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Typografie-Artikel

Neuigkeiten und Fachartikel zu Schrift und Typografie
Die Schriftschneider Jenson und Janson und die nach ihnen benannten Schriften lassen sich schon leicht verwechseln. Doch die Verwirrung wird perfekt, wenn man erfährt, dass die Schrift Jansons diesem nur versehentlich zugeschrieben wurde. Ihr wahrer Schöpfer ist der Ungar Miklós Kis. Die bewegte Geschichte seiner Schrift, die Jan Tschichold später als die »schönste alte deutsche Antiqua-Schrift« bezeichnen sollte, dauert nun schon seit über 300 Jahren an …
 Miklós Kis ging 1680 nach Amsterdam, um calvinistische Theologie zu studieren und um im Auftrage eines Bischofs eine ungarische Bibel bei Daniel Elzevier zu drucken. Da das dafür versprochene Geld jedoch nicht eintraf, entschloss er sich, das Werk selbstständig anzugehen. Dazu fing er bei der Gießerei Voskens eine Lehre als Schriftschneider an und zeigte sich dabei wohl äußerst talentiert. Nach der Lehre machte er sich 1683 selbstständig und begann nun auch mit dem Druck der ungarischen Bibel unter Benutzung seiner eigenen Schriften. Die Qualität seiner Drucke brachte ihm alsbald Aufträge aus verschiedensten europäischen Ländern ein.

Faksimile der »Amsterdam-Bibel«
 
Nach über neun Jahren Arbeit in Holland verließ er das Land 1689 und brach wieder in Richtung der Heimat auf. Bei einem geplanten Zwischenstopp in Leipzig traf er statt des zuvor verstorbenen Anton Janson nur noch auf dessen Nachfolger Johann Carl Edling. Ein anvisierter Verkauf von Schriftmaterial an Edling scheiterte, die Matern verblieben jedoch dennoch erst einmal in Leipzig. Versuche durch Kis und später durch seine Witwe, die Matern nach Ungarn bringen zu lassen, scheiterten.
Kis arbeitet anschließend in Klausenburg (Kolozsvár) erfolgreich als Drucker und Stempelschneider. Er stirbt 1702. 

Kochbuch von Kis, 1698
 
1720 tauchten die Kis-Schriften dann als »Holländische Schrifften« im Verzeichnis der Ehrhardtschen Gießerei auf. Die Gießerei von Wolfgang Dietrich Ehrhardt hatte von den Erben Edlings die Jansonschen Matrizen erworben.
Auch C.F. Geßners 1740 erschienenes Werk Der so nöthig als nützlichen Buchdruckerkunſt und Schriftgießerey zeigt den für diese Zeit beachtlichen Ausbau der Schrift und gibt sie als bei der Ehrhardtiſchen Gieſſerey erhältlich an. 


Von der Ehrhardtschen Gießerei gingen die Stempel und Matern in der Folge in den Besitz der Schriftgießerei von Wilhelm Drugulin, wo sie weiterhin als Holländische Antiqua und Kursiv angeboten wurden. 

Abbildungen der Holländischen Antiqua in den Schriftproben für den Bleisatz der Offizin Andersen Nexö
 

Bestände der Holländischen Antiqua im Lager von Haag-Drugulin in Dresden
 
Mit der 1919 erfolgten Übernahme der Schriftgießerei W. Drugulin, kommt die D. Stempel AG in den Besitz zahlreicher wertvoller Originalmatrizen vergangener Jahrhunderte, einschließlich der Holländischen Antiqua, die von nun an als Original-Janson-Antiqua vertrieben wurde. Ein Neuschnitt auf Grundlage der Original-Matrizen erfolgte 1937 durch Chauncey H. Griffith. Weite Verbreitung fand jedoch vor allem die Linotype-Überarbeitung aus den 1950er-Jahren durch Hermann Zapf. Sie kam in Matrizenform für den Zeilenguss in den Größen 6, 8, 9, 10 Punkt heraus (normal und kursiv), ergänzt durch zwei Auszeichnungsgrößen von 24 und 48 Punkt für den Handsatz. Dazu Hermann Zapf:
Die Schrift entwickelt sich in der Folge zu einer gern und oft eingesetzten Buchschrift. In digitalen Versionen ist die Holländische Antiqua in zahlreichen Interpretationen als »Janson«, »Kis« und »Ehrhardt« verfügbar.
Dass der Originalschöpfer der Schrift gefunden wurde, geht auf Recherchen von Harry Carter und George Buday sowie den Kis-Forscher György Haimann zurück. Doch das Rad der Zeit ließ sich nicht mehr zurückdrehen. Die Janson-Antiqua-Schriften werden unter diesem Namen in Anwendung bleiben. 
Auch im 21. Jahrhundert endet die Weiterentwicklung der Kis-Schrift nicht. Erhard Kaiser überarbeitete im Auftrag von Elsner+Flake die von Hildegard Korger für Typoart entworfene Kis Antiqua in einer knapp zweijährigen Arbeit noch einmal umfassend für den digitalen Satz. Die Schrift wurde als OpenType-Pro-Font mit umfassender Belegung ausgearbeitet. Wie bei Typoart gibt es Varianten für Fließtexte (TB) und für Überschriften (TH). Das PDF-Schriftmuster bietet einen guten Überblick über das Redesign. 



  • 15.538 Aufrufe
John Boardley ist ein britischer Autor und Typograf, der heute in Vietnam lebt. Sein 2007 ins Leben gerufenen Blog I Love Typography stieg binnen weniger Jahre zu einer der bekanntesten Typografie-Webseiten auf. Wie beim TypoJournal von Typografie.info folgte alsbald auch eine Expansion in die gedruckten Medien: das Magazin Codex.
In einem englischsprachige Kommentar äußerte sich Boardley zu den üblichen Empfehlungen zum Thema Schriftmischungen. Mit freundlicher Erlaubnis der Autors wird der Artikel hier in einer deutschen Übersetzung präsentiert.  
In den letzten Jahren habe ich jede Menge Unsinn darüber gehört, wie man Schriften mischen solle. Ich habe Tabellen gesehen, in denen man sich die passenden Schriften oder Schriftkategorien über ein Rastersystem zusammensuchen kann, habe über viele starre Regeln zur Schriftmischung gelesen und von zahllosen Mischungsvorschlägen gehört. Manche davon funktionieren gut, andere eher nicht. 

Schriftmischungsvorschläge aus dem Magazine U&lc
 
In der Regel geht es bei der Schriftmischung doch um die Kombination zweier Anwendungsmöglichkeiten: Fließtexte und Überschriften. Und daher sollte man meiner Meinung nach bei der Schriftsuche und -mischung folgendermaßen vorgehen:
Wählen Sie zunächst die primäre Schriftart, also jene, in der der Großteil des Textes erscheinen wird. Dies wird also in der Regel die Fließtextschrift sein. Die Schriftwahl ist dabei keine Hexerei, bei der man mit okkulten Beschwörungen die Geister anrufen muss.  
Eine gute Textschrift ist leserlich (d.h. die Buchstabenformen sind erkenn- und unterscheidbar) und lesefreundlich (d.h. der Text kann auch auf Dauer ermüdungsfrei gelesen werden). 
Doch woher weiß man, ob eine Schrift für Fließtexte geeignet ist? Setzen Sie einfach 10 Seiten in der Schrift, drucken Sie den Text aus und lesen Sie ihn! Wenn Sie im Anschluss immer noch Zweifel haben, ist die Schrift wahrscheinlich ungeeignet.  
Es gibt heute so viele gute Textschriften, dass es eigentlich sehr einfach ist, eine passende zu finden. Dabei sollte man jedoch nie den Kontext  der Anwendung vergessen. Funktioniert die Schriftart auch wirklich in der anvisierten Schriftgröße und Satzart? Deckt der Zeichensatz des Fonts alle nötigen Glyphen ab? Funktioniert die Schrift auch auf dem Bildschirm, wenn dies vonnöten ist? Und wenn dies zutrifft: Wie ist die Darstellung in verschiedenen Betriebssystemen und Anwendungsprogrammen? 
Ist die Textschrift gefunden, geht es an die Wahl der Schriftart für die Überschriften. Dabei hat man zwei Optionen zur Auswahl:
Einerseits kommt eine bewusste Kontrastierung zur Fließtextschrift in Betracht. Andererseits kann man sich aber auch fragen, ob überhaupt eine andere Schriftart vonnöten ist. Auch ein anderer Schnitt der Fließtextschrift kann hier gute Dienste leisten: eine fette, schmale oder kursive Version, Versal- oder Kapitälchensatz oder schlicht eine andere Schriftgröße.
Die Wahl ist ohnehin eher subjektiv. Lassen Sie sich also von anderen nicht einreden, dass die Schriftmischung nur nach starren Regeln funktionieren kann. Denn die zentrale Frage ist doch, was man erreichen möchte. Es geht vornehmlich um die klare Darstellung von inhaltlichen Hierarchien durch typografische Mittel. Der Leser soll sich so leicht wie möglich im Text zurechtfinden können, indem er klar zwischen Fließtext, Fußnoten, Überschriften, Zwischenüberschriften etc. unterscheiden kann. Wobei dies natürlich auch nicht heißt, dass es dabei nur um Funktionalität geht und kein Raum für künstlerische Freiheit bestünde.  
Benutzen Sie zur Auszeichnung bestimmter Texte einfach Versalsatz, Kapitälchensatz oder einen fetteren Schnitt. Selbst der gleiche Schriftschnitt wie im Fließtext kann verwendet werden, wenn er visuell abgesetzt oder einfach größer dargestellt wird. Wie viel größer? Muss sich dies dem Grundlinienraster unterordnen? Nicht unbedingt! Lassen Sie einfach Ihr Auge entscheiden!
Schriftfamilien besitzen nicht umsonst immer mehr Schriftschnitte. Eventuell benutzen Sie den fetten Schnitt schon im Fließtext zur Auszeichnung. Für Überschriften könnte sich dann zum Beispiel ein extrafetter Schnitt anbieten. 

 Eine Möglichkeit, die einst weit verbreitet, aber heute selten benutzt wird, liegt darin, die gleiche Schriftart für alle Textelemente zu benutzen. Bei Inkunabel-Drucken war dies weit verbreitet. Womit ich nicht sagen möchte, dass Sie dies imitieren sollten, aber auch diese Bücher ließen und lassen sich problemlos lesen.   
Einige Schriftanbieter schlagen Schriftmischungen (zumeist aus der eigenen Schriftbibliothek) vor. Doch vergessen Sie nicht, dass es sich hierbei nur um Vorschläge, nicht um Gesetze handelt. Denn dies liegt mir sehr am Herzen: Wir sollten uns nicht von all diesen starren und unnötigen Regeln zur Schriftmischung einschränken lassen. Denn die zentrale Frage ist: Verhelfen unsere typografischen Entscheidungen dazu, dass der Leser den Text leicht und ermüdungsfrei lesen kann? 

Befragt man ein ganzes Buch voller Schriftmischungsvorschläge oder lieber seine Intuition bei der Schriftwahl?
 
Eventuell kennen Sie Mischungsvorschläge, die an vergleichbaren x-Höhen oder ähnliche Strichstärkenkontrasten ausgerichtet sind. So kann man natürlich vorgehen. Oder man traut einfach seinem Gefühl und seinem Augenmaß. Etwas, dass wir ohnehin täglich tun, wenn wir andere Dinge kombinieren – etwa unsere Kleidung oder Farben und und Materialien der Möbel in unserer Wohnung. Typografisch gestalten heißt nicht, dass man Schriftpaare aus einer Tabelle abliest, die sich ein Fachautor vor Jahrzehnten einmal ausgeheckt hat. Gute Designentscheidungen entstehen vor allem aus guten Geschmack. Und dieser wiederum besteht zu zwei Teilen aus Sternenstaub und zu acht Teilen aus Gelerntem und Erfahrung. 
Schriftmischung nach Tabellen ist dagegen wie »Malen nach Zahlen«. Wer sich bei Schriftmischungen auf die Vorschläge anderer bezieht, demonstriert damit nur die eigene Unfähigkeit, angemessene Designentscheidungen zu treffen. Aber lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Schriftmischung ist nicht so kompliziert wie Teilchenphysik. Lassen Sie sich aber auch nicht von vorgefertigten Schriftmischungsmodellen einschränken. Auf einige der überzeugendsten Schriftmischungen, die ich bisher gesehen habe, wäre ich selbst im Leben nie gekommen. Und selbst wenn erfahrene Schriftgestalter und Typografen gern bestimmte Schriftmischungen vorschlagen – auch sie sind angenehm überrascht von ungewöhnlichen und originellen Lösungen. Wir sollten deshalb nicht immer nur die eingefahren Wege beschreiten und jene Schriftmischungen wiederholen, die sich bereits in der Vergangenheit bewährt haben. 
Der römische Philosoph Seneca sagte einmal sinngemäß: Wer sich nur in den Fußstapfen anderer bewegt, kann nichts finden und ist noch nicht einmal wirklich auf der Suche. 
Also frisch ans Werk und Schriften gemischt!
John Boardley
  • 28.836 Aufrufe
Das bereits seit 2003 verlegte Buch Workshop Typografie & Printdesign wurde 2013 in einer erweiterten und überarbeiteten Auflage veröffentlicht, die hier zur Rezension vorliegt.
Die Autorin Martina Nohl ist gelernte Schriftsetzerin und als Trainer und Berufsschullehrer in der Druck- und Medienbranche tätig.
Bei ihrem Buch handelt sich um ein klassischen Buch für Einsteiger, das grafische Gestaltung am Computer erläutert und dabei insbesondere die Typografie als Gestaltungsmittel erklärt. 


 Das Werk unterteilt sich folgendermaßen:
Handwerkszeug
Lesbarkeit
Schrift
Seitenaufbau
Gestaltungselemente
Insiderwissen
Farbe
Metatypografie
Arbeitstechniken
Layoutgestaltung
Bild
Webdesign
Der Begriff »Workshop« im Buchtitel ist tatsächlich Programm. Denn das Buch vermittelt sein Wissen nicht nur im Lehrbuchstil, sondern arbeitet von Anfang bis Ende mit kleinen und größeren Übungen, die der Leser abarbeiten kann. Viele Übungen lassen sich direkt im Buch selbst erledigen. Wer verständlicherweise sein neues Fachbuch nicht mit dem Kugelschreiber entwerten möchte, kann die Übungen auch von der Webseite des Verlages herunterladen und mit ausgedruckten Kopien arbeiten.


 Für ein Einsteigerbuch ist das Werk erfreulich praxisnah und mit seinen 346 Seiten auch ziemlich ausführlich. Vergleichbare Bücher halten sich nicht selten gern zu lange mit historischen Herleitungen auf und schwächeln dann bei der konkreten Anwendungspraxis. Dies ist bei diesem Buch glücklicherweise nicht der Fall. Man merkt hier deutlich die Erfahrung der Autorin als Lehrerin in diesem Bereich.
Die Zielgruppe ist aber demgemäß auch bei Quereinsteigern sowie Schülern und Auszubildenden anzusetzen, die ein Interesse an typografischer Gestaltung haben. Der didaktische Stil, die Übungen, die Bebilderung und auch die Gestaltung des Buches sind in diesem Sinne passend, scheinen mir aber dadurch auch weniger für professionelle Gestalter — bzw. solche die es durch ein Hochschulstudium werden wollen – angemessen. Wer dagegen nur einen einfachen, spielerischen Einstieg in die Welt der Typografie und Printgestaltung sucht, ist mit diesem Buch sicher gut bedient.

 Wer vorab einen Blick in das Buch werfen möchte, kann sich die Einführung sowie einen Auszug aus dem Kapitel Lesbarkeit als PDF herunterladen.
Buchtitel: Workshop Typografie & Printdesign. Ein Lern- und Arbeitsbuch
Autorin: Martina Nohl
Verlag: dpunkt.verlag GmbH
Veröffentlicht: 2013 (Dritte Auflage)
ISBN: 978-3-86490-089-1
  • 8.147 Aufrufe
Die Schweizer Haas’sche Schriftgiesserei war ein traditionsreicher Schriftanbieter, der mit Entwürfen wie der Helvetica (ursprünglich Neue Haas Grotesk) zu weltweiter Bekanntheit gelangte. Die nachfolgende Fotoserie zeigt die Arbeit in der Gießerei um das Jahr 1950. 
 

In der Stempelschneiderei wird gerade an der Diethelm-Antiqua gearbeitet.
 

In der Matrizenbohrerei wird mit einer Pantograf-Bohrmaschine gearbeitet.
 

Drei verschiedene Typen von Komplettgießmaschinen stehen in der Gießerei für die Produktion von Handsatz-Buchstaben zur Verfügung.
 

In der Fertigmacherei werden die gegossenen Buchstaben gehobelt und damit auf ihre Normal- oder Spezialhöhe gebracht. Es werden die Signaturen eingebracht und je nach Sprache die Buchstaben gemäß der Gießzettel zusammengestellt.
 

Im Schriftenlager werden die Schriftpakete abgewogen, eingepackt und etikettiert.
 

Versandraum
 

Im Metall-Lager. Das Schriftmetall besteht aus einer Legierung von Blei, Antimon und Zinn, mit etwas Kupferzusatz. Die genaue Zusammensetzung hängt vom Verwendungszweck (Brotschriften, Titelsatzschriften, Ausschluss etc.) ab.
 

In der Hausdruckerei werden neben Schriftkatalogen auch die Kontrollabzüge von neu gegossenen Schriften gedruckt.
 

In der Messingabteilung werden Messinglinien, Einfassungen, Eckstücke, Schlusslinien, Akkoladen, Kreise etc. hergestellt.
 

Für Großauflagen gleichbleibender Texte werden Galvanos in Kupfer angefertigt.
 

Arbeitspause in der Cicero-Stube.
  • 14.495 Aufrufe
Um einen handschriftlichen Text von Goethe oder Schiller (siehe oben) zu lesen bedarf es einiger Übung. Sie schrieben – wie ihre Zeitgenossen auch – zumeist in Kurrentschrift. Manch einer mag diese Schrift noch von den Großeltern kennen. Die Kurrentschrift war vom Ende des Mittelalters bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts eine gängige Schreibschrift in deutschsprachigen Ländern. Man kann sie die geschriebene Tochter der Fraktur nennen. 
Im Gegensatz zu Ländern wie Italien oder Holland, wo die Humanisten der Renaissance die lateinische Schrift populär machten, konnte diese im deutschsprachigen Raum die Kurrent lange Zeit nicht verdrängen. Zwar wurden lateinische Texte oft mit lateinischen Buchstaben verfasst, aber im Alltag wurde meist »gotisch« geschrieben. Ausgehend von der gotischen Kursive des Mittelalters haben Schreibmeister ab etwa 1450 die Formen der deutschen Kurrentschrift entwickelt. Indem sie die einzelnen Buchstaben durch lange Anstriche miteinander verbanden, wurde sie zügiger und leichter zu schreiben. Gleichzeitig konnten die Schreiber es jedoch nicht unterlassen, mit dekorativen Übertreibungen ihre Fähigkeiten zur Schau zu stellen. Mehrere Schriftreformen steuerten dagegen. Die letzte dieser Reformen fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt, als Ludwig Sütterlin seine Version einer Laufschrift entwickelte, die fortan einfach Sütterlin genannt wurde. Sie wurde aufrecht geschrieben, war breiter, und verzichtet auf den Strichstärkenkontrast von feinen und fetten Strichen. Die Sütterlin wurde schließlich die Standardsschrift in deutschen Schulen – bis zum Normschrifterlass.

Vergleich von Kurrent und lateinischer Schreibschrift aus einem österreichischen Schriftvorlagen-Heft
 
Merkmale
Heute ist die Kurrentschrift für viele nahezu unlesbar, denn ihre Buchstaben unterscheiden sich zum Teil stark von der lateinischen Schreibschrift. Auffallend sind die geraden Striche und sehr spitze Winkel in vielen Kleinbuchstaben, die der Schrift auch den Namen »Spitzschrift« einbrachten (Im Gegensatz zur »runden« lateinischen Schrift).  

Alphabet der Deutschkurrent von Georg Salden
 
Die Kleinbuchstaben a, b, f, g, i, l, m, n, o, q und t sehen kaum anders aus als die lateinischen. Das gotische h hatte rechts eine Unterlänge, die im Kurrent-h verschliffen und gebunden wurde. Das e, man kann es für ein schmales n halten, hat sich in Stufen aus dem e der humanistischen Kursiven entwickelt. Es wurde nämlich nicht nach heutiger Schreibweise in einem, sondern in zwei Zügen geschrieben.
Die Kurrent vermeidet die sogenannten Deckstriche unserer heutigen Schulschriften. Das ist das Hin- und Zurückschreiben auf derselben Spur. Sie macht daraus nebeneinander geschriebene, gerade Striche (siehe r), oder bei den Großbuchstaben Kurven nach oben (siehe R). Diese Großbuchstaben sind zum Teil vergrößerte Kleinbuchstaben (A, D, G, O, Q, S, T, U, V, W, Y und Z) oder folgen den Lateinformen (B, E, F, H, I, J, L, P, R). Nur M und N, V und W gehen auf unziale Vorbilder zurück, wobei die Formen der V und W auch für die Kleinbuchstaben Modell standen. D und d scheinen unzial/griechische Vorbilder zu haben. 

 Das u ist mit einem darüber liegenden Haken ausgestattet, um es vom n zu unterscheiden. Wie in den gedruckten gebrochenen Schriften, kamen auch bei der Kurrent zwei s-Formen (Å¿/s) zum Einsatz. Die Umlaute ä, ö, ü wurden anfangs ae, oe, ue, später mit einem kleinen, darüberliegenden e geschrieben. Dieses e wurde dann zu zwei Strichen vereinfacht – der Ursprung unserer Umlaute. 

 
Die Deutschkurrent
Schriftgestalter Georg Salden hat nun eine Kurrentschrift als professionellen OpenType-Font herausgebracht. Salden begann selbst im Alter von 5 Jahren Sütterlin zu schreiben. Später studierte er an der Hochschule Originaltexte in deutscher Kurrentschrift. Als Vorlage für die digitale Schrift schrieb Salden zunächst mit Spitzfeder und Tinte. Darauf aufbauend zeichnete er eine Kurrentschrift, die besonders gut lesbar ist, weil sie alles Überflüssige und Dekorative vermeidet. Die Outline der Deutschkurrent hat zudem eine eher raue Anmutung, so dass der Eindruck von Handgeschriebenem entsteht. 

Zeichenbelegung der Deutschkurrent
 
Neben einigen Ligaturen enthält die Schrift Deutschkurrent für die gängigsten Schriftzeichen ihre lateinischen Entsprechungen, die formal in den besonderen Charakter der Kurrent eingepasst wurden. So besteht die Möglichkeit, auch nicht-deutsche Texte zu schreiben oder einen Text auch für ungeübte Kurrentleser einigermaßen lesbar zu halten, ohne den unverwechselbaren optischen Eindruck der Schrift aufzugeben. Die alternativen Zeichen können mittels OpenType-Feature angesteuert werden.

 
Weitere Informationen gibt es auf einer eigenen Microsite sowie bei TypeManufactur. Die Schrift ist in zwei Ausbaustufen ab 70 Euro erhältlich. 
(Artikel von Ludwig Übele, Ralf Herrmann)
  • 65.100 Aufrufe
Ansätze für mehrfarbige Schriftarten sind prinzipiell nichts neues. Entsprechende Techniken führten aber eher ein Nischendasein, wie etwa die Photofont-Technologie. Doch mit der Begeisterung für die japanischen Emoji-Zeichen rückte das Thema in den Fokus der großen Betriebssystemhersteller.
Apple schuf für seine Betriebssysteme OS X und iOS eine propriätere Lösung, bei der PNG-Bilder in den Textfluss eingebaut werden. Auch Google hat mittlerweile eine vergleichbare, aber nicht zu Apple kompatible Variante auf den Weg gebracht.
Mit Windows 8.1 legt nun auch Microsoft nach und implementiert in sein Betriebssystem einen dritten Ansatz. Im Gegensatz zu Google und Apple kommen jedoch keine Bitmap-Bilder zum Einsatz, sondern reine Vektordarstellungen.  


Segoe UI Emoji in Microsofts E-Mail-Programm unter Windows 8.1
 
Windows 8.1 verfügt dazu über den neuen Font Segoe UI Emoji. Es handelt sich dabei zunächst einmal um einen regulären TrueType-basierten OpenType-Font mit einfarbigen, vektorbasierten Symboldarstellungen. Doch der Font verfügt über eine zusätzliche Tabelle namens COLR, in der den jeweiligen Grundbuchstaben verschiedene Ebenen zugeordnet werden können. Unterstützt das Anwendungsprogramm die Auswertung der COLR-Tabelle, kommt also statt des einfarbigen Zeichens ein mehrfarbiges Zeichen zum Einsatz. Die zu verwendende Farbpalette ist ebenfalls im Font in der Tabelle CPAL (»Color Palette«) hinterlegt 

Links oben: kodierter Standardbuchstabe. Unten: dem Standardbuchstaben zugewiesene Ebenen. Rechts oben: die automatisch zusammengesetzte, farbige Darstellung
 
Somit können die Emoji-Zeichen also in jeder beliebigen Größe dargestellt werden. Und selbst wenn die farbige Darstellung nicht unterstützt wird, fehlen die Zeichen nicht, sondern es wird dann einfach auf die herkömmliche einfarbige Darstellung zurückgegriffen. 
Microsoft hat bereits angekündigt, die Spezifikationen für die neuen OpenType-Tabellen offenzulegen, so dass auch andere Hersteller sie implementieren könnten. Hier bleibt abzuwarten, ob Microsofts Konkurrenten daran Interesse haben. Eine vielversprechende Technologie ist es allemal. Denn chromatische Vektor-Schriften, die auf eine mehrfarbige Anwendung ausgelegt sind, gibt es immer mehr. Ihre Anwendung erfordert bislang jedoch, dass man im Anwendungsprogramm mehrere Textebenen manuell übereinanderlegen muss. Oder aber die Buchstaben müssen einzeln eingefärbt und dann per OpenType übereinander geschoben werden – eine Notlösung, die viele Probleme nach sich zieht. Auf Webseiten ist sie zum Beispiel praktisch nicht einsetzbar, denn ohne entsprechende OpenType-Unterstützung, die die Zeichen haargenau positioniert, erscheinen die Ebenen einfach alle nebeneinander und auch die Kodierung des Textes ist unsauber. Microsofts Lösung ist in dieser Hinsicht ein überzeugender und abwärtskompatibler Ansatz, der sich sowohl auch Seiten der Schriftanbieter, als auch bei den Software-Herstellern, relativ einfach umsetzen lässt.  

Beispiele für mehrfarbige OpenType-Schriften, die aktuell noch mit entsprechender Handarbeit gesetzt werden müssen (Fonts: Detroit, Ademo, Wayfinding Sans Symbols)
  • 30.146 Aufrufe
Geht es um die Creative Cloud von Adobe steht vor allem das neue Lizenzierungsmodell im Zentrum der Diskussion. Doch was bringen die neuen Programmversionen eigentlich konkret an Neuerungen mit? Typografie.info stellt jene Änderungen an den Flaggschiffen InDesign, Photoshop und Illustrator vor, die sich mit dem Schriftsatz beschäftigen. 
Den Wünschen nach einer einheitlichen Bedienung der Textverarbeitungsfunktionen über verschiedene Anwendungen hinweg erteilt Adobe abermals eine Absage. Photoshop CC hat nach wie vor keine Glyphenpalette, Illustrator CC kann nicht auf OpenType-Stilsätze zugreifen und noch nicht einmal die Übersetzung der Funktionen ist programmübergreifend identisch. So verfügt zum Beispiel Photoshop weiterhin über das wundersame OpenType-Feature »Renaissance-Antiqua«, das man jeder Schrift zuweisen kann. (Gemeint ist hier übrigens die Umschaltung auf Mediävalziffern.)
Neues Fontmenü
Überarbeitet erscheint das Fontmenü in Adobe InDesign (nicht jedoch in Illustrator und Photoshop). Es verfügt nun über Favoriten und zeigt die zuletzt benutzen Schriften in der Liste oben an. 

 Das Eingabefeld kann nun auch als Suchfeld benutzt werden. 
 

Praktisch (wenn auch überfällig): Wurde Text im Dokument markiert wird dieser direkt in der gerade im Menü ausgewählten Schriftart dargestellt. 
 
Text-Rendering in Photoshop
Bei der Kantenglättung von Text ist man nun nicht mehr nur auf die Adobe-eigenen Glättungsmethoden scharf, schärfer, stark und abrunden angewiesen, sondern kann auch die Darstellung auf dem benutzten Betriebssystem simulieren und damit insbesondere der späteren Darstellung von Webseiten-Entwürfen im Browser näher kommen.  

 
Zeichen- und Absatzformate in Illustrator und Photoshop
Endlich lassen sich auch in Photoshop und Illustration Zeichen- und Absatzformate erstellen und benutzen. Die Bedienung ähnelt  der entsprechenden Funktion in Indesign. Neben den üblichen Schriftformatierungen sind damit nun auch Einzüge und Abstände, Silbentrennung sowie Wort- und Zeichenabstände global definierbar.  

 
Touch-Type-Textwerkzeug
Illustrator verfügt über ein neues Touch-Type-Textwerkzeug. Damit lassen sich Einzelbuchstaben in einem Textrahmen modifizieren ohne sie vorher in Kurven wandeln zu müssen. Die Buchstaben behalten dabei ihre volle Bearbeitbarkeit.  

 
Typekit-Integration
Die bereits vor kurzem angekündigte Typekit-Integration, mit der man kommerzielle Fonts kostenlos aus der Cloud laden und in allen Anwendungen nutzen kann, wurde noch einmal verschoben und konnte daher noch nicht getestet werden. 
  • 7.259 Aufrufe
Der laut unserer Umfragen beliebteste und meistgenutzte Fontmanager am Mac wurde von Monotype auf Version 4 aktualisiert und bringt unter der gewohnten Oberfläche zahlreiche Detailverbesserungen. Nachfolgend eine Auswahl der neuen oder verbesserten Funktionen.  
Web-Integration
Der Fontmanager ist nun nicht mehr nur für Druckschriften praktisch. Er kann auch zur Verwaltung von Webfonts in den Formaten WOFF und EOT verwendet werden. Außerdem gibt es eine praktische Webvorschau. Man kann in einem integrierten Browser-Fenster beliebige Webseiten aufrufen und Textelementen dieser Seite beliebige lokal installierte Schriften zuweisen. Entsprechende Dienste existieren bereits im Netz, aber diese Funktion für die komplette eigene Schriftbibliothek zur Verfügung zu haben, ist schon äußerst praktisch.  

Typografie.info mal in Avenir?
 
Integration von Monotype-Diensten
Der Fontmanager ist nun an Monotypes Skyfonts-System angebunden. Damit lassen sich Schriften von fonts.com und den Google Webfonts direkt lokal verfügbar machen. Inhaber eines Master- oder Professional-Abos bei fonts.com erhalten mit diesem übrigens gratis eine Lizenz des FontExplorers. 
Mac-OS-X-Funktionen
Die Schriftenliste verfügt nun über eine QuickLook-Funktion und Fonts lassen sich einfach als Empfehlungen an Dritte (per E-Mail, Twitter, Flickr, Facebook, Airdrop) weitergeben. 
Mini-Ansicht
Der Fontmanagers lässt sich nun auch in ein verkleinertes Fenster umschalten, das man bequem neben anderen Anwendungen geöffnet lassen kann.  

 
Nach OpenType-Unterstützung filtern
Schon in der vorherigen Version waren die intelligenten Listen äußert praktisch, um zum Beispiel alle Schriften nach Sprachunterstützung zu filten. In der Version 4 lassen sich nun auch OpenType-Funktionen direkt ansprechen.  

Welche meiner Fonts haben echte Kapitälchen?
 
Der FontExplorer 4 für Mac kostet 89,– US-Dollar, ein Upgrade von der Vorgängerversion 39,– US-Dollar. Eine kostenlose Demo-Version kann auf der Website fontexplorerx.com geladen werden. (Partnerlink)
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Hand- und Maschinensatz gelten als antiquiert, die Maschinen und Lettern benötigen viel Platz und die Herstellung einer Druckseite ist zeit­aufwendig, mühsam, unwirtschaftlich. Und dennoch ist da eben auch der Klang der Gieß- und Druckmaschinen, der Geruch der Werkstatt, das Vergnügen, etwas mit den Händen zu erschaffen. Und schließlich die luxuriöse Haptik, die unvergleichliche Schönheit und die handwerkliche Qualität des Buchdrucks.
In der Offizin Haag-Drugulin in Dresden existiert ein großer Reichtum an Blei- und Holzlettern, Matrizen und imposante Druck- und Satzgießmaschinen. Hunderte wunderschöner Original­schriften von berühmten Stempelschneidern warten teilweise noch unausgepackt in der Lagerhalle darauf, von gekonnten Händen gesetzt und gedruckt zu werden.

Eine neue Generation verliebt sich gerade in den Bleisatz. Für sie ist dies eine erfrischende Form des Ausdrucks, die so viel mehr Dimensionen besitzt als flache und leblose Offset- und Digitaldruckstücke. Mit einem Förderverein soll jungen Menschen aus aller Welt die Möglichkeit gegeben werden, in der Dresdner Handsatzwerkstatt selber mit allen Sinnen zu entwerfen, zu gestalten, zu setzen und das eigene Werk schließlich selbst zu drucken. Außerdem soll mit Dozenten ein zugehöriges Fortbildungsprogramm für Handsatz auf die Beine gestellt werden.
Um diese Ziele zu verwirklichen, wird im Rahmen eines Schriftenfestes ein Förderverein gegründet. Das Fest findet am Samstag, dem 10.  August  2013 statt, die offizielle Gründung des Fördervereins am Tage darauf. 
Weitere Informationen unter http://www.schriftenfest.org
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Vor gut einem Jahr hatten wir bereits die Beta-Version vorgestellt – nun ist das fertige Produkt erschienen und im Funktionsumfang noch einmal deutlich gewachsen. Mit IndyFont lässt sich InDesign (ab Version CS4) zu einem Erstellungsprogramm für Schriften umfunktionieren. 
Dies kann praktisch sein, um zum Beispiel selbst erstellte Logos oder Piktogramme bequem in Fließtexten einzusetzen. Aber mit der aktuellen Version lassen sich tatsächlich auch vollwertige Fonts erstellen, die sogar mit automatischen OpenType-Features (Ligaturen, Ziffernsätzen, Alternativzeichen, Kapitälchen usw.) ausgestattet sind. 
Das Skript verfügt nun über eine eigenes Dialogfenster, in dem sich zahlreiche Einstellungen treffen lassen. Für unseren Test erstellen wir für die Schrift FF Tisa einen Einzelzeichenfont mit großem Eszett, da diese Schrift dieses Zeichen von Hause aus noch nicht mitbringt. Es genügt dazu, den Unicode U+1E9E unter »Characters« einzutragen. Es lassen sich auch Zeichenbereiche eingeben, etwa A..Z, 0..9 und so weiter. IndyFont erzeugt dann selbstständig alle nötigen Zeichenfelder.   

Nach dem Bestätigen der Auswahl erstellt IndyFont für jedes Zeichen eine eigene InDesign-Seite als Zeichenfläche und fügt in den Hintergrund die gewählte Beispielschrift ein. Der linke Seitenrand definiert die Vorbreite, die verschiebbare grüne Hilfslinie definiert die Nachbreite. 

Nun können wir unsere Zeichen gestalten. Es ist dabei lediglich darauf zu achten, dass nur mit Flächen statt Konturen gearbeitet wird und dass als Farben lediglich [schwarz] für Flächen und [Papier] für Ausstanzungen von Flächen benutzt werden. Andere Formatierungen werden ignoriert. 

 Nachdem unsere Zeichen fertig sind, rufen wir das IndyFont-Fenster erneut auf und wählen den OTF-Export. Es empfiehlt sich, als Export-Ordner den Font-Ordner von InDesign zu verwenden. Dadurch wird der Font direkt ohne Installation verfügbar und kann somit leicht getestet und jederzeit verbessert werden.  

 Mehr ist nicht zu tun! Der Einzelzeichen-Font ist direkt einsetzbar und IndyFont hat sich um alle Details zur Erstellung eines korrekten, PostScript-basierten OpenType-Fonts selbst im Hintergrund gekümmert. 
Auch die Erstellung der OpenType-Feature ist kinderleicht. Man muss sich bei der Erstellung der Glyphen lediglich an Namenskonventionen halten. Um Kapitälchen zu erstellen, hängt man .smcp an den Zeichennamen, für Schwungbuchstaben .swsh und so weiter. Der nötige OpenType-Code wird dann automatisch erstellt. Weitere Details finden sich im PDF-Handbuch.  
IndyFont gibt es in zwei Varianten: Die Testversion ist kostenlos, unterstützt aber lediglich den Export eines Buchstabens. Die Pro-Version gibt es derzeit zum Einführungspreis von 39 Euro. Später wird sie 59 Euro kosten. 
Download und weitere Infos bei Indiscripts.com
  • 23.791 Aufrufe
Viele Typografie.info-Mitglieder haben schon lange auf diese Veröffentlichung gewartet. Ursprünglich unter dem Arbeitstitel »Sofa« begonnen, ließ sich der die Entwicklung dieser Schrift von Sebastian Nagel schon seit Jahren auf Typografie.info mitverfolgen.
Nun ist die Canapé in der ersten Ausbaustufe in 4 Schnitten bei fonts.info verfügbar.  
Sebastian Nagel sagt über seine Schrift: »Sie basiert auf der Grundidee der subtil geschwungenen Geraden und unbewusst wahrnehmbaren modulierten Strichstärken. Sie bringt so einen haptisch-freundlichen Eindruck und viel Gemütlichkeit in die Kommunikation mit Schrift.«

 Die 4 Schnitte der Canapé (Serif) sind umfangreich ausgebaut. Ihre insgesamt 4.200 Zeichen enthalten unter anderem:
Kapitälchen
Schwungbuchstaben
10 Ziffernvarianten
automatische Brüche und Ordinalien
Zweck- und Schmuckligaturen
Sprachunterstützung für Zentral- und Westeuropa
ein Versal-Eszett (ẞ)
und einen piktografischen Sofabausatz

 Für einen ausführlichen Einblick steht eine eigene Microsite sowie das ausführliche, 46-seitige Schriftmuster-PDF zur Verfügung. 
https://fdi-type.de/fonts/canape/
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Gerade hat Monotype seinen Cloud-Dienst Skyfonts zur kurzzeitigen Miete von Desktop-Fonts praktisch wieder eingestellt und die Technologie in die regulären Abo-Modelle integriert. Nun hat auch Adobe auf der MAX-Konferenz 2013 eine vergleichbare Lösung angekündigt.
Der Schritt kommt nicht überraschend. Als Adobe 2011 den Webfont-Dienst Typekit übernahm, rechneten viele mit einer Integration in die Desktop-Anwendungen von Adobe. Ab Juni 2013 wird dies nun über den umfassend ausgebauten Creative-Cloud-Dienst von Adobe möglich. 

 Nötig ist dafür auf Seiten des Nutzers ein bezahltes Abo bei Typekit oder bei Adobes Creative Cloud. Die Fonts lassen sich auf der Webseite von Typekit auswählen und dann mit einem Klick auf dem Desktop-Rechner systemweit ohne weitere Kosten verfügbar machen. Wie bei Monotypes Skyfont-Dienst übernimmt hier das Creative-Cloud-Plugin im Betriebssystem die Installation im Hintergrund.  

 Der Dienst startet zunächst mit 175 Schriftfamilien ausgewählter Foundrys (Adobe, exljbris, FontFont, Mark Simonson Studio, ParaType, TypeTogether, URW++ und Dalton Maag), wird aber natürlich weiter wachsen. 
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Die Foto-App Instagram ist eine der beliebtesten Anwendungen, die speziell für Mobiltelefone entwickelt wurden. Vor nur 3 Jahren erstmals erschienen, hat die Anwendung mittlerweile schon über 100 Millionen Nutzer und wurde 2012 für 1 Milliarde US-Dollar von Facebook übernommen. Mit der gerade erschienenen Version 3.5 wurde das bekannte Logo typografisch überarbeitet. 

Das alte Logo
 Wie das markante Icon von Instagram hat auch der Schriftzug einen Retro-Charakter, der auf den amerikanischen Hand-Lettering-Stil Mitte des 20. Jahrhunderts anspielt. Gesetzt wurde das Logo aus der 2006 erschienenen Billabong von Type Associates.   

 Das Logo wurde aber tatsächlich nur aus dieser Schrift gesetzt und nicht als Wortmarke entwickelt. Und so wirken insbesondere die Buchstabenverbindungen nicht so optimal, wie es bei einem Schreibschrift-Logo möglich wäre. Mit der Überarbeitung sollte dies nun verbessert werden. Von Instagram heißt es dazu: 
“The brief was simple, the process long. Our main aim was to make our logotype look more refined and mature. But with a logotype with so much brand recognition, it's hard to stay objective.”
Das neue Logo sollte also lediglich eine Überarbeitung darstellen. Verantwortlich für den Entwurf zeichnet der amerikanische Designer Mackey Saturday. Und so sieht das neue Logo aus:

 Das neue Logo ist nun eine echte Schreibschrift-Wortmarke mit harmonisch verbundenen Buchstaben. Das Ziel des Briefings wurde sicherlich erreicht. Das Logo wirkt nun »erwachsener«, klarer und ist leserlicher. Allerdings ging auch ein Teil des markanten Retro-Stils des Originals verloren – etwa die »tanzende« x-Höhe, die dem alten Logo ein auffälliges Wortbild verlieh. Nun wirkt das Logo deutlich glatter und vielleicht auch etwas zu glatt.






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Bei den gerade zu Ende gegangenen Typotagen in Leipzig appelierte der Typograf Friedrich Forssman an die Schriftentwerfer, Fonts doch von Hause aus mit der im Buchsatz verbreiteten Konvention auszustatten, die Ausrufe- und Fragezeichen deutlich sichtbar vom vorhergehender Wort absetzt. Leider kann man diesem Wunsch nicht nachkommen, denn es handelt sich hier eben um eine reine Satzkonvention in bestimmten Ländern in spezifischen Gestaltungskontexten. Würde man sie fest in den Font integrieren, würde man einigen Nutzern einen Gefallen tun, die Mehrzahl der Nutzer aber verärgern, die dann umständlich dem ungewünschten Abstand wieder entgegenwirken müssten. Doch mit modernen Layout-Programmen wie Adobe InDesign lassen sich entsprechende Abstände mühelos vollautomatisch und global für komplette Dokumente definieren. Dieser Artikel erklärt, wie es geht. 
Die übliche Methode, mit der man sich in der Vergangenheit oft half, simuliert einfach den Bleisatz: man fügt zum Beispiel per Suchen-und-Ersetzen einen schmalen Leerraum vor alle Frage- und Ausrufezeichen ein.

Dies erfüllt seinen Zweck, ist aber auch fehleranfällig. Sollten sich später noch Änderungen am Text ergeben, muss man immer manuell dafür Sorge tragen, dass dieser Leerraum nicht übersehen und stets in gleicher Größe eingefügt wird. Besser wäre es, der Leerraum würde als eine Art globaler Formatierung einfach selbstständig entstehen. Und genau dies ist in InDesign möglich! Dazu müssen wir zwei Funktionen kombinieren: Zeichenformate und GREP-Stile im Absatzformat. 
1. Zeichenformat definieren
Für Absätze lassen sich alle möglichen Parameter für Abstände und Einzüge definieren. Da es sich beim vorliegenden Problem jedoch um eine lokale Formatierung handelt, müssen wir ein Zeichenformat benutzen. Für einzelne Zeichen ist es allerdings nicht möglich, den Abstand vor oder nach dem Zeichen gezielt über das Zeichenformat einzustellen. Diese Beschränkung lässt sich aber mit einem Trick umgehen. Was sich nämlich definieren lässt, ist die Laufweite – also die Ausdehnung in Leserichtung des Einzelzeichens über vorgegebenen Dickte hinaus. Legen Sie also ein Zeichenformat an und definieren Sie eine erhöhte Laufweite, wie im Bild zu sehen. 

2. GREP-Stile definieren
Nun können wir das zuvor definierte Zeichenformat auf alle vorkommenden Frage- und Anführungszeichen anwenden. Dazu definieren wir in unserem Standard-Absatzformat einen entsprechenden GREP-Stil. Legen Sie einen neuen GREP-Stil an und weisen Sie das zuvor erstellte Zeichenformat zu.

Der Reiter GREP-Stile im Einstellfenster der Absatzformate
 
Leider reicht es nun aber nicht aus, einfach Frage- und Anführungszeichen als Bedingung zu definieren. Da wir über das Zeichenformat lediglich die Laufweite und nicht die Unterschneidung vor dem Zeichen definieren können, müssen wir statt der Satzzeichen vielmehr das Zeichen davor formatieren. Aber dies ist über GREP ein Kinderspiel. Im einfachsten Fall sähe dies so aus:
.(?=\?)
Was bedeutet der Code? Der Punkt steht für ein beliebiges Zeichen, das zu formatieren ist. In Klammern folgt ein so genanntes Positives Lookahead (?=), das die Bedingung nur wahr werden lässt, wenn auf das Zeichen ein Fragezeichen folgt (\?). Da das Fragezeichen auch ein Steuerzeichen bei GREP-Angaben ist, muss hier ein umgekehrter Schrägstrich vorangestellt werden.
Der GREP-Stil findet also jedes beliebige Schriftzeichen, dem ein Fragezeichen folgt und weist dann das Zeichenformat mit der erhöhten Laufweite zu. Dadurch erreichen wir die gewünschte Sperrung des Fragezeichens. Und zwar vollautomatisch! Der Abstand taucht automatisch auf, wenn wir ein Fragezeichen tippen und er verschwindet wieder, wenn wir es entfernen oder die Bedingungen aus anderen Gründen nicht erfüllt ist – etwa, wenn das Fragezeichen am Absatzanfang stünde. 
Für den Einsatz in komplexen Dokumenten lässt sich der Code noch etwas verfeinern, um auch Sonderfälle besser abzudecken. So erhalten wir mit dem obigen Code auch eine Sperrung der Satzzeichen, wenn wir etwa (?) oder !? schreiben – denn Klammern und Satzzeichen sind auch Zeichen, auf die der GREP-Stil anspringt. Eine praxistaugliche Variante könnte daher zum Beispiel so aussehen:
[[:word:]\)\}\]](?=[!\?])
Hier definieren wir in eckigen Klammern eine ganze Gruppe von Fällen, auf die die Formatierung angewendet werden soll. Nämlich bei allen Wörtern (einschließlich Zahlenkolonnen) sowie den schließenden Klammern in allen drei Arten. Folgt auf diese ein Frage- oder Anführungszeichen, wird die Formatierung zugewiesen. 

Oben: Standardsatz wie von der Schriftart vorgegeben. Unten: vollautomatische Spationierung der Satzzeichen über einen GREP-Stil
 
Sie können den obigen Code einfach in ihr Absatzformat kopieren und fortan werden Sie nie wieder manuell Frage- und Anführungszeichen unterschneiden oder durch das Einfügen von Leerräumen den Originaltext abändern müssen. Und das schöne dabei: Über die Zeichenformat haben sie jederzeit die volle Kontrolle über den Abstand. Sie können ihn jederzeit global anpassen oder auf Wunsch auch wieder mit einem Klick ganz ausschalten. 
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Das QWERTY-Tastaturlayout ist über 100 Jahre alt und alternative Belegungen konnten sich nie durchsetzen, egal ob bei Schreibmaschinen oder den heutigen Computer-Tastaturen. Doch auf Tablet-Geräten und größeren Mobiltelefonen mit berührungsempfindlichen Bildschirm schreibt man nicht selten ganz anders: das Gerät wird mit beiden Händen gefasst und mit den Daumen werden die Zeichen getippt. 
Die Umstellung auf diese Art des Tippens ermöglicht auch, das Layout zu überdenken. Denn wo kein 10-Finger-Schreibsystem mehr angewendet wird, muss das Layout auch nicht darauf ausgerichtet sein. Stattdessen könnte man es speziell auf die neue Daumenbedienung abstimmen.  

 Genau dieses Konzept verfolgt ein Team von Wissenschaftlern verschiedener Einrichtungen (Max Planck Institut für Informatik, Montana Tech of the University of Montana, University of St. Andrews). Das Ergebnis ihrer Studie ist die KALQ-Belegung. Sie ist dem leicht erreichbaren Radius für Daumenbewegungen angepasst. Die Buchstaben sind so verteilt, dass sich die Daumen möglichst oft abwechseln und man besonders schnell zwischen häufig vorkommenden Buchstaben wechseln kann. In den eigenen Tests gelang es damit, die übliche gemessene Tippgeschwindigkeit bei Daumenbedienung von 20 Wörter pro Minute auf 37 zu steigern. 
Das Layout soll in Kürze für Android-basierte Geräte zum Download bereitstehen. Weitere Informationen gibt es auf der Projektwebseite beim Max Planck Institut.  

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Seit 5 Jahren ist das große Eszett im Unicode, über 300 Schriftfamilien wurden bereits damit ausgestattet und auch entsprechende Tastaturen sind bereits erhältlich. Doch wo wurde das große Eszett in den letzten 5 Jahren in der Praxis eingesetzt? Hier eine kleine Sammlung von Anwendungsbeispielen.  

RWE setzt seine Überschriften konsequent im Versalsatz und das Zusammentreffen von Großbuchstaben und Eszett ist somit unvermeidlich. Daher verfügt die Hausschrift von RWE über ein großes Eszett. 
 



Auch bei der Bauhaus-Universität Weimar gehört Versalsatz fest zum Corporate Design und das große Eszett wird mittlerweile konsequent eingesetzt. So bleiben auch Eigennamen (wie hier die Karl-Haußknecht-Straße) unmissverständlich. 
 

Einsatz in den Karten von Apple
 

Logo-Anwendung beim 1. FC Köln
 

Südwestrundfunk
 

Beim Staatstheater Nürnberg ist das große Eszett in regelmäßiger Anwendung. 
 

Hertha BSC
 

Kinderbuch des Verlages Diogenes
 

Website der Stadt Pößneck
 

ARD-Mediathek
 

Buch-Cover von NADINE ROẞA (2020)
 

Weitere Buchcover mit großem Eszett
 

Biermarke 
 

Logo eines Fahrrad-Geschäftes in Dresden
 

Ein großes Eszett auf der Startseite der SPD
 

Gezeichnet und geschrieben. Links auf der Homepage von FontShop, rechts als Notiz
 

Maßanfertigung statt Massenanfertigung. Logo eines Schuhmachers. (Design: deea.net)
 

Und noch mehr Maßarbeit. (Logo: Tobias D. Albert)
 

Ein Video der Band Love A.
 

Kopf der Gießener Zeitung


Ein CD-Cover und zwei Logos aus der Stadt Pößneck
 

Ein großes Eszett, das von Nina Stössinger speziell für diesen Einsatz in einem Buch entworfen wurde
 

Große Eszett in den Wanderkarten von Dr.Ing. Rolf Böhm
 

Der Papierhersteller Gmund verschickt seine Post mit Versal-Eszett
 

Großes Eszett auf einer Getränketafel gestaltet von Tobias Linne
 

Großes Eszett beim Fernsehsender Deluxe Music
 

Social-Media-Fundstücke


Sport-Verein-Logo

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Vor kurzem wurde die umfassend erweitere Norm DIN 1450 Leserlichkeit veröffentlich. Diese Meldung stößt bei professionellen Schriftnutzern nicht automatisch auf Begeisterung. Es macht sich eher eine gewisse Skepsis breit, begleitet von der Frage, wozu diese Norm nötig sein solle. Schließlich ging es doch bisher auch ohne.
Die skeptische Haltung mag sich auch schon auf das System der DIN-Normen an sich beziehen. Viele denken beim Deutschen Institut für Normung an eine verstaubte Behörde, in der Staatsbedienstete den lieben langen Tag irgendwelche Dinge normieren. Und dies fernab von der Praxis und daher vermutet man in den Normen nicht selten nur lauter unnötige oder gegebenenfalls sogar unsinnige Einschränkungen für die Menschen. 
Tatsächlich ist das DIN ein eingetragener Verein, der externen Unternehmen und Organisationen aus Handel, Industrie, Wissenschaft etc. bei der Erstellung von Normen behilflich ist. Erstellt werden die Normen dabei von Ausschüssen, die sich aus externen Fachleuten des jeweiligen Gebietes zusammensetzen. 
Und letztendlich profitieren wir alle von dieser Normarbeit. Sie sorgt für Qualitätssicherung, Gebrauchsfähigkeit und niedrige Preise durch herstellerübergreifende Kompatibilität. Und nicht selten machen die Normen unser Leben einfacher und sicherer, da sie Qualitäts- und Sicherheitsstandards für alle Dinge setzen, mit denen wir im Alltag in Berührung kommen. Von der automatischen Drehtür bis zum Hochwasserschutzdamm – kaum ein Objekt ist nicht von Normen tangiert. Und Schrift macht dabei keine Ausnahme, denn auch sie kann entsprechende Sicherheitsrelevanz besitzen. 
 Die Hintergründe
Besonders hohe Anforderungen an die Leserlichkeit von Schrift haben Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen. Daher überrascht es auch nicht, dass die Überarbeitung der DIN 1450 auf Initiate dieser Nutzergruppe erfolgte. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV) sah als Interessenvertreter die besonderen Anforderungen dieser Nutzergruppe in der Praxis oft nur unzureichend berücksichtigt und regte daher eine Verbesserung der Norm an.
Denn letztere hatte in der bisherigen Fassung (DIN 1450:1993-07) nur ein recht beschränktes Einsatzgebiet. Im direkten Zusammenspiel mit der allseits bekannten DIN 1451 gab sie Empfehlungen für Beschilderungen im öffentlichen Raum. Sie war jedoch schwerlich auf die Vielfalt heutiger Schriften und Schriftanwendungen übertragbar.
Mit der Überarbeitung wurde daher das Ziel verfolgt, alle verkehrsüblichen Schriftanwendungen abzudecken und dafür sinnvolle und allgemeine Empfehlungen zu geben. 

Beschilderungen im öffentlichen Raum. Ein typisches Einsatzgebiet für das Duo DIN 1450 und DIN 1451
 
Von Fakten und Bauchentscheidungen
Beim Einsatz von Schriften kommen unzählige Einflussfaktoren zum Tragen, die die Leserlichkeit beeinflussen. Man denke an die unterschiedlichen Bedruckstoffe und Darstellungsmedien, die unzähligen typografischen Satzparameter (Schriftwahl, Laufweite, Zeilenabstand, Kontraste etc.) und die persönlichen Vorraussetzungen (Alter, Sehstärke etc.) beim Leser. Die aktuelle Norm nennt ganze 44 solcher Einflussfaktoren. 
Um diese verschiedensten Einflüsse sinnvoll abzuwägen und zu möglichst leserlichem Textsatz zu kommen, benutzt ein Grafikdesigner das Wissen aus seiner Ausbildung und seine Berufserfahrung. Die Ausübung dieses Wissens und dieser Erfahrung nennt man im Englischen recht treffend »educated guessing«, also wörtlich etwa »fundiertes Raten«. Der Grafikdesigner kann seine unzähligen gestalterischen Detail-Entscheidungen nicht einzeln wissenschaftlich untermauern, sie sind aber natürlich auch nicht willkürlich, sondern basieren auf entsprechender Erfahrung des Designers bzw. des ganzen Berufsstandes.  
Doch »fundiertes Raten« hat auch seine Grenzen. Kann ein Designer wirklich immer korrekt »erraten«, in welcher Größe die Lösch-Einrichtungen und Fluchtpläne in einem Flughafen oder einer U-Bahn-Station beschriften werden müssen, damit sie aus einer bestimmten Entfernung lesbar sind? Kann er immer und zweifellos die gegebenenfalls über Leben und Tod entscheidenden Texte auf Medizin-Verpackungen und Beipackzetteln leserlich setzen und dabei auch die besonderen Bedürfnisse älterer und sehbehinderter Menschen berücksichtigen? Möchte er für die in diesen Fragen gefällten »Bauchentscheidungen« auch die Verantwortung übernehmen, wenn es Nachhinein zu Problemen kommt? Und wie soll der Anspruch der Leser nach guter Leserlichkeit z.B. gegen die Interessen von Bauherren eines Gebäudes oder den Pharma-Herstellern durchgesetzt werden, die vielleicht kein großes Interesse daran haben, die sicherheitsrelevanten Informationen möglichst groß und unmissverständlich zu präsentieren?
Dann reicht es einfach nicht mehr aus, nur auf die Erfahrung eines Grafikdesigners zu verweisen. Wie in anderen Bereichen auch, schaffen klare Standards Planungssicherheit für alle Seiten. Und davon profitieren natürlich auch die Grafikdesigner. Sie müssen sich nicht mehr allein auf ihre Bauchentscheidungen verlassen, sondern haben mit der DIN 1450 ein praktikables Werkzeug an der Hand, dem sie nicht folgen müssen, aber mit dem sie ihre Entscheidungen bei Bedarf abgleichen können. So wie man mikrotypografische Satzkonventionen vielleicht gern in Detailtypgrafie nachschlägt, so kann man nun auch fundierte Leserlichkeitsparameter in der DIN 1450 nachschlagen und sich in der Anwendung auf sie berufen. Eine Option, von der die gesamte Branche und natürlich die Leser der gesetzten Texte profitieren können. 
Die Normen bilden übrigens lediglich eine verlässliche Grundlage, auf die sich alle beziehen können. Grafikdesigner sind also nicht gezwungen, Ihre Gestaltung nach den Vorgaben der DIN-Norm anzufertigen. Möglich ist jedoch, dass zukünftige Gesetzesvorlagen für konkrete Anwendungsbereiche die Einhaltung der Norm vorschreiben. So könnte zum Beispiel theoretisch ein Gesetz zur Lebensmittelkennzeichnung explizit die Einhaltung der DIN 1450 für diese spezifische Anwendung fordern.  

 
Abstrahierte Typografie – die Funktionsweise der Norm
Im Gegensatz zu den üblichen Fachbüchern über Schrift und Typografie richtet sich die Norm aber keineswegs speziell an Grafikdesigner. Sie ist  ganz im Gegenteil gerade so aufgebaut, dass sie ohne typografisches Vorwissen funktioniert. Dies bedeutet allerdings auch: Dem Normungsausschuss musste das Kunststück gelingen, die gesamte Schriftanwendung mit all ihren Einflüssen, Abwägungen und Gestaltungsmöglichkeiten auf klare, mathematische genaue Vorgaben herunterbrechen. Wahrlich keine einfache Aufgabe!
Sie gelang letztendlich vor allem dadurch, dass der Schrifteinsatz auf zweierlei Weisen abstrahiert wurde: einerseits in Bezug auf die möglichen Anwendungsarten und andererseits in Bezug auf Wahrnehmung der Schrift selbst. Dies sei in der Folge näher erläutert.  
Textarten nach DIN 1450
Ein Verkehrsschild stellt andere Anforderungen an die Leserlichkeit als ein Romantext; ein Beipackzettel andere als eine Überschrift in einem Magazin. Schilder können hinterleuchtet sein; ein Magazin ist auf glänzendem Papier gedruckt; ein e-Reader hat verpixelte Schrift oder ein stark glänzendes Display …
Die schiere Masse üblicher Schriftanwendungen macht es schlicht unmöglich, für jeden denkbaren Einsatz spezifische Empfehlungen auszusprechen.
Diesem Umstand wurde in der DIN 1450 insofern entsprochen, dass nicht die konkreten Anwendungen als Bezugssystem benutzt werden, sondern vielmehr die typischen Textarten, in die sich nahezu alle Schriftanwendungen eingliedern lassen.
In der DIN 1450 sind die Textarten wie folgt definiert:
Lesetext. Der Haupttext in Büchern, Broschüren, Anleitungen etc. mit den relevanten Informationen. 
Konsultationstext. Dieser ergänzt oder erklärt den Lesetext, enthält aber selbst keine zwingend notwendigen Informationen. (Beispiele: Marginaltexte, Fußnoten, Bildunterschriften)
Schautext. Dieser gliedert den Lesetext oder dient der Hervorhebung. Beispiele sind die Überschriften in einem Magazin oder auf eine Werbeplakat.
Signalisationstext. Er dient der Orientierung bzw. der Sicherheit im öffentlichen Raum.
Mit diesen vier Textarten lassen sich alle üblichen Schriftanwendungen beschreiben – vom Text auf einem Joghurt-Becher bis hin zum Verkehrsschild an der Autobahn. 

 Der durchgehende Bezug auf die Textarten verhindert im Übrigen auch, dass die Norm zu restriktiv und damit praxisuntauglich wird. Bei sekundärer Informationen ohne entsprechend hohe Relevanz, etwa in Fußnoten, kann es in Kauf genommen werden, dass das Lesen schwieriger ist und daher länger dauert. Und auch für eher dekorative Schautexte, wie sie etwa in Werbeanzeigen und Magazin-Überschriften benutzt werden, müssen keine einschränkenden Regelungen aufgestellt werden. Die Norm setzt daher vor allem da an, wo die Textinformationen eine entsprechende Wichtigkeit besitzen. 
Die Wahrnehmung von Schrift
Die genannten Textarten können in ganz unterschiedlichen Schriftgrößen zum Einsatz kommen. Eine Textseite in einer Drucksache, die man in die Hand nimmt, kann gleichsam Lese-, Konsultations- und Schautext enhalten. Das Gleiche gilt aber auch für eine drei Meter große Schautafel in einem Museum. Empfehlungen zur optimalen Leserlichkeit der Schrift müssen daher immer Schriftgröße und Leseabstand miteinander in Beziehung setzen.
Bei einem Verkehrsschild an der Autobahn kann die Höhe der Großbuchstaben bis zu 42 Zentimeter betragen. Da man die Textinformationen aber schon so früh wie möglich lesen will, ist nicht nur die Größe der Buchstaben, sondern auch der Leseabstand beträchtlich und die Darstellung der Buchstaben auf unserer Netzhaut entsprechend klein. Deshalb basieren die Empfehlungen der DIN 1450 nicht auf konkreten metrischen Angaben, sondern sind im Sinne der optischen Wahrnehmung in Bogenminuten definiert.

 Da mag ein Schriftanwender zunächst zurückschrecken. Schriftgrößenbestimmungen auf Basis von Bogenminuten? Wo stellt man das in Word oder InDesign ein? Leserlichkeit fußt auf der Abbildungen der Buchstaben auf der Netzhaut und diese wird gleichsam von Schriftgröße und Leseabstand bestimmt. Die relevante Größe, die sich unabhängig von beiden beschreiben lässt, ist der Sehwinkel zu dem zu erkennenden Objekt. 
Und daraus leiten sich in der Folge alle wesentlichen Faktoren des Schrifteinsatzes ab. Die Schriften müssen eine bestimmte Mindeststrichstärke aufweisen, damit wichtige Details in Sinne der Erkennbarkeit nicht bei großer Leseentfernung oder kleiner Darstellungsgröße verloren gehen. Die Buchstaben dürfen nicht zu schmal oder zu weit und die Abstände zwischen den Buchstaben müssen entsprechend groß genug sein.
Für diese und weitere Parameter liefert die DIN 1450 je nach Textart die nötigen Mindestanforderungen an die zu wählende Schrift und die Schriftsatzparameter (Schriftgröße, Buchstabenabstand, Zeilenabstand, Zeilenlänge, Kontrast zum Hintergrund et cetera). Basierend auf dem Sehwinkel und einem gegebenen Leseabstand lassen sich somit alle wesentlichen Parameter mithilfe der DIN 1450 direkt ablesen beziehungsweise berechnen. 
Und durch diesen ganzheitlichen Ansatz wird auch das übliche Problem umgangen, dass es für eine konkrete Anwendungen zwar Vorgaben für Mindestschriftgrößen gibt, aber Texte dennoch nicht akzeptabel dargestellt werden, weil zwar zum Beispiel die erforderlichen 6 Punkt eingehalten wurden, aber durch Schriftwahl, zu kleine Buchstaben- oder Zeilenabstand und schwachen Kontrast zwischen Text und Hintergrund dennoch unleserlicher Text entsteht.   
In diesem Zusammenhang ergab sich auch eine wesentliche Änderung im Vergleich zu bisherigen Version der DIN 1450. Die zentrale Bezugsgröße ist nun nicht mehr die Versalhöhe, sondern die x-Höhe. Im direkten Zusammenspiel mit DIN 1451 war der Bezug zur Versalhöhe noch akzeptabel, aber für den bewusst weiten Einsatzbereich der neuen DIN 1450 mit vielerlei Schriftarten musste hier mit der bisherigen Fassung gebrochen werden. Denn die x-Höhe stellt bekanntlich im Gegensatz zu Versalhöhe und Schriftgröße beim gemischten Satz eine zentrale Kenngröße dar, die wesentlichen Einfluss darauf hat, wie groß Schriften in der Anwendung wirken und wie leserlich sie dadurch sind. 
DIN 1450 in der Praxis
Für wen ist diese DIN-Norm also gemacht? Viele Gestaltungen, insbesondere die eher werblichen und dekorativen, werden auch weiterhin problemlos ohne die DIN 1450 auskommen. Und auch die klassische Buchtypografie hat ihre idealen Parameter bereits durch jahrhundertelangen Versuch und Irrtum gefunden. 
Doch wo immer zukünftig für den Leser besonders relevante Informationen (z.B. in Bezug auf Gesundheit, Sicherheit, Orientierung etc.) präsentiert werden und durch möglichst optimale Leserlichkeit ein barrierefreier Zugang für eine breite Nutzerschicht garantiert werden soll, kann die Norm eine verlässliche Grundlage zur Ermittlung der idealen Satzparameter darstellen und damit gute Dienste erweisen – für Gestalter und Leser der Texte gleichermaßen. 
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Über ein halbes Jahr haben wir daran gefeilt. Nun ist sie verfügbar: die vierte Ausgabe des Typografie.info TypoJournals unter dem Motto »das Schriftschaffen im deutschsprachigen Raum«. 
Auf Typografie.info sammeln wir seit über 10 Jahren in Artikeln typografisches Fachwissen. Das Medium Internet erlaubt dabei einen schnellen und bequemen Zugriff über die Suchfunktion sowie Aktualität und Korrigierbarkeit der Inhalte. Dies alles kann gleichsam Vor- und Nachteil sein. Denn wenn wir auf einen konkreten Zeitabschnitt zurückblicken wollen, ist dies bei einem sich ständig ändernden Medium äußerst schwierig. Hier beweisen die sprichwörtlich schwarz auf weiß gedruckten Inhalte auch im digitalen Zeitalter weiterhin ihre Stärke. So entstand auch die Idee zur vierten Ausgabe des TypoJournals, das sich in einer losen Artikelfolge dem Schriftschaffen im deutschsprachigen Raum widmet. Das Thema könnte natürlich problemlos mehrere Bände füllen. Von Gutenbergs Druck mit beweglichen Bleilettern bis zu den unzähligen jungen talentierten Schriftgestaltern der Gegenwart – Deutschland, Österreich und die Schweiz haben im Bereich der Druck- und Schriftkunst immer eine wesentliche Rolle eingenommen. Und diesem Wirken widmen wir uns nun ausschnitthaft in dieser Ausgabe. Wir porträtieren ausgesuchte Schrifthersteller und -gestalter, Museen, Druckereien sowie typografische Organisationen – und auch eine Auswahl von aktuellen Arbeiten aus den Designhochschulen darf nicht fehlen.

Die Themen der Ausgabe:
Linotype damals und heute
Von der Setzmaschine zum Schriftanbieter
Die Leser von Morgen
Typografie als Strategie der Leserkonditionierung um 1800
Über den Stempelschneider Justus Erich Walbaum
Das Gutenberg-Museum Mainz
(Kurzvorstellung)
Die Schriftsammlung des Museums für Druckkunst Leipzig
Große Liebe
Das Buchstabenmuseum in Berlin rettet typografische Riesen
Ungewöhnliche Umlaute
Eine kleine Systematik
Der Schriftanbieter URW++
Die Wiege der skalierbaren Schrift
Als die Schrift laufen lernte
Die Kurrent um 1900
FontShop und die FontFonts
Der Berliner Schrifthersteller und Versandhandel in Schwarz und Gelb
Schriftanbieter
Eine Übersicht zum deutschen Sprachraum
Aus der Hochschule
Diverse Kurzvorstellungen
Die typographische Gesellschaft München
Die typographische Gesellschaft Austria
Janz aus Blei jesetzt?
Bleisatz im heutigen Berlin und ein bisschen drumherum
Beiteiligte Autoren (Auswahl): 
Dr. Sebastian Böhmer, Julia Kerschbaum, Sonja Knecht, Florian Hardwig, Christine Hartmann, Ralf Herrmann, Frederik Marroquin, Steve Matteson, Peter Rosenfeld











 
Restbestände von Heft 3 und 4 gibt es nur noch im Museum Pavillon-Presse in Weimar. Download-Versionen aller 4 TypoJournal-Ausgaben gibt es als Premium-Inhalte für Typografie.info-Förderer in unserem Download-Bereich. 
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Im Verlag Hermann Schmidt Mainz ist das Buch Schrift wirkt! von Jim Williams erschienen. Es handelt sich dabei um die deutsche Lizenzausgabe des englischen Buches »Type Matters!«.
Im Klappentext heißt es: »You cannot not communicate – das gilt nicht nur für die mündliche, sondern auch für die schriftliche Kommunikation. Schrift wirkt. Besser, man weiß wie! Mit der Befreiung der Schrift vom Blei ist nicht nur viel frischer Wind ins Typedesign gekommen, sondern auch Expertenwissen verloren gegangen. Hier kommt der charmante Einstieg in die Welt von Type  & Typo! Eine kleine Liebeserklärung an die Schrift, die Ihnen hilft, Sprache sichtbar zu machen. Ein allgemeinverständliches Büchlein, das Sie zum souveränen Chef der enormen ›Setzerei‹ macht, die sich hinter der Tastatur von Mac und PC versteckt.« 
Der Autor Jim Williams ist Dozent im Fachbereich Grafik an der Staffordshire University und entwickelte für seine Studenten eine Serie von Handzetteln mit typografischen Tipps und Tricks. Daraus entstand schließlich dieses Buch. Es ist in drei Kapitel unterteilt: Im ersten Teil geht es um Hintergrundwissen zu Schriftklassifikation, Buchstabendetails, Schriftmischung und dem Aufbau von Schriftfamilien. Im zweiten und dritten Kapitel werden jeweils Tipps und Tricks für Display- und Lesetypografie gegeben – also ein Querschnitt zur Mikro- und Makrotypografie. Von Schriftwahl, Absatzformatierungen, optischem Randausgleich etc. bis hin zu Details wie Ligaturen, Unterschneidungen und ähnlichem mehr. 



 
Ausstattung und Gestaltung
Das Buch kommt mit Lederoptik und cremefarbenem Papier wie ein Moleskine-Skizzenbuch daher und liegt entsprechend angenehm in der Hand. Im Gegensatz zu anderen Fachbüchern sieht man dem Werk den Ursprung in typografischen Handzetteln noch gut an. Statt langer Fließtexte gibt es daher vor allem Beispielabbildungen zu sehen, die mit kurzen Texten erläutert werden. Oft wird auch mit Vorher-/Nachher-Vergleichen gearbeitet, so dass sich die Wirkung der beschriebenen typografischen Maßnahmen direkt beurteilen lässt. Die Texte sind leicht verständlich geschrieben, jedoch wird auch mit Fachbegriffen nicht gespart, so dass sich das Buch schon eher an Grafikdesigner und Autoren statt an interessierte Laien richtet. 


 

Fazit
Im Klappentext heißt es: »Hier kommt der charmante Einstig in die Welt von Type & Typo!« Und dem kann man sich sicherlich anschließen. Das Buch ist locker geschrieben und bietet Anfängern einen leichten Einstieg in das Thema. Insbesondere begleitend zu Ausbildung, Studium oder einzelnen Typografie-Kursen ist das Buch ein empfehlenswerter Begleiter. Ein umfassendes Lehrbuch kann es nicht ersetzten. Dies verwundert jedoch nicht, wenn man sich die Herkunft in gesammelten Handzetteln verdeutlicht. Die Inhalte sind keineswegs vollständig oder tiefgründig, sondern eher Sammlung von persönlichen Typografie-Tipps des Autors. 
Zumindest im deutschen Buchmarkt füllt es auch weniger eine existierende Lücke. Die Einsteigerbücher von Hans Peter Willberg oder »Buchstaben kommen selten allein« von Indra Kupferschmid funkionieren ganz ähnlich. 
Nichtsdestotrotz: Mit einem Preis von knapp 20 Euro kann man mit diesem Buch nicht viel falsch machen und es eignet sich sicherlich auch hervorragend zum Verschenken. 
Das Buch kann direkt auf der Website des Verlages bestellt werden. 
Weitere Buchrezensionen gibt es in unserem Wiki.  
Daten zum Buch
Jim Williams | Gesine Hildebrandt
SCHRIFT WIRKT! – Einfache Tipps für den täglichen Umgang mit Schrift
160 durchgehend zweifarbige Seiten
Format:  22 x 17 cm
Soft-Flex-Band mit runden Ecken, Kunstledereinband
ISBN: 978-3-87439-836-7
Preis: 19,80 EUR
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An und für sich ist es ein Vorteil von Druckschriftlizenzen, dass sie nicht an Auflagen gekoppelt sind. Eine Zahlung und der jeweilige Nutzer hat ausgesorgt. Allerdings kommt man immer wieder auch in Situationen, wo dieses System unfair scheint. Etwa, wenn man nur mal eben ein paar Buchstaben für das Nachsetzen eines Logos benötigt oder wenn man eine Schrift dem Kunden vorschlagen möchte, ohne genau zu wissen, ob sie jemals eingesetzt werden wird. Dennoch wird auch hier der volle Lizenzpreis fällig und seit nunmehr gut 20 Jahren Desktop Publishing hat sich dafür keine wirkliche Alternative aufgetan. 
Einen völlig neuen Vorstoß wagte vor kurzem der Anbieter FontSlice. Hier bezahlt man einen Font tatsächlich nur buchstabenweise und dieser wird dann mit dem beschränkten Zeichensatz für den jeweiligen Nutzer generiert. Ob aber die Festplatte voller unvollständiger Fonts wirklich ein auf breiter Front tragfähiges System der Schriftlizenzierung darstellt, darf bezweifelt werden. Zumal sich das System nur schwer mit den komplexen OpenType- und Hinting-Funktionen moderner Fonts vertragen dürfte.  
Statt die Fonts selbst aufzusplitten, könnte man aber auch einfach die Nutzungszeit beschränken. Und genau dieses System verfolgt der neue Dienst namens Skyfonts von Monotype. Dazu muss der Schriftanbieter natürlich die Nutzungszeit technisch auf Seiten des Nutzers einschränken. Eine Idee, die bei Fonts und anderen digitalen Gütern nicht neu, aber in der technischen Umsetzung recht anspruchsvoll ist – zumindest wenn die Fonts dabei so problemlos nutzbar sein sollen, wie herkömmliche Fonts. 

Monotype, als einer der mittlerweile größten Schriftanbieter der Welt, hat mit Skyfonts nun so ein System auf die Beine gestellt. Um diesen Dienst nutzen zu können, muss man sich zunächst registrieren und eine Software für Windows oder Mac OS installieren, die dann im Hintergrund die Schriften installiert und auch wieder deinstalliert. Die Anwendung für Windows ist als 32- und 64-Bit-Variante ab Windows XP verfügbar. Die Mac-Version erfordert mindestens Mac OS 10.7. 

Nach der Installation kann man den Dienst sofort benutzen. Die Auswahl der Schriften erfolgt direkt im Browser unter skyfonts.com. Eine iPad-Anwendung sowie ein Plugin für Design-Anwendungen ist aber ebenfalls in Vorbereitung. Momentan hat man Zugriff auf über 8000 Fonts aus den Bibliotheken von Monotype, ITC, Bitstream und Linotype. 

Obwohl der Dienst nun offiziell gestartet ist, hat die Schriftsuche auf der Skyfont-Seite das Beta-Stadium aktuell wohl noch nicht ganz verlassen. Die Schriftfamilien erscheinen lediglich alphabetisch ohne einen Zugriff über Schriftklassifikationen oder andere typische Merkmale bzw. Einsatzbereiche. Wer nicht genau weiß, welche Schriften genutzt werden sollen, sucht sich diese vielleicht besser zunächst auf fonts.com oder linotype.de aus. 

Hat man die gewünschten Schriften aber einmal gefunden, könnte die Nutzung dann tatsächlich kaum einfacher sein. Ein Klick auf »Try« im Browser installiert die Schrift sofort im Hintergrund im Betriebssystem und stellt sie systemweit zur Verfügung. Kein umständlicher Bestellvorgang, kein Download, kein manuelles Entpacken von ZIP-Archiven und Installieren von Schriften. In den meisten Programmen sind die Fonts unmittelbar nach dem Klick im Browser sofort nutzbar. Wohlgemerkt: es handelt sich hier keineswegs um eine Vorschau in Bitmapdarstellung oder ähnliches. Der komplette Font ist vollwertig und ohne jegliche Einschränkungen testweise nutzbar. 
Hier kann man also durchaus lobend erwähnen, dass der Anbieter hier auf entsprechendes Vertrauen der Nutzer setzt. Denn die direkte Nutzung dieser Testschriftzüge ist nur gemäß der Nutzungsbedingungen verboten – technisch unterbunden wird sie nicht. Die Fonts funktionieren während des Testens ohne Einschränkungen. In Mac OS X klinkt sich das System sogar in die Benachrichtungsdienste (wie Growl) ein, sodass man vom System über die Installation und Deinstallation informiert wird. Durchaus praktisch! 
 
Die Kosten
Hat man sich dann für bestimmte Fonts entschieden und will diese tatsächlich nutzen, muss man dafür mit so genannten Credits bezahlen. Das System ist dabei recht einfach. Man lizenziert die Schrift entweder für 24 Stunden (Kosten: 1 Credit) oder für 30 Tage (3 Credits). 
Die Kosten für die Credits sind abhängig davon, wie viele man auf einmal erwirbt. Bei der Mindestbuchung von 45 Dollar kostet ein Credit 3 Dollar. Dies bedeutet, die Nutzung einer beliebigen, gegebenenfalls vollwertigen OpenType-Schrift über den Skyfonts-Dienst kostet also 3 Dollar für einen Tag oder 9 Dollar für 30 Tage. Wer den Dienst häufig nutzt und viele Credits auf einmal kauft, kann die Kosten darüber hinaus weiter senken. 
Fazit
Die Preisstruktur wirkt durchaus angemessen und im Einklang mit den herkömmlichen Lizenzpreisen. Wer weiß, dass eine bestimmte Schrift nur kurzzeitig genutzt oder erstmal nur getestet werden soll, kann hier kräftig sparen und der Dienst eignet sich auch perfekt für externe Mitarbeiter, die nur zeitweise an bestimmten Projekten arbeiten. Selbst wenn später doch noch einmal unerwartete Änderungen anstehen, kann man jederzeit mit einem Klick die dann abgelaufene Lizenz wieder verlängern. 
Das Kleingedruckte
Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Ich finde das System in technischer Funktionalität und Preisgestaltung durchaus überzeugend. Es füllt eine seit langem bestehende Nutzungs- bzw. Lizenzierungsnische in der gesamten Grafikdesignbranche und gegebenenfalls sogar darüber hinaus. Doch der Skyfonts-Dienst hat auch eine Eigenheit, die ich nicht akzeptabel finde und vor der ich hier ausdrücklich warnen möchte: das Credit-System, wie es auch andere Anbieter digitaler Güter (etwa iStockphoto) benutzen. 

 Man kann gerade noch damit Leben, dass diese Credits eine bewusste Verschleierung der tatsächlichen Preise sind. Ein Preis von »3 Credits« lässt ein Produkt einfach günstiger erscheinen als die »9 Dollar«, die gegebenenfalls tatsächlich dahinterstehen. Unannehmbar ist jedoch, dass die Anbieter die Credits einfach nach einer bestimmten Laufzeit (bei Skyfonts: ein Jahr) verfallen lassen. 
Credits sind nichts anderes als ein Guthaben auf zukünftige Käufe über einen bestimmten Dienst. Sie funktionieren genauso wie ein PayPal-Guthaben oder eine Geldkarte bei der Sparkasse. Man lädt sie mit einem bestimmten Betrag auf und kann bei zukünftigen Einkäufen über das entsprechende Guthaben verfügen. Man stelle sich jedoch einmal vor, PayPal oder die Sparkasse würden ihren Nutzern nach einem Jahr die Nachricht schicken, dass der Anbieter das Konto komplett geleert – und sich das Geld in die eigene Tasche gesteckt hat, weil der Inhaber des Kontos es nicht rechtzeitig komplett aufgebraucht hat. Es wäre ein Skandal!
Doch nichts anderes wird bei Skyfonts und iStockphoto gemacht. Die Anbieter kommen mit dem simplen Trick davon, dass sie das eingezahlte Guthaben nicht in einer offiziellen Währung führen, sondern es einfach »Credits« nennen. Pikanterweise wird man durch die Mengenrabatte ja auch noch explizit dazu verleitet, möglichst viele Credits auf einmal zu erwerben. Ob man sie innerhalb eines Jahres aufbrauchen wird oder nicht, ist im Voraus völlig unklar. Und da man hier ja zeitlich befristete Nutzungslizenzen erwirbt, ist es auch nicht einmal möglich, dass man zum Ende des Jahres sein Guthaben noch schnell irgendwie aufbraucht. Die Schriftlizenzen werden dann benötigt, wenn der jeweilige Auftrag ansteht. Man kann ja nichts »auf Vorrat« gestalten, nur weil man gerade noch ein paar Credits übrig hat, denen der Verfall droht. 
Wer sich dennoch auf diesen Deal einlassen möchte, hier kann man sich für Skyfonts registrieren: (10 Credits sind übrigens für neue Nutzer inbegriffen)
http://skyfonts.com

Update: Monotype hat den Dienst kurz nach seiner offiziellen Ankündigung bereits wieder vom Netz genommen. Die Technologie wurde in das Abo-Angebot von fonts.com integriert. Man muss nun das so genannte Master-Abo für mindestens 100 Dollar pro Monat wählen, um den Zugriff die temporär installierbaren Desktop-Fonts zu bekommen. Für Vielnutzer zwar ein guter Deal, aber der Vorteil von Skyfonts, einzelne Fonts kurzzeitig günstig mieten zu können, ist damit wieder unmöglich geworden. 
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Ganz gleich ob man die derzeitige Entwicklung nun mag oder nicht – auch wer gegen das große Eszett argumentiert, möchte es zu diesem Zweck zumindest eingeben können. Wer keine der neuen T2-Tastaturen hat oder sich manuelle mit Textersetzungen oder Zeichenübersichts-Programmen hilft, greift in der Regel auf das einfache Kopieren-und-Einfügen zurück. Eine zentrale Anlaufstelle dafür wurde nun unter http://versaleszett.typografie.info geschaffen.

Besonders praktisch ist dies übrigens für Mobilgeräte, wo der Zugriff auf spezielle Sonderzeichen, die nicht in der gerade benutzen Software-Tastatur-Belegung enthalten sind, meist recht umständlich oder gar nicht möglich ist.



http://versaleszett.typografie.info
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Die norwegischen Schriftgestalter Frode Helland und Sindre Bremnes sind gerade mit dem neuen Schriftenlabel Monokrom an den Start gegangen. Bislang sind 5 Schriftfamilien verfügbar, die allesamt gestalterisch und qualitativ überzeugend daherkommen. Die Schriftschnitte sind ab 60 Euro verfügbar.



Aus deutscher Sicht interessant: Sämtliche Schriften von Monokrom kommen mit Versal-Eszett.



Weitere Infos: https://monokrom.no
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Bei den ersten Vorführungen in Deutschland wurde der Linotype-Film von Doug Wilson schon mit großer Begeisterung aufgenommen. Nun sind auch DVD und Blu-ray in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln erhältlich.


Neben dem Film mit 76 Minuten Spielzeit ist auch umfangreiches Bonusmaterial enthalten. DVD und Versand nach Europa kosten umgerechnet unter 30 Euro und sind hier erhältlich: http://shop.linotypefilm.com/ Weitere Informationen zum Film gibt es hier.
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Der Tastaturhersteller Cherry bietet unter der Bezeichnung Stream XT T2 eine neue Tastatur mit erweiterter Belegung nach DIN 2137-T2 an.
Seit über 20 Jahren gibt es den PC, doch die (aufgedruckte) Tastaturbelegung basiert nach wie vor auf den eingeschränkten Möglichkeiten der Schreibmaschine.
Die Stream XT T2 des traditionsreichen Tastaturherstellers Cherry bietet nun Windows-Nutzern erstmals den direkten Zugang zu vielen Sonderzeichen, die bislang nur sehr umständlich zu erreichen waren. Diakritische Zeichen europäischer Sprachen, korrekte Anführungszeichen, Apostroph, horizontale Striche, schmaler geschützter Leerraum, großes Eszett (ẞ), langes s (ſ) und so weiter sind nun leicht erreichbar und direkt auf der Tastatur aufgedruckt.

Die normierte T2-Belegung baut auf der üblichen deutschen Standardtastaturbelegung auf. Man kann sie also ohne Schwierigkeiten direkt benutzen, ohne wie bei anderen alternativen Tastaturbelegungen erst komplett umlernen zu müssen. Die Tastatur kann daher bedenkenlos allen PC-Nutzern empfohlen werden, die sich professionell mit Textsatz beschäftigen.

Die Cherry Stream XT T2 ist in hellgrau und schwarz erhältlich. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage von Cherry. Die Tastatur kommt gerade für um die 30 Euro in den Fachhandel. Eine Übersicht der Händler findet sich auf der Cherry-Seite. Als verfügbar gelistet ist die Tastatur zum Beispiel bei Keybo.de oder bei Amazon (Partnerlink).
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