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Typografie-Artikel

Neuigkeiten und Fachartikel zu Schrift und Typografie

The Enschedé Font Foundry veröffentlich die Schrift Geronimo des portugiesischen Schriftdesigners Mário Feliciano. Einige der Merkmale der Schrift wurzeln in den Entwürfen des spanischen Schriftschneiders Geronimo Gil aus dem 18. Jahrhundert. Die Schriftfamilie ist in sechs Strichstärken verfügbar, besitzt einen umfangreichen Zeichenausbau für europäische Sprachen, Schwungbuchstaben und typische OpenType-Merkmale wie Kapitälchen, Bruchziffern, Ligaturen und verschiedene Ziffernsets.



Wie immer bei Enschedé ist die Schrift kein Schnäppchen. Ein Einzelschnitt schlägt mit 281,- Euro zu buche, die komplette Familie kostet 2021,– Euro.



Mário Feliciano wurde 1969 in Caldas da Rainha (Portugal) geboren und studierte Grafikdesign an der IADE Lissabon. Er arbeitet seit den frühen 1990er Jahren als Grafikdesigner und Schriftgetalter. Seine Schriftentwürfe bewegen sich zwischen zeitgemäßen Displayschriften und Interpretationen historischer spanischer Vorbilder. Sie finden Anwendung in vielen portugiesischen und internationalen Publikationen und wurden mit bislang 2 TDC-Awards honoriert. Seit 2001 betreibt er die Feliciano Type Foundry.
 
 
Weitere Informationen unter: http://www.teff.nl/fonts/geronimo/ Diskussion im Typografie.info-Forum  
 
Der Warschauer Schriftdesigner Łukasz Dziedzic ist bekannt durch seine Schriften FF Clan, FF Good, FF Mach und FF Pitu. Wer ihn noch nicht kennt, kann zum Beispiel im ABCdarium einiges über ihn lesen. Seine neue Schrift Lato gibt es nun gratis im Google Font Directory.

Mit dieser Schrift versuchte Dziedzic den Spagat, eine Schrift zu gestalten, die gleichermaßen als klare Fließtextschrift benutzt werden, aber gleichermaßen in Schaugrößen eine starke Eigenständigkeit aufweist.
Die Schrift ist in 5 Strichstärken (inklusive Kursiven) verfügbar. Ein weiterer Ausbau des Sprachumfangs ist in Planung.

http://bit.ly/latofonts


I Love Type ist eine Buchreihe, die von Viction:ary und TwoPoints.Net herausgegeben wird. Die Kollektion widmet sich in jeder Ausgabe einer Schrift und dokumentiert ihr Comeback im zeitgenössischen Grafikdesign. I Love Futura und I Love Avant Garde sind die ersten zwei Ausgaben für die Fans klassischer Schriften.


 
Futura, deren erste Entwürfe auf das Jahr 1924 zurück gehen, war stark vom Bauhaus inspiriert. Ihr Entwerfer Paul Renner betrachtete sie als die Überwindung der »Unvereinbarkeit von römischer Versalschrift und den lateinischen Kleinbuchstaben, die der handschriftlichen karolingischen Minuskel entstammen«. Seine Futura war der Prototyp einer geometrischen (konstruierten) serifenlosen Linear-Antiqua. Zwar hielt Renner bei der Erstveröffentlichung an befremdlichen (antihandschriftlichen) Formen für a, g, n, m und r fest, doch ihren Siegeszug trat Futura ohne diese Figuren an. Im ersten Schriftmusterblatt der Bauerschen Gießerei von 1927 wurden sie als Spezialfiguren angepriesen, das zweite von 1928 zeigte sie gar nicht mehr.
Das Vorwort für I Love Futura schrieb Wolfgang Hartmann von Bauer Types. Sein Grossvater hatte damals mit Paul Renner an der ersten Vermarktung der Futura mitgearbeitet.



 
Mitte der 60er Jahre wurde in New York »Avant Garde« gegründet, ein »intelligentes, fröhliches Kunst- und Politikmagazin, für Leute, die ihrer Zeit voraus sind«. Die Herausgeber Ralph Ginzburg und Herb Lubalin entwickelten eigens eine wegweisende Schrift für ihre neue Zeitschrift. Dieses Buch zeigt, dass die Zeit wieder reif sein könnte für die außergewöhnliche Avant Garde.

Die ersten beiden Ausgaben zu Futura und Avant Garde können versandkostenfrei bei FontShop bestellt werden.
Zunächst muss man wissen, dass das OpenType-Format gar nicht so neu ist, wie uns die meisten Marketing-Aussagen zu diesem Thema glauben machen wollen. Das OpenType-Format basiert direkt auf den TrueType-Spezifikationen. Oder um es noch genauer zu sagen: es basiert auf dem SFNT-Format (»Spline Font«), das Apple ursprünglich für QuickDraw entwickelte. Man kann sich OpenType als eine Art TrueType 1.5 vorstellen.



Es benutzt die gleiche innere Struktur wie ein TrueType-Font, kann aber über einige zusätzliche Funktionen verfügen, die in optionalen Tabellen im Font gespeichert sind. Und dies bringt uns auch zu unserem ersten OpenType-Mythos …

OpenType brachte Plattform-Kompatibilität zwischen Windows und Mac
Falsch! Bis einschließlich Mac OS 9 mussten Fonts in den Formaten TrueType und PostScript Type 1 in jeweils separaten Versionen für PC und Mac ausgeliefert und angewendet werden. Dies lag vor allem darin begründet, dass eine Mac-Datei aus zwei Teilen bestehen kann: einem Datenteil mit den eigentlichen Inhalten (etwa den Bildinformationen einer Bilddatei) und einem Resource-Teil, der zusätzliche Meta-Daten enthalten kann, wie etwa ein zugehöriges Icon der Datei. Die Fontinformationen lagen bei älteren Mac-Fonts jedoch im Resource-Teil, den Windows nicht kennt und daher verwirft. Somit war ein Austausch von Fonts zwischen PC und Mac ausgeschlossen.
Mit Mac OS X führte Apple auch eine Unterstützung für Font-Informationen im Datenteil ein, so dass zum Beispiel Windows-TrueType-Fonts direkt am Mac nutzbar wurden. Die Plattform-Kompatibilität wurde also durch diesen Schritt von Apple eingeleitet, nicht durch die Einführung eines neuen Formates. Da aber OpenType direkt auf der Struktur eines (Windows-)TrueType-Fonts aufsetzt, ist auch das OpenType-Format von Hause aus Plattform-kompatibel.

OpenType-Fonts sind besser ausgebaut
Nur teilweise wahr! Das alte Format PostScript Type 1 verfügte üblicherweise lediglich über eine 8-Bit-Belegung wie etwa »Mac Roman«. So ließen sich also maximal 256 Zeichen ansprechen. Dies machte das Setzen von mehrsprachigen Texten oft sehr schwierig, da verschiedene sprachabhängige Schriftschnitte der gleichen Schrift (zum Beispiel Helvetica CE/Greek/CYR) verwendet werden mussten und solche Dokumente dann nur richtig dargestellt werden konnten, wenn alle diese Schnitte bei der Anzeige des Dokuments verfügbar waren.
OpenType hat diesem Problem mit seiner Unicode-Unterstützung behoben, aber auch dies war nichts, dass speziell für OpenType erfunden wurde. Auch die altbekannten TrueType-Fonts benutzen Unicode und können über einen großen Zeichenvorrat verfügen.
Das neue an OpenType ist lediglich die Art, wie man auf den erweiterten Zeichenvorrat einer Schrift zugreifen kann. Statt jedes Zeichen lediglich über seinen Unicode-Wert anzusprechen, können Zeichen in einem OpenType-Font auch über OpenType-Features benutzt werden. Ein Beispiel wäre das Ligatur-Feature, das es ermöglicht, jedes Vorkommen von f und i automatisch durch die entsprechende fi-Ligatur zu ersetzen.
Aber lange nicht jeder OpenType-Font enthält alle möglichen Zeichen und Features. Man kann theoretisch einen TrueType-Font in einen OpenType-Font verwandeln, indem man nichts weiter hinzufügt, als eine fi-Ligatur. Man sieht also, es bringt wenig, eine klare Grenze zwischen TrueType und OpenType ziehen zu wollen. Oft taucht die Frage auf, wie man TrueType-Fonts ins OpenType-Format konvertieren könne. Aber dies wäre ein völlig sinnfreies Unterfangen, da durch diese Konvertierung nichts erreicht werden würde, solange nicht der Schriftanbieter selbst den Zeichenumfang erweitert und entsprechende OpenType-Features hinterlegt.

OpenType ist verlässlicher, kompatibler und besser unterstützt als TrueType
Falsch! Anwender scheinen häufig zu glauben, dass man das OpenType-Format generell dem TrueType-Format vorziehen sollte. Dies liegt wohl an dem immer noch schlechten Ruf, den sich das TrueType-Format Anfang der 1990er Jahre eingefangen hat. Aber dies ist ein eigener Mythos. Zu dieser Zeit wurde »professionelle« DTP-Fonts fast ausschließlich im PostScript-Format ausgeliefert und minderwertige TrueType-Fonts kursierten unter privaten Anwendern und machten gern mal Probleme beim Herstellen von Druckvorlagen. Aber dies ist lange her! Heute gibt es keinen Grund mehr, TrueType zu meiden und das OpenType-Format ist auch keineswegs besser unterstützt als TrueType. Da die OpenType-Spezifikationen eine Erweiterungen des TrueType-Formates sind, bietet jede Anwendung, die OpenType unterstützt auch automatisch eine Unterstützung für TrueType.

OpenType-Fonts werden unter Windows schlechter dargestellt
Jein! Dieser Mythos ist durch die aktuellen Diskussionen rund um Webfonts wieder brandaktuell geworden. Was hier allerdings gemeint ist, bezieht sich weniger auf das verwendete Font-Format, sondern auf die benutzte Umriss-Technologie. OpenType-Fonts können entweder TrueType-Umrisse (quadratische Bézierkurven) oder PostScript-Umrisse (kubische Bézierkurven) verwenden. Und die verwendete Art wirkt sich unter Windows leider (noch) deutlich auf die Darstellungsqualität aus, auch wenn hier Besserung in Sicht ist.
Wenn es also um die Art der Umriss-Beschreibung geht, macht es wenig Sinn, allein von »OpenType« zu reden.
Wie oben bereits gezeigt wurde, ist ein TrueType-basierte OpenType-Fonts nichts anderes als ein TrueType-Font mit zusätzlichen OpenType-Merkmalen. Ein PostScript-basierter OpenType-Font ist ganz ähnlich aufgebaut. Es wird hier lediglich der Teil, der die TrueType-Umrisse beschreibt (glyph table), durch eine Beschreibung von PostScript-Umrissen ausgetauscht (CFF table). Deshalb werden PostScript-basierte OpenType-Fonts auch oft mit dem Kürzel CFF (Compact File Format) beschrieben.



Wenn es also auf die Umrissbeschreibung ankommt, sollte man nicht von OpenType allein sprechen, sondern von TrueType- oder PostScript-basierten OpenType-Fonts. Die empfohlenen Kurzformen lauten OpenType TT und OpenType PS.

TrueType-Fonts haben den Suffix TTF, OpenType-Fonts nutzen OTF. Korrekt?
Falsch! Unglücklicherweise gibt der Suffix einer Fontdatei keine hundertprozentige Auskunft darüber, welches Fontformat tatsächlich vorliegt. OTF wird hauptsächlich für PostScript-basierte OpenType-Fonts benutzt, jedoch erlauben die OpenType-Spezifikationen ausdrücklich, dass auch TrueType-basierte OpenType-Fonts diese Endung verwenden können.
TTF wiederum wird von herkömmlichen TrueType-Fonts und TrueType-basierten OpenType-Fonts gleichermaßen verwendet. Und dies ist auch sinnvoll, da wir ja bereits gelernt haben, dass diese beiden Fontarten sich sehr ähnlich sind. Durch das Beibehalten der TTF-Endung können TrueType-basierte OpenType-Fonts auch in Anwendungen verwendet werden, die keine OpenType-Features unterstützen. Die Fonts verhalten sich dann ganz einfach wie herkömmliche TrueType-Schriften ohne OpenType-Merkmale.

Aber das Format kann man doch am Icon ablesen, oder?
Falsch! Schaut man in den Font-Ordner von Windows XP oder Vista finden sich dort Fonts, die ein OpenType-Icon besitzen und andere mit einem TrueType-Icon. Leider lässt sich aber auch daraus nicht mit Sicherheit schließen, welches Fontformat genau vorliegt.
PostScript-basierte OpenType-Fonts tragen ein OpenType-Icon, aber bei den TrueType-basierten Fonts ist es etwas komplizierter: Microsoft hat sich dafür entschieden, die optische Kennzeichnung als OpenType-Font von der Existenz einer digitalen Signatur abhängig zu machen. Dies bedeutet, TrueType-basierte OpenType-Fonts tragen nur ein OpenType-Icon, wenn sie über eine solche Signatur verfügen. Anderenfalls werden sie genauso darstellt wie herkömmliche TrueType-Fonts.



Aber OTF heißt doch OpenType, oder nicht?
Nun, … OTF ist zwar die Abkürzung für OpenType, aber ich rate generell von der Benutzung dieser Abkürzung ab, wenn allgemein von OpenType die Rede sein soll. OTF ist, wie zuvor erklärt, meist (aber nicht notwendigerweise) der Suffix einer PostScript-basierten OpenType-Schrift. Spricht man also von OTF ist nicht klar, ob man damit OpenType-Fonts im allgemeinen oder nur jene, mit PostScript-Umrissen meint. Man sollte daher besser von »OT Fonts« sprechen. Und wenn es auf die Umrissbeschreibung ankommt: OpenType TT oder OpenType PS.
Typedia ist eine neue Webseite, die sich zum Ziel gemacht hat, die ultimative (englischsprachige) Online-Schriftenzyklopädie zu werden. In typischem Web-2.0-Stil darf jeder die Seite aktiv mitgestalten. Zwar bieten auch klassische Wikis (etwa Wikipedia oder unser Wiki) bereits viele umfassende Artikel über Schriftarten, aber der Vorteil der Typedia liegt sicherlich in der Struktur der Seite, die neben einfachen Artikeln auch die Möglichkeit der Suche nach Klassifikation, Stichwörtern, Designern, Schriftanbietern usw. ermöglicht.
Computer-Tastaturen sind direkte Nachfahren der Schreibmaschine. Diesem Umstand verdanken wir zum Beispiel, dass man nur Zollzeichen statt korrekter Anführungszeichen auf der Tastatur findet. Ein ähnliches Ärgernis ist die Feststelltaste (auch Caps Lock oder Shift Lock genannt). Brauchte man auf alten Schreibmaschinen noch reichlich Kraft um den Mechanismus zu betätigen, so ist die Betätigung der Taste auf einer Computertastatur fast immer ein Versehen - mit uNERWÜNSCHTEN fOLGEN.
Dabei lässt sich das versehentliche Aktivieren der Feststelltaste auf einfache Weise unterbinden, indem man deren Funktion einfach abschaltet. Und so gehts: 

Mac OS X
Öffnen Sie in der Systemsteuerung die Einstellungen für »Tastatur und Maus«. Über den Button »Sondertasten« (im Reiter »Tastatur«) kann die Funktion der Feststelltaste einfach auf »Keine Aktion« gestellt werden.

Windows
Windows-Benutzer müssen einen Eintrag in der Registry ändern. Doch keine Angst! Ein kleines Skript von dieser Webseite erledigt diese Aktion und macht sie bei Bedarf auch wieder rückgängig.

X Org
Die Caps-Lock-Taste dient nach dem Aufruf von
setxkbmap -option ctrl:nocaps
als zusätzliche Strg-Taste. Komfortabel lässt sich dieses zum Beispiel unter KDE im Kontrollzentrum/Tastaturlayout/Xkb-Optionen mit »Feststell-Taste als zusätzliche Strg-Taste verwenden« einstellen.
Die Webseite erlaubt es auf sehr einfache Weise, diakritische Zeichen und Symbole einzugeben, um sie dann per Kopieren-und-Einfügen in eine anderen Anwendung zu übernehmen. Dies ist zwar prinzipiell auch mit den Tools der Betriebssysteme möglich, aber TypeIt besticht durch sein einfaches Interface und die Beschränkung auf die jeweilige Sprache. Selbst die korrekten Anführungszeichen der jeweiligen Sprache werden automatisch angeboten.

Der Zeichensatz Unicode erleichert die Arbeit mit Textdokumenten ungemein – er schafft aber auch neue Probleme. Wissen sie zum Beispiel was ein PUA-Kode ist? Nicht? Dann sollten Sie weiterlesen …

In den 1990er Jahren dominierten die 8-Bit-Zeichensätze wie Mac Roman oder Latin 1 die Branche. Mit ihnen konnte lediglich auf maximal 256 Zeichen eines Fonts zugegriffen werden. Für mehrsprachige Dokumente war dies natürlich zu wenig. Um etwa einen russischen und einen griechischen Text in einem Dokument zu kombinieren, musste man auf zwei verschiedene Schriftarten (z.B. Helvetica Cyrillic und Helvetica Greek) zurückgreifen. Dies ist natürlich eine fragliche Notlösung, denn es bedeutet, dass beide Schriftsysteme auf den gleichen Vorrat von Kodes zurückgreifen um unterschiedliche Dinge darzustellen. Öffnet ein anderer Anwender so ein Dokument und verfügt nicht über die ursprünglichen Schriftarten, sieht er nur kryptische Zeichenfolgen.
Unicode löst dieses Problem indem es jedem sinntragenden Zeichen oder Textelement einen eigenen, unverwechselbaren Kode zuweist. Konnte ein 8-Bit-Kode noch in eine Vielzahl von Zeichen aufgelöst werden, steht ein Unicode nun eindeutig für ein ganz bestimmtes Zeichen – unabhängig von der gerade verwendeten Software, Hardware oder Schriftart. Selbst gleich aussehende Zeichen (etwa ein russisches und ein deutsches »a«) sind im Unicode verschiedene Zeichen mit unterschiedlichen Kodes.

Soweit so gut. Wo ist nun das Problem?
Der Unicode umfasst ausschließlich sinntragenden Zeichen. Typografische Variationen wie Kapitälchen, Schwungbuchstaben, besondere Ligaturen oder Ornamente werden im Unicode nicht erfasst. Um diese Zeichen überhaupt in ein Dokument einfügen zu können gibt es grundsätzlich zwei Wege, die nachfolgend aufgezeigt werden. Die Unterschiede sollten jedem Anwender bewusst sein. Nur so lassen sich fehlerhafte Kodierungen im Voraus vermeiden.

1.) Unicode-Zeichen per OpenType-Feature ansprechen
In OpenType-fähigen Anwendunge wie Adobe InDesign können die erweiterten typografischen Funktionen eines OpenType-Fonts bequem über eine Menüführung angesprochen werden. Wird ein Buchstabe markiert und per Menüauswahl mit der Option Kapitälchen versehen, ersetzt InDesign das gewählte Zeichen mit dem entsprechenden Kapitälchen, merkt sich aber den zu Grunde liegenden Unicode des Ausgangszeichen. Beim Wechsel der Schriftart oder der Weitergabe des Dokumentes treten deshalb keine Probleme auf. Gleiches gilt übrigens, wenn man die Glyphen-Palette von InDesign nutzt und das Kapitälchen so direkt eingibt. Auch hier weiß InDesign, welches Original-Zeichen diesem Kapitälchen zu Grunde liegt und mit welchen Unicode kodiert werden muss.



2.) Unicode-Zeichen per Zeichentabelle eingeben
Leider verfügen längst nicht alle Programme über einen menügesteuerten Zugriff auf OpenType-Funktionen. Microsoft Word zum Beispiel arbeitet zwar längst mit Unicode, der direkte Zugriff auf erweiterte Funktionen (wie zum Beispiel Kapitälchen) bleibt aber nach wie vor verwehrt.
Bietet eine Anwendung keinen menügesteuerten Zugriff auf die erweiterten Funktionen eines OpenType-Fonts, müssen die Zeichen direkt durch ihren Unicode angesprochen werden. Wie aber zum Beispiel Kapitälchen ansprechen, wenn für sie nicht einmal ein fester Unicode-Wert existiert? Für diesen Fall hat das Unicode-Konsortium einen freien Bereich innerhalb des Unicodes definiert – die so genannte Private Use Area, kurz PUA genannt. In diesem Bereich können Schrifthersteller alle Zeichen unterbringen, die nicht im Unicode erfasst sind.

Über die Windows Zeichentabelle, die Zeichenpalette von Mac OS X oder Zusatz-Tools wie PopChar kann man den Zeichenvorrat eines Fonts bequem durchforsten und erhält auch Zugriff auf den Bereich der Private Use Area. So lassen sich die gewünschten Zeichen per Copy&Paste bequem in jede Unicode-fähige Anwendung einfügen. Doch Vorsicht! Auf diese Weise werden in das Dokument Unicode-Werte eingefügt, die nicht standardisiert sind. Rechtschreibkorrekturen und Silbentrennung werden so ausgehebelt und ein Wechsel der Schriftart führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Anzeige von völlig anderen Zeichen. Wann immer möglich, sollte deshalb die oben genannte, erste Eingabemethode bevorzugt werden.

Auf Grund dieser Probleme diskutieren Schrifthersteller derzeit darüber, ob Zeichen wie Kapitälchen oder Schwungbuchstaben überhaupt mit einem Unicode versehen werden sollten. FSI FontShop International liefert seine OpenType-Fonts ohne PUA-Kodes aus. Auch Adobe kündigte bereits an, zukünftig ganz auf die Verwendung der der Private Use Area zu verzichten. Dies resultiert in sauber kodierten Dokumenten, bedeutet für den Anwender aber auch, dass Zeichen wie Ligaturen, Kapitälchen, Schwungbuchstaben und Alternativ-Zeichen ohne Programme wie Adobe InDesign gar nicht mehr zugänglich sind. Dies sollte man als Schriftkäufer daher im Voraus prüfen. Sonst ist die schönste OpenType-Pro-Schrift mit hunderten von Ligaturen und Alternativ-Zeichen nahezu unbenutzbar.
Wie bekommt man das »Hütchen« auf das S von Škoda? Wie gibt man ® und © ein? Oder sogar so etwas wie ☼ ☂ ♫ ♥ ▉ ░ ▚ ?
Hier eine Übersicht der verschiedenen Eingabemöglichkeiten von Sonderzeichen:


Tastaturkürzel
Die westeuropäischen Standardbelegungungen Mac Roman (MacOS) und Windows 1252 (Windows) lassen sich fast vollständig direkt über die Tastatur eingeben.
Die Standardzeichensätze von PC und Mac unterscheiden sich. Am Mac wird man vergeblich nach einem einfach Tastaturkürzel für das Malzeichen (×) suchen, unter Windows dagegen gibt es zum Beispiel die fi- und fl-Ligaturen nicht. Mit Einführung des standardisierten Unicode-Zeichensatzes (siehe unten) wurde dieses Problem jedoch beseitigt.

MacOS

Am Mac geht das über Tastenkombinationen mit den so genannten »Modifier-Keys« namens Wahltaste (⌥) und Umschalttaste (⇧).
Zum Beispiel kann über Wahl + Umschalt + L die fi-Ligatur (fl) eingegeben werden. Um die verschiedenen Belegungen sehen zu können, kann man sich das Programm »Tastaturübersicht« für einen einfachen Zugriff ins Tastaturmenü in der Apple-Menüleiste legen. (Systemeinstellungen->Landeseinstellungen->Tastaturmenü) 

Windows
In Windows heißt das entsprechende Programm »Bildschirmtastatur« und findet sich unter Programme->Zubehör->Eingabehilfen. Allerdings benötigt man es kaum, da auf der PC-Tastatur ja selbst die Drittbelegungen (Alt Gr) direkt mit aufgedruckt sind. Um unter Windows Sonderzeichen eingeben zu können, die nicht direkt auf der Tastatur aufgedruckt sind – etwa Anführungszeichen (»«) – benutzt man die so genannten Alt-Kodes. Man drückt eine Alt-Taste, hält diese fest, und drückt auf dem Nummernblock der Tastatur einen vierstelligen Kode. Danach lässt man die Alt-Taste los und das Zeichen erscheint. Alt + 0 1 3 8 erzeugt zum Beispiel unser Skoda-Š Eine Übersicht der möglichen Kodes findet sich zum Beispiel hier: http://coloryourprofyle.com/phade/alt.html
Linux
Linux unterstützt die sog. »Compose-Taste« oder auch »Multi_key«, durch deren Druck der Computer die nächsten beiden Tastendrücke zu einem Sonderzeichen zusammensetzt. So wird etwa aus der Tastenkombination Compose + http://www.hermit.org/Linux/ComposeKeys.html.

Integrierte Tools des Betriebssystems
Wer keinerlei Tastaturkürzel lernen will, kann auf Hilfsprogramme zurückgreifen. Windows, MacOS und oft auch Linux bringen diese schon von Hause aus mit. All diese Tools lassen funktionell kaum Wünsche offen, um auf alle Sonderzeichen aller installierten Schriften zugreifen zu können. Man kann die Zeichen nach bestimmten Kriterien ordnen und durchsuchen.

MacOS

Unter MacOS sollte das entsprechende Programm namens »Zeichenpalette« am besten auch wieder im Tastaturmenü aktiviert werden. (Systemeinstellungen->Landeseinstellungen->Tastaturmenü)
Es lässt sich allerdings auch über das Tastaturkommando Befehl (⌘) + Wahl (⌥) + T aufrufen.


Windows
Unter Windows heißt das Programm »Zeichentabelle« und findet sich unter Programme->Zubehör->Systemprogramme. Wer es häufig benötigt legt sich besser eine Verknüpfung in die Schnellstartleiste.


Linux
Ab GNOME 2.4 ist »gucharmap« in vielen Linux-Distributionen zu finden. KDE-Nutzer können auf das ähnliche »kcharselect« zurückgreifen.


Dritthersteller-Tools
Die Tools Zeichenpalette und Zeichentabelle haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie lassen sich keineswegs intuitiv und schnell benutzen. Wer häufig mit Sonderzeichen zu tun hat, sollte vielleicht besser auf Tools wie das beliebte PopChar zurückgreifen.
Das Programm ist für PC und Mac verfügbar und macht die Eingabe von Sonderzeichen buchstäblich zum Kinderspiel. PopChar ist von jedem Programm aus über ein kleines P-Symbol links oben im Menü (Mac) bzw. rechts unten (Windows) mit einem einzigen Klick erreichbar. Ein weiterer Klick auf das gewünschte Zeichen und schon wird es in die aktuelle Anwendung eingefügt und PopChar verschwindet wieder. Einfacher geht es kaum!

Alternativen
PopChar ist das ideale Tool für die Eingabe von Sonderzeichen mit der Maus. Aber für »Schnelltipper« kann selbst der Griff zur Maus unnötige Zeit kosten. Eine Alternative sind hier Textbaustein-Tools. Diese Programme sind eigentlich dazu gedacht, die Eingabe von häufig benutzten Phrasen zu vereinfachen. Aus der Eingabe von »MFG« wird dann zum Beispiel automatisch »Mit freundlichen Grüßen! Ihr Max Mustermann«.
Dieses System lässt sich allerdings auch wunderbar zur Eingabe von Sonderzeichen »missbrauchen«. Denn welche Ersetzungen vorgenommen werden sollen, kann frei gewählt werden. Man kann sich ein semantisch leicht verständliches System ganz nach eigenen Vorlieben anlegen. Zum Beispiel könnten zwei Ersetzungen so aussehen:
#copy wird zu ©
#trade wird zu ™
Das Rautezeichen wurde hier übrigens vorangestellt, damit keine versehentlichen Ersetzungen erfolgen, wenn wirklich »copy« geschrieben werden soll. Auf den ersten Blick scheint diese Variante recht aufwändig einzurichten zu sein und auch die Eingabe von mehreren Zeichen auf einmal scheint umständlich. Der große Vorteil ist allerdings, dass man mit dieser Variante das Tippen des Textes nicht unterbrechen muss und dass der semantische Aufbau eine große Zahl merkbarer Kürzel ermöglicht.


Textbaustein-Programme
MacOS ab Version 10.6 in der Systemsteuerung verfügbar TextExpander: http://www.smileonmymac.com/textexpander/ Typinator: http://www.ergonis.com/products/typinator/ RapidoWrite: http://www.app4mac.com/action_freewares.lasso
Windows
Texter: http://lifehacker.com/software/texter/lifehacker-code-texter... ac'tiveAid: http://www.heise.de/ct/activaid/ (Scripting-Toolsammlung für Windows, erlaubt u.a. Definition neuer Shortcuts für Sonderzeichen sowie Text-Ersetzung nach Eingabe - speziell die beiden Module UserHotkeys und HotStrings) Allchars http://allchars.zwolnet.com
Unicode-Eingabe
Wie oben schon gezeigt wurde, sind die normalen Tastaturkürzel nur auf die einfache westeuropäische Standardbelegung ausgelegt. Auf den riesigen Zeichenvorrat der üblichen Systemfonts (Arial/Lucida Sans Unicode/Lucida Grande etc.) kann man damit nicht zugreifen. Allerdings haben alle so genannten »Sinn tragenden Zeichen« einen festen Kode – den Unicode – zugeordnet. Wer diesen kennt, kann praktisch jedes Zeichen einer Schrift direkt ansprechen. Und so geht’s:

MacOS
Legen Sie sich die Tastaturbelegung »Unicode Hex Eingabe« in das Tastaturmenü. (Systemeinstellungen->Landeseinstellungen->Tastaturmenü)
Wählen Sie diese Tastaturbelegung mit der Maus im Tastaturmenü aus.
Nun können Sie jeden beliebigen (hexadezimalen) Unicode eingeben, indem Sie die Wahltaste drücken und den vierstelligen Kode eingeben. Wahl + 1E9E erzeugt zum Beispiel den neuen Eszett-Großbuchstaben (sofern eine entsprechende Schrift installiert ist, die über das Zeichen verfügt).

Windows
In Programmen wie Microsoft Word: Geben Sie den hexadezimalen Kode ein und drücken sofort Alt + x bzw. Alt + c. Vor dem Kode darf allerdings keine Zahl oder einer der Buchstaben a bis f stehen, da diese sonst als Teil des Unicode betrachtet werden.

Linux
Linux unterstützt mit GTK+ in nahezu allen Distributionen und systemweit die direkte hexadezimale Eingabe von Unicode-Zeichen.
Drücken Sie die Tastenkombination Strg + Umschalt + U. Am Textcursor erscheint ein unterstrichenes U.
Geben Sie den hexadezimalen Unicodewert ein und drücken Sie die Eingabetaste. Das entsprechende Unicodesymbol erscheint.

Das Tastaturlayout ändern
Eine elegante Möglichkeit zur Eingabe von Sonderzeichen ist die Änderung eines vorhandenen bzw. Neuerstellung eines individuellen Tastaturlayouts. Beliebige Zeichen können mit einem neuen Tastaturlayout bestimmten Tastenkombinationen zugewiesen werden. Durch die Einbindung des neu erstellten Tastaturlayouts in das System funktioniert dieses systemweit – also in allen Programmen, die die entsprechenden (Unicode-)Zeichen darstellen können. Neu erstellte Tastaturlayouts lassen sich auch besonders einfach an andere Mitarbeiter zur Einbindung in das System verteilen.

Windows
Für Windows stellt der »Microsoft Keyboard Layout Creator« (Englisch) das nötige Werkzeug dar. Das Tool hat einen bestechenden Funktionsumfang und überzeugt als kostenlose Ergänzung zum Betriebssystem. Der Screenshot (rechts) eines Beispiel-Tastaturlayouts zeigt, welche Zeichen mit diesem Layout unter Nutzung von »AltGr+…« eingefügt werden können. Das Programm erstellt auf Wunsch ein einfach zu handhabendes Setup-Paket (mit ausführbarer Setup-Datei). Die Einbindung des neuen/geänderten Tastaturlayouts in das System geschieht über die Systemsteuerung (Regions- und Sprachoptionen->Sprachen->Details…).
Ein anderes, zwar kostenpflichtiges, aber noch umfangreicheres Tool ist der »Keyman« (Englisch), der auch tiefergehende Funktionen zum Thema Texteingabe beherrscht.

Linux
Unter Linux fehlt bislang eine überzeugende Oberfläche für die Änderung des Tastaturlayouts. Die Änderung des Tastaturlayouts muss daher direkt in die Systemdateien eingearbeitet werden, die dann allerdings ebenso einfach verteilt werden können. Eine sehr schöne Beschreibung am Beispiel eines Altgermanischen Tastaturlayouts findet sich unter dieser Adresse (Englisch).
 
 
In Mac OS 10.6 (alias Snow Leopard) wurde viele Detailverbesserungen am Betriebssystem vorgenommen – so auch im Bezug auf die typografischen Möglichkeiten. In unserem Artikel Sonderzeichen eingeben haben wir bereits auf die nützlichen Textersetzungstools von Dritterherstellern hingewiesen. Diese Funktion ist nun fest ins Betriebssytem integriert und kann in allen Anwendungen eingesetzt werden, die direkt mit Apples Text Engine arbeiten, zum Beispiel iCalamus, Safari, TextEdit, iChat, iPhoto und Mail. Die Einstellung der Textersetzungen erfolgt in der Systemsteuerung:



Falsche Anführungszeichen werden während des Schreibens in die typografisch korrekten umgewandelt und typische Sonderzeichen lassen sich auf einfache Weise eingeben, ohne dass man die speziellen Tastaturkürzel lernen müsste. So wird aus © zum Beispiel automatisch ©. Die Liste der Ersetzungen lässt sich auf Wunsch erweitern.
Zusätzlich zu den generellen Einstellungen in der Systemsteuerung sind die einzelnen Funktionen auch für jede Anwendung einzeln aktivierbar. Das entsprechende Menü »Ersetzungen« findet sich entweder im Bearbeiten-Menü oder ist bei aktiviertem Textwerkzeug im Kontextmenü (Ctrl+Klick) verfügbar.


Zum Ende des Jahres 2007 wehte eine Welle des Protestes durch die Mac-Gemeinde. Stein des Anstoßes war die Tatsache, dass die neueste Apple-Tastatur auf den Aufdruck des Apfel-Logos auf der »Apfel-Taste« verzichtet. Aus Sicht von Apple stellt dies einen logischen Schritt dar, denn eine sogenannte »Apfel-Taste« gab es auf den Tastaturen aus Cupertino schon lange nicht mehr. Die korrekte Bezeichnung dieser Taste ist »Command« im Englischen bzw. »Befehl« im Deutschen.
»Apfel-Taste« ist aber nur eine der vielen Bezeichnungen, die Mac-Anwender für diese Taste verwenden. Besonders das zweite aufgedruckte Zeichen (⌘) lädt zu ausgefallenen Deutungen ein. Manche Nutzer benennen die Taste folglich Propeller, Blumenkohl, Autobahnkreuz, Kleeblatt oder gar Teppichklopfer. Seinen Ursprung hat dieses Zeichen übrigens in einem schwedischen Symbol für Sehenswürdigkeiten.
Auch der »Wahl-Taste« (⌥) erging es nicht besser. Hier sahen manche Anwender doch tatsächlich eine Badewanne oder eine Bratpfanne abgebildet und benennen die Taste entsprechend.

Sonderzeichentasten am Mac
 
deutsch: Befehl (⌘)
englisch: command
umgangssprachlich: Apfel, Propeller, Blumenkohl, Autobahnkreuz, Kleeblatt, Teppichklopfer

deutsch: Wahl (⌥)
englisch: option
umgangssprachlich: Badewanne, Bratpfanne, Weiche, Alt

deutsch: Umschalt (⇧)
englisch: shift
umgangssprachlich: Shift, groß, hoch

deutsch: Feststelltaste (⇪)
englisch: caps lock
umgangssprachlich: Dauergroß, Dauerhoch

deutsch: Steuerungstaste (ctrl)
englisch: control
 
deutsch: Leertaste ( )
englisch: space
 
deutsch: Tabulator (⇥)
tab
 
deutsch: Rückschritt (←)
englisch: delete

deutsch: Entfernen (⌦)
englisch: delete

deutsch: Zeilenschalter (↩)
return
Return

deutsch: Eingabe (⌅)
enter
Enter

deutsch: Anfang (↖)
home

deutsch: Ende (↘)
end

deutsch: Seite auf (⇞)
page up

deutsch: Seite ab (⇟)
page down


Sonderzeichentasten am PC
Auch PC-Benutzer haben sich originelle Bezeichnungen für die Steuertasten einfallen lassen. Besonders die Abkürzung STRG, die nichts weiter als »Steuerung« bedeutet, stellt nach wie vor viele vor ein Rätsel. »Das muss Englisch sein, oder?« String, Strong und Strange hört man deshalb häufig als Benennung dieser Taste. Aber auch eine deutsche Variante wurde gefunden: Störung!
 


Auch die Alt-Gr-Taste bleibt ein Mysterium. Die meisten vermeiden es einfach, die Abkürzung überhaupt aufzulösen und sprechen daher »Alt Grrrr!«. Mit rollendem R besonders schön. Jene, die die Abkürzung auflösen kamen auf diese Schöpfungen: »Alt Grau«, »Alt Groß«, »Alternate German«, »Alternate Group« oder gar »Altgriechisch«. Tatsächlich steht Alt Gr für »Alternate Graphic«. Die Taste wurde von IBM eingeführt, um die ursprünglich nur auf das Englische ausgelegten Tastaturen auch in lokalisierten Sprachversionen anbieten zu können.
Als die FF Trixie 1991 als Type1-Font erschien, musste Erik van Blokland noch auf die Beschränkung des Fontformates und der Leistungsfähigkeit der gängigen Rechner Rücksicht nehmen. Nun wird die Trixie neu aufgelegt – in völlig neuer Qualität und mit allen technischen Rafinessen.



Die neue Trixie ist in drei Varianten erhältlich. Die FF Trixie OT entspricht der ursprünglichen Form (Abbildung links). Die FF Trixie Rough basiert auf den ursprünglichen Konturen, ist aber deutlich detailreicher (Abbildung mitte). Völlig neu gezeichnet wurde die FF Trixie HD (Abbildung rechts). Aus der Dateigröße von über 10 MB pro Schnitt lässt sich dabei schon erahnen, dass diese Fonts mehr als nur ein Standardbelegung enthalten. Für jedes Zeichen sind 7 Alternativzeichen hinterlegt, die in OpenType-fähigen Anwendungen automatisch ausgetauscht werden können, um ein authentisches Schreibmaschinenbild zu vermitteln. Hinter den »Stylistic Sets«, auf die man zum Beispiel in InDesign zugreifen kann, verbergen sich weitere Funktionen. So lässt sich etwa ein automatischer Grundlinienversatz der einzelnen Zeichen aktivieren. Und dies sogar in verschiedenen Stärken.



Weitere nennenswerte OpenType-Features sind Pseudo-Kyrillisch, Pseudo-Griechisch und »zensierter Text«:
 


Die FF Trixie ist der erste FontFont, der über ein Versaleszett verfügt. Ein entsprechender Font namens »Trixie VSZ«, der die Versaleszetts für alle Trixie-Schnitte enthält, kann kostenlos bei FontShop heruntergeladen werden.



Die neue FF Trixie kann über FontShop Deutschland bezogen werden.
Nach dem Erfolg des ersten TypoJournals konnten wir mit der zweiten Ausgabe die Latte noch einmal deutlich höher legen. Der Umfang des Magazins hat sich nahezu verdoppelt und die Liste der Autoren, die ihre Artikel exklusiv für das TypoJournal geschrieben haben, kann sich mehr denn je sehen lassen.
 
Die zweite Ausgabe steht ganz unter dem Motto »Wayfinding & Lesbarkeit«. Wir hinterleuchten zunächst das Mysterium Lesbarkeit. Wie lesen wir wirklich? Was hat es mit den so genannten Wortbildern auf sich? Sind Antiqua-Schriften wirklich besser lesbar als Groteskschriften? Und warum werden Schriften für unterschiedliche Schriftgrößen geschaffen? Außerdem untersuchen wir die Lesbarkeit von Leitsystemen im Spannungsfeld von Funktionalität und Ästhetik. Wie müssen Schriften für Beschilderungen gestaltet sein und wir können sich Besuchern in Messehallen oder ganze Städte gut zurechtfinden? Diese und viele weitere spannende Themen erwarten sie im zweiten TypoJournal. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Die Artikel der Ausgabe
Das Zwiebelschichtenmodell der Lesbarkeit (Ralf Herrmann) Lesen für Fortgeschrittene (Erwin K. Bauer) Legible London — die lesbare Stadt Guerilla-Dienst für die Verkehrssicherheit Ein typografischer Spaziergang durch Berlin (Helmut Ness) Optische Größen in der Schriftentwicklung (Tim Ahrens) Die Schriftarten auf europäischen Verkehrsschildern Die Entwicklung der Wayfinding Sans Lesbarkeit im Rollendruck: Die Zeitungsschrift Malabar (Dan Reynolds) Das Leit- und Orientierungssystem der Messe Stuttgart (büro uebele) Mythos Wortbilder – Wie lesen wir wirklich? Über die zweisprachige Straßenbeschilderung in Irland Kunstprojekt »Zugzielanzeiger« Stimmen zum Magazin
»Ein großer Kompliment an das Typografie.info-Team — die Ausgabe 2 des Typojournals ist hervorragend und es hat echt Spaß gemacht, sie zu lesen! Insbesondere finde ich die Qualität der Beiträge, Bilder, Layouts bemerkenswert. Ihr habt einen richtig guten Job gemacht — hut ab!« Vitaly Friedman, Editor-in-chief, Smashing Magazine »Sehr gut und sehr fundiert. Eine größere wissenschaftliche Grundierung kann unserer Branche nur gut tun«. Prof. Johannes Bergerhausen, FH Mainz »Das Heft ist angekommen, und ich habe aufmerksam darin gelesen. Die meisten Aufsätze berühren mich stark. Das Niveau ist beachtlich!« T. Poschenrieder, Tausendschön Verlag »Ich warte nach dem »Verschlingen« des TypoJournals 2 schon sehnsüchtig auf die kommende Ausgabe.« B. Göck, Typolution.de »So eine hochwertige Aufmachung und schöne Anmutung, Papierqualität, Fotos, Typo … alles perfekt. Ich gratuliere Ihnen zu dieser hervorragenden Publikation!« AnzeigenSpezialist.de
Im 1919 in Weimar gegründeten Bauhaus spielt die Typografie zunächst noch eine untergeordnete Rolle, auch wenn man etwa im Kurs »Schriftformlehre« bereits mit geometrisch konstruierten Schriften experimentiert. Die Stellung der Typografie in der Bauhaus-Lehre ändert sich erst 1923 mit der Berufung von Laszlo Moholy-Nagy als Nachfolger von Johannes Itten. Im Zuge der Bauhaus-Ausstellung 1923 wird eine »Reklamewerkstatt« unter der Leitung von Wassily Kandisky eingerichtet und es beginnt eine intensive Auseinandersetzung mit der Typografie, die später auch ein wichtiger Teil des Unterrichtsprogramms wird.

Moholy-Nagy proklamiert die »Neue Typografie«:
Die Typografie ist ein Instrument der Mitteilung. Sie muß eine klare Mitteilung in der eindringlichsten Form sein. (Bauhausbuch 1923) Zu fordern ist zum Beispiel eine Einheitsschrift, ohne Minuskeln und Majuskeln; nur Einheitsbuchstaben – nicht der Größe, sondern der Form nach. Natürlich könnte man hier auch ideelle Forderungen stellen, die weit über eine Modernisierung unserer heutigen Schriftform hinausgehen. Unsere Schrift fußt – abgesehen von den wenigen fonetisch ableitbaren Zeichen – auf uralten Übereinkommen. Die Entstehung dieser Zeichen ist heute kaum zu ermitteln. Sie sind sehr oft formal-stilistische (oder praktische) Abwandlungen überlieferter nicht mehr deutbarer Formen. So wird man von einer wirklichen Neuorganisation der (Druck-)Schrift erst sprechen können, wenn sie auf objektiv naturwissenschaftlicher Grundlage durchgeführt sein wird. Vielleicht auf Grund von optofonetischen Versuchen, Klangfigurenergebnissen, seismographisch-projektorisch oder ähnlich. Die Annahme von Grundformen, wie Kreis, Quadrat, Dreieck, führt heute bei der Schriftumgestaltung gewiß zu interessanten formalen, sogar notwendig praktischen Ergebnissen; von einer heute noch utopisch erscheinenden Warte aus sind sie jedoch nicht als die richtige Erfassung des Problems zu werten. (Offset, Heft7, 1926) Dessau
In neuen Gebäude in Dessau wird von Anfang an eine Setzerei und Druckerei eingerichtet. Die Reklamewerkstatt und Druckerei wird seit 1925 von Herbert Bayer geführt. Den theoretischen Teil betreut Joost Schmidt. Rot und Schwarz dominieren die Entwürfe, als Satzschrift kommt vor allem die Scheltersche Grotesk zum Einsatz (später auch gelegentlich die Futura). Daneben entstehen Konzepte für Schriftentwürfe, die aber nicht als Satzschriften gefertigt werden. Herbert Bayer etwa, führt den Gedanken der Einheitsschrift fort, die er »Weltschrift« nennt.



Leider verwirrt heute eine erdrückende Menge sogenannter Charakter- und Künstlerschriften, welche alle von dem Prinzip aus, Individualität und Originalität zu erreichen, geschaffen sind. Sie wirken in ihrer ornamental schmückenden Art archaisch, spielerisch und in ihrer Erscheinung zu kompliziert; um den heutigen und zukünftigen Anforderungen zu entsprechen, müßte ein formal objektives Resultat gezeitigt werden. (Bayer, Offset 10/1926)

Bayer fordert, dass alle Buchstaben aus den Grundformen von Kreis und Quadrat basieren und eine durchgehend gleiche Strichstärke besitzen. Es gibt kein großes und kleines Alfabet. Es ist nicht nötig, für einen Laut ein großes und ein kleines Zeichen zu haben. Die gleichzeitige Verwendung zweier im Charakter vollständig verschiedener Alfabete ist unlogisch und unharmonisch. (...) Schriften nationalen Charakters, wie Fraktur, gotische, russische usw., sind in bezug auf Punkt 1 (Internationale Verständigung) unmöglich, weil beschränkt. (Bayer, Offset 10/1926) Zum Jahresende 1925 hatte sich das Bauhaus entschlossen, die Kleinschreibung einzuführen und nur noch Drucksachen nach den existierenden DIN-Normen zu benutzen. Auf den Briefköpfen stand jetzt gedruckt: wir schreiben alles klein, denn wir sparen damit zeit. außerdem: warum 2 alfabete, wenn eins dasselbe erreicht? warum großschreiben, wenn man nicht groß sprechen kann?


 
Auch Josef Albers arbeitet an Schriftkonzepten auf Basis geometrischer Grundformen. In seinen Versuchen einer »Kombinationsschrift« entsteht aus den drei Grundformen Quadrat, Viertelkreis und Kreis ein komplettes Alphabet. die anzahl der typen wird um mehr als 97% reduziert: der setzkasten des druckers für antiqua-(latein-) schrift hat 114 typen, die kombinationsschrift nur 3. (...) die abnützung der typen erfolgt nun gleichmäßig. es gibt keine ungenützten oder selten gebrauchten typen mehr (wie p, x, y), kein ausgehen der häufig gebrauchten buchstaben (e, a, n). (Sonderdruck aus Bauhaus 1/1931)

Bauhaus-Schrift-Adaptionen
Die »Hausschrift« des Bauhauses, die Scheltersche Grotesk ist als FF Bau über FontShop erhältlich. Die Scheltersche Grotesk erschien erstmals um 1880 bei der Leipziger Schriftgießerei Schelter & Giesecke Eine Adaption der Universalschrift von Herbert Bayer ist von P22 erhältlich, eine andere von The Foundry. Die P22 Albers basiert auf der Kombinationsschrift von Josef Albers. Gleiches gilt für die Architype Albers von The Foundry Die Architype Bayer basiert auf Herbert Bayers bayer-Type (ursprünglich bei der H. Berthold AG, Berlin erschienen)
Schriften, wie ITC Bauhaus, Blippo, Pump etc. haben bis auf geometrische Grundprinzip keine direkte Verbindung zum Bauhaus.

Quellen
Gerd Fleischmann: Bauhaus. Drucksachen, Typografie, Reklame; Oktagon Verlag, Stuttgart Hrsg. Michael Sibenbrodt, Bauhaus Weimar, Entwürfe für die Zukunft, Hatje Cantz Verlag Magdalena Droste, Bauhaus 1919-1933, Taschen  
 
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts setzte man Deutsch vornehmlich in gebrochenen Schriften. Dabei verbot es sich auf Grund der ornamentalen und ausladenden Großbuchstabenformen generell, einzelne Wörter oder Sätze ausschließlich in Großbuchstaben zu setzen. Und da es auch kein einziges Wort gibt, das mit einem Eszett beginnt, bestand schlicht kein Bedarf für einen Eszett-Großbuchstaben. Die heute üblichen lateinischen Buchstaben werden allerdings sehr wohl in Großbuchstaben gesetzt, und deshalb klafft im deutschen Alphabet schon seit vielen Jahrzehnten eine Lücke.

Warum benötigt man heute ein Großbuchstaben-Eszett?
Schreibung von Eigennamen

Sprachen, deren Zeichen auf dem lateinischen Alphabet beruhen, besitzen ein Klein- und Großbuchstabenalphabet. Es ist dabei ein universelles Prinzip, dass man einen Text wahlweise in gemischter Schreibweise oder in Großbuchstaben setzen kann, ohne den Inhalt anzutasten. Dies funktioniert überall, nur in Deutschland und Österreich nicht. Man kann zwar einen Namen wie »Meißner« im Großbuchstabensatz in »MEISSNER« auflösen, aber der umgekehrte Weg bleibt verwehrt, denn es ist dann nicht mehr ersichtlich, ob es sich bei Herrn »MEISSNER« nun um Herrn »Meißner« oder Herrn »Meissner« handelt. Und dies ist kein konstruierter Einzelfall. Gut 2 Millionen Deutsche tragen ein Eszett im Familien- oder Ortsnamen und schlagen sich tagtäglich mit diesem Problem herum, etwa wenn sie ein Formular in Großbuchstaben ausfüllen sollen. Schließt man durch Schaffung eines Großbuchstaben-Eszetts die Lücke im deutschen Alphabet, löst sich das Problem der Eigennamenschreibung auf.

Rechtschreibreform
Mit der Rechtschreibreform von 1996 wurde die Anzahl der deutschen Wörter mit Eszett verkleinert. Für die verbliebenen Anwendungen wurde die Funktion des Eszetts allerdings sogar noch gefestigt. Die Unterscheidung von Eszett und Doppel-S gibt nun im Geschriebenen eindeutig Auskunft über die Länge des Vokals vor dem S-Laut. Der Fluss: kurz gesprochener Vokal Der Fuß: lang gesprochener Vokal Dieses einfache Prinzip wird leider im Schriftsatz mit Großbuchstaben ad adsurdum geführt, wenn das Eszett in Doppel-S aufgelöst wird. Plötzlich muss der FUSSBALL anders ausgesprochen werden als der Fußball und aus den Maßen werden MASSEN. Ein Großbuchstaben-Eszett kann diese Ungereimtheiten beseitigen.

Zu den typischen Gegenargumenten
Man kann doch keine neue Buchstaben erfinden!
Schriftzeichen sind – genau wie Wörter und Orthographie – lediglich Werkzeuge, die sich den jeweiligen Bedingungen der Zeit anpassen müssen. Dies war schon immer so. Auch das lateinische Alphabet war nicht von Anfang an komplett, sondern bestand lediglich aus 21 Buchstaben. G, J, U, W, Y wurden im Nachhinein hinzugefügt, da ein Bedarf danach bestand. Auch die deutschen Umlaute und die unzähligen Akzentzeichen der europäischen Sprachen wurden später zum Alphabet hinzugefügt.

Wozu ein Großbuchstabeneszett? Es gibt doch kein einziges Wort, das mit Eszett beginnt!
Das ist richtig. Aber die GROSSSCHREIBUNG einzelner Wörter oder ganzen (Ab-)Sätze ist gängige Praxis – ob in Textdokumenten, Formularen, auf Schilder, in Anzeigen und so weiter. Hier fehlt der entsprechende Buchstabe und alle gängigen Notlösungen führen zu Problemen in den Aussprache-Regeln beziehungsweise bei der Wiedergabe von Eigennamen.

Warum nimmt man nicht einfach das Kleinbuchstaben-Eszett auch bei Großbuchstaben?
Das ist im Prinzip genauso falsch, wie so etwas wie »GROSSBUCHSTaBE« zu schreiben. Einzelne Kleinbuchstaben können nicht zwischen Großbuchstaben eingefügt werden. Zwischen der Entstehung der Klein- und der Großbuchstaben liegen gut 1000 Jahre. Die beiden Alphabete folgenden unterschiedlichen Gestaltungsprinzipien. Deshalb muss ein Großbuchstaben-Eszett auch als Großbuchstabe gestaltet werden.



Ein Großbuchstaben-Eszett ist Unsinn, denn das Eszett ist eine Kleinbuchstaben-Ligatur
Leider hält sich hartnäckig die Meinung, dass ein »Buchstabe« und eine »Ligatur« verschiedene Dinge sein müssen. Die Bezeichnung Ligatur bedeutig lediglich, dass irgend etwas verbunden (»legiert«) wurde. Es gibt in der Tat Ligaturen (etwa fi und fl), die rein typografische Zwecke im Satz mit Kleinbuchstaben verfolgen und die man deshalb auch nicht als Großbuchstabe braucht. Andere Ligaturen erfüllen als vollwertige Buchstaben des Alphabets einen sprachliche Funktion, etwa unser W, das eine Ligatur aus zwei Vs ist. Oder Buchstaben wie æ und œ, deren legierte Bestandteile noch gut zu erkennen sind. Ob das Eszett überhaupt aus einer Ligatur entstanden ist, bleibt weiterhin stark umstritten. Es spielt aber für die Überlegungen zum Versaleszett keine Rolle, denn das Eszett ist heute in jedem Falle ein vollwertiger Buchstabe des Alphabets in Deutschland und Österreich – völlig unabhängig davon, ob es aus einer Ligatur entstanden ist oder nicht.

Einen Eszett-Großbuchstaben kann es nicht geben, da es ja das im Eszett enthaltene Lang-s nicht als Großbuchstabe gibt.
Schriftzeichen sind reine Konventionen. Sie stehen als abstraktes Zeichen für die bezeichnete Sache. Man kann einen Buchstaben deshalb schon per Definition nicht als falsch oder richtig bezeichnen. Sonst könnte man auch argumentieren, dass der Buchstabe A falsch ist, weil ja der Stierkopf, auf dem er beruht, verkehrt herum abgebildet wird. Es zählt allein, welches Aussehen und welche Funktion wir den Zeichen heute(!) zuschreiben.
Es ist auch nichts Neues, dass sich Großbuchstaben aus Kleinbuchstaben entwickeln. Zu unseren deutschen Umlauten (eine Verschmelzung aus ae, oe und ue) wurden auch Großbuchstaben geschaffen. Wer argumentiert, dass man wegen des Lang-s im Eszett daraus keinen Großbuchstaben machen könnte, der müsste auch die Umlaute wegen ihrer formalen Bildung mit einem Kleinbuchstaben-E ablehnen.

In einer globalisierten Welt macht das Eszett einfach keinen Sinn mehr. Es sollte gänzlich abgeschafft werden.
Die Kinderkrankheiten der weltweiten digitalen Kommunikation sind längst überwunden. Die Zukunft spricht Unicode, den weltweiten Zeichensatzstandard, der jedem Sinn tragenden Zeichen der Welt einen eindeutigen Kode zuweist. Da das Großbuchstaben-Eszett bereits im Unicode enthalten ist, sind diesbezüglich keinerlei Probleme zu erwarten und es gibt generell keinen Grund mehr, irgend ein Zeichen der Welt abzuschaffen, damit es in der internationalen Kommunikation besser funktioniert.

Das Eszett gehört abgeschafft. In der Schweiz geht es doch auch ohne.
Sagen Sie das mal den 1,6 Millionen Deutschen, die ein Eszett im Familiennamen tragen!
Das Eszett erfüllt in der Schriftsprache in Deutschland und Österreich eine distinkte sprachliche Funktion. Es gibt daher keinen plausiblen Grund, dieses etablierte System zugunsten eines Systems abzuschaffen, das mit deutlich mehr Zweideutigkeiten leben muss. Dass diese Reduktion funktioniert, heißt noch lange nicht, dass sie die bessere Alternative sein muss. SONSTKOENNTEMANAVCHWIEINDERANTIKESCHREIBEN.
Nach 8 Jahren Typografie.info-Webseite möchten wir mit dem TypoJournal nun ein neues Kapitel aufschlagen. Ein größtenteils monothematisches Print-Magazin, das sich dem jeweiligen Thema ausführlicher widmet, als es auch unserer Webseite möglich wäre. Den Anfang macht die Ausgabe unter dem Thema »Fundsachen«.
 
Typografie.info-Mitglieder gewähren einen Einblick in ihre liebsten Typo-Fundstücke; wir stellen das Buchstabenmuseum Berlin vor, sowie Schriften, die auf Fundstücken basieren.

Die Themen der ersten Ausgabe:
Titelthema: Die schönsten Typo-Fundsachen Das Buchstabenmuseum Berlin Überkewl – Umlaute in Übersee Schriftvorstellung: Helsinki von Ludwig Übele Die Schriften der Motor City und vieles andere mehr …
Umfang: 56 Seiten, durchgehend farbig
Format: A4

Stimmen zum Magazin
»wunderbar komponierte Doppelseiten«, »Lesefutter und Augenschmaus«, Deutscher Drucker, Nr. 25 »Ralf Herrmann ist gut vernetzt, mit typografie.info, so dass er für die Erstausgabe die besten Typografie-Autoren im Land verpflichten konnte.«, Jürgen Siebert im Fontblog »Ein gelungenes Experiment, welches die Erwartungen voll erfüllt.«, Ivo Gabrowitsch (fontwerk.com) Das TypoJournal 1 ist mittlerweile vergriffen, kann aber in noch online betrachtet werden.



 
 
Jan Tschicholds »leicht und ſchnell konſtruierbare Schrift« aus dem Jahr 1930 in einer Digitalisierung von Sebastian Nagel.

August 2007 im Forum von Typografie.info: FlorianG zeigt die Titelseite von Christopher Burkes Buches »Jan Tschichold and New Typography«, und stellt eine kleine Quizfrage: »Welche Schrift wird auf dem Umschlag verwendet?«. Die Frage bleibt unbeantwortet.
Norbert Riedi aus Graubünden lässt das keine Ruhe, und bietet eine Bündner Nusstorte als Kopfgeld. Es stellt sich heraus, dass es sich um Tschicholds Entwurf einer »leicht und schnell konstruierbaren Schrift« handelt. Schmorkohl zeigt ein Bildchen, FlorianG bestätigt. Nusstorten gehen raus, mit dem Wermutstropfen, dass es die Schrift nicht digital gibt.
Sebastian Nagel fragt: »Soll ich mal machen?« und macht dann, anhand der kleinen Vorlage und ein paar wenigen Informationen, mit viel Interpretation und möglichst wenig Phantasie. Dafür wird ihm von Norbert Riedi eine Nusstorte versprochen und nach einer ersten Testversion auch prompt gebacken und geliefert. Ein Genuss!
Zusätzlich motiviert, entstehen weitere Strichstärken und Erweiterungen des Zeichensatzes. Tschicholds Entwurf soll nicht verfälscht, aber in einigen Details (Satzzeichen) praxistauglicher gemacht werden. Zusätzlich gibt es einen »Authentizitätsmodus« für Puristen.
Ein Name wird gesucht. »Tschichold« ist zu groß für die Schrift. »Nagel« wäre vereinnahmend. Der Entwurf stammt aus Jan Tschicholds Phase der »neuen Typografie«; sein Kampfname zu dieser Zeit: Iwan.
Nun noch die Neugestaltung einbringen ... Der Bündner Tortenbäcker Norbert Riedi schlägt »Nagelneu« vor – übersetzt ins Rätoromanische: »Reschniev«. Das passt zu »Iwan« und zur Schrift. Der Name ist gefunden: »Iwan Reschniev«.


Die Iwan Reschniev ist als Druckschrift und Webfont über fonts.info und MyFonts zu beziehen.
Weitere Informationen und Lizenzierung bei fonts.info
Ein Logotype ist zentrales Element eines Corporate Designs und der Unternehmenskommunikation. Die Gestaltung von Logotypes stellt dabei spezielle Anforderungen an eine Schrift. In der Regel werden schon bestehende Schriften als Basis für eine Logotype-Entwicklung genutzt. Display-Schriften bieten sich hier an, sind aber oft eher Zeitgeistschriften, die schnell altmodisch aussehen können. Textschriften wiederum fehlt meist ein prägnantes Erscheinungsbild, da sie auf den Satz in kleinen Punktgrößen ausgelegt sind. Logotypia Pro stellt dem Designer nun erstmals ausdrucksstarke Typen zur Verfügung, die mit gekehltem Stamm und leicht geneigter Schattenachse einen kräftigen, lebendigen Schriftduktus besitzen und damit perfekt auf die Gestaltung von Logotypes, Marken und Headlines abgestimmt sind.



Die Logotypia Pro ist als Druckschrift (CD oder Download) und Webfont über fonts.info und MyFonts zu beziehen.
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Vier Schriften von Sebastian Nagel — gefunden auf einer Karte Amerikas des spanischen Kartographen Diego Gutiérrez und des niederländischen Kupferstechers Hieronymus Cock.

»Als ich im Jahr 2004 durch Zufall die Landkarte Amerikas von 1562, erstellt vom spanischen Kartographen Diego Guiterrez und dem niederländischen Kupferstecher Hieronymus Cock für mich entdeckte, hatte ich erst kurz zuvor meine Diplomarbeit über Schriftgestaltung und Schriftanalyse abgeschlossen. Während dieser Zeit hatte ich mich in einigen Schriftentwürfen versucht, war aber als »Einsteiger« schnell an konzeptionellen und formalen Fragestellungen überfordert. Die Kupferstich-Landkarte mit ihren detaillierten geographischen Bezeichnungen bot mir Gelegenheit, die darauf zu sehende Schrift zu erforschen und mit ihr zu experimentieren. Da ihre grundlegenden Züge schon festgelegt waren, war ich (zumindest vorerst) von der konzeptionellen Last befreit und konnte unbedarft vorgehen und lernen.
Bei meinem ersten Versuch, eine funktionierende, vielseitig einsetzbare Schrift zu entwickeln, stellte sich schnell heraus, dass ein bloßes »Abpausen« einzelner Buchstaben kein befriedigendes Ergebnis bringen würde: Was auf einer manuell gefertigten Landkarte mit handwerklichem Geschick ein einheitliches Schriftbild ergab, funktionierte als digitale Schrift nicht. Ohne den grundlegenden Charakter der Schrift aufzugeben, überarbeitete ich die Buchstaben so, dass sie auch beliebig kombiniert funktionieren.
2010 hat Tierra Nueva einen weiten Weg hinter sich. Sie ist auf ihrer Forschungsfahrt auf 4 Familienmitglieder (Regular, Bold, Italic und Script) mit gesamt fast 3.700 Zeichen für verschiedene Sprachen und Anwendungen gewachsen.
Somit soll sie, über 6 Jahre nach Beginn meiner Expedition, vom Stapel gelassen werden. Land in Sicht.«
— Sebastian Nagel, 2010



Die Tierra Nueva ist als Druckschrift und Webfont über fonts.info und MyFonts zu beziehen.
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Fünf Jahre arbeitet Georg Seifert an dieser umfassend ausgebauten Schriftfamilie. Mit ihren 7 Strichstärken und über 1000 Glyphen pro Schnitt eignet sich die Schriftfamilie für alle nur erdenklichen typografischen Aufgaben — ob im Werksatz oder als Displayfont.

Den eher neutral gehaltenen aufrechten Schnitten im zeitlosen Design humanistischer Groteskschriften wurde eine charakterstarke Kursive zur Seite gestellt. Das Schriftbild der Kursiven leitet sich noch deutlicher von der Schreibschrift ab, als es bei den meisten heutigen Groteskschriften der Fall ist. Das bewegte Schriftbild der Kursiven hebt sich dadurch hervorragend von den aufrechten Schnitten ab und und behält sich dabei eine ausgezeichnete Lesbarkeit. Für den Einsatz in Schaugrößen sind 6 zusätzliche Display-Schnitte verfügbar. Mit abgerundendeten Ecken und verringerter Lautweite sind diese Schnitte perfekt auf den Einsatz in Überschriften und Wortmarken ausgelegt.



Der Zeichenumfang beinhaltet neben den üblichen westeuropäischen Belegungen unter anderem auch griechisch, kyrillisch, CE (Central European) und türkisch. Ebenso umfangreich gestaltet sich der Ziffernausbau: Mediäval- und Versalziffern (jeweils proportional und für den Tabellensatz), Kapitälchenziffern, Bruchziffern, Ziffern für Hoch- und Tiefstellung sowie Kreisziffern sind verfügbar.



Beispielanwendung der Graublau Sans Pro beim österreichischen Video-Training-Spezialisten Video2Brain: http://www.video2brain.com/de/


Die Graublau Sans Pro ist in verschiedenen vorgefertigten Paketen auf CD und als Download verfügbar. Zudem lassen sich alle Schnitte über MyFonts als Webfonts mit Einmalzahlung beziehen.
Weitere Informationen und Lizenzierung bei fonts.info
Die kritische Auseinandersetzung mit typografischen Konventionen hat am Bauhaus eine lange Tradition. Bauhäusler wie Herbert Bayer und andere nahmen Alphabet und Satzregeln nicht einfach als gegeben hin, sondern setzten sich aktiv für Veränderungen ein.
Diese Tradition wird auch am heutigen Bauhaus fortgesetzt. An der Bauhaus-Universität Weimar kümmert sich die Abteilung Universitätskommunikation um die Herausgabe hochwertiger Universitätsdrucksachen und die Einhaltung und Pflege des Corporate Designs. Überschriften in Versalsatz sind ein häufig benutztes Stilmittel in den Drucksachen der Universität und das fehlende Pendant zum ß ist somit zwangsläufig ein häufiges Ärgernis. Deshalb ließ man sich nun für alle Schnitte der Uni-Hausschrift Linotype Syntax ein Versal-Eszett gestalten.

Seinen Einstand feiert der neue Buchstabe aktuell auf den Plakaten zum 150. Jahrestag der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar, aus der das Bauhaus später hervorging. Doch diese Anwendung soll keineswegs ein einmaliges Kuriosum bleiben. Der neue Style Guide der Universität soll den Einsatz des großen Eszetts im Versalsatz zukünftig für alle Drucksachen vorschreiben, so dass sich diese Anwendung auf Dauer etablieren kann.


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