben der Völker. Wien und Leipzig, 1919

 

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Gast

Sehr spannend, was ihr zu Albert Kapr schreibt! Meine Anmerkung war nicht mehr als eine Anmerkung, die ich interessant finde (und soweit nicht verwerflich, andere politische Ausrichtungen könnten schließlich auch von Interesse sein). Bei Albert Kapr habe ich das erste mal gemerkt, dass sich die Autoren nicht immer einig sind und dass natürlich ein historischer, aber auch ein kultureller und politischer Hintergrund interessant und hilfreich sein können, um zu verstehen, was und warum etwas entstanden sein könnte. Soweit zu den Spekulationen.

Für mich äußert sich sein politisches Engagement auch nicht vorrangig in seiner Arbeit (vielleicht in der Farbwahl ;) aber da gibt es bestimmt auch andere Einflüsse). Aber ich werde mich da jetzt nicht weiter aus dem Fenster lehnen, weil hier so ein politisches Thema weit ausufern könnte …

 

In ›Schrift- und Buchkunst‹ sind einige seiner Reden und Vorträge vor allem zur Schrift- und Buchkunst in der DDR und zur Leipziger Schule und deren Entwicklung abgedruckt, ich habe erst vor ein paar Tagen reingelesen, sehr spannend!

 

Den Caflish habe ich mal überflogen, aber muss ich mir auch unbedingt nochmal genauer anschauen! Danke :nicken:

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Aber ich werde mich da jetzt nicht weiter aus dem Fenster lehnen, weil hier so ein politisches Thema weit ausufern könnte …

 

:tuschel:  Aber doch nicht in diesem Forum.

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  • 3 Wochen später...

Auch noch interessant zum Thema:

 

Harald Haarmann: Universalgeschichte der Schrift - Reprint Tolkemitt Verlag bei Zweitausendeins, 1990

 

Referenzwerk zur Entstehung von Schriften aus sprachwissenschaftlicher Sicht. Wurde schon mal hier genannt - hier die Lizenzausgabe, die z.Z. immer noch günstig zu erwerben ist. Das Buch wird kontrovers beurteilt, da es sehr tief in die Schriftgeschichte eindringt und einige Aussagen von Haarmann zur Schriftentstehung von Kritikern differenziert beurteilt werden. Das ist im wissenschaftlichen Umfeld nicht ungewöhnlich, sollte man aber wissen. Trotzdem ein interessantes Buch.

 

 

Robert Bringhurst: The Elements of Typographic Style - Hartley and Marks Publishers; 3rd edition, 2004

Greift veranschaulichend auf Schriftenklassiker etwa ab der Renaissance zu. Sehr gutes,  allgemeine typografische Fragen erläuterndes Fachbuch.

 

 

Jan Tschichold: Schriften 1925-1974 - Berlin: Brinkmann und Bose, 1991

 

Typografischer Allrounder in 2 Bänden mit schriftgeschichtlichen Teil. Inkl. einer interessanten Abhandlung zum Et-Zeichen (mit Sonderform tironisches Et), die sonst nur als seperate Publikation erhältlich ist. Antiquarisch noch zu haben und neu derzeit (noch) günstig bei Frölich und Kaufmann, wenn nicht schon vergriffen.

 

 

...und auch das noch:

 

 

Gerrit Noordzij: Letterletter - Hartley and Marks Publishers 2000

 

Gute Essays zum Thema Typografie aus Noordzijs Newslettern, zusammengefasst in einem Buch..

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