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Drain-Spotter


Pachulke

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wer stellt diese gullidecke eigentlich her?
Gießereien. Früher gab es die in jeder Kleinstadt (man lernt viel über Industriegeschichte bei der Sache), jetzt ist natürlich fast alles zusammenfusioniert.
wer entscheidet wie diese auszusehen haben?
Standarddeckel wird die Gießerei vom Lager verkaufen, bei Extrawünschen entscheidet natürlich der Kunde, was er will.
gibts dafür designer?
Das ist eine interessante Frage. Ich überlege seit einigen Jahren, wie ich da ’reinkommen könnte. Das was bisher in Deutschland an Deckeln liegt, kann ein Schriftsetzer auch »designen«, außerdem kann man ja jederzeit bei Bedarf Graphiker hinzuziehen. Drei Dinge halten mich noch davon ab, mich in die Sache hineinzustürzen:

1. habe ich auch so genug zu tun

2. hat man es da wohl hauptsächlich mit öffentlichen Auftraggebern (Tiefbauämtern) zu tun und ich habe traumatische Erfahrungen mit den Arbeitsstrukturen öffentlicher Auftraggeber gemacht.

3. bin ich mir nicht sicher, ob man da nicht dreidimensional arbeitende Software brauchen würde, denn wir haben es ja mit einem Relief zu tun.

Aber es juckt mich unheimlich in den Fingern, diese Kanalgeschichte commerziell anzugehen, zumal man hier in Deutschland viel Gutes tun könnte. Die meisten Tiefbauämter entscheiden rein funktional und ohne der Ästhetik einen Gedanken zu widmen, dabei ist können sich selbst sehr kleine Kommunen eigene, gestaltete Deckel leisten und so eine extrem preiswerte, dauerhafte Imagewerbung treiben.

Es gibt offensichtlich einen Nischenmarkt für Werbedeckel in Kleinstauflagen, aber das ist kein richtiger Grauguß. Ansonsten scheint das werbetechnisch Terra incognita zu sein, vielleicht ist das Medium auch zu langfristig für Werbung, schließlich hat so ein Deckel eine deutlich höhere Lebenserwartung als ein durchschnittliches Unternehmen.

parfumviglahnsyltss4.jpg

Marcus Botsch, der das CD für die Berliner Wasserbetriebe gestaltet hat, durfte auch einen Kanaldeckel entwerfen, stellt diesen aber nicht mal als Referenz auf seiner Netzseite aus.

berlinerwasserbetriebejb6.jpg

ist das ein ausbildungsberuf?
Belieben zu scherzen?
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ist das ein ausbildungsberuf?
Belieben zu scherzen?

Warum? Im Ausbildungsverzeichnis 1993/94 war z.B. »Gummistrumpfstricker« explizit angegeben, staatlich anerkannter Kanaldeckeldesigner kommt mir da ehrlich gesagt deutlich weniger merkwürdig vor! :mrgreen:

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Aber es juckt mich unheimlich in den Fingern, diese Kanalgeschichte commerziell anzugehen, zumal man hier in Deutschland viel Gutes tun könnte. Die meisten Tiefbauämter entscheiden rein funktional und ohne der Ästhetik einen Gedanken zu widmen, dabei ist können sich selbst sehr kleine Kommunen eigene, gestaltete Deckel leisten und so eine extrem preiswerte, dauerhafte Imagewerbung treiben.

Es gibt offensichtlich einen Nischenmarkt für Werbedeckel in Kleinstauflagen, aber das ist kein richtiger Grauguß. Ansonsten scheint das werbetechnisch Terra incognita zu sein, vielleicht ist das Medium auch zu langfristig für Werbung, schließlich hat so ein Deckel eine deutlich höhere Lebenserwartung als ein durchschnittliches Unternehmen.

Allerdings ändert sich das im Augenblick, nicht zuletzt weil wegen gestiegener Stahlpreise das stehlen von Kanaldeckeln (sic) nun attraktiv ist . Viele Städte versuchen dem mit markierten Deckeln (oft mit Stadtwappen o.ä. geschmückt) vorzubeugen, andere benutzen nicht leicht entnehmbare Deckel mit Klappscharnier. Es gibt also tatsächlich eine gewisse Nachfrage nach gestaltung. Für die Werbedeckel besitzt eine Firma ein Patent, bei dem Auf einem ähnlich dem Standarddeckeln gebautem Deckel aus Eisenguss eine auswechselbare Messing-, Alu, oder Bronzeplatte aufgebracht wird. Hier ein Beispiel aus der Hansestadt Dortmund:

1258056.c49c0a151.l.jpg

Und nackig:

1258057.9cfbb4f81.l.jpg

1258055.a6931d8c1.l.jpg

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Ja die Dannhäuser-Deckel sind mir schon immer mal begegnet, aber das Normale ist ja, daß eine Kommune sich eigene Deckel machen läßt. Das wertet gegenüber den häßlichen Betondeckeln das Straßenbild auf. Und da gäbe es in Deutschland tatsächlich Bedarf für etliche »staatlich anerkannte Kanaldeckeldesigner«, wie Norbert so schön schreibt.

Aber nochmal die Frage: Mit welcher Software kann man solche 3-D-Reliefs (siehe Blätter) gestalten? Oder wird das gar analog gemacht? Soviel ich weiß, wird für eine »verlorene« Gußform ja eine Holzform gebaut. Ist das teilweise Handarbeit?

hochdorf2vj4.jpg

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Mit CAD-Software, oder? Das scheint doch zumindest nahe zu liegen. Zunächst auf CNC-Fräsen oder oder Fabern ausgegeben. Allerdings lassen die Buchstaben auf vielen auch neuen Deckeln vermuten, dass da auch z.T. Handarbeit passiert, es scheint als würden auch Wachsbuchstaben verwendet.

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Zunächst auf CNC-Fräsen oder oder Fabern ausgegeben…
Faber, auch Faberrebe, ist eine Rebsorte…

:?:

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Ich sehe schon, ich sollte mich mal mit den technologischen Grundlagen des Gusses auseinandersetzen.

Hat hier jemand schon mal mit CAD-Programmen zu tun gehabt?

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Vermutlich musst Du da wirklich tiefer einsteigen. Aber vielleicht hilft ja schon eine kleine Nachfrage bei einem Hersteller weiter? Die könnten ja ein interesse haben. Diese Dannhäuser-Werbefritzen doch auf jeden Fall.

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Es gibt doch auch Kanaldeckel mit austauschbarer Oberseite, die farbig gedruckte runde „Plakate“ haben. Die Lösung wird ähnlich wie bei den austauschbaren Metallplatten sein, nur dass hier noch eine Plexiglasplatte (?) die Werbung abdeckt. Ich find grad kein Beispiel, aber ich hab hier schon mal sowas gesehen.

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Es gibt doch auch Kanaldeckel mit austauschbarer Oberseite, die farbig gedruckte runde „Plakate“ haben.

Das habe ich noch nicht gesehen, würde mich mal interessieren.

Habe mich am Wochenende mal mit einem Modellbauer für Gußformen unterhalten; die Sache ist komplex, es gibt wohl verschiedene technologische Wege von A nach B, wenn ich jetzt mal A als den zweidimensionalen Gestaltungsentwurf und B als den fertigen Deckel setze.

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So, hier mal ein kleines Typo-Rätsel:

auschnittwf8.jpg

Handelt es sich bei der Schrift auf dem Kanaldeckelausschnitt um ein MS oder um ein SW — oder, anders gefragt: Wo ist hier oben und wo unten? Zusatzfrage: Wie heißt die Gießerei?

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…heißt das StadtWerkeUlm?

Das ist, zumindest was die regionale Einordnung angeht, schon ziemlich nah dran (ca. 70 km).

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Das die Buchstaben umschließende Ding ist wahrscheinlich die Darstellung einer Gussbirne, Öffnung oben. Somit müsste es MS heißen.

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Naja, der Deckel scheint aber nicht aus vorindustrieellen Zeiten zu stammen, oder? Ich glaube nicht, dass der Hersteller auf archaische Verfahren verweist.

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  • 2 Wochen später...

Zeit für die Auflösung:

mstreichermsstuttgartbagm9.jpg

Es stimmt also tasächlich, es handelt sich um ein MS, das für Michael Streicher (1836-1890), Gründer der Firma »M. Streicher, Eisen- u. Stahlgießerei, Dampfkesselfabrik, Fahrzeugbau« in Bad Cannstatt steht.

Ich bin auf das Rätsel gekommen, da man mitunter den Deckel ohne Text, nur mit Logo findet und dann wirklich am rätseln ist, wo denn nun oben und unten ist, zumal das M ja unseren Sehgewohnheiten entsprechend wegen des relativ flachen Winkels der Schenkel wirklich eher als W wahrgenommen wird:

msyh4.jpg

Hey scheint also auch mit der Gußbirne rechtzuhaben. Es gibt von dieser Firma noch andere, recht schöne Deckel auf der Straße, leider kaum Informationen im Netz.

canalbaumstreicher1934kk7.jpg

Ich würde gern noch mehr Streicherdeckel einstellen, aber Imageshack ist wieder so langsam…

Dank an alle Mitspieler. Hey gewinnt, wenn er möchte, ein Drainspotter-T-Shirt mit einem Kanaldeckel seiner Wahl.

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gibts eigentlich auch einen typischen deutschen "durchschnittsgullideckel"?

eine helvetica unter den gulliabdeckungen? die form und das muster

deines ersten MS-deckels finde ich als laie schon ziemlich typisch.

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Na klar, da isser —

von der Mayerschen Gießerei:

b1fr0.jpg

von Buderus:

b2xp7.jpg

… und so kompatibel, daß man hier gleich mal einen Rahmen vom Guß- und Armaturenwerk Kaiserslautern mit einem Einsatz von Eisenhammer Dresden gekreuzt hat:

b3td9.jpg

Bei den gegenwärtig hohen Stahlpreisen steht zu befürchten, daß diese gesichtslosen Betondinger sich weiterhin metastasenartig auf Deutschlands Straßen verbreiten.

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  • 2 Wochen später...

Bei Karlsruhe denk’ ich an Tübingen; man beachte das Ü und nehme es als Beweis, daß die Gießer schon etwas professionelle typographische Unterstützung brauchen könnten:

swtbingenzd8.jpg

Aber es gibt auch so schöne Sachen wie das Antiqua-Lang-s in Thüringen:

franzschaefermhlhausenizf1.jpg

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