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Entwicklung von Schriftschnitten (regular, bold, light): Welche Proportionen verwenden?

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designermohr

Ich habe einen Font im Schriftschnitt regular entwickelt. So weit so gut.

 

Jetzt möchte ich aber zusätzlich noch die Schriftschnitte Light und Bold entwickeln und frage mich, ob hierzu Regeln/Definitionen/Erfahrungen bzgl. der Proportionen/Größenverhältnisse gibt.

 

#1

D.h. ist zum Beispiel ein Stamm/Strich eines Light-Schnittes nur halb so dick/breit wie der eines Regular-Schnittes? Noch dazu bei einer Antigua mit unterschiedlich breiten Stämmen ...

 

#2

Wenn ja es Proportionen der Schriftschnitte zueinander gibt, wie verhalten sich diese rechnerisch.

Regular = 100% in der Breite des Stammes, aber Light = 80% und Bold = 120%?

 

#3

Wie erfolgt die Ausrichtung der neuen Schnitte zum Regular-Schnitt?
Proportional gleich? -> D.h. eine Bold-Variante eines Zeichens in Regular "wächst" gleichmäßig nach innen und außen?

 

#4

Die Versal-/X-höhen bleiben ja vermutlich unter den Schriftschnitten einer Schriftfamilie gleich. Aber wie sieht es mit der Dickte aus. Ist es erstrebenswert, dass die Dickte eines Zeichens bei unterschiedlichen Schriftschnitten gleichbleibt? Oder „darf“ ein Bold-Schnitt eines Zeichens im Verhältnis zum Regular-Schnitt in der Dickte zu legen?
 

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Hans Schumacher

Und den noch: http://briem.net/

 

#1 und #2: Notes on type design / Bold /

 

 

What exactly is a bold? It’s probably whatever you say it is, as long as it isn’t actually lighter than the regular weight. It is usually between two-fifths and two-thirds heavier.

 

#3: Notes on type design / Bold / Where?
 

 

Here are five versions of a bold letter u. … Second from the right is a letter with three fourths of the weight on the inside and one-fourth on the outside. That seems to be a popular choice.

 

 

#4: Ein Bold-Schnitt darf in der Dickte zulegen, ja tut das normalerweise auch, es sei denn es handelt sich um eine nichtproportionale Schrift, also eine Monospace. Die Versal-Höhe bleibt gleich, die X-Höhe kann sich durchaus unterscheiden.

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Martin Z. Schröder

#4: Ein Bold-Schnitt darf in der Dickte zulegen, ja tut das normalerweise auch, es sei denn es handelt sich um eine nichtproportionale Schrift, also eine Monospace. Die Versal-Höhe bleibt gleich, die X-Höhe kann sich durchaus unterscheiden.

In der Bleisatz-Walbaum von Berthold sind die halbfetten Gemeinen breiter als die mageren, aber die halbfetten Versalien sind schmaler als die mageren. Man macht eine Schrift also nicht allein dunkler durch Verbreiterung der schwarzen Linien, sondern auch durch Verschmälerung der weißen Flächen. »Fetter« heißt erst einmal nicht »breiter«, sondern »dunkler«.

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Hans Schumacher

Ist aber eine schöne Antwort für die Frage #3

Wie erfolgt die Ausrichtung der neuen Schnitte zum Regular-Schnitt?
Proportional gleich? -> D.h. eine Bold-Variante eines Zeichens in Regular "wächst" gleichmäßig nach innen und außen?

 

und wenn es bei der Bleisatz-Walbaum von Martin so gehalten ist – also Zuwachs bei den Versalien nach innen, bei den Gemeinen sowohl als auch, zeigt es ja auch ganz schön wie flexibel das gehandhabt werden kann.

 

In der Regel würde – s. Briem – eine Schrift, bei der alles zusätzliche »Gewicht«, also die Verdickung der Stämme, nach innen wandert, geschmälert bzw. condensed erscheinen.

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Martin Z. Schröder
#4: Ein Bold-Schnitt darf in der Dickte zulegen, ja tut das normalerweise auch, es sei denn es handelt sich um eine nichtproportionale Schrift, also eine Monospace. Die Versal-Höhe bleibt gleich, die X-Höhe kann sich durchaus unterscheiden.

 

Auch dazu noch eine Anmerkung: In der Arno (digital) sind die Versalien der fetteren Schnitte niedriger als die des gewöhnlichen Schnitts. In der Stempel-Garamond (digital) sind die fetten Versalien etwas höher als die mageren.

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Hans Schumacher

Auch dazu noch eine Anmerkung: In der Arno (digital) sind die Versalien der fetteren Schnitte niedriger als die des gewöhnlichen Schnitts. In der Stempel-Garamond (digital) sind die fetten Versalien etwas höher als die mageren.

 

Tja, soviel zu absoluten Aussagen :nicken:

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Hans Schumacher

Leichte Schnitte fallen in der Regel optisch etwas größer aus als fette. Manche Schriftgestalter berücksichtigen das und gleichen entsprechend aus.  :nicken:

 

Und wie erklären wir jetzt dem jungen Mann designermohr, warum dieser optische Ausgleich bei Arno und Stempel Garamond jeweils unterschiedlich vorgenommen wurde :-?

 

Ich würde jetzt mal eingeschränkter formulieren, daß ein optischer Ausgleich in der Regel bei Versalien nicht vorgenommen wird, aber das es durchaus Usus ist, die x-Höhe entsprechend zu korrigieren … und habe mal bei Minion Pro und Syntax nachgeschaut. Bei beiden wird die x-Höhe der fetten Schnitte leicht angehoben, damit sie optisch mit den normalen Schnitten harmonieren (s. screenshot, ich hoffe es ist einigermassen zu sehen)

 

post-14976-0-20955500-1424809519_thumb.p

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designermohr

Erstmal besten Dank an alle Foren-Mitglieder die mir so hilfreich geantwortet haben.

 

Ich denke es gibt viel mehr Möglichkeiten als gedacht und wie hier auch offensichtlicht als sinnvoll beschrieben werden, um einen Schriftschnitt Bold von einem bestehenden Schriftschnitt (regular) zu entwickeln.

 

Die Antwort, Hilfestellung von Herrn Martin Z. Schröder hat mir sehr geholfen und bringt mir ganz neue (wichtige) Aspekte in die Gestaltung der Schriftschnitte ein. Stichwort „dunkler“ / „heller“ statt „fetter“ / „schmaler“.

 

Ich werden es erstmal mit Hilfestellungen von TYPOGRAFSKI und StefanB versuchen und für einen Teil des Zeichensatzes einfach mal ein paar leicht unterschiedliche Schriftschnitte erstellen.

 

Mit diesen vielen Hinweisen und Ratschlägen weiß ich zu mindestens, dass ich auf den richtigen Weg bin und das ist wichtig und sehr hilfreich. Um so mehr, dass ich nun auch erfahren habe, dass es nicht die eine „goldene Regel“ gibt bei der Erstellung von Schriftschnitten.

 

Ich würde aber gerne den Gedanken/Fragestellung bzgl. breitere Dickte bei Bold-Schriftschnitten gegenüber den Regular-Schriftschnitten erneut aufgreifen und etwas anders Fragen. Eines ist nun klar, dass der Schriftschnitt „bold“ auch deutlich nach innen wachsen und dunkler sein sollte, sowie ggf. auch in der Dickte breiter sein darf.

 

>> Trotzdem stellt sich die Frage, ob es nicht besser, praktischer und sinnvoller ist, eine gleichbleibende Dickte bei einem Zeichen von light über regular zu bold zu erzielen, um ggf. in Tabellen oder im Fließtext kein übermäßigen Raum (bei den breiteren Schnitten) zu verbrauchen. D.h. wäre es nicht schön, wenn der Schnitt bold nicht mehr Raum benötigt als regular ud somit sich bei gleichzeitiger Nutzung in einem Layout/Fließtext gleichmäßiger einfügt?

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R::bert

>> Trotzdem stellt sich die Frage, ob es nicht besser, praktischer und sinnvoller ist, eine gleichbleibende Dickte bei einem Zeichen von light über regular zu bold zu erzielen, um ggf. in Tabellen oder im Fließtext kein übermäßigen Raum (bei den breiteren Schnitten) zu verbrauchen. D.h. wäre es nicht schön, wenn der Schnitt bold nicht mehr Raum benötigt als regular ud somit sich bei gleichzeitiger Nutzung in einem Layout/Fließtext gleichmäßiger einfügt?

 

Dass haben wir hier schon mal diskutiert:

http://www.typografie.info/3/topic/32376-proportionale-schriften-mit-identischem-platzbedarf-in-verschiedenen-strichstärken/?p=187203

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Hans Schumacher
Eines ist nun klar, dass der Schriftschnitt „bold“ auch deutlich nach innen wachsen und dunkler sein sollte, sowie ggf. auch in der Dickte breiter sein darf.

 

Ich hab hier mal die klassische Übersicht des Ausbaus der Univers von Frutiger aus dem Netz gefischt – vielleicht hilft dir das ein wenig sich von den doch sehr formalistischen die Dickte muss bei allen Schnitten identisch sein Überlegungen frei zu machen. Deutlich sichtbar ist wohl, das innerhalb einer vertikalen Kategorie – ganz rechts: ultra condensed, ganz links: extended, dazwischen condensed und regular – der Buchstabe, wenn fetter/dunkler auch in der Breite Zuwachs hat. Die Dickte wird also auch ein bisschen wachsen, auch wenn die Zurichtung bei fetten Schnitten in der Regel etwas enger als bei den normalen sein darf:

post-14976-0-12959100-1425406675_thumb.j

 

Tobias Frere-Jones hat übrigens auf seinem Blog eine schöne Artikelserie gestartet mit dem Titel Typeface Mechanics berührt jetzt zwar nicht direkt dein Thema aber vielleicht die nächste Ausgabe? ah, ja:

 

The entanglements of weight, width, and spacing happen at the same time, as do the predicaments inside each letter. But those come next. 

bearbeitet von Hans Schumacher
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