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Schriftmuster Tannenberg


Microboy

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muss ich jetzt die Tannenberg verwenden um den Schaftstiefelgroteskschriften das Nazi-Image zu nehmen. Was für eine abstruse Ansicht.

Ich steh zu meiner Haltung – und hab auch die Diskussion verfolgt – teilweise mit Kopfschütteln, deshalb hab ich hier auch angefangen mitzudiskutieren.

Ich finde es komplett daneben Schriften aus der NS-Propaganda von dieser »losgelöst« zu verwenden – es gibt genügend historisch unbelastete.

 

Grundsätzlich sollte man sich informieren, was man so einsetzt und mit welchem Bildmaterial, Farbcodes man arbeitet usw. – das gilt nicht nur für Frakturschriften, sondern in der generellen Formensprache

 

Die Tannenberg habe ich übrigens schon verwendet.

Du wiederholst nur, du argumentierst nicht sauber für die Haltung, die du vertrittst und nicht gegen jene, die du ablehnst. Und gehst nicht auf die gestellten Fragen ein. Auch da machst du es dir zu einfach. … Man solle sich informieren. Das ist so banal, dass es kein Argument für gar nichts ist. Es gäbe ja unbelastete Alternativen. Da nimmst du die strittige Frage der Belastung vorweg. Ein Zirkelschluss-Argument. Wie wo warum welche Schriften belastet sind, ist Kern der Diskussion. Kennst du wirklich alle Schriften, die die Nazis einsetzen und vermeidest sie alle? Hast du das wirklich auch nur Ansatzweise geprüft? Und prüfst du nur vermeintliche Nazi-Schriften oder welche Herrscher, Regime und Regierungen, die irgendwo irgendwem Leid brachten, stehen da so auf deiner Abschussliste? Das müsstest du schon genauer erklären. Und so weiter und so fort. Einfach nur einzuwerfen, was man in dieser Frage tun solle oder nicht, was du abstrus findest oder nicht, ist zu wenig. Du darfst gern zu deiner Meinung stehen. Wenn wir ihr aber irgendeinen Wert bemessen sollen oder sie sogar überzeugend finden sollen, braucht es weit mehr als alles, was du bislang vorgetragen hast.

 

 

P.S. Aber jetzt ist erstmal 2 bis 3 Tage Zwangspause wegen umfangreicher Wartungsarbeiten und Typografie.info ist offline. 

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ich weiß es nicht – ich hatte noch nicht das Bedürfnis diese einzusetzen (bis auf damals die Tannenberg – da hab ich aber bewusst diese verwendet). Es geht mir auch nicht nur um Grotesk-Gotische sondern um Frakturen allgemein.

Da kann man sehr schnell in historischem Kontext ins Klo greifen – nicht nur in Verbindung mit NS.

 

Ich würde mich auf jeden Fall im Vorfeld schlau machen – »zweifelsfreie« kann ich aktuell nicht nennen, weil die Sache bisher außerhalb meines Anwendungsgebiets nicht aber meines Wahrnehmungsgebiets liegt.

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evtl. wärs ja interessant, wenn wir unsere Energie mal in die Suche nach einer unbelasteten »Schaftstiefelgrotesk« zu stecken anstatt Beispiele zu suchen in denen die Tannenberg nicht im direkten NS-Kontext steht.

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Gast Schnitzel

 

Mir gehts auch nicht darum herauszufinden, wo die SSG in den 30er/40er Jahren in nicht NS-Kontext eingesetzt wurden – es ist einfach zu viel NS-Image mit den SSG und deren Formensprache verknüpft.

 

Sich informieren heißt aber nicht, sich die Informationen, die zu meiner Meinung passen heraus zu picken  :tuschel:

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evtl. wärs ja interessant, wenn wir unsere Energie mal in die Suche nach einer unbelasteten »Schaftstiefelgrotesk« zu stecken ...

So etwas gibt es nicht.

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danke Martin für die Rückmeldung – ich frag mich halt auch zusätzlich zu welchem Zweck man so eine Schrift einsetzen sollte. Nur weil es sie gibt ? Bewusst die zweifelhafte Assoziation in Kauf nehmen ?

 

@Ralf: hast du ein Beispiel ?

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ich frag mich halt auch zusätzlich zu welchem Zweck man so eine Schrift einsetzen sollte

Hatten wir schon, aber mal zwei Gründe:

- sie ist schön (...de gustibus...)

- sie ist die lesbarste unter den Gebrochenen

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Wahrscheinlich ist dieses Forum einer der sehr wenigen Orte, an dem drei Leute diese Schriften schön nennen. In der Literatur, abseits des Internets, wird man diese Auffassung kaum finden. Textlektüre dürfte auch deshalb auf Dauer hart für den Leser werden. Vielleicht vergleichbar mit Texten aus Helvetica. Die DDR-Verlage, die keine so großen Vorbehalte gegen gebrochene Schriften hatten wie die westdeutschen, haben auch die Fraktur nicht gewöhnte Leser mit schönen Schriften versorgt, also mit Fraktur, nicht mit alten oder neuen Gotischen. »Lesbar« ist sie vielleicht auf einem Bahnhofsschild, dort dann allerdings auch in Größe unschön.

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Am 05/05/2016 um 22:14 schrieb CLMNZ:

evtl. wärs ja interessant, wenn wir unsere Energie mal in die Suche nach einer unbelasteten »Schaftstiefelgrotesk« zu stecken anstatt Beispiele zu suchen in denen die Tannenberg nicht im direkten NS-Kontext steht.

Ich denke, die meisten Leute assoziieren nun mal die Schaftstiefelgrotesken mit den Nazis. Diese Assoziation können wir nicht aus der Welt reden.

 

Im weiteren Sinn gibt es zwar auch andere Grotesk-Gotische, nämlich gebrochene Jugendstilschriften (hier im Thread glaubs schon verschiedentlich gezeigt – jüngst etwa auf der Teigwaren-Verpackung). Sie sind ansatzweise geometrisch und haben (relativ) gleichschwere Linien. Allerdings fehlt das Gestaltungselement der Schaftstiefel – man kann sie also nicht zu den eigentlichen Schaftstiefelgrotesken zählen. Folglich dürfte die Assoziierung mit den Nazis bei solchen Schriften kaum stärker sein als bei den Gebrochenen insgesamt.

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Gast
Am 05/05/2016 um 00:37 schrieb Phoibos:

Hatten wir schon, aber mal zwei Gründe:

- sie ist schön (...de gustibus...)

- sie ist die lesbarste unter den Gebrochenen

Da haben wir doch gleich zwei besonders «schöne» und «lesbarste» Beispiele:

1259-4Agr.jpg

d2a07600.jpg

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Am 5.5.2016 um 19:31 schrieb CLMNZ:

Ein aktueller Einsatz braucht für mich eine Begründung – eine Verwendung in einer Speisekarte finde ich daneben – da hätte man sicherlich etwas unbelastetes gefunden. (In die Kneipe würde ich schonmal gar nicht reingehen – würde mich immer noch interessieren, welche Kneipe das war.)

 

wow. ich find die einstellung von dir schon heftig verbohrt. du würdest in die kneipe nicht gehen, weil die eine schriftart aus ns-zeiten verwenden welche in keinem verbindung zur damaligen geschichte steht sondern vollkommen losgelößt und anders eingesetzt verwendet wurde?

die kneipe ist übrigens die brauerei schuhmacher in düsseldorf. ich vermute die tannenberg wird deshalb verwendet, weil sie sich aus tradition auf den alten schriftzuges der brauerei bezieht, der sicherlich aus den 30ern stammt. ähnlich wie beim füchschen und beim http://www.uerige.de/uerige.

 

Zitat

Mir gehts auch nicht darum herauszufinden, wo die SSG in den 30er/40er Jahren in nicht NS-Kontext eingesetzt wurden – es ist einfach zu viel NS-Image mit den SSG und deren Formensprache verknüpft.

natürlich war die schrift teil der ns-propaganda, das streitet doch auch niemand ab aber das waren die farben schwarz, weiss, rot auch. (von der autobahn will ich gar nicht erst anfangen). jedoch macht es die schrift zu keiner schlechten schrift: sie wirkt plakativ und ist von ihrem gerüst besser lesbar als andere frakturen. für mich zeigt sie den übergang von der textura zur grotesk.

 

Zitat

Es geht mir auch nicht nur um Grotesk-Gotische sondern um Frakturen allgemein.

Da kann man sehr schnell in historischem Kontext ins Klo greifen – nicht nur in Verbindung mit NS.

*roundhousekick*

du würdest also fraktur nicht einsetzten, weil du angst hast etwas einzusetzten was historisch nicht pc verwendet wurde? junge, mach dir das leben nicht so schwer.

 

Am 5.5.2016 um 22:41 schrieb Martin Z. Schröder:

So etwas gibt es nicht.

dem würde ich sogar zustimmen, sofern sich die aussage auf schriften vor 1945 bezieht, es gibt auch keine unbelastete antiqua und grotesk vor 1945

 

Am 5.5.2016 um 22:14 schrieb CLMNZ:

evtl. wärs ja interessant, wenn wir unsere Energie mal in die Suche nach einer unbelasteten »Schaftstiefelgrotesk« zu stecken anstatt Beispiele zu suchen in denen die Tannenberg nicht im direkten NS-Kontext steht.

fakir, blaktur, ff brokenscript ... würdest du die einsetzen?

 

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Dann lass es mich so sagen: An der Rampe wurden handschriftlich Listen geführt und arabische Ziffern verwandt. Das disqualifiziert diese jedoch nicht von einer ubiquitären Nutzung.

Rezeption ist eine individuelle und eine kollektive. Meine Rezeption ist, dass die Grotesk-Gotischen keine Nazi-Schrift sind, da ich diesen gar keine zubillige. Die haben jede Schrift für sich missbraucht, die ihnen grad in die Finger kam. 

Eine kollektive Rezeption ist, dass es Nazi-Schriften sind. Nun, jeder darf seine Meinung haben. Für mich machen die Inhalte die Musik, erst in nachgeordneter Linie das Medium. 

Leider kann ich die Rechtsextremisten unserer Zeit nicht daran hindern, jede Gebrochene als "Deutsche Schrift" zu feiern. Doch kann ich die Schrift, sofern es passt, in allen möglichen entpolitisierten Kontexten verwenden, um den Nazis keine Deutungshoheit zu schenken.

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Gast
vor 5 Minuten schrieb catfonts:

Welche Schriftarten sind denn dsa noch auf den Anzeigen? Die dürfte man ja dann wohl auch besser nicht mehr nutzen.

Anderes Paar Schu… Stiefel!, muss man hier wohl sagen ;-)
(Ich habe Dich oben für Deinen Tannenberg-Font und den feinen Humor darin ausdrücklich gelobt, und: tatsächlich gibt es Verwendung für sie, wie ja auch Clemens oben erwähnt hat.)

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Gast
vor 1 Minute schrieb RobertMichael:

hier ein aktuelles beispiel welches auf dem gerüst einer schaftstiefelgrotesk aufgebaut.

http://www.burg-halle.de/en/design/fundamentals/design-fundamentals/student-works-and-projects/project/falk-schwalbe-horst/

Kenne ich aus meinem Schreibmaschinen-Thread — wahrlich aus diversen Gründen eine ganz andere Baustelle, gehört hier thematisch gewiss nicht her.

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Am 5 May 2016 um 19:31 schrieb CLMNZ:

Für mich ist die Tannenberg (und ähnliche Schaftstiefel) eine Nazischrift, weil die Schrift Teil der NS-Propaganda war und zur Nazizeit in Deutschland entwickelt wurde und in das damalige aufgedrückte Gestaltungsschema bedient.

Entschuldigt, das ich so weit zurück springe, aber dazu fällt mir ein:

 

Für mich ist der Volkswagen (Käfer)  (und ähnliche Autos, die auf dessen Konzept beruhen) ein Naziauto, weil dieses Auto Teil der NS-Propaganda war und zur Nazizeit in Deutschland entwickelt wurde und in das damalige aufgedrückte Gestaltungsschema bedient.

 

Wenn man es genau betrachtet, stimmt diese Aussage sogar weit mehr, als bei den Schaftstiefelschriften, schließlich wurde dieses Auto ja direkt für eine NS-Organisation KdF entwickelt, das sogar gegen den ausadrücklichen Wunsch der damaligen deutschen Automobilindustrie.  Auch die Wahl des Standortes nähe Fallersleben. und letztlich wurde sogar der erste Spatenstich vom GröFaZ*) selbst ausgeführt.

 

Bild

 

Was hat in dieser Hinsicht denn Tannenberg und Co zu bieten?

 

*) GröFaZ = Größter Feldherr aller Zeiten = Herr A. H. aus einem Ort am Inn

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Nur um dem Missverständnis entgegen zu wirken, dass ich persönlich etwas gegen dieses Auto hätte, schließlich hatte ich daran meine Berufsausbildung absolviert und auch meinen Führereschein (welch ulkiges Wort in diesem Zusammenhang :-) ) damit gemacht.

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vor 2 Stunden schrieb austerlitz:

Ich denke, die meisten Leute assoziieren nun mal die Schaftstiefelgrotesken mit den Nazis. Diese Assoziation können wir nicht aus der Welt reden.

Ähm, ist das wirklich so? Nicht, dass ich mir etwas zurechtbiegen will, weil es in meine Argumentation passt, aber gibt es in der heutigen Assoziation der Masse und jenseits des Wissens von wenigen wirklich eine direktere Verbindung von schlichter Gotisch statt anderer gebrochener Schriften? Ich bin nur neugierig. 

Wenn ich überlege, was mir in den letzten Jahren so begegnet ist, also gebrochene Schriften bei Leuten rechtsaußen, bei Gegenaktionen und bei Berichterstattungen über rechts, dann muss man schlichte Gotisch da mit der Lupe suchen.

Bei der Tagesschau gestern:

berlin.jpg

size=708x398.jpg

So wird das Bild heute geprägt. Haben die schlichten Gotisch da wirklich noch eine eigene Konnotation?

 

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Gast
vor 20 Minuten schrieb catfonts:

Für mich ist der Volkswagen (Käfer)  (und ähnliche Autos, die auf dessen Konzept beruhen) ein Naziauto, weil dieses Auto Teil der NS-Propaganda war und zur Nazizeit in Deutschland entwickelt wurde und in das damalige aufgedrückte Gestaltungsschema bedient.

 

Wenn man es genau betrachtet, stimmt diese Aussage sogar weit mehr, als bei den Schaftstiefelschriften, schließlich wurde dieses Auto ja direkt für eine NS-Organisation KdF entwickelt, das sogar gegen den ausadrücklichen Wunsch der damaligen deutschen Automobilindustrie.  Auch die Wahl des Standortes nähe Fallersleben. und letztlich wurde sogar der erste Spatenstich vom GröFaZ*) selbst ausgeführt.

Ich kenne mehr Bespiele dieser Art: mehrere Modelle der Leica wurden im Dritten Reich speziell für Organe des «Führer-Staates» gebaut und gilt daher manchen die Leica als «Nazi-Kamera», dasselbe übrigens sinngemäß bei der Contax

 

Gemeinsam ist Kameras und Auto Marke «VW»: hier waren Produkte schon vorhanden, zumindest grob skizziert (in Sachen VW, fragt nach zB im Archiv der VW-Stiftung, oder im Porsche-Museum, dort gibt es näheres), und erst dann haben Nazis das Produkt für sich (das «deutsche Volk», den «arischen Herrenmenschen», wen immer) entdeckt. 

 

Im Fall der in Rede stehenden Schriften ist es jedoch weitestgehend andersherum: erst war die Etablierung einer bestimmten Verrohung der Sprache in der deutschen Politik nach dem Ersten Weltkrieg, dann die gewisse «Bewegung», und erst dann sind diese Schriften richtig in Schwung gekommen.

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