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Typografie-Artikel

Neuigkeiten und Fachartikel zu Schrift und Typografie
MetaDesign hat im Auftrag des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung das Corporate Design der Bundesregierung weiter entwickelt, das auch den Einsatz zweier exklusiver Hausschrift-Familien beinhaltet. Mit Jürgen Huber und Martin Wenzel, den Gestaltern dieser Schriften, führte Typografie.info dazu ein exklusives Interview. 


Wie ist es zur Zusammenarbeit mit MetaDesign und zur Entwicklung dieser Schriften gekommen?
Im Zuge der Weiterentwicklung des CD der Bundesregierung sollte auch die Schrift erneuert werden. MetaDesign hat den Job ausgeschrieben und wir haben den Zuschlag bekommen.


Welches Ziel verfolgte MetaDesign mit den neuen Hausschriften?
Es gab mehrere Ziele: Zum einen ging es darum, eine zeitgemäße Optik zu schaffen. Der ganze Auftritt sollte leichter, moderner und offener wirken. Zum anderen ging es darum, im Zuge des Formatwechsels von PostScript Type 1 auf OpenType die Kosten für eine Neulizenzierung zu überprüfen und bei dieser Gelegenheit über einen von Grund auf neuen Ansatz nachzudenken. Dies erfolgte auch insbesondere im Hinblick auf eine Verbesserung der medienübergreifenden Verwendung, die eine Darstellung in Browsern bzw. mobilen Endgeräten unterstützen sollte. Weiterhin kam vom Kunden der Wunsch, dass die neue Schrift mehr können sollte. Das bedeutete mehr Strichstärken und Stile, verbesserte Sprachunterstützung (europäisch-lateinischen) und feintypografische extras wie Kapitälchen sowie Tabellen- und Minuskelziffern in allen Schnitten.


Welche gestalterischen Vorgaben hattet Ihr beim Schriftentwurf?
Eigentlich keine. Natürlich sollten die Schriften zum neuen Corporate Design passen. Wir haben uns vor allem in der Entwicklungsphase eng mit der Agentur abgestimmt um die Eckpunkte festzulegen. Als klar war, in welche Richtung es ging, haben wir völlig eigenständig weitergearbeitet. Überhaupt kann man sagen, dass die Zusammenarbeit sowohl mit der Agentur als auch dem Kunden sehr ruhig und unkompliziert war.

Abbildung oben: Grundsätzliche Überlegungen zur Proportion der Buchstaben.
Abbildung unten: Ein- oder zweistöckiges a? Mit oder ohne Schwänzchen? Welches l und welches G hat die beste Leserlichkeit? Viele Designentscheidungen folgen weniger optischen als vielmehr funktionalen Erwägungen.


Das bisherige Design setzte mit der Neuen Demos und Neuen Praxis noch auf Schriftentwürfe aus den 1970ern des Niederländers Gerard Unger sowie die Univers von Adrian Frutiger aus den 1950ern. Diese Schriften sind natürlich schon etwas angestaubt, vermittelten aber dennoch ein recht prägnantes Erscheinungsbild. Inwieweit wurde darauf Bezug genommen oder sollte das neue Design ein kompletter Neuanfang sein?
Die Univers Condensed spielt als Schrift, die ausschließlich im Signet der Bundesregierung vorkommt in der visuellen Identität eher eine Nebenrolle. Um die Neue Praxis und Neue Demos sind wir natürlich nicht herumgekommen, denn immer wieder haben wir in unserer Argumentation für eine neue Hausschrift auf die benutzten Schriften Bezug genommen. Aber wir wollten einen Neuanfang. Wir hatten schon ziemlich früh ein recht genaues Bild davon im Kopf, wie eine Schrift für die Bundesregierung aussehen sollte. Nahbarkeit, Freundlichkeit aber auch Stattlichkeit und Eleganz waren Werte, an denen wir uns orientieren wollten.


Abbildung oben: Vergleich der Proportion der Neuen Demos mit der »BundesType«. Die Mittelhöhe der BundesType ist leicht geringer, was für einen deutlicheren Unterschied zwischen Groß- und Kleinbuchstaben sorgt.
Die neuen exklusiven Hausschriften sparen nicht nur fortlaufend anfallende Lizenzkosten, sondern garantieren natürlich auch, dass sich das Schriftbild visuell nicht abnutzt oder mit anderen Assoziationen aufladen kann, indem es von anderen Nutzern breitflächig eingesetzt wird. Doch wie muss eine »Regierungsschrift« überhaupt aussehen? Kann sie »deutsche Werte« überhaupt vermitteln oder sollte sie sich gekonnt zurücknehmen und lediglich die zu transportierenden Inhalte vermitteln? Wie seid ihr beim Gestaltungsprozess mit dieser Frage umgegangen?
Wir waren von Anfang an der Auffassung, dass es bei einer Schrift für eine Regierung nicht darum geht, sich experimentell selbst zu verwirklichen, sondern ein mehrheitsfähiges Design zu entwickeln, das darüber hinaus noch einen hohen praktischen Nutzen hat. Zum einen weil die Akzeptanz bei den Lesern vorhanden sein muss, zum anderen, weil das Design natürlich vorher schon eine ganze Reihe von Abstimmungen und Entscheidungsgremien bestehen muss. Wir wollten mit unserem Design nicht polarisieren, sondern integrieren. Innerhalb dieses Rahmens haben wir einen eigenen Ansatz gesucht. Den haben wir mit den großzügigen runden Bögen gefunden. Dies sorgt einerseits für einen offenen, nahbaren Ausdruck, bringt andererseits eine gewisse Eleganz hinein – es verleiht den Formen etwas Entschlossenes. Daneben haben wir ganz bewusst bewegte Elemente zugelassen, um dem Schrifbild Lebendigkeit zu verleihen. Wir sind in diesem Falle also absichtlich anders vorgegangen, als bei der Entwicklung einer Hausschrift für ein Unternehmen, das sich im Marktumfeld der Mitbewerber visuell behaupten und daher stärkere Signale aussenden muss.

Abbildung oben: Eine Folie zur Positionsbestimmung bei der Kundenpräsentation. Die Variante oben trägt einen deutlichen Schreibduktus, während unten die Bögen technischer wirken. Das mittlere Beispiel entspricht ziemlich genau der finalen Fassung.
Abbildung unten: Das Minuskel-a und -e sind die Sympathieträger jeder Schrift. Ihnen gilt beim Entwurf besondere Aufmerksamkeit. Diese Abbildung zeigt das finale e links und verschiedenen ausgesonderte Varianten.


Von verschiedenen Seiten war zu hören, die Schrift hätte einen holländischen Einschlag. An welche andere Schriften bzw. Schriftstile oder Epochen lehnt sich das Design an? Welche Besonderheiten weist Euer Schriftentwurf auf?
Was man in Bezug auf Schriftentwurf als holländischen Einschlag bezeichnet, ist der Rückgriff auf die Handschriften der Renaissance wie ihn Gerrit Noordzij an der königlichen Akademie in Den Haag lehrte und von wo aus seit Mitte/Ende der 1980er Jahre das europäische Typedesign maßgeblich beeinflusst wird.

 Wir mögen diesen Ansatz, Schriftentwurf aus dem Schreiben heraus zu denken und haben uns ebenfalls an den humanistischen Typen aus dem 15. Jahrhundert orientiert. Auf dieser Basis lehren wir den Schriftentwurf auch an der Hochschule. Die typografischen Formen entwickeln wir oft beim Schreiben mit der Breitfeder. Das leicht eingedrehte e zum Beispiel ist so entstanden. Der zweite Pol der Inspiration – gerade wenn man eine »typisch deutsche« Schrift entwirft – waren die konstruierten, erdachten Schriften des Bauhauses bzw. die DIN. Zwei Schriften, die Sachlichkeit und Ingenieurstum ausstrahlen, die aber als Leseschriften zu steif und gleichförmig sind. Vielleicht könnte man sagen, eine Synthese aus Vernunft und Emotion.


Gab es konkrete Vorgaben zum anvisierten Einsatz der Antiqua- und der Groteskschnitte oder wurden beide Familien als Allrounder für Text- und Display-Einsatz konzipiert?
Beide Schriften mussten flexibel einsetzbar sein. Zum Zeitpunkt des Entwurfs waren die Aufgaben für die Schriftschnitte noch nicht ganz klar definiert. Mittlerweile ist es in den Gestaltungsrichtlinien so geregelt, dass die BundesSerif sowohl für Überschriften als auch für Fließtexte verwendet wird. Die BundesSans findet vor allem in Zwischenüberschriften und für Fließtexte auf dem Bildschirm Verwendung. Außerdem wird sie für Tabellen und Grafiken eingesetzt.


Die Schriften sind auch bereits im Web im Einsatz. War dies von Anfang an Teil des Briefings und wie wurde dies bei der Gestaltung gegebenenfalls berücksichtigt?
Ja, das war von Anfang an geplant, aber es hat die Gestaltung nicht dominiert. Wir sind der Auffassung, dass sich jede vernünftige Leseschrift im Prinzip auch für den Bildschirm optimieren lässt. Natürlich muss man auf einige Dinge achten: zum Beispiel, dass man beim Zeichnen gleichmäßige Stammbreiten festlegt und Overshoot-Zonen genau einhält – beides Grundvoraussetzung für sauberes Hinting; wie auch das optimale Ausnutzen der Kegelhöhe.

Die kompletten Familien verfügen auch über ein sich sehr harmonisch einfügendes Versal-Eszett. War dies ein konkreter Wunsch des Auftraggebers oder wie kam es dazu? Welche Überlegungen führten zu der schlussendlich gewählten Form?
Das war tatsächlich ein Kundenwunsch – »Wie ist das mit dem Versal-ß. Hat unsere Schrift das auch?«. Zunächst waren wir nicht begeistert. Es gibt viele Gründe dagegen, auch weil die Handhabung dieser Glyphe wohlüberlegt sein muss. Nach einem halben Tag Diskussion und Grübelei haben wir uns dann aber doch entschieden, es zu machen: Eine Schrift für die Bundesregierung ohne die Versalform seines eigentümlichsten Buchstabens schien uns letzten Endes doch unvollständig. Unsere Zeichenvariante – die wir übrigens Zehlendorfer-Form nennen weil unser Büro in Berlin-Zehlendorf liegt – haben wir gewählt, weil es unserer Meinung nach eine Form ist, die sich auch sehr selbstverständlich schreiben läßt. Formal passt sie sich ebenfalls sehr gut ein. Wichtig ist vor allem, dass das Zeichen recht breit ist, damit es die Wichtigkeit eines Großbuchstabens bekommt.

Entwürfe zum Versal-Eszett (oben) und die schließlich gewählten Formen in Serif und Sans (unten)

Wie sah Eure Teamarbeit bzw. Arbeitsteilung bei der Entwicklung dieser Schriften konkret aus?
Die Formfindung haben wir immer zu zweit gemacht. Vor allem in der Anfangsphase haben wir Seite an Seite gearbeitet. Später haben wir uns die Arbeit stärker geteilt um effektiv arbeiten zu können und voran zu kommen. Da hat jeder für sich gezeichnet. Wir haben uns vormittags getroffen, kritisiert, besprochen – und gestritten – und nachmittags gezeichnet. Wir haben einen kleinen Server eingerichtet, auf dem wir zentral die Daten unter dem Arbeitstitel dtype (deutsch gesprochen Deh-Tüpe) abgelegt haben. Eine detaillierte ToDo-Textdatei half uns, den Überblick zu behalten.

In den ersten Ansätzen ging es uns darum, die richtigen Proportionen zu schaffen, die als generelle Vorgabe für alle weiteren Entscheidungen nötig waren. Neben dieser Bestimmung der richtigen Verhältnisse aus Versalhöhe, Oberlänge und x-Höhe, und einer passenden Richtung für die Laufweite, ging es immer mehr um Formen bzw. Formenprinzipien. Hier war es uns wichtig, dass die Sans und Serif vom Aufbau her dicht bei einander bleiben würden. Skizzen für beide Familien entstanden dazu parallel und wir haben dann jeweils zusammen entschieden, was »richtig« oder »falsch« sein würde.

 Beim Entwickeln und Mastering der Fonts brauchten wir noch eine paar Tools die uns beim Anlegen und Verwalten der 12 benötigten OpenType-Fonts – zusammen fast 7000 Glyphen – assistieren würden. Das war vor allem FontLab Studio aber z.B. auch Frederik Berlaens UFOStrech, das hilfreich beim ersten Anlegen der Kapitälchen war. Alle »inneren Werte« haben wir lokal und global mit der Python-Bibliothek RoboFab gesteuert. Die PostScript-OpenType-Varianten der Schriften wurden anschließend mit Hilfe des Font Development Kits von Adobe gehintet und generiert.

Am Ende stand die Bildschirmoptimierung der zusätzlich angelegten TrueType-Varianten der Schriften, die Monika Bartels für uns besorgt hat. Anfänglich hatten wir geplant, dass wir linear (erst OTF dann TTF) arbeiten könnten, doch es stellte sich bald heraus, dass neben dem ClearType- auch Bedarf für ein zeitaufwändigeres Graustufen-Hinting bestand das auf älteren Betriebssystemen – selbst bei nicht aktivierter Glättung – gute Resultate sicher stellt. Wir mussten daher im Oktober die Weiterentwicklung PostScript-OpenType-Fonts unterbrechen, um uns um die TrueType-Outlines zu kümmern. Da wir damit rechnen mussten, dass die Schriften auch auf recht alten Betriebssystemen betrachtet werden, war neben dem ClearType-Hinting auch ein Graustufen-Hinting notwendig.

Die diversen Präsentationen beim Kunden haben wir zusammen mit der Agentur geplant und durchgeführt. Viele ästhetischen Fragen wurden hier erörtert und unser jeweiliger Fortschritt aufgezeigt, sowohl digital aus auch auf Ausdrucken. Von Repräsentanten der verschiedenen Ministerien wurden die Ergebnisse begutachtet. Neben der Form ging es auch häufig um die Implementierung. Die Frage nach den verwendeten Browsern und Programmen, die es zu untersützen galt.

Prof. Jürgen Huber und Martin Wenzel lehren an der HTW-Berlin und arbeiten in Berlin.
Jürgen Huber betreibt zusammen mit Malte Herok das typedepartment.de.
Martin Wenzels Schriften sind bei fontshop.com und bei martinplusfonts.com erhältlich.

(Foto: Richard Kurc)
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Mit dem Zweck und Wesen von Ligaturen haben wir uns bereits in unserem älteren Fachartikel »Ligaturen – alles, was man wissen Muss« ausführlich beschäftig. Nachfolgend soll es um einige konkrete Anwendungstipps zum Satz von typografischen Ligaturen gehen.
Mit OpenType-Schriften können Texte heute vollautomatisch mit Ligaturen versehen werden. Beim Satz von deutschsprachigen Texten stellt sich dabei allerdings das Problem, dass hier Ligaturen nicht über Morphemgrenzen hinweggesetzt werden dürfen. Stoff‌laden kann etwa mit einer ff-Ligatur gesetzt werden, jedoch nicht mit einer fl- oder ffl-Ligatur, da der Leser sonst die Morpheme Stoff und Laden nicht gut auseinander halten kann und eventuell versucht ist, Stof-fladen zu lesen.
Beispiele deutscher Wörter ohne Ligatur:

Beispiele deutscher Wörter mit Ligatur:

Da das f in vielen Antiqua-Schriften so stark über den folgenden Buchstaben ragt und damit bei der Auflösung der Ligatur eine große Lücke reißen kann, hat sich für Nachsilben mit i (-ig, -ich, -isch) die Ausnahme etabliert, hier auch über die Morphemgrenze hinweg eine Ligatur zu setzen. Süffig kann also mit ffi-Ligatur gesetzt werden. Treff‌lich hingegen nur mit ff-Ligatur. Eine weitere Ausnahme bilden Abkürzungen, die auf eine mögliche Ligatur enden. Die Abkürzung Aufl. kann im Gegensatz zu Auf‌lage mit fl-Ligatur gesetzt werden.


Die InDesign-Funktion »Verbindung unterdrücken«
Wie man an diesen Regeln sieht, ist es für deutsche Texte unmöglich, allein die Programmautomatik zum Setzen der Ligaturen zu verwenden. Der Text muss immer nachkorrigiert werden und falsche Ligaturen müssen gegebenenfalls einzeln durch lokale Formatierungen wieder entfernt werden. Dies ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch fehleranfällig, da die lokalen Formatierungen durch Änderungen am Absatz bzw. Absatzformat leicht verloren gehen können. Seit InDesign CS3 gibt es eine wenig bekannte Funktion, die es auf einfache Weise ermöglicht, ungewollte Ligaturen sauber und dauerhaft zu entfernen. Es handelt sich dabei um das Sonderzeichen »Verbindung unterdrücken«. Um es einzufügen, setzt man die Text­einfügemarke zwischen die legierten Buchstaben und wählt über das Schrift- bzw. das Kontextmenü den Menüpunkt Sonderzeichen einfügen → Andere → Verbindung unterdrücken. Die Ligatur wird aufgelöst und da dies über fest eingefügtes Sonderzeichen erfolgt, bleibt die Auflösung der Ligatur auch bestehen, wenn der Absatz völlig neu formatiert wird. Um diese Funktion bei längeren Texten anzuwenden, empfiehlt sich die Suchen-und-Ersetzen-Funktion von InDesign.
Und so geht’s:
Überprüfen Sie zunächst, welche Ligaturen in der jeweiligen Schriftart durch die Automatik standardmäßig ersetzt wurden. Dazu öffnen Sie über Fenster → Schrift und Tabellen → Glyphen die Glyphenpalette und wählen Sie dort unter Einblenden den Bereich Standardligaturen. Alle hier gezeigten Ligaturen müssen nun einzeln auf Ligaturen über Morphemgrenzen hinweg überprüft werden.


Öffnen Sie den Suchen-und-Ersetzen-Dialog über Bearbeiten → Suchen und Ersetzen.
Geben Sie die eine Buchstabenverbindung, zum Beispiel fi, in Suchen nach ein. Geben Sie in das Feld Ändern in die gleichen Buchstaben ein, aber fügen Sie dazwischen ^j ein – dies ist die aufgelöste Schreibweise für das Sonderzeichen »Verbindung unterdrücken«. Klicken Sie anschließend auf den Suchen-Button, um das erste Vorkommen dieser Ligatur zu finden. Entscheiden Sie, ob die Ligatur an dieser Stelle korrekt ist. Wenn nicht, klicken Sie auf Ändern. Anderenfalls setzen Sie die Suche durch Klick auf den Button Weitersuchen fort.
Wenn das Dokument komplett durchsucht wurde, wiederholen Sie die Prozedur ab Punkt 3 mit den anderen benutzten Ligaturen.
Und ein abschließender Tipp
Um Ligaturen und andere ersetzte Zeichen auch visuell schnell finden zu können, kann in den Voreinstellungen von InDesign unter Satz → Markieren der Punkt Ersetzte Glyphen ausgewählt werden. Die Ligaturen werden dann farbig hinterlegt, solange man nicht im Vorschau-Modus ist.

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Immer wieder taucht bei Schriftanwendern der Wunsch auf, Schriftmusterdarstellungen von installierten Schriften auf Papier oder in PDF-Dateien auszudrucken. Sei es, um bestimmte Schriften für einen Auftrag zu vergleichen, oder gar, um die gesamte eigene Schriftbibliothek zu katalogisieren. Man könnte dazu natürlich in einem Textverarbeitungs- oder Layoutprogramm einen Mustertext setzen und diesen für jede Schriftart manuell zuweisen und ausdrucken – doch diese Aufgabe könne verschiedene Tools viel bequemer erledigen. Nachfolgend einige Möglichkeiten dazu …
FontTable – Alle Zeichen eines Fonts in InDesign ausgeben
Welche Zeichen stecken eigentlich in einem bestimmten Font und wie druckt man diese aus? Selbst Tools wie die Zeichentabelle/-palette von Windows und MacOS X helfen da nur bedingt, da sie vor allem den kodierten Zeichenvorrat nach Unicode-Bereichen ausgeben. Unkodierte OpenType-Zeichen wie Ligaturen, Kapitälchen etc. fehlen hier in der Regel. Doch hier hilft ein kleines Script für Adobe InDesign: Font Table.

Das Skript liest aus einer beliebigen installierten Schrift den kompletten Zeichenvorrat aus und füllt ihn in einen Textrahmen in InDesign. So installieren und nutzen Sie das Skript:
Laden Sie das Skript von InDesign Secrets herunter (es funktioniert ab CS3)
Öffnen Sie in InDesign die Skript-Palette (Fenster >> Hilfsprogramme >> Skripte)
Führen Sie einen Rechtsklick auf den Ordner »Anwendung« oder »Benutzer« aus, um den Skript-Ordner des Programms bzw. des derzeitigen Nutzers im Finder/Explorer zu öffnen. Kopieren Sie das Skript in dieses Verzeichnis.
Anschließend kann das Programm über einen Doppelklick in der Skripte-Palette gestartet werden. Die Anzahl der Glyphen des Fonts kann das Skript derzeit nicht selbst ermitteln. Wählen Sie hier also einfach einen hohen Wert und entfernen Sie die überschüssigen leeren Zeichen nach dem Ausführen des Skriptes wieder. (Alternativ kann man die Glyphen-Palette nach Glyphen-ID sortieren lassen und sich so die höchste Nummer im Font ausgeben lassen.)
Fontbook.js – Schriftmuster aller installierten Fonts in InDesign
Fontbook.js ist ebenfalls ein kostenloses Skript für Adobe Indesign. Mit einem Klick gestartet erstellt es ein neues InDesign-Dokument und füllt nach und nach für jede installierte Schrift eine Seite mit einer Schriftmuster-Übersicht (siehe Screenshot).


Ein Dialogfenster mit Einstellmöglichkeiten gibt es nicht, aber in der Skriptdatei selbst lassen sich Schriftgrößen und Mustertext auf Wunsch abändern. Die Installation erfolgt auf gleiche Weise wie oben bei Font Table erklärt.
Drucken aus der Schriftsammlung (Mac OS X)
Auch mit Bordmitteln von OS X lassen sich leicht einfache Schriftmuster drucken. Die Schriften müssen lediglich markiert werden und können anschließend über Ablage >> Drucken auf Papier oder in PDF-Dateien ausgegeben werden. Die Darstellung erfolgt automatisch übersichtlich nach Schriftfamilien sortiert.



Über den Button »Details einblenden« im Druckdialog lassen sich Layout und Inhalt der Schriftmuster nach eigenen Wünschen anpassen.
FontDoc – schnell und simpel (Mac OS X)
Das kostenlose Tool FontDoc besticht durch seine Schnelligkeit und seine einfache Anwendung. Es erstellt aus allen installierten Schriften blitzschnell einen RTF-Text mit je einer Musterzeile bzw. dem Namen der Schrift. Der Text lässt sich dann einfach ausdrucken oder in anderen Anwendungen übernehmen.

Druck aus dem Fontmanager
Wer sich nicht auf Bordmittel verlässt und einen professionellen Fontmanager wie Fontexplorer X Pro* einsetzt, hat auch bei der Gestaltung von Schriftmuster-Ausdrucken alle Freiheiten. Das Programm biete eine umfangreiche Druckfunktion, die sich bis ins kleinste Detail den eigenen Ansprüchen anpassen lässt.



Über einen Assistenten lassen sich die gewünschten Funktionen bequem konfigurieren und als Sets für einen späteren Gebrauch abspeichern.
Der Fontexplorer X Pro sei hier nur beispielhaft genannt. Alle professionellen Fontmanager (wie Suitcase Fusion, Fontcase, FontExpert, FontAgent Pro, MainType etc.) bieten entsprechende Funktionen an, wenn auch nicht immer ganz so komfortabel wie hier im Fontexplorer.

Weitere nennenswerte Tools zum Schriftmusterdruck:
FontVista für MacOS X (29,99 US$): Kann neben den installierten Fonts auch selbstständig die Festplatte nach Schriften durchsuchen und automatische Schriftmuster erstellen
Veenix TypeBook Creator (49,99 US$): Ebenfalls perfekt auf das Drucken von Schriftmustern installierter und nicht installierter Fonts ausgelegt. Allerdings kann man sich für diesen Preis dann auch schon lieber einen vollwertigen Fontmanager holen, der diese Funktionen ebenfalls mitbringt.
ID Font Catalog (15 US$): Ein InDesign-Skript, dass dem oben beschriebenen Fontbook.js ähnelt, jedoch mehr Einstellmöglichkeiten bietet und Fonts auch nach Schriftfamilien gruppieren kann.
*) Partnerlink
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»Schrift gesucht« – ein Klassiker in allen Grafikdesigner-Foren. Man hat in einer Anzeige oder in einem Magazin eine tolle Schriftanwendung gesehen und möchte nun wissen, um welche Schrift es sich handelt. Oder man hat einen neuen Kunden, der seine eigene Hausschrift nicht kennt und als Muster lediglich einen alten Briefbogen vorlegt. Auch alte Hasen im Grafikdesign-Geschäft können nicht jede Schrift kennen. Doch es gibt eigene Tricks um die Suche leichter zu machen. Hier die 10 besten …
Trick № 1: WhatTheFont

Ein bekannter und beliebter Dienst zum Erkennen von kommerziellen Schriften ist WhatTheFont von MyFonts. Laden Sie eine Grafik mit dem Schriftmuster hoch und das System ermittelt aus dem riesigen MyFonts-Katalog mit derzeit circa 900 Schriftanbietern die passenden Schriften.
Der Dienst funktioniert dann am besten, wenn die Schriftmuster kontrastreich und unverzerrt sind und sich Buchstaben nicht miteinander oder mit Hintergrundbildern überlagern. Oft lohnt es sich deshalb, das Bild vorher in einem Bildbearbeitungsprogramm kurz entsprechend zu bereinigen.

Trick № 2: What Font is

Ein ganz ähnlicher Dienst wie WhatTheFont ist What Font is. Im Gegensatz zu ersterem liegt der Fokus hier auf kostenlosen Schriften. War man bei WhatTheFont nicht erfolgreich, lohnt daher oft ein zweiter Versuch bei What Font is.

Trick № 3: Der PDF-Trick

Sie wüssten gern, welche Hausschrift ein bestimmtes Unternehmen benutzt? Eine sehr sichere Methode, verwendete Schriften zweifelsfrei zu bestimmten, ist das Nachschauen in PDF-Dateien. Die Schriften sind hier in der Regel eingebettet und Anzeige-Programme wie der Adobe Reader gestatten eine Übersicht, welche Schriften in einem PDF verwendet werden.
Falls Sie noch kein PDF vorliegen haben, empfiehlt es sich, die Homepage des Herstellers nach PDFs zu durchsuchen. Bei Aktiengesellschaften sind zum Beispiel fast immer die Jahresberichte als PDFs hinterlegt.
Für eine gezielte Suche bei Google geben Sie zum Beispiel folgendes ein:

site:deutsche-bank.de .pdf Noch genauer wird die Suche, wenn Sie für die Ergebnisse lediglich den Datei-Typ PDF zulassen:

site:deutsche-bank.de filetype:pdf Laden Sie anschließend das PDF auf Ihren Rechner und öffnen Sie es im Adobe Reader. Öffnen Sie die Dokumenteigenschaften über   cmd   +   D   bzw.   STRG   +   D   und schauen Sie unter dem Reiter »Schriften« nach, welche Fonts in diesem PDF eingesetzt wurden. So lassen sich gegebenenfalls auch die Namen von Hausschriften zielsicher bestimmen, die von bestehenden Schriften abgeleitet wurden.

Trick № 4: Identifont – So ähnlich wie …

Nicht selten weiß man den Namen einer Schrift nicht, aber man kennt andere Schriften, die ganz ähnlich aussehen. Hier hilft die Identifont-Webseite. Einfach den Namen der bekannten Schrift eingeben und anschließend in der Seitenleiste die Vorschläge zu ähnlichen Schriften durchsuchen. Diese Auswahl wird von den Betreibern der Seite manuell gepflegt und ist dementsprechend treffsicher.

Trick № 5: Fragenkatalog

Identifont bieten noch eine weitere Möglichkeit, Schriften zu bestimmen. Über eine Serie von Fragen wie »Hat die Schrift Serifen?« oder »Ragt das J über die Grundlinie« wird die Schriftsuche immer weiter eingegrenzt, bis nur noch eine kleine Anzahl von Schriften infrage kommt. http://www.identifont.com/identify.html

Trick № 6: In meinen Schriften suchen …

Wenn man Schriften anhand einer Mustergrafik lediglich auf seinem eigenen Rechner suchen möchte, kann man dafür Programme wie Find my Font benutzen. Sie arbeiten nach dem gleichen Prinzip wie WhatTheFont und What Font is, aber durchsuchen dabei nur die Fonts auf der eigenen Festplatte. Wenn man nur mal schnell eine ähnliche Schrift zu einem Schriftmuster finden will, ohne dafür Geld auszugeben, findet man auf diese Weise leicht ein passende Schrift aus dem eigenen Schriftenbestand.

Trick № 7: Im Wiki nachschauen
Im Wiki von Typografie.info gibt es eine der größten Listen von Unternehmens-Hausschriften aus aller Welt. Die Liste kann von allen Typografie.info-Mitgliedern ergänzt oder abgeändert werden. Wir freuen uns über Deine Mithilfe, diese Liste aktuell und korrekt zu halten!

Trick № 8: »Wahrscheinlich isses Rotis!«
Auch wenn man heute theoretisch auf über 20.000 Schriftfamilien zurückgreifen kann – der Großteil der Schrifterkennungsanfragen in unserem Forum geht auf nur eine Handvoll Klassiker-Schriften zurück. Es lohnt sich also immer, diese zu kennen bzw. zuerst zu prüfen. Eine gute Übersicht dazu bietet zum Beispiel die Liste von FontShops 100 Besten Schriften.

Trick № 9: Plausibilitätsprüfung
Oft werden uns im Forum Schriftmuster zur Identifizierung vorgelegt, bei denen es sich gar nicht um gesetzte Schriften, sondern um eigenes gestaltete Schriftzüge (z.B. für Logos) handelt. Bevor man sich also auf die mühselige Suche nach der passenden Schrift macht, sollte man sich sicher sein, dass die Vorlage überhaupt aus einer heute verfügbaren Satzschrift besteht. Dazu ein paar Tipps:
Gleiche Buchstaben vergleichen: Prüfen Sie, ob gleiche Buchstaben wirklich jedes Mal identisch aussehen. Sehen Sie jedes Mal unterschiedlich aus, haben Sie es entweder mit einer seltenen, ausgefeilten OpenType-Schrift mit Alternativzeichen zu tun, oder aber mit einem geschriebenen Schriftzug, der auf keiner Satzschrift beruht. Verbindungen inspizieren: Schreibschriften als Satzschriften haben in der Regel sehr strenge, gleichförmige Verbindungen, damit beliebige Buchstaben aneinander passen. Oft hat selbst der letzte Buchstabe in einem Wort so eine Verbindung, die ins Leere läuft. Das sind typische Merkmale einer Satzschrift. Wirken die Verbindungen dagegen tatsächlich »wie geschrieben« mit schwungvollen An- und Abstrichen am Wortende, dann ist es wahrscheinlich auch geschrieben. Tanzende Grundlinie: Satzschriften stehen normalerweise streng auf einer Grundlinie. Wenn im Schriftmuster die Grundlinie schwankt oder gar schräg verläuft, dann war sicherlich auch hier ein Kalligraf am Werk. Abrundungen, Verlängerungen, Auslassungen: Logo-Gestaltungen werden heute oft auf Basis von Satzschriften gemacht, wobei diese stark modifiziert werden. Ecken werden abgerundet, Teile aus Buchtaben ausgeschnitten, Buchstabenteile verlängert und mehrere Buchstaben verbunden usw.
Jegliche Modifikationen dieser Art deuten darauf hin, dass es sich um ein Logo, nicht um eine direkt benutzte Satzschrift handelt. Alter und Herstellungsart prüfen: Nur was gedruckt wurde, kann auch aus einer »Druckschrift« sein. Die meisten größeren Beschilderungen an Geschäften, Bahnhöfen, Gaststätten usw. sind, wenn sie aus der vordigitalen Zeit stammen, meist Handarbeit und es liegt keine bestimmte Druckschrift zugrunde.   
Trick № 10: Die Profis fragen …
Wenn alle Stricke reißen, fragen Sie die Experten von Typografie.info. In unserem Forum Welche Schrift ist das? können Sie Schriftmuster hochladen und die Community-Mitglieder helfen – oft innerhalb von wenigen Minuten – bei der Erkennung der Schriftart.
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Gerade hat Nick Shinn seine Parity veröffentlicht – eine Schrift, die von Grund auf als Unicase-Schrift, also als Kombination von Groß- und Kleinbuchstabenformen mit gleicher Buchstabenhöhe, gestaltet wurde.
Doch wie soll man Schriften dieser Art eigentlich im Deutschen bezeichnen? Dies fragte sich auch Jürgen Siebert von FontShop Deutschland. Die FontBook App ist mehrsprachig angelegt, aber eine Übersetzung für Unicase innerhalb dieser Anwendung fehlte bislang. Siebert fragte daher auf Twitter nach einer Übersetzung. Einen etablierten Begriff scheint es nicht zu geben, aber schnell wurden von verschiedenen Seiten neue Kunstwörter als Vorschlag unterbreitet; zum Beispiel Miscuskel/Mixuskel, Mononuskel/Monuskel oder Binuskel.

Den bislang überzeugendsten Vorschlag lieferte schließlich Florian Hardwig:
HEIM bzw. heim -> monokameral
Heim -> bikameral
HҼУM -> unikameral


Im Gegensatz zu den anderen Vorschlägen wird hier kein völlig neues Wort erfunden, da der sprachliche Bezug auf die zwei »Kammern« der lateinischen Schrift so bereits in anderen Sprachen im Einsatz ist. So findet sich bicameral/bicamérale zum Beispiel im Englischen und im Französischen.
Wir möchten diesen Vorschlag zur Etablierung von unikameral als deutsche Übersetzung für Unicase gern unterstützen und einen entsprechenden Artikel im Wiki von Typografie.info anlegen. Zuvor möchten wir jedoch der Community von Typografie.info noch einmal die Chance geben, über diesen Vorschlag zu diskutieren.

(Alle gezeigten Schriftmuster: Parity von Nick Shinn)
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Als Feedback zur 2. Ausgabe des Typografie.info TypoJournals hörten wir immer wieder: »Das ist ja eigentlich schon kein Magazin mehr, das ist ja wie ein Fachbuch!« Und in der Tat: Das TypoJournal steht für seine hochwertigen Inhalte und dieses Feedback war für uns Genugtuung und Ansporn zugleich, diesen Anspruch auch bei der 3. Ausgabe konsequent weiterzuverfolgen. Nach anderthalb Jahren erscheint nun die neue Ausgabe des TypoJournals zum Thema »Wandel«.

Schrift, Sprache und Design sind einem fortwährenden Wandel unterworfen. Doch wie lange und aus welchen Gründen müssen Traditionen gepflegt werden? Müssen gebrochene Schriften nach 100 Jahre alten Satzregeln gesetzt werden? Sind Anglizismen ein Zeichen für den Verfall der deutschen Sprache? Welche Rolle spielen Handschrift, Bleisatz und Buchdruck noch in der digitalen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts? Sollte man die deutsche Rechtschreibung einfach so von heute auf morgen ändern und kann man einfach einen neuen Buchstaben wie das große Eszett einführen und durchsetzen?
Dies sind keine einfachen Fragen und im dritten TypoJournal setzen wir uns daher ausführlich mit diesen und weiteren spannenden Themen rund um den Wandel in Schrift, Sprache und Design auseinander. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Die Artikel der Ausgabe
Ist die deutsche Sprache vom Verfall bedroht? Prof. Dr. Rudi Keller
Schriftmuster im Wandel. Henning Krause
Bleisatz und Buchdruck im 21. Jahrhundert. Martin Z. Schröder
Der Antiqua-Fraktur-Streit im 21. Jahrhundert. Ralf Herrmann
Eine Kursive für die Fraktur. Joshua Krämer
Die Berliner Verkehrsbetriebe im Wandel der Zeit. Lars Krüger
Das Eszett, eine scharfe Type. Nadine Roßa
Das Eszett kommt endlich groß heraus. Ralf Herrmann
Corporate Design im Umbruch. Kathrin van der Merwe
Papiernormen: Raumnot und Weltformat. Thomas Maier
Das typografische Manifest. Emanuelle Typographique
Sie haben Ihr Ziel erreicht. Das Ende des Kartenlesens. Ralf Herrmann
Fingerübungen bei marke.6 in Weimar. Severin Wucher
Umfang: 112 Seiten, durchgehend farbig
Format: A4 
Stimmen zum Magazin
»Das TypoJournal ist das zur Zeit beste deutsche Typografie-Magazin.« (Fontblog)
»Hintergründige Lektüre, in wissenschaftlicher Genauigkeit dargestellt, aber mit einem Schuss Eleganz und optischem Pfiff, sodass das Lesen zum Vergnügen wird.« (Christian Gutschi, Graphischen Revue)
»Das Magazin hat einen sehr hohen Anspruch und in der Tat ist es eher Fachpublikation/-buch als Magazin. Für Typografie-, Sprachliebhaber und Designstudenten ein absolutes Muss.« Design Made in Germany
»Leider habe ich das TypoJournal 1 verpasst und demnach nicht in meinem Regal stehen! Das ist äußerst bedauerlich, da – meiner Meinung nach – das Typojournal mit Abstand das beste – mir bekannte – deutschsprachige Typo- und/oder Grafikdesign-Magazin auf dem Markt ist.« L. Krüger, Berlin












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Wie Monotype Imaging in einer Pressemitteilung bekannt gab, wird man den Schriftwiederverkäufer MyFonts.com von Bitstream übernehmen. »Wird Monotype Imaging sich jetzt Monopoly Imaging nennen?« fragte heute morgen Erik Spiekermann schon scherzhaft auf Twitter. Denn mit den Schriftenkatalogen unter den Marken Monotype, ITC, Linotype und nun auch MyFonts dominiert man den Markt kommerzieller Schriften wie kein anderes Unternehmen. Lediglich FontShop bleibt einer der letzten »großen« weltweit tätigen, unabhängigen Schriftanbieter.
Mit dem eigenen Webshop unter fonts.com hatte Monotype das Online-Geschäft eher verschlafen, während MyFonts mit seinem rasch wachsenden und leicht bedienbaren Shop nicht mehr nur klassische Design-Agenturen bediente, sondern das Lizenzieren von Schriften auch für private Nutzer attraktiv machte. Genau zu diesem Zweck ging MyFonts.com im Jahr 2000 an den Start und wurde rasch immer beliebter. Heute bezeichnet man sich stolz als »weltgrößte Schriftenkollektion« und bieten cira 89.000 Schriftfamilien von über 900 einzelnen Schriftanbietern an.

Die Pressemitteilung:
http://www.businesswire.com/news/home/20111110006831/en/Monotype-Imaging-Acquire-Font-Business-Bitstream
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Der Schriftzug »Zierfische« mit seinen Ornamenten gehörte in Berlin über viele Jahre zum Frankfurter Tor, wie die zwei markanten Türme. Er war bereits ein Wahrzeichen an dieser Kreuzung. Das HO-Fachgeschäft wurde 1957 als modernste Zoofachhandlung in der Hauptstadt eröffnet. Handaufgezogene Papageien, Sittiche, Kaninchen und Reptilien erfreuten 52 Jahre lang Tierliebhaber aus Nah und Fern. 2009 musste das Geschäft am Frankfurter Tor 2 leider schließen.
Entworfen und gezeichnet wurde der Schriftzug »Zierfische« von Manfred Gensicke (*1934). Als gelernter Schrift- und Reklamemaler arbeitete er zwischen 1960 und 1995 in Berlin und ist für viele Beschilderungen im öffentlichen Raum verantwortlich. Der Zierfische-Schriftzug beruht auf seiner persönlichen Handschrift und wurde Anfang der 1980er Jahre neu gezeichnet und angefertigt.
Im Zuge der Sanierung der Karl-Marx-Allee wurde nicht nur die komplette Fassade des Gebäudes sandgestrahlt, sondern auch der Schriftzug mit den Fischen und Gräsern nachgebaut. Über 35 Meter gelbe Glasröhren wurden allein bei dem Schriftzuge »Zierfische« verarbeitet.


Mit einer Spendenaktion konnte das Berliner Buchstabenmuseum den Schriftzug im Jahr 2009 übernehmen und somit vor dem Verfall oder der Entsorgung retten. Dabei wäre die Übernahme um ein Haar gescheitert, da sich kurz vor der Demontage Diebe daran versuchten, die Leuchtreklame ihrerseits abzumontieren. Passanten beklagten nach der offiziellen Demontage sofort, dass dieses Wahrzeichens nun nicht mehr am gewohnten Platz sichtbar war. Nach der Rettung und Zwischenlagerung der Zierfische war es deshalb das Ziel des Buchstabenmuseums, diesen außergewöhnlichen Schriftzug mit seiner Geschichte der Öffentlichkeit zu präsentieren. Anfang 2011 konnte der Schriftzug dann schließlich in neuem Glanz im Rahmen einer Ausstellung in der Karl-Marx-Allee für zwei Monate präsentiert werden.

Manfred Gensicke mit Barbara Dechant und Anja Schulze vom Buchstabenmuseum bei der Vernissage:


Doch nicht nur der Schriftzug wurde gerettet. Der charakteristische Schildermaler-Schreibstil von Manfred Gensicke wurde mit dessen Unterstützung vom Designer Dirk Heider als komplette Schrift namens Gensicke ZF ausgebaut.


Eine besondere Herausforderung stellten die Buchstabenverbindungen statt. Durch unzählige Ligaturen, die sich per OpenType automatisch aktivieren lassen, spiegelt sich der lockere, handschriftliche Charakter auch in der Umsetzung als Font sehr gut wieder. Die Gensicke ZF kann man sich über Veer lizenzieren lassen. Der Lizenzgebühr beträgt 26 Euro. Außerdem ist die Schrift auf CD im Schaudepot des Buchstabenmuseums in Berlin erhältlich.



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Ulrike Wilhelm aus Berlin verbindet Schrift und Illustration auf höchst interessante Weise und der Erfolg gibt ihr Recht. Ihre erste vollständige Schrift, die LiebeErika, wurde unter die besten MyFonts-Schriftveröffentlichungen des Jahres 2010 gewählt. Im nachfolgenden Interview verrät Ulrike etwas mehr über ihre Schriften und ihre Arbeitsweise.
Wie bist Du zum Typedesign gekommen?
Eigentlich eher nebenbei. Ich habe zwar im Studium an der FH Potsdam zwei, drei Mal den Schriftgestaltungskurs von Luc(as) de Groot besucht. Aber eigentlich haben mich spontane, analoge Arbeitsweisen wie Illustration und Kalligrafie immer mehr interessiert als das stundenlange Optimieren von Bézierkurven. Im Abschlussprojekt meines Kommunikationsdesign-Studiums habe ich sogar versucht, eine universelle Schrift ohne Buchstaben – nur mit Piktogrammen – zu gestalten. Das hat natürlich nicht so richtig geklappt und ist sowieso mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Aus diesen piktogrammartigen, handgezeichneten Illustrationen ist dann auch die Idee entstanden, die Illustrationen in eine Fontdatei zu pressen und bei MyFonts zu verkaufen. Das hat Spaß gemacht und wurde auch ganz gut angenommen, deshalb kamen immer mehr Piktogrammfonts dazu. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass es keine Schrift gab, die hundertprozentig zu meinen Illustrationen und Piktogrammen passte. Deshalb habe ich mich letztes Jahr an meine erste »richtige« Schrift gewagt: LiebeErika.

Zeichnest Du per Hand am Computer oder zuerst auf Papier?
Unterschiedlich. Es fängt aber immer analog an. Die ersten Skizzen landen immer auf Papier. Ich arbeite auch gerne mit meinem Zeichentablett in Photoshop, weil ich da sauberer und präziser arbeiten kann als mit gescannten Zeichnungen. Den Schritt zur Vektorgrafik mache ich erst, wenn die wichtigsten formalen Entscheidungen getroffen sind. Ich versuche auch, nicht zu viel Vektorkosmetik zu betreiben. Schließlich leben meine Fonts von den handgemachten Unregelmäßigkeiten. Manchmal mache ich auch nachträglich Abschlüsse noch etwas dicker oder Striche etwas wackeliger, um einen unregelmäßigen Tintenfluß zu simulieren.
In LiebeErika und LiebeDoni gibt es etliche kontextabhängige Alternativformen, so dass zwei aufeinanderfolgende identische Buchstaben nicht genau gleich aussehen. Das hilft in meinen Augen sehr, das »Handgemachte« glaubwürdiger rüberzubringen.

Was hat es mit der »Liebe« im Namen Deiner Fonts auf sich?
Wie ich genau darauf kam, weiß ich gar nicht mehr. Ich finde aber, dass der Name ganz gut zu den liebevoll gezeichneten und irgendwie lieb aussehenden Fonts passt. Es ist auch ziemlich praktisch: Wenn ich eine neue Schrift mache, ist die Hälfte des Namens schon fertig. Mir war es auch wichtig, dass meine Marke ein Stück Herkunft kommuniziert, deshalb kam ein komplett englischer Name nicht in Frage. Und der Name funktioniert international erstaunlich gut.

LiebeDoni – die eigentlich so strenge Bodoni mit handgezeichneter Charakter umgesetzt. Wie kamst Du auf diese Idee?
Ich mochte Bodoni schon immer gerne, besonders in fett und groß. Deshalb hatte ich auch in meinem Font LiebeMenuLettering einige Wörter in einer Art Bodoni gezeichnet. Daraufhin habe ich viele Anfragen bekommen, ob es denn die Buchstaben auch einzeln gebe. LiebeDoni ist auch ein schöner Kontrast zu LiebeErika: Die eine fett, breit und mit Serifen, die andere filigran, schmal und serifenlos. 


Schriften wie Deine LiebeDoni haben einen umfangreichen Zeichenausbau. Wie lange dauert die Entwicklung Deiner Schriften von den ersten Skizzen bis zum verkäuflichen OpenType-Font?
Die »richtigen« Schriften sind wesentlich aufwendiger als die Piktogramm-Fonts. An LiebeDoni habe ich alles in allem ungefähr ein halbes Jahr gearbeitet, allerdings nicht Vollzeit. LiebeErika ging etwas schneller, vermutlich weil man bei der geringen Strichstärke und dem fehlenden Kontrast schneller zu harmonischen Wortbildern kommt. Wahrscheinlich würde alles schneller gehen, wenn ich mich nicht so im Detail verlieren würde. Aber ich kann es nicht lassen, mir immer wieder doch noch eine weitere lustige Ligatur oder Alternativformen auszudenken. Ich bin auch sehr geduldig und diszipliniert. Ich glaube, das ist wichtig, wenn man Schriften gestalten will.

Du vertreibst Deine Schrift selbst über MyFonts und bist also neben dem Entwurf auch für das technische Mastering, Marketing, Kundenbetreuung und so weiter zuständig. Betrachtet du diese Arbeitsweise eher als Fluch oder Segen? Wie organisierst Du Deine Arbeit um Dich nicht in diesen vielen Arbeitsbereichen zu verzetteln?
Ich genieße die Freiheit, alles selbst machen zu können. Ich freue mich bei jedem Arbeitsschritt schon auf den nächsten. Ich mache mir beim Zeichnen der Buchstaben immer schon Gedanken darüber, wie die Anwendungsbeispiele aussehen könnten. Und wenn ich später beim Gestalten der Marketing-Materialien noch Probleme finde, kann ich einen Schritt zurückgehen und einzelne Buchstaben noch im Detail korrigieren.

Ich habe außerdem jemanden zu Hause, der von dem Thema Ahnung hat, jede Zeichnung kritisch betrachtet und auch ein gutes Gespür fürs Marketing hat. Und einige Tester im Freundeskreis werden mit Betaversionen versorgt, so dass ich schon vor der Veröffentlichung wertvolles Feedback bekomme.

Hast Du Vorbilder im Bereich Schrift oder Illustration? 
Die Schule von Luc(as) de Groot hinterlässt wohl bei jedem seiner Studenten sichtbare Spuren. Hohe Ansprüche an die Lesbarkeit und gewisse humanistische Konstruktion sind dann einfach so drin, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt. Ich schaue mir auch sehr gerne die Arbeiten von Jessica Hische und Seb Lester an.

 Deine Fonts enthalten ein Versal-Eszett. Wie ist Deine persönliche Meinung zu diesem derzeit kontrovers diskutierten Thema?
Ich sehe schon, dass das Versal-Eszett bei Eigennamen sehr sinnvoll sein kann. Dass das Versal-Eszett in meinen Schriften vorhanden ist, hat aber weniger etwas mit meiner Haltung zum Thema zu tun. Ich finde es auch sehr schwierig, diesen noch sehr ungewohnten Buchstaben so hinzubekommen, dass es nicht absurd aussieht.

Welche Font-Projekte können wir in Zukunft von Dir erwarten? Weitere Ornamente, Schriften oder etwas ganz anderes?
Momentan arbeite ich intensiv an einem noch geheimen Projekt. Es ist eine Art Touchscreen-Kinderbuch, so viel kann ich verraten. Parallel entwerfe ich auch schon die nächste Schrift, die wieder in eine andere Richtung geht als die ersten beiden: eine geschriebene, verbundene Schwungschrift.

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Detroit wurde 1701 von Antoine de la Mothe Cadillac als »Ville d’Etroit« (Stadt an der Meerenge) gegründet. Anfang des 20. Jahrhunderts wird Detroit zum Geburtsort und Zentrum der amerikanischen Automobilindustrie. Die »Big Three« – General Motors, Ford und Chrysler – schaffen die Autostadt schlechthin. Hier gibt es die erste Straße mit Betonbelag; hier gibt es die erste Stadtautobahn. Lange prahlt Detroit mit einem Wirtschaftswachstum sondergleichen. Während der 1920-er Jahre entsteht ein Hochhaus nach dem andern; Riesige Warenhäuser und Kinopaläste säumen die Straßen. 1930 ist Detroit die viertgrößte Stadt der USA.

Der Reichtum der Stadt spiegelt sich auch im Design der Detroiter Automobile wider. Nie waren sie größer und prunkvoller als in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Mit den Automobilen wachsen auch die obligatorischen Chrom-Schriftzüge an Cadillac und Co. immer weiter in die Breite und so entwickelt die Automobilindustrie nebenbei auch eine völlig eigenständige Form der Schriftgestaltung. Denn da die schweren Embleme nach wie vor aus einem zusammenhängenden Stück Metall gefertigt werden, müssen die Buchstaben auf der Grundlinie beziehungsweise x-Höhe mit einer stabile Verbindung versehen werden. Die »Streamline-Schriften« sind geboren und entwickeln sich rasch zu einem repräsentativen Designelement der Zeit, das sich später auch auf anderen Produkten wieder findet, etwa auf Plattenspielern, Staubsaugern und Kühlschränken.

Doch auf den raschen Aufstieg der Stadt folgt ein ebenso dramatischer Abstieg. In den 1960er Jahren kommt es durch steigende Arbeitslosigkeit zu schweren Rassenunruhen, die schließlich dazu führen, dass sich der überwiegende Teil der weißen Bevölkerung aus der Stadt in die Vororte flüchtet. Als später auch die Automobilhersteller ihre Fabriken in die Vororte verlegen, verkommt die Innenstadt Detroit fast zu einer Geisterstadt, die nur noch durch Amerikas höchste Mordrate und die jährliche Devil’s Night Schlagzeilen macht, wenn in der Nacht vor Halloween hunderte von Häusern in der Innenstadt in Brand gesetzt werden.


Die Grafikdesigner Franziska Jähnke, Dörte Wächter und Ralf Herrmann verbrachten einige Monate in der Innenstadt von Detroit und erkundeten die noch immer allgegenwärtigen Relikte der Detroiter Glanzzeit. Die verlassenen Fabriken der berühmten Automobilhersteller stehen noch immer – es fehlt schlicht das Geld sie abzureißen oder anderweitig zu nutzen. Auch die alten Autos gehören noch immer zum Straßenbild. Sie werden so lange gefahren, bis sie buchstäblich auseinander fallen. Die Detroiter nennen solche Schrottkarren liebevoll »Hooptie«. Wenn sie dann doch den Geist aufgeben, werden sie einfach am Straßenrand stehen gelassen und rosten dort über Jahrzehnte vor sich hin.
Der ausgefallene Schriftstil der Chromschriftzüge an den Detroiter Autos der 1930er bis 1950er Jahre erweckte sofort das Interesse von Ralf Herrmann, der basierend auf diesem Stil eine Serie von Fonts mit dem Namen Hooptie Script entwickelte.


Schriften dieser Art waren mit den früheren Fontformaten nicht zufriedenstellend umsetzbar, da jeder Buchstabe an passender Stelle mit den jeweiligen Nachbarbuchstaben legiert werden muss. Hat das »o« einen Abstrich auf x-Höhe verbindet es sich perfekt mit einem nachfolgenden »f«, doch nicht mit einem »s«, das eine Verbindung auf der Grundlinie erfordert. So sieht man bei der Anwendung von Retro-Schreibschriften sehr oft, dass Buchtstaben an den falschen Stellen zusammenstoßen oder schlicht gar nicht verbunden sind. Das Problem lässt sich übrigens auch nicht mit Ligaturen lösen. Denn jede eingesetzte Ligatur muss sich ja ihrerseits auf beiden Seiten mit den angrenzenden Buchstaben verbinden …
Mit der OpenType-Technologie war es hier erstmals möglich, einen Streamline-Font zu erstellen, der durch OpenType-Klassen, Alternativzeichen und kontextbedingte Ersetzungen vollautomatisch für jede beliebige Buchstabenkombination die passende Verbindung erzeugt.
Das jeweils nachfolgende Zeichen in einem Buchstabenpaar »kennt« seine optimale Verbindung zu seinem Vorgänger und dieser wird, wenn nötig, automatisch ausgewechselt.

Es ist sogar möglich, die Wörter durch Einsatz des Unterstrichs zu verlängern und noch »stromlinienförmiger« darzustellen. Auch dabei werden vollautomatisch die optimalen Alternativbuchstaben ausgewählt.

Zusätzlich zu den beiden Grundschnitten Hooptie Script und Hooptie Script Star Chief gibt es auch eine Oblique, eine »Rusted« mit rauer Outline sowie einen Schwungbuchstabenschnitt, der einige handgezeichnete Alternativbuchstaben enthält.



Doch Detroit und seine Geschichte hinterließen auf die drei Designer eine so nachhaltigen Eindruck, dass schnell die Idee geboren wurde, die Schriften zusammen mit einem Buch herauszubringen, das die eindrucksvolle Geschichte der Motor City als Wiege der Automobilindustrie schildert. Das Buch fungiert dabei auch als Schriftmuster, ist aber weit mehr als nur ein »Verkaufsprospekt«. Schriften und Schriftmuster sind gleichwertige, miteinander verbundene Teile einer Arbeit, die sich gegenseitig befruchten. Die folgende Zeichnung, die als Doppelseite für das Buch angefertigt wurde, stand später für die Entwicklung der Schwungschriftbuchstaben Pate. Einigen Detroiter gefiel dieses Motiv sogar so gut, dass sie es sich tätowieren ließen.

Die üblichen Blindtexte sucht man in diesem Buch also vergeblich. Die Texte erzählen die spannende Geschichte von Cadillac, Pontiac, Chevrolet, Ford und vielen anderen Persönlichkeiten sowie vom Aufstieg und Einbruch der Stadt im Verlauf des 21. Jahrhunderts.
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Kennen Sie das? Jemand schickt Ihnen Textvorlagen in Form einer TXT-Datei. Sie öffnen diese und stellen fest, dass Umlaute, Eszett und andere Zeichen kryptisch dargestellt werden. Wo »Müllerstraße« stehen soll, steht plötzlich »Müllerstraße«.
Selbst professionelle Anwender sind nicht selten ratlos, wie man mit diesem Problem umgehen soll. Schließlich versichert der Ersteller der Datei, dass sie bei ihm korrekt angezeigt wird. Gar nicht selten fängt man dann sogar an, die Sonderzeichen im ganzen Text manuell zu korrigieren … Doch das muss nicht sein!
Wie entsteht Sonderzeichensalat?
Zum Verständnis ist es zunächst wichtig zu wissen, dass Textdateien überhaupt keine Schriftzeichen im eigentlichen Sinne enthalten. Eine Textdatei ist nichts anderes als lange Anordnung von Kodes. Erst wenn die Textdateien geöffnet und angezeigt werden sollen, werden die Kodes in Schriftzeichen umgewandelt. Dazu benutzt das Betriebssystem bzw. Anwendungsprogramm eine so genannte Zeichenkodierung. Vereinfacht gesagt sind dies Tabellen, in denen jedem Kode ein bestimmtes Zeichen zugeordnet ist. Das Programm arbeitet einen Kode nach dem anderen ab und wandelt diese in eine darstellbare Zeichenfolge.

(Eine ausführliche Erklärung der Zeichenkodierungen findet sich in unserer Artikelserie »Die Geschichte der Zeichenkodierung«.)

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Der Sonderzeichensalat entsteht nun immer dann, wenn beim Öffnen des Textdokuments von einer anderen Zeichenkodierung ausgegangen wird, als bei der Erstellung benutzt wurde. So findet sich zum Beispiel in der PC-Standardzeichenkodierung CP-1252 das Eszett an Position 223 in der Kodierungstabelle; in der Mac-Standardzeichenkodierung Mac Roman ist es dagegen an Position 167. Ohne entsprechende Konvertierung wird ein so am PC erstelltes Textdokument somit zwangsläufig beim Öffnen am Mac falsch dargestellt.
Wie behebt man den Sonderzeichensalat?
Die Anwendungsprogramme können in der Regel mit einer Vielzahl solcher Zeichenkodierungen umgehen. Das heißt, sie wandeln beim Öffnen des Textdokumentes automatisch die Kodierung des Quelldokumentes in die benutzte Standardkodierung des Zielprogrammes. Damit diese Konvertierung gelingt, muss jedoch das Programm die benutzte Zeichenkodierung des Dokuments kennen! Und genau hier liegt in der Regel das Problem. Denn Dateiformaten wie TXT fehlt schlicht die Information, welche Zeichenkodierung ursprünglich zum Einsatz kam. TXT ist daher als Austauschformat schlicht ungeeignet und sollte weder angefordert noch versandt werden. Im englischen Sprachraum ist es als Austauschformat verbreitet und macht hier viel weniger Probleme, da nahezu allen westlichen Standardkodierungen auf den ASCII-Zeichensatz aufbauen und somit dessen englische Zeichen immer korrekt dargestellt werden. Doch sobald irgendein Zeichen außerhalb des ASCII-Zeichensatzes benutzt werden soll, fangen die Probleme an.
Tipps zum Umgang mit Sonderzeichensalat
RTF statt TXT: Benutzen Sie statt TXT wann immer möglich ein Austauschformat wie RTF (Rich Text Format), das alle gängigen Textprogramme verstehen. Fordern Sie Dateien zukünftig in diesem Format an.
Mit anderen Programm öffnen: Wenn Ihr Standardprogramm (Notepad, Textedit etc.) den zu öffnenden Text falsch darstellt, probieren Sie ein anderes Programm. Viele professionelle Texteditoren verfügen über eine Automatikfunktion, die den Kode analysiert und die benutzte Zeichenkodierung so gegebenenfalls erraten kann.
Manuelles Öffnen mit bestimmter Zeichenkodierung: Versagt die Automatikfunktion können Sie in den meisten Texteditoren auch beim Öffnen die zu verwendende Zeichenkodierung auswählen (siehe Beispielabbildung aus Textedit). Probieren Sie hier einfach gängige Zeichenkodierungen wie Latin1/CP1252, Mac Roman, UTF8, UTF16 aus. Wenn der Sonderzeichensalat verschwindet, haben Sie die richtige Kodierung gefunden.

Achten Sie auch darauf, dass sie die mit falscher Kodierung geöffnete Datei nicht zwischenzeitlich speichern. Sonst bleibt das Müllerstraße dauerhaft im Dokument.
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Auf der jährlichen Konferenz der Association Typographique Internationale (ATypI), die dieses Jahr in Reykjavík stattfand, sprachen Nadine Roßa und Ralf Herrmann über die Besonderheiten des deutschen Eszetts.

Die Präsentation zum großen Eszett kann hier als nachträglich aufgezeichneter Screencast betrachtet werden. Es behandelt die Geschichte des kleinen Eszetts und die heutige Notwendigkeit eines Versal-Eszetts unter Berücksichtigung der typischen Gegenargumente.
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Der Fonteditor RoboFont von Frederik Berlaen füllt die Lücke eines Editors für das UFO-Fontformat, auf dem bereits viele Programme zur Fontbearbeitung aufbauen (z.B. Superpolator, MetricsMachine, Area51 u.a.).

Genau wie Glyphs von Georg Seifert ist RoboFont ausschließlich für Mac-Nutzer verfügbar. Über das UFO-Format arbeitet RoboFont mit anderen UFO-basierten Anwendungen nahtlos zusammen. Außerdem können PostScript-basierte OpenType-Fonts und TrueType-basierte Fonts (per Konvertierung) geöffnet und generiert werden.



Die Bedienung folgt dem klassischen Prinzip eines Fonteditors. Es gibt eine Glyphen-Übersicht sowie einzelne Bearbeitungsfenster für Glyphen, Kerning, Metrik, Klassen und so weiter. Man findet sich also schnell im Programm zurecht. Entsprechenden Fachwissen ist jedoch zwingend nötig, um vollwertige Fonts von Grund auf in RoboFont zu erstellen. Im Gegensatz zu Glyphs hilft das Programm nicht mit vorgefertigten Zeichenbelegungen oder beim Definieren von Unicode-Werten etc. mit. Dies liegt allein in der Hand des Anwenders.




Auch beschränkt sich die Anwendung momentan auf den Designprozess. Funktionen zum manuellen oder automatischen Hinting der Fonts sind aktuell nicht vorgesehen. Wer die Programmiersprache Python beherrscht kann das Programm zudem nach belieben durch eigenen Skripte um einfache oder komplexe neue Funktionen erweitern.

RoboFont erfordert mindestens Mac OS X 10.6.6 und kostet 400,– Euro. Eine Demo-Version ist ebenfalls verfügbar: http://doc.robofont.com/order/
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Sven Neumann hat an der HTW Berlin im Fachbereich Gestaltung in diesem Jahr ein empirische Untersuchung zur Leserlichkeit von von Schrift im öffentlichen Raum durchgeführt. Die durch Prof. Florian Adler betreute Studie basierte in Bezug auf Schriftgrößen und Leseentfernung auf den Vorgaben der Norm DIN 1450 und spiegelt somit reale und empfehlenswerte Bedingungen beim Lesen von Schildern und Texten im öffentlichen Raum wider.
Versuchsbedinungen: Am Test nahmen 106 Personen unterschiedlichsten Alters teil. Die Testpersonen näherte sich in festen Abständen den Schriftmustern an. Bei einer als ausreichend gut empfundenen Lesbarkeit wurden die jeweiligen Leseentfernungen notiert. Vorab wurden Alter und weitere Angaben (Sehhilfe etc.) zu den Probanden erfasst.



Getestet wurden zwei Schriftgrößen mit fiktiven Einzelwörtern sowie ein Fließtext in kurzer Distanz. Da sich die Empfehlungen der aktuell noch gültigen DIN 1450 lediglich auf die Versalhöhe beziehen, wurde eine zweite Versuchsanordnung benutzt, bei der alle Wörter auf die durchschnittliche x-Höhe der benutzten Schriften skaliert wurden.


Dieser Versuchsaufbau hebt sich in zweierlei Hinsicht von vielen wissenschaftlichen Vergleichsstudien zur Leserlichkeit einzelner Schriften ab. Zum einen wurde nicht der typische Fehler begangen, die Schriften lediglich in gleicher Kegelgröße zu setzen. Des weiteren erfolgte der Test mit Wörtern und nicht, wie bei vielen wissenschaftlichen Studien üblich, nur mit Einzelbuchstaben.
Getestet wurden die aufrechten Schnitte der Linotype Frutiger, P22 Johnston Underground, Wayfinding Sans, Arial, DIN1451 Mittelschrift, Franklin Gothic Medium, Futura, Garamond Premier Pro sowie die Swift.

Ergebnisse: Klarer Gewinner der Studie ist die derzeit noch unveröffentlichte Wayfinding Sans von Ralf Herrmann, die in einer Beta-Version getestet wurde. »Im Test konnte die Schrift im Vergleich zu allen anderen Schriften in allen Größen früher gelesen werden« schreibt Sven Neumann in seinem Abschlussbericht. Sie ist nicht nur deutlich früher lesbar als die DIN 1451 Mittelschrift, die auf deutschen Verkehrsschildern benutzt wird, sondern überflügelt sogar die Frutiger, die als die Beschilderungsschrift schlechthin gilt und zum Beispiel der Standard im Bereich Flughafenbeschilderungen ist.



Die Frutiger schneidet aber ansonsten erwartungsgemäß sehr gut ab. Mit ihren klaren Grotesk-Formen schuf Adrian Frutiger mehr oder weniger den Archetypen moderner humanistischer Groteskschriften. Ebenfalls gut schnitt die Johnston Underground ab, an die man nicht unbedingt sofort denkt, wenn es um Beschilderungen geht. Die getestete Version ist eine Digitalisierung von P22. Das Original wurde ursprünglich für die Beschilderung der Londoner Verkehrsbetriebe entwickelt. Der typisch britische Charakter vereint klare geometrische Formen mit humanistischen Zügen, die sich zum Beispiel im zweistöckigen a und dem dreistöckigen g zeigen.
Im Mittelfeld landen Arial, DIN 1451 Mittelschrift und Franklin Gothic Medium. Im Gegensatz zu oben genannten Schriften sind sie statischer und geschlossener und fallen deshalb in diesem Test spürbar zurück. Wenig überraschend ist sicherlich auch, dass die Futura im Test mit identischen Versalhöhen noch schlechter abschneidet. Mit ihrem stark geometrischen Aufbau und der geringen x-Höhe kann sie mit den eher humanistischen Groteskschriften in Bezug auf die Leserlichkeit nicht mithalten.
Die Serifen-Schriften Garamond Premier Pro und Swift erzielen erwartungsgemäß ebenfalls keine guten Ergebnisse, wenn alle Schriften mit gleicher Versalhöhe gesetzt werden. Dies liegt weniger an ihrem generellen Gestaltungsprinzip, sondern neben der geringeren x-Höhe auch an ihrem Duktus. Der im Vergleich zu den Groteskschriften starke Strichstärkenkontrast erfordert optimale Lesebedingungen, wie man sie nur bei Drucksachen in typischen Leseentfernungen vorfindet. Bei einem ungünstigen Verhältnis von Schriftgröße und Leseabstand sind die filigranen Details und Haarlinien nicht klar genug zu erkennen und die Leserlichkeit nimmt spürbar ab.


Da der Versuch einmal mit identischer x-Höhe und einmal mit identischer Versalhöhe durchgeführt wurde, ist einer Vergleich der beiden Ergebnisse natürlich besonders interessant. Die Wayfinding Sans und die Johnston Underground haben mit ihrer x-Höhe zwischen 67 und 69 Prozent das perfekte Mittelmaß gefunden und schneiden in beiden Tests gleichermaßen gut ab. Die Schriften mit kleinerer x-Höhe können nur durch eine deutliche Anhebung des Schriftgrades leserlicher dargestellt werden. Dies führt aber verständlicherweise zu einem sehr hohen vertikalen Platzbedarf, der gerade bei Beschilderungen oft nicht gegeben oder sinnvoll ist. Denn sobald die Ober- und Unterlängen mit anderen Zeilen oder Umrandungen in Konflikt geraten, verschlechtert dies die Leserlichkeit wieder beträchtlich.

Die Schriften mit einer größeren x-Höhe schneiden bei beschränkten vertikalen Platzbedarf wenig überraschend besser ab – allerdings auch nur dann. Spielt der Platz keine Rolle und haben alle Schriften die gleiche x-Höhe schneiden Garamond und Futura erstaunlicherweise sogar besser ab als Frutiger, DIN 1450 und Arial.

Am Beispiel der Schriften (Versalhöhe 49 mm) wird deutlich, dass nicht nur die Schriftart die Leserlichkeit einer Schrift beeinflusst. Der Vergleich der einzelnen Altersgruppen zeigt erwartungsgemäß eine eindeutige Tendenz. So haben die Teilnehmer im Test in der Altersgruppe bis 15 Jahre am besten und die Gruppe über 60 am schlechtesten abgeschnitten. Durchschnittlich gibt es eine Differenz zwischen höchster und niedrigster Leseentfernung von 4,95 Metern.

Ein ausführliches PDF mit der Darstellung aller Ergebnisse kann von der Homepage der HTW Berlin heruntergeladen werden.
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Die Idee des Webfont-Verzeichnisses von Google ist bei den Anwendern von Anfang an auf große Begeisterung gestoßen: kostenlose Webfonts, die man mit nur einer Zeile Kode in jede beliebige Webseite einbinden kann, ohne sich über die vielen Webfont-Formate oder Ladezeiten Gedanken machen zu müssen. Der Service startete 2010 mit nur einer Handvoll Webfonts, ist aber bereits jetzt auf ca. 250 Fonts gewachsen und Google ließ verlauten, das Tempo für weitere Veröffentlichungen nicht zu drosseln.
Aber was schon für die unzähligen Webseiten mit Fonts zum kostenlosen Download gilt, ist auch für die Webfonts von Google leider wahr: Das Gros der Schriften ist optisch oder technisch eher minderwertig. Es finden sich jedoch auch einige wenige Perlen darunter. Hier eine Empfehlung von 10 empfehlenswerten Schriften für die Einbettung in Webseiten.
Abril Fatface
Type Together zählt sicherlich zu einem vielversprechendsten neuen Schriftanbieter der letzten Jahre. Sie bieten hochwertige Schriftentwürfe mit guten Sprachenausbau und waren auch bei der Webfont-Entwicklung als einer der ersten Schriftanbieter mit dabei. Die Abril Fatface wurde gerade neu ins Google Webfont Directory aufgenommen. Dieser Webfont ist Teil einer größeren kommerziellen Schriftfamilie mit 18 Schnitten für Text- und Schaugrößen. Die Fatface ist inspiriert von den Werbepostern des 19. Jahrhunderts in Frankreich und England und eignet sich hervorragend für auffällige, aber zugleich elegante Überschriften. Die Zeichenbelegung bedient mehr als 50 Sprachen.
 
https://fonts.google.com/specimen/Abril+Fatface
Hammersmith One
Very British! Diese Schrift von Nicole Fally steht in unübersehbarer Tradition der Schriftentwürfen von Edward Johnston für die Londoner U-Bahn. Die Hammersmith One wirkt jedoch deutlich verspielter.

https://fonts.google.com/specimen/Hammersmith+One
Droid Sans, Droid Sans Mono und Droid Serif
Viele kostenlose Schriften sind nur als Einzelschnitte für Schaugrößen verfügbar. Ganze Schriftfamilien, die die bewährten Systemschrift-Familien ersetzen können sind jedoch rar. Die Droid-Schriftfamilie erfüllt diesen Wunsch jedoch. Sie wurde ursprünglich von der Ascender Corporation für die Android-Plattform entwickelt und enthält Grotesk-, Antiqua- und Monospaced-Schnitte und ist damit sehr vielseitig einsetzbar.
 
(nicht mehr auf Google Fonts)
Lato
Der aus Warschau stammende Typedesigner Łukasz Dziedzic vor allem bekannt für seine umfassende Schriftfamilie FF Clan. Die Lato entstand ursprünglich für einen Kunden, der es sich aber später anders überlegte. So wurde die Schriftfamilie kurzerhand zur Open-Source-Familie weiterentwickelt und ist nun auch über Googles Webfont-Dienst verfügbar. Ganze 10 Schnitte umfasst die Familie, einschließlich zweier Hairline-Schnitte, die unter Webfonts noch selten sind.
 
https://fonts.google.com/specimen/Lato
Vollkorn
Die »Brotschrift« des deutschen Schriftgestalters Friedrich Althausen lässt sich, wie der Name schon sagt, problemlos als Fließtextschrift einsetzen. Jedoch hat sich auch gerade in Schaugrößen einen ausgesprochenen Charme. Der normale und der kursive Schnitt wirken äußerst elegant, während die fetten Schnitte mit ihren überdurchschnittlich kräftigen Serifen für Aufsehen sorgen.

https://fonts.google.com/specimen/Vollkorn
Ubuntu
Die Ubuntu-Schriftfamilie sorgte bereits vor ihrer Veröffentlichung für Diskussionsstoff. Manch einer empfand ihr Design zu sehr der DTL Prokyon nachempfunden. Wie der Name schon nahe legt, wurde die Schrift für das Betriebssystem Ubuntu entwickelt und zeichnet sich im Zuge dessen durch seinen umfangreichen Sprachausbau aus, der fortlaufend erweitert werden soll. Mit den bislang 8 Schnitten ist sie vielfältig einsetzbar. Ihren modernen Charakter zeigt sie natürlich vor allem in größeren Schriftgraden, aber sie ist auch dem Einsatz im Web in kleinen Schriftgrößen durchaus gewachsen.

https://fonts.google.com/specimen/Ubuntu
Playfair Display
Die elegante Playfair Display des dänischen Designers Claus Eggers Sørensen lehnt sich an Entwürfe von Baskerville, dem Schriftschneider William Martin und an die bekannte Scotch Roman an. Sie ist derzeit nur in einem Schnitt verfügbar. Der Designer sieht seinen Entwurf jedoch als perfekte Display-Ergänzung zur Georgia, die nach wie vor eine beliebte Wahl für Fließtexte auf Webseiten ist.

https://fonts.google.com/specimen/Playfair
UnifrakturMaguntia
Die UnifrakturMaguntia von Typografie.info-Mitglied J. Mach Wust basiert auf Bertholds Mainzer Fraktur, die ihrerseits auf einer Schrift von Carl Albert Fahrenwaldt aus dem Jahr 1901 basiert. Trotz des alten Fraktur-Charmes ist die Schrift kein altes oder lediglich eine der unzähligen minderwertigen Fraktur-Digitalisierungen, die man überall im Netz findet. Sie unterstützt verschiedenste Smartfont-Technologien wie OpenType, AAT und SIL Graphite, um den heutigen Anwendern einen einfachen Zugang zu den vielfältigen Ligaturen des Fraktursatzes zu bieten.

https://fonts.google.com/specimen/UnifrakturMaguntia
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Wenn man in InDesign ein neues Dokument anlegt und grundlegende Textformatierungen vornimmt, ist dies mit jeder Menge Mausgeklicke in der Zeichen- und Absatzpalette sowie den zahlreichen Unterpunkten und -menüs verbunden. Es sei denn, man kennt die Tastaturkürzel, mit denen alle wesentlichen Textformatierungen schnell und leicht von der Hand gehen. Man muss sich zwar erst einmal an die Kürzel gewöhnen, aber sind sie einmal in Fleisch und Blut übergegangen, will man diese Arbeitsweise nicht mehr missen. Hier ein Video mit 10 nützlichen typografischen Tastaturkürzeln für Adobe InDesign mit deutscher Tastaturbelegung.


Typografische Tastaturkürzel für Adobe InDesign from Ralf Herrmann on Vimeo.

Das Video zeigt die Tastaturkürzel für das Mac OS. Unter Windows bitte einfach statt   ⌘   die   STRG  -Taste und für   ⌥   die   Alt  -Taste benutzen.

Diese und weitere Tastaturkürzel für Adobe InDesign haben wir in einem übersichtlichen PDF zum Herunterladen und Ausdrucken zusammengestellt.
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Aus rein typografischer Sicht ist die Sache ganz einfach: mehrere Fonts mit zusammengehöriger Gestaltung nennt man eine Schriftfamilie und die einzelnen Vertreter dieser Familie heißen Schriftschnitte. Die Schriftfamilie Georgia ist zum Beispiel in den Schnitten regular, italic, bold und bold italic verfügbar.
In der digitalen Welt des Computers ist es nicht immer ganz so einfach. Eine Font-Datei hat mehr als ein Dutzend Parameter, die der Benennung des Fonts dienen. Was die Betriebssysteme und Anwendungsprogramme daraus machen, kann sehr unterschiedlich sein und führt bei den Anwendern nicht selten zu Verwirrungen. In manchen Programmen scheinen bestimmte Schriftschnitte schlicht zu fehlen oder sind völlig anders benannt. Und was bedeuten eigentlich alle diese kryptischen Abkürzungen in einem Schriftnamen? Nachfolgend einige Tipps und Erläuterungen zu diesem Thema.
Die Schriftmenüs
Einzelne Schriftschnitte sind heute in der Regel als einzelne Dateien (»Fonts«) auf dem Computer abgelegt. Das Betriebssystem und die Anwendungsprogramme gruppieren die einzelnen Fonts meist über den Familiennamen. Der Name ist im Font selbst abgelegt. Der Dateiname ist unerheblich und Änderungen an diesem wirken sich auch nicht auf die Anwendung und Anzeige des Fonts und dessen Namen aus.
Ist der Familienname verschiedener Schriftschnitte identisch, zeigt das Programm im Schriftmenü eine zusammengehörige Schriftfamilie (z.B. Georgia) und bietet dafür über Button oder ein separates Menü die einzelnen Schnitte dieser Familie (z.B. regular und italic) zur Auswahl an. Doch diese unterschiedlichen Ansätze (Button oder Menü) sorgen seit jeher für Verwirrung. Microsoft-Programme wie Word, Excel etc. haben im Office-Bereich einen Standard gesetzt und die Anwender schätz(t)en die einfache Möglichkeit mit einem Knopfdruck jede Schrift fett oder schräg dargestellt zu lassen, egal ob diese Schriftfamilie tatsächlich über diese Schriftschnitte verfügte oder ob diese vom Programm künstlich errechnet wurden.
Das Konzept dieser Benutzerschnittstelle hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: in Programmen wie Word kann eine Schriftfamilie lediglich aus vier Schriftschnitten bestehen, da die Auswahl über die Button »fett« und »kursiv« lediglich vier Zustände ermöglicht. (Regular, italic, bold, bold italic)
Für die typischen Systemschriften Anfang der 1990er Jahre war dies völlig ausreichend und zweckmäßig. Hat eine Schriftfamilie jedoch weitere Schnitte wie etwa light, semibold und so weiter, wären diese in Programmen wie Word schlicht nicht verfügbar.
Anders sieht es in typischen Design-Programmen und den meisten Mac-Anwendungen aus. Hier wählt man erst die Schriftfamilie und anschließend über ein weiteres (Unter-)Menü den Schriftschnitt. So sind beliebig viele Schnitte einer Schriftfamilie zuordenbar.

Beispiel: Eine Schrift, drei unterschiedliche Schriftmenüs.
Links oben: CorelDRAW unter Windows – manche Schnitte sind nur über die Button für fett und kursiv verfügbar
rechts: Adobe InDesign – alle Schnitte sind nach Strichstärke und Weite geordnet in einem Untermenü verfügbar
links unten: Macromedia Freehand – alle Schnitte tauchen als eigener Menüpunkt auf. Die Namen der Schriftschnitte erscheinen teilweise nur in Kurzform wie »it« für italic

Diese unterschiedlichen Ansätze stellen die Hersteller von Schriften vor ein Problem, sobald eine Schriftfamilie mehr als vier Schnitte besitzt. Möchte man die Schrift in Design-Programmen richtig gruppiert sehen, fehlen in Office-Programmen bestimmte Schnitte. Richtet man sich nach der Beschränkung der Office-Programme, können in den Design-Programmen nicht alle Schnitte einer Familie gruppiert werden. Diesem Problem lässt sich auf verschiedene Arten begegnen und unterschiedliche Hersteller machen von unterschiedlichen Methoden gebrauch.
Die Holzhammer-Methode: Jegliche Probleme vermeidet man bei der Fonterstellung, wenn man die Gruppierung einfach generell unterbindet. Dazu übernimmt man den Namen des Schriftschnittes in den Familiennamen und erzeugt somit für jeden Schriftschnitt eine eigene Familie mit nur einem Mitglied. Für das Anwendungsprogramm sind die Schriften wegen des unterschiedlichen Familien-Namens nicht mehr zusammengehörig und alle Schnitte werden einzeln im Schrift-Menü aufgelistet. Nachteil dieser Methode ist vor allem das unnötig lange Schriftmenü, das dadurch entsteht.
Stilverlinkte Unterfamilien: Die etwas elegantere Variante, die von den meisten kommerziellen Schriftanbietern angewendet wird, funktioniert folgendermaßen: Man passt sich der Beschränkung der Office-Programme an, indem man größere Schriftfamilien in Unterfamilien von maximal vier Mitgliedern aufspaltet. Die Unterfamilien verhalten sich dann Office-konform und die Schriftschnitte der Unterfamilie sind über ein Schriftschnittmenü oder über die Button für fett und kursiv erreichbar. Man nennt dies Stilverlinkung (Style linking).
Diese Technik hat jedoch auch Nachteile: Die Schriftschnitte der Familie sind dann nicht mehr in einer, sondern in mehreren Familien gruppiert. Zudem erzeugt die Benutzung der Button für Fett und Kursiv einen nicht gerade intuitiven Zugriff auf bestimmte Schnitte. Um zum Beispiel den Schnitt semibold der Myriad Pro zu erreichen, muss man die Familie Myriad Pro Light auswählen und auf den Fett-Button klicken.
Welche dieser Methoden benutzt wird kann von Schrift zu Schrift unterschiedlich sein. Die Schrifthersteller richten sich hier vor allem nach der jeweiligen Hauptzielgruppe. Schriften, die speziell für den Office-Bereich geschaffen wurden, sind mit großer Wahrscheinlichkeit stilverlinkt und auf Unterfamilien aufgeteilt. Manche Hersteller (wie zum Beispiel Linotype) bieten sogar teilweise die Wahl, ob man eine Variante mit (Family) oder ohne (Single) Stilverlinkung installieren möchte.
Die beste Variante aus Anwendersicht ist die Kombination aus beiden. Bei solchen Schriften taucht eine Schriftfamilie in Design-Anwendungen als eine Familie auf, in älteren Office-Anwendungen jedoch in Unterfamilien. Als Anwender muss man sich dieser unterschiedlichen Anzeigen jedoch bewusst sein, damit man sich nicht über vermeintlich fehlende Schnitte wundert.

Abkürzungen in Schriftnamen
Zeichenbelegung
Die früheren Type-1-Schriften verfügten durch das Format bedingt nur über einen beschränkten Zeichensatz. Mit der Umstellung auf das OpenType-Format haben die Hersteller begonnen, durch Abkürzungen im Schriftnamen auf einen bestimmten Zeichenvorrat hinzuweisen. Diese Abkürzungen sind jedoch nicht herstellerübergreifend standardisiert. Typisch sind folgende Abkürzungen:
STD: Diese Abkürzung weist auf eine einfache Standard-Belegung (zum Beispiel 256 Zeichen wie bei PostScript Type 1) hin. Bei lateinischen Schriften werden somit die wichtigsten westeuropäisch Sprachen unterstützt.
PRO: Weist auf einen über STD hinaus gehenden Zeichensatz hin. Die Belegung unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Neben den westeuropäischen Sprachen ist hier in der Regel eine Unterstützung für zentraleuropäische Sprachen (Tschechisch, Polnisch etc.) und gegebenenfalls griechisch, kyrillisch etc. gegeben
PLUS: Eine Bezeichnung bei URW++ für ost- und westeuropäische Belegungen
COM: Eine Bezeichnung bei Linotype für Office-optimierte Fonts (TrueType-basiert) mit der Zeichenbelegung Linotype Extended European Characterset
OFFC: Eine Bezeichnung bei FontFont für Office-optimierte Fonts (TrueType-basiert). Ein erweiterter Zeichensatz ist mit Offc Pro benannt.
WGL4/W1G: Die Windows Glyph List 4 ist ein von Microsoft definierter Zeichensatz und enthält 652 Zeichen. Er beinhaltet alle Zeichen aus den standardisierten Microsoft-Zeichensätzen für Mitteleuropa, Kyrillisch, Westlich, Griechisch, Türkisch sowie die Zeichen der MS-DOS-CP437.
W2G: Eine Bezeichnung bei Linotype mit mindestens 890 Zeichen für die internationale Kommunikation
WEB: Ein spezielles Webfont-Paket, dass zur Einbindung auf Webseiten per @font-face geeignet ist und in dem verschiedene Fontformate wie WOFF und EOT enthalten sind.
Schriftanbieter-Kürze
Die wichtigsten Hersteller im Überblick. 
BT Bitstream
BE Berthold
BQ Berthold (Quality)
DTL Dutch Type Library
EF Elsner + Flake
FB The Font Bureau
FF FontFont (FSI FontShop International)
GST Georg Salden Type
HTF Hoefler Type Foundry
LT Linotype
MS Microsoft
MT Monotype
PMN Peter Matthias Noordzij
PTF Porchez Typofonderie
ST Storm Type Foundry
TEFF The Enschede Type Foundry
Schriftschnitt-Abkürzungen
Alt Alternate
Bd Bold
Bk Book
Blk Black
Cd, Con, Cond, Cn Condensed
CE Central European
Col Column
Cp Caps
D Display
Ex Extra…
Exp Expert-Font
Ext Extended
Hor Horizontal
Hv Heavy
It Italic
LF Lining Figures (Versalziffern)
Lig Ligature
Lt Light
MC Mid Caps
Med, Md Medium
MM Multiple Master
Mono Monospaced
Neg Negative
Nm Normal
Num Numbers
Obl Oblique
OSF Old Style Figures (Mediävalziffern)
Oul Outline
Pos Positive
QC Quarter Caps
Reg, Rg Regular
Rm, Rmn Roman
Rnd Rounded
SC Small Caps (Kapitälchen)
Scr Script
Sb Semibold
T Text
TF Tabular Figures (Tabellensatz-Ziffern)
U Ultra…
Vert Vertical
X Extra…
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Die Schaffung eines Großbuchstaben-Eszetts erscheint manch einem heute als eine seltsame oder gar aberwitzige Idee. Den Skeptikern ist dabei allerdings meist nicht bewusst, dass dieser Prozess im deutschen Alphabet schon einmal genau so stattgefunden hat. Und wie eine Recherche in Google Books optisch eindrucksvoll belegt, ist dies noch gar nicht lange her.
Wie vielen bekannt ist, sind die Umlaute historisch dadurch entstanden, dass man in gebrochenen Schriften das e vermehrt über statt hinter die Vokale a, o und u schrieb. (siehe auch: Überkewl, Umlaute in Übersee)
Diese Schreibung war allerdings über sehr lange Zeit eine reine Kleinbuchstabenform. Erschien der Umlaut am Wortanfang, wurde er weiterhin in seine ursprünglichen Bestandteile (Aa/Oe/Ue) zerlegt – auch in ein und derselben Drucksache. Nachfolgend ein Beispiel aus dem Teutschen Merkur von 1774.


Wann also kam es zur Bildung der uns heute vertrauten Großbuchstaben-Umlaute? Googles so genannter Ngram Viewer ermöglicht die gezielte Recherche nach bestimmten Wörtern, Phrasen und Schreibungen im riesigen gescannten Buchbestand von Google Books. Auf diese Weise lässt sich leicht überprüfen, zu welcher Zeit man noch Aepfel und ab wann man Äpfel schrieb. Hier eine Beispielsuche nach einem Satzanfang mit »Über« beziehungsweise »Ueber«:


Das Ergebnis ist auch bei verschiedenen Suchbegriffen eindeutig. Um 1900 erfolgte der Umschwung – die Großbuchstaben-Umlaute waren geboren und die getrennte Schreibung ging schlagartig zurück. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig. 1903 wurden die Beschlüsse einer Kommission der Buchdruckerei- und Schriftgießereibesitzer in der Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker (Nr. 27) veröffentlicht. Darin heißt es:
 Heute erscheint es uns selbstverständlich, dass zu jedem Kleinbuchstaben-Umlaut auch ein entsprechender Großbuchstabe existiert. Doch es ist kaum mehr als 100 Jahre her, dass diese Schreibung üblich wurde. Wenn man der Meinung ist, dass Herr Müller auch in Versalien Herr MÜLLER und nicht Herr MUELLER heißen soll, dann muss man sich zwangsläufig auch mit dem Gedanken anfreunden, dass auch Herr Meißner eine unveränderte und eindeutige Schreibung in Versalien verdient. Der einzige Unterschied zwischen den Versal-Umlauten und dem Versal-Eszett ist, dass erstere ihre Übergangsphase zur allgemeinen Verbreitung bereits hinter sich haben – die des Versal-Eszetts aber gerade erst beginnt.
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Besonders bei der Schreibung von Eigennamen machte das lange Zeit fehlende Großbuchstabenpendant zum ß stets große Probleme. Während man sich bei der Versalschreibung von STRASSE zumindest noch die zugehörige gemischte Schreibung denken kann, ist bei MEISSNER völlig unklar, ob es sich hier um Herrn Meißner oder Herrn Meissner handeln. (siehe auch Warum man ein großes Eszett benötigt)

Bezüglich der Schreibung geografischer Eigennamen bezog der »Ständige Ausschuss für geographische Namen« (StAGN) nun erstmals klare Stellung für das große Eszett. In der jüngsten Ausgabe der »Empfehlungen und Hinweise für die Schreibweise geographischer Namen«, herausgegeben von Geschäftsstelle des StAGN im Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, wird das große Eszett zum Standard in Versalschreibweise erhoben. Die Ersetzung durch SS wird lediglich als Übergangslösung akzeptiert, solange die benutzten Fonts noch über kein integriertes Versaleszett verfügen. Damit erhält die Anwendung des Versaleszetts zum ersten Mal ihren Segen von staatlicher Seite.
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Die softwarebasierte Produktion von Schriften am Rechner hat die Arbeit von Typedesignern um einiges einfacher gemacht als zu Zeiten dem Blei- und Fotosatzes. Da Fonteditoren jedoch ein klares Nischenprodukt sind, müssen die Benutzer hier in Sachen Komfort und Bedienbarkeit oft Abstriche machen. Die bekannten Fonteditoren wie Fontographer und FontLab Studio haben ihre Wurzeln in den 1990er Jahren – und so sehen die Programme auch leider bis heute aus. Gerade Mac-Benutzer, die eine intuitive Benutzung in systemnaher Optik gewohnt sind, hatten bislang mit den häufig fehleranfälligen, von PC auf Mac portierten Programmen wenig Freude.

Dies fand auch Georg Seifert. Nach der Fertigstellung seiner beliebten Schriftfamilie Graublau Sans Pro wurde der Fonteditor Glyphs zu seinem neuen Lieblings- und Forschungsprojekt. Zunächst stand die Entwicklung eines kommerziellen Fonteditores gar nicht im Fokus der Arbeit. Es ging vielmehr darum, zu zeigen, wie ein nativer Fonteditor für Mac OS X aussehen könne und welche neuen Wege man in Sachen Bedienbarkeit in diesem Bereich gehen kann.



Glyphs versucht daher gar nicht erst, die Benutzung der klassischen Fonteditoren mit ihren unzähligen Einzelfenstern und Einstellmöglichkeiten zu kopieren. Die Oberfläche erscheint aufgeräumt und in üblicher Mac-Optik mit Seitenleiste, Reitern für einzelne Elemente und zusammengefassten schwebenden Paletten. Die Ähnlichkeit zu Mac-typischen Programmen wie iTunes ist alles andere als ein Zufall.

In Zeiten von OpenType und Unicode ist die Erstellung von Fonts heute wesentlich komplexer geworden, als es noch zu Zeiten von PostScript-Type1-Fonts in den 1980er und 1990er Jahren der Fall war. Glyphs versucht, soweit dies möglich ist, den Benutzer gar nicht erst mit dieser komplexen Technik zu belasten und sie selbstständig im Hintergrund zu erledigen. Funktionen, wie das Erstellen von Standard-OpenType-Features und Akzenten auf Basis der benutzten Zeichen erledigt das Programm völlig selbstständig.



Darüber hinaus bietet der Fonteditor Glyphs viele hilfreiche Verbesserungen, die es so in anderen Fonteditoren nicht gibt. So existiert zum Beispiel keine strikte Trennung zwischen der Bearbeitungen von Buchstaben-Umrissen, Kerning und der Textvorschau. Alles lässt sich intuitiv in einem Fenster und im Kontext von eigenen Mustertexten bearbeiten und begutachten. Eine Ebenenfunktion ermöglicht es, beliebige Varianten der Zeichen parat zu halten und zwischen ihnen zu wechseln.
Trotz der einfachen Oberfläche bietet das Programm auch viele Profi-Features wie Multiple Master, Unterstützung für linksläufige Schriften, UFO- und Photofont-Export und externe Python- und Cocoa-Skripte.

Einen kurzen Einblick bieten diese Videos:
http://vimeo.com/23885221
http://vimeo.com/23885201

Weitere Informationen finden sich auf der Seite: http://glyphsapp.com
Eine Testversion steht zum kostenfreien Download bereit.
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Wir wissen wenig von Armenien. Als ich vor zwei Jahren eine Reise in die armenische Hauptstadt Jerewan plante, musste ich die Frage nach dem Warum immer wieder beantworten. Armenien? Und wo ist das nochmal genau? (Ich wusste das anfangs auch nicht.) Meine Freunde schienen recht ratlos nach einem Grund dafür zu suchen, genau dort seinen Urlaub verbringen zu wollen. Was wissen wir von Armenien: Völkermord und Vertreibung? Krieg in Bergkarabach? Die sowjetische Vergangenheit und die Radio-Eriwan-Witze? System of a Down? Und sonst?
Ich entdeckte in Armenien viel, auch Unerwartetes. Da sind weite Landschaften mit kahlen Bergen, auf denen wie eingewurzelt jahrtausendalte Klöster stehen mit schweren Säulen aus schwarzem Stein. Da sind gastfreundliche Menschen, warmherzig und stolz zugleich, die eine kantig weiche Sprache sprechen; da ist viel Licht, viel Wärme und Musik, die melancholisch ist und tröstlich zugleich; Grillfleisch und Maulbeeren und unglaublich süßes Obst.
Und da war der Mönch, der seinem Volk ein Alphabet erfand. Sein Name war Mesrop Mashtots.
Wer durch Jerewan geht, dem sticht der imposante Bau am obersten Ende der breiten Mashtots-Straße ins Auge. Der ist weder ein Regierungsgebäude noch der Hauptsitz einer Bank, wie ich zunächst vermutete, sondern der »Matenadaran« – das zentrale Handschriftenarchiv, Studienzentrum für alte Schriften und eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Armeniens. Zehntausende Manuskripte, Dokumente, Fragmente ab dem 5. Jahrhundert werden hier aufbewahrt; seit 1997 zählt der Bestand zum Weltdokumentenerbe der Unesco. Ein kleiner Teil davon ist öffentlich zu besichtigen und zieht jedes Jahr über 50'000 Besucher an. Und draußen vor diesen heiligen Hallen der Buchstaben sitzt ein steinerner Mesrop Mashtots und lehrt seinen Schüler Koryun das armenische Alphabet, sein Werk, das er zu Beginn des 5. Jahrhunderts schuf.


(Abbildungen: Mesrop Mashtots, Skulptur vor dem Matenadaran; Foto: GuggiePrg/Wikimedia Commons | Museum im Jerewaner Matenadaran; Foto: Typographische Gesellschaft München)

»A und B« und 36 andere Zeichen
Heute umfasst das armenische »Ayb-u-Ben« (»A-und-B«) 38 Zeichen jeweils als Versal- und Minuskelform. 36 davon gehen in der Versalform auf Mesrop Mashtots zurück, die Minuskeln und die beiden letzten Zeichen wurden im Mittelalter hinzugefügt. Was an der Transkription irritieren mag, sind die scheinbaren phonetischen Überschneidungen; so gibt es etwa drei Zeichen für Laute, die wir im Deutschen allesamt mit dem Buchstaben »e« wiedergeben würden, es gibt zwei »t«, zwei »k«, drei »r«-artige Laute und eine geradezu beeindruckende Häufung von Zischlauten. In der armenischen Sprache aber sind die feinen, für uns teils nur schwer hörbaren Unterschiede zwischen den Phonemen, für welche diese Zeichen jeweils stehen, semantisch relevant. Dies lässt erahnen, wie präzise das armenische Alphabet die Sprache, für die es gestaltet wurde, phonetisch abzubilden vermag.

Armenisches Alphabet in der deutschen Transkription für Ostarmenisch, wie es heute in Armenien gesprochen wird. (Vgl. Wikipedia)

Das armenische Alphabet ist eines der wenigen weltweit, das gezielt »erfunden« wurde; sein Schöpfer wird noch heute als Heiliger verehrt. Mesrop Mashtots' einheitliches armenisches Alphabet löste mehrere zuvor verwendete Keilschriften ab und ermöglichte die nachhaltige Verbreitung der Heiligen Schriften unter den Armeniern (deren Land bereits 301 n. Chr. als erstes überhaupt das Christentum als Staatsreligion angenommen hatte). Auch war mit dem eigenen »Aybuben« eine fruchtbare Basis gelegt für die Entwicklung einer reichen Kulturgeschichte mit einer der ältesten Nationalliteraturen der Welt.
Damit ist das armenische Alphabet zu einem zentralen Ankerpunkt geworden für die armenische Identität. Im übertragenen Sinne stehen diese 38 Zeichen auch für die Identifikation der Armenier mit ihrer alten Kultur, die dieses kleine, oft unterdrückte Volk mit berührender Bestimmtheit lebt und liebt. Und die Leidenschaft der Armenier für ihr Alphabet ist schwer zu übersehen. Schon die Wände vieler alter Kirchen sind über und über von kunstvoll gemeißelten oder gemalten Schriftzeichen bedeckt. Die Kapelle von Oshakan, in deren Krypta Mesrop Mashtots begraben liegt, ist mit ihrem Alphabetfenster und den kunstvoll verzierten Buchstabenskulpturen ein beliebtes Ausflugsziel. Man hängt sich dekorative Alphabete an die Wand (und verkauft sie in Stein gekerbt, in Stoff gefärbt, auf Leder gemalt, in Teppiche gewebt auch an Touristen), und irgendwo in der weiten Landschaft wurden unlängst 38 über mannshohe Steinlettern errichtet, zur Feier des 1600-jährigen Geburtstags des armenischen Alphabets.

Mit Schriftzeichen bedeckte Wand in der Klosterkirche Gandzasar, Bergkarabach. (Foto Nina Stössinger
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Kunstvoll verzierter Steinbuchstabe in Oshakan, Armenien. (Foto Nina Stössinger)

Steinskulpturen im »Alphabet Park« bei Artashavan, Armenien. (Foto Nina Stössinger)

Souvenir aus Armenien: gemaltes Alphabet auf Kalbsleder, zum Aufhängen. (Sammlung Nina Stössinger)

Von Experimentierfreude und Aufholbedarf
Mich erfasste in Armenien eine beinahe ehrfürchtige Faszination für diese strengen, schlichten, fremden Formen, die in den unterschiedlichsten Anwendungen mit so viel Aufmerksamkeit inszeniert werden. Vor allem in »klassischen« Disziplinen wie Kalligrafie, Schriftenmalerei und Steinbildhauerei werden die reiche Vielfalt und künstlerische Eigenständigkeit armenischer Schriftkultur noch immer lebhaft spürbar.
»Im Prinzip ja, aber …«, würde Radio Eriwan andererseits wohl zu recht auf die Frage antworten, ob es denn heute schon genügend digitale Fonts fürs Armenische gebe. Vor allem nach der Loslösung Armeniens von der Sowjetunion 1991 drängte die digitale Schriftproduktion voran; zunächst wurden vor allem eifrig armenische Pendants zu gängigen lateinischen Typen sowie eine Anzahl von Gebrauchsschriften erstellt. Viele dieser heute erhältlichen Fonts sind stark geprägt von den lateinischen Formen, denen sie zur Seite gestellt wurden. Eigenständige, »original« armenische Schriftkreationen sind dagegen noch eher rar, und die eigene Experimentierfreude, mit der hier in vordigitaler Zeit Zier- und Auszeichnungsalphabete gezeichnet wurden, beginnt erst ganz allmählich auch in der Welt der digitalen Schriftgestaltung Fuß zu fassen.

Aktuelles Beispiel armenischer Steinmetzkunst. (Foto: Hrant Papazian)

Zwei fantasievolle vordigitale Alphabete aus Fred Afrikyans Musterbuch »Tarrarwest« (»Buchstaben-Kunst«), 1984.
So wundervoll es einerseits ist, ein eigens gestaltetes Alphabet zu haben, das so genau auf die Sprache passt: Auf der anderen Seite ist es für das armenische »Minderheitenalphabet« mit weltweit weniger als zehn Millionen Nutzern nicht leicht, im Zuge der schrifttechnischen Globalisierung weder unterzugehen noch gedankenlos mitgerissen zu werden. Im Armenischen scheint die Gefahr fast noch größer zu sein als in strukturell andersartigeren Alphabeten (wie etwa dem arabischen), dass seine Buchstaben als bloße Variationen lateinischer Grundformen interpretiert werden: Sie scheinen diesen ja hinreichend ähnlich zu sein … Armenisch wird wie Lateinisch in unverbundenen Groß- und Kleinbuchstaben von links nach rechts geschrieben; und die Formsprache wirkt zumindest teilweise vertraut, erinnert doch das armenische kleine »a« an ein doppeltes »u« oder ein umgedrehtes »m«; das armenische scharfe »s« ähnelt unserem »u«, das »o« einem »n« und so weiter. Solche oberflächlichen Ähnlichkeiten sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier um ein grundsätzlich anderes, eigenständiges Alphabet handelt. Dessen ungeachtet wurden auch manche armenischen Buchstaben, deren Formen in den alten Handschriften nur wenig mit ihren lateinischen Pendants gemein hatten, diesen durch die Jahrhunderte zunehmend angeglichen. Allgemein lässt sich beobachten, dass einige traditionelle, aber »unlateinische« Schriftmerkmale zunehmend verschwanden: so etwa die leichte Vorwärtsneigung vor allem der Minuskeln, die auffallend kleine Mittellänge oder auch seitlich ausladende, ineinander verschachtelte Ober- und Unterlängen (im Bleisatz halt auch wenig praktikabel).

Ausformungen des armenischen kleinen »h« durch die Schriftgeschichte. Links alte handschriftliche und frühe typografische Formen; nach rechts zunehmende Orientierung an der entsprechenden lateinischen Form. (Grafik: Hrant Papazian)

Von neuem Interesse und neuen Plattformen
Mittlerweile liegen nun armenische Versionen von Helvetica, Times, Cooper Black und Konsorten vor. Und jenseits von diesem »Pflichtprogramm« hat sich gerade in den letzten Jahren einiges an Neuem bewegt im armenischen Schriftschaffen. Von einer jungen Generation digital und international denkender Typedesigner, die unter der Flagge von OpenType den nichtlateinischen Schriften allgemein neues Interesse schenkt, hat auch die armenische Schriftgestaltung frische Impulse erhalten; nicht zuletzt aus der Diaspora und selbst von Nichtarmeniern. Und die armenische und armenophile Typoszene hat Initiativen gestartet, um die armenische Schrift bekannter zu machen, Gestalter dafür zu interessieren und zu sensibilisieren sowie den Austausch unter Gestaltern armenischer Fonts zu fördern. Zentral ist hierbei der internationale Schriftwettbewerb Granshan, 2008 von Armeniens wohl umtriebigstem Typedesigner Edik Ghabuzyan mit dem armenischen Kultusministerium initiiert. 2010 gelang ein belebender Brückenschlag zwischen der armenischen und der westlichen Typoszene, als die Typographische Gesellschaft München (die 2009 eine Studienreise nach Armenien durchgeführt hatte) mit großem Engagement vor allem ihres 1. Vorsitzenden Boris Kochan in die Ausrichtung des »Granshan« mit einstieg. Ebenfalls 2010 beendete ein großer, zweiteiliger Artikel zur »Story of the Armenian Alphabet« von Carolyn Puzzovio (die oft als eine Botschafterin armenischer Schrift im Westen bezeichnet wird) ein jahrzehntelanges Schweigen zu diesem Thema im Journal »Baseline«, und an der Dubliner ATypI-Konferenz im selben Jahr standen gleich mehrere Beiträge zum armenischen Schriftschaffen auf dem Programm, die auf reges Interesse stießen. 2012 steht nun ein besonders wichtiges Jahr bevor: Dann nämlich feiert Armenien den fünfhundertsten Jahrestag des ersten armenisch gedruckten Buches; für das gleiche Jahr hat die Unesco Jerewan zur Weltstadt des Buches ernannt – und Edik Ghabuzyan hat sogar eine Initiative angeschoben, die ATypI-Konferenz 2012 in Jerewan stattfinden zu lassen!

Insgesamt ist also eine eigentliche neue Welle von internationalem Interesse an der armenischen Schriftgestaltung ausgelöst worden. Sie hat aber auch deutlich gemacht, wie wenig Information hierzu bisher verfügbar war (gerade online, gerade auch auf Englisch). Vor diesem Hintergrund trat der engagierte armenische Schriftgestalter und Konzepter Hrant Papazian – mit dem ich zu diesem Zeitpunkt schon intensiv an der lateinisch-armenischen Schriftfamilie Ernestine&Vem zusammenarbeitete – im Spätsommer 2010 auf mich zu mit der Idee, ein »Schriftportal« aufzubauen: eine Website, die Typedesignern eine spezialisierte Plattform bieten und zugleich Neulingen, auch Nichtarmeniern, einen Zugang zur Welt des »Aybuben« eröffnen könnte. Je länger ich über die Idee nachdachte, desto zwingender schien sie mir. Jemand müsste, jemand würde so etwas bauen – und wieso nicht wir?
Die nächsten Wochen standen im Zeichen des heftigen Konzeptens und Produzierens. Basierend auf einer Wordpress-Installation baute ich die Site auf, gestaltete das Interface aus, überlegte an Inhaltsstrukturen herum. Hrant schrieb Texte, warb Mitstreiter an, machte Werbung, organisierte eine Launch-Party. Das Ganze koordinierten wir per Email; über 400 Mails waren es allein in der letzten Woche vor dem Launch, und pünktlich zum armenischen »Tag der Heiligen Übersetzer«, am 9. Oktober 2010, schalteten wir unsere Website auf: Armenotype.com.
Armenotype ist eine nichtkommerzielle, kulturell orientierte Plattform, die Berichte, Bilder, Interviews und Nachrichten bietet und Impulse zu konstruktivem Diskurs geben will. Die Site stellt armenische Schriften vor (bisher zum Beispiel die Calouste von Miguel Sousa) und Schriftgestalter (zum Beispiel Khajag Apelian), berichtet über Hintergründe und aktuelle Ereignisse. Das internationale Interesse, auf das die Site sofort stieß, war beeindruckend. Die Nachricht vom Launch verbreitete sich auf dem Netz sehr rasch, Onlinequellen von der armenischen News-Site Asbarez bis zum Ministry of Type berichteten, der Launch wurde live vom Diaspora-Sender Horizon TV in Los Angeles begleitet und Hrant zu einem Fernsehinterview eingeladen. Offenbar hatten wir wirklich einen Nerv getroffen.

Während der Veröffentlichungsfeier von Armenotype in Glendale (LA) diskutiert Hrant Papazian mit interessierten Gästen

Hrant Papazian im Fernsehinterview zum Start von Armenotype am 9. 10. 2010, Horizon TV, Los Angeles

Da das Zielpublikum hauptsächlich aus internationalen Interessenten besteht, sind die Inhalte zumeist auf Englisch, teils auch auf Armenisch abgefasst (optional mit Übersetzung). Ziel ist auch, unterschiedliche Autoren zu engagieren, um möglichst mehrstimmig die Vielfalt armenischen Schriftschaffens zu dokumentieren und zu diskutieren. Dennoch sind es nach wie vor vier Schultern, auf denen die Site letztlich ruht: die von Hrant Papazian (Konzeption und Redaktion) und mir (Design und Technik), und anstatt unsere Kapazitäten damit zu überlasten, die Site laufend am Köcheln zu halten, sammeln wir unsere Kräfte und setzen auf »schubweises« In-Gang-Setzen. Die nächsten Artikel und auch neue Autoren sind in der Pipeline …
Es ist ein Nischengebiet, das wir bespielen, aber ein reiches und spannendes, das immer wieder auch Außenstehende zu begeistern vermag – wie auch mich die Vielfalt der armenischen Zeichen auf meiner Armenienreise mitriss. Und ich bin glücklich darüber, dass Armenotype schon in der kurzen Zeit seines Bestehens vielen Menschen einen Eindruck von der armenischen Schriftkultur und auch eine Freude daran hat vermitteln können, die sich zuvor nie damit beschäftigt hatten. Meine Hoffnung ist, dass die Website weiterhin ihren Teil dazu beitragen kann, das Schaffen in der kleinen, reichen Welt der armenischen Schriften weiter zu beleben und die Faszination des »Aybuben« auch nach außen weiterzuvermitteln – aufs große Jahr 2012 hin und darüber hinaus.

Zugehörige Links:
Armenotype.com
Nina Stössinger Multimedia & Grafik
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Der weltweite Austausch von Daten gewinnt zunehmend an Bedeutung. Unterschiedliche Computer-Plattformen, Programmiersprachen und Datenbanksysteme verlangen nach einem einheitlichen Kodierungsstandard zum Datenaustausch.
Die frühere Beschränkung auf eine Kodierung mit 8 Bit (siehe Teil 2 der Artikelserie) kann diese Forderung nicht erfüllen, da die damit möglichen 256 Zeichen lediglich ausreichen, um einzelne Sprachsysteme abzubilden. Das Mischen beliebiger Sprachen ist damit nicht möglich. Es ist natürlich auch mit 8-Bit-Fonts und -kodierungen denkbar, einen Text zu erstellen, der zum Beispiel russische und griechische Textabschnitte enthält. Diese müssen dazu lediglich mit entsprechenden Fonts (zum Beispiel Helvetica Cyrillic und Helvetica Greek) formatiert werden. In den 1990er Jahren war dies mit den damaligen PostScript-Type1-Fonts gängige Praxis. Doch auch dies kann nur eine Notlösung sein. Denn im Dokument bedienen sich dann zwangsläufig beide Sprachen der gleichen Binärkodes – eine eindeutige Zuordnung eines Kodes zu einem Zeichen ist nicht gegeben. Schon das Öffnen des Dokuments in einer anderen Schriftart würde die Inhalte für den Empfänger unbrauchbar machen.
Eine eindeutige Zeichenkodierung, die unabhängig von Sprachräumen und Rechnerplattformen ist, scheint heute aber unabdingbar – sei es für die Kundendatenbank eines weltweit agierenden Unternehmens oder den Satz einer wissenschaftlichen Arbeit oder eines vielsprachigen Medikamenten-Beipackzettels. Die Lösung dieser Probleme ist so einfach wie nahe liegend. Statt verschiedene Sprachen durch identische Kodes abzubilden, muss ein Standard geschaffen werden, der jedem grafischen Zeichen oder Element aller bekannten Schriftkulturen und Zeichensysteme einen eindeutigen Kode zuordnet. Dieser Standard ist Unicode. Er gibt jedem Zeichen seine eigene Nummer – plattformunabhängig, programmunabhängig und sprachunabhängig.

Die Tragweite dieses Zeichensatzes geht allerdings weit darüber hinaus, einfach nur ein weiterer Industrie-Standard im Wirrwarr der Zeichensätze zu sein. Mit dem ehrgeizigen Ziel, jedem Sinn tragenden Zeichen der Welt eine eindeutige Kodierung zu geben, wird der Unicode gleichsam zum kulturgeschichtlichen Projekt. Selbst Schriftzeichen, die nur von kleinen Menschengruppen benutzt werden, können im Unicode vertreten sein, und Schriftsysteme, die in Zukunft vielleicht außer Gebrauch geraten, werden im Unicode für alle Zeit bewahrt. Der Unicode bildet somit ein dauerhaftes »Museum der Schriftkultur«.
Für die Entwicklung des Standards hat sich das Unicode-Konsortium gegründet, eine gemeinnützige Organisation, deren Mitglieder ein breites Spektrum von Firmen und Institutionen in der datenverarbeitenden Industrie und Informationstechnologie vertreten. Der Unicode-Standard wurde im Jahr 1991 erstmals veröffentlicht. Er wird von führenden Computer-Unternehmen wie Apple, Hewlett-Packard, IBM, Microsoft, Sun und so weiter unterstützt. Es bestehen kaum Zweifel daran, dass sich Unicode zum wichtigsten Kodierungsstandard entwickeln wird – zur Lingua Franca der digitalen Welt. Dennoch ist weder die umfassende Verbreitung noch die Entwicklung des Standards schon völlig abgeschlossen. Unicode wird fortlaufend um neue Zeichen ergänzt. Im Schnitt kommen pro Jahr 1000 neue Zeichen hinzu. In der aktuellen Version 6 sind circa 110.000 Zeichen erfasst. Allerdings bietet der Standard Platz für über eine Million Zeichen.

Wenn Unicodes notiert werden sollen, benutzt man in der Regel eine hexadezimale Darstellung (Ziffern von 0–9, Buchstaben von A–F) mit einem vorangestellten »U+«. Der kleinste Wert ist U+0000, der größte ist U+10FFFF. Dazwischen ist Platz für die besagten eine Million Zeichen. Das kleine Eszett hat beispielsweise den Unicode-Wert U+00DF und das große Eszett, das mit der Unicode-Version 5.1 erschien, hat den Kode U+1E9E. Sobald neue Unicode-Zeichen aufgenommen wurden, sind sie sofort auf allen Unicode-fähigen Geräten anwendbar. Zur Darstellung auf Monitoren und Druckern wird natürlich mindestens ein Font benötigt, der über die neuen Zeichen verfügt. Für den Computer spielt die Darstellung natürlich keine Rolle. Man kann auch Unicode-Zeichen ohne konkrete Darstellung von einer Anwendung zur nächsten kopieren.
Theoretisch kümmert sich Unicode jedoch nur um so genannte »Sinn tragende Zeichen«. Kapitälchen, Schmuckligaturen und ähnliche typografische Besonderheiten, sind für das Unicode-Konsortium nicht interessant, da sie als Glyphenvarianten zu bestehenden Unicode-Zeichen angesehen werden. Diese Zeichen müssen also in der Regel ohne einen Unicode auskommen und sind dann ausschließlich über OpenType-Funktionen ansprechbar. Schriftanbieter haben jedoch die Möglichkeit, diesen Zeichen einen »privaten« Unicode zuzuweisen. Dazu bietet der Unicode-Standard einen besonderen Bereich zur freien Verfügung an: die so genannte Private Use Area (PUA). Werden in Fonts bestimmten Zeichen PUA-Kodes zugewiesen, kann man diese Zeichen also z.B. in der Zeichenpalette/Zeichentabelle des Betriebssystems finden und per Kopieren-und-Einfügen benutzen. Allerdings führt dann gegebenenfalls schon ein Wechsel der Schriftart zu völlig unterschiedlichen Zeichen, da dieser private Bereich eben nicht standardisiert ist.

 Welche Zeichen neu aufgenommen werden, hängt natürlich von den Interessen der einreichenden Parteien ab. Nicht jedes der circa 100.000 Zeichen kann wirklich als sprachlich Sinn tragend bezeichnet werden. Gerade im Bereich der Piktogramme finden sich zum Beispiel unzählige Zeichen mit fragwürdiger Relevanz, wie etwa PILE OF POO. Aber auch diese Zeichen sind im »Museum der Schriftkultur« für alle Zeit konserviert. Einmal kodierte Zeichen werden nie wieder entfernt.

Neben dem Unicode-Wert hat jede Kodestelle auch einen eindeutigen englischen Namen, der das Zeichen meist inhaltlich oder notfalls visuell beschreibt. Zwar kann man sich die 100.000 Namen nicht alle merken, aber es hilft bei der Suche nach bestimmten Zeichen durchaus, sich ein wenig mit dem System vertraut zu machen. So lässt sich der Zeichenvorrat in den Tools der Betriebssysteme leicht über den Namen eingrenzen. Im nebenstehend gezeigten Beispiel von Mac OS X werden etwa durch Eingabe des Begriffs »Arrow« automatisch alle kodierten Pfeilsymbole angezeigt. Ein weitere Klick auf einen bestimmten Pfeiltyp zeigt im Anschluss, welche der installierten Schriften über genau diesen Unicode-Pfeil verfügen. 

Wer weder Unicode-Wert noch Namen kennt, kann sich durch die verschiedene Unicode-Blöcke hangeln. In diesem Bereichen sind die Zeichen systematisch zusammengefasst; sei es bezogen auf das Schriftsystem (lateinisch, griechisch usw.) oder auf die Art und Funktion der Zeichen (Währungszeichen, diakritische Zeichen usw.)

Unicode ist heute der Standardzeichensatz in Windows, Mac OS, Unix usw. und auch im Internet werden die klassischen 8-Bit-ISO-Zeichensätze immer mehr von Unicode-kodierten Webseiten verdrängt. Daher bereitet der Austausch von mehrsprachigen Dokumenten nach und nach immer weniger Probleme. Und auch Systemschriften und kommerzielle OpenType-Fonts besitzen einen immer größeren Zeichenvorrat, um den gestiegenen Anforderungen der globalen Kommunikation gerecht zu werden. Anwender müssen jedoch darauf achten, in welcher Kodierung verfasste Dokumente weiter gegeben werden. Die alten systembasierten 8-Bit-Kodierungen wie Mac Roman und Windows 1252/ANSI sollten für einen plattformübergreifenden Austausch vermieden werden. Auch ist es wichtig, dass die Information über die verwendete Kodierung im Dokument selbst enthalten ist, damit das öffnende Programm sie auch benutzen kann. TXT-Dateien enthalten zum Beispiel keine Informationen über die verwendete Zeichenkodierung und auch Webseiten werden nicht automatisch mit dieser Information ausgeliefert. Im Zweifel benutzt das Anzeigeprogramm dann einfach die Standardkodierung und Sonderzeichensalat ist nicht selten die Folge.
Weiter Informationen zum Unicode und Übersichten aller kodierten Zeichen gibt es auf der offiziellen Homepage unter http://unicode.org
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Typografie.info-Mitglied Burkhard Liermann von Protondesign in Völklingen hat das neue Leitsystem für die Marienhausklinik Kohlhof im Saarland entwickelt. Über Typografie.info fand er die passende Schrift für sein Projekt. Wir führten dazu ein Interview mit dem Designer.

Du bist ja schon seit Jahren im Bereich Werbung tätig. Gehört eigentlich der Bereich Beschilderung und Leuchtwerbung automatisch dazu?
Moderne Werbekonzepte müssen natürlich alle Bereiche berücksichtigen, und es zeichnet einen guten Designer aus, wenn er vielseitig ist. Deshalb gehören Schilder und Beschilderungen dazu und damit auch die Leuchtwerbung. Geschäftskunden legen heutzutage großen Wert darauf, dass sie alles aus einer Hand bekommen können. Die klassische Werbung mit Logo, Homepage, Flyern und Briefpapier ist noch immer wichtig, aber immer öfter habe ich in den letzten Jahren gehört: »Ich brauche da noch eine Schaufensterbeschriftung ...« Wenn ich ein Werbekonzept für ein Restaurant erstelle, dann gehört neben der Speisekarte eben auch die Leuchtwerbung dazu, vielleicht zusätzlich ein beschrifteter Pylon im Eingangsbereich. Für mich ist es jedenfalls eine selbstverständliche Serviceleistung, dass ich meine Kunden auch im Hinblick auf die Gestaltung von Leuchtwerbung und Beschilderung kompetent und effektiv beraten kann.

Inzwischen kann ich mit meinen Partnern auch Sonderlösungen – wie mit zwei Radien gebogene Schriftzüge, gebogene Fronten mit dekupiert und durchgesteckten Acrylglasbuchstaben sowie tief- oder hochgezogene Logos etc. realisieren. Durch den Fortschritt der LED-Technik, durch die Vielfalt der zur Verfügung stehenden Maschinen und Elektronik ist in diesem Bereich nahezu alles möglich – auch computergesteuerte Leit- und Orientierungssysteme.
Wie kam es zum Auftrag für die Gestaltung der Marienhausklinik Kohlhof und in welchem zeitlichen Rahmen wird so ein Projekt bearbeitet? 

Der Auftrag wurde mit Fördergeldern realisiert, und die öffentliche Ausschreibung war auf bekannten Ausschreibungsportalen hinterlegt. Ein Anruf beim Architekten, der als Ansprechpartner genannt war, brachte mir einen ersten Kontakt und zusätzlich viele Hinweise zu meinen Fragen. Solche Kontakte zu Entscheidern, Auftraggebern und Generalunternehmern sind -auch schon im Vorfeld-immens wichtig.
Im Normalfall sollte man vier bis sechs Monate für die Vorbereitung einplanen. Je nach Anzahl der Entscheider, Gremien, Arbeitsgruppen etc. kann sich so ein Projekt schon im Vorfeld ziemlich hinziehen. Es sind viele Absprachen und Entscheidungen mit vielen unterschiedlichen Beteiligten nötig. Bei solchen Runder-Tisch-Gesprächen sollte man die Meilensteine der Projektphasen genau im Kopf (oder auf Papier) haben, um so viel Fragen wie möglich zu klären.
Mit welchen Parteien arbeitet ein Designer bei so einem Projekt zusammen?
In der Regel gibt es direkte und indirekte Ansprechpartner. Je nach Auftrag sind hier zu nennen: der Generalunternehmer, der Architekt, der Projektsteuerer, der Endkunde mit seinen diversen internen Gremien oder Arbeitsgruppen (Direktorium, Chefärzte, Ärzte, Personal, technische Leitung etc). Wichtig ist es, von Anfang an einen einzigen Hauptansprechpartner und Entscheider zu finden, den man dann in allen Belangen konsultieren kann.


Wo liegen typische Probleme und Stolperfallen?
Als ich angefangen habe, in diesem Bereich tätig zu werden, war es besonders problematisch für mich, wenn sich ein Projekt verselbstständigt hat und untergeordnete Gruppen bei wichtigen Entscheidungen mitreden wollten. Damals habe ich gelernt: Um das Projekt im Auftragsrahmen zu halten, müssen konsequent die vereinbarten Regeln eingehalten werden. Sonst kann das ganze Projekt gefährdet sein. Das gezielte und sorgfältige Projektmanagement vor Beginn der Bauphase hat also oberste Priorität. Fehler wie falsche Maße, Schätzungen und nicht sorgfältig ausgeführte Aufmaße, können in der Ausführungsphase zu Problemen führen, die dann nebenbei auch noch gelöst werden müssen. In der Hochphase gilt es, zu kontrollieren, abzugleichen, Monteure zu unterrichten, zu motivieren und immer den Überblick zu behalten. Des Weiteren müssen jederzeit die Budgetkontrolle, Arbeitsstundenkalkulationen etc. im Blickfeld bleiben.


Was ist das Besondere an der Beschilderung von Krankenhäusern?
Im Gegensatz zu offen gestalteten Räumen wie Bahnhöfe sind Krankenhäuser berühmt für ihre langen, möglicherweise noch verschachtelten Gänge, in denen man schnell die Orientierung verliert. Hinzu kommt, dass die Besucher und das Personal unterschiedliche Ziele haben können. Also heißt die Herausforderung: Wie findet man die typischen Laufwege der Benutzer? Und wie gestaltet man die Beschilderung an den Entscheidungspunkten so, dass sie für alle Benutzer funktioniert?
Grundsätzlich gilt: Ein Leitsystem muss durch Konsequenz überzeugen, durch eine klare Struktur und einheitliche grafische Merkmale, die Hinweisgeber (Schilder und Zeichen) müssen eine einheitliche Zeichensprache und Formgebung haben. In der Marienhausklinik haben wir uns für eine Gliederung entschieden, die wir in eine »vertikale Linie« (4 Etagen) und eine »horizontale Linie« (innerhalb der Etagen bzw. Fachabteilungen) eingeteilt haben.
Die vertikale Linie umfasst zunächst Etagenwegweiser in den Fahrstühlen selbst und gegenüber den Fahrstühlen in den Etagen. Gegenüber den Treppenhausausgängen befinden sich jeweils DIN A3-Schilder mit einer Kurzbeschreibung der nächsten Ziele rechts und links.
In der horizontalen Linie wurden zunächst Deckenwegweiser verteilt. Sie dienen der groben Richtungsweisung in die Fachabteilungen (z. B. Neuropädiatrie, Geburtshilfe etc). Zusätzlich wurden die Türen mit Klartext (ausgeschriebenen Abteilungsnamen) gekennzeichnet.


Und wie muss man sich das praktisch vorstellen?
Auf dem Weg zu den Abteilungen befinden sich Fahnenwegweiser an bestimmten wichtigen Punkten (z.B. Anmeldung, Untersuchungsraum, WC, etc). Die Feininformation befindet sich dann auf den Türschildern (Abteilung, Name, Zusatzhinweise, wie Öffnungszeiten, Sekretariat etc.). Innerhalb einer Station/Abteilung wurde der jeweilige Stützpunkt durch ein neu entwickeltes Logo mittels eines kleinen Deckenabhängers gekennzeichnet. Hier findet der Patient/Besucher Ansprechpartner, die im persönlichen Kontakt die Weitervermittlung übernehmen. Beispielsweise kann man dort eine Schwester ansprechen, die bei der Suche nach einem bestimmten Patienten oder einer Fachabteilung hilfreich zur Seite steht.
Mit dieser dreistufigen Gliederung ist sowohl die Orientierung als auch die Leitung möglich. Der Rückweg ist auf allen Deckenwegweisern konsequent gekennzeichnet, so dass die Hauptziele, wie Ausgang, Information, Bistro jederzeit ersichtlich sind.

Warst Du denn auch für das Datenmanagement zuständig? Das muss ja eine riesige Datenflut gewesen sein.
Ja, die Verwaltung der Daten gehörte ebenfalls zu meinen Aufgaben. Dieses Datenmanagement erfordert ein Höchstmaß an Konzentration und Sorgfalt. Es beginnt mit Musterseiten für die Positionierung des Logos, der Textinhalte, der Namen und der Raumnummern bis hin zur späteren Bestückung der Schilder. Ich habe mittels InDesign und Platzhaltern über eine XML-Ansteuerung aus Excel die Informationen, die ich vom Kunden erhielt, automatisiert in entworfene Layouts eingebunden. Das hatte den Vorteil, dass ich Änderungen schnell durchführen konnte. Die PDF-Dateien wurden dann an die Druckerei gesendet und die Schilder manuell bestückt.
Welche grafischen oder technischen Vorgaben bzw. Einschränkungen gab es bezüglich der Gestaltung des Leitsystems?
Es existierte eine grobe Corporate-Design-Vorgabe in Bezug auf Logo und Farbe. Im Gespräch mit Kunden und Architekt wurden Layout und Textpositionen bestimmt. Jedoch erwiesen sich geometrische Festlegungen, Formatierung und die Darstellungen von Richtungspfeilen als kleine Zeitbomben. Teilweise mussten drei bis vier Zeilen auf kleinstem Raum untergebracht werden, was zu neuerlichen Layout- und Typografie-Anpassungen führte. Ein Beispiel: das Wort »Unfall-, Hand- und Plastische Chirurgie«. Ich kann verraten, dass sich hier die Schriftenfrage als besondere Herausforderung herausstellte.
Welche Rolle nimmt die Schrift in so einem Leitsystem ein? Welche Fonts hast du getestet und was hat schlussendlich dazu geführt, dich für die Wayfinding Sans als Schrift zu entscheiden?
Auf der Schrift lag zu Beginn unser Hauptaugenmerk. Auf Grund von Platzvorgaben, Abständen und Anordnung auf allen Schildern musste eine klar erkennbare, extrem gut leserliche und flexibel einsetzbare Schrift gefunden werden. Es kamen alle möglichen Schrifttypen zum Einsatz. Wir haben getestet, verworfen und erneut geprüft. Im Forum von Typografie.info wurden Ideen vorgestellt, diskutiert und fachmännisch beurteilt.
Die »üblichen Verdächtigen« wurden dabei ins Auge gefasst. FF Info, Frutiger etc., um nur einige zu nennen. Jede Schrift hatte ihre Vor- und Nachteile, bis wir schließlich die richtige Lösung fanden: die Wayfinding Sans von Ralf Herrmann. Diese Schrift bestand alle Anforderungen mit Bravour und stellte sich als die ultimative Universallösung heraus.


In wieweit hast Du bei der Beschilderung auf die architektonische Gestaltung bzw. auf die Innenarchitektur des Gebäudes Rücksicht nehmen müssen?
Wenn es nur nach dem Architekten gegangen wäre, hätten einige Schilder nicht montiert werden dürfen. Ich bin aber der Ansicht: Ein gutes System integriert sich in die Architektur, unterstreicht die Eleganz und Klarheit der Raum- und Flurplanung. Die Beschilderung sollte unauffällig, aber wirksam sein. Bei der Positionierung der vielen verschiedenen Schilder waren Ausnahmen die Regel und Sonderlösungen an der Tagesordnung. Da hängt am idealen Standort für ein Schild ein Feuerlöscher an der Wand oder ein Bild beansprucht den besten Platz für die Wegeführung. Dort, wo gebohrt werden muss, liegt ein Kabel unter Putz, oder ein Feuermelder blockiert den längst festgelegten Wandbereich. Trotz genauester Vorplanung kann man nie alle Unwägbarkeiten berücksichtigen. Und einen guten Projektmanager erkennt man auch daran, dass er mit diesen Herausforderungen flexibel umgehen kann.
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Während wir uns im ersten Teil der Serie mit den Vorläufern beschäftigt haben, geht es nun im zweiten Teil um die dominierenden computerbasierten Zeichenkodierungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
 
ASCII, die Basis aller Zeichensätze
»Nach der DNS gehört der ASCII zu den erfolgreichsten Codes auf diesem Planeten.« (Johannes Bergerhausen)
Der 1963 von der amerikanischen Standardbehörde ANSI (American National Standard Institute) verabschiedete ASCII-Kode (gesprochen »Esski«) ist bis heute eine der wichtigsten Zeichenkodierungen. Ziel war es, einen einheitlichen Standard zum Austausch von textbasierten Informationen einzuführen. ASCII steht für US American Standard Code of Information Interchange. Texte konnten damit herstellerunabhängig zwischen Rechnern ausgetauscht und an Ausgabegeräte wie Bildschirme und Drucker gesendet werden. Der ASCII-Zeichenkode ähnelt in seinem Grundprinzip dem Baudot-Kode der Telegrafie. Er ist jedoch ein auf sieben Bit basierender Zeichenkode und bietet somit Platz für 128 Zeichen, von denen 33 Steuerzeichen ausmachen und 95 typografischer Natur sind. Die Tabelle zeigt die Belegung der 128 Positionen des ASCII-Zeichensatzes.

Wie man sieht, vereint ASCII sowohl die Zeichen einer typischen amerikanischen Schreibmaschine als auch Steuerzeichen der Telegrafie. Letztere dienten zum Beispiel dazu, das Ausgabegerät telegrafischer Nachrichten anzuweisen, eine neue Zeile zu beginnen (Line Feed, Zeilenvorschub) und den Druckkopf wieder an den Zeilenanfang zu fahren (Carriage Return, Wagenrücklauf). Heute sind nur noch sehr wenige der Steuerzeichen in Benutzung.

Abbildung: Der Fernschreiber ASR-33 aus den 1960er Jahren war eines der ersten Geräte, das auf den ASCII-Kode setzte.
Vernünftiges Schreiben ist mit dem ASCII-Kode allerdings nur in Englisch möglich, da diakritische Zeichen anderer Sprachen fehlen. Aber auch spätere Zeichenkodierungen setzen allesamt auf dem ASCII-Standard auf. Und dies ist auch der Grund, warum es bei den Zeichen des ASCII-Kodes niemals zu »Sonderzeichensalat« kommt. ASCII ist als Teilmenge in allen Zeichenkodierungen enthalten und diese Zeichen können deshalb (im Gegensatz zu deutschen Umlauten) niemals falsch interpretiert werden.
ASCII-Art

Not macht erfinderisch: Vor der Einführung von grafikfähigen PCs waren die wenigen Zeichen des ASCII-Zeichensatzes die einzige Möglichkeit zur Schaffung von Bildelementen und Illustrationen. Unter Zuhilfenahme von dickengleichen Fonts wie der Courier konnten so einfache Strichgrafiken erstellt werden. In den Signaturen von Newsgroup-Nachrichten und E-Mails finden sich die ASCII-Bildchen teilweise noch heute.
8-Bit-Zeichenkodierungen – Ringen um einen Standard
»Acht Bit? Pro Zeichen? Klasse, dann ist man ja schon nach wenigen Wörtern stockbesoffen.« (aus dem Usenet)
Um auch Zeichen anderer Sprachen kodieren zu können, wurde der ASCII-Kode später auf die bis heute noch üblichen 256 Zeichen erweitert. Diese nunmehr auf 8 Bit ausgelegten Zeichenkodierungen bauen meist auf dem ASCII-Kode auf, enthalten aber an den zusätzlichen Positionen diakritische Zeichen, Umlaute, mathematische Zeichen, Interpunktionen, Währungszeichen und so weiter.
Die Geräte- und Software-Hersteller einigten sich allerdings nicht auf eine einheitliche Belegung der zusätzlichen Zeichen. Die folgende Tabelle zeigt zum Beispiel einen Vergleich der weit verbreiteten Zeichensätze für Windows (CP1252/ANSI) und Mac OS (Mac Roman).

Wie die Darstellung erkennen lässt, ist lediglich der ASCII-Bereich zwischen den Positionen 32 und 126 identisch belegt. Die meisten restlichen Zeichen befinden sich an unterschiedlichen Positionen. Andere oft verwendete Zeichen wie die Bruchzeichen am PC oder die fi- und fl-Ligaturen am Mac sind im jeweils anderen Zeichensatz überhaupt nicht vorhanden. Beim Austausch von Dokumenten zwischen Rechnern, die unterschiedliche Zeichenkodierungen benutzen, muss dies beachtet werden. Wenn zum Beispiel die deutschen Umlaute oder das Eszett durch andere Zeichen ersetzt werden, deutet dies auf einen falschen Zeichenkode hin.

Viele Anwendungsprogramme sind allerdings in der Lage, die Zeichenbelegung selbstständig umzukodieren. So können zum Beispiel Word-Dokumente meist relativ problemlos zwischen PC und Mac ausgetauscht werden. Das Programm kennt die unterschiedliche Belegung der Zeichen und passt diese beim Öffnen des Dokuments automatisch an. Dies gilt freilich nur für die Zeichen, die in beiden Zeichensätzen vorhanden sind – nicht verfügbare Zeichen fehlen oder werden mit dem Symbol not defined markiert – meist ein nicht gefülltes Rechteck.
Damit die Zeichenkodierungen korrekt erkannt und gegebenenfalls konvertiert werden können, muss die Information über die verwendete Kodierung natürlich zunächst erst einmal im Dokument vorhanden sein. Deshalb sollte die Benutzung von Reintextdateien (»TXT«) stets vermieden werden. Denn hierbei kann das Programm die benutzte Kodierung nicht erkennen und greift einfach auf die gerade benutzte Standardkodierung zurück. Dies führt dann nicht selten zum bekannten Sonderzeichensalat, der sicher jedem Computernutzer schon einmal begegnet ist.
Expert-Fonts
Für die für typografische Feinheiten nötigen Zeichen wie besondere Ligaturen, hoch- und tiefgestellte Ziffern, Schwungbuchstaben und so weiter ist in der Standardbelegung eines 8-Bit-Fonts kein Platz mehr. Deshalb war man hier lange auf die so genannten Expert-Fonts angewiesen. Diese verhalten sich wie ein 8-Bit-Font, haben aber an den Positionen der standardisierten Zeichensätze individuelle Zeichen, die sich durch den Formatierungswechsel zum Expert-Font in einen Text einfügen lassen.

Ein so formatierter Text ist allerdings nur noch mit den vorgesehenen Schriftarten benutzbar. Mit heutigen Unicode-basierten TrueType- und OpenType-Fonts sind diese Notlösungen zum Glück nicht mehr nötig und Expert-Fonts werden immer seltener eingesetzt.
ISO-8859-Zeichenkodierungen
Um den vielen voneinander abweichenden Zeichenkodierungen entgegenzuwirken, entwickelte die Internationale Organisation für Normen (ISO) bereits in den 1980er Jahren eine Serie von ISO-8859-Standards. Diese definieren 15 Normen von 8-Bit-Zeichenkodierungen:
ISO 8859-1 (Latin-1) - Westeuropäisch
ISO 8859-2 (Latin-2) - Osteuropäisch
ISO 8859-3 (Latin-3) - Südeuropäisch und Esperanto
ISO 8859-4 (Latin-4) - Baltisch
ISO 8859-5 (Kyrillisch)
ISO 8859-6 (Arabisch)
ISO 8859-7 (Griechisch)
ISO 8859-8 (Hebräisch)
ISO 8859-9 (Latin-5) - Türkisch statt Isländisch, sonst wie Latin-1
ISO 8859-10 (Latin-6) - Nordisch
ISO 8859-11 (Thai)
ISO 8859-13 (Latin-7) - Baltisch (ersetzt Latin-4 und -6)
ISO 8859-14 (Latin-8) - Keltisch
ISO 8859-15 (Latin-9) - Westeuropäisch mit Eurozeichen
ISO 8859-16 (Latin-10) - Südosteuropäisch mit Eurozeichen
Die Zeichenkodierung ISO-8859-1, auch bekannt als ISO Latin 1, ist der dominierende Standard in Westeuropa, den USA, Australien und großen Teilen Afrikas. Diese Zeichenkodierungen waren und sind insbesondere bei der Kommunikation über das Internet im Einsatz, um Inhalte plattformunabhängig austauschen zu können. Innerhalb vom Webseiten wird die zu verwendende Zeichenkodierung versteckt übertragen und der Browser dadurch angewiesen, die Standard-Zeichenkodierung gegebenenfalls zu wechseln:
meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=iso-8859-1"Fehlt diese Angabe, werden Texte unter Umständen falsch interpretiert, zum Beispiel, wenn eine deutschsprachige Webseite mit Umlauten und Eszett in Osteuropa abgerufen wird.
Die 8-Bit-Zeichenkodierungen werden zunehmend vom Unicode-Standard verdrängt. Dazu mehr im letzten Teil der Serie.

Bildnachweise:
1. Bild, Rechenzentrum Aachen, Deutsches Bundesarchiv, B 145 Bild-F031434-0011, Quelle
Bild: ASR-33, Quelle: Wikipedia Commons. Nutzer: AlisonW
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