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Neue Rechtschreibung?

Hervorgehobene Antworten

  • Ersteller

Zitat aus schwarzwaelder-bote.de

Jetzt gibt es zwei verschiedene Ausgaben. Einmal eine Fassung in moderner Antiqua,

die heute die am häufigsten genutzte Druck- und Schreibschrift für westliche Sprachen ist.

Das soll, so Ratz, auch jüngeren Menschen ein leichtes Lesen der Gedichte ermöglichen. Zudem

hat Ratz die Setzfehler des Originals in dieser Fassung korrigiert. In der Faksimile-Fassung

in Original-Frakturschrift blieben sie dagegen unverändert. Ratz war davon ausgegangen,

dass die Antiqua-Fassung stärker gefragt sein wird und hat von der 100 Stück umfassenden

ersten Auflage 75 in dieser Fassung gedruckt.

Das Gegenteil war der Fall. Das Faksimile wurde weitaus mehr verlangt.

http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.calw-joachim-ratz-praesentiert-eine-bibliophile-kostbarkeit.0127098d-e7c5-485f-9c2b-ae537b05acf7.html

Ich glaube, dass es eine wichtige (wenn auch untergeordnete) Aufgabe von Sprache und Typografie ist, Traditionen lebendig zu halten.

Ja, natürlich. Das zweifelt auch keiner an. Aber dieses Argument scheint mir, wie ich bereits sagte, hier missbraucht zu werden, weil augenscheinlich nicht »Schrifttraditionen« an sich am Leben gehalten werden sollen, sondern immer nur ein ganz bestimmter Zwischenstand, der zufällig dem eigenen Gewohnheitsstand entspricht. Das macht das ganze unglaubwürdig.

Und wie du es ja schon sagst: Wenn überhaupt, ist es eine untergeordnete Rolle. Es kann doch nicht sein, dass ich für die Nutzer meiner Speisekarte vorn einen Warnhinweis aufsetzen muss: »Lieber Gast! Sie werden größte Schwierigkeiten haben, diese Karte flüssig zu lesen, aber glauben Sie uns: es ist zu ihrem Besten! Wir zwingen die Welt so nämlich dazu, die Schriftkonventionen von vor 100 Jahren nicht zu vergessen. Tut uns leid. Es geht nicht anders.«

Das kann doch keine vernünftige Auslegung der Rolle der Typografie sein und auch vor 100 Jahren hätte man so nicht gesetzt.

Die Diskussion hier landet bald einmal – erwartungsgemäß – auf einem vermeintlich hohen Niveau, von dem nur noch der Absturz wieder zur Realität führt. Die involvierten Wortfechtmeister verteidigen ihre dogmatischen Pragmente zunehmend mit Wortklaubereien und Begriffsnuancen, die immer mehr zu Krückverstockungen mutieren.

Persönlich würde ich mir etwas mehr Gelassenheit vor allem auch von denjenigen wünschen, die in anderen Facetten der Typografie ihre Lockerheit jeweils nahezu schlagartig verlieren. Oder – Hand auf’s Herz – wer braucht denn wirklich ein ß, um weiß wovon und erst noch als Versalie gar zu unterscheiden? Wen kümmert’s denn, ob ich nun die Shift-Taste heute brauche, aber nicht am Morgen? Ist es denn egal, ob ich Sekunden oder Minuten dazu setze, um etwas «ab» und «an» zu führen? Ergibt es einen Sinn, dass fremdsprachliche Elemente denselben in unserer Sprache halt machen?

Wir sind keine Wissenschaft. Wir sind allerbreitestes Handwerk. Nicht mehr und nicht weniger. Und als solches müssen wir ganz sicher nicht nur einem Bedürfnis zuarbeiten. Schon deshalb kann es keine Dogmen geben.

Das »ſ« ist doch lustig, und wenn ich was in Fraktur setzen würde, dann würd ich versuchen auch diesen Buchstaben korrekt einzusetzen (soweit ich halt die Regeln beherrsche, die ich nicht beherrsche).

Ich geh auch mal gern in das Gafthaus und freu mich allein schon drüber, wieder mal einen albernen, doofen Witz gemacht zu haben.

Mokiert sich ja auch keiner über diejenigen, die sich bemühen, Fraktur nach (wie weit zurück auch immer) tradierten „Regeln“ zu setzen. Problematisch wird es für mich ab dem Punkt, wo denjenigen (bzw. deren Adressaten), die (aus welchen Gründen auch immer!) sich für „pragmatischeren“ Umgang entscheiden, dann ein Bildungsdefizit unterstellt wird.

Genau. Immer gut für einen Spaß. Da bin ich vor Jahren beim Computerspielen mal fast aus dem Sessel gekippt:

:)

Monkey Island ?

da kenne ich nur den ersten Teil und der war schon saulustig – geh mir aus dem Weg oder ich schneid dir durch.

Das »ſ« ist doch lustig, und wenn ich was in Fraktur setzen würde, dann würd ich versuchen auch diesen Buchstaben korrekt einzusetzen (soweit ich halt die Regeln beherrsche, die ich nicht beherrsche).

Geht mir ähnlich. Brandenburgische Konzerte hören sich auch erst richtig gut mit alten Instrumenten an, so wie der Wein erst schmeckt, wenn er aus dem Holzfass kommt. Will heißen: wenn traditionell/historisch dann so authentisch/echt/pur wie möglich. Selbstverständlich da, wo es ausdrücklich passt und gewünscht ist.

Liegt der Schwerpunkt auf schnellem Erfassen, also ist Schrift mehr Werkzeug als emotionales Gestaltungsmittel zur Steigerung von historischem Kulturgenuss, dann lieber die übliche Satzart. Aus meiner Laiensicht also in der Konsequenz: ganz Fraktursatz oder gar nicht. Alles andere kommt mir irgendwie wie Geeier vor, oder? :-?

… so wie der Wein erst schmeckt, wenn er aus dem Holzfass kommt. Will heißen: wenn traditionell/historisch dann so authentisch/echt/pur wie möglich. …

Warum dann Holzfass? Ist doch viel zu modern. Authentisch wäre die Tonamphore.

Ich glaube, es gibt sogar noch einen Grund, warum man sich, so man dann heute Fraktur benutzt, auch an die überkommenen Schreibregeln der Fraktur halten sollte - die übrigens durchaus zu aktuellen Rechtschreibregeln passen.

Warum setzt man denn heute Frakturschrift ein? Doch wohl, weil man sich damit aus dem allgemeinen Textgeschrei der Städte abheben möchte, den Leser an dieser ungewohnten Schrift festhalten und damit mehr Aufmerksamkeit gewinnen möchte. Und gerade hier helfen solche "Stolpersteine" wie langes ſ und Ligaturen, gerade WEIL sie von heutigen Lesegewohnheiten abweichen und zu einer engeren Beschäftigung, zu einem Entziffern des Textes auffordern. Und gerade wer über eine "Oftfreifenftube" ins grübeln gerät, um dann zu erkennen, dass dies ja wohl "Ostfriesenstube" bedeuten soll, wird sich an dieses "Rätsel" etwas länger erinnern. Zudem ist das ſ ja durchaus in vielen Marken auch heute noch recht oft anzutreffen, dass ich jemals einer ein Glas "Warfteiner" oder "Hafferöder" bestellt hat, es sei denn derjenige lispelt ohnehin.

Und gerade hier helfen solche "Stolpersteine" wie langes ſ und Ligaturen, gerade WEIL sie von heutigen Lesegewohnheiten abweichen und zu einer engeren Beschäftigung, zu einem Entziffern des Textes auffordern.

Ah ja. Und dann also am besten immer schön viele Rechtschreibfehler einbauen, hier und da mal europäische Akzentzeichen benutzen und gern auch jeden experimentellen Dafont-Font ausprobieren. Erschwert alles die Leserlichkeit und fordert somit zu »intensiver Beschäftigung« auf …

Das kann doch kein ernsthaftes Argument für Fraktursatzregeln sein.

Diese Schriftgattung wird wegen ihres »visuellen Charakters« benutzt – wie jede andere Schriftgattung auch. Das monumentale Schriftposter in Trajan Pro erzeugt eine bestimmte visuelle Sprache. ESMVSSABERNICHTDIESATZREGELNDERANTIKEBENVTZEN. Das machen wir bei keiner anderen Schriftgattung. Warum also bei der Fraktur? Wir haben eine Information in der heute üblichen Schreibung und »kleiden« diese in einen bestimmten visuellen Stil, indem wir eine bestimmte Schriftart zuweisen. Es lässt sich sachlich nicht begründen, warum nun ein bestimmter Stil andere Satzregeln erfordern sollte. Weil das früher so war™ ist auch kein Argument, weil wir auch keinen anderen Schriftstil heute so setzen, wie er zu seiner Entstehung oder Blütezeit gesetzt wurde.

  • Ersteller

Internetseite der „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ im August 2011:

„Die Potsdamer Neuesten Nachrichten sind in diesem Jahr 60 Jahre alt geworden.

Im (Zeitungs-)Kopf, so fanden wir, sahen wir deutlich älter aus. Das muss nicht sein,

finden wir. Auch deshalb verabschieden wir uns von dem alten Schriftzug mit der

uralten Fraktur-Schrift.“

... und die bemerkenswerte Antwort einer Leserin:

„Warum hat die Potsdamer Lokalredaktion nicht den Mut, einen einmal gefundenen

Layout-Stil im Titelkopf beizubehalten? Der Titel in Fraktur geschrieben machte diese

Zeitung unverwechselbar. Auch viele amerikanische Zeitungen führen ihren Titelkopf

aus Tradition in Frakturschrift. Das neue Erscheinungsbild ist nichts anderes als

modernistisch und macht diese Zeitung gleicher mit anderen Druckerzeugnissen.“

5689 CONFIG

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  • Ersteller

Glosse von H. Yuren

Der Freitag, 4. 8. 2012

um dudens nicht nach der jüngst mit knapper not bewältigten rechtschreibreform

zu überfordern, bescheide ich mich und lasse es bei einem hinweis auf eine gefahrenstelle

bewenden: wörter wie potenzial, potenziell, tendenziell sind positive beispiele für die

anpassung der schreibe an den sprech. -ti- ist durch -zi- ersetzt worden. leider fehlt es

dudens an konsequenz. sonst würden sie folgerichtig auch nazion und nazional

schreiben.

Das war eine bewusste Angliederung an den Tagesspiegel aus gleichen Verlag

Aber warum? Um sie besser verwechseln zu können?

Aber warum? Um sie besser verwechseln zu können?

Da gibt's nichts zu verwechseln, weil das der Potsdamer Lokalteil ist, der auch große Teile des Tagesspiegels enthält. Man kauft also seinen »Potsdamer Tagesspiegel« und das Design drückt das perfekt aus.

Da jetzt nur wieder Frakturtradition-Gejammer draus zu machen, ohne sich mit den Hintergründen zu beschäftigen, ist wieder mal sehr kurz gedacht.

Da gibt's nichts zu verwechseln, weil das der Potsdamer Lokalteil ist, der auch große Teile des Tagesspiegels enthält. Man kauft also seinen »Potsdamer Tagesspiegel« und das Design drückt das perfekt aus.

Dann ergibt das einen Sinn. War ohne diese Information für einen Außenwohnenden aber schwer zu beurteilen.

Da jetzt nur wieder Frakturtradition-Gejammer draus zu machen, ohne sich mit den Hintergründen zu beschäftigen, ist wieder mal sehr kurz gedacht.

Ich hab doch gar nicht gejammert, ich habe nur gefragt.

Das bezog sich nicht auf dich.

Hat mich schon gewundert.

Dass die beiden sich nicht schon längst optisch angenähert haben, ist mir allerdings ein Rätsel. Es bietet doch nur Vorteile, wenn ein Lokalteil als zugehörig zur überregionalen Zeitung erkannt wird. Die Süddeutsche Zeitung beispielsweise macht das seit jeher so.

bei der Modernisierungs- und Angleichungswelle hätten sie den Schatten unter dem Titel gleich mit wegbolzen sollen – der ist jetzt in zwei verschiedenen Richtungen angelegt.

bei der Modernisierungs- und Angleichungswelle hätten sie den Schatten unter dem Titel gleich mit wegbolzen sollen – der ist jetzt in zwei verschiedenen Richtungen angelegt.

Das wird der Intention geschuldet sein, die räumliche Tiefe darstellen zu wollen. Sonst sähe es aus, als ob das Banner nach unten und nicht nach nach vorne geht.

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