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Ralf Herrmann

Langes s in heutigen Texten in gebrochener Schrift – notwendig, möglich oder unsinnig?

Empfohlene Beiträge

Martin Z. Schröder

Ja, sie können Obsessionen freilegen.

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gutenberger

Beeindruckend, mit welcher Vehemenz hier zu einem - Gottseidank! - völlig nebensächlichem Thema diskutiert wird. Letztlich macht es doch jeder wie er oder sein Kunde es will. Ist es überhaupt meßbar, wieviel Prozent heutiger Bücher in Fraktur oder Antiqua mit Lang-s gesetzt werden? Die Bemerkung 

 

Nein, darauf können wir uns nicht einigen, denn es ist gerade der Kern meiner langjährigen Beobachtungen solcher Diskussionen, dass dem leider nicht so ist. 

könnte allerdings auch von einem wenig moderaten Großinquisitor stammen, der nicht eher Ruhe gibt, bis auch der letzte Ketzer abgeschworen hat ... 

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catfonts

Drum hab ich mir auch lieber verkniffen, darauf zu antworten, ob Verwendung einer grafische Variante eines speziellen Buchstabens (oder, sprachwissenschaftlich, einer stellungsbedingte allografischem Variante eines Graphems jetzt einer Orthografischen oder gar nur einer typofrafischen Regel folgt.

 

Ich kann doch nicht an einer Stelle behaupten, dass diese Buchstabenvariante sinntragend sei, und bei Verwerndung den Wortsinn ändert und dann auf der anderen Seite empfehle, diese Variante nicht zu nutzen, und wenn man sich dafür auspicht, eie zusätzliche Glyphenvariante dann zu nutzen, wenn dies bei der Gestalktung der Buchstaben üblich war, das dann dem  gleichzzusetzen, dass man dann Trajan besser ohne Umlaute oder gar ohne U und W scheiben sollte.

 

Ich behaupte ja nicht, das es überhaupt nicht ginge, nur ein s auch in Frakturschrift zu verwenden, nur gint es eben Schrifdten, bei denen es gut geht, und bei denen es eher nicht geht.

 

Recht gut geht es bei diesen:

 

post-22079-0-28896600-1442777585.png

post-22079-0-84117800-1442777585_thumb.p

 

aber es gibt enen auch welche, bei denen man es lieber lassen sollte:

 

post-22079-0-51833000-1442777584_thumb.p

 

Und das ist dann eher eine typografische als eine orthografische Frage.

 

Und letztlich, wenn ich sage, dass man sich bei bestimmten Schriften aus alter Zeit auch an damals zu dieser Schrift übliche Satzregeln halten sollte, ist das nichts anderes, als wenn  ich sage, dass bei den meisten Frakturschriften vom Versalsatz besser abzusehen ist.

 

Übrigens habe ich hierfür auch noch kein überzeugendes ẞ gesehen.

 

Ach ja, ẞ. Das ist ja nun wirklich eigene Spezialorthografie, wo in der offiziellen Recchtschreibung im Versalsatz ja noch immer an Stelle von ß SS vorgeschrieben ist, in Zweifelsfällen auch SZ. Aber das ist ein anderes Thema.

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StefanB

Ich kann doch nicht an einer Stelle behaupten, dass diese Buchstabenvariante sinntragend sei, und bei Verwerndung den Wortsinn ändert und dann auf der anderen Seite empfehle, diese Variante nicht zu nutzen, und wenn man sich dafür auspicht, eie zusätzliche Glyphenvariante dann zu nutzen, wenn dies bei der Gestalktung der Buchstaben üblich war, das dann dem  gleichzzusetzen, dass man dann Trajan besser ohne Umlaute oder gar ohne U und W scheiben sollte.

Puh, an der Stelle wird es schwierig, deinen Ausführungen zu folgen. Und das liegt in diesem Fall nicht an der Komplexität ebendieser.

 

Ich behaupte ja nicht, das es überhaupt nicht ginge, nur ein s auch in Frakturschrift zu verwenden, nur gint es eben Schrifdten, bei denen es gut geht, und bei denen es eher nicht geht.

Ich finde, an dieser Stelle wird es ein wenig albern. Wenn wir nur danach entscheiden würden, was »gut aussieht«, dann ist das maximal eine geschmäcklerische, aber keine typografische Frage.

 

Und letztlich, wenn ich sage, dass man sich bei bestimmten Schriften aus alter Zeit auch an damals zu dieser Schrift übliche Satzregeln halten sollte, ist das nichts anderes, als wenn ich sage, dass bei den meisten Frakturschriften vom Versalsatz besser abzusehen ist.

Die Aussage wird nicht richtiger, je öfter man sie wiederholt. Und sie wird nicht sinntragender, wenn man vollkommen sinnlose Vergleiche anstellt. Was ist denn »damals«? Wo hört »damals« auf und wo fängt heute an?

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Dieter Stockert

aber es gibt enen auch welche, bei denen man es lieber lassen sollte

Wobei für mein Empfinden beide Fassungen nicht gut sind. Mich stört die Ligatur des langen s, weil die beiden Buchstaben innerhalb des Wortes zu eng aneinander stehen. Aber das geht mir ja mit der ck-Ligatur genauso.

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catfonts

Mit "damals" meine ich die Zeit, in der noch regelmäßig Literatur in Fraktur gesetzt wurde, also letztlich gut ein halbes Jahrtausend vor 1941. In dieser Zeit wurden zum einen ja die hier strittigen Regeln aufgestellt und umgekehrt die Schrift eben diesen Regeln entsprechend gestaltet.

 

Und es die Entscheidung anbelangt, ob ich auf ſ verzichen kann oder es besser bei den alten Regeln belasse muss einfach auch eine Frage syein: Wie sieht es aus. Ist nicht letztlich jehliches typografisches Gstalten  eine suche nach best möglichem Aussehen, was dann auch zu bestmöglicher Lesbarkeit führen sollte?

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StefanB

Mit "damals" meine ich die Zeit, in der noch regelmäßig Literatur in Fraktur gesetzt wurde, also letztlich gut ein halbes Jahrtausend vor 1941. In dieser Zeit wurden zum einen ja die hier strittigen Regeln aufgestellt und umgekehrt die Schrift eben diesen Regeln entsprechend gestaltet.

»Damals« umfasst einen Zeitraum von knapp 400 Jahren. Nach welchen Regeln soll dort gesetzt werden? Nach denen von 1725, 1868, 1918? Wer definiert den Zeitpunkt, an dem die Entwicklung der Zeichensetzung für gebrochene Schriften vollendet war? Ist das nicht vollkommen willkürlich?

 

Und es die Entscheidung anbelangt, ob ich auf ſ verzichen kann oder es besser bei den alten Regeln belasse muss einfach auch eine Frage syein: Wie sieht es aus. Ist nicht letztlich jehliches typografisches Gstalten  eine suche nach best möglichem Aussehen, was dann auch zu bestmöglicher Lesbarkeit führen sollte?

Das bestmögliche Aussehen führt zu bestmöglicher Lesbarkeit? Ich glaube, andersherum wird eins Schuh daraus. Zumindest sollte das Ziel die bestmögliche Lesbarkeit vor dem bestmöglichen Aussehen sein – mindestens im Literaturbereich, um den es hier ja vordergründig geht.

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Martin Z. Schröder

Über Zeiträume hatten wir schon gesprochen. Entscheidend ist die Zeit, in der Fraktur als alltägliche Schrift erstarrte, bevor sie aufgegeben wurde, also in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Bücher sind noch in Gebrauch.

 

Was die Form angeht, hat Catfonts natürlich auch recht, ein auffälliger Buchstabe verdirbt die Schrift. Ein als Schluß- und Trennzeichen konzipierter Buchstabe fällt am falschen Ort auf und behindert den Lesefluß. Das ist die Löffel-Geschichte von Frutiger. Bestmögliches Aussehen ist unauffälliges Aussehen.

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Ralf Herrmann

attachicon.gifgeht nicht.PNG

 

Und das ist dann eher eine typografische als eine orthografische Frage.

Es ist eher ein Auftrag an die Schriftgestalter, hier gestalterische Lösungen zu finden, die zu aktuellen Satzweisen passen. Die Orthografie wiegt in der Wahrnehmung der Leser deutlich schwerer als die Frage, ob hier ein kleiner Schweif auftaucht oder nicht. Solche Details können die orthografische Fragen daher kaum entscheiden – zumindest nicht auf breiter Front der Schriftnutzer, die dann wiederum die allgemeine Konvention bestimmen. 

 

Und letztlich, wenn ich sage, dass man sich bei bestimmten Schriften aus alter Zeit auch an damals zu dieser Schrift übliche Satzregeln halten sollte, ist das nichts anderes, als wenn  ich sage, dass bei den meisten Frakturschriften vom Versalsatz besser abzusehen ist.

Doch.

 

Mit "damals" meine ich die Zeit, in der noch regelmäßig Literatur in Fraktur gesetzt wurde, also letztlich gut ein halbes Jahrtausend vor 1941. In dieser Zeit wurden zum einen ja die hier strittigen Regeln aufgestellt und umgekehrt die Schrift eben diesen Regeln entsprechend gestaltet.

Ja, und? Warum ist das für heutigen Satz wichtig, bei jeder anderen Schrift aus 2000 Jahren lateinischem Schriftsystem aber seltsamerweise nicht?

 

Und es die Entscheidung anbelangt, ob ich auf ſ verzichen kann oder es besser bei den alten Regeln belasse muss einfach auch eine Frage syein: Wie sieht es aus. Ist nicht letztlich jehliches typografisches Gstalten eine suche nach best möglichem Aussehen, was dann auch zu bestmöglicher Lesbarkeit führen sollte?

Nein. Wenn das vom Setzer benutzte »beste Aussehen« (wie auch immer man das definieren will) nicht mit der Leseerfahrung der Rezipienten harmoniert, dann führt es auch nicht zwangsläufig zur bestmöglichen Lesbarkeit und vermindert diese gegebenenfalls sogar deutlich. 

 

… wieviel Prozent heutiger Bücher in Fraktur oder Antiqua mit Lang-s gesetzt werden?

Für ein allgemeines Publikum sicher gar keine. Davon spreche ich aber auch gar nicht. 

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Lukas W.
Für ein allgemeines Publikum sicher gar keine. Davon spreche ich aber auch gar nicht. 

Wovon dann? Wo wird Fraktur denn heute sonst noch eingesetzt, wenn nicht in Faksimile-Ausgaben oder Bücher für Frakturfreunde? Mir fallen eigentlich nur Brauerei- und Zeitungslogos ein (von den rechtsradikalen Benutzungen sehe ich mal ab).

Hier finde ich deine Argumentation gerechtfertigt, da diese Einsätze einem Publikum gewidmet sind, die vielleicht nie etwas von den lang-s-Regelungen gehört haben. Hier sind andere Maßstäbe erforderlich, wie das Redesign von Warsteiner gezeigt hat.

 

Wenn ich aber die Aufgabe hätte, ein traditionelles Buch in Fraktur zu setzen, würde ich ohne zu Zögern das lang-s verwenden, weil die Leserschaft wohl hauptsächlich aus Leuten bestehen wird, die kein Verständnis für einen bewussten Verzicht auf das lange s hätten. Sie würden mir wohl Unkenntnis oder Faulheit oder was weiß ich unterstellen. Vielleicht könnte ich sie daraufhin überzeugen, dass ich diese Entscheidung ganz bewusst gefällt habe. Aber erst einmal wäre die Empörung groß. Ich wollte einmal einen Flyer absichtlich in ironischer Weise in Comic Sans setzen, bis mir jemand gesagt hat, dass 99 % der Empfänger dies nicht als ironisch wahrnehmen würden. Im ausgehenden Mittelalter hätte ein Gelehrter seine Arbeiten trotzdem meistens in Lateinisch veröffentlicht, auch wenn er davon überzeugt gewesen wäre, dass die Zukunft den jeweiligen Volkssprachen gehört; einfach weil er sein Zielpublikum kennt. Vielleicht wird sich früher oder später die Schreibung der Fraktur mit rundem s auch im professionellen Bereich durchsetzen, aber die Tatsache, dass dieser professionelle Bereich nur sehr klein ist, sich die tradierten oder für tradiert gehaltenen Regeln daher nur sehr langsam ändern, lässt mich daran zweifeln, dass das in nächster Zeit geschehen wird.

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Kathrinvdm

Ralf hat weiter oben in Bezug auf seinen Standpunkt eindeutig differenziert in ein mit Fraktur vertrautes Fachpublikum und in ein »allgemeines« Publikum, das mit dem Lesen der Frakturschrift nicht vertraut ist. Für diese beiden Zielgruppen können unterschiedliche Herangehensweisen Anwendung finden, die in der jeweiligen Erwartungshaltung der Lesenden begründet liegen – und deswegen sinnvoll nebeneinander existieren.

 

Menschen, die nicht in der Lage sind, Fraktur fließend zu lesen und die auch nicht das Ansinnen haben, sich in die Materie einzuarbeiten, sind nicht die Zielgruppe neuer, in Fraktur gesetzter Bücher. Insofern können solche Bücher problemlos nach jenen Regeln gesetzt werden, die in der letzten aktiven Phase des Fraktursatzes in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galten – weil ihre Leser das kennen und verarbeiten können. 

 

Anwendungen wie Restaurantspeisekarten, CD-Cover, Spiegel-Titel etc. können aber – so verstehe ich Ralf – getrost nach heutiger Rechtschreibung und Satzkonvention gesetzt werden, weil das die Form ist, die die Leser dieser Publikationen erwarten. 

 

Das erscheint mir eine pragmatische und sinnvolle Differenzierung zu sein. Wenn man denn möchte, dass die angepeilte Zielgruppe das jeweilige Druckwerk liest. 

 

¿No?  ;-)

 

Nachtrag:

 

 

von Ralf: 

Dann reden wir ja die ganze Zeit völlig aneinander vorbei! Neue Lesetexte in Fraktur? So etwas wie ganze Bücher oder Zeitungen? Von so etwas rede ich überhaupt nicht, weil es mit normalen Schriftanwendungen (wie dem Spiegelcover) einfach nichts zu tun hat. Die BfdS-Mitglieder dürfen sich gerne ihr Magazin wie früher setzen und in Mini-Auflage Klassiker in Fraktur und alter Rechtschreibung auflegen. Das ist ja selbstverständlich und entspricht genau dem, was ich oben zu den Zielgruppen einer Publikation gesagt habe. Ich spreche von Anwendungen gebrochener Schrift, die im Alltag auftauchen und von jedermann gelesen werden können. 

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Lukas W.

Ah, danke! Verzeihung, ich hatte nicht die komplette Diskussion gelesen und wusste nicht, dass Ralf das schon differenziert hatte. Tja dann war mein Beitrag von vorhin natürlich eine Eule in Athen  …

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Kathrinvdm

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catfonts

Nun, ich habe so einen langen Zeitraum gewählt, gerade weil sich in dieser langen Zeit unsere Orthografie entwickelt, und zwischenzeitlich stark gewandelt hat, während über diese lange Zeit praktisch immer die selbe Schriftart verwendet wurde. Lese ich z.B. die Bücher Albrecht Dürers, sehe ich praktisch die gleichen Frakturbuchstaben wie in Büchern aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, nur eben mit stark anderer Orthografie.

 

Und über diese ganze Zeit hat sich eines nahezu unverändert erhalten, und das war eben der Umgang mit den beiden allografischen Varianten des Graphems s in kombinatorischer Varianz. Dies ist nach meinem Empfinden eben gerade keine änderung der Orthografie im Vergleich zur Antiqua, in der der Gebrauch des ſ schon früher aufgegeben wurde. Und davon wird man mich schwer abbringen können.

 

Und hier gebe ich Ralf Recht:

 

Wenn ich eine gebrochene Schrift für eine sehr breite Leserschaft einsetzen möchte, muss ich sie so neu gestalten, dass nicht nur ein rundes s in allen Positionen nicht als Fremdkörper hervortritt, und zumindest Fraktur-gewöhnte Leser, die es ja durchaus noch gibt, dazu bringt, automatisch beim Lesen eine Wortfuge zu konstruieren, wo sie gar nicht hin gehört.

Sondern ich muss ich die ganze Schrift überarbeiten, denn ein A, H, K, S, V, W. Y, Z, k, x, y, z sind in den typischen "Normal-Fraktur"-Schriften auch nicht gerade Massentauglich, Die modernisierten Ersatzbuchstaben hingegen sehen in vielen Schriften leider nicht besonders überzeugend aus. Oft passen Linienführung einfach nicht zu den anderen, unverändert gebliebenen Buchstaben. Nutze ich hingegen eine klassische Frakturschrift, wie sie eben über diese lange Zeit fast unverändert verwendet wurde, passe mich aber nur durch Weglassen der ſ-Regel einer nicht spezialisierten Leserschaft an, lege ich mich praktisch mit beiden Gruppen an. Die einen stoßen sich am einem "Wallens-teinkeller" und fragen sich, was ein Teinkeller ist, der dem Herrn Wallen gehören mag :-) und die anderen können die Texte trotzdem nur schwer entziffern.

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Wrzlprmft

die Zeit, in der Fraktur als alltägliche Schrift erstarrte, bevor sie aufgegeben wurde, also in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Mal ganz losgelöst von der eigentlichen Diskussion: Woran machst Du dieses Erstarren fest?

Um die Wende zum 20. Jahrhundert gab es noch große Änderungen: Großbuchstaben für die Umlaute und I entstanden; aus ꝛc. wurde etc.. Dass danach etwa dreißig Jahre Ruhe folgten, kann genausogut Zufall gewesen sein. Es war nicht die erste derartige Ruhephase.

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Martin Z. Schröder

Mal ganz losgelöst von der eigentlichen Diskussion: Woran machst Du dieses Erstarren fest?

Um die Wende zum 20. Jahrhundert gab es noch große Änderungen: Großbuchstaben für die Umlaute und I entstanden; aus ꝛc. wurde etc.. Dass danach etwa dreißig Jahre Ruhe folgten, kann genausogut Zufall gewesen sein. Es war nicht die erste derartige Ruhephase.

Mit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts meine ich den Zeitraum von 1900 bis 1950, einen anderen kann ich wohl nicht meinen. Ich habe keine Bücher aus dieser Zeit ohne große Umlaute, glaube ich. Daß das große I mit dem großen J bildgleich sein sollte, hat auch Tschichold gefordert, und wann der lebte, ist ja bekannt. Ich verwende im Fraktursatz auch das I mit Unterlänge. Das ist eine rein ästhetische Frage, zu Lesefehlern kann keines der beiden Zeichen führen.

Die Anmerkung mit dem Zufall verstehe ich nicht. Was sonst, wenn nicht Zufall bestimmt über Schriftwandel? Ein Plan? Und was meinst du mit Ruhe?

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Wrzlprmft

Die angeführten Änderungen dienten dazu, aufzuzeigen, dass der Fraktursatz im 20. Jahrhundert gerade eine bedeutende Menge an Änderungen hinter sich hatte.

 

Daß das große I mit dem großen J bildgleich sein sollte, hat auch Tschichold gefordert, und wann der lebte, ist ja bekannt. Ich verwende im Fraktursatz auch das I mit Unterlänge. Das ist eine rein ästhetische Frage, zu Lesefehlern kann keines der beiden Zeichen führen.

Die Trennung von großem I und J kam erst um die Wende zum 20. Jahrhundert auf, ist aber was ich in den meisten später entstandenen Büchern beobachte. Dass einige Typografen sich hiergegen aussprachen, spricht eher gegen die These der Erstarrung.

 

Die Anmerkung mit dem Zufall verstehe ich nicht. Was sonst, wenn nicht Zufall bestimmt über Schriftwandel? Ein Plan? Und was meinst du mit Ruhe?

Du behauptest, dass der Fraktursatz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erstarrt sei (was dann diesen Zeitraum auszeichne). Dazu braucht es aber weitere Belege, als nur, dass sich nichts ändert. Zum Beispiel kann ich auch irgendeinen früheren Zeitraum vergleichbarer Länge (z. B. 1730–1770) finden, in dem keine neuen Strömungen o. Ä. aufkamen, und behaupten, dass der Fraktursatz dann erstarrt war. Dies kann nur durch spätere Änderungen widerlegt werden – es sei denn, es gibt eine mir unbekannte Methode, um Erstarrung festzustellen.

Deine Behauptung ist für mich mit Folgendem vergleichbar: Jemand hat ausschließlich ein Exemplar einer bekannten Spezies, das alle paar Jahre in Schüben wächst und beobachtet dessen Wachstum. Er beobachtet Wachstumsschübe im Jahr 1, 5, 8, 14, 18, und 23 der Beobachtung. Im Jahr 26 stirbt das Tier durch Blitzschlag. Er stellt danach die Behauptung auf, dass das Tier sein Wachstum im 23. Jahr abgeschlossen habe. Nur anhand der hier beschriebenen Beobachtungen ist diese Behauptung unhaltbar. Hätte das Tier länger gelebt, hätte es genausogut im 27. Jahr einen weiteren Wachstumsschub durchlaufen können.

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Martin Z. Schröder

Die Erstarrung ist natürlich nur wichtig in Bezug auf das Ende. Die Frakturbücher, die heute noch gelesen werden, sind nicht wie 1730 gesetzt, sondern wie 1910, 1930 oder 1950. Das ist alles eins. Dort endete die Entwicklung der Fraktur, so sieht die Masse von Frakturbüchern aus, in Antiquariaten und Büchereien und unseren Regalen, das ist meine Goethe-Ausgabe, meine Schiller-Ausgabe, mein Shakespeare, meine Bibel, mein Gotthelf, mein Stifter usw., so wird Fraktur heute gelesen, wenn nicht von Experten ältere Werke gelesen werden. Das ist die Fraktur, die heute noch lebende Menschen in der Schule lernten. Nicht die von 1730. Das steht in dieser Diskussion sicherlich schon siebenmal. Was meinst du mit »hätte« in deinem Tiervergleich (das Tier hat sehr lange Ohren!)? Gäbe es die Fraktur heute noch in Zeitungen und Bücher, sähe sie anders aus. Meinst du das? Ja, natürlich, ganz sicher. Aber das ist nicht der Fall. Und niemand kann wissen, wie sie sich entwickelt hätte. Es ist mir auch egal, ich schreibe ja keine Dinosaurier-Romane.

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Wrzlprmft

Mit Erstarrung meinst Du also Aussterben und damit ist der zu bevorzugende Zustand also der letzte verbreitete aus keinem anderen Grund, als dass er der letzte verbreitete war?

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Martin Z. Schröder

Ist das eine rhetorische Frage? Mit Erstarrung meine ich Erstarrung und nicht Aussterben. Die Erstarrung ist eine Folge des Aussterbens. So habe ich es geschrieben und gemeint. Ich spreche von dem Zustand, der in den heute gelesen werdenden alten Büchern vorzufinden ist. Willst du meine Wiederholungsgeduld erproben? Ist das ein Diskussionsstil unter Physikern, Fragen nicht zu beantworten, sondern beantwortete Fragen mehrmals zu wiederholen?

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catfonts

Hmm?  Wenn es ein Zeichen der Erstarrung ist, dass in den letzten Dekaden des regelmäßigen Fraktursatzes fast immer eine von der jeweils bevorzugten Schrifthießerei gelieferte Normal-.Fraktur (wie auch immer sie dort hieß) verwendert wurde, ist dann diese Liste für lesefreundlichen Mengensatz, z.B. für aktuelle Romane nicht auch gleichermaßen eine Erstarrung?

http://www.typografie.info/3/page/Schriften/listen.html/_/geeignete-schriften-fuer-buecher

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Kathrinvdm

Ich verstehe Deinen Vergleich nicht.  :-?

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Wrzlprmft

Willst du meine Wiederholungsgeduld erproben? Ist das ein Diskussionsstil unter Physikern, Fragen nicht zu beantworten, sondern beantwortete Fragen mehrmals zu wiederholen?

Es ist relative normal in einer Diskussion, die Darstellung des Gegenübers in eigenen Worten wiederzugeben, um sicherzustellen, dass man sie richtig verstanden hat. Und in diesem Fall hat Deine Antwort das weitestgehend bestätigt.

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Þorsten

Die Frakturbücher, die heute noch gelesen werden, sind nicht wie 1730 gesetzt, sondern wie 1910, 1930 oder 1950.

Also in meinem Elternhaus werden am häufigsten Fraktur-Texte gelesen, die in den 1870er Jahren gesetzt wurden. Mit ihnen habe ich übrigens Fraktur lesen gelernt: »Kuck doch mal ins Lexikon!« war eine häufige Ermunterung nach Fragen zu Themen aller Art. Und war das moderne (aber thematisch manchmal etwas einseitige) Lexikon aus DDR-Zeiten konsultiert: »Vielleicht steht in Meyers Konverſations-Lexikon dazu noch mehr drin?«

 

Jetzt bin ich ein wenig verunsichert: Sollte ich das mit Þorstelinchen auch so machen? Womöglich lernte sie so Fraktur-Konventionen, die für heutige Menschen nicht optimal sind? Kann vielleicht jemand ein in Fraktur gesetztes Lexikon aus dem 20. Jahrhundert empfehlen?

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Kathrinvdm

Die kleine Maus wird Dir ganz schön was erzählen, wenn Du mit dem staubigen Wälzer ankommst …!  ;-)

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