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Typografische Fundstücke

Hervorgehobene Antworten

vor 1 Stunde schrieb R::bert:

👇🏻🫣

Oh Mist. Das hatte ich überlesen ... bin heute morgen zufällig über die Foundry gestolpert.

 

:ilovetype:

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Gesperrte Minuskeln und ist das echt Gill Sans!? Die Schafe rund um Weimar können einem Leid tun …

Ansonsten ist die Ausstellung wirklich gut und interessant gemacht, absolut sehenswert. Wenn schon die wirklich bedeutungsvollen Einrichtungen geschlossen sind:

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Kannst Du sagen weshalb?

 

Ästhetisch kann ich es nachvollziehen, aber hätte es konzeptionell, mal abgesehen von der Person Eric Gill, nicht deutlich authentischere Schriftentwürfe gegeben? :-? :-(
 

Zum Beispiel was Neues, basierend auf der Bauhaus-Lehre von einer Foundry aus Weimar? Oder eben aus der damaligen Zeit entstanden in diesem Ort?

vor 6 Stunden schrieb R::bert:

Oder eben aus der damaligen Zeit entstanden in diesem Ort?

In der Ausstellung ist das ja so, da haben sie eine typische Bauhaus-Type verwendet (vielleicht weiß Ralf da mehr drüber🤔). Wobei die so richtig lesefreudig nicht ist und manch komische Formen irritieren. Irgendwie hätte ich es andersrum auch logischer gefunden: Als Zierrat Bauhausschrift und zum lesen etwas gefälliges.

vor 19 Minuten schrieb Tobias L:

und zum lesen etwas gefälliges

Und selbst das heißt ja nicht zwangsläufig, dass man nicht nah an den Wurzeln bleiben kann:

 

 

vor 36 Minuten schrieb R::bert:

Auf der Webseite nutzt man übrigens Madera (eine Futura-Alternative) und Suisse Works (eine Times-Alternative), was ich jetzt auch nicht viel smarter finde. Und konsistent ist es auch nicht. :mecker:

Das gehört zum Corporate Design der Klassik-Stiftung. 

Aber stimmt schon: die Gill Sans erscheint da eher willkürlich und knüpft an nichts an. 

vor 11 Minuten schrieb Ralf Herrmann:

Aber stimmt schon: die Gill Sans erscheint da eher willkürlich und knüpft an nichts an. 

Ganz ohne Bauhaus-Bezug scheint mir die Gill Sans dann doch nicht zu sein. Bild mir ein in Erinnerung zu haben, dass die Gill Sans von Monotype in expliziten Bezug auf das  Bauhaus bei Erik Gill in Auftrag gegeben worden ist. Aber eine  Variante mit direkterem Bezug zum Bauhaus wär wohl möglich gewesen.  Typografisch finde ich die  ausgeführte Variante histosrisch vertretbar und ästhetisch gelungen.

vor einer Stunde schrieb pürsti:

Ganz ohne Bauhaus-Bezug scheint mir die Gill Sans dann doch nicht zu sein.

Ich denke darum geht es nicht mal. Sie passt ja auch in die Zeit. Aber unterm Strich und etwas geradeaus formuliert: Wenn man das eigene Erbe nicht mal richtig kennt und wertschätzt (das wird hier zumindest bewusst oder unbewusst vermittelt), warum soll man dann überhaupt ins Museum gehen? Ist halt schade, dass gerade an einem Ort wo immer noch Kommunikationsdesign gelehrt wird, dies nicht zielsicherer auf den Punkt gebracht wird.

 

vor einer Stunde schrieb R::bert:

Ich denke darum geht es nicht mal. Sie passt ja auch in die Zeit. Aber unterm Strich und etwas geradeaus formuliert: Wenn man das eigene Erbe nicht mal richtig kennt und wertschätzt (das wird hier zumindest bewusst oder unbewusst vermittelt), warum soll man dann überhaupt ins Museum gehen? Ist halt schade, dass gerade an einem Ort wo immer noch Kommunikationsdesign gelehrt wird, dies nicht zielsicherer auf den Punkt gebracht wird.

Naja, streng genommen stammt der Großteil der berühmten Bauhaus-Schriften aus der Dessauer Zeit. Auch die Scheltersche Grotesk kam erst später häufiger zum Einsatz. Wäre eine dieser Schriften dann nicht auch unpassend gewesen?

@Phoibos
Kann ich mir nicht vorstellen. Dieser Absatz bezieht sich ja auch ausschließlich auf die Architektur. Und wenn schon, warum dann kein deutlicherer Bruch wie es Hort vor ein paar Jahren vorgemacht hat, wobei man selbst hier mit dem runden A eine schlüssige Verknüpfung hergestellt hat.

 

@StefanB

Ich habe ja auch nicht ausdrücklich die berühmten Dessauer Entwürfe gefordert. ;-) Aber selbst diese hätte ich schon mal eher nachvollziehen können, als den „Schweif in die Ferne“.

 

Ich hatte gehofft, vielleicht eine Stellungnahme der Architekten zu finden, die gemeinhin ja für die Fassadengestaltung zuständig sind, aber ich habe nur Kritiken gefunden, die ich mal insgesamt als "Hä?" zusammenfassen möchte. Zu groß scheint mir der Spagat zwischen Kunst, Politik als Geldgeber und Historie geworden zu sein: https://www.sueddeutsche.de/kultur/architektur-das-bauhaus-mausoleum-1.4397968

Keine Ahnung, was sich werauchimmer für die Gill entschieden hat, gedacht hat, aber es hat mich immerhin jetzt zu diesem Zitat Gills hier gebracht, was wiederum zum Museum den Kritiken nach, aber auch zum Ort und zur Historie zu passen scheint:

Zitat

Art which is not propaganda is simply aesthetics and is consequently entirely the affair of cultured connoisseurs. It is a studio affair, nothing to do with the common life of men and women, a means of 'escape.' Art in the studio becomes simply 'self-expression,' and that becomes simply self-worship. Charity, the love of God and your neighbour, which, here below, every work of man must exhibit, is lost. If you say art is nothing to do with propaganda, you are saying that it has nothing to do with religion - that it is simply a psychological dope, a sort of cultured drug traffic. I, at any rate, have no use for it. For me, all art is propaganda; and it is high time that modern art became propaganda for social justice instead of propaganda for the flatulent and decadent ideals of bourgeois Capitalism. (excerpt from a letter to The Catholic Herald, 28 October 1934)

Via https://www.thersa.org/blog/2009/07/george-orwell-all-art-is-propaganda

vor 14 Minuten schrieb Phoibos:

Keine Ahnung, was sich werauchimmer für die Gill entschieden hat, gedacht hat

Nachdem ich den von Dir verlinkten Artikel in der Süddeutschen gelesen habe, könnte ich mir vorstellen, es war der Wunsch der so nicht geplanten Kühle wenigstens noch einen Hauch Wärme zu verleihen.

 

Zitat

"Natürlich wünscht man sich Fenster als Architekt", sagt Heike Hanada. Die Berlinerin hat das Bauhaus-Museum entworfen. Erstaunlich lang ist ihre Liste an Wünschen, die sich alle bei dem 27 Millionen Euro teuren Bau nicht realisieren ließen. So wollte sie ursprünglich eine Glas- statt eine Betonfassade, ein Wasserbecken auf dem Vorplatz und im Museum Oberlichter und einen Lehmputz. Vermutlich hätten Hanadas Wünsche den Monolithen etwas zugänglicher gemacht, innen wie außen.

Aber das ist wieder reine Spekulation.

vor 7 Stunden schrieb StefanB:

 

Naja, streng genommen stammt der Großteil der berühmten Bauhaus-Schriften aus der Dessauer Zeit. Auch die Scheltersche Grotesk kam erst später häufiger zum Einsatz. Wäre eine dieser Schriften dann nicht auch unpassend gewesen?

Stimmt. Aber es hätte ja nicht einfach Satzschrift sein müssen. Die Schriftkurse gab es schon in Weimar und da wurden von den heute bekannten Gestaltern schon die entsprechenden Grundlagen gelegt und zahlreiche interessante Alphabete und Lettering-Arbeiten angefertigt. Es hätte nahegelegen, aus diesem reichen und passenden Fundus zu schöpfen. Beziehungsweise hätte man statt historisierender Umsetzung einen modernen Kontrast schaffen können. Gill Sans wirkt wie gesagt eher willkürlich und ist nichts Halbes und nichts Ganzes. 

vor 3 Stunden schrieb Ralf Herrmann:

Stimmt. Aber es hätte ja nicht einfach Satzschrift sein müssen. Die Schriftkurse gab es schon in Weimar und da wurden von den heute bekannten Gestaltern schon die entsprechenden Grundlagen gelegt und zahlreiche interessante Alphabete und Lettering-Arbeiten angefertigt. Es hätte nahegelegen, aus diesem reichen und passenden Fundus zu schöpfen. Beziehungsweise hätte man statt historisierender Umsetzung einen modernen Kontrast schaffen können. Gill Sans wirkt wie gesagt eher willkürlich und ist nichts Halbes und nichts Ganzes. 

Ich bin ganz bei dir. Allerdings: Hätte, hätte … 😉

Wie das immer so ist mit prestigeträchtigen Bauvorhaben: Da rühren unzählige Köche den Brei und letztlich muss man schauen, dass man allen Beteiligten irgendwie gerecht wird (Betonung liegt auf irgendwie). Wie es scheint, gab es seitens der Architektin ganz fundamentale Wünsche, denen allesamt nicht entsprochen wurde. Da wundert es kaum, dass der Beschriftung offensichtlich wenig Beachtung geschenkt wurde.

Hallo,

 

vor 15 Stunden schrieb R::bert:

Und selbst das heißt ja nicht zwangsläufig, dass man nicht nah an den Wurzeln bleiben kann:

 

 

... ist die nicht ...

 

vor 12 Stunden schrieb StefanB:

 

Naja, streng genommen stammt der Großteil der berühmten Bauhaus-Schriften aus der Dessauer Zeit. Auch die Scheltersche Grotesk kam erst später häufiger zum Einsatz. Wäre eine dieser Schriften dann nicht auch unpassend gewesen?

Ja, genau! Die FF Bau ist an die Schelter Grotesk angelehnt. Da gibt es noch die freie Work Sans, die ist noch näher an der Schelter Grotesk. In meiner trüben Erinnerung waren die alten Drucksachen sehr häufig in Schriften wie Akzidenz Grotesk oder Schelter Grotesk gesetzt. Bei den Plakaten wurde nachgezeichnet.

 

FF Bau: http://www.identifont.com/show?47K

Work Sans: http://www.identifont.com/show?44OC

 

MfG

 

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