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Liuscorne

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  1. Haben wir es mit einem Brandweinbestandmann zu tun? Die genaue Formulierung habe ich spontan nicht gefunden. Aber Verweise auf einen Bestandmann (=Pächter) eines Branntweinhauses (auch mit Bezug zu Mähren und das 18. bzw. 19. Jahrhundert). In diesem Zusammenhang ist auch – wenig freundlich – von "Bestandjude" die Rede. Der Name des Gesuchten deutet ja auf diesen Kontext.
  2. Ich schlage Caroline von Boresch vor. Mit den letzten Buchstaben bin ich nicht ganz glücklich. Alle bisherigen Lesarten kommen mir aber noch unwahrscheinlicher vor. Das "von" schließe ich aus dem Kringel zwischen Vor- und Nachnamen, der sonst nicht recht erklärlich wäre. Wenn es weitere Infos oder weitere handschriftliche Vermerke gibt, gern her damit; jetzt ist unser Ehrgeiz geweckt. Hast du schon mal Omas Tagebuch befragt (ist treffsicherer als andere KI Tools zur Entzifferung handschriftlicher Texte)?
  3. Ich musste spontan an die Bodoni Egyptian von Nick Shinn denken. Die hat vielleicht den gewissen "historischen touch".
  4. ein Beitrag in einem Thema wurde beantwortet von Liuscorne in Dauerbrenner
    That IS gross!
  5. Kurrent-P mit diesem Haken am Anfang sind mir durchaus schon untergekommen; darüber habe ich mich nicht gewundert. Ein V? Hätte ich gar nicht dran gedacht, sieht ein bisschen abgemagert aus Aber wer weiß? Vötisch als Nachname findet sich jedenfalls häufiger als Pötisch.
  6. Es heißt sicher Ernestine Minna. Der Schreiber hat sich ja sogar Mühe gegeben, deutlich zwischen n und e zu unterscheiden. Ein W kann es nicht sein, das hätte keinen Kringel rechts oben. Beim Nachnamen kann ich eigentlich nichts anderes als Pötisch lesen. Das Problem: Eine schnelle Suche findet keinen einzigen Treffer zu diesem Namen. Ähnliche Varianten wie Pötsch etc. finden sich zuhauf, aber nicht mit zusätzlichem i. Hast Du schon andere Dokumente ausfindig gemacht, anhand deren wir den Nachnamen prüfen könnten?
  7. Na, dann wollen wir mal ein wenig Licht in die Familiengeschichte bringen. (Ein paar Namen habe ich sicherheitshalber weggelassen, bin mir bei der Entzifferung nicht sicher. Betrifft allerdings hauptsächlich die Standesbeamten.) Nr. 114 Johannisthal am 12. Dezember 1906. Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Persönlichkeit nach bekannt, die Hebamme Frau Marie Häring wohnhaft in Johannisthal Friedrichstraße Nr. 48, und zeigte an, daß von der unverehelichten Arbeiterin Anna Feliszawskrey katholischer Religion, wohnhaft in Johannisthal Kaiser-Wilhelmstraße Nr. 4 zu Johannisthal in letztgenannter Wohnung am zwölften Dezember des Jahres tausend neunhundert sechs Vormittags um sieben Uhr ein Knabe geboren worden sei und daß das Kind den Vornamen Wendislaw erhalten habe. Die Anzeigende erklärte, daß sie von der Niederkunft der unverehelichten Feliszawskrey aus eigener Wissenschaft unterrichtet sei. Vorstehend […] Wort gestrichen. Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben Marie Häring Der Standesbeamte. In Vertretung: […] Nr. 114. Berlin-Niederschöneweide, am 15. Dezember 1936. Auf Anordnung des Amtsgerichts in Köpenick wird berichtigend vermerkt, daß der Familienname der Kindesmutter nicht „Feliszawskrey“ sondern richtig: „Faliszewski“ lautet. Der Standesbeamte. In Vertretung: […] H. geheiratet Nr. 87/1945 Berlin-Adlershof
  8. Hösting ist eine mögliche Lesart. Für den zweiten Ort liegt dann Jarmeritz, das heutige Jaroměřice, nahe (sowohl paläografisch als auch geografisch). Jammnitz scheint mir nicht passend, dafür gibt es zu viele r-Kringel. Übermäßiges Vertrauen habe ich in diese Lesarten allerdings auch nicht (zumal wir uns damit nicht in Böhmen, sondern in Mähren befinden).
  9. Vielleicht handelt es sich nicht um die Berufsbezeichnung, sondern um die Person, bei der die Anstellung bestand. Es könnte ein Herr Scheidig am Helmplatz 5 gewesen sein. Sowohl Name als auch Adresse finden sich im Fürth des späten 19. Jh., wenn auch nicht in Kombination. Ich dachte zunächst, es könnte sich um eine Schneiderey handeln, bei der in der Eile nur ein paar Buchstaben weggefallen sind. 100 Jahre früher wäre die Schreibung mit y auch plausibel gewesen, aber nicht mehr 1889.
  10. Könntest du einen Hinweis geben, an welchem Ort wir uns befinden? Die "Lesarten" der KI kann man übrigens ignorieren. Das ist fast ausnahmslos Kauderwelsch.
  11. Ich habe gerade mal online geschaut und tatsächlich eine elektronische Version einiger Bände der Mörike-Gesamtausgabe gefunden. Band 13 enthält die Transkription des Briefes. Zu meiner Überraschung genügt unsere Version von Seite 1 editorischen Standards, zu ergänzen ist nur "Echo" (es war mal wieder die einfachste Lesart …). Die Seiten 2 und 3, die bei mir spontan nur Lückentext waren, lauten: Den mitfolgenden Spaß (das Verschen ist von mir, daß ich es nur gestehe) haben Sie die Güte, Ihrer verehrten Frau Gemahlin zu überreichen. Es ist immer eine schwache Erwiederung des mir nach Stuttgart übersandten Grußes, der mir so viele Freude machte. — Darf ich Sie bei Gelegenheit noch einmal an den bewußten Brief erinnern? Ich weiß wohl, er hat gar keinen Werth, nur Eines Umstands wegen thät ich noch gerne einen Blick darein, wenn er Ihnen beim Aufräumen Ihrer Papiere wieder vorkommen sollte. Der Brief ist an Friedrich Notter gerichtet.
  12. Ein eigenhändig von Mörike geschriebener Brief in einem Bücherzellenzufallsfund? Das wäre eine Entdeckung. Die Handschrift ist nicht die sorgfältigste, die Seiten 2 und 3 sind spontan nur Lückentext, aber Seite 1 ist einigermaßen zusammenhängend (bei größerer Vertrautheit mit der Handschrift ergäbe sich vielleicht die eine oder andere Korrektur, aber wir bereiten ja keine wissenschaftliche Edition vor): Verehrtester Freund! Die versprochene Ausgabe von Arndts wahrem Christenthum habe ich trotz meiner Bemühungen nicht mehr auftreiben können. Allein ich zweifle auch bei näherer Erwägung, ob Sie in diesem Buche viel zu Ihrem Zwecke finden würden. Das E[ ], wovon ich Ihnen sagte und welches ich in Abschrift bei mir fand, leg ich auf alle Fälle bei. Unterzeichnet: Von ganzem Herzen der Ihrige ... Cleversulzbach d: 5. Jun. [18]39
  13. Ich habe eine (kurze) Liste verschiedener Textstellen zugrunde gelegt, anhand deren ich die Schreibung überprüft habe. Auf "Sonderfälle" wie Schmuckbuchstaben etc. habe ich nicht geachtet (und würde sie auch nicht als Beispiele im Sinne der Ausgangsfrage ansehen). Interessanter wären "normale" Textfunde, die mir entgangen sind.
  14. Ich habe ein wenig Bibelkunde betrieben, um den Ursprung der Frage besser zu verstehen (halbgare KI-Zusammenfassungen machen mich nervös). Dieser Ursprung scheint tatsächlich in der Reformation zu liegen. Ich habe eine Reihe vorreformatorischer Bibelübersetzungen ins Deutsche angeschaut; keine davon enthält irgendeine Auszeichnung der Gottesnamen: die Wenzelsbibel (um 1400), die Mentelin-Bibel (erste gedruckte dt. Bibel, 1466), die Lübecker Bibel (1494). Aus pragmatischen und dogmatischen Gründen handelt es sich dabei jeweils um Übersetzungen aus der lateinischen Vulgata. Erst die Reformatoren übersetzen aus dem hebräischen bzw. griechischen Original; und ich vermute, dass darin auch der Ursprung der Auszeichnungen liegt. Luther verwendet bei der Übertragung des Alten Testaments durchgängig HERR (oder HERRE) für das hebr. JHWH, z.B. Gen 3,1, wo aus JHWH elohim (gesprochen: adonai elohim) Gott der HERR wird. Für (geschrieben) adonai schreibt er HErr, z.B. Gen 15,2, wo aus adonai JHWH HERR HErr wird. Soweit ich sehe, ist diese Verwendung konsistent über die verschiedenen Ausgaben der Lutherbibel zu Luthers Lebzeiten. Im Neuen Testament wird es komplizierter. Weder die Erstausgabe des NT von 1522 noch die (AT und NT umfassende) Weimarer Ausgabe von 1534 enthalten Auszeichnungen der Gottesnamen. Diese finden sich erst in der Ausgabe von 1545, dort aber zuhauf. Jeder Verweis auf kyrios, den Herrn, im Sinne des AT wird als HERR wiedergegeben, z.B. Mt 1,22 oder 4,7 (Gott deinem HERRN). Jeder Verweis auf kyrios als Attribut Christi wird zu HErr, z.B. Lk 2,11 (Christus der HErr) oder Phil. 3,1 (Freut euch im HErrn). Zwingli benutzt bei der Übersetzung der Züricher Bibel nur die Auszeichnung HERR für JHWH im Alten Testament. Andere Auszeichnungen kennt er nicht (vor allem nicht im Neuen Testament). (Ich habe allerdings nur die Ausgabe von 1534 angeschaut, die leicht als Faksimile verfügbar war.) Und noch eine zufällige Beobachtung: Ich habe vor einiger Zeit mal einen Sammelband gesetzt, der unter anderem einen Artikel über pietistische Dichtung um 1700 enthielt. Dort wimmelte es nur so von Auszeichnungen der Gottesnamen, und zwar aller Namen, die irgendwie in Frage kamen, und in bunter Mischung verschiedener Varianten: GOtt, GOTT, JEsus CHristus, CHristus JESUS, JESUS Christus, HERR, HErr.
  15. Ich habe mir mal andere Einträge aus derselben Zeit angeschaut. Ich bin nun ziemlich sicher, dass es tatsächlich Riederin heißen muss. Eindeutig mit R beginnende Namen haben denselben Anstrich und Schwung (den ich fälschlich für ein D gehalten habe). Weibliche Nachnamen werden immer in der weiblichen Form angegeben: -in am Ende. Aus den Jahren 1810 und 1813 gibt es Taufeinträge zu den Eltern Joseph Sandner und Anna Maria Riederin, wobei der Name der Mutter in lat. Buchstaben geschrieben ist und damit leichter zu entziffern. Ich glaube, damit ist die Namensfrage geklärt. (Die Identität der Personen in den beiden Einträgen hielt ich auch vorher schon für gesichert.)

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