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Wayfinding Sans Pro – die ultimative Beschilderungsschrift
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Schriftmuster Tannenberg

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Pachulke

Ein weiterer Punkt ist: kenne keine maßgebliche Entwicklung im kreativen Schaffen grundsätzlich und auch speziell im Schriftschaffen, die auf einen Sprachraum begrenzt bliebe. In den epochalen Zeiten ja sowieso nicht aber auch die Entwicklungen in den Zeiten die relevant hier sind: Jugenstil, Expressionismus, Dada … alles entwickelte sich entweder parallel auch in anderen Ländern oder befruchtete sich gegenseitig. Nur die Schaftiefelgrotesk blieb eine auf Nazideutschland begrenzte Erscheinung. Obwohl Gebrochnene nun wahrlich eben nicht “die deutsche Schrift“ waren.

 

Tja, auch wenn Du das nicht gern hören wirst: Auch die erwähnte Entstuckung war ein im wesentlichen deutsches Phänomen.

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catfonts

Nur ist es eben etwas anderes, von fertigen Häusern den Stuck abzuschlagen, als neue Häuser gleich ohne zu bauen.

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Ralf Herrmann

Ein weiterer Punkt ist: kenne keine maßgebliche Entwicklung im kreativen Schaffen grundsätzlich und auch speziell im Schriftschaffen, die auf einen Sprachraum begrenzt bliebe. In den epochalen Zeiten ja sowieso nicht aber auch die Entwicklungen in den Zeiten die relevant hier sind: Jugenstil, Expressionismus, Dada … alles entwickelte sich entweder parallel auch in anderen Ländern oder befruchtete sich gegenseitig. Nur die Schaftiefelgrotesk blieb eine auf Nazideutschland begrenzte Erscheinung. Obwohl Gebrochnene nun wahrlich eben nicht “die deutsche Schrift“ waren.

 

Das ist kein »weiterer Punkt«, das ist ein unsinniges Argument und Verdrehung von Zusammenhängen. 

Die rasante Entwicklung (man könnte es auch einen simplen Modetrend nennen) dieser Untergruppe der gebrochenen Schriften setzte voraus, dass die Gattung der gebrochenen Schriften selbst noch im normalen Einsatz war. Man hätte nicht so ohne Weiteres mit durchschlagendem Erfolg »modernisieren« können, wenn das zu modernisierende gar nicht mehr im Einsatz gewesen wäre. Dies war aber im Fall der gebrochenen Schriften nur im deutschsprachigen Raum der Fall. In gleicher Weise hätten die Designer am deutschen Bauhaus wohl kaum versucht, die Antiqua zu modernisieren, wenn 99% der Schrift des Landes Fraktur gewesen wäre. Deine Argumentation greift da also völlig ins Leere. Wir sprechen nicht umsonst von gestalterischen »Strömungen«. Es sind fließende Entwicklungen und wo Entwicklungen ausgetrocknet sind, da gedeiht halt nichts mehr auf breiter Front. Allenfalls gibt es kleine Inseln. So wie ja auch heute noch hier und da moderne gebrochene Schriften entstehen, aber sie können keinen durchschlagenden Modetrend mehr auslösen, weil der gesamte Schriftstil nur noch eine Randerscheinung ist. 

 

Davon abgesehen argumentierst du letztlich auch gegen dich selbst und schießt ein klassisches Eigentor. Du betonst, dass sich solche Entwicklungen ausbreiten; dass es Parallelen und gegenseitige Befruchtung gibt. Ja eben! Es ist exakt dieses Argument, dass die Elementarisierung der gebrochenen Schriften als grafischen Stil prinzipiell ideologiefrei als Folge entsprechender Strömungen in anderen Schriftstilen und den Gestaltungsdisziplinen an sich erklären kann. Hast du prima erklärt, danke!

 

(Ich spreche hier wohlgemerkt vom Stil der schlichten Gotisch, nicht von der Verbreitung gebrochener Schriften an sich.)

 

Ich gehe nach dem, was ich hier gesehen habe. 

 

Und darin liegt sicher ein generelles Problem in solchen Diskussionen. Was von dieser Zeit »gesehen haben«, ist in aller Regel vorsortiert. Wir haben bislang keine Galerie sämtlicher damaliger Anwendungen von Schaftstiefelgrotesken, die uns die zahlreichen völlig unpolitischen Anwendungen zeigen. Was wir aber alle kennen sind die Sammlungen von Nazi-Propanda. Und fertig ist der verzerrte Rückblick. Und dann kommt auch noch die eigene selektive Wahrnehmung hinzu. Ist das Bild erstmal gefestigt, erkennen wir es überall wieder und ignorieren alles, was damit nicht konform geht. Denn wie ja Catfonts schon sagte: noch nicht einmal die Nazi-Propaganda setzte konsequent auf Schaftstiefelgrotesk. 

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pürsti
ein unsinniges Argument und Verdrehung von Zusammenhängen

 

 

Viel Dank vorweg schon mal für wieder so vorbildlich gelebten Pragmatismus.

 

Tja, dann schauen wir uns den Unsinn mal genauer an:

 

Die rasante Entwicklung (man könnte es auch einen simplen Modetrend nennen)

 

Der „simple Modetrend“ (ich bleib dabei:  ein ideologisch motivierterer „Stil“, die politischen Umstände scheinen bei Deiner Form des „Pragmatismus“ keine Rolle zu spielen), eine schaftstiefelige Ausprägung der Gebrochenen, hat sich über 100 Jahre Zeit gelassen und kam dann urplötzlich aus heiterstem Himmel in bis dato nicht erlebter Rasanz mit einer davor nie erlebten Wucht. Gibt es dafür eine formal-pragmatische Erklärung? Der Jugenstil z. B. hat recht parallel zu dem Modetrend  auf Gebrochene abgefärbt.

 

Man hätte nicht so ohne Weiteres mit durchschlagendem Erfolg »modernisieren« können, wenn das zu modernisierende gar nicht mehr im Einsatz gewesen wäre. Dies war aber im Fall der gebrochenen Schriften nur im deutschsprachigen Raum der Fall.

 

Wenn denn gebrochene Schriften so gar keine Rolle mehr gespielt hätten außerhalb des deutschsprachigen Raums, wie erklärt sich dann die Tatsache daß im relevantem Zeitraum dort sehrwohl neue Gebrochene entsanden sind? Irgenwie versucht mir meine innere Logik einzureden, daß, wenn schon solche Schriften weiter entstehen, dann einem internationalen Trend folgend, dort eben auch eher schaftstiefelige denn traditionelle entstehen würden.

Davon abgesehen argumentierst du letztlich auch gegen dich selbst und schießt ein klassisches Eigentor. Du betonst, dass sich solche Entwicklungen ausbreiten; dass es Parallelen und gegenseitige Befruchtung gibt. Ja eben! Es ist exakt dieses Argument, dass die Elementarisierung der gebrochenen Schriften als grafischen Stil prinzipiell ideologiefrei als Folge entsprechender Strömungen in anderen Schriftstilen und den Gestaltungsdisziplinen an sich erklären kann. Hast du prima erklärt, danke!

 

Uups, jetzt scheint er gänzlich die Orientierung zu verlieren. Jetzt weiß er nicht mal mehr wo das Tor steht.

Ich hab geschrieben: „alles entwickelte sich entweder parallel auch in anderen Ländern oder befruchtete sich gegenseitig. Nur die Schaftiefelgrotesk blieb eine auf Nazideutschland begrenzte Erscheinung.“

Also eben nicht deutlich zeitversetzt und/oder örtlich isoliert.

Zudem sind stilistische Entwicklungen eben nicht abrupte sondern eben eher kontinuierliche.

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pürsti

Bay the way:

 

Wir sprechen nicht umsonst von gestalterischen »Strömungen«. Es sind fließende Entwicklungen

 

Wo genau ist das „fließende“ bei der Schaftstiefelgrotesk.

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Ralf Herrmann

Viel Dank vorweg schon mal für wieder so vorbildlich gelebten Pragmatismus.

Worauf willst du hinaus? Ich vermute du willst mit Ironie darauf anspielen, dass meine zitierte Aussage nicht pragmatisch wäre. Ich verstehe aber nicht, warum. Pragmatisch zu sein heißt doch nicht, mangelhafte Argumente nicht als mangelhaft bezeichnen zu dürfen, wenn man dafür Gründe sieht. Eher im Gegenteil. 

 

 

… eine schaftstiefelige Ausprägung der Gebrochenen, hat sich über 100 Jahre Zeit gelassen und kam dann urplötzlich aus heiterstem Himmel …

 

Sagst du! Ich habe nie etwas von einem Zeitraum von 100 Jahren gesagt und stimme dem als maßgeblichen Vergleichs- und Entwicklungsraum auch in keiner Weise zu. Genauso wenig wie der Einschätzung, dass diese Schriftmode urplötzlich erschienen wäre. 

 

 

Wenn denn gebrochene Schriften so gar keine Rolle mehr gespielt hätten außerhalb des deutschsprachigen Raums, wie erklärt sich dann die Tatsache daß im relevantem Zeitraum dort sehrwohl neue Gebrochene entsanden sind?

 

Das hab ich schon beantwortet. 

 

 

Irgenwie versucht mir meine innere Logik einzureden, daß, wenn schon solche Schriften weiter entstehen, dann einem internationalen Trend folgend, dort eben auch eher schaftstiefelige denn traditionelle entstehen würden.

 

Siehe oben. 

 

 

Uups, jetzt scheint er gänzlich die Orientierung zu verlieren. Jetzt weiß er nicht mal mehr wo das Tor steht.

Ich hab geschrieben: „alles entwickelte sich entweder parallel auch in anderen Ländern oder befruchtete sich gegenseitig. Nur die Schaftiefelgrotesk blieb eine auf Nazideutschland begrenzte Erscheinung.“

Also eben nicht deutlich zeitversetzt und/oder örtlich isoliert.

 

Und wieder: Siehe oben. 

Die Entwicklung war schon deshalb zeitlich und örtlich begrenzt, weil es der deutschsprachige Raum der einzige verbliebene mit gebrochener Schrift als Gebrauchsschrift war und weil die gebrochenen Schriften nur wenige Jahre später auch hier den Status als Gebrauchsschrift verloren. Mit diesen Rahmenbedingungen konnte es gar nicht anders sein. Man kann allein aus diesen Rahmenbedingungen aber noch lange nicht die vorgebrachten Rückschlüsse auf (einseitige) Motivationen oder vermeintliche ideologische Gestaltungsprinzipien ziehen. Die Argumentationsweise gibt diese Kausalität einfach gar nicht her. Selbst wenn das Ergebnis sogar stimmen würde – man kann es auf diese Weise nicht herleiten. 

 

Zudem sind stilistische Entwicklungen eben nicht abrupte sondern eben eher kontinuierliche.

Und wofür oder wogegen sollte das sprechen, wenn man sich dem überhaupt anschließen möchte?

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pürsti

 

Zitat

… eine schaftstiefelige Ausprägung der Gebrochenen, hat sich über 100 Jahre Zeit gelassen und kam dann urplötzlich aus heiterstem Himmel …

 

Sagst du! Ich habe nie etwas von einem Zeitraum von 100 Jahren gesagt und stimme dem als maßgeblichen Vergleichs- und Entwicklungsraum auch in keiner Weise zu. Genauso wenig wie der Einschätzung, dass diese Schriftmode urplötzlich erschienen wäre.

 

Du hast gesagt, daß man die Elementarisierung der Fraktur durchaus mit der der Antiqua vergleichen könnt. Ich frag mich dann, warum das bei ersterer eben gut 100 Jahre später passiert ist. Was ist für Dich der „maßgeblichen Vergleichs- und Entwicklungsraum“ und warum?

 

 

Zitat

Wenn denn gebrochene Schriften so gar keine Rolle mehr gespielt hätten außerhalb des deutschsprachigen Raums, wie erklärt sich dann die Tatsache daß im relevantem Zeitraum dort sehrwohl neue Gebrochene entsanden sind?

 

Das hab ich schon beantwortet.

 

Jetzt mußt mir helfen (im ernst, weiße Flagge raushäng. Ich finde die Antwort nicht.)

Du sagst vergleichbare Entwickungen wie die SSG hätte es deshalb außer unseres definierten Raumes nicht gegeben weil die Gebrochenen dort keine Rolle mehr gespielt hätten. Ich hab geantwortet, daß es aber duchaus noch zahlreiche, auch recht populäre und also ökonomisch erfogreiche Neukreationen gebrochener Schriften außerhalb des Naziraumes gab. Also es doch dort einen gewissen (bestimmt freieren als im Naziraum) Markt dafür gab. Warum also gab es jenseits dessen nicht eine vergleichbare Tendenz Richtung Schaftstiefel?

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Ralf Herrmann

Du hast gesagt, daß man die Elementarisierung der Fraktur durchaus mit der der Antiqua vergleichen könnt. Ich frag mich dann, warum das bei ersterer eben gut 100 Jahre später passiert ist.

Wie kommst du denn nur auf 100 Jahre‽ Was wurde 100 Jahre vorher elementarisiert? Die relevanten Strömungen (mit Schlagwörtern wie De Stijl, Konstruktivismus, Bauhaus, Elementare Typografie …) kamen Anfang des 20. Jahrhunderts auf und nahmen insbesondere in den 1920er-Jahren Fahrt auf, also als unmittelbare zeitliche Vorläufer. Wir hatten das ja gerade vor kurzem alles durchdiskutiert.

 

 

Jetzt mußt mir helfen (im ernst, weiße Flagge raushäng. Ich finde die Antwort nicht.)

Du sagst vergleichbare Entwickungen wie die SSG hätte es deshalb außer unseres definierten Raumes nicht gegeben weil die Gebrochenen dort keine Rolle mehr gespielt hätten. Ich hab geantwortet, daß es aber duchaus noch zahlreiche, auch recht populäre und also ökonomisch erfogreiche Neukreationen gebrochener Schriften außerhalb des Naziraumes gab. Also es doch dort einen gewissen (bestimmt freieren als im Naziraum) Markt dafür gab. Warum also gab es jenseits dessen nicht eine vergleichbare Tendenz Richtung Schaftstiefel?

Darauf hab ich jetzt zweimal geantwortet, dass nur der Einsatz als verkehrsübliche Schrift (nicht als selten benutzte Dekoschrift) den nötigen Boden für raschen Erfolg und Verbreitung bereiten konnte. Und den gab und gibt es nirgends sonst seit dieser Zeit.

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Þorsten

Wir haben bislang keine Galerie sämtlicher damaliger Anwendungen von Schaftstiefelgrotesken, die uns die zahlreichen völlig unpolitischen Anwendungen zeigen.

 

noch nicht einmal die Nazi-Propaganda setzte konsequent auf Schaftstiefelgrotesk.

Zwei Strohmänner. M.W. hat niemand hier behauptet, die SSG wären während der Nazi-Zeit ausschließlich oder auch nur überwiegend für politische Anwendungen eingesetzt worden. Bei der weiten Verbreitung kurz nach der Machtergreifung wäre das doch eine völlig absurde Vorstellung! Die SSG wurden im gleichgeschalteten Land – neben Antiqua und anderen gebrochenen – für fast alles benutzt. Niemand bestreitet das.

 

»Uns« (also die, mit denen du hier vor allem streitest) geht es, so wie ich das sehe, vor allem darum, dass wir ein Problem damit haben, die rasante Blüte der SSG als völlig losgelöst vom gesellschaftlichen Klima zu sehen. Das heißt doch keineswegs, dass hier irgendjemand annimmt, die Entwicklung wäre top–down vonstatten gegangen, mit irgendeinem evil master plan der Nazi-Führung, der diese Schriften in Auftrag gegeben oder ihre Verwendung stringent durchgesetzt hätte.

 

(Ich hatte mich übrigens nicht generell auf Anwendungen der SSG bezogen, sondern speziell auf die Materialien zu ihrer Vermarktung. Dort gibt es etliche eindeutig politische und, nachdem was ich – vor allem hier – gesehen habe, keine, die in irgendeiner Weise auf Distanz zur neuen Ideologie gehen. Sehe ich das falsch?)

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Ralf Herrmann

Zwei Strohmänner.

Keineswegs. Ich habe dir/euch überhaupt nichts in den Mund gelegt (und dann bekämpft), sondern lediglich auf ein allgemeines Problem beim Quellenstudium und dessen Wahrnehmung hingewiesen.

 

… die rasante Blüte der SSG als völlig losgelöst vom gesellschaftlichen Klima zu sehen.

 

Tut ja hier auch keiner, meine ich. Also ich bestimmt nicht und das habe ich auch ausdrücklich erklärt. 

 

… keine, die in irgendeiner Weise auf Distanz zur neuen Ideologie gehen.

Ähm, wie sollte denn sowas überhaupt aussehen? 

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catfonts
vor allem hier – gesehen habe, keine, die in irgendeiner Weise auf Distanz zur neuen Ideologie gehen. Sehe ich das falsch?

 

Nein, das siehst du nicht falsch, nur so, wie mir meine Mutter die Stimmung in der Bevölkerung beschrieben hat, währe rein marketinmgtechnisch jede auch nur angedeutete Distanz zur neuen Regierung ein großes Fiasko gewesen. Bis auf wenige "unbelehrbare" setzten eben extreb weite Kreise ihre Hoffnung in diese "Lichtgestalt".

 

Sicher, jeder hätte die eigentlichen Ziele in Mein Kampf lesebn können, aber nahezu jeder Besitzer dieses "Werkes" hat den Versuch, das zu lesen schon auf der ersten Seite aufgegeben.

 

Meine Mutter arbeite damals bei Goldfink, einer damals in Berlin sehr bekannten Firma für Schreibgeräte. Dort gab es eben auch Hoffmanns Portrait-Postkaren von Hitler. An diesen Tag der Machtübernahme hatte sie die Idee, sich nach Feierabend ein Zubrot zu verdienen, und nahm sich den Bestand der Karten mit, um sie dann am Rande dieser Feier anzubieten. Ihr wurden die Karten förmlich aus der Hand gerissen, dass sie letztlich den 10fachen Preis verlangen konnte. Die demokratischen Parteien hatten mit ihrem Versuch die damalige wirtschaftliche Kriese zu lösen jeglichen Kredit verspielt, und die Kommunisten waren, nachdem, was man aus Russland von den russischen Asylanten, die es damals eben auch gab hören konnte auch grad keine Alternative.

 

Man darf dabei nicht vergessen, das teils bürgerkriegähnliche Verhältnisse herrschten, und das neue Regime hier inneren Frieden und wirtschaftlichen Aufschwung versprach - und eben in den ersten Jahren ihrer Regierungszeit eben dieses Versprechen auch hielt.

 

Heute, mit dem Wissen, wie das alles endete bewerten wir die damaligen Propaganda-Aussagen anders, und behaupten, das hätte doch jeder verstehen müssen, welche Brandstifter man da an die Macht kommen ließ, aber ich wette, dass jeder, der her so deutlich sagt: Mich hätten die damals nicht überzeugt, unter den Verhältnissen und dem Wissen von Damals genau so Hurrra schreiend mitgefeiert hätte.

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Martin Z. Schröder

Genau gegen diese unselige Erklärungsart, daß die Deutschen gewissermaßen unschuldig und unfreiwillig ins Dritte Reich gerutscht sind, setzte sich beispielsweise Joachim Fest mit seinen Erinnerungen ein. Als habe es damals keine vernünftigen Leute gegeben, als hätte diese Minderheit nicht existiert. Das ist Verleumdung der Nazigegner und Entschuldigung der Mitläufer. Ein furchtbarer Blödsinn.

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pürsti
Wie kommst du denn nur auf 100 Jahre‽ Was wurde 100 Jahre vorher elementarisiert? Die relevanten Strömungen (mit Schlagwörtern wie De Stijl, Konstruktivismus, Bauhaus, Elementare Typografie …) kamen Anfang des 20. Jahrhunderts auf und nahmen insbesondere in den 1920er-Jahren Fahrt auf, also als unmittelbare zeitliche Vorläufer. Wir hatten das ja gerade vor kurzem alles durchdiskutiert.

 

Anfang des 19. Jh gabs die ersten Groteskschriften. Schon im ersten Drittel des 19. Jh. bekamen sie relative Popularität. Erstmal als Auszeichnungsschrift. (hm, hier reicht plötzlich diese Anwendung für den Durchmarsch für andere soll gelten

dass nur der Einsatz als verkehrsübliche Schrift (nicht als selten benutzte Dekoschrift) den nötigen Boden für raschen Erfolg und Verbreitung bereiten konnte.

 

Die Vertreter der von Dir aufgezählten Stilrichtungen waren überwiegend Anwender. Schriftgestalter darunter waren die Ausnahme. Und diese Anwender, sie schufen den gestalterischen Zeitgeist. Nichts spricht dagegen daß sich dieserer Trend ohne ideologisch-gewaltsame  Einflußnahme nicht genausso weiterentickelt hätte. Bauhaus war noch in den Kinderschuhen als es aus ideologischen Gründen  vernichtet wurde. Ja und irgendwann womöglich hätten sich auch elementare Experimente bei die Gebrochenen entwickeln können und ohne ideologischen Druck und ohne Gewalt wahrscheinlich auch kreativere Lösungen ergeben als eben diese Schaftstiefleien.

 

 

Ähm, wie sollte denn sowas überhaupt aussehen?

 

Nichts leichter als das. Den ein oder anderen klugen Kopf in Schriftproben zitieren: Tucholsky, Brecht, Mann (beide) …

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austerlitz

Ein weiterer Punkt ist: kenne keine maßgebliche Entwicklung im kreativen Schaffen grundsätzlich und auch speziell im Schriftschaffen, die auf einen Sprachraum begrenzt bliebe. In den epochalen Zeiten ja sowieso nicht aber auch die Entwicklungen in den Zeiten die relevant hier sind: Jugenstil, Expressionismus, Dada … alles entwickelte sich entweder parallel auch in anderen Ländern oder befruchtete sich gegenseitig. Nur die Schaftiefelgrotesk blieb eine auf Nazideutschland begrenzte Erscheinung. Obwohl Gebrochnene nun wahrlich eben nicht “die deutsche Schrift“ waren.

Aha, ein neues Argument, und ein sehr gutes! Warum bin ich nicht selber darauf gekommen? Vitrioloels Vermutung trifft meines Wissens zu: In der Schweiz hat es erstens in den 1930er Jahren keine Wiederzunahme im Gebrauch der gebrochenen Schriften gegeben und zweitens sind Schaftstiefelgroteske wenn überhaupt, dann nur sehr selten eingesetzt worden (ich kennte keine Beispiele). Es scheint sich also um Sonderentwicklungen im nationalsozialistischen Deutschland zu handeln.

 

Die Verwendung von gebrochenen Schriften ähnelte in der Schweiz der 1930er Jahre weiterhin derjenigen im Deutschland der 1920er Jahre: Sie wurden gelegentlich eingesetzt. Die NZZ beispielsweise stellte erst 1946 auf Antiqua um. Meine Grossmutter hat mir erzählt, in den 1930ern hätten sie in der Schule die deutsche Schrift zwar noch lesen, aber nicht mehr schreiben gelernt.

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Phoibos

Ein furchtbarer Blödsinn.

Was hier auch keiner behauptet. Ebensowenig wie der Erste Weltkrieg von Schlafwandlern vom Zaun gebrochen wurde, kam Deutschland zum Dritten Reich wie die Jungfrau zum Kinde.

Es ist aber Blödsinn, jedem 1933 zu unterstellen, den Weg nach Auschwitz gebaut zu haben.

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Erwin Krump

M. E. wird der Gebrauch der Schaftstiefelgrotesk durch die Nazis vielleicht überschätzt.

 

Wenn man Drucksorten aus dieser Zeit durchforstet, kommt man zu dem Schluss, dass diese Schrift im Vergleich zu anderen Schriften, weit hinten rangiert.

 

Mir liegen die PDF-Dateien der Jg. 1938–1945 der Zeitung „Heimatblatt, Parteiamtliches Blatt der NSDAP. für die Kreise Wels und Grieskirchen, vereinigt mit dem Welser Anzeiger“ vor.

 

Da es sich um Tausende Seiten handelt, habe ich nur schnell durchgeblättert:

 

Der Fließtext ist in allen Ausgaben hauptsächlich in Fraktur gesetzt. 

 

Im Jahrgang 1938 ist überhaupt keine Schaftstiefelgrotesk zu finden. Weder in Titel noch in Inseraten.

Titelschriften sind u. a. halbfette oder fette Erbar mit Kursiver, Block-Signal und Hoyer-Fraktur und andere Frakturschriften.

 

In den Jahrgängen 1939–1945 sind folgende Titelschriften zu finden:

Die ersten 2–4 Seiten sind der Kriegsberichterstattung gewidmet. Bei diesen Seiten sind ca. 80– 100 Prozent der Titel in SSG.

Dann folgen meist 7 Seiten lokale Berichterstattung. Titelschriften sind wieder halbfette oder fette Erbar mit Kursiver, Block-Schrift, Memphis, Block-Signal und Hoyer-Fraktur und ander Grotesk- Schreib- und Frakturschriften. Fallweise ein paar Titel SSG.

 

Die letzten 2 Seiten sind Inseratseiten. In diesen Seiten habe ich nur die Rubriküberschrift „Kleiner Anzeiger“ in Schaftstiefelgrotesk gefunden.

 

Beim Durchsehen der Inserate, fällt auf, dass die SSG ganz selten vorkommt. Man muss da wirklich danach suchen.

 

Da es sich insgesamt um ca. 4000 bis 5000 Zeitungsseiten handelt, fehlt die Zeit um das genau zu analysieren. Aber als Richtwert für die Häufigkeit der Verwendung der SSG bei zumindest dieser Zeitung, können diese Angaben angesehen werden.

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Ralf Herrmann

Anfang des 19. Jh gabs die ersten Groteskschriften. Schon im ersten Drittel des 19. Jh. bekamen sie relative Popularität. 

 

Und wo ist der Zusammenhang zu den hier diskutierten Entwicklungen? Die Elementarisierung – das Zerlegen in einfache Grundelemente, die man rasterhaft wieder zusammenfügen konnte war eine andere Entwicklung als Schriften die Zöpfe, äh Serifen, abzuschneiden. Das hat wenig miteinander zu tun. Stilwandel einschließlich Vereinfachungen gab es in der Gattung der gebrochen Schriften ja auch über Jahrhunderte. 

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pürsti

pürsti schrieb:snapback.png

Anfang des 19. Jh gabs die ersten Groteskschriften. Schon im ersten Drittel des 19. Jh. bekamen sie relative Popularität. 

 

Und wo ist der Zusammenhang zu den hier diskutierten Entwicklungen?

 

 

 

 

In dem von dir verfasstem Wiki-Artikel:

 

„Die Verknüpfung der »typographischen Gene« der häufig barock verzierten gebrochenen Schriften mit denen der modernen Groteskschriften lag nahe und hätte sich auch vor einem anderen gesellschaftlichen Hintergrund ergeben.“

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gutenberger

 

Man darf dabei nicht vergessen, das teils bürgerkriegähnliche Verhältnisse herrschten, und das neue Regime hier inneren Frieden und wirtschaftlichen Aufschwung versprach - und eben in den ersten Jahren ihrer Regierungszeit eben dieses Versprechen auch hielt.

Aha. Es herrschte also ab der "Machtübernahme" "innerer Frieden"? Wie lange hielt denn dieser himmlische Zustand an? Also wenigstens die ersten Jahre der Nazizeit waren doch eigentlich ganz prima ...?

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catfonts

Ichj habe nicht behauptet, das inner Frieden gherrscht hat, sondern das dies debn Bürgern versprochen wurde. Das ist etwas anderes. Das es dann gänzlich anders kam, habe ich ja nie behauptet. Und um eherlich zu sein, viele haben diese ersten Jahre durchaus als ganz prima empfunden. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diese dann wirklich alles gut gefunden haben. Schließlich versuchen unter jeder Regierungsform zuerst die mehrzahl der Einwohner eines Landes ihr privates Leben so gut wie möglich zu führen. Da sind leider vielen die probleme anderer so was von egal. Und wenn eine Regierung es Menschen ermöglicht, gerade 3 Jahre nach einer großen Massen-Arbeitslosigkeit jetzt preisgünstig Schiffreisen mit KdF  zu unternehmen, fragt so manch einer nicht, was dahinter steckt.

 

Und glaubt ihr vielleicht, dass sich die Menschen (die patriotischen Europäer), die heute gegen die islamisierung des Abendlanes demonstrieren sich darüber aufregen würden, brennt jemand eine Moschee nieder? Und das, wo jedem heute eine ganz andere Vielfalt an Informationmen zur Verfügung steckt. Bei vielem, was ich heute in sozialen Netzwerken oder in Frage-Portalen feinde, lässt mich fragen, ob wir aus der Geschichte überhaupt etwas gelernt haben. Ständig lese ich, dass angeblich Moslems deutsche Frauen vergewaltigen, und das dies so im Koran gefordert sei - letztlich 1:1 die Propaganda von damals, nur eben dass es damals kaum ein Gegengewicht gab, und dass statt des Moslems eben der  Jude die Gefahr war, die zudem auch noch das Geld kontrollierte...

 

Und auch hier hieß es noch vor kuzem: Das sind nur besorgte Bürger, die man ernst nehmen müssem, aber damals waren die, welche gutes in dem sahen, was in wenigen Jahren erreicht war schon Verbrecher?

 

Und um die Frage zu beantworten, wie lange dieses Gefühl, das doch eigentlich alles in Ordnun sei bei vielen andauerte: Eigentlich bis Stalingrad, den vor der Karte im hamburger Alsterhaus bildete sich regelmäßig noch eine Menschentraube, wenn wieder aktualisiert wurde, was Deutschland alles besetzt hatte. Selbst da war bei den meisten der Groschen noch nicht gefallen.

 

Ich habe mit einigen Menschen gesprochen, die sich gern an die Zeit beim BdM erinnerten. War eben so...

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pürsti

M. E. wird der Gebrauch der Schaftstiefelgrotesk durch die Nazis vielleicht überschätzt.

 

 

Bei der google-Bildersuche schaftstiefelt es auf Teufel komm raus wenn man nach „Plakat NSDAP 1935“ sucht.

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Phoibos

Bei der google-Bildersuche schaftstiefelt es auf Teufel komm raus wenn man nach „Plakat NSDAP 1935“ sucht.

 

Damit erzeugst Du nur eine Bubble, die zu Deinem Modell passt. Hilfreicher wäre es, so viele Plakate wie möglich zwischen 1928 und 1936 zu vergleichen, um zu sehen, ob die Gotisch-Grotesken wirklich das Werkzeug des Bösen waren oder einfach nur so mal hier, mal von anderen genutzt wurden.

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Lars Kähler

Das würde ich für vergleichbar halten mit der Tatsache, dass man ein Schriftstück bestimmten Jahrzehnten zuordnen kann oder auch geografischen Regionen, aufgrund der Typografie und Gestaltung. 

 

Kathrin: Das ist der Grundgedanke von GlobalType.

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Ralf Herrmann

In dem von dir verfasstem Wiki-Artikel:

 

„Die Verknüpfung der »typographischen Gene« der häufig barock verzierten gebrochenen Schriften mit denen der modernen Groteskschriften lag nahe und hätte sich auch vor einem anderen gesellschaftlichen Hintergrund ergeben.“

 

Nein, dieser Abschnitt ist auf keinen Fall von mir! Sieht man schon an dem Typographie mit ph. ;-)

Die Aussage bezüglich der Groteskschriften ist nicht besonders glücklich ausgedrückt. Der Fokus müsste hier auf dem »modern« liegen und das müsste man näher erklären. Aber so oder so: Die zitierte Aussage ist eine Meinung und somit in dieser Form nicht besonders tauglich für einen Wiki-Artikel. Müsste man jetzt mal gründlich überarbeiten, speziell nachdem hier alle Positionen ausführlich durchgekaut wurden. 

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pürsti

Damit erzeugst Du nur eine Bubble, die zu Deinem Modell passt. Hilfreicher wäre es, so viele Plakate wie möglich zwischen 1928 und 1936 zu vergleichen, um zu sehen, ob die Gotisch-Grotesken wirklich das Werkzeug des Bösen waren oder einfach nur so mal hier, mal von anderen genutzt wurden.

> „M. E. wird der Gebrauch der Schaftstiefelgrotesk durch die Nazis vielleicht überschätzt.“

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