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BerndH

OpenType-Features in EB Garamond

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BerndH

Liebe Foristi,

nach langer Zeit melde ich mich mal wieder.

Die OFL-lizensierte EB Garamond wurde über die ursprünglichen Arbeiten von Georg Duffner hinaus (http://www.georgduffner.at/ebgaramond/) durch Octavio Pardo erweitert (https://github.com/octaviopardo/EBGaramond12).
Duffner hatte zwei Schriftgrößen (12  und 8) als Regular, Italic und SC digitalisert (diese Fassung ist noch hier zu finden, https://www.fontsquirrel.com/fonts/eb-garamond), Pardo hat auf der 12er-Variante aufgebaut und unter anderem verschiedene Gewichte hinzugefügt. Die EB Garamond 08 von Duffner lässt sich für kleine Größen immer noch vorteilhaft mit der neuen EB Garamond kombinieren.

Die Opentype-Features der Duffner-Version sind gut dokumentiert, https://github.com/georgd/EB-Garamond/blob/master/specimen/Specimen.pdf?raw=true, die der Pardo-Version stimmen aber, wie ich feststellen musste,  nicht damit überein und sind nach meinem Kenntnisstand auch nicht dokumentiert :-( 

Die Schrift gefällt mir sehr gut, Erik Spiekermann und ich haben insofern den gleichen Geschmack ;-)

 


Ich benutze keine Profi-Software, sondern LibreOffice, das ja seit geraumer Zeit Unterstützung für Opentype-Features anbietet.

Zur Anwendung dieser Schrift habe ich zwei Fragen, zu denen ich um Hilfe bitte:

Mit meinen beschränkten nicht-Profi-Werkzeugen fällt es mir schwer, die Opentype-Features herauszubekommen. Das eine oder andere habe ich durch Probieren gefunden. Mit otfinfo kann ich zwar eine Liste abfragen (am Ende des Beitrags ist sie angehängt), aber abgesehen von den selbsterklärenden weiß ich nicht, was ausgelöst wird. Gibt es einen anderen Weg, automatisiert abzufragen, was genau die Aktivierung der Features zur Folge hat? (So hat z.B. swsh nur Auswirkungen in der Kursiven, da konnte ich im Regular-Schnitt probieren, so lange ich wollte...)
Und die zweite Frage:
Zumindest bei den von mir genutzten Werkzeugen wird zwar bei fi, nicht aber bei , und eine Ligatur gesetzt. Das ist schon in der Regular bei unschön und bei und gerade noch erträglich, wenn es fetter wird, geht es gar nicht.  Es gibt vielleicht ja eine schmalere f-Variante, die idealerweise automatisch gesetzt werden sollte, die ich aber auch manuell nachpflegen kann - wie bekomme ich den Unicode dafür heraus, falls sie existiert? Oder existieren -, - und -Ligaturen, die nur nicht automatisch gesetzt werden? 

Falls jemand Freude hat, den Dateien mit besserem Werkzeug auf den Leib zu rücken, wäre ich sehr dankbar. Bei dieser wirklich schönen Schrift wäre es schade, wenn das f-Problem nicht behoben werden kann.

otfinfo -f ./EBGaramond-Regular.otf
 

aalt    Access All Alternates
c2pc    Petite Capitals From Capitals
c2sc    Small Capitals From Capitals
case    Case-Sensitive Forms
dlig    Discretionary Ligatures
frac    Fractions
hist    Historical Forms
hlig    Historical Ligatures
kern    Kerning
liga    Standard Ligatures
lnum    Lining Figures
mark    Mark Positioning
mkmk    Mark to Mark Positioning
onum    Oldstyle Figures
ordn    Ordinals
pcap    Petite Capitals
pnum    Proportional Figures
sinf    Scientific Inferiors
smcp    Small Capitals
ss01    Stylistic Set 1
ss02    Stylistic Set 2
ss03    Stylistic Set 3
ss04    Stylistic Set 4
ss05    Stylistic Set 5
ss06    Stylistic Set 6
ss07    Stylistic Set 7
subs    Subscript
sups    Superscript
swsh    Swash
tnum    Tabular Figures

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Ralf Herrmann

Du könntest die Schriften in einem Fonteditor wie FontForge öffnen und dir direkt den OpenType-Code anschauen. Dort siehst du dann auf einen Blick was passiert. 

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BerndH

Danke, ich werde versuchen, mich da einzulesen.

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BerndH

So, zitternden Fingers habe ich jetzt FontForge installiert und den Font geöffnet. Zu den OpenType-Features bin ich noch nicht vorgedrungen, aber zu meiner zweiten Frage von oben habe ich herausgefunden, dass es tatsächlich ein short f gibt.
Ganz am Ende der Zeichentabelle wird es angezeigt, nur: Es hat den gleichen Unicode-Wert wie das Standard-f, nämlich 0066. Mein Plan, es manuell einzugeben bzw eine Ersetzung laufen zu lassen, kann also nicht aufgehen, da ich das Zeichen nicht erzeugen kann. 

Ist diese Codierung mit gleichem Wert normal? Was kann ich tun, damit short f vor üöä angezeigt wird? Und vermutlich sind das ja nicht die einzigen sinnvollen Einsätze, vor schließenden Klammern, Abführungszeichen, Frage- und Ausrufezeichen wäre es auch besser...

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Þorsten
vor 2 Stunden schrieb BerndH:

Es hat den gleichen Unicode-Wert wie das Standard-f, nämlich 0066.

Nein, es hat gar keinen Unicode-Wert. Das ist für Alternativglyphen, die nur per Opentype angesprochen werden können/sollen, normal. (Es sieht nur so aus, als hätte es denselben Unicode-Wert wie das normale f. Fontforge weiß, dass f.short eine Version des f ist und zeigt das dann so komisch an.)

 

vor 2 Stunden schrieb BerndH:

Was kann ich tun, damit short f vor üöä angezeigt wird?

Soweit ich sehen kann, lässt sich f.short zumindest in der Regular, die ich angekuckt habe, gar nicht ansprechen, auch nicht per Opentype. Da es eine OFL-Schrift ist, darfst du aber selbst Hand anlegen oder einen Forumsfreund darum bitten. Ideal wäre es vielleicht, das gleich mit Glyphs zu machen (die Source-Dateien stehen im Github), aber wenn sie da niemand findet, modifiziere ich dir gerne die TTF- oder OTF-Fonts mit Fontforge.

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BerndH

Hallo Thorsten, das ist sehr freundlich. Ich selbst traue mir das noch nicht zu, habe heute das erste mal einen Font überhaupt nur zum Anschauen geöffnet, und finde die Menüeinträge in FontForge ausgesprochen mysteriös (wobei mir schon vorher klar war, dass hinter der technischen Umsetzung eines Fonts erheblicher Aufwand steht).

Falls sich also kein anderer findet, komme ich sehr gern auf dein großherziges Angebot eingehen.
Vorschlag dazu: Ich bin aktuell dabei, die Schrift näher kennenzulernen. Ich würde gern noch etwas abwarten, hier posten, was mir auffällt, und versuchen, es zu verstehen, vielleicht ergibt sich ja dann noch eine sinnvolle Änderung oder zwei (in einem vernünftigen Rahmen, natürlich!).

Also, ich poste mal weiter, was mir auffällt, bitte um Erklärung, und dann frage ich dich noch mal, falls sich kein anderer Forumsfreund findet.
Erstmal schon: Danke.

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Þorsten

Welche der Fonts würdest du denn verwenden wollen? Die Duffner- oder Pardo-Version? TTF oder OTF? In die Fonts, die du magst fä-, fö- und fü-Ligaturen einzubauen (die automatisch in modernen LibreOffice-Versionen funktionieren) sollte eigentlich keine größere Hürde darstellen. Bräuchtest du sonst noch was? Ich würde wohl auch f.short individuell ansprechbar machen, damit man es bei Bedarf vor jedem Zeichen aktivieren kann.

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BerndH

Pardo-Version https://github.com/octaviopardo/EBGaramond12, sie hat deutlich mehr Schnitte.
Aus der Duffner-Version nutze ich die EB-Garamon08 als Caption-Schnitt zusätzlich. 

Wobei nutze eher bedeutet will ich künftig nutzen, ich bin wie gesagt noch in der Kennenlernphase.

BTW, und ich rede erstmal immer vom Regular-Schnitt:
Ich bin ja wie oben beschrieben erstmal nur dabei, die verschiedenen vorhandenen OpenType-Features kennenzulernen und zu verstehen. (z.B., dass der Regular-Schnitt zwar swsh enthält, aber Änderungen nur in der Kursive dadurch entstehen). Auch suche ich noch, ob es alternativ bei den onum-Glyphen eine 1 gibt, die nicht die klein-i Form hat.

Wenn man in professioneller Software das ja vorhandene aalt aktiviert, entsteht dann bei euch auch ein seltsamer Mix aus Kapitälchen mit eingestreuten Nicht-Kapitälchen bei den Umlauten und anderen Zeichen, z.B. den Anführungsstrichen?
Ich muss halt im Einzelfall rauskriegen, ob ich an handwerkliche Grenzen des Font stoße oder ob LibreOffice bestimmte Dinge verursacht,;ein bekanntes Problem ist z.B., dass EB Garamond in LibreOffice keine Ligaturen setzt, wenn die Dokumentsprache auf Deutsch steht. Gut, das ist schnell behoben, muss man aber erstmal wissen.

Jetzt kann man natürlich fragen, warum jemand sich mit solchen Unzulänglichkeiten herumärgert, statt eine bessere kommerzielle Garamond einzusetzen. Die Antwort, wie so oft bei mir: Ich arbeite für eine und mit Leuten aus einer Nonprofit, weil der Font und damit zu erstellende Vorlagen weitergegeben werden sollen. Ich hab schon auch gekaufte Schriften für den Eigenbedarf ;-) .

Edit: Ach ja, und weil ich die Glyphen und den Gesamteindruck der Schrift wirklich wunderschön finde.

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Þorsten
vor 6 Minuten schrieb BerndH:

Auch suche ich noch, ob es alternativ bei den onum-Glyphen eine 1 gibt, die nicht die klein-i Form hat.

Jein. Es gibt eine onum+tnum-1 (also bei den mediävalen Tabellenziffern), die wie eine »normale« 1 statt wie ein garamondscher Doppel-T-Träger aussieht. Am Anfang einer Ziffernfolge sollte man die relativ problemlos einsetzen können.

 

vor 6 Minuten schrieb BerndH:

Wenn man in professioneller Software das ja vorhandene aalt aktiviert, entsteht dann bei euch auch ein seltsamer Mix aus Kapitälchen mit eingestreuten Nicht-Kapitälchen bei den Umlauten und anderen Zeichen, z.B. den Anführungsstrichen?

aalt ist nicht dazu gedacht, global aktiviert zu werden. Da sollte eigentlich ein Menü aufgehen, dass dem Nutzer individuell erlaubt, ein, sagen wir mal, a im Text in irgendein Alternativ-a zu verwandeln.

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BerndH
vor 1 Minute schrieb Þorsten:

Jein. Es gibt eine onum+tnum-1 (also bei den mediävalen Tabellenziffern), die wie eine »normale« 1 statt wie ein garamondscher Doppel-T-Träger aussieht. Am Anfang einer Ziffernfolge sollte man die relativ problemlos einsetzen können.

Ah ja. Ist auch kein KO-Kriterium, kann dann aber dann im Einzelfall mal so genutzt werden.
 

vor 2 Minuten schrieb Þorsten:

aalt ist nicht dazu gedacht, global aktiviert zu werden. Da sollte eigentlich ein Menü aufgehen, dass dem Nutzer individuell erlaubt, ein, sagen wir mal, a im Text in irgendein Alternativ-a zu verwandeln.

Asche auf mein Haupt.

 

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Þorsten
vor 9 Minuten schrieb BerndH:

Asche auf mein Haupt.

Aber nicht doch! Die Sache ist ja auch überhaupt nicht intuitiv. aalt lässt sich wie jede andere Opentype-Funktion global aktivieren, aber es ergibt praktisch keinen Sinn, das auch zu tun. :peng:

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catfonts

und dann könnte man soche immer-nützlich-Ersetzungen wie f (und möglicherweise langes s) mit ä, ö, ü auch gut in  calt  unterbringen. Dann wären die standardmäßig aktiv, ohne doe anderen eher stituationsabhängigen  aalt kollegen mit im Boot zu haben.

 

Leider kann ich das derzeit nicht anbieten, schreibe aus der Klinik :-( , sonst wäre das ja kein Ding...

 

Was die Frage anbelangt, welche OT-Features in einem Font stecken, hatte ich von einemm ehemaligen Forenmitglied vor längerer Zeit ein Tool bekommen, dass ich auch weitergeben darf: http://peter-wiegel.de/opentype-tool.html

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BerndH

Hallo Peter, als allererstes: Gute Besserung, mein Lieber!

Und dann, danke für das Tool -- nach der Beschreibung ist das etwas, was mir (nicht nur bei der EB Garamond) äußerst nützlich sein wird.
Leider habe ich standardmäßig keinen Windows-Rechner, aber ich habe schon eine Weile auf dem Schirm, mir für Testzwecke und dergleichen eine Windows-Installation zuzulegen, und ich werde sicher schon vorher Gelegenheit haben, dieses Tool anderswo auszuprobieren.

Vielen Dank!

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Þorsten
vor 26 Minuten schrieb BerndH:

Hallo Peter: Gute Besserung, mein Lieber!

👆👆👆👆👆👆👆👆👆👆👆👆👆👆👆👆👆👆👆👆👆🍀🐞:biglove:

 

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KlausWehling

Gute Besserung! :trost:

 

Beste Grüße

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catfonts

Herzlichen Dank, Euch allen, Schön, dass man Dank Laptop nicht von der Welt abgeschnitten ist...

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Norbert P

Auch von mir ganz dolle Genesungswünsche!

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BerndH

Um auf die Schrift zurückzukommen:
Ich geb's erstmal auf. Neben den schon genannten Problemchen habe ich nach näherer Beschäftigung und Probedrucken in verschiedenen Größen den Eindruck gewinnen müssen, dass die (unfertige, aber so weit [und so weit ich das beurteilen kann] gute) Fassung von Georg Duffner im Nachhinein in Teilen verschlimmbessert wurde, so besonders bei den fetteren Schnitten.
Schade.

Bei der ebenfalls sehr schönen Bona Nova gibt es wohl immer noch das ungelöste Problem mit der Fehlauszeichnung des Gewichts, siehe hier:

Und die hervorragende, überaus elegante Cormorant taugt halt mehr für Schaugrößen (obwohl, hmmm...)
Ich suche mal weiter.
Danke allen Beiträgern.

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Norbert P
vor 8 Stunden schrieb BerndH:

(obwohl, hmmm...)

Ich hab die Cormorant Infant (mit zugegebenermaßen immerhin 14 pt) schon als Lauftextschrift eingesetzt, hat prima funktioniert.

  • sehr interessant! 1

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BerndH
vor 7 Stunden schrieb Norbert P:

schon als Lauftextschrift eingesetzt

Hast du den Regular- oder den Mediumschnitt genutzt?

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Norbert P

Medium, Regular war mir dann etwas zu grazil.

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Þorsten
vor 7 Stunden schrieb Norbert P:

Ich hab die Cormorant Infant (mit zugegebenermaßen immerhin 14 pt) schon als Lauftextschrift eingesetzt, hat prima funktioniert.

Toll! Für Kinderbücher?

 

Þorstelinchen liest mit Begeisterung National-Geographic-Kids-Bücher, die eine ähnliche Schrift verwenden. Funktioniert prima (übrigens auch mit dem zweistöckigen a).

nat-geo-book.jpg

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Norbert P
vor 1 Stunde schrieb Þorsten:

Für Kinderbücher?

Jep: [Eigenwerbung ;-)]

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