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Topp-Thema: Eszett als Großbuchstabe

Hervorgehobene Antworten

Beleidigt? Geht nicht, denn der arme Akkusativ entladen aus ...

 

(Das ist die längst überfällige Erweiterung von "Genitiv ins Wasser, weil's Dativ ist".)

 

Und bei den Grippetoten brauchen wir gar nicht so weit zurück blicken, vor 2 Jahren hatten wir allein in Deutschland ca. 25000 Grippetote.

 

So gesehen, könnte letztlich der Covid19 sogar mehr Menschen gerettet haben, als Umgebracht, denn die Schutzmaßnahmen verringern ja gleichwohl die Ausbreitung des Grippevirus, für den man ja bis heute nie derart strenge Schutzregeln erlassen hat. Übrigens sterben normal etwa 2500 Menschen jeden Tag in Deutschland, auch da sind einige mit anderen ansteckenden Krankheiten dabei, auch welche durch Luftverschmutzung, die auch derzeit deutlich zurückgegangen ist, wie sicher auch die Zahl der Verkehrsunfälle.

  • 2 Wochen später...

Das große Eszett beim gemeinen Anwender:

In meiner freien Zeit bin ich bei einem kleinen Theater aktiv. Neben dem Spielen kümmere ich mich so um dies und das, u.a. setze ich die Texte neu (die Versionen, die von den Verlagen kommen, sind, was die Übersicht und Lesbarkeit betrifft, eher suboptimal).

 Auf jeder Titelseite steht oben (über dem Titel des Stückes) in der zweiten Zeile »GROẞE BÜHNE«, gesetzt in der Vollkorn 24 pt. Ich habe den (mit Word 2010) fertig formatierten Text (+ den verwendeten Schriften) meinem Freund und Regisseur geschickt. Dieser meldete sich, dass das große Eszett zwar bei ihm auf dem Bildschirm zu sehen sei, es aber beim Ausdruck verschwände (er nutzt Office 365). Irgendetwas ist das schiefgegangen - ich schrieb ihm er solle doch einfach das große Eszett noch einmal mit Alt+7838  einfügen . Und jetzt komme ich zum Kern dieser etwas länglichen Vorrede. Er schrieb mir per Mail: »Super, hat mit dem Shortcut geklappt! Musste beim großen Eszett dann aber noch die Schriftgröße von 24 auf 26 Punkt erhöhen, damit es auch größenmäßig passte.« 

 

Diese Reaktion kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe bei vielen Varianten des großen Eszett ebenfalls den Eindruck, dass es »größenmäßig« nicht passt. Es fehlt m.E. häufig das »großbuchstabige«, viele Eszett erscheinen zu klein, zu niedrig (das sieht aber nur so aus), zu schmal etc. Ich habe mal auf die Schnelle mal was mit der Vollkorn gebastelt (sie bietet ja zwei Varianten des großen Eszett).

Erste Zeile das Original, in der zweiten Zeile habe ich das große Eszett skaliert auf 120% und noch eine weiße Kontur gelegt, um die Strichstärke einigermaßen zu halten (Wie gesagt schnell und schmutzig). In der jeweils zweiten Zeile erreicht das Eszett jetzt die Breite des »O«. Ich empfinde die breite Variante als wesentlich stimmiger - sie passt sich besser in das »Großbuchstabenbild« ein.

Was haltet Ihr davon?

 

Beste Grüße

Vollkorn_Esszett_Varianten.jpg

GROTZE BÜHNE!! Hach, ich kann mich mit der harten Ecke links oben einfach nicht anfreunden.

 

Ich bin einverstanden, dass eine Dehnung nötig ist. Bei der letzten Version hast Du's aber vielleicht etwas übertrieben. Ich würde stattdessen raten, das Innenleben etwas nach rechts zu schieben, um das «Vertical Stacking» der Zürich-Form zu erreichen. 🤓

 

Außerdem ist die Glyphe tatsächlich etwas zu tief gezeichnet. Sie passt nicht aufs Dach des /E/ nebenan. Ich hab das auch noch etwas aufskaliert.

 

GkVG9uc.png

Tja, das ist halt das Problem bei Schriften mit solch klassischen Buchstabenproportionen. Soll sich das ẞ da am ausladenden O orientieren oder eher am schmalen E? Da wir da auf keine Sehgewohnheiten zurückgreifen können, die uns »natürlich« erscheinen, gibt es da vielleicht keine allgemeingültige Lösung. Vielleicht wären ja Alternativformen, schmaler und breiter, je nachdem, wo das ẞ steht, sinnvoll?

 

M%C3%9C%E1%BA%9EIG.png
http://type.dt1.org/render/?family=Vollkorn&text=MÜẞIG

GRO%E1%BA%9E.png
http://type.dt1.org/render/?family=Vollkorn&text=GROẞ

 

vor 10 Minuten schrieb Þorsten:

Vielleicht wären ja Alternativformen, schmaler und breiter, je nachdem, wo das ẞ steht, sinnvoll?

Ach was! Das tut man ja für andere Buchstaben auch nicht. Beim Eszett find ich aber tendenziell breit besser. 

vor 3 Minuten schrieb CatharsisFonts:

Das tut man ja für andere Buchstaben auch nicht.

Stimmt. Aber da haben wir uns halt auch schon ein eine Standardproportion gewöhnt. Aber beim ẞ? Findest du wirklich, dass es (ich habe oben noch mal Beispiele verlinkt) in MÜẞIG zu schmal aussieht? Neben dem O ist das dann vielleicht anders. What do? :-?

Von den Proportionen her betrachtet gehört das ẞ in der gleichen Gruppe wie beispielsweise B und R. Von daher ist das ẞ nicht zu breit. Dafür ist das U der Vollkorn recht schmal und im Vergleich zum B ist das R verdammt breit …

vor 1 Minute schrieb Albert-Jan Pool:

Von den Proportionen her betrachtet gehört das ẞ in der gleichen Gruppe wie beispielsweise B und R.

Das seh ich anders. Es muss mMn breiter sein, um richtig auszusehen.

 

vor 11 Minuten schrieb Þorsten:

Findest du wirklich, dass es (ich habe oben noch mal Beispiele verlinkt) in MÜẞIG zu schmal aussieht?

Wo?

Ich will ja nicht die Diskussion stören, aber da wir grad über über ẞ-Proportionen reden, zeige ich mal mein aktuelles Corona-Stubenarrest-Machwerk:

 

CAT_Roemisch.jpg

 

vor 29 Minuten schrieb CatharsisFonts:

Wo?

Hier. Ich hatte meinen Beitrag editiert, also du dabei warst, deine Antwort zu schreiben.

vor 1 Stunde schrieb CatharsisFonts:

Ja, bei müßig ist es mir zu schmal. 

Das liegt meiner Meinung daran, dass das U der Vollkorn einfach zu schmal ist. Wäre das U breiter, dann wäre das ẞ richtig.

vor 2 Stunden schrieb catfonts:

Ich will ja nicht die Diskussion stören, aber da wir grad über über ẞ-Proportionen reden, zeige ich mal mein aktuelles Corona-Stubenarrest-Machwerk:

 

CAT_Roemisch.jpg

 

ẞ finde ich gut, Das Versale O ist aber etwas zu schmal, vor allem dann, wenn man es mit dem G vergleicht

vor 22 Minuten schrieb Albert-Jan Pool:

Das liegt meiner Meinung daran, dass das U der Vollkorn einfach zu schmal ist. Wäre das U breiter, dann wäre das ẞ richtig.

Da werden wir uns nicht einigen können. Meiner Meinung nach braucht das ẞ eine weiße Schneise in der Mitte, die den linken Stamm und die rechte Struktur (die ebenfalls eine senkrechte Bewegung durchführen soll) deutlich voneinander trennt. Das /B/ ist ein schlechter Vergleichswert, denn davon soll sich das ẞ ja eben genau deutlich abgrenzen.

vor 2 Stunden schrieb catfonts:

Ich will ja nicht die Diskussion stören, aber da wir grad über über ẞ-Proportionen reden, zeige ich mal mein aktuelles Corona-Stubenarrest-Machwerk:

CAT_Roemisch.jpg

Ich glaub, da gibt es erst mal grundlegendere Dinge zu klären. Sowohl die Versalien als auch die Kleinbuchstaben können sich nicht auf eine optische Schrittweite einigen, und die Kurven (/O/G/S/) sind viel zu zierlich im Vergleich zu den geraden Stämmen.

 

Vom Ansatz her finde ich das /ẞ/ nicht schlecht, würde aber die Taille senken. Dein /E/ impliziert zwar eine vertikale Asymmetrie, die aber von den anderen Versalien nicht aufgegriffen wird.

vor 2 Stunden schrieb Albert-Jan Pool:

Das Versale O ist aber etwas zu schmal

Es sieht eigentlich so aus, wie ich mir die Null vorstellen würde ... ich denke auch, dass das O in der Breite eher in Richtung W gehen dürfte.

 

Was ist denn das (historische?!) Vorbild der Schrift?

Ja,es gibt eine historische Vorlage, aber die enthält gerade einmal a - z und A - Z, und einen Hinweis. dass die "Lateinisch" hieß. Mehr Infos habe ich nicht.sie erinnert mich aber an alte Landkarten. Da werde ich dann wohl 2 Slanted nach rechts und links bauen.

Vielen Dank für die Detailkritik an den Vollkorn-Versalien!

 

Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich beim Entwurf der Vollkorn vor allem den gemischten Satz im Blick. Gleichzeitig hatte ich offenbar die Möglichkeit von Versalsatz völlig vernachlässigt. Das würde zumindest alle diese Ungereimtheiten der Zeichenbreiten etwas erklären …

 

Irgendwann einmal wird es eine Überarbeitung geben, die all diesen Hinweisen Rechnung tragen wird. Ganz bestimmt!

 

  • 4 Wochen später...

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