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Typografie-Artikel

Neuigkeiten und Fachartikel zu Schrift und Typografie

Nach dem erfolgreichen Webfontday 2010 gibt es nun eine Fortsetzung der Veranstaltung der Typographischen Gesellschaft München. Am 19. November 2011 findet der 2. Webfontday statt. Während es im letzten Jahr vor allem um die technischen Grundlagen ging, geht es dieses Mal unter dem Motto »Die Revolution frisst ihre Kinder« auch vor allem um die gute typografische Anwendung der Webfonts.



Das Programm ist noch nicht fertig gestellt. Eine Anmeldung ist aber bereits jetzt möglich. Als Redner haben schon zugesagt: Tim Ahrens, Martina Grabovszky, Luc(as) de Groot, Andreas Henkel, Ralf Herrmann, Oliver Reichenstein, Dan Reynolds, Georg Seifert, Jürgen Siebert, Helmut Ness und Torben Willemsen.

Weitere Infos unter http://www.webfontday.de
Auf der jährlichen Konferenz der Association Typographique Internationale (ATypI), die dieses Jahr in Reykjavík stattfand, sprachen Nadine Roßa und Ralf Herrmann über die Besonderheiten des deutschen Eszetts.

Die Präsentation zum großen Eszett kann hier als nachträglich aufgezeichneter Screencast betrachtet werden. Es behandelt die Geschichte des kleinen Eszetts und die heutige Notwendigkeit eines Versal-Eszetts unter Berücksichtigung der typischen Gegenargumente.
 
Der Fonteditor RoboFont von Frederik Berlaen füllt die Lücke eines Editors für das UFO-Fontformat, auf dem bereits viele Programme zur Fontbearbeitung aufbauen (z.B. Superpolator, MetricsMachine, Area51 u.a.).

Genau wie Glyphs von Georg Seifert ist RoboFont ausschließlich für Mac-Nutzer verfügbar. Über das UFO-Format arbeitet RoboFont mit anderen UFO-basierten Anwendungen nahtlos zusammen. Außerdem können PostScript-basierte OpenType-Fonts und TrueType-basierte Fonts (per Konvertierung) geöffnet und generiert werden.



Die Bedienung folgt dem klassischen Prinzip eines Fonteditors. Es gibt eine Glyphen-Übersicht sowie einzelne Bearbeitungsfenster für Glyphen, Kerning, Metrik, Klassen und so weiter. Man findet sich also schnell im Programm zurecht. Entsprechenden Fachwissen ist jedoch zwingend nötig, um vollwertige Fonts von Grund auf in RoboFont zu erstellen. Im Gegensatz zu Glyphs hilft das Programm nicht mit vorgefertigten Zeichenbelegungen oder beim Definieren von Unicode-Werten etc. mit. Dies liegt allein in der Hand des Anwenders.




Auch beschränkt sich die Anwendung momentan auf den Designprozess. Funktionen zum manuellen oder automatischen Hinting der Fonts sind aktuell nicht vorgesehen. Wer die Programmiersprache Python beherrscht kann das Programm zudem nach belieben durch eigenen Skripte um einfache oder komplexe neue Funktionen erweitern.

RoboFont erfordert mindestens Mac OS X 10.6.6 und kostet 400,– Euro. Eine Demo-Version ist ebenfalls verfügbar: http://doc.robofont.com/order/
Sven Neumann hat an der HTW Berlin im Fachbereich Gestaltung in diesem Jahr ein empirische Untersuchung zur Leserlichkeit von von Schrift im öffentlichen Raum durchgeführt. Die durch Prof. Florian Adler betreute Studie basierte in Bezug auf Schriftgrößen und Leseentfernung auf den Vorgaben der Norm DIN 1450 und spiegelt somit reale und empfehlenswerte Bedingungen beim Lesen von Schildern und Texten im öffentlichen Raum wider.

Versuchsbedinungen: Am Test nahmen 106 Personen unterschiedlichsten Alters teil. Die Testpersonen näherte sich in festen Abständen den Schriftmustern an. Bei einer als ausreichend gut empfundenen Lesbarkeit wurden die jeweiligen Leseentfernungen notiert. Vorab wurden Alter und weitere Angaben (Sehhilfe etc.) zu den Probanden erfasst.



Getestet wurden zwei Schriftgrößen mit fiktiven Einzelwörtern sowie ein Fließtext in kurzer Distanz. Da sich die Empfehlungen der aktuell noch gültigen DIN 1450 lediglich auf die Versalhöhe beziehen, wurde eine zweite Versuchsanordnung benutzt, bei der alle Wörter auf die durchschnittliche x-Höhe der benutzten Schriften skaliert wurden.



Dieser Versuchsaufbau hebt sich in zweierlei Hinsicht von vielen wissenschaftlichen Vergleichsstudien zur Leserlichkeit einzelner Schriften ab. Zum einen wurde nicht der typische Fehler begangen, die Schriften lediglich in gleicher Kegelgröße zu setzen. Des weiteren erfolgte der Test mit Wörtern und nicht, wie bei vielen wissenschaftlichen Studien üblich, nur mit Einzelbuchstaben.
Getestet wurden die aufrechten Schnitte der Linotype Frutiger, P22 Johnston Underground, Wayfinding Sans, Arial, DIN1451 Mittelschrift, Franklin Gothic Medium, Futura, Garamond Premier Pro sowie die Swift.

Ergebnisse: Klarer Gewinner der Studie ist die derzeit noch unveröffentlichte Wayfinding Sans von Ralf Herrmann, die in einer Beta-Version getestet wurde. »Im Test konnte die Schrift im Vergleich zu allen anderen Schriften in allen Größen früher gelesen werden« schreibt Sven Neumann in seinem Abschlussbericht. Sie ist nicht nur deutlich früher lesbar als die DIN 1451 Mittelschrift, die auf deutschen Verkehrsschildern benutzt wird, sondern überflügelt sogar die Frutiger, die als die Beschilderungsschrift schlechthin gilt und zum Beispiel der Standard im Bereich Flughafenbeschilderungen ist.



Die Frutiger schneidet aber ansonsten erwartungsgemäß sehr gut ab. Mit ihren klaren Grotesk-Formen schuf Adrian Frutiger mehr oder weniger den Archetypen moderner humanistischer Groteskschriften. Ebenfalls gut schnitt die Johnston Underground ab, an die man nicht unbedingt sofort denkt, wenn es um Beschilderungen geht. Die getestete Version ist eine Digitalisierung von P22. Das Original wurde ursprünglich für die Beschilderung der Londoner Verkehrsbetriebe entwickelt. Der typisch britische Charakter vereint klare geometrische Formen mit humanistischen Zügen, die sich zum Beispiel im zweistöckigen a und dem dreistöckigen g zeigen.
Im Mittelfeld landen Arial, DIN 1451 Mittelschrift und Franklin Gothic Medium. Im Gegensatz zu oben genannten Schriften sind sie statischer und geschlossener und fallen deshalb in diesem Test spürbar zurück. Wenig überraschend ist sicherlich auch, dass die Futura im Test mit identischen Versalhöhen noch schlechter abschneidet. Mit ihrem stark geometrischen Aufbau und der geringen x-Höhe kann sie mit den eher humanistischen Groteskschriften in Bezug auf die Leserlichkeit nicht mithalten.
Die Serifen-Schriften Garamond Premier Pro und Swift erzielen erwartungsgemäß ebenfalls keine guten Ergebnisse, wenn alle Schriften mit gleicher Versalhöhe gesetzt werden. Dies liegt weniger an ihrem generellen Gestaltungsprinzip, sondern neben der geringeren x-Höhe auch an ihrem Duktus. Der im Vergleich zu den Groteskschriften starke Strichstärkenkontrast erfordert optimale Lesebedingungen, wie man sie nur bei Drucksachen in typischen Leseentfernungen vorfindet. Bei einem ungünstigen Verhältnis von Schriftgröße und Leseabstand sind die filigranen Details und Haarlinien nicht klar genug zu erkennen und die Leserlichkeit nimmt spürbar ab.



Da der Versuch einmal mit identischer x-Höhe und einmal mit identischer Versalhöhe durchgeführt wurde, ist einer Vergleich der beiden Ergebnisse natürlich besonders interessant. Die Wayfinding Sans und die Johnston Underground haben mit ihrer x-Höhe zwischen 67 und 69 Prozent das perfekte Mittelmaß gefunden und schneiden in beiden Tests gleichermaßen gut ab. Die Schriften mit kleinerer x-Höhe können nur durch eine deutliche Anhebung des Schriftgrades leserlicher dargestellt werden. Dies führt aber verständlicherweise zu einem sehr hohen vertikalen Platzbedarf, der gerade bei Beschilderungen oft nicht gegeben oder sinnvoll ist. Denn sobald die Ober- und Unterlängen mit anderen Zeilen oder Umrandungen in Konflikt geraten, verschlechtert dies die Leserlichkeit wieder beträchtlich.



Die Schriften mit einer größeren x-Höhe schneiden bei beschränkten vertikalen Platzbedarf wenig überraschend besser ab – allerdings auch nur dann. Spielt der Platz keine Rolle und haben alle Schriften die gleiche x-Höhe schneiden Garamond und Futura erstaunlicherweise sogar besser ab als Frutiger, DIN 1450 und Arial.


 
Am Beispiel der Schriften (Versalhöhe 49 mm) wird deutlich, dass nicht nur die Schriftart die Leserlichkeit einer Schrift beeinflusst. Der Vergleich der einzelnen Altersgruppen zeigt erwartungsgemäß eine eindeutige Tendenz. So haben die Teilnehmer im Test in der Altersgruppe bis 15 Jahre am besten und die Gruppe über 60 am schlechtesten abgeschnitten. Durchschnittlich gibt es eine Differenz zwischen höchster und niedrigster Leseentfernung von 4,95 Metern.

Ein ausführliches PDF mit der Darstellung aller Ergebnisse kann von der Homepage der HTW Berlin heruntergeladen werden.
Typisch Schweiz? Gibt es sie noch, die typische Schweizer Typografie? Diese Frage zieht sich durch die erste Tÿpo St.Gallen vom 18. bis 20. November 2011. Teil der Veranstaltung ist das 25. Bundestreffen des Forum Typografie.
Das sehr internationale und hochkarätig besetzte Programm kann auf der Website eingesehen werden.

Teilnehmerpreise:
CHF 290.00 Frühbucher-Tarif bis 30. September 2011
CHF 350.00 Normal-Tarif (ab 1. Oktober 2011)
CHF 190.00 Studenten-Tarif (gültig bis 30.09. gegen Studentenausweis)

Weitere Informationen:
Webseite Facebook
Die Idee des Webfont-Verzeichnisses von Google ist bei den Anwendern von Anfang an auf große Begeisterung gestoßen: kostenlose Webfonts, die man mit nur einer Zeile Kode in jede beliebige Webseite einbinden kann, ohne sich über die vielen Webfont-Formate oder Ladezeiten Gedanken machen zu müssen. Der Service startete 2010 mit nur einer Handvoll Webfonts, ist aber bereits jetzt auf ca. 250 Fonts gewachsen und Google ließ verlauten, das Tempo für weitere Veröffentlichungen nicht zu drosseln.
Aber was schon für die unzähligen Webseiten mit Fonts zum kostenlosen Download gilt, ist auch für die Webfonts von Google leider wahr: Das Gros der Schriften ist optisch oder technisch eher minderwertig. Es finden sich jedoch auch einige wenige Perlen darunter. Hier eine Empfehlung von 10 empfehlenswerten Schriften für die Einbettung in Webseiten.
Abril Fatface
Type Together zählt sicherlich zu einem vielversprechendsten neuen Schriftanbieter der letzten Jahre. Sie bieten hochwertige Schriftentwürfe mit guten Sprachenausbau und waren auch bei der Webfont-Entwicklung als einer der ersten Schriftanbieter mit dabei. Die Abril Fatface wurde gerade neu ins Google Webfont Directory aufgenommen. Dieser Webfont ist Teil einer größeren kommerziellen Schriftfamilie mit 18 Schnitten für Text- und Schaugrößen. Die Fatface ist inspiriert von den Werbepostern des 19. Jahrhunderts in Frankreich und England und eignet sich hervorragend für auffällige, aber zugleich elegante Überschriften. Die Zeichenbelegung bedient mehr als 50 Sprachen.
 

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Hammersmith One
Very British! Diese Schrift von Nicole Fally steht in unübersehbarer Tradition der Schriftentwürfen von Edward Johnston für die Londoner U-Bahn. Die Hammersmith One wirkt jedoch deutlich verspielter.
 

Online-Demo | Bei Google anschauen

Droid Sans, Droid Sans Mono und Droid Serif
Viele kostenlose Schriften sind nur als Einzelschnitte für Schaugrößen verfügbar. Ganze Schriftfamilien, die die bewährten Systemschrift-Familien ersetzen können sind jedoch rar. Die Droid-Schriftfamilie erfüllt diesen Wunsch jedoch. Sie wurde ursprünglich von der Ascender Corporation für die Android-Plattform entwickelt und enthält Grotesk-, Antiqua- und Monospaced-Schnitte und ist damit sehr vielseitig einsetzbar.
 

Online-Demo | Bei Google anschauen: Sans, Mono, Serif

Lato
Der aus Warschau stammende Typedesigner Łukasz Dziedzic vor allem bekannt für seine umfassende Schriftfamilie FF Clan. Die Lato entstand ursprünglich für einen Kunden, der es sich aber später anders überlegte. So wurde die Schriftfamilie kurzerhand zur Open-Source-Familie weiterentwickelt und ist nun auch über Googles Webfont-Dienst verfügbar. Ganze 10 Schnitte umfasst die Familie, einschließlich zweier Hairline-Schnitte, die unter Webfonts noch selten sind.
 

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Vollkorn
Die »Brotschrift« des deutschen Schriftgestalters Friedrich Althausen lässt sich, wie der Name schon sagt, problemlos als Fließtextschrift einsetzen. Jedoch hat sich auch gerade in Schaugrößen einen ausgesprochenen Charme. Der normale und der kursive Schnitt wirken äußerst elegant, während die fetten Schnitte mit ihren überdurchschnittlich kräftigen Serifen für Aufsehen sorgen.
 

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Ubuntu
Die Ubuntu-Schriftfamilie sorgte bereits vor ihrer Veröffentlichung für Diskussionsstoff. Manch einer empfand ihr Design zu sehr der DTL Prokyon nachempfunden. Wie der Name schon nahe legt, wurde die Schrift für das Betriebssystem Ubuntu entwickelt und zeichnet sich im Zuge dessen durch seinen umfangreichen Sprachausbau aus, der fortlaufend erweitert werden soll. Mit den bislang 8 Schnitten ist sie vielfältig einsetzbar. Ihren modernen Charakter zeigt sie natürlich vor allem in größeren Schriftgraden, aber sie ist auch dem Einsatz im Web in kleinen Schriftgrößen durchaus gewachsen.
 

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Playfair Display
Die elegante Playfair Display des dänischen Designers Claus Eggers Sørensen lehnt sich an Entwürfe von Baskerville, dem Schriftschneider William Martin und an die bekannte Scotch Roman an. Sie ist derzeit nur in einem Schnitt verfügbar. Der Designer sieht seinen Entwurf jedoch als perfekte Display-Ergänzung zur Georgia, die nach wie vor eine beliebte Wahl für Fließtexte auf Webseiten ist.
 

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UnifrakturMaguntia
Die UnifrakturMaguntia von Typografie.info-Mitglied J. Mach Wust basiert auf Bertholds Mainzer Fraktur, die ihrerseits auf einer Schrift von Carl Albert Fahrenwaldt aus dem Jahr 1901 basiert. Trotz des alten Fraktur-Charmes ist die Schrift kein altes oder lediglich eine der unzähligen minderwertigen Fraktur-Digitalisierungen, die man überall im Netz findet. Sie unterstützt verschiedenste Smartfont-Technologien wie OpenType, AAT und SIL Graphite, um den heutigen Anwendern einen einfachen Zugang zu den vielfältigen Ligaturen des Fraktursatzes zu bieten.
 

Online-Demo | Bei Google anschauen


Ken Barber von House Industries führt bei Gestalten in Berlin einen zweitägigen Kalligraphie-Workshop durch. Er führt dabei sowohl in das Schreiben und Zeichnen der Buchstaben ein, als auch in den Prozess, die Zeichnungen professionell zu vektorisieren. Interessenten müssen sich beeilen. Es stehen nur 20 Teilnehmerplätze zur Verfügung.

Datum: 3 bis 4 Oktober 2011
Zeit: 10:00 bis 19:00 Uhr
Ort: Gestalten Space, Sophie-Gips-Höfe, Sophienstraße 21, 10178 Berlin
Sprache des Workshops: English

http://www.gestalten.com/event/house-industries
Mit jeder Version des Mac-Betriebsystems OS X gibt kleine und größere Änderungen bezüglich des Schrifteinsatzes. Da stellt auch die neue Version OS X 10.7 Lion keine Ausnahme dar. Hier unsere ausführliche Übersicht der Neuerungen. 
 
Diakritische Zeichen

Eine Funktion in OS X 10.7 (Lion), die von Apples mobiler Betriebssystemversion (iOS) übernommen wurde, ist die einfache Eingabe von diakritischen Zeichen über den jeweiligen Grundbuchstaben. Drückt man beispielsweise die Taste »a« und hält diese gerdrückt, erscheint am Buchstaben ein Auswahlmenü, das die direkte Eingabe von ä, â, à, á, æ, ã, å oder ā ermöglicht. Dazu muss lediglich die unter dem Buchstaben angegeben Zahl eingetippt oder der Buchstabe mit der Maus ausgewählt werden. Bei einer deutschen Tastaturbelegung können so sehr einfach diakritische Zeichen mit allen Vokalen sowie n, s und y in Minuskel- oder Versalform gebildet werden. Auf den gesamten möglichen Vorrat diakritischer Zeichen der lateinischen Buchstaben hat man jedoch keinen Zugriff, da die Auswahl der Zeichen auf die möglichen Sprachen der jeweiligen Zeichenbelegung beschränkt ist. So ist etwas das polnische ł zwar in der polnischen Tastaturbelegung als diakritische Variante zum l verfügbar, nicht jedoch in der deutschen, die nur Zugriff auf westeuropäische Akzentzeichen bietet. Schade! Damit soll wohl eine Überfrachtung der Menüs verhindert werden.
Die Funktion ist wie schon frühere Texteingabehilfen in den meisten Apple-eigenen Programmen wie TextEdit, Mail, Safari usw. verfügbar sowie in Programmen, die Apples Schnittstellen zur Erstellungen von Eingabefeldern direkt benutzen.
 
Zeichenübersicht
Die Zeichenübersicht von Lion ist nun optisch spürbar entschlackt und scheint auch deutlich schneller zu arbeiten. Für das Gros der Nutzer stellt dies sicherlich eine Verbesserung dar. Denn die älteren Versionen mit Ihren unzähligen Darstellungsmöglichkeiten verschiedenster Code-Tabellen und Unicode-Listen waren doch eher etwas für IT-Profis.
 

 
Nun erscheint die Oberfläche aufgeräumt und präsentiert direkt eine Vorauswahl typischer Sonderzeichen-Gruppen wie etwa Pfeile, Klammern und Währungssymbole. Per Ziehen-und-Enfügen oder per Doppelklick wandern die Zeichen dann wie gewohnt in die aktive Anwendung.
Des einen Freud, des anderen Leid. Die neue Zeichenübersicht ist zweifelsohne massentauglicher geworden, doch Profis werden auch einige frühere Funktionen vermissen. Die Ansicht der kompletten Unicode-Belegung ist standardmäßig schlicht nicht mehr verfügbar. Die einzelnen Bereiche müssen vom Anwender erst wieder einzeln manuell zugeschaltet werden. Und die frühere Möglichkeit, den Zeichenvorrat einer einzelnen Schrift gezielt anzuschauen, wurde schlicht gänzlich entfernt. Damit ist es auch im Gegensatz zu OS 10.6 nicht mehr möglich, Zeichen ohne Unicode (wie Kapitälchen, Schwungbuchstaben oder Ornamente) von der Zeichenübersicht in eine andere Anwendung einzufügen. Diese Funktion scheint momentan nur der kommerziellen Fontmanager FontExplorer X Pro in der Version 3.1 zu bieten.
 


Für viel Aufsehen sorgte die neue Unterstützung der Emoji-Bildzeichen. Sie werden täglich millionenfach in japanischen Mobiltelefon-Nachrichten verschickt und sind nun auch für alle Mac-Anwender verfügbar. Apple hat dazu einen speziellen Font mit transparenten PNG-Bildchen in das Betriebssystem integriert. Die Zeichen lassen sich aber wie ganz normale Schriftzeichen verwenden, skalieren, kopieren und so weiter. Dies ist möglich, da die Emoji 2010 offiziell in den Unicode aufgenommen wurden und somit problemlos in E-Mail, Textdokumenten oder auf Webseiten einsetzbar sind. Der Empfänger muss zur Anzeige lediglich eine Schrift installiert haben, die eine entsprechende Belegung der benutzten Unicode-Werte besitzt, selbst wenn die farbigen Bildzeichen auf dem Gerät des Empfängers nicht unterstützt werden.


 
Ein genereller Tipp: Um die Zeichenübersicht von Mac OS X schnell erreichen zu können, sollte man sie einfach in die Menüleiste legen. Dazu unter Systemeinstellungen → Sprache & Text → Eingabequellen den Punkt aktivieren: Eingabequellen in der Menüleiste anzeigen.
Anschließend unter Systemeinstellungen → Tastatur → Tastatur den Punkt Tastatur- und Zeichenübersicht in der Menüleiste anzeigen aktivieren. 

Die Schriftsammlung
Auch der integrierte Fontmanager von OS X hat mit der Version 3 in Lion einige Neuerungen erfahren. So bietet die Anwendung nun mehr Informationen über die ausgewählten Schriften und auch der komplette Zeichenvorrat lässt sich über Vorschau → Repertoire beziehungsweise   ⌘    2   betrachten. Im Gegensatz zur Zeichenübersicht zeigt die Schriftsammlung auch Zeichen ohne Unicode, so dass sich wirklich der komplette Zeichenvorrat gut ausgebauter OpenType-Fonts betrachten lässt. Eine Funktion zum Kopieren-und-Einfügen der Zeichen ist jedoch nicht vorhanden.



Neu hinzugekommen ist eine Funktion zur Konfliktbereinigung. Ist eine Schrift mehrfach installiert, wird dies durch ein gelbes Dreieck angezeigt und die überflüssigen Installationen können sehr einfach deaktiviert oder gelöscht werden. In unseren Tests stürzte das Programm jedoch regelmäßig bei Anwendung dieser Funktion ab. Die Stabilitätsprobleme des Programmes sind also wohl auch in Version 3 noch nicht wirklich ausgemerzt und für professionelle Schriftanwender sind kommerzielle Fontmanager wie FontExplorer, Fontcase oder Suitcase Fusion sicher nach wie vor die beste Wahl.



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Wer Schriften anhand von Beispielbildern finden möchte, fragt entweder die Experten im Forum von Typografie.info oder benutzt Online-Dienste wie WhatTheFont von MyFonts. Allerdings möchte man auch immer wieder Schriften finden, die man selbst auf dem Rechner hat oder die der gesuchten Schrift zumindest ähnlich sehen. Genau dies macht die Software Find my Font, die für PC und Mac verfügbar ist. Dabei ist es egal, ob diese Schrift installiert oder nur einfach irgendwo abgelegt ist. Das Programm gibt es als Free-, Basic-, Pro-Edition. Die Unterschiede sind hier aufgezeigt.

Besonders hervorzuheben ist die einfach Bedienung des Programmes, die sich in folgendem Video sehr schön sehen lässt. Die Bildvorlage muss im Voraus nicht mühselig bearbeitet werden. Auch gedrehte Texte und farbige Hintergründe kann die Software verarbeiten.
 



Eine 30-Tage-Demo kann hier heruntergeladen werden.
Sag’s per Post – und sag’s mit großen Lettern: eine Postkarten-Serie mit und für’s Versaleszett.

Die Idee zu dieser Serie entstammt der Diplom-Arbeit an der Bauhaus-Universität Weimar. Die Karten wurden erstmals auf der Buchmesse Leipzig verteilt und stießen dabei auf große Begeisterung und weckten bei vielen das Interesse am großen Eszett. Wegen der fortlaufenden Nachfrage wurden die Postkarten nun in Zusammenarbeit mit der Seite7 Designagentur als Serie mit 6 Motiven im Offset-Druck produziert. Sie sind im Shop von fonts.info verfügbar.

 

6 Motive 4/4-farbig, DIN A6 280 g/qm Chromokarton, einseitig gestrichen abgerundete Ecken als Set zu 12 oder 24 Karten verfügbar zum Shop
Der Buchklassiker Letterfontäne* von Joep Pohlen und Geert Setola bietet umfassendes Grundwissen zu Schrift und Typografie. Seit kurzem ist das Buch über den Taschen-Verlag auch in deutscher Sprache verfügbar. Eine Rezension findet sich zum Beispiel im Fontblog.
Die Webseite zum Buch wurde jetzt deutlich erweitert und zeigt Inhalte der ersten 240 Seiten wahlweise in Deutsch, Englisch, Französisch oder Spanisch.



In der Rubrik Extras finden sich zudem einige interessante Downloads. Darunter einen Zeitstrahl, der Typografie und Kunstschaffen kombiniert sowie eine zeitliche Übersicht der Entwicklung namhafter Schriftenhäuser.


 
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Auf vielfachen Wunsch haben das Armenische Kultusministerium und die Typographische Gesellschaft München (tgm) die Einreichungsfrist für den diesjährigen internationalen Schriftwettbewerb „GRANSHAN 2011“ noch bis 8. September 2011 verlängert.

Mit der Konzentration auf die Kategorien Armenisch, Kyrillisch und Griechisch ist GRANSHAN weltweit der einzige Schriftwettbewerb, der die Entwicklung nicht-lateinischer Schriften fördert. Und damit im Spannungsfeld von Globalität und Regionalität hilft, Schrift als komplexes multilinguales Zeichensystem für die vielfältigen medialen Anwendungen als Kulturtechnik und Kulturspeicher zu erhalten.

Sprache wird durch Schrift erst schön – hierin sind sich die beiden Chairmen Edik Ghabuzyan, Head of the Department of Creating and Keeping Armenian Fonts of the National Book Chamber in Yerevan, und Boris Kochan, Erster Vorsitzender der Typographischen Gesellschaft München, einig. Das Armenische Kultusministerium hat den internationalen Schriftwettbewerb mit Fokus auf nicht-lateinische Schriften 2008 ins Leben gerufen. Seit 2010 findet er in Kooperation mit der tgm statt.
 


Schriften in den Kategorien Armenisch, Kyrillisch, Griechisch und Display-Schriften können noch bis 8. September 2011 per E-Mail an entries@granshan.org eingereicht werden. Eine internationale, mehrköpfige Jury wird die Schriften begutachten, bevor die Ergebnisse Ende September 2011 vom Armenischen Kultusministerium in Yerewan verkündet werden. Weitere Informationen und Einreichungsdetails finden Sie unter www.granshan.org.
Einen typografischen Leckerbissen der besonderen Art beherbergt die Universität Amsterdam: 38 Blätter der kommentierten Originalentwürfe der Schriftart Lexicon von Bram de Does. Auf der Webseite lassen sich die handgezeichneten Entwürfe einzeln betrachten und in der Vergrößerung im Detail studieren: http://dpc.uba.uva.nl/inventarissen/ubainv57
 

 
Bram de Does wurde 1934 in Amsterdam geboren und kam als Sohn eines Druckereibesitzers schon früh mit dem Druckhandwerk in Berührung. Nach seinem Studium an Amsterdamse Grafische School der arbeitete er zunächst als Buchgestalter für Joh. Enschedé, für deren Satzmaschinen er später auch seine bekannte Schriftart Trinité entwarf.
 
Die Lexicon entstand circa 10 Jahre später (1989–1992). Sie sollte im Großen Wörterbuch der niederländischen Sprache auch in sehr kleinen Punktgrößen funktionieren. Seit 1995 ist die Lexicon über das niederländische Schriftenhaus The Enschedé Font Foundry (TEFF) erhältlich.
Ich liebe meinen Beruf – aber deswegen möchte ich trotzdem nicht mehr Zeit als nötig für einen Job aufwenden. Daher liebe ich es, so produktiv wie möglich zu arbeiten. Das fängt bei einfach Tastaturkürzeln an: Wenn ich sehe, wie Kollegen mühsam durch komplizierte Mausbewegungen Aktionen ausführen, die ich mit einem einfachen Shortcut längt erledigt hätte, kann ich kaum hinschauen. Und auch in Programmen wie Photoshop oder InDesign versuche ich, so viele Arbeitsschritte wie möglich global änderbar und non-destruktiv zu erledigen, um einmal erledigte Arbeitsabfolgen bei Änderungen nicht noch einmal von vorn durchführen zu müssen.

Doch wie organisiert man seine Aufgaben und Notizen am Besten? Eine digitale Verwaltung macht natürlich heute oft Sinn, jedoch lädt das Medium Computer auch zur »Überorganisation« ein …



So manch einer verbringt mehr Zeit damit, seine Jobs und Termine zu verwalten, als sie tatsächlich zu erledigen. In größeren Agenturen gibt es umfassende Server-basierte Projektmanagement-Systeme, doch viele Leser von Typografie.info sind selbstständige Designer, die dafür weder Bedarf noch das nötige Kleingeld haben. Hier einige Tipps zu Steigerung der Produktivität mithilfe kostenloser Anwendungen.

Notizen verwaltenDateien liegen in Ordnern, E-Mails im E-Mail-Programm – doch wohin mit den Notizen? Auf ein Blatt Papier? Als Post-It an den Bildschirm heften? Als E-Mail an sich selbst schicken? Auf dem Desktop ablegen? In Text-Dateien in den Projekt-Ordner? Und wie finde ich das alles später ohne Probleme wieder?



Meine Notizen, egal ob privat oder beruflich, verwalte ich mittlerweile ausschließlich mit Evernote. Hier sammle ich die Ideen zum TypoJournal, speichere Links oder ganze Webseiten und PDFs und finde sie jederzeit und dauerhaft schnell wieder.
 

Die Notizen werden in unterschiedlichen, thematisch organisierten Notizbüchern verwaltet und können neben der automatischen Volltextsuche auch über selbst festgelegte Stichwörter gefunden werden. Das Programm ist für PC und Mac sowie alle gängigen Smartphones und Tablet-Computer verfügbar. Da die Notizbücher auf Wunsch über das Netz synchronisiert werden, hat man auch von verschiedenen Geräten aus jederzeit Zugriff auf seine Notizen. Zettelwirtschaft ade! Evernote ist für alle Systeme kostenlos verfügbar. Die Premium-Version ist erst nötig, wenn man große Dateimengen verwalten möchte.

To-Do-Listen
Wer nur wenige Dinge gleichzeitig in Bearbeitung hat, kommt normalerweise problemlos mit einer einfachen Liste auf Papier oder in einem Textdokument aus. Jedoch bieten die speziellen Programme zur Erstellung von To-Do-Listen auch einige unschlagbare Vorteile. Entsprechende Programme gibt es wie Sand am Meer. Empfehlen möchte ich an dieser Stelle das kostenlose Wunderlist, das für mich genau die richtige Mischung Bedienbarkeit und Funktionsumfang bietet. Wie Evernote ist es für alle gängigen Plattformen verfügbar und synchronisiert sich selbstständig über das Netz.
 

Im Vergleich zur einfacher Liste auf Papier lassen sich den Aufgaben konkrete Termine zuordnen, sodass man stets sofort sieht, was heute noch zu tun ist. Außerdem lassen sich die Listen mit anderen Nutzern teilen, sodass man problemlos an gemeinsamen Projekten arbeiten kann.

Mac-Nutzer, die es noch etwas umfangreicher mögen, können auch einen Blick auf das ebenfalls kostenlose Tool Producteev werfen. Eine bekannte kommerzielle Lösung ist das Programm Things, das neben den To-Dos auch zugehörige Projekte, Mitarbeiter, Notizen und vieles mehr verwaltet.

Freiwillige Selbstkontrolle
Doch was nützen all die Produktivitätstools wenn man den inneren Schweinehund nicht überwinden kann? Nur noch schnell diesen lustigen Tierfilm bei Facebook anschauen, aber dann geht es wirklich wieder an die Arbeit! Jemand hat Sie bei Twitter erwähnt! Biiiiup! Das Skype-Icon hüpft aufgeregt und meldet eine Chatanfrage …
Keine Gnade kennt in diesem Fall das Mac-Tool SelfControl. Für einen bestimmten Zeitraum sperrt es sämtliche oder ausgewählte Internetdienste vollständig und nicht einmal das Beenden oder Entfernen des Programms kann diese Sperre aushebeln.
 

 
In der Regel möchte man natürlich dennoch das Netz zu Recherche-Zwecken nutzen. Deshalb reichen oft einfache Browser-Plugins, die bestimmte Seiten wie Facebook oder Twitter für bestimmte Zeit sperren können. Für Safari-Benutzer gibt es dafür WasteNoTime, für Firefox LeechBlock und Chrome-Benutzer können Chrome Nanny verwenden.
Die Plugins lassen sich komfortabel einstellen, sodass man etwa tagsüber an Werktagen nur beschränkt auf die Seiten zugreifen kann, aber zum Beispiel nach Feierabend oder am Wochenende wieder unbeschränkten Zugriff erhält.
 


Welche Tools nutzt Ihr zur Produktivitätssteigerung und Verwaltung von Aufgaben und Notizen?
Wenn man in InDesign ein neues Dokument anlegt und grundlegende Textformatierungen vornimmt, ist dies mit jeder Menge Mausgeklicke in der Zeichen- und Absatzpalette sowie den zahlreichen Unterpunkten und -menüs verbunden. Es sei denn, man kennt die Tastaturkürzel, mit denen alle wesentlichen Textformatierungen schnell und leicht von der Hand gehen. Man muss sich zwar erst einmal an die Kürzel gewöhnen, aber sind sie einmal in Fleisch und Blut übergegangen, will man diese Arbeitsweise nicht mehr missen. Hier ein Video mit 10 nützlichen typografischen Tastaturkürzeln für Adobe InDesign mit deutscher Tastaturbelegung.


Typografische Tastaturkürzel für Adobe InDesign from Ralf Herrmann on Vimeo.

Das Video zeigt die Tastaturkürzel für das Mac OS. Unter Windows bitte einfach statt   ⌘   die   STRG  -Taste und für   ⌥   die   Alt  -Taste benutzen.

Diese und weitere Tastaturkürzel für Adobe InDesign haben wir in einem übersichtlichen PDF zum Herunterladen und Ausdrucken zusammengestellt.
In den beiden europäischen Typedesign-Master-Kursen im niederländischen Den Haag und dem britischen Reading sind auch in diesem Jahr wieder herausragende Schriften entstanden. Diese werden nun in einer gemeinsamen Ausstellung bei Mota Italic in Berlin präsentiert. Die Ausstellung zeigt 24 Schriftentwürfe und läuft vom 26 Juli bis zum 27. August.


Weitere Informationen unter http://www.motaitalic.com/gallery/exhibitions/type-masters
Aus rein typografischer Sicht ist die Sache ganz einfach: mehrere Fonts mit zusammengehöriger Gestaltung nennt man eine Schriftfamilie und die einzelnen Vertreter dieser Familie heißen Schriftschnitte. Die Schriftfamilie Georgia ist zum Beispiel in den Schnitten regular, italic, bold und bold italic verfügbar.
In der digitalen Welt des Computers ist es nicht immer ganz so einfach. Eine Font-Datei hat mehr als ein Dutzend Parameter, die der Benennung des Fonts dienen. Was die Betriebssysteme und Anwendungsprogramme daraus machen, kann sehr unterschiedlich sein und führt bei den Anwendern nicht selten zu Verwirrungen. In manchen Programmen scheinen bestimmte Schriftschnitte schlicht zu fehlen oder sind völlig anders benannt. Und was bedeuten eigentlich alle diese kryptischen Abkürzungen in einem Schriftnamen? Nachfolgend einige Tipps und Erläuterungen zu diesem Thema.
Die Schriftmenüs
Einzelne Schriftschnitte sind heute in der Regel als einzelne Dateien (»Fonts«) auf dem Computer abgelegt. Das Betriebssystem und die Anwendungsprogramme gruppieren die einzelnen Fonts meist über den Familiennamen. Der Name ist im Font selbst abgelegt. Der Dateiname ist unerheblich und Änderungen an diesem wirken sich auch nicht auf die Anwendung und Anzeige des Fonts und dessen Namen aus.
Ist der Familienname verschiedener Schriftschnitte identisch, zeigt das Programm im Schriftmenü eine zusammengehörige Schriftfamilie (z.B. Georgia) und bietet dafür über Button oder ein separates Menü die einzelnen Schnitte dieser Familie (z.B. regular und italic) zur Auswahl an. Doch diese unterschiedlichen Ansätze (Button oder Menü) sorgen seit jeher für Verwirrung. Microsoft-Programme wie Word, Excel etc. haben im Office-Bereich einen Standard gesetzt und die Anwender schätz(t)en die einfache Möglichkeit mit einem Knopfdruck jede Schrift fett oder schräg dargestellt zu lassen, egal ob diese Schriftfamilie tatsächlich über diese Schriftschnitte verfügte oder ob diese vom Programm künstlich errechnet wurden.
Das Konzept dieser Benutzerschnittstelle hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: in Programmen wie Word kann eine Schriftfamilie lediglich aus vier Schriftschnitten bestehen, da die Auswahl über die Button »fett« und »kursiv« lediglich vier Zustände ermöglicht. (Regular, italic, bold, bold italic)
Für die typischen Systemschriften Anfang der 1990er Jahre war dies völlig ausreichend und zweckmäßig. Hat eine Schriftfamilie jedoch weitere Schnitte wie etwa light, semibold und so weiter, wären diese in Programmen wie Word schlicht nicht verfügbar.
Anders sieht es in typischen Design-Programmen und den meisten Mac-Anwendungen aus. Hier wählt man erst die Schriftfamilie und anschließend über ein weiteres (Unter-)Menü den Schriftschnitt. So sind beliebig viele Schnitte einer Schriftfamilie zuordenbar.

Beispiel: Eine Schrift, drei unterschiedliche Schriftmenüs.
Links oben: CorelDRAW unter Windows – manche Schnitte sind nur über die Button für fett und kursiv verfügbar rechts: Adobe InDesign – alle Schnitte sind nach Strichstärke und Weite geordnet in einem Untermenü verfügbar links unten: Macromedia Freehand – alle Schnitte tauchen als eigener Menüpunkt auf. Die Namen der Schriftschnitte erscheinen teilweise nur in Kurzform wie »it« für italic

Diese unterschiedlichen Ansätze stellen die Hersteller von Schriften vor ein Problem, sobald eine Schriftfamilie mehr als vier Schnitte besitzt. Möchte man die Schrift in Design-Programmen richtig gruppiert sehen, fehlen in Office-Programmen bestimmte Schnitte. Richtet man sich nach der Beschränkung der Office-Programme, können in den Design-Programmen nicht alle Schnitte einer Familie gruppiert werden. Diesem Problem lässt sich auf verschiedene Arten begegnen und unterschiedliche Hersteller machen von unterschiedlichen Methoden gebrauch.

Die Holzhammer-Methode: Jegliche Probleme vermeidet man bei der Fonterstellung, wenn man die Gruppierung einfach generell unterbindet. Dazu übernimmt man den Namen des Schriftschnittes in den Familiennamen und erzeugt somit für jeden Schriftschnitt eine eigene Familie mit nur einem Mitglied. Für das Anwendungsprogramm sind die Schriften wegen des unterschiedlichen Familien-Namens nicht mehr zusammengehörig und alle Schnitte werden einzeln im Schrift-Menü aufgelistet. Nachteil dieser Methode ist vor allem das unnötig lange Schriftmenü, das dadurch entsteht.

Stilverlinkte Unterfamilien: Die etwas elegantere Variante, die von den meisten kommerziellen Schriftanbietern angewendet wird, funktioniert folgendermaßen: Man passt sich der Beschränkung der Office-Programme an, indem man größere Schriftfamilien in Unterfamilien von maximal vier Mitgliedern aufspaltet. Die Unterfamilien verhalten sich dann Office-konform und die Schriftschnitte der Unterfamilie sind über ein Schriftschnittmenü oder über die Button für fett und kursiv erreichbar. Man nennt dies Stilverlinkung (Style linking).
Diese Technik hat jedoch auch Nachteile: Die Schriftschnitte der Familie sind dann nicht mehr in einer, sondern in mehreren Familien gruppiert. Zudem erzeugt die Benutzung der Button für Fett und Kursiv einen nicht gerade intuitiven Zugriff auf bestimmte Schnitte. Um zum Beispiel den Schnitt semibold der Myriad Pro zu erreichen, muss man die Familie Myriad Pro Light auswählen und auf den Fett-Button klicken.

Welche dieser Methoden benutzt wird kann von Schrift zu Schrift unterschiedlich sein. Die Schrifthersteller richten sich hier vor allem nach der jeweiligen Hauptzielgruppe. Schriften, die speziell für den Office-Bereich geschaffen wurden, sind mit großer Wahrscheinlichkeit stilverlinkt und auf Unterfamilien aufgeteilt. Manche Hersteller (wie zum Beispiel Linotype) bieten sogar teilweise die Wahl, ob man eine Variante mit (Family) oder ohne (Single) Stilverlinkung installieren möchte.
Die beste Variante aus Anwendersicht ist die Kombination aus beiden. Bei solchen Schriften taucht eine Schriftfamilie in Design-Anwendungen als eine Familie auf, in älteren Office-Anwendungen jedoch in Unterfamilien. Als Anwender muss man sich dieser unterschiedlichen Anzeigen jedoch bewusst sein, damit man sich nicht über vermeintlich fehlende Schnitte wundert.
 

Abkürzungen in Schriftnamen
Zeichenbelegung
Die früheren Type-1-Schriften verfügten durch das Format bedingt nur über einen beschränkten Zeichensatz. Mit der Umstellung auf das OpenType-Format haben die Hersteller begonnen, durch Abkürzungen im Schriftnamen auf einen bestimmten Zeichenvorrat hinzuweisen. Diese Abkürzungen sind jedoch nicht herstellerübergreifend standardisiert. Typisch sind folgende Abkürzungen:
 
STD: Diese Abkürzung weist auf eine einfache Standard-Belegung (zum Beispiel 256 Zeichen wie bei PostScript Type 1) hin. Bei lateinischen Schriften werden somit die wichtigsten westeuropäisch Sprachen unterstützt. PRO: Weist auf einen über STD hinaus gehenden Zeichensatz hin. Die Belegung unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Neben den westeuropäischen Sprachen ist hier in der Regel eine Unterstützung für zentraleuropäische Sprachen (Tschechisch, Polnisch etc.) und gegebenenfalls griechisch, kyrillisch etc. gegeben PLUS: Eine Bezeichnung bei URW++ für ost- und westeuropäische Belegungen COM: Eine Bezeichnung bei Linotype für Office-optimierte Fonts (TrueType-basiert) mit der Zeichenbelegung Linotype Extended European Characterset OFFC: Eine Bezeichnung bei FontFont für Office-optimierte Fonts (TrueType-basiert). Ein erweiterter Zeichensatz ist mit Offc Pro benannt. WGL4/W1G: Die Windows Glyph List 4 ist ein von Microsoft definierter Zeichensatz und enthält 652 Zeichen. Er beinhaltet alle Zeichen aus den standardisierten Microsoft-Zeichensätzen für Mitteleuropa, Kyrillisch, Westlich, Griechisch, Türkisch sowie die Zeichen der MS-DOS-CP437. W2G: Eine Bezeichnung bei Linotype mit mindestens 890 Zeichen für die internationale Kommunikation WEB: Ein spezielles Webfont-Paket, dass zur Einbindung auf Webseiten per @font-face geeignet ist und in dem verschiedene Fontformate wie WOFF und EOT enthalten sind. Schriftanbieter-Kürze
Die wichtigsten Hersteller im Überblick. 
BT Bitstream BE Berthold BQ Berthold (Quality) DTL Dutch Type Library EF Elsner + Flake FB The Font Bureau FF FontFont (FSI FontShop International) GST Georg Salden Type HTF Hoefler Type Foundry LT Linotype MS Microsoft MT Monotype PMN Peter Matthias Noordzij PTF Porchez Typofonderie ST Storm Type Foundry TEFF The Enschede Type Foundry Schriftschnitt-Abkürzungen
Alt Alternate Bd Bold Bk Book Blk Black Cd, Con, Cond, Cn Condensed CE Central European Col Column Cp Caps D Display Ex Extra… Exp Expert-Font Ext Extended Hor Horizontal Hv Heavy It Italic LF Lining Figures (Versalziffern) Lig Ligature Lt Light MC Mid Caps Med, Md Medium MM Multiple Master Mono Monospaced Neg Negative Nm Normal Num Numbers Obl Oblique OSF Old Style Figures (Mediävalziffern) Oul Outline Pos Positive QC Quarter Caps Reg, Rg Regular Rm, Rmn Roman Rnd Rounded SC Small Caps (Kapitälchen) Scr Script Sb Semibold T Text TF Tabular Figures (Tabellensatz-Ziffern) U Ultra… Vert Vertical X Extra…
Fontlab hat die Version 5.1 des Klassikers unter den Fonteditoren veröffentlicht. Die Aktualisierung behebt laut Hersteller hunderte Fehler und unterstützt die neue Einbettungstabelle EPAR (OpenType Embedding Permissions and Recommendations), mit der Schriftanbieter sehr gezielt Angaben zu möglichen oder ausgeschlossenen Modifikationen und Dokument-Einbettungen direkt im Font hinterlegen können.
Fontographer 5.1 ist außerdem die ersten Anwendung von Fontlab, die auf der neue Mac-Betriebssystem-Version 10.7 (Lion) lauffähig ist. Andere Anwendungen wie FontLab Studio, Transtype, Scanfont usw. laufen derzeit noch nicht unter Lion und Anwender sollten solange von einer Aktualisierung des Betriebssystems absehen. (Detailliere Informationen zu diesem Thema)



Fontographer für PC oder Mac kosten 399,- US-Dollar. Bis 1. August kann man für den Sonderpreis von 449,- US-Dollar ein Paket mit Fontographer 5.1 und DTL OTMaster 2.4 erwerben. Letzteres ermöglicht eine detaillierte Inspektion und Änderungen der OpenType-Tabellen in einem Font.

Weitere Informationen unter fontlab.com (Partnerlink)
Alphabet-Ausstellung in der MEWO-Kunsthalle in Memmingen

»Den Kuratoren, Prof. Dr. Joseph Kiermeier-Debre und Dr. Fritz Franz Vogel ist es in dieser Ausstellung gelungen, die schönsten Schreibmeisterbücher vom 16. bis zum 19. Jahrhundert aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek München und die wunderbare Sammlung der Ungarisch-Schweizer Sammlerin Julia Vermes zu einer Präsentation zu verbinden, in der etwa 8000 gestaltete, figurierte, illustrierte Buchstaben für Jung und Alt zu tanzen beginnen.

In der von allen Besuchern bewunderten Ausstellungsinszenierung finden sich historische und zeitgenössische Beispiele einer sich an den 26 Grundformen des Alphabets schier grenzenlos austobenden künstlerisch-gestalterischen Phantasie, die keine Wünsche offenläßt.«

MEWO-Kunsthalle
Bahnhofstraße 1
87700 Memmingen

Dauer der Ausstellung:
27. März 2011 bis 30. Oktober 2011
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag (und Feiertage) 11 bis 17 Uhr
Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 2 Euro

http://www.memmingen.de/1931.html
Der Begriff Ligatur gehört zum sprachlichen Standardrepertoire aller, die sich professionell mit Schrift auseinandersetzen. Dennoch spürt man in der Praxis immer wieder, dass sich die meisten nicht vollends über Definition und Wesen dieses Begriffes im Klaren sind. Dies zeigt sich zum Beispiel an den oft genannten Hinweisen, wann Ligaturen zu setzen sind und wann nicht. Diese Hinweise beziehen sich jedoch tatsächlich nur auf eine bestimmte Untergruppe von Ligaturen. Und auch in der aktuellen Diskussion um das Versal-Eszett hört man immer wieder, dass es sich beim Eszett ja nicht um einen gar nicht um einen Buchstaben, sondern um eine Ligatur handeln würde. Auch an dieser Aussage wird mangelndes Verständnis des Begriffes Ligatur deutlich.

Herleitung und Definition
Das Problem beim Begriff Ligatur scheint zu sein, dass die meisten bei seiner Anwendung lediglich an Ligaturen wie fi und fl denken und deren Prinzipien auf alle Ligaturen übertragen. Doch dies führt zwangsläufig zu Missverständnissen.
Ligatur bedeutet zunächst einmal nichts weiter als Buchstabenverbindung. Es geht auf das lateinische ligare ([fest-]binden) zurück. Aus dieser Herleitung wird schon offensichtlich, dass der Begriff Ligatur noch gar nichts über einen möglichen Zweck aussagt, sondern lediglich ganz abstrakt und formal eine Verbindung mehrerer Buchstaben beschreibt.
Im Sinne der Drucktechnik meint man mit Ligaturen die Verbindung mehrerer Schriftzeichen auf einem Schriftkegel (siehe ffl-Ligatur in der Abbildung). Dies geht auf die Technik des Bleisatzes mit einzelnen beweglichen Lettern zurück, ist aber auch heute noch gültig. Auch digitale Schriften besitzen einen virtuellen Schriftkegel und auch hier können mehrere Schriftzeichen zu einer so genannten Glyphe vereinigt sein. Es spielt dabei nicht mal eine Rolle, ob sich die Einzelteile dieser Ligatur tatsächlich in ihrem Schriftbild berühren. Allein die technische Vereinigung mehrerer Zeichen zu einer Glyphe rechtfertigt hier die Benutzung des Wortes Ligatur.

Mögliche Zwecke von Ligaturen
Wenn man sich vor Augen hält, dass Ligatur nichts anderes als »Buchstabenverbindung« bedeutet, stellt sich natürlich sofort die Frage, welche Buchstaben denn zu welchem Zweck verbunden wurden. Nachfolgend der Versuch einer Klassifikation möglicher Ligaturen in lateinischen Schriftsystemen.

1. Typografische Ligaturen
Die erste Gruppe bilden die typographischen Ligaturen. Sie verfolgen, wie der Name schon sagt, rein typografische Zwecke. Es lassen sich weitere Untergruppen bilden:

1.1 Kollisionsligaturen
Das Zusammentreffen bestimmter Buchstabenpaare kann in manchen Schriften eine unschöne Verbindung erzeugen, die der Leserlichkeit abträglich ist. Der Schriftgestalter kann daher spezielle Glyphen gestalten, die diese Verbindung typographisch optimieren. Die Ersetzung der Einzelglyphen f und i durch eine spezielle fi-Ligatur-Glyphe, die beide Buchstaben sinnvoll verbindet, ist ein bekanntes Beispiel dafür:



Im folgenden Beispiel wurde das Problem anders gelöst. Die Ligatur-Glyphe ist so gezeichnet, dass sich f und i durch ein kürzeres f nicht mehr berühren. Dennoch kommt auch hier eine Ligatur zum Einsatz, da sich beide Zeichen auf einem Kegel befinden.
 


Weitere mögliche Ligaturen dieser Kategorie sind zum Beispiel fi, fl, ff, ffi, ffl. Je nach Schriftart sind aber auch beliebige andere Kollisionsligaturen denkbar, zum Beispiel Th, gg, fb, fk, fh und so weiter.

1.2 Schmuckligaturen
Schmuckligaturen erfüllen, wie der Name schon sagt, eher dekorative Zwecke. Sie schaffen Verbindungen zwischen Buchstaben, die weder typografisch, noch orthografisch notwendig wären, aber das Schriftbild interessanter bzw. wechselvoller gestalten können. Dabei lehnt man sich oft an kalligrafische Konventionen an.
Diese Ligaturen sollten mit Bedacht eingesetzt werden und sind in OpenType-fähigen Anwendungen auch standardmäßig deaktiviert. Die entsprechenden Option heißt in der Regel »bedingte Ligaturen« (discretionary ligature).



Welche typografischen Ligaturen sinnvoll sind und wann sie zum Einsatz kommen sollten, kann sich von Sprache zu Sprache unterscheiden. Im deutschen werden typografische Ligaturen bekanntlich nicht über Morphemgrenzen hinweg gesetzt. So wird Kaufleute immer ohne fl-Ligatur gesetzt, Baufläche jedoch auf Wunsch mit Ligatur.

In jedem Falle sind alle vorstehend genannten Ligaturen jedoch als solches keine bedeutungstragenden Zeichen. Der rein typografische Zweck entfällt in der Regel schon dadurch, dass man zum Beispiel zwischen gemischter Schreibweise und Versalsatz wechselt. Eine fi-Ligatur wird natürlich im Versalsatz in die einzeln stehenden Zeichen F und I aufgelöst, da es hier bei einer normalen Laufweite nicht mehr zu einer ungewollten Kollision der Zeichen kommen kann.
In gleicher Weise führt das deutliche Sperren eines Textes dazu, dass die typografischen Ligaturen aufgelöst werden. Layout-Anwendungen wie Adobe InDesign erledigen dies in der Regel selbstständig.



Und diese Eigenschaft grenzt die typografischen Ligaturen deutlich von der folgenden Kategorie ab …

2. Orthographische Ligaturen
 

 
Orthografische Ligaturen haben im Gegensatz zu den typografischen Ligaturen einen konkreten sprachlichen Zweck. In diese Kategorie fallen zum Beispiel die Ligaturen W/w, Œ/œ, Æ/æ und nach heutigen Regeln das Eszett (ß), selbst wenn von letzterem noch nicht restlos zufriedenstellend geklärt ist, aus welchen Teilen es historisch entstanden ist.
Vielen ist gar nicht bekannt, dass auch unser vertrauter Buchstabe W/w eine Ligatur aus zwei V bzw. U ist, die lange Zeit nicht für unterschiedliche Lautwerte benutzt wurden. Daher rührt übrigens auch noch die Bezeichnung »double u« im Englischen für das W.
Spätestens dieses Beispiel verdeutlicht, dass es unsinnig ist, Buchstaben des Alphabets und Ligaturen als etwas unterschiedliches oder gar sich ausschließendes auffassen zu wollen. Ob ein Schriftzeichen als Buchstabe eines Alphabets gilt, lässt sich nicht über seine Herkunft aus einer Ligatur ableiten bzw. nicht dadurch ausschließen.
Dies zeigt sich sehr schön an den orthographischen Ligaturen Œ/œ, Æ/æ. Sie zeigen auch visuell noch sehr deutlich, dass sie aus einer Verbindung aus OE/oe beziehungsweise AE/ae entstanden sind. Jedoch ist diese Verbindung heute eben keine typografische, die sich jederzeit wieder auflösen ließe, sondern diese Zeichen erfüllen als vollwertige Buchstaben einen distinkten phonetisch/orthografischen Zweck. Das œ im französischen cœur (Herz) erfordert eine andere Aussprache als die Einzelbuchstabenfolge oe.
Das Gleiche gilt für das Eszett in Deutschland und Österreich. Seine Herkunft aus einer Buchstabenverbindung ist für die Einordnung des Buchstabens in das Alphabet völlig unerheblich. Das Eszett ist heute Teil der amtlichen Rechtschreibung, da es eine konkrete sprachliche Funktion erfüllt. Es zeigt bei einem scharfen S-Laut an, ob der vorausgehende Vokal kurz (Busse) oder lang (Buße) gesprochen wird. Damit hebt es sich deutlich von den oben genannten typografischen Ligaturen ab und verlangt in der Folge zumindest heute auch nach einem Pendant im Versalsatz, so wie auch niemand auf die Idee kommen würde, dass man aufwachsen im Versalsatz in AUFVVACHSEN auflösen würde. Sobald ein Buchstabe Teil des Alphabets mit Groß- und Kleinbuchstaben geworden ist, benötigt man in Antiqua-Schriften beide Formen, völlig unabhängig davon, ob dieser Buchstabe aus einer Ligatur entstanden ist oder nicht.

3. Sonderfall: Historische Ligaturen in gebrochenen Schriften
Der Satz von deutschen Texten in gebrochenen Schriften folgte früher besonderen Regeln, die insofern eine Sonderstellung einnehmen, da sie nicht nur an die Sprache, sondern eben auch an die konkrete Schriftform der gebrochenen Schriften gebunden waren. So wurde ein und derselbe Text in deutscher Sprache in Fraktur mit anderen Ligaturen (und anderen Zeichen wie dem langen s) gesetzt als in der Antiqua-Schreibung.
Der Satz mit gebrochenen Schriften kannte ebenfalls typografische Ligaturen wie ſſ, ſi, ll, fl, und fi, die nach den gleichen Prinzipien gesetzt wurden, wie oben beschrieben. Darüber hinaus gab es aber weitere, so genannte obligatorische oder buchstabenähnliche Ligaturen wie ch, ck, tz (und ß). Man kann sie im Fraktursatz als buchstabenähnlich beschreiben, da sie nicht wie Œ, W etc. eine spezifische Aussprache anzeigen, sondern durch den Ligatur-Charakter lediglich ein visuellen Hinweis auf einen Digraph sind – also zwei Buchstaben, die für eine Lautung stehen. Die Auswahl und Anwendung dieser obligatorischen Ligaturen hat sich als Schriftsetzer-Konvention über die Zeit entwickelt. Längst nicht alle Digraphen der deutschen Sprache wurden auf diese Weise verbunden und während der Digraph ch verbunden erscheint, ist dies zum Beispiel beim Trigraph ſch (sch) nicht der Fall. Im Gegensatz zu den typografischen Ligaturen werden die obligatorischen Ligaturen im Sperrsatz nicht aufgelöst. (Zum Sonderfall ſt des siehe hier.)



Ligaturen/Digraphen, die nicht als Ligaturen gesetzt werden
So wie es oben beschrieben technische Ligaturen auf einem Kegel gibt, die sich aber nicht berühren und daher wie ganz normale Einzelbuchstaben aussehen, so gibt es auch den umgekehrten Fall: Buchstabenverbindungen, die wie eine orthographische Ligatur verstanden werden, jedoch in der Regel nicht als solche gesetzt werden. Darunter zählen zum Beispiel das niederländische IJ/ij oder das kroatisch/bosnische Dž/dž. Diese Verbindungen werden heute als jeweils als ein Buchstabe verstanden. Sie sind somit nicht trennbar und füllen zum Beispiel in einem Kreuzworträtsel lediglich ein Feld. Da sie jedoch nicht auf den jeweiligen landestypischen Tastaturbelegungen vorhanden sind, erfolgt die Eingabe in aller Regel durch das Tippen der Einzelbuchstaben und nicht durch den Einsatz einer Ligatur-Glyphe, obgleich im Unicode mittlerweile entsprechende Kodes für diese besonderen Ligaturen vorgesehen sind.

Fazit: Ligaturen gibt es aus den verschiedensten Gründen und sie folgen unterschiedlichen Satzregeln. Daher ist es in der Praxis oft wenig hilfreich, von Ligaturen im Allgemeinen zu sprechen. Man sollte zumindest spezifizieren, ob man von typografischen oder orthographischen Ligaturen spricht. Daraus ergibt sich auch, dass man nicht prinzipiell Ligatur und Buchstabe unterscheiden kann. Ligaturen können durch orthographischen Beschluss oder im Laufe der Zeit zu Buchstaben werden und ob in konkreten Fall tatsächlich eine satztechnische Ligatur zum Einsatz kommt, hängt von den technischen Gegebenheiten ab und lässt sich nicht immer direkt aus dem sichtbaren Schriftbild ableiten.
Seit Jahren immer wieder versprochen, als Beta-Version zurückgezogen und nun als komplette Neuentwicklung endlich verfügbar: FontExplorer X Pro für Windows …

Als die Mac-Version 2005 erschien, wirbelte sie den Markt der Fontmanager kräftig auf. Die damals noch kostenlose Version bestach durch eine intuitive, iTunes-ähnliche Bedienung und die systemnahe Programmierung machte die Arbeit mit dem Fontmanager schnell und sorgenfrei. Dieses Konzept in die Windows-Umgebung zu transferieren, erwies sich schwieriger als zunächst gedacht. Doch jetzt ist die Windows-Version * (ab XP Service-Pack 3) endlich verfügbar.



Das Layout der Anwendung lehnt sich an die erfolgreiche Mac-Version an. In der linken Seitenleiste wird die Fontbibliothek verwaltet und die Fonts lassen sich in manuellen und intelligenten Gruppen verwalten. Im rechten Teil werden die Fonts mit Namen (gegebenenfalls mit WYSIWYG-Ansicht) dargestellt. Die zusätzlichen Informationen wie Fontformat, Hersteller usw. lassen sich beliebig zusammenstellen. Im unteren Teil schließlich erfolgt eine Vorschau mit eigenen Mustertexten. Wie in der Mac-Version erlaubt die Vorschau auch eine Darstellung mit Ligaturen und Kerning.
Einen Unterschied zur Mac-Version bildet die Menüleiste. Sie wurde mit der Werkzeugleiste kombiniert und lehnt sich eher an die aktuellen Office-Programme von Microsoft an.

Zu jeder Schrift lassen zahlreiche Detailinformationen abrufen, etwa Ansichten der (Unicode-kodierten) Zeichenbelegung oder der Kerning-Werte aller Zeichen:



Selbstverständlich für professionelle Fontmanager sind die Auto-Aktivierungs-Plugins für Adobe- und Quark-Anwendungen. Darüber hinaus bietet das Programm nützliche Zusatzfunktionen wie das Löschen der Font-Caches des Systems sowie der Adobe-, Microsoft- und Quark-Programme. Außerdem lässt sich der aktuelle Zustand der Fontbibliothek über eine Backup-Funktion sichern.

Der Funktionsumfang entspricht noch nicht exakt der Mac-Version. So fehlen z.B. die Ausdruck-Möglichkeit von Schriftmustern und der integrierte Fontstore sowie die in der Mac-Version 3 hinzugekommen Funktionen. Die Windows-Version trägt daher noch die Versionsnummer 2.x.
Dennoch macht das Programm auch jetzt schon einen sehr guten Eindruck. Die Anwendung lief in unserem Test so schnell und stabil, wie wir es von der Mac-Version gewöhnt sind. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite * des FontExplorer X Pros. Die Lizenz kostet wie bei der Mac-Version 79,– Euro.

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