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Schriftmuster Tannenberg


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Um genau diese einfache Antwort zu vermeiden, erwähnte ich die Anzeigenschrift von Koch. Das wäre Pauke und Trompete. Die SSG sind eher Maschinenlärm und Panzerdröhnen, wenn man es mit einem Geräuschbegriff benennen will. Die serifenlosen Antiqua sind auch in den fetten Schnitten bei gleicher Lautstärke nicht annähernd so eintönig wie eine fette Tannenberg. Deswegen wies ich auf die lebendigen Übergänge in der Futura hin, vor allem in den fetten Schnitten und obwohl sie nicht geschrieben, sondern gezeichnet ist.

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vor 11 Stunden schrieb Martin Z. Schröder:

Wie Kapr die SSG sah, habe ich zitiert. Welche Sichtweise könnte man dieser entgegenstellen?

Man muss dem nichts entgegensetzen. Er beschreibt seine subjektive Wahrnehmung. Die ist wie sie eben ist. Auf andere Menschen wirkten und wirken – wie man an dieser Diskussion ablesen kann – die Schriften anders. 

Erst wenn man aus dem ich finde ein es ist machen will, wird es problematisch. Dann reichen assoziationsgeladene Wahrnehmungsbeschreibungen nicht mehr aus und welche Argumente auch immer man dann bemüht – es wird vieles dagegen zu sagen geben – was ja in dieser Diskussion schon alles nachzulesen ist – einschließlich Autoritätsverweisen (siehe Willberg), für jene, denen so etwas wichtig ist. 

 

vor 25 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

Die SSG sind eher Maschinenlärm und Panzerdröhnen …  so eintönig wie eine fette Tannenberg. 

Und weiter gehts mit SSG sagen und fette Tannenberg meinen. Solange das so bleibt, erübrigt sich jede Diskussion. Denn wir reden dann ja nicht einmal von der gleichen Sache und ich kann auch nicht davon ausgehen, dass du diese Diskussion ergebnisoffen führst, wenn die Mehrzahl der Schriften (und ihrer Schnitte) dieser Gattung – es wurden ja genug Beispiele genannt und gezeigt – einfach nicht wahrgenommen werden. 

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Catfonts führte Pauke und Trompete für die SSG ins Feld, nicht ich. Deshalb meinte ich, selbst eine fette Anzeigenschrift ist viel eher Pauke und Trompete als eine fette Tannenberg. Denn eine magere SSG kann doch Catfonts nicht gemeint haben? Dann sprechen wir doch über die mageren Schnitte. Kriterien für den Schriftvergleich habe ich mit Bodoni angeführt. Zum Beispiel diese: »(...) gepflegte Einfachheit, die nicht etwa so zu verstehen ist, daß die Buchstaben überall gleichstarken Duktus aufweisen sollen, sondern die in zarter und anmutiger Weise den schönen Gegensatz von Licht und Schatten, wenn ich so sagen darf, zur Geltung kommen läßt (...)« Und: »Die Anmut einer Schrift beruht denn auch mehr als sonst irgend­wo auf einer gewissen Ungezwungenheit der Linien, auf ihrer Freiheit, Kühnheit und Geläufigkeit.« Dazu die Ausführungen von Kapr über die »Gefühlswerte« von Schriften. Eine Buchseite aus der magaren Unger-Fraktur könnte ich fotografieren und zeigen, aus einer mageren SSG habe ich keine Buchseite. Wenn jemand so etwas hätte, könnten wir die beiden nebeneinanderstellen. Aber können wir uns auf Bodonis und Kaprs Kriterien einigen oder haben wir unterschiedliche Ansichten über Schriftschönheit und Gefühlswerte? Welche wären andere Kriterien?

 

Wir könnten auch als weitere die Walbaum und die Futura als Buchseiten dazunehmen. Buchseiten erscheinen mir sinnvoll, weil es auch um Lesbarkeit geht. Ich nehme an, wir sind mit gebrochenen Schriften ausreichend vertraut und fremdeln nicht so damit, daß wir ihre Lesbarkeit nicht beurteilen könnten.

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vor 21 Stunden schrieb Ralf Herrmann:

Man kann den SSG bestimmte typische Eigenschaften zuschreiben und je mehr davon bei einer Schrift in den Vordergrund treten, umso eindeutig passt die Schrift in diese Kategorie. Aber nirgends findet sich eine wirklich eindeutige Grenze und die Gruppe kann so mal 5, mal 30 Schriften umfassen. 

Schön, das hier mal so explizit von einem Schriftexperten ausgeschrieben zu sehen. Wegen meiner diesbezüglichen Frage an früherer Stelle in dieser Diskussion, welche Schriften denn im einzelnen den SSG zuzuordnen seien (damit ich mir ein genaues Bild machen könne), wurde ich von einem anderen teilnehmenden Experten noch für der Teilhabe an dieser Unterhaltung nicht qualifiziert erklärt. Tja …

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Zitat

... wurde ich von einem anderen teilnehmenden Experten noch für der Teilhabe an dieser Unterhaltung nicht qualifiziert erklärt. Tja …

 

ich bin ja auch nicht gerade der Fraktur-Kenner ...

 

... an diesem Punkt würde ich ein bisschen Recherche ansetzen wenn ich Schriften im Visier habe ...

 

Man könnte da ausgehen von:

1. Optik – wie wirkt die Schrift auf mich, wie ist die Linienführung usw.

2. Namensgebung – mal gschwind den Namen bei google eingeben und schaun was bei rauskommt bzw. was man darüber erfährt

3. Auf den Jahrgang schauen (vor oder nach 33 sagt zwar wenig aus, aber man hat einen gewissen Anhaltspunkt ... die Frakturdiskussion ging schon deutlicher früher los)

4. Den Schriftgestalter und dessen Geschichte recherchieren – gibt es evtl. andere Schriften etc.

5. Auf den Ort der Entstehung schauen ...

...

 

100%ige Genauigkeit hat man nie – über den Krieg ging sehr viel verloren aber manches hilft doch bei der Abgrenzung, und mag sie noch so schwammig und subjektiv sein schon. Im Endeffekt muss man selbst für seine »verbrochenen« Dinge gerade stehen und da lohnt es sich an der ein oder anderen Stelle zweimal hinzusehen

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vor 10 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

Aber können wir uns auf Bodonis und Kaprs Kriterien einigen …?

Nein, natürlich nicht. Bodoni beschreibt wiederum seine subjektiven Kriterien zur Zeit des Klassizismus, die ihn zu Ergebnissen führte, die die typografische Autorität William Morris später als plump und hässlich bezeichnete, wie ich schon ausführte. Das führt zu nichts. Das sind alles interessante, designhistorische Aussagen im Lichte ihrer Zeit, aber keine objektiven Beschreibungen an denen wir uns ein Beispiel nehmen müssten. 

Ich bin völlig zufrieden damit, mir die gestalterische Komplexität von Schriftentwürfen und die gesellschaftlichen und psychologischen Zusammenhänge in Vergangenheit und Gegenwart in differenzierter Form »abzuspeichern«. Ich muss Schriften nicht zwangsweise entweder in die Schublade »schön« oder einen Giftschrank stecken und sehe daran auch nichts erstrebenswertes. Ich weiß also auch nicht ganz, warum du nach Kriterien der Schönheit fragst, auf die man sich einigen könnte. 

 

vor 10 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

Buchseiten erscheinen mir sinnvoll, weil es auch um Lesbarkeit geht. 

Die Schriften sind eher bekannt für ihre Plakativität, daher wüsste ich nicht, warum man sie mit Leseschriften vergleichen sollte. Lesbarkeit (oder hier war wohl eher Leserlichkeit gemeint) und Fließtexttauglichkeit sind verschiedene Dinge. 

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vor 22 Minuten schrieb Ralf Herrmann:

...

 

Punkte, bei denen ich dir mal zustimme

 

per se als hässlich würde ich jetzt die SSG nicht verdammen (obwohl sie mir nicht gefallen aber evtl. auch wegen meiner Assoziierungen)

 

andersrum, so scheint es mir hier im Forum aber irgendwie, sollte man auch nicht mit der Ansicht an die Sache gehen, dass Fraktur gleich superduper ist und dabei zu versuchen die Geschichte vollumfänglich auszublenden und denjenigen über den Mund fahren, die mit diesen Schriften unwiderruflich die NS-Zeit verbinden.

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vor 27 Minuten schrieb Ralf Herrmann:

Ich bin völlig zufrieden damit, mir die gestalterische Komplexität von Schriftentwürfen und die gesellschaftlichen und psychologischen Zusammenhänge in Vergangenheit und Gegenwart in differenzierter Form »abzuspeichern«. Ich muss Schriften nicht zwangsweise entweder in die Schublade »schön« oder einen Giftschrank stecken und sehe daran auch nichts erstrebenswertes. Ich weiß also auch nicht ganz, warum du nach Kriterien der Schönheit fragst, auf die man sich einigen könnte.

Sind Bodonis Kriterien nicht auch jene, nach denen Johnston 100 und Caflisch 200 Jahre später Schriften analysierten? Könnte man für das Wort »Schönheit« heute Güte oder Qualität setzen? Was verstehst du unter »gestalterischer Komplexität«? Die gesellschaftlichen und psychologischen Zusammenhänge können wir ja einmal für einen Moment unberücksichtigt lassen. Der Begriff »gestalterische Komplexität« ist abstrakt. Was bedeutet das im einzelnen, woran mißt man das? Als du mir zustimmtest, daß man Schriften einmal vergleichen sollte, was genau würdest du vergleichen?

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Am 16.5.2016 um 13:08 schrieb CLMNZ:

sollte man auch nicht mit der Ansicht an die Sache gehen, dass Fraktur gleich superduper ist und dabei zu versuchen die Geschichte vollumfänglich auszublenden 

Ja, das hast du schon mehrfach wiederholt – teils mit unmöglichen persönlichen politischen Unterstellungen. Aber auch ganz pragmatisch ist es im Sinne der Debatte schlicht ein Logikfehler (falsches Dilemma). Du kannst gern für dich entscheiden, aus der Historie eine Vermeidungshaltung bezüglich dieser Schriften abzuleiten. Aber daraus folgt einfach nicht, dass Leute, die das anders sehen, aktiv versuchen die Geschichte auszublenden, zu verdrehen, reinzuwaschen oder was auch immer. Diese Kausalität besteht einfach nicht zwingend. Man kann auch in Kenntnis der Geschichte zu einer anderen Bewertung dieser Schriften und ihrem möglichen Einsatz heute kommen. Mehr noch: Man kann (mindestens in der Theorie) sogar die Geschichte besser kennen als du und aus diesem tiefergehenden Wissen zu einer anderer Bewertung kommen. Ich bitte darum, diese Möglichkeit zu bedenken, statt nur die Varianten zu akzeptieren »Wer es so sieht wie ich, macht es richtig« und »Wer es anders sieht, verdreht die Geschichte«. Wieder ein Fall von »Da machst du es dir zu leicht«. 

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vor 34 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

Sind Bodonis Kriterien nicht auch jene, nach denen Johnston 100 und Caflisch 200 Jahre später Schriften analysierten? Könnte man für das Wort »Schönheit« heute Güte oder Qualität setzen?

Wäre einen Tick besser. Bei Qualität denke ich an handwerkliche Qualität. Die lässt sich deutlich besser (wenn auch nicht gänzlich) objektiv beschreiben. Es dürfte aber schwer fallen, den SSG hier klare Mängel nachzuweisen, die die vermeintliche Hässlichkeit belegen. 

 

Zitat

Als du mir zustimmtest, daß man Schriften einmal vergleichen sollte, was genau würdest du vergleichen?

A) sollte man prüfen, ob die vorgebrachten Kritikpunkte überhaupt generell auf die Kategorie zutreffen. Da hab ich nach wie vor große Zweifel. Da muss gegebenenfalls einiges verworfen werden oder man muss eben konkrete Schriften kritisieren und nicht eine Gattung. 

B) Was von A übrig bleibt, könnte auf Analogien bei anderen Schriftstilen geprüft werden. Das war schließlich Willbergs (wie ich finde schlagkräftiges) Argument. Warum werden bestimmten Eigenschaften bei einem Schriftstil dermaßen in den Boden geredet, bei anderen aber nicht? Und warum werden dazu gesellschaftspolitische Begriffe wie »gleichgeschaltet« statt rein formal-grafischer herangezogen. Das ist doch ziemlich verdächtig und riecht eher nach einem hineininterpretieren statt herauslesen. Aber das haben wir ja alle schon endlos diskutiert. 

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vor 16 Minuten schrieb Ralf Herrmann:

A) sollte man prüfen, ob die vorgebrachten Kritikpunkte überhaupt generell auf die Kategorie zutreffen. Da hab ich nach wie vor große Zweifel. Da muss gegebenenfalls einiges verworfen werden oder man muss eben konkrete Schriften kritisieren und nicht eine Gattung. 

B) Was von A übrig bleibt, könnte auf Analogien bei anderen Schriftstilen geprüft werden. Das war schließlich Willbergs (wie ich finde schlagkräftiges) Argument. Warum werden bestimmten Eigenschaften bei einem Schriftstil dermaßen in den Boden geredet, bei anderen aber nicht? Und warum werden dazu gesellschaftspolitische Begriffe wie »gleichgeschaltet« statt rein formal-grafischer herangezogen. Das ist doch ziemlich verdächtig und riecht eher nach einem hineininterpretieren statt herauslesen. Aber das haben wir ja alle schon endlos diskutiert. 

Ich würde gar nicht mit Kritik anfangen, die stünde erst am Ende. Welche Kriterien belegen im einzelnen »gestalterische Komplexität«? Hinter diesem Begriff müssen doch prüfbare Kriterien stecken. Die wir dann vielleicht unterschiedlich bewerten, aber das, wie gesagt, erst am Ende. Unter »gleichgeschaltet« habe ich die Gleichförmigkeit der Figuren verstanden, den politischen Aspekt können wir doch einmal weglassen, dazu bin ich durchaus bereit. Und würde diesen Begriff auch erst einmal vermeiden.

 

Man könnte auch, um diese formalen Kriterien zu finden, zwei Garamonds vergleichen. Da verwenden wir ja auch nicht jede, sondern haben Kriterien. Die Länge der Unter- und Oberlängen beispielsweise, die Ansätze von Rundungen und dergleichen. Wir können es auch mit zwei anderen Gebrochenen exemplifizieren, also keine SSG, sondern zwei allgemein anerkannte.

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womit du wieder mich persönlich angreifst und versuchst mir über den Mund zu fahren ... ich wollte dir nur in einer deiner Ansichten beipflichten und gleichzeitig vor einem blauäugigen Umgang  warnen – leider muss ich jetzt wieder was dazu schreiben, was dir womöglich nicht in den Kram passt, aber du hast es so gewollt.

 

Eine Tannenberg lässt sich in meinen Augen, mit einem minimalen Hintergrundwissen leider nicht unverfänglich einsetzen, egal wie verseucht oder nicht verseucht deren NS-Hintergründe auch sein mag. Bei zu vielen Leuten kommen SSG einfach falsch an, egal ob ich mich selbst dazu zähle oder nicht.

 

Um bei NS zu bleiben – es gab vor gar nicht so langer Zeit eine Werbekampagne mit »Jedem das Seine« als Slogan – die verantwortlich Agentur hat da sehr schnell einen Brief des Zentralrats der Juden bekommen ... die Kampagne wurde gleich wieder eingestampft. Die Assoziation sollte mit Sicherheit nicht Buchenwald sein und ich denke auch nicht, dass irgendwer, der diese Redewendung verwendet das damit verbindet.

Was ich damit sagen möchte ist schlichtweg, dass in vielen Dingen für eine Seite Gift steckt, und die finale Aussage davon komplett überlagert wird, und damit sollte man sich in unserer Branche bewusst sein.

Und ich mache es mir mit so einer Ansichtsweise sicherlich nicht einfach nur »einfach«.

 

Einen aktuellen Verwendungszweck außer den von mir genannten sehe ich leider nicht in den SSG (und bei meiner persönlichen Betrachtung würde ich in die »Don‘t use«-Listeund unter Umständen wohl auch viele Schriften werfen, bei denen das absolut nicht berechtigt ist, deren Charakter mir aber zu brachial ist) – zu sehr sind mir die Schriften vergiftet, zu sehr wird damit die NS-Zeit assoziiert, pure (subjektive) Schönheit und Lesbarkeit sind mir da zu schwache Argumente wenn ich da ws raus in die Welt schicke.

Bei den Biermarken und in der Gastronomie, in der nach wie vor gerne Frakturschriften verwendet werden mag die NS-Assoziation vermutlich erst mit Kenntnis der Schriften einsetzen ... aber hier frag ich mich dann nach dem Sinn und was sich der Grafiker dabei gedacht hat ...

Du magst die Assoziierungskriterien nicht gelten lassen, das weiß ich – in meinen Augen sind das aber wichtige, kulturell bedingte Punkte ... bei den einen heißt die offene Hand »Hallo« – bei den anderen »Arschloch« und dazu muss man nicht halb um den Erdball ... sowas kann ich z.B. nicht ausblenden. Auch der Punkt, dass wir hier überhaupt über die Sache diskutieren ist für mich schon ein Punkt, dass die Assoziation zum NS besteht.

 

Um mich von der »Unschuld« der SSG zu überzeugen braucht es für mich nicht Argumente, dass sie auch in nicht NS-Kontext eingesetzt wurden, oder die Hintergründe der Schriftgestalter nicht klar sind, sondern eher klare Anhaltspunkte, dass sie vom NS-Regime missbraucht wurden. Nur das lässt sich leider nicht nachweisen.

 

Entschuldigung MZS – Die Diskussion hier hat sich, finde ich in den letzten Postings doch relativ spannend entwickelt ... aber ich musste das jetzt hier noch einmal schreiben.

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von der Formensprache bzw. der verwendeten Elemente sind in meinen Augen die SSG deutlich reduzierter, geradliniger, schmuckloser als sonstige Frakturschriften. Da jetzt das Argument hässlich oder handwerklich schlecht würde ich z.B. bei einer Tannenberg nicht ansetzen. Für mich ist das eher so ein Vergleich zwischen Damast-Dolch und Maschinengewehr. Letzteres würde ich jetzt nicht als ästhetisch hässlich bezeichnen, nur besitzen solche Dinge eben einen komplett anderen »Reiz« als Kunstobjekte.

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vor 2 Stunden schrieb Martin Z. Schröder:

Welche?

Ich weiß nicht, welche Kriterien man anlegen könnte, aber sicher eine ganze Menge. Ich halte es nur allgemein für sehr unwahrscheinlich, dass Bodoni, du und ich uns auf universelle Schriftschönheitsmerkmale einigen könnten. Dazu ist beispielsweise mein Wissensstand über Schrift viel zu gering.

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da auf einen gleichen Nenner zu kommen wird uns sicherlich nicht gelingen. Und auch wenn er uns im Ansatz gelingen sollte kann das jemand außerhalb den fünf hier diskutierenden wieder anders sehen.

 

Mit den gleichen Kriterien müsste man dann eine Garamond gegen eine Futura, gegen eine Din usw. stellen ...

 

Ich finde es schon sehr schwierig mich auf »gute Lesbarkeit« zu einigen. Ich für mich gehalten finde manche Monospaced genauso gut lesbar wie viele Serifenschriften usw. und halte auch den Umgang mit den Schriften für einen wichtigen Faktor.

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vor 40 Minuten schrieb CLMNZ:

womit du wieder mich persönlich angreifst und versuchst mir über den Mund zu fahren ..

Ist das deine erste Fachdebatte? 

Ich habe dich sachlich begründet auf einen Logikfehler in deiner Diskussion hingewiesen. Da gibt es, nachdem man das sorgsam gelesen und bedacht hat, zwei angemessene Reaktionen:

  • A) Du nimmst die Kritik ganz oder in Teilen an
  • B) Du hältst sie für unzutreffend und erklärst anschließend warum – am besten mit Argumenten und unter genauer Bezugnahme auf meine Argumente. 

Da von einem Angriff zu sprechen ist vollkommen albern. Es ist der Zweck einer solchen Diskussion, Argumente auszutauschen und diese zu hinterfragen und zu prüfen. Wir sind eben, wie ich schon betonte, nicht am Stammtisch, wo man nur mit Meinungen und ungeprüften Behauptungen um sich wirft. 

 

Auf den Rest geh ich gar nicht erst im Detail ein, weil es eine reine Strohmann-Argumentation ist. Etwa das hier: 

 

vor 40 Minuten schrieb CLMNZ:

Du magst die Assoziierungskriterien nicht gelten lassen, das weiß ich – in meinen Augen sind das aber wichtige, kulturell bedingte Punkte ... sowas kann ich z.B. nicht ausblenden.

Niemand streitet die Existenz der Assoziationen ab. Niemand schlägt vor, man solle beim heutigen Gestalten die Assoziationen ignorieren. Natürlich macht man das. Das ist banal und selbstverständlich. Deine Argumentation dagegen ist eine Strohmann-Argumentation. Versuche doch erstmal die anderen Positionen zu verstehen. Und wenn es da Unklarheiten gibt, dann frage! So wie ich dir schon viele Fragen gestellt habe, die du einfach übergehst. 

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viele Fragen hast du mir nicht gestellt – du hast einfach von Anfang an mir Unwissendheit unterstellt und mich in deinen Postings eher herablassend behandelt, dabei hast du oft einfach nur um mir irgendwie was reinzuwürgen in Diskussionsstränge reingegrätscht (wie auch jetzt gerade wieder) – das Wort »Stammtischniveau« fällt da ständig von deiner Seite. Dazu pickst du dir immer wieder einen einzigen, oft marginalen Punkt aus meinem Posting heraus um den es teilweise gar nicht in erster Linie geht und bläst ihn groß auf, meinst ich solle ihn belegen, ohne den sonstigen teilweise abstrusen Behauptungen, die hier im Faden vorkommen auch nur in geringster Weise ähnliches entgegenzusetzen. In den meißten meiner Postings schreibe ich meine persönliche Sicht, gehe auch auf Fragen ein und plädiere für einen behutsamen Umgang mit den SSG. Teilweise kommt es mir hier im Forum so vor, als würden manche beim Anblick von sämtlichen Frakturen aus dem Schwärmen nicht mehr herauskommen (übertrieben gesagt) ...

 

Zitat

Assoziationen sind nicht einfach da – WIR, die professionellen Schriftgestalter und -anwender schaffen und beeinflussen sie. Die unpolitische Speisekarte in gebrochener Schrift ist nicht automatisch zu vermeiden, weil sie Nazi-Assoziationen auslösen könnte, sondern umgekehrt gegebenenfalls ein Mittel, den jahrhundertelangen unpolitischen Einsatz gebrochener Schriften am Leben zu halten und nicht durch Vermeidung den politischen Einsatz als einzig möglichen auch noch zu fördern. Auch dessen sollte sich ein Gestalter bewusst sein.

ich hab nie von einer Vermeidung von Frakturschriften gesprochen – mir ging es immer Sinn und Einsatzzweck zu hinterfragen und sich mit der Geschichte der jeweiligen Schrift vertraut zu machen und im Vorfeld zu recherchieren. Rein ästhetisch, oder wegen guter Lesbarkeit würde ich meine Schrfitwahl da nicht begründen.

In einem 20er/30er/40er Jahre Kontext den damaligen Streit zwischen Fraktur- und Antiqua zu thematisieren fände ich sogar ganz reizvoll, wenn der reinpasst – da kann ich mir die SSG auch gut vorstellen.

 

Zitat

 Und mich würde auch deine Checkliste interessieren, nach denen du die Political Correctness von Schriften prüfst – wenn du das denn wirklich machst (was ich bezweifle). Wo sind da die Grenzen? Welche politische Haltung oder sonstige Vorlieben darf ein Schriftgestalter haben? Wer muss wie böse sein, dass irgendwie zuordenbare Schriften für alle Zeit »verbrannt« sind? 

 

Du machst es dir da meiner Meinung viel zu einfach und – wenn ich dich richtig verstehe – klopfst du dir dabei auch noch selbst auf die Schulter, als vermeintlich einer derer, die »die Hintergründe kennen und »dementsprechend« richtig mit diesen Schriften umgehen würden. 

 

eine Checkliste habe ich ein paar Postings weiter oben gesetzt – dass man nicht nach dem schwarz/weiß Prinzip vorgehen darf ist klar – aber manchmal hilft es doch die ein oder andere Sache etwas einzugrenzen.

 

Zitat

Es bleibt leider Stammtisch-Niveau. Eine feste Überzeugung und lauter steile Thesen, aber nix dahinter, sprich du versucht nicht mal die Thesen sachlich und strukturiert zu untermauern und sämtliche Nachfragen, die Klärung (egal in welche Richtung) bringen könnten werden einfach ignoriert und wieder irgendwas ganz anderes erzählt oder der »anderer Seite« irgendwelche Unterstellungen untergeschoben.

eine steile These ist, dass SSG mit dem NS verwoben sind sicherlich nicht – dazu gibt es einfach eine beinahe deckungsgleiche zeitliche sowie ästhetische Parallele, NS-Propaganda in denen sie vorkommt, Berufsverbote für nicht regimetreue Gestalter, nationale Bewegungen die sich auf die Frakturschriften beziehen usw.

Ich hab nirgends behauptet, dass die Gestalter der Schriften Nazis waren, Goebbels selbst am Drücker saß oder Aufträge zur Schriftgestaltung direkt aus der NS-Führung kamen. Die Schriften sind für mich allerdings schlichtweg stellvertretend für die damalige Zeit, sie sind für mich Teil der Geschichte und daraus nicht wegzudenken. Leider ist eben dieser Teil der Geschichte vergiftet und die SSG haben davon auch einiges abbekommen, da sie eben auch in der NS-Propaganda auftreten. In dieser Propanda gab es natürlich auch andere Schriftarten – nur ist an denen, so empfinde ich es, halt nicht dieses Image haften geblieben.

 

Einen (finde ich) interessanten Link über die damalige Unklarheit, wie es in der Kunst/Gestaltung aussah hab ich vor ein paar Tagen in Zusammenhang mit dem Futurismus hier gesetzt.

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Zitat

 Teilweise kommt es mir hier im Forum so vor, als würden manche beim Anblick von sämtlichen Frakturen aus dem Schwärmen nicht mehr herauskommen (übertrieben gesagt) ...

Mit ehrlichem Interesse gefragt: Wer schwärmt denn? Nenn doch die Kollege mal, das würde mich wirklich interessieren. Und die Kollegen könnten dazu vielleicht auch etwas sagen, wenn sie mögen. 

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Auf die Gefahr hin, wieder alsa Hobbyhistoriker,  Schönreder und NS-Zeitr-Erklärbär betrachtet zu werden, muss ich trotzdem sagen, das es schlicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen bedeutet, vergleicht man plakative Schriften, zu denen die Tannenberg und deren enge Geschwister gehören mit klassischen Mengensatzschriften. Das sind einfach ganz andere Anwendungen, die auch gänzlich andere Bedingungemn an die Schriftart stellen.

 

Eine Schrift für Plakate und Werbeanzeigen, ja auch dem, was man heute nur noch ungern Propaganda nennt soll laut sein, soll richtig krachen, fast sxchon Befehle erteilen: Kauf das, mach das, wähl das!

 

Was aber zeichnet diese Schriften aus, um sie heute derart kritisch zu sehen? Wurde sie wirklich so vorrangig für NS-Propagabnda genutzt? Nein, in der NS-Propagande wurde praktisch das ganze Spektrum der damals in der Plakatgestaltung verwendeten Schriften verwendet. Zudem waren gerade Plakate zu dieser Zeit nahezu ausschließlich von Hand gemalt, nehme ich einfache, in Holzlettern gesetzte Veranstalungsplakate und  Bekanntmachungen mal aus.

 

Und wenn Plakataussagen, egal zu welchem Thema nun einmal in der Regel von Hand geschrieben wurden, verwendet man eben die zu diesem Zweck erlenten Schriftstile, also die damals gängigen Schreibschriften, auch Kurrent-Schreibschriften, Pinselschriften jeglicher Art, die entfernt z.B. an die Reporter erinnern, im Grunde zum Teil Schriftarten, die noch heute in der Plakatgestaltung ihren Platz haben - und alle wurden entsprechend der generellen Verteilung in der Nutzung auch für NS-Propaganda verwendet.

 

Was also diskeditiert diese Schriftart denn jetzt so besonders? Die Namenswahl mit dem bezug auf die Schlacht bei Tannenberg bei der hier betrachteten Schrift, und der Wahl ähnlich gestrickter Namen für deren Nachahmungen, Clone und Neuinterpretationen bei anderen Schriftzanbieter, und damit der nationalistisch-militäristischen Vermarktung?

 

Nun, hatte der erste Schriftgestalter einer solchen Schrift der neuen Gattung sie anders benannt, z.B. "Industrie", dann hätten diejenigen, die ihren Teil am Erfolg teilhaben wollten, ihre Nachfolgerschriften auch in diesem Themenkreis benannt, vielleicht Stahlwerk, Hochofen, Kraftwerk usw.

 

Aber ausgerechnet was nationalistisches musste der wählen, einfach, weil eigentlich seit der Reichsgründung  solche Begriffe, wie auch das Militär eine gänzlich andere Konnotation hatten, als sie heute, speziell in Deutschland vorherrscht, eben aus der Sxcham heraus, was in und wegen Deutschem Nationalismus passieret ist. Ich will nicht sagen, das dies falsch sei.

Wer damals eine Uniform im Schrank hatte, vielleicht eine Offiziersuniform, und vielleicht sogar Orden, hat dies mit einer hohen Selbstverständlichkeit an Feiertagen getragen, und genoss eindeutig höheres Ansehen. So etwas findet man auch heute noch in vielen Staaten, auch anerkannten Demokratien. Bei meimen Besuch in den USA habe ich oft Uniformträger gesehen, in Deutschland bestenfalls mal einen einzelnen Soldaten auf dem Heimweg, der halt die Berufsbekleidung seines Arbeitgebers trägt, dabei eher schief angesehen wird. Soldatische "tugenden" sind nicht sonderlich gefragt - auch bei mir nicht!

 

Und wer auf die dumme Idee kommen sollte, öffentliuch zu sagen: "Ich bin Stolz, ein Deutscher zu sein" und das nicht in Hinblick auf das letzte nationalistische Refugium der Akzeptanz, der Deutschen Fußballmannschaft, der landet unversehens in der zu tiefst braunen Naziecke. Die eigentlich identische Aussage "I'm proud to be an american" wird hingegen als das normalste der Welt angesehen.  Einen typisch militärischen Stecil-Font jetzt aber D-Day zu nennen, erweckt keinerlei Misstrauen, und sicher währen , und niemand findet es komisch, einen Font Gettysburg zu nennen.

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Zitat

 Berufsverbote für nicht regimetreue Gestalter, … (CLMNZ)

Sind Dir solche Berufsverbote auch gegen Schriftgestalter bekannt? Auch da würde mich nähere Details wirklich sehr interessieren, denn damit habe ich mich bisher noch nicht näher befasst.

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Ah, die Wikipedia schreibt:

Zitat

1928 erschien nach jahrelangen Vorarbeiten seine Schrifttype „Futura“. Ende 1932 veröffentlichte ein Schweizer Verlag Renners Streitschrift mit dem Titel „Kulturbolschewismus?“, die in Deutschland bereits keinen Verleger mehr gefunden hatte.[2] Im April 1933 wurde Renner von den Nazis verhaftet und aus seinem Amt entlassen. Er emigrierte in die Schweiz und lebte zurückgezogen als Maler in Hödingen. 1937 wurde noch eine Ausstellung seiner Gemälde veranstaltet, 1939 erschienen die „Renner-Antiqua“ und sein Hauptwerk „Die Kunst der Typographie“. Als letzte Schrifttype legte er 1952 die „Steile Futura“ vor.[

Nachtrag: Danke für den nachträglich ergänzten Link.

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