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Typografie-Artikel

Neuigkeiten und Fachartikel zu Schrift und Typografie

Die Schaffung eines Großbuchstaben-Eszetts erscheint manch einem heute als eine seltsame oder gar aberwitzige Idee. Den Skeptikern ist dabei allerdings meist nicht bewusst, dass dieser Prozess im deutschen Alphabet schon einmal genau so stattgefunden hat. Und wie eine Recherche in Google Books optisch eindrucksvoll belegt, ist dies noch gar nicht lange her.

Wie vielen bekannt ist, sind die Umlaute historisch dadurch entstanden, dass man in gebrochenen Schriften das e vermehrt über statt hinter die Vokale a, o und u schrieb. (siehe auch: Überkewl, Umlaute in Übersee)
Diese Schreibung war allerdings über sehr lange Zeit eine reine Kleinbuchstabenform. Erschien der Umlaut am Wortanfang, wurde er weiterhin in seine ursprünglichen Bestandteile (Aa/Oe/Ue) zerlegt – auch in ein und derselben Drucksache. Nachfolgend ein Beispiel aus dem Teutschen Merkur von 1774.



Wann also kam es zur Bildung der uns heute vertrauten Großbuchstaben-Umlaute? Googles so genannter Ngram Viewer ermöglicht die gezielte Recherche nach bestimmten Wörtern, Phrasen und Schreibungen im riesigen gescannten Buchbestand von Google Books. Auf diese Weise lässt sich leicht überprüfen, zu welcher Zeit man noch Aepfel und ab wann man Äpfel schrieb. Hier eine Beispielsuche nach einem Satzanfang mit »Über« beziehungsweise »Ueber«:




Das Ergebnis ist auch bei verschiedenen Suchbegriffen eindeutig. Um 1900 erfolgte der Umschwung – die Großbuchstaben-Umlaute waren geboren und die getrennte Schreibung ging schlagartig zurück. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig. 1903 wurden die Beschlüsse einer Kommission der Buchdruckerei- und Schriftgießereibesitzer in der Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker (Nr. 27) veröffentlicht. Darin heißt es:
 
Heute erscheint es uns selbstverständlich, dass zu jedem Kleinbuchstaben-Umlaut auch ein entsprechender Großbuchstabe existiert. Doch es ist kaum mehr als 100 Jahre her, dass diese Schreibung üblich wurde. Wenn man der Meinung ist, dass Herr Müller auch in Versalien Herr MÜLLER und nicht Herr MUELLER heißen soll, dann muss man sich zwangsläufig auch mit dem Gedanken anfreunden, dass auch Herr Meißner eine unveränderte und eindeutige Schreibung in Versalien verdient. Der einzige Unterschied zwischen den Versal-Umlauten und dem Versal-Eszett ist, dass erstere ihre Übergangsphase zur allgemeinen Verbreitung bereits hinter sich haben – die des Versal-Eszetts aber gerade erst beginnt.

(Danke an Joshua K. für das Zitat aus der Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker.)
Sie haben’s fast geschafft. Einmal mehr haben zwölf Type]Media-Studenten fast ein Jahr lang gekritzelt, gemeißelt, skizziert, wiederbelebt, handgeschrieben, gefontlabt, gedoodelt, interpoliert, programmiert, gepixelt und natürlich endlos Kicker gespielt im Schriftgestaltungs-Master in Den Haag. Ihre Abschlussarbeiten zeigen sie euch zur Ausstellungseröffnung am Sonnabend, den 2. Juli 2011 ab 4.30 Uhr in der Königlichen Akademie der bildenden Künste, Prinsessegracht 4, Den Haag. Ihre gemeinsame Webseite ist ebenfalls seit dem Tag der Ausstellungseröffnung online: typemedia2011.com

Die Ausstellung wird am Sonnabend, dem 2. Juli bis 20.00 Uhr geöffnet sein; am Sonntag, dem 3. Juli von 12.00 bis 16.00 Uhr (auch Alumnitreffen); von Montag, dem 4. Juli bis Freitag, dem 8. Juli von 12.00 bis 21.00 Uhr und am Sonnabend, dem 9. Juli von 10.00 bis 17.00 Uhr.
Besonders bei der Schreibung von Eigennamen machte das lange Zeit fehlende Großbuchstabenpendant zum ß stets große Probleme. Während man sich bei der Versalschreibung von STRASSE zumindest noch die zugehörige gemischte Schreibung denken kann, ist bei MEISSNER völlig unklar, ob es sich hier um Herrn Meißner oder Herrn Meissner handeln. (siehe auch Warum man ein großes Eszett benötigt)


Bezüglich der Schreibung geografischer Eigennamen bezog der »Ständige Ausschuss für geographische Namen« (StAGN) nun erstmals klare Stellung für das große Eszett. In der jüngsten Ausgabe der »Empfehlungen und Hinweise für die Schreibweise geographischer Namen«, herausgegeben von Geschäftsstelle des StAGN im Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, wird das große Eszett zum Standard in Versalschreibweise erhoben. Die Ersetzung durch SS wird lediglich als Übergangslösung akzeptiert, solange die benutzten Fonts noch über kein integriertes Versaleszett verfügen. Damit erhält die Anwendung des Versaleszetts zum ersten Mal ihren Segen von staatlicher Seite.

Weiter Links zum Thema Versaleszett: Facebook-Seite zum Versaleszett versaleszett.de Signographie.de Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Dr.-Ing. Rolf Böhm, Ingenieurbüro für Kartographie · Kartographischer Verlag
Vom 24. bis 25 Juni 2011 findet das siebte Typogravieh-lebt-Symposium in Weimar statt. Das Motto lautet dieses Jahr »On Ink Trips«. Mit dabei sind dieses Mal Juli Gudehus, FriendsOfType, Zwölf, Dan Reynolds, Daniel Janssen, Typism und From Here To Fame ...

Bold geht’s los in großen Schnitten auf die Letter die die Welt bedeuten, als Blackpacker, nicht nur nach Egyptienne oder Italic, sondern in höchste Versalhöhen, blindtext drein auf Expedition in die laufweite Welt der analogen Schriftgestaltung … on Ink Trips

Das Typogravieh wurde 2004 von dem damaligen Gastprofessor Alexander Branczyck ins Leben gerufen und lebt bis heute studentisch organisiert weiter. Jedes Jahr bietet es den Studenten in Weimar und Umgebung umfassende Einblicke in die Welt der Typografie.

[headline=3]Programm[/headline]Freitag: Vorträge im Straßenbahndepot
 
11.00-11.45 Juli Gudehus: »Das Lesikon der visuellen Kommunikation«oder auch »Die Ehrenrettung des Buches« 12.00-12.45 Dan Reynolds: »Forget the copies, go back to the source! What old books from the metal type era can still teach us.« 13.00-13.45 Daniel Janssen: »Alte Techniken für neues Typedesign« PAUSE 14.30-15.15 FriendsOfType: Fightin’ Words 15.30-16.15 Zwölf: »Manuelle Arbeitsweisen in Typografie, Verpackungsgestaltung und Szenografie«
 
Samstag: Workshops in der Marke.6
 
 
10.00-13.00 Workshop mit Typism Pause 14.00-14.45 Preisverleihung 14.45-15.30 Don Karl – From Here To Fame Publishing - Buch Vorstellung Arabic Graffiti 15.30-21.00 Workshop Friends of Type – Fightin’ Words Workshop
Mehr Infos unter:
Homepage: http://www.typogravieh-lebt.de
Facebook: http://www.facebook.com/pages/Typogravieh-lebt/10523025905
 
 
Es muss nicht immer Englisch sein. Auch in Nischenbereich der Typografie gibt es eine wachsende Anzahl von empfehlenswerten deutschen Typografie-Webseiten. Hier eine Übersicht …

Typografie.info
Die große Online-Community zu Schrift und Typografie. News, Wiki, Blogs und das aktivste deutsche Typografie-Forum mit derzeit ca. 7000 Mitgliedern und über 80.000 Beiträgen.



Fontblog
Der Weblog von FontShop Deutschland. Dessen Vorstand Jürgen Siebert beweist mit dem Fontblog eindrucksvoll, wie ein Unternehmsblog aussehen sollte. Die perfekte Mischung aus Meinungen, Neuigkeiten aus Design und Typografie und gelegentlichen Hinweisen auf die eigenen Produkte.
http://www.fontblog.de



Slanted
Der Slanted-Blog von MAGMA Brand Design aus Karlsruhe informiert über internationale Design-Trends und Veranstaltungen und veröffentlicht viele Projektvorstellungen und Interviews mit starkem Fokus auf studentische Arbeiten.
http://www.slanted.de
 


Typefacts
Christoph Koeberlin, Schriftentwickler bei FSI Fontshop International, vermittelt an Hand praktischer Beispiele die Grundlagen der Typografie, deckt Typo-Sünden auf und stellt Alternativen zu übermäßig oft gebrauchen Schriften vor. Außerdem gibt es eine Liste bester Freeware-Fonts und einen Rückblick auf die besten Schriften des Vorjahres.
http://www.typefacts.com



Global Type
Lars Kähler möchte mit Global Type ein Weltmodell der Schriften nach ihrer zeitlichen und regionalen Herkunft entwickeln. Auch wenn das Projekt noch nicht abgeschlossenen ist, finden sich auf der Webseite bereits zahlreiche nützliche Informationen sowie eine große Datenbank von Bleisatzschriften.
http://www.global-type.org
 


ABCdarium
Typografie.info-Mitglied Thomas Kunz stellt auf seiner Webseite fortlaufend Schriften vor und führt interessante Interviews mit Schriftdesignern.
http://abcdarium.de



Druckerey-Blog
Der Berliner Drucker Martin Z. Schröder gibt in seinem Blog Einblick in seine Arbeit mit beweglichen Bleisatzlettern. http://www.blog.druckerey.de



Schriftensammlung des Klingspor-Museums
Die auf den ersten Blick etwas unscheinbare Webseite bietet eine Sammlung von über 3000 Schriftentwerfern, die mit ihren Fonts in einzelnen PDF-Dateien vorgestellt werden.
http://www.klingspor-museum.de/Kuenstler.html
 


Der deutsche MyFonts-Blog
Die deutsche Dependance des MyFonts-Blogs informiert über neue Schriften und berichtet über spannende Entwicklungen in der Typo-Welt. Darüber hinaus gibt es hier regelmäßig kurze Interviews mit den Machern – mit Schriftdesignern aus aller Welt und speziell aus dem deutschen Sprachraum.
http://www.myfonts.de/
 


Typolution
Ein neuer und gerade sehr aktiver Typografie-Blog von Benjamin Göck.
http://www.typolution.de
 



Fontwerk
Ivo Gabrowitsch, Marketing-Leiter von FSI FontShop International, beleuchtet die typografische Szene mit einem unabhängigen Blick. Im Moment dient die Website auch als zentrale Anlaufstelle für den regelmäßig stattfindenden Berliner Typostammtisch. Zum Jahresbeginn gibt es einen Rückblick auf die besten Schriften des Vorjahres.
http://www.fontwerk.com
 


Außerdem erwähnenswert
Der gerade frisch ins Leben gerufene Blog von Linotype: http://blog.linotype.com Im PAGE-Weblog finden sich fortlaufend typografische Meldungen http://www.page-online.de/emag/typo Der Absatzsetzer gibt Tipps zu InDesign, oft mit typografischem Bezug: http://www.absatzsetzer.de Federwerk, der Blog der Lektorin Marion Kümmel, berichtet aus dem Irrgarten der Sprache und des Schriftsatzes http://federwerk.de Bernhard Schnelle aus Braunschweig sammelt auf seiner Schriftgeschiche(n)-Webseite Informationen zu Schriftgießereien, der Druckgeschichte und vielem anderen mehr. http://1.opentype.info/jjoNZh Das Typemuseum zeigt fotografische Typo-Fundstücke aus der ganzen Welt: http://www.typemuseum.at Organisationen
Typographische Gesellschaft München Typographische Gesellschaft Austria Forum Typografie e.V. Buchstabenmuseum Berlin Danke für alle Tippgeber! Du hast weitere Vorschläge, die unbedingt aufgenommen werden sollten? Schreib uns eine Nachricht!
Abbildungen historischer Schriftmuster gibt es bereits einige im Netz. Die Flickr-Gruppe Type Specimen zählt 800 Mitglieder und über 3000 Abbildungen. Und sehenswert sind sicherlich auch die komplett gescannten Schriftmuster der Open Library.
Unter crucialfuel.com wurde gerade eine neue Online-Galerie ins Netz gestellt, die durch ihre einfache Bedienung und die begleitenden Beschreibungstexte besonders viel Spaß macht. 


 
Die Schriftmuster-Fotos entstanden bei der Recherche für die 4. Auflage des niederländischen Buches Letterfontein, das unter dem Namen Letter Fontain auch gerade beim Taschen-Verlag (Partnerlink) in englischer Sprache erschienen ist.
Der kritische Denker und große Typograf Kurt Weidemann wird unvergessen bleiben. Doch die AGD (Allianz deutscher Designer) möchte ihrem Ehrenmitglied darüber hinaus für alle, die ihn mochten, verehrten und vermissen eine sichtbare Präsenz verschaffen. AGD-Vorstandsmitglied Andreas Maxbauer hat aus den handgeschriebenen Zehn Geboten zur Typografie zwei Plakate gestaltet. Zum Ausdrucken, an die Wand hängen – zum Andenken an Kurt Weidemann:
http://www.agd.de/929.html
 

Nach der ausverkauften Veranstaltung in London kommt Monotypes Brand Perfect Tour am 14. Juni nach Hamburg. Dort treffen Unternehmen, Brand-Manager, Designer und Entwickler in einem Forum für Kommunikation und Entdeckung aufeinander, um sich über digitale Markenentwicklung auszutauschen.
Zu den bislang bestätigten Sprechern zählen Alessio Leonardi, Frank Gruber und Alexander Polzin (Fork Unstable Media), Type-Designer Dan Reynolds, Regisseur Doug Wilson, Johannes Schardt, (precious), Ken Soohoo (Monotype), Lorenz Schirmer (Linotype), Phillip Clement (bemoko) und Scott Ewings (Fjord).

Mehr Informationen zum Programm und zu den Sprechern sind auf der Homepage verfügbar: http://brandperfect-tour.com
Der Veranstaltungsort ist das Hotel East Hamburg.

Typografie.info verlost an eine Person 2 Freikarten zur Veranstaltung im Wert von 595 € (Gewinnspiel bereits beendet). Teilnehmen kann jedes registrierte Mitglied von Typografie.info, das bis zum 8.6.2011 einen Beitrag in diesem Thread schreibt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wir wünschen viel Glück!
Die softwarebasierte Produktion von Schriften am Rechner hat die Arbeit von Typedesignern um einiges einfacher gemacht als zu Zeiten dem Blei- und Fotosatzes. Da Fonteditoren jedoch ein klares Nischenprodukt sind, müssen die Benutzer hier in Sachen Komfort und Bedienbarkeit oft Abstriche machen. Die bekannten Fonteditoren wie Fontographer und FontLab Studio haben ihre Wurzeln in den 1990er Jahren – und so sehen die Programme auch leider bis heute aus. Gerade Mac-Benutzer, die eine intuitive Benutzung in systemnaher Optik gewohnt sind, hatten bislang mit den häufig fehleranfälligen, von PC auf Mac portierten Programmen wenig Freude.

Dies fand auch Georg Seifert. Nach der Fertigstellung seiner beliebten Schriftfamilie Graublau Sans Pro wurde der Fonteditor Glyphs zu seinem neuen Lieblings- und Forschungsprojekt. Zunächst stand die Entwicklung eines kommerziellen Fonteditores gar nicht im Fokus der Arbeit. Es ging vielmehr darum, zu zeigen, wie ein nativer Fonteditor für Mac OS X aussehen könne und welche neuen Wege man in Sachen Bedienbarkeit in diesem Bereich gehen kann.



Glyphs versucht daher gar nicht erst, die Benutzung der klassischen Fonteditoren mit ihren unzähligen Einzelfenstern und Einstellmöglichkeiten zu kopieren. Die Oberfläche erscheint aufgeräumt und in üblicher Mac-Optik mit Seitenleiste, Reitern für einzelne Elemente und zusammengefassten schwebenden Paletten. Die Ähnlichkeit zu Mac-typischen Programmen wie iTunes ist alles andere als ein Zufall.

In Zeiten von OpenType und Unicode ist die Erstellung von Fonts heute wesentlich komplexer geworden, als es noch zu Zeiten von PostScript-Type1-Fonts in den 1980er und 1990er Jahren der Fall war. Glyphs versucht, soweit dies möglich ist, den Benutzer gar nicht erst mit dieser komplexen Technik zu belasten und sie selbstständig im Hintergrund zu erledigen. Funktionen, wie das Erstellen von Standard-OpenType-Features und Akzenten auf Basis der benutzten Zeichen erledigt das Programm völlig selbstständig.



Darüber hinaus bietet der Fonteditor Glyphs viele hilfreiche Verbesserungen, die es so in anderen Fonteditoren nicht gibt. So existiert zum Beispiel keine strikte Trennung zwischen der Bearbeitungen von Buchstaben-Umrissen, Kerning und der Textvorschau. Alles lässt sich intuitiv in einem Fenster und im Kontext von eigenen Mustertexten bearbeiten und begutachten. Eine Ebenenfunktion ermöglicht es, beliebige Varianten der Zeichen parat zu halten und zwischen ihnen zu wechseln.
Trotz der einfachen Oberfläche bietet das Programm auch viele Profi-Features wie Multiple Master, Unterstützung für linksläufige Schriften, UFO- und Photofont-Export und externe Python- und Cocoa-Skripte.

Einen kurzen Einblick bieten diese Videos:
http://vimeo.com/23885221
http://vimeo.com/23885201

Weitere Informationen finden sich auf der Seite: http://glyphsapp.com
Eine Testversion steht zum kostenfreien Download bereit.
Die Ausstellung CAPITAL: Berliner Buchstaben zeigt die Arbeit von 27 Typedesignern und 27 Illustratoren/Grafikern/Künstlern, die trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft alle momentan Berlin ihr Zuhause nennen.

Organisiert wurde die Ausstellung von Sonja und Rob Keller von Mota Italic. Die Macher waren von dem Ergebnis selbst überrascht: »Wir waren zunächst von Menge und Kraft des Enthusiasmus für die Idee einer Buchstabenausstellung und Typo-Galerie beinahe schockiert. Fast alle Angesprochenen waren an der Teilnahme interessiert, nur wenige lehnten aus Zeitgründen ab. Die Schrifteinreichungen sind außerordentlich facettenreich, fast jede Kategorie von Schriftklassifikation ist abgedeckt. Die Illustrationen sind (wie zu erwarten) sehr individuell; jeder Illustrator näherte sich seinem Buchstaben mit einer distinktiven Perspektive und nutzte andere Techniken um eine kluge, witzige, ironische, konzeptuelle oder einfach ästhetische Interpretation anzufertigen. Wir hoffen, sie bereiten dem Betrachter so viel Freude wie uns und sie liefern einen Eindruck von der vitalen Berliner Typoszene.«
 


Beteiligte Schriftgestalter: Alessio Leonardi, Andrea Tinnes, Anton Koovit, Bernd Möllenstädt, Dan Reynolds, Elena Albertoni, Erik Spiekermann, Fritz Grögel, Georg Seifert, Gesine Todt, Hannes von Döhren, Jan Fromm, Jens Kutilek, Julia Sysmäläinen, Jürgen Huber, Luc(as) de Groot, Ludwig Übele, Martin Wenzel, Melle Diete, Ole Schäfer, Ralph du Carrois, Rob Keller, Wilhelm
Sveinn Davíðsson, Ulrike Wilhelm, Verena Gerlach, Viktor Nübel
 

 
Beteiligte Illustratoren: alvvino, Apfel Zet, Auge Lorenz, Charlotte Driessen, Christine Gertsch, Christopher Breu, Claudia Silbermann, Cristóbal Schmal, Delia Keller, Dennis Michaelis, Emilia Forstreuter, Felix Bork, Ferdinand Ulrich, HORT, Kaune & Hardwig, Kerstin Hille, Klaus Rähm, Laura Dreßler, Laura Serra, Mark Frömberg, Nadine Roßa, Raban Ruddigkeit, Siggi Eggertsson, Slawek Michalt, Sonja Keller, Stepan Ueding, Stephan Müller

Die Ausstellung in der Schliemannstraße 34 in Berlin läuft vom 19. Mai bis 22 Juli 2011.
Weitere Informationen; http://www.motaitalic.com/gallery
Der niederländische Schriftanbieter Underware startet eine neue Plattform, auf der man sich hochwertige gravierte Ringe nach eigenen Wünschen zusammenstellen kann. Als Schriften stehen die beliebten Underware-Schriften Liza, Fakir, Dolly, Bello, Sauna, Unibody und Auto zur Auswahl. Die Ringe können in einem Online-Editor entworfen und direkt in 3D betrachtet werden.
 



http://www.typerings.com
Wir wissen wenig von Armenien. Als ich vor zwei Jahren eine Reise in die armenische Hauptstadt Jerewan plante, musste ich die Frage nach dem Warum immer wieder beantworten. Armenien? Und wo ist das nochmal genau? (Ich wusste das anfangs auch nicht.) Meine Freunde schienen recht ratlos nach einem Grund dafür zu suchen, genau dort seinen Urlaub verbringen zu wollen. Was wissen wir von Armenien: Völkermord und Vertreibung? Krieg in Bergkarabach? Die sowjetische Vergangenheit und die Radio-Eriwan-Witze? System of a Down? Und sonst?
Ich entdeckte in Armenien viel, auch Unerwartetes. Da sind weite Landschaften mit kahlen Bergen, auf denen wie eingewurzelt jahrtausendalte Klöster stehen mit schweren Säulen aus schwarzem Stein. Da sind gastfreundliche Menschen, warmherzig und stolz zugleich, die eine kantig weiche Sprache sprechen; da ist viel Licht, viel Wärme und Musik, die melancholisch ist und tröstlich zugleich; Grillfleisch und Maulbeeren und unglaublich süßes Obst.
Und da war der Mönch, der seinem Volk ein Alphabet erfand. Sein Name war Mesrop Mashtots.
Wer durch Jerewan geht, dem sticht der imposante Bau am obersten Ende der breiten Mashtots-Straße ins Auge. Der ist weder ein Regierungsgebäude noch der Hauptsitz einer Bank, wie ich zunächst vermutete, sondern der »Matenadaran« – das zentrale Handschriftenarchiv, Studienzentrum für alte Schriften und eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Armeniens. Zehntausende Manuskripte, Dokumente, Fragmente ab dem 5. Jahrhundert werden hier aufbewahrt; seit 1997 zählt der Bestand zum Weltdokumentenerbe der Unesco. Ein kleiner Teil davon ist öffentlich zu besichtigen und zieht jedes Jahr über 50'000 Besucher an. Und draußen vor diesen heiligen Hallen der Buchstaben sitzt ein steinerner Mesrop Mashtots und lehrt seinen Schüler Koryun das armenische Alphabet, sein Werk, das er zu Beginn des 5. Jahrhunderts schuf.


(Abbildungen: Mesrop Mashtots, Skulptur vor dem Matenadaran; Foto: GuggiePrg/Wikimedia Commons | Museum im Jerewaner Matenadaran; Foto: Typographische Gesellschaft München)

»A und B« und 36 andere Zeichen
Heute umfasst das armenische »Ayb-u-Ben« (»A-und-B«) 38 Zeichen jeweils als Versal- und Minuskelform. 36 davon gehen in der Versalform auf Mesrop Mashtots zurück, die Minuskeln und die beiden letzten Zeichen wurden im Mittelalter hinzugefügt. Was an der Transkription irritieren mag, sind die scheinbaren phonetischen Überschneidungen; so gibt es etwa drei Zeichen für Laute, die wir im Deutschen allesamt mit dem Buchstaben »e« wiedergeben würden, es gibt zwei »t«, zwei »k«, drei »r«-artige Laute und eine geradezu beeindruckende Häufung von Zischlauten. In der armenischen Sprache aber sind die feinen, für uns teils nur schwer hörbaren Unterschiede zwischen den Phonemen, für welche diese Zeichen jeweils stehen, semantisch relevant. Dies lässt erahnen, wie präzise das armenische Alphabet die Sprache, für die es gestaltet wurde, phonetisch abzubilden vermag.
Armenisches Alphabet in der deutschen Transkription für Ostarmenisch, wie es heute in Armenien gesprochen wird. (Vgl. Wikipedia)


Das armenische Alphabet ist eines der wenigen weltweit, das gezielt »erfunden« wurde; sein Schöpfer wird noch heute als Heiliger verehrt. Mesrop Mashtots' einheitliches armenisches Alphabet löste mehrere zuvor verwendete Keilschriften ab und ermöglichte die nachhaltige Verbreitung der Heiligen Schriften unter den Armeniern (deren Land bereits 301 n. Chr. als erstes überhaupt das Christentum als Staatsreligion angenommen hatte). Auch war mit dem eigenen »Aybuben« eine fruchtbare Basis gelegt für die Entwicklung einer reichen Kulturgeschichte mit einer der ältesten Nationalliteraturen der Welt.
Damit ist das armenische Alphabet zu einem zentralen Ankerpunkt geworden für die armenische Identität. Im übertragenen Sinne stehen diese 38 Zeichen auch für die Identifikation der Armenier mit ihrer alten Kultur, die dieses kleine, oft unterdrückte Volk mit berührender Bestimmtheit lebt und liebt. Und die Leidenschaft der Armenier für ihr Alphabet ist schwer zu übersehen. Schon die Wände vieler alter Kirchen sind über und über von kunstvoll gemeißelten oder gemalten Schriftzeichen bedeckt. Die Kapelle von Oshakan, in deren Krypta Mesrop Mashtots begraben liegt, ist mit ihrem Alphabetfenster und den kunstvoll verzierten Buchstabenskulpturen ein beliebtes Ausflugsziel. Man hängt sich dekorative Alphabete an die Wand (und verkauft sie in Stein gekerbt, in Stoff gefärbt, auf Leder gemalt, in Teppiche gewebt auch an Touristen), und irgendwo in der weiten Landschaft wurden unlängst 38 über mannshohe Steinlettern errichtet, zur Feier des 1600-jährigen Geburtstags des armenischen Alphabets.
Mit Schriftzeichen bedeckte Wand in der Klosterkirche Gandzasar, Bergkarabach. (Foto Nina Stössinger
)

Kunstvoll verzierter Steinbuchstabe in Oshakan, Armenien. (Foto Nina Stössinger)

Steinskulpturen im »Alphabet Park« bei Artashavan, Armenien. (Foto Nina Stössinger)

Souvenir aus Armenien: gemaltes Alphabet auf Kalbsleder, zum Aufhängen. (Sammlung Nina Stössinger)

Von Experimentierfreude und Aufholbedarf
Mich erfasste in Armenien eine beinahe ehrfürchtige Faszination für diese strengen, schlichten, fremden Formen, die in den unterschiedlichsten Anwendungen mit so viel Aufmerksamkeit inszeniert werden. Vor allem in »klassischen« Disziplinen wie Kalligrafie, Schriftenmalerei und Steinbildhauerei werden die reiche Vielfalt und künstlerische Eigenständigkeit armenischer Schriftkultur noch immer lebhaft spürbar.
»Im Prinzip ja, aber …«, würde Radio Eriwan andererseits wohl zu recht auf die Frage antworten, ob es denn heute schon genügend digitale Fonts fürs Armenische gebe. Vor allem nach der Loslösung Armeniens von der Sowjetunion 1991 drängte die digitale Schriftproduktion voran; zunächst wurden vor allem eifrig armenische Pendants zu gängigen lateinischen Typen sowie eine Anzahl von Gebrauchsschriften erstellt. Viele dieser heute erhältlichen Fonts sind stark geprägt von den lateinischen Formen, denen sie zur Seite gestellt wurden. Eigenständige, »original« armenische Schriftkreationen sind dagegen noch eher rar, und die eigene Experimentierfreude, mit der hier in vordigitaler Zeit Zier- und Auszeichnungsalphabete gezeichnet wurden, beginnt erst ganz allmählich auch in der Welt der digitalen Schriftgestaltung Fuß zu fassen.
Aktuelles Beispiel armenischer Steinmetzkunst. (Foto: Hrant Papazian)

Zwei fantasievolle vordigitale Alphabete aus Fred Afrikyans Musterbuch »Tarrarwest« (»Buchstaben-Kunst«), 1984.

So wundervoll es einerseits ist, ein eigens gestaltetes Alphabet zu haben, das so genau auf die Sprache passt: Auf der anderen Seite ist es für das armenische »Minderheitenalphabet« mit weltweit weniger als zehn Millionen Nutzern nicht leicht, im Zuge der schrifttechnischen Globalisierung weder unterzugehen noch gedankenlos mitgerissen zu werden. Im Armenischen scheint die Gefahr fast noch größer zu sein als in strukturell andersartigeren Alphabeten (wie etwa dem arabischen), dass seine Buchstaben als bloße Variationen lateinischer Grundformen interpretiert werden: Sie scheinen diesen ja hinreichend ähnlich zu sein … Armenisch wird wie Lateinisch in unverbundenen Groß- und Kleinbuchstaben von links nach rechts geschrieben; und die Formsprache wirkt zumindest teilweise vertraut, erinnert doch das armenische kleine »a« an ein doppeltes »u« oder ein umgedrehtes »m«; das armenische scharfe »s« ähnelt unserem »u«, das »o« einem »n« und so weiter. Solche oberflächlichen Ähnlichkeiten sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier um ein grundsätzlich anderes, eigenständiges Alphabet handelt. Dessen ungeachtet wurden auch manche armenischen Buchstaben, deren Formen in den alten Handschriften nur wenig mit ihren lateinischen Pendants gemein hatten, diesen durch die Jahrhunderte zunehmend angeglichen. Allgemein lässt sich beobachten, dass einige traditionelle, aber »unlateinische« Schriftmerkmale zunehmend verschwanden: so etwa die leichte Vorwärtsneigung vor allem der Minuskeln, die auffallend kleine Mittellänge oder auch seitlich ausladende, ineinander verschachtelte Ober- und Unterlängen (im Bleisatz halt auch wenig praktikabel).
Ausformungen des armenischen kleinen »h« durch die Schriftgeschichte. Links alte handschriftliche und frühe typografische Formen; nach rechts zunehmende Orientierung an der entsprechenden lateinischen Form. (Grafik: Hrant Papazian)

Von neuem Interesse und neuen Plattformen
Mittlerweile liegen nun armenische Versionen von Helvetica, Times, Cooper Black und Konsorten vor. Und jenseits von diesem »Pflichtprogramm« hat sich gerade in den letzten Jahren einiges an Neuem bewegt im armenischen Schriftschaffen. Von einer jungen Generation digital und international denkender Typedesigner, die unter der Flagge von OpenType den nichtlateinischen Schriften allgemein neues Interesse schenkt, hat auch die armenische Schriftgestaltung frische Impulse erhalten; nicht zuletzt aus der Diaspora und selbst von Nichtarmeniern. Und die armenische und armenophile Typoszene hat Initiativen gestartet, um die armenische Schrift bekannter zu machen, Gestalter dafür zu interessieren und zu sensibilisieren sowie den Austausch unter Gestaltern armenischer Fonts zu fördern. Zentral ist hierbei der internationale Schriftwettbewerb Granshan, 2008 von Armeniens wohl umtriebigstem Typedesigner Edik Ghabuzyan mit dem armenischen Kultusministerium initiiert. 2010 gelang ein belebender Brückenschlag zwischen der armenischen und der westlichen Typoszene, als die Typographische Gesellschaft München (die 2009 eine Studienreise nach Armenien durchgeführt hatte) mit großem Engagement vor allem ihres 1. Vorsitzenden Boris Kochan in die Ausrichtung des »Granshan« mit einstieg. Ebenfalls 2010 beendete ein großer, zweiteiliger Artikel zur »Story of the Armenian Alphabet« von Carolyn Puzzovio (die oft als eine Botschafterin armenischer Schrift im Westen bezeichnet wird) ein jahrzehntelanges Schweigen zu diesem Thema im Journal »Baseline«, und an der Dubliner ATypI-Konferenz im selben Jahr standen gleich mehrere Beiträge zum armenischen Schriftschaffen auf dem Programm, die auf reges Interesse stießen. 2012 steht nun ein besonders wichtiges Jahr bevor: Dann nämlich feiert Armenien den fünfhundertsten Jahrestag des ersten armenisch gedruckten Buches; für das gleiche Jahr hat die Unesco Jerewan zur Weltstadt des Buches ernannt – und Edik Ghabuzyan hat sogar eine Initiative angeschoben, die ATypI-Konferenz 2012 in Jerewan stattfinden zu lassen!

Insgesamt ist also eine eigentliche neue Welle von internationalem Interesse an der armenischen Schriftgestaltung ausgelöst worden. Sie hat aber auch deutlich gemacht, wie wenig Information hierzu bisher verfügbar war (gerade online, gerade auch auf Englisch). Vor diesem Hintergrund trat der engagierte armenische Schriftgestalter und Konzepter Hrant Papazian – mit dem ich zu diesem Zeitpunkt schon intensiv an der lateinisch-armenischen Schriftfamilie Ernestine&Vem zusammenarbeitete – im Spätsommer 2010 auf mich zu mit der Idee, ein »Schriftportal« aufzubauen: eine Website, die Typedesignern eine spezialisierte Plattform bieten und zugleich Neulingen, auch Nichtarmeniern, einen Zugang zur Welt des »Aybuben« eröffnen könnte. Je länger ich über die Idee nachdachte, desto zwingender schien sie mir. Jemand müsste, jemand würde so etwas bauen – und wieso nicht wir?
Die nächsten Wochen standen im Zeichen des heftigen Konzeptens und Produzierens. Basierend auf einer Wordpress-Installation baute ich die Site auf, gestaltete das Interface aus, überlegte an Inhaltsstrukturen herum. Hrant schrieb Texte, warb Mitstreiter an, machte Werbung, organisierte eine Launch-Party. Das Ganze koordinierten wir per Email; über 400 Mails waren es allein in der letzten Woche vor dem Launch, und pünktlich zum armenischen »Tag der Heiligen Übersetzer«, am 9. Oktober 2010, schalteten wir unsere Website auf: Armenotype.com.
Armenotype ist eine nichtkommerzielle, kulturell orientierte Plattform, die Berichte, Bilder, Interviews und Nachrichten bietet und Impulse zu konstruktivem Diskurs geben will. Die Site stellt armenische Schriften vor (bisher zum Beispiel die Calouste von Miguel Sousa) und Schriftgestalter (zum Beispiel Khajag Apelian), berichtet über Hintergründe und aktuelle Ereignisse. Das internationale Interesse, auf das die Site sofort stieß, war beeindruckend. Die Nachricht vom Launch verbreitete sich auf dem Netz sehr rasch, Onlinequellen von der armenischen News-Site Asbarez bis zum Ministry of Type berichteten, der Launch wurde live vom Diaspora-Sender Horizon TV in Los Angeles begleitet und Hrant zu einem Fernsehinterview eingeladen. Offenbar hatten wir wirklich einen Nerv getroffen.
Während der Veröffentlichungsfeier von Armenotype in Glendale (LA) diskutiert Hrant Papazian mit interessierten Gästen

Hrant Papazian im Fernsehinterview zum Start von Armenotype am 9. 10. 2010, Horizon TV, Los Angeles

Da das Zielpublikum hauptsächlich aus internationalen Interessenten besteht, sind die Inhalte zumeist auf Englisch, teils auch auf Armenisch abgefasst (optional mit Übersetzung). Ziel ist auch, unterschiedliche Autoren zu engagieren, um möglichst mehrstimmig die Vielfalt armenischen Schriftschaffens zu dokumentieren und zu diskutieren. Dennoch sind es nach wie vor vier Schultern, auf denen die Site letztlich ruht: die von Hrant Papazian (Konzeption und Redaktion) und mir (Design und Technik), und anstatt unsere Kapazitäten damit zu überlasten, die Site laufend am Köcheln zu halten, sammeln wir unsere Kräfte und setzen auf »schubweises« In-Gang-Setzen. Die nächsten Artikel und auch neue Autoren sind in der Pipeline …
Es ist ein Nischengebiet, das wir bespielen, aber ein reiches und spannendes, das immer wieder auch Außenstehende zu begeistern vermag – wie auch mich die Vielfalt der armenischen Zeichen auf meiner Armenienreise mitriss. Und ich bin glücklich darüber, dass Armenotype schon in der kurzen Zeit seines Bestehens vielen Menschen einen Eindruck von der armenischen Schriftkultur und auch eine Freude daran hat vermitteln können, die sich zuvor nie damit beschäftigt hatten. Meine Hoffnung ist, dass die Website weiterhin ihren Teil dazu beitragen kann, das Schaffen in der kleinen, reichen Welt der armenischen Schriften weiter zu beleben und die Faszination des »Aybuben« auch nach außen weiterzuvermitteln – aufs große Jahr 2012 hin und darüber hinaus.

Zugehörige Links:
Armenotype.com Nina Stössinger Multimedia & Grafik
Vom 18. bis 19. Juni 2011 findet an der Universität der Künste Posen das 2. Typetalks-Symposium statt. Die Veranstaltung verbindet Vorträge, Workshops und Kurzpräsentationen (»TypeShorts«).

Das Vortragsprogramm am 19. Juni:
 
Indra Kupferschmid (DE)
Georg Trump’s less-known typefaces Jacek Mrowczyk (PL)
Who is who in Polish type design Martin Tiefenthaler (AT)
On the affective implications of good and bad typography Jasso Lamberg (FI)
Transformer with a daily deadline Lucas de Groot (DE/NL)
Designing large type families Adam Twardoch (PL/DE)
Automated high-end typography: a field report Akiem Helmling, Underware (DE/NL)
Carry-on

Die Teilnahmegebühren betragen in der Frühbucherphase 33 € für Studenten und 50 € für alle anderen Besucher. Ausführliche Informationen zum Veranstaltungsort und den einzelnen Vorträgen bietet die Webseite von Typetalks.
Im Fotosatz war es üblich, dass sich Designer nur einzelne Überschriften ausbelichten ließen und für diesen Service bezahlten. Diese Möglichkeit wurde nun ins digitale Zeitalter übertragen. Photolettering.com ist eine Zusammenarbeit zwischen House Industries, Christian Schwartz und Erik v. Blokland. Man erwirbt dabei nicht die Lizenzen für komplette Schriften, sondern erhält Vektordateien der individuell erstellten Zeile, die sich in einem Online-Interface auf vielfältige Weise konfigurieren und manipulieren lässt.

Die dafür verfügbaren Schriften basieren auf den Originalfilmen des in den USA sehr erfolgreichen Fotosatz-Anbieters Photo-Lettering, der 1936 in New York gegründet wurde. Zu ihren Designern zählten bekannte Größen wie Ed Benguiat. House Industries hat den kompletten Schriftbestand übernommen und lässt das Prinzip Fotosatz nun auf diese Weise wieder aufleben.

http://www.photolettering.com


Der weltweite Austausch von Daten gewinnt zunehmend an Bedeutung. Unterschiedliche Computer-Plattformen, Programmiersprachen und Datenbanksysteme verlangen nach einem einheitlichen Kodierungsstandard zum Datenaustausch.
Die frühere Beschränkung auf eine Kodierung mit 8 Bit (siehe Teil 2 der Artikelserie) kann diese Forderung nicht erfüllen, da die damit möglichen 256 Zeichen lediglich ausreichen, um einzelne Sprachsysteme abzubilden. Das Mischen beliebiger Sprachen ist damit nicht möglich. Es ist natürlich auch mit 8-Bit-Fonts und -kodierungen denkbar, einen Text zu erstellen, der zum Beispiel russische und griechische Textabschnitte enthält. Diese müssen dazu lediglich mit entsprechenden Fonts (zum Beispiel Helvetica Cyrillic und Helvetica Greek) formatiert werden. In den 1990er Jahren war dies mit den damaligen PostScript-Type1-Fonts gängige Praxis. Doch auch dies kann nur eine Notlösung sein. Denn im Dokument bedienen sich dann zwangsläufig beide Sprachen der gleichen Binärkodes – eine eindeutige Zuordnung eines Kodes zu einem Zeichen ist nicht gegeben. Schon das Öffnen des Dokuments in einer anderen Schriftart würde die Inhalte für den Empfänger unbrauchbar machen.

Eine eindeutige Zeichenkodierung, die unabhängig von Sprachräumen und Rechnerplattformen ist, scheint heute aber unabdingbar – sei es für die Kundendatenbank eines weltweit agierenden Unternehmens oder den Satz einer wissenschaftlichen Arbeit oder eines vielsprachigen Medikamenten-Beipackzettels. Die Lösung dieser Probleme ist so einfach wie nahe liegend. Statt verschiedene Sprachen durch identische Kodes abzubilden, muss ein Standard geschaffen werden, der jedem grafischen Zeichen oder Element aller bekannten Schriftkulturen und Zeichensysteme einen eindeutigen Kode zuordnet. Dieser Standard ist Unicode. Er gibt jedem Zeichen seine eigene Nummer – plattformunabhängig, programmunabhängig und sprachunabhängig.

 
Die Tragweite dieses Zeichensatzes geht allerdings weit darüber hinaus, einfach nur ein weiterer Industrie-Standard im Wirrwarr der Zeichensätze zu sein. Mit dem ehrgeizigen Ziel, jedem Sinn tragenden Zeichen der Welt eine eindeutige Kodierung zu geben, wird der Unicode gleichsam zum kulturgeschichtlichen Projekt. Selbst Schriftzeichen, die nur von kleinen Menschengruppen benutzt werden, können im Unicode vertreten sein, und Schriftsysteme, die in Zukunft vielleicht außer Gebrauch geraten, werden im Unicode für alle Zeit bewahrt. Der Unicode bildet somit ein dauerhaftes »Museum der Schriftkultur«.

Für die Entwicklung des Standards hat sich das Unicode-Konsortium gegründet, eine gemeinnützige Organisation, deren Mitglieder ein breites Spektrum von Firmen und Institutionen in der datenverarbeitenden Industrie und Informationstechnologie vertreten. Der Unicode-Standard wurde im Jahr 1991 erstmals veröffentlicht. Er wird von führenden Computer-Unternehmen wie Apple, Hewlett-Packard, IBM, Microsoft, Sun und so weiter unterstützt. Es bestehen kaum Zweifel daran, dass sich Unicode zum wichtigsten Kodierungsstandard entwickeln wird – zur Lingua Franca der digitalen Welt. Dennoch ist weder die umfassende Verbreitung noch die Entwicklung des Standards schon völlig abgeschlossen. Unicode wird fortlaufend um neue Zeichen ergänzt. Im Schnitt kommen pro Jahr 1000 neue Zeichen hinzu. In der aktuellen Version 6 sind circa 110.000 Zeichen erfasst. Allerdings bietet der Standard Platz für über eine Million Zeichen.


 
Wenn Unicodes notiert werden sollen, benutzt man in der Regel eine hexadezimale Darstellung (Ziffern von 0–9, Buchstaben von A–F) mit einem vorangestellten »U+«. Der kleinste Wert ist U+0000, der größte ist U+10FFFF. Dazwischen ist Platz für die besagten eine Million Zeichen. Das kleine Eszett hat beispielsweise den Unicode-Wert U+00DF und das große Eszett, das mit der Unicode-Version 5.1 erschien, hat den Kode U+1E9E. Sobald neue Unicode-Zeichen aufgenommen wurden, sind sie sofort auf allen Unicode-fähigen Geräten anwendbar. Zur Darstellung auf Monitoren und Druckern wird natürlich mindestens ein Font benötigt, der über die neuen Zeichen verfügt. Für den Computer spielt die Darstellung natürlich keine Rolle. Man kann auch Unicode-Zeichen ohne konkrete Darstellung von einer Anwendung zur nächsten kopieren.

Theoretisch kümmert sich Unicode jedoch nur um so genannte »Sinn tragende Zeichen«. Kapitälchen, Schmuckligaturen und ähnliche typografische Besonderheiten, sind für das Unicode-Konsortium nicht interessant, da sie als Glyphenvarianten zu bestehenden Unicode-Zeichen angesehen werden. Diese Zeichen müssen also in der Regel ohne einen Unicode auskommen und sind dann ausschließlich über OpenType-Funktionen ansprechbar. Schriftanbieter haben jedoch die Möglichkeit, diesen Zeichen einen »privaten« Unicode zuzuweisen. Dazu bietet der Unicode-Standard einen besonderen Bereich zur freien Verfügung an: die so genannte Private Use Area (PUA). Werden in Fonts bestimmten Zeichen PUA-Kodes zugewiesen, kann man diese Zeichen also z.B. in der Zeichenpalette/Zeichentabelle des Betriebssystems finden und per Kopieren-und-Einfügen benutzen. Allerdings führt dann gegebenenfalls schon ein Wechsel der Schriftart zu völlig unterschiedlichen Zeichen, da dieser private Bereich eben nicht standardisiert ist.


 
Welche Zeichen neu aufgenommen werden, hängt natürlich von den Interessen der einreichenden Parteien ab. Nicht jedes der circa 100.000 Zeichen kann wirklich als sprachlich Sinn tragend bezeichnet werden. Gerade im Bereich der Piktogramme finden sich zum Beispiel unzählige Zeichen mit fragwürdiger Relevanz, wie etwa PILE OF POO. Aber auch diese Zeichen sind im »Museum der Schriftkultur« für alle Zeit konserviert. Einmal kodierte Zeichen werden nie wieder entfernt.


 
Neben dem Unicode-Wert hat jede Kodestelle auch einen eindeutigen englischen Namen, der das Zeichen meist inhaltlich oder notfalls visuell beschreibt. Zwar kann man sich die 100.000 Namen nicht alle merken, aber es hilft bei der Suche nach bestimmten Zeichen durchaus, sich ein wenig mit dem System vertraut zu machen. So lässt sich der Zeichenvorrat in den Tools der Betriebssysteme leicht über den Namen eingrenzen. Im nebenstehend gezeigten Beispiel von Mac OS X werden etwa durch Eingabe des Begriffs »Arrow« automatisch alle kodierten Pfeilsymbole angezeigt. Ein weitere Klick auf einen bestimmten Pfeiltyp zeigt im Anschluss, welche der installierten Schriften über genau diesen Unicode-Pfeil verfügen. 


 
Wer weder Unicode-Wert noch Namen kennt, kann sich durch die verschiedene Unicode-Blöcke hangeln. In diesem Bereichen sind die Zeichen systematisch zusammengefasst; sei es bezogen auf das Schriftsystem (lateinisch, griechisch usw.) oder auf die Art und Funktion der Zeichen (Währungszeichen, diakritische Zeichen usw.)


 
Unicode ist heute der Standardzeichensatz in Windows, Mac OS, Unix usw. und auch im Internet werden die klassischen 8-Bit-ISO-Zeichensätze immer mehr von Unicode-kodierten Webseiten verdrängt. Daher bereitet der Austausch von mehrsprachigen Dokumenten nach und nach immer weniger Probleme. Und auch Systemschriften und kommerzielle OpenType-Fonts besitzen einen immer größeren Zeichenvorrat, um den gestiegenen Anforderungen der globalen Kommunikation gerecht zu werden. Anwender müssen jedoch darauf achten, in welcher Kodierung verfasste Dokumente weiter gegeben werden. Die alten systembasierten 8-Bit-Kodierungen wie Mac Roman und Windows 1252/ANSI sollten für einen plattformübergreifenden Austausch vermieden werden. Auch ist es wichtig, dass die Information über die verwendete Kodierung im Dokument selbst enthalten ist, damit das öffnende Programm sie auch benutzen kann. TXT-Dateien enthalten zum Beispiel keine Informationen über die verwendete Zeichenkodierung und auch Webseiten werden nicht automatisch mit dieser Information ausgeliefert. Im Zweifel benutzt das Anzeigeprogramm dann einfach die Standardkodierung und Sonderzeichensalat ist nicht selten die Folge.
Weiter Informationen zum Unicode und Übersichten aller kodierten Zeichen gibt es auf der offiziellen Homepage unter http://unicode.org


(Illustration: Kai Meinig)
Außerhalb der regulären Aktualisierungen der Creative Suite hat Adobe die Veröffentlichung der Version 5.5 angekündigt. Die Zwischenversion widmet sich vor allem dem digitalen Publizieren von Dokumenten auf Smartphones und Tablet-Geräten. Entsprechende Tools waren seit einiger Zeit als Beta-Versionen verfügbar und sind nun in der Creative Suite 5.5 vollständig integriert. Neben einigen zusätzlichen Tools für Photoshop betreffen die Änderungen daher vor allem Adobe InDesign. Dokumente können direkt für iPad und Android-Geräte ausgegeben werden oder direkt über die Server der Adobe Digital Publishing Suite verbreitet werden. Außerdem wurden die Möglichkeiten zum Export von eBooks im EPUB- und HTML-Format deutlich verbessert.
Die Suite sowie die Einzelanwendungen können ab sofort in den deutschen Versionen vorbestellt werden. Die Aktualisierung von InDesign 5 auf die Version 5.5 schlägt mit 177,31 Euro zu Buche; die Aktualisierung der kompletten Design-Premium-Suite kostet 534,31 Euro. (Brutto-Preise)
Weitere Informationen zu den Neuerungen gibt es auf der Homepage von Adobe.

Neu ist auch die Möglichkeit, die Programme zu mieten. Für 7,5 Prozent des normalen Netto-Kaufpreises kann man die Produkte monatsweise mieten. So können Nutzer, die nur zeitweise an einem Projekt mitarbeiten, für diese Zeit mit einer Nutzungslizenz ausgestattet werden, ohne dass eine teure Einmallizenz nötig wäre, die sich dann oft gar nicht rechnen würde.
Nach den typografischen Ringen gibt es im Dawanda-Shop Ana Karijoka jetzt auch Manschettenknöpfe. Die Manschettenknöpfe sind aus 925er Silber und matt geschliffen oder glänzend. Sie sind mit einem Einsatz aus Acryl versehen, der rückseitig mit einem Buchstaben bedruckt wird. Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten unter:
http://de.dawanda.com/shop/anakarijoka/955225-Manschettenknoepfe




Auch in anderen Dawanda-Shops finden sich zahlreiche typografische Schmuckstücke. Insbesondere alte Schreibmaschinentasten lassen sich offenbar hervorragend zu Ringen, Ketten, Anhängern, Ohrringen usw. verarbeiten:
http://de.dawanda.com/search?as=&page=1&q=schreibmaschinen

Das Berliner Schriftenhaus FSI FontShop International hat seine Homepage fontfont.com umfassend überarbeitet. »Schnell, aufgeräumt und leicht zu bedienen« sollte sie sein, wünschte sich Marketing-Leiter Ivo Gabrowitsch. Entwickelt wurde die neue Seite von Mitgründer Erik Spiekermann und seinem Team bei Edenspiekermann.
 

 
Eine so große Schriftbibliothek auf einfache Weise für unterschiedlichste Nutzer und Suchanforderungen zugänglich zu machen, ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Die Umsetzung bei FSI wirkt in jeder Hinsicht gelungen und zeitgemäß. Über die Browse-Funktion kann die gesamte Bibliothek visuell durchstöbert werden. Wer schon genauer weiß, was er möchte, kann über die Suchen-Funktion die Schriftauswahl auf einfache Weise eingrenzen. Stil, Formate, Schriftsystem, Strichstärke und Weite, Designer und Schriftfamilie stehen als Filter zur Verfügung. Die Ergebnisse werden direkt angezeigt, ohne die Seite neu laden zu müssen.
 

 
Auch die Darstellung der Detailinformationen wurde deutlich verbessert. Die Schriftmuster werden nun beträchtlich größer dargestellt, um die jeweiligen Fonts auch in jedem Detail begutachten zu können. Darüber hinaus wird die Zeichenbelegung übersichtlich dargestellt und für viele Schriften sind Bilder aktueller Anwendungsbeispiele hinterlegt.
https://www.fontfont.com
Andreas Seidel hat seine Serie typografischer Akkoladen um ein weiteres Set erweitert. Damit lassen sich aufeinander abgestimmte, kalligrafische Schwünge und Rahmen spielend einfach setzen.

Die Schriften sind ab 32 Dollar über MyFonts erhältlich. Das Schriftmuster-PDF gibt einen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten der 6 Fonts. Die InDesign-Dateien des Schriftmusters sind im Download-Paket enthalten, so dass sich die Nutzer mit dem Setzen und Kombinieren der Glyphen vertraut machen können.
 

Typografie.info-Mitglied Burkhard Liermann von Protondesign in Völklingen hat das neue Leitsystem für die Marienhausklinik Kohlhof im Saarland entwickelt. Über Typografie.info fand er die passende Schrift für sein Projekt. Wir führten dazu ein Interview mit dem Designer.

Du bist ja schon seit Jahren im Bereich Werbung tätig. Gehört eigentlich der Bereich Beschilderung und Leuchtwerbung automatisch dazu?
Moderne Werbekonzepte müssen natürlich alle Bereiche berücksichtigen, und es zeichnet einen guten Designer aus, wenn er vielseitig ist. Deshalb gehören Schilder und Beschilderungen dazu und damit auch die Leuchtwerbung. Geschäftskunden legen heutzutage großen Wert darauf, dass sie alles aus einer Hand bekommen können. Die klassische Werbung mit Logo, Homepage, Flyern und Briefpapier ist noch immer wichtig, aber immer öfter habe ich in den letzten Jahren gehört: »Ich brauche da noch eine Schaufensterbeschriftung ...« Wenn ich ein Werbekonzept für ein Restaurant erstelle, dann gehört neben der Speisekarte eben auch die Leuchtwerbung dazu, vielleicht zusätzlich ein beschrifteter Pylon im Eingangsbereich. Für mich ist es jedenfalls eine selbstverständliche Serviceleistung, dass ich meine Kunden auch im Hinblick auf die Gestaltung von Leuchtwerbung und Beschilderung kompetent und effektiv beraten kann.
 


Inzwischen kann ich mit meinen Partnern auch Sonderlösungen – wie mit zwei Radien gebogene Schriftzüge, gebogene Fronten mit dekupiert und durchgesteckten Acrylglasbuchstaben sowie tief- oder hochgezogene Logos etc. realisieren. Durch den Fortschritt der LED-Technik, durch die Vielfalt der zur Verfügung stehenden Maschinen und Elektronik ist in diesem Bereich nahezu alles möglich – auch computergesteuerte Leit- und Orientierungssysteme.

Wie kam es zum Auftrag für die Gestaltung der Marienhausklinik Kohlhof und in welchem zeitlichen Rahmen wird so ein Projekt bearbeitet?
 

 
Der Auftrag wurde mit Fördergeldern realisiert, und die öffentliche Ausschreibung war auf bekannten Ausschreibungsportalen hinterlegt. Ein Anruf beim Architekten, der als Ansprechpartner genannt war, brachte mir einen ersten Kontakt und zusätzlich viele Hinweise zu meinen Fragen. Solche Kontakte zu Entscheidern, Auftraggebern und Generalunternehmern sind -auch schon im Vorfeld-immens wichtig.
Im Normalfall sollte man vier bis sechs Monate für die Vorbereitung einplanen. Je nach Anzahl der Entscheider, Gremien, Arbeitsgruppen etc. kann sich so ein Projekt schon im Vorfeld ziemlich hinziehen. Es sind viele Absprachen und Entscheidungen mit vielen unterschiedlichen Beteiligten nötig. Bei solchen Runder-Tisch-Gesprächen sollte man die Meilensteine der Projektphasen genau im Kopf (oder auf Papier) haben, um so viel Fragen wie möglich zu klären.

Mit welchen Parteien arbeitet ein Designer bei so einem Projekt zusammen?
In der Regel gibt es direkte und indirekte Ansprechpartner. Je nach Auftrag sind hier zu nennen: der Generalunternehmer, der Architekt, der Projektsteuerer, der Endkunde mit seinen diversen internen Gremien oder Arbeitsgruppen (Direktorium, Chefärzte, Ärzte, Personal, technische Leitung etc). Wichtig ist es, von Anfang an einen einzigen Hauptansprechpartner und Entscheider zu finden, den man dann in allen Belangen konsultieren kann.
 


Wo liegen typische Probleme und Stolperfallen?
Als ich angefangen habe, in diesem Bereich tätig zu werden, war es besonders problematisch für mich, wenn sich ein Projekt verselbstständigt hat und untergeordnete Gruppen bei wichtigen Entscheidungen mitreden wollten. Damals habe ich gelernt: Um das Projekt im Auftragsrahmen zu halten, müssen konsequent die vereinbarten Regeln eingehalten werden. Sonst kann das ganze Projekt gefährdet sein. Das gezielte und sorgfältige Projektmanagement vor Beginn der Bauphase hat also oberste Priorität. Fehler wie falsche Maße, Schätzungen und nicht sorgfältig ausgeführte Aufmaße, können in der Ausführungsphase zu Problemen führen, die dann nebenbei auch noch gelöst werden müssen. In der Hochphase gilt es, zu kontrollieren, abzugleichen, Monteure zu unterrichten, zu motivieren und immer den Überblick zu behalten. Des Weiteren müssen jederzeit die Budgetkontrolle, Arbeitsstundenkalkulationen etc. im Blickfeld bleiben.
 


 
Was ist das Besondere an der Beschilderung von Krankenhäusern?
Im Gegensatz zu offen gestalteten Räumen wie Bahnhöfe sind Krankenhäuser berühmt für ihre langen, möglicherweise noch verschachtelten Gänge, in denen man schnell die Orientierung verliert. Hinzu kommt, dass die Besucher und das Personal unterschiedliche Ziele haben können. Also heißt die Herausforderung: Wie findet man die typischen Laufwege der Benutzer? Und wie gestaltet man die Beschilderung an den Entscheidungspunkten so, dass sie für alle Benutzer funktioniert?
Grundsätzlich gilt: Ein Leitsystem muss durch Konsequenz überzeugen, durch eine klare Struktur und einheitliche grafische Merkmale, die Hinweisgeber (Schilder und Zeichen) müssen eine einheitliche Zeichensprache und Formgebung haben. In der Marienhausklinik haben wir uns für eine Gliederung entschieden, die wir in eine »vertikale Linie« (4 Etagen) und eine »horizontale Linie« (innerhalb der Etagen bzw. Fachabteilungen) eingeteilt haben.
Die vertikale Linie umfasst zunächst Etagenwegweiser in den Fahrstühlen selbst und gegenüber den Fahrstühlen in den Etagen. Gegenüber den Treppenhausausgängen befinden sich jeweils DIN A3-Schilder mit einer Kurzbeschreibung der nächsten Ziele rechts und links.
In der horizontalen Linie wurden zunächst Deckenwegweiser verteilt. Sie dienen der groben Richtungsweisung in die Fachabteilungen (z. B. Neuropädiatrie, Geburtshilfe etc). Zusätzlich wurden die Türen mit Klartext (ausgeschriebenen Abteilungsnamen) gekennzeichnet.




Und wie muss man sich das praktisch vorstellen?
Auf dem Weg zu den Abteilungen befinden sich Fahnenwegweiser an bestimmten wichtigen Punkten (z.B. Anmeldung, Untersuchungsraum, WC, etc). Die Feininformation befindet sich dann auf den Türschildern (Abteilung, Name, Zusatzhinweise, wie Öffnungszeiten, Sekretariat etc.). Innerhalb einer Station/Abteilung wurde der jeweilige Stützpunkt durch ein neu entwickeltes Logo mittels eines kleinen Deckenabhängers gekennzeichnet. Hier findet der Patient/Besucher Ansprechpartner, die im persönlichen Kontakt die Weitervermittlung übernehmen. Beispielsweise kann man dort eine Schwester ansprechen, die bei der Suche nach einem bestimmten Patienten oder einer Fachabteilung hilfreich zur Seite steht.
Mit dieser dreistufigen Gliederung ist sowohl die Orientierung als auch die Leitung möglich. Der Rückweg ist auf allen Deckenwegweisern konsequent gekennzeichnet, so dass die Hauptziele, wie Ausgang, Information, Bistro jederzeit ersichtlich sind.
 

 
Warst Du denn auch für das Datenmanagement zuständig? Das muss ja eine riesige Datenflut gewesen sein.
Ja, die Verwaltung der Daten gehörte ebenfalls zu meinen Aufgaben. Dieses Datenmanagement erfordert ein Höchstmaß an Konzentration und Sorgfalt. Es beginnt mit Musterseiten für die Positionierung des Logos, der Textinhalte, der Namen und der Raumnummern bis hin zur späteren Bestückung der Schilder. Ich habe mittels InDesign und Platzhaltern über eine XML-Ansteuerung aus Excel die Informationen, die ich vom Kunden erhielt, automatisiert in entworfene Layouts eingebunden. Das hatte den Vorteil, dass ich Änderungen schnell durchführen konnte. Die PDF-Dateien wurden dann an die Druckerei gesendet und die Schilder manuell bestückt.

Welche grafischen oder technischen Vorgaben bzw. Einschränkungen gab es bezüglich der Gestaltung des Leitsystems?
Es existierte eine grobe Corporate-Design-Vorgabe in Bezug auf Logo und Farbe. Im Gespräch mit Kunden und Architekt wurden Layout und Textpositionen bestimmt. Jedoch erwiesen sich geometrische Festlegungen, Formatierung und die Darstellungen von Richtungspfeilen als kleine Zeitbomben. Teilweise mussten drei bis vier Zeilen auf kleinstem Raum untergebracht werden, was zu neuerlichen Layout- und Typografie-Anpassungen führte. Ein Beispiel: das Wort »Unfall-, Hand- und Plastische Chirurgie«. Ich kann verraten, dass sich hier die Schriftenfrage als besondere Herausforderung herausstellte.

Welche Rolle nimmt die Schrift in so einem Leitsystem ein? Welche Fonts hast du getestet und was hat schlussendlich dazu geführt, dich für die Wayfinding Sans als Schrift zu entscheiden?
Auf der Schrift lag zu Beginn unser Hauptaugenmerk. Auf Grund von Platzvorgaben, Abständen und Anordnung auf allen Schildern musste eine klar erkennbare, extrem gut leserliche und flexibel einsetzbare Schrift gefunden werden. Es kamen alle möglichen Schrifttypen zum Einsatz. Wir haben getestet, verworfen und erneut geprüft. Im Forum von Typografie.info wurden Ideen vorgestellt, diskutiert und fachmännisch beurteilt.
Die »üblichen Verdächtigen« wurden dabei ins Auge gefasst. FF Info, Frutiger etc., um nur einige zu nennen. Jede Schrift hatte ihre Vor- und Nachteile, bis wir schließlich die richtige Lösung fanden: die Wayfinding Sans von Ralf Herrmann. Diese Schrift bestand alle Anforderungen mit Bravour und stellte sich als die ultimative Universallösung heraus.



[headline=3]In wieweit hast Du bei der Beschilderung auf die architektonische Gestaltung bzw. auf die Innenarchitektur des Gebäudes Rücksicht nehmen müssen?[/headline]Wenn es nur nach dem Architekten gegangen wäre, hätten einige Schilder nicht montiert werden dürfen. Ich bin aber der Ansicht: Ein gutes System integriert sich in die Architektur, unterstreicht die Eleganz und Klarheit der Raum- und Flurplanung. Die Beschilderung sollte unauffällig, aber wirksam sein. Bei der Positionierung der vielen verschiedenen Schilder waren Ausnahmen die Regel und Sonderlösungen an der Tagesordnung. Da hängt am idealen Standort für ein Schild ein Feuerlöscher an der Wand oder ein Bild beansprucht den besten Platz für die Wegeführung. Dort, wo gebohrt werden muss, liegt ein Kabel unter Putz, oder ein Feuermelder blockiert den längst festgelegten Wandbereich. Trotz genauester Vorplanung kann man nie alle Unwägbarkeiten berücksichtigen. Und einen guten Projektmanager erkennt man auch daran, dass er mit diesen Herausforderungen flexibel umgehen kann.
Am 22. März wurde im Bauhaus-Archiv in Berlin die Ausstellung »Erik Spiekermann. Schriftgestalten« eröffnet. Die Veranstalter vom Bauhaus-Archivs waren wohl selbst überrascht, wie viele Besucher ein Vertreter einer in der Öffentlichkeit so wenig bekannten Kunst wie der Typografie bereits zu Vernissage anlocken kann. In einer intelligenten und kurzweilige Rede führte Johannes Erler (Factor Design) die Besucher in das »Prinzip Spiekermann« ein. Der Wortlaut des Vortrages kann im Fontblog nachgelesen werden.
Die Ausstellung, die noch bis 6. Juni 2011 besucht werden kann, zeigt einen Querschnitt der Arbeit des 63-jährigen Erik Spiekermann: von die Entwicklung seiner bekannten Schriften, über verschiedene Corporate-Design-Projekte, bis hin zur Gründung von FontShop.
Weitere Informationen gibt es auf der Webseite des Bauhaus-Archivs. Nachfolgend einige Bilder der Ausstellung.


<p>Druckgrafisches Museum Pavillon-Presse in Weimar</p>
<p>Druckgrafisches Museum Pavillon-Presse in Weimar</p>
<p>Druckgrafisches Museum Pavillon-Presse in Weimar</p>
<p>Druckgrafisches Museum Pavillon-Presse in Weimar</p>
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