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Typografie-Artikel

Neuigkeiten und Fachartikel zu Schrift und Typografie
2010 entwarf der Schriftgestalter Friedrich Althausen ein Logo für eine Architektin. Die eleganten Versalbuchstaben hatten jedoch auch das Potenzial, um zu einer kompletten Display-Schrift ausgebaut zu werden. Entsprechend dem anvisierten Einsatz bekam die 2014 erschienene Schrift den Namen »Überschrift«. Sie besitzt eine komplette westeuropäische Versal-Belegung und zahlreiche Alternativbuchstaben. Eine Besonderheit bilden die 200 Versal-Ligaturen, mit denen sich auf Wunsch besonders markante Wortbilder erstellen lassen.

Dieses Logo war die Basis für die Entwicklung der Überschrift
 








 
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Lizenzierung über FDI Type Foundry oder MyFonts
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Die Leipziger Schriftgießerei J.G. Schelter & Giesecke wurde am 24. Juni 1819 von Johann Andreas Gottfried Schelter und Christian Friedrich Giesecke gegründet. Beide hatten neben ihrer Lehrzeit auch als Gehilfen bei den bekannten lokalen Offizinen Breitkopf & Härtel bzw. Tauchnitz Erfahrungen gesammelt. Die technische Ausstattung war zunächst noch bescheiden. In der Leipziger Barfußmühle wurde mit einfachsten manuellen Mitteln Schrift gegossen. Auch mit dieser Technik konnte es ein erfahrener Gießer jedoch auf fünf- bis sechstausend Lettern am Tag bringen. 

Barfußmühle
 
1831 war das Unternehmen mit drei Gießöfen, acht Gehilfen und drei Lehrlingen schon so sehr gewachsen, dass die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten und man bezog ein Grundstück im Naundörfchen westlich des Leipziger Stadtkerns. Von Schelter wurden eine ganze Reihe neuer Buch- und Titelschriften geschnitten, aber man kaufte auch Materialen anderer Gießereien hinzu, etwa Frakturschriften von Walbaum. 1836 wurde im Journal für Buchdruckerkunst eine schon sehr umfangreiche 123-seitige Probe mit unzähligen Antiqua- und Frakturschriften sowie vielen nichtlateinischen Schriften besprochen. 

Betriebsstätte Naundörfchen
 
Schelter zog sich nach dem Tod seines einzigen Sohnes 1839 aus dem Unternehmen zurück und Giesecke führte das Unternehmen allein weiter. Er widmete sich nun auch vermehrt der Modernisierung der Gießtechnik. 1842 wurde der Schriftguss mit einer Gießpumpe beschleunigt. 1846 folgte die erste Gießmaschine, die von Brockhaus nach amerikanischen Vorbild gebaut worden war. Die Fertigungsleistung des Gießers stieg damit auf zehn- bis zwölftausend Lettern pro Tag an. 

Gießpumpe (links) und Gießmaschine (rechts)
 
Giesecke verstarb 1851 während einer Cholera-Epidemie und hinterließ ein florierendes Geschäft, das nun von seinen Söhnen Carl Ferdinand Wilhelm und Bernhard Rudolph übernommen wurde. Sie erweiterten auch die angebotene Produktpalette. Es wurde eine Messinglinienfabrik angegliedert und man begann mit der Fertigung von Buchdruckutensilien. In den 1870er-Jahren betrieb das Unternehmen 70 Gießmaschinen, Gießöfen und Klischiermaschinen und beschäftige 200 Personen. Abermals suchte man neue Betriebsräume und errichtete schließlich ein großes Fabrikgebäude in der Leipziger Brüderstraße 26/28. Die Fertigung von Maschinen nahm nun einen immer größeren Stellenwert ein und neben der Herstellung von Maschinen für die Druck wurden sogar Fahrstuhlanlagen gebaut. 

Fabrikgelände in der Brüderstraße 26/28. 
 
Auch im 20. Jahrhundert blieb das Unternehmen erfolgreich und wurde 1930 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen jedoch enteignet und ging schließlich im volkseigenen Betrieb Typoart auf. 
Die folgenden Abbildungen zeigen den Geschäftsbetrieb von Schelter & Giesecke gegen Ende des 19. Jahrhunderts und wurden zu Ehren des 75-jährigen Bestehens des Unternehmens angefertigt. 

Gießersaal, südlicher Teil

Abteilung für Handgießmaschinen


Abteilung für Schrift-Vollendmaschinen



Lagerräume für Schriftgießerei-Erzeugnisse


Hausdruckerei


Quelle für Texte und Bilder: »75 Jahre des Hauses J.G. Schelter & Giesecke in Leipzig« (1894) aus der Bibliothek der Pavillon-Presse Weimar
  • 14.196 Aufrufe
One to rule them all. Monotype zementiert nach den großen Übernahmen der letzten Jahre (Linotype, MyFonts) nun endgültig seine weltbeherrschende Stellung und übernimmt den letzten verbliebenen, »großen« Konkurrenten FontShop. Enthalten in der Übernahme sind sowohl die Foundry FSI FontShop International (mit Schriften wie FF Meta, FF DIN etc.), als auch das Vertriebshaus FontShop, das Schriften verschiedener Hersteller vertreibt. 
Damit sind nun alle große Schriftenshop in einer Hand: fonts.com, linotype.com, myfonts.com, fontshop.com – egal wo man bestellt, Monotype hat die Fäden in der Hand. Wie immer bei solchen Übernahmen beteuern die Presse-Mitteilungen, dass für die Kunden (zunächst) alles beim alten bleibt. Die FontShop-Marken und Aktivitäten (z.B. die TYPO-Konferenzen) sollen bestehen bleiben und ausgebaut werden. Doch wann haben sich solche Quasi-Monopole jemals als gut für den Kunden herausgestellt? Für mich ein trauriger Tag. Wie ist die Einschätzung der Community?
 
Zugehörige Links:
Monotype acquires FontShop International FontShop schließt sich Monotype (Fontblog.de) PAGE: Community-Stimmen I PAGE: Community-Stimmen II PAGE: Community-Stimmen III
  • 9.774 Aufrufe
Vier Jahre nach der letzten Hauptversion erscheint mit der Version 7.0 nun eine weitere große Erweiterung des Schriftzeichen-Standards Unicode, die 2834 neue Zeichen mitbringt und den Gesamtumfang der kodierten Zeichen damit auf 113.021 Zeichen erhöht. Einige der neuen Bildzeichen in Unicode 7.0 sorgen in der Berichterstattung für Erheiterung. Zu diesen Zeichen zählen zum Beispiel:
»Stinkefinger« U+1F595
REVERSED HAND WITH MIDDLE FINGER EXTENDED
»Vulkanier-Gruß« U+1F596
RAISED HAND WITH PART BETWEEN MIDDLE AND RING FINGERS
»Schwebender Geschäftsmann« U+1F574
MAN IN BUSINESS SUITE LEVITATING
Die Auswahl solcher Zeichen wirkt auf Außenstehende nicht selten verwunderlich oder gar willkürlich. Doch hinter der Aufnahme neuer Zeichen stehen langwierige Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse unter der Mitwirkung von Wissenschaftlern und nationalen und internationalen Normungsinstituten. 
Der schwebende Geschäftsmann hat es übrigens lediglich aus Kompatibilitätsgründen in den Unicode geschafft. Die weit verbreiteten Piktogramm-Fonts Webdings und Wingdings wurden in den Unicode aufgenommen und damit auch der im Webdings-Font enthaltene, »schwebende Geschäftsmann«, der laut Aussagen der Zeichnerin Jen Sorenson eine Art Ausrufezeichen angelehnt an Plattencover der Band The Specials darstellen soll.  

 Neben weiteren Bildzeichen und neuen Währungszeichen für Rubel und den Aserbaidschan-Manat wurden auch 23 neue Zeichensysteme aufgenommen: Altnordarabische Schrift, Altpermische Schrift, Bassa-Schrift, Duployé-Kurzschrift, Elbasan-Schrift, Grantha-Schrift, Kaukasisch-Albanische Schrift, Khojki-Schrift, Khudabadi-Schrift, Linearschrift A, Mahajani-Schrift, Manichäische Schrift, Mende-Schrift, Modi-Schrift, Mro-Schrift, Nabatäische Schrift, Pahawh Hmong, Palmyrenische Schrift, Pau Cin Hau, Psalter Pahlavi, Siddham, Tirhuta und Warang Citi. 
Mit 23 neuen Schriftsystemen ist dies die größte Anzahl neuer Systeme, die in einer Unicode-Version hinzugefügt wurden. Unicode 1.0 startete 1991 mit 24 Schriftsystemen. Die Erfassung aller Schriftzeichen der Welt wird also weiterhin konsequent vorangetrieben, auch wenn in der Berichterstattung der Fokus oft auf Piktogrammen bzw. Emoji liegt.  

Die Linear-Schrift A der minoischen Kultur Kretas ist nun auch im Unicode vertreten
 
Noch fehlen entsprechende Fonts, die die neuen Zeichen aus Unicode 7.0 anzeigen können. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass zumindest die neuen Symbole und Währungszeichen mit den nächsten größeren Betriebssystem-Aktualisierungen in Systemfonts aufgenommen werden. 
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Ende April 2014 fand in Weimar ein Typografie-Wochenende statt, das gemeinschaftlich von der Bauhaus-Universität Weimar und dem Druckgrafischen Museum Pavillion-Presse veranstaltet wurde. 
Laufweite 5,5 km
Am Samstag (26. April 2014) fanden sich rund sechzig Typografie-Interessierte im Rahmen der Tagung »Laufweite 5,5 km – Ein typografischer Spaziergang« in Weimar ein. Federführend bei Konzeption, Organisation und Durchführung waren Studierende des Fachbereichs Visuelle Kommunikation unter der Leitung von Dipl.-Designer Konstantin Wolf. Die Planung der Veranstaltung wurde vom Lehrstuhl Typografie der Fakultät Gestaltung durch Prof. Jay Rutherford und Gaby Kosa betreut. Namensgeber war einerseits die typografische Laufweite und andererseits die Laufweite im Sinne der Distanz zwischen den einzelnen Veranstaltungsräumen. Die Vorträge fanden bewusst an verschiedenen Standorten, wie dem Van-de-Velde-Bau der Bauhaus-Universität Weimar, dem Deutschen Bienenmuseum, der Eckermann Buchhandlung und der Galerie ACC statt, um abwechslungsreiche Wege zwischen den Programmpunkten zu gestalten, welche die Teilnehmer gemeinsam spazierend zurücklegten. 


Tagungseröffnung über den Dächern Weimars
 


Die Sprecher (hier Roland Stieger) hielten keine einstündigen Vorträge, sondern kurze, so genannte Impulsvorträge, die die Basis für anschließende Diskussionen bildeten.
 

Speed Reading – Jan Filek, Autor des Buches Read/ability
 




Friedrich Forssman verschafft sich Überblick
 

Die Publikumsdiskussionen (hier Jan Middendorp) waren Teil des Programms
 
Das Konzept ging voll und ganz auf. Durch diese offene Struktur wurde der ungezwungene fachliche und persönliche Austausch gefördert und die Grundlage für eine kommunikative Athmosphäre gelegt. Dies ermöglichte es den Teilnehmern unabhängig von Alter, Status oder Erfahrung miteinander inspirierende und sinnstiftende Gespräche zu führen. Die Tagungsteilnehmer beschäftigten sich mit aktuellen Fragestellungen aus den Bereichen Typografie, Buchgestaltung und Grafikdesign. Zu den Referenten zählten Fachleute wie zum Beispiel der Designer und Verleger Lars Müller (Zürich), der Typograf und Buchgestalter Paulus M. Dreibholz (London) und die Professorin für Designgeschichte und -theorie Petra Eisele (Mainz). Für mehr Informationen zu den Gästen, den diskutierten Inhalten sowie dem Format der Veranstaltung besuchen Sie: www.laufweite.info. 
Walbaums Schriftklassizismus
Am Sonntag (27. April 2014) schloss sich dann die Eröffnung der von Ralf Herrmann kuratierten Ausstellung »Walbaums Schriftklassizismus« in der Weimarer Pavillon-Presse an. Sie beleuchtete die Geschichte der Walbaum-Antiqua und verwandter klassizistischer Schriften unter besonderer Berücksichtigung des Antiqua-Fraktur-Streites im deutschen Sprachraum zur Zeit der Klassik. Ein PDF-Artikel als Nachlese zur Ausstellung kann hier heruntergeladen werden. 


  
(Laufweite Fotos: Hyojung Julia Seo)
  • 7.064 Aufrufe
Im April und Mai 2014 fand im Druckgrafischen Museum Pavillon-Presse in Weimar eine Ausstellung zu Justus Erich Walbaum und seiner berühmten Schrift Walbaum-Antiqua statt. Als eine Art Nachlese veröffentlicht Typografie.info nun ein 20-seitiges PDF, das die Inhalte der Ausstellung auszugsweise in einem kostenlos herunterladbaren Artikel zusammenfasst. Der Artikel befasst sich sowohl mit Walbaum und seiner bekanntesten Schrift, als auch mit dem Stil der klassizistischen Schriften und den Versuchen, sie im um 1800 im deutschsprachigen Raum zu etablieren. 
Zum PDF in unserem Download-Bereich. 
  • 7.484 Aufrufe
Der Film »Sign Painters« von Faythe Levine und Sam Macon beleuchtet die gut 150-jährige Geschichte der Schildermalerei in den USA. Die mehr als einstündige Dokumentation portraitiert einige der noch aktiven Schildermaler-Werkstätten und lässt deren Schildermaler ihre persönlichen Geschichten und die ihrer Zunft erzählen. Natürlich wird auch die Verdrängung der Schildermalerei durch Folienplotts thematisiert. 
Der Film kann für knapp 10 Euro online erworben und heruntergeladen werden. 





  • 11.239 Aufrufe
Nach der Iwan Reschniev entstand mit der Tyskland 45 ein weiterer Font direkt aus Diskussionen im Forum von Typografie.info. Im Januar diesen Jahres fragte Community-Mitglied Martin im Forum, ob es nicht praktisch wäre, wenn man eine Deutschland-Karte einfach als Font einsetzen könnte. Nach einer Diskussion der Vor- und Nachteile sowie der technischen Details machte sich schließlich Schriftgestalter Peter Wiegel ausgestattet mit Kartenmaterial von Martin ans Werk und erstellte den entsprechenden Font. 
Und so funktioniert es: 
Die Bundesländer werden einfach über ihre zweistelligen ISO-Codes (z.B. TH für Thüringen) eingegeben und können anschließend wahlweise mit Farben versehen werden. Weist man der Zeichenfolge nun das OpenType-Feature »Standardligaturen« zu, werden die Codes durch die Bundesländer-Grafiken ersetzt und übereinander gelegt. 

Zusätzlich hat man die Wahl zwischen 10 verschiedenen Hinterlegungen (Fläche, Schatten, Konturen, Rechteck, Oval …).  

 Die 45 im Schriftnahmen verweist darauf, dass die Schrift nicht nur für aktuellen Bundesländer eingesetzt werden kann, sondern auch alle Einteilungen bis zurück zum Jahr 1945 abdeckt. 

 Typografie.info-Mitglieder können den Font gratis in unserem Download-Bereich herunterladen. 
  • 10.843 Aufrufe
Vor 5 Jahren stellte der Ebner Verlag seiner etablierten PAGE eine Schwester-Zeitschrift zur Seite, die sich speziell dem Design und der Entwicklung bei den neuen interaktiven Medien verschrieben hatte. Nun wird dieses »WEAVE« genannte Magazin wieder eingestellt und fusioniert mit der PAGE, die fortan mit mehr Seiten und entsprechend neuen Rubriken erscheint. Im Zuge dieser Zusammenlegung hat sich die PAGE ein Redesign verpasst, das insbesondere die Typografie betrifft.  
Statt der technisch-nüchternen PTL Notes und PTL Magpage kommen fortan gleich drei recht unterschiedliche Schriften zum Einsatz: die Ingeborg und die FF Mark für Überschriften, Zitate, Bildunterschriften etc. sowie die FF Quadraat als neue Fließtextschrift. Das Layout wurde nicht grundlegend verändert, erscheint aber nun deutlich luftiger und betont die Typografie als Träger der visuellen Identität des Magazins. Für mich ein gelungener evolutionärer Schritt.  

Inhaltsverzeichnis der alten (links) und neuen PAGE (rechts)
 







  • 10.454 Aufrufe
1928 gab der Verein Deutscher Schriftgießereien zum Anlass seines 25-jährigen Bestehens die Broschur »Der Druckbuchstabe« heraus, in der in Versen und Holzschnitten von Karl Mahr die Entstehung von Bleilettern in Gießereien dargestellt wird. Wir präsentieren dieses Stück typografischer Zeitgeschichte hier in Onlineform.
 

 
Bald bin ich groß, bald bin ich klein,
bald fett, bald mager und bald fein.
Steh ich allein ſo muß ich ſchweigen;
doch in der Brüder trautem Reigen
ſing ich und dringe in die Herzen
und ſag von Freuden dir und Schmerzen
und nütze hier und ſchade dort,
bin Menſchenwiſſens treuſter Hort.
Vor fünf Jahrhunderten geboren
hab ich an Jugend nicht verloren.
Willſt du nicht freundlich mich betrachten
und meine Schönheit nicht beachten?
Bin doch in Künſtlers Haupt erdacht,
von mancher fleiß’gen Hand gemacht.
Schau her, hier kannſt du mein Entſtehen
in Wort und Bildern vor dir ſehen.
 

 
In ſtiller Klauſe ganz für ſich
wirkt hier an ſeinem Arbeitstiſch
mit ſcharfem Aug’ und Seelenruh
der Stempelſchneider immerzu.
Er formt mit Sticheln mancherlei
in harten Stahl, in weiches Blei
mit Feil’ und Gegenpunze bald
des Druckbuchſtabens Urgeſtalt,
wie ſie der Künſtler hat erdacht
und zeichnend zu Papier gebracht.
Der „Stempel“ wird das Ding genannt,
das alſo ſchafft die fleißge Hand.
Ihn brauchte man zu allen Zeiten,
um die Matrize zu bereiten,
in der im Inſtrument verſchloſſen
der Druckbuchſtabe wir gegoſſen.
 

 
Es ſchuf uns einſt die alte Zeit
viel Schönheit in Gemächlichkeit.
Doch das, was heute ſoll geſchehen,
muß fördern und geſchwinde gehn.
Zuviel an Zeit ging oft verloren,
bis Stempel un Matriz’ geboren;
und die Maſchine war erdacht,
die’s ſchöner nicht – doch ſchneller macht.
Auf der Schablone aufgelegt,
wird ſchnell der Führungsſtift bewegt,
und nebenan in Meſſing fein 
gräbt ſich das Bild verkleinert ein.
Hell ſurrend kreiſt des Bohrers Spitze,
und bald liegt fertig die Matrize.
Ein raſcher Handguß zeigt uns bald
des neuen Werkes Wohlgeſtalt.
 

 
Nie kann die Hand in unſern Zeiten
die vielen Stempel alle ſchneiden.
In kurzer Stunden raſchem Flug
wirkt ſie uns oft nicht ſchnell genug. 
Ein kleines Bohrwerk, klug erdacht,
hat raſche Hilfe hier gebracht.
Sieh hier, an der Schablone Rand
lenkt einen Stift die ſichere Hand.
Ein Stücklein Stahl bewegt ſich mit,
das trifft des Bohrers ſcharfer Schnitt
und formt darin fein ausgegraben
des Stempels Bild ſcharf und erhaben.
Gehärtet in des Feuers Hitze
prägt er die zierliche Matrize,
daß ſie im Innern der Maſchine
dem kleinen Werk als Gußform diene.
 

 
Hier ſiehſt du den Juſtierer ſchalten
und emſig ſeines Amtes walten.
Er prägt in Kupfer allzumal
des ſcharfen Stempels harten Stahl.
Die Mater, welche ſo entſtand,
prüft ſorgſam er mit Aug’ und Hand.
Und ſchafft, daß ſich in allen Fällen
die Lettern gut auf Linie ſtellen,
daß nicht das Schriftbild ſitze ſchief
und auch im Kupfer nicht zu tief.
Wenn dann die Mater gut gebettet,
wird ihr gewölbter Rand geglättet.
Wild kreiſeln dann des Fräſers Zähne,
hell funkeld rollen ſich die Spähne,
und ſpiegelblank nach kurzer Zeit
liegt die Matrize – gußbereit.
 

 
Schau her, was hier die würdge Hand
des alten Gießers hält umſpannt:
Ein klein Gehäus aus Holz und Stahl
ſchlicht und beſcheiden allzumal.
Hans Gutenberg hat’s einſt erdacht
und uns viel Gut’s damit gebracht
und hat damit die Welt erregt
und aufgewühlt und fortbewegt.
Ein halb Jahrtauſend iſt verfloſſen,
da man zuerſt drin Schrift gegoſſen.
Selbſt heut noch nimmt es dann und wann
zum Probeguß der Arbeitsmann.
Auch heut noch uns entgegenlacht
der alten Lettern Jugendpracht.
Und wie beſcheiden ſieht doch aus
ſolch ew’ger Schönheit Elternhaus.
 

 
Hier endlich ſtehn im weiten Saal
der Gießmaschinen große Zahl.
Um ſie, die fauchenden, zu pflegen,
ſieht kräftge Männer man ſich regen
mit Nerven ſtark und Leibern breit
gleich Recken aus entſchwundner Zeit.
Metall ſchmilzt in den Tiegeln heiß,
auf mancher Stirne perlt der Schweiß,
und ziſchender Maſchinenſtoß
erzeuget in der Mater Schoß
ein klein Gebild ſcharf und erhaben,
den ſilberkblanken Druckbuchſtaben.
Und fertig – rein wie neues Geld
bringt ihn ein zweiter Stoß zur Welt
und ſetzt ihn auf der Leiſte breit
den ſchmucken Brüdern an die Seit’.
 

 
Wie ſchwer war’s, endlich zu erreichen,
der Schriften Höhe auszugleichen,
bis die Maſchinen aller Welt
auf eine Norm man eingeſtellt!
Doch gibt’s noch manche Drucker eben,
die lieber in Vergangnen leben,
die, ehrfurchtsvoll vorm guten Alten,
ſich eine eigne Höhle halten.
Der Höhenfräſer heißt der Mann,
der helfen hier und wirken kann.
In ſeinen Tiſch wird raſcher Hand
die neugegoſſ’ne Schrift geſpannt;
der Fräskopf wandert ſeine Bahn,
und ſchnurrend ſchält er Spahn für Spahn.
Wenn dann des Fräſers Werk geſchehn,
bleibt er gehorſam ſtille stehn.
 

 
Von allem, was wir Menſchen kennen,
was darf man frei von Fehlern nennen?
Und wer dem bloßen Schein vertraut,
hat leichten Sinn’s auf Sand gebaut.
Wo treu der Fertigmacher wacht,
dahin wird nun die Schrift gebracht.
Den wackern Alten blendet nimmer
der Dinge äußrer Glanz und Schimmer.
Doch unerbittlich prüft ſein Auge,
ob auch das Stück zum Werke tauge.
Und hat beim Guſſe ſich inzwiſchen
ein winzger Makel eingeſchlichen,
der wird von kundger Hand beherzt
verbeſſert gleich und ausgemerzt.
Erſt wenn vom Werk ſein Blick ſich wendet,
dann weißt du wohl, – es iſt beendet.
 

 
Nun liegen ſauber ausgerichtet,
auf flachen Stäben aufgeſchichtet
die Druckbuchſtaben, ſchlank und fein,
zum letzten Mal in blanken Reih’n.
Sie löſt aus ſilberhellem Band
bald eine flinke Frauenhand;
nach Art und Sprach’ in neuem Sinn
ſetzt ordnend ſie die Teilerin.
Umbunden in beſondrer Weiſe,
gar wohlverpackt für weite Reiſe,
ſo ſteht die Schrift jetzt Satz für Satz,
zur Fahrt bereit auf ihrem Platz.
Bald zieht ſie weg wohl aus dem Haus
und wandert in die Welt hinaus
und wird im Gleichgang der Maſchinen
dem, der ſie ſchuf, dem Menſchen dienen.
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Im November 2013 hat 53 den extra für ihre iPad-App Paper entwickelten Stift Pencil vorgestellt. Dieser Artikel zeigt Bilder vom Auspacken und testet den Stift auf Herz und Spitzen. Die Leitfrage ist dabei, wie präzise man mit dem auf dem iPad zeichnen kann und ob Pencil und Paper Stift und Papier ersetzen können.
Kaufen und Vorfreude
Im Moment ist Pencil ausschließlich in den USA und Kanada erhältlich und kostet etwa 50 US-Dollar in der Graphit- und 60 US-Dollar in der hier zu zeigenden Echtholz-Version – das sind aber Einführungspreise. Weil ich nicht auf eine scheinbar geplante Verfügbarkeit in Deutschland warten will, habe ich mir den Stift von einem Freund aus Amerika schicken lassen so dass zum Verkaufspreis noch knapp 10 Dollar Versand sowie weitere 9 Euro EU-Steuern dazu kamen. Wegen der laut Webseite großen Nachfrage im Vorweihnachtsgeschäft hat die Lieferung innerhalb Amerikas etwas länger gedauert und ich musste dann noch bis Januar warten, ehe der Stift zu mir geschickt werden konnte. Heute kam endlich das ersehnte Päckchen und ich war gespannt, ob der Stift hält, was der Hersteller verspricht –  zur Einstimmung das entsprechende Werbevideo:
Pencil / Think With Your Hands from FiftyThree on Vimeo.
 
Ich werde versuchen, meine Erfahrungen so genau wie möglich zu beschreiben und den Stift zu analysieren. Eins noch vorweg: ich kann auch mit einem richtigem Stift auf richtigem Papier nicht zeichnen, werde also keine »Was-alles-geht-Beispielbilder« einstellen. Derartige Werke kann man sich auf der Herstellerseite in der Rubrik Made with Paper ansehen, wobei sich das auf die App bezieht und nicht sichtbar ist, mit welchem Eingabegerät der jeweilige Künstler gearbeitet hat.
Ich werde nur recht knapp auf die Funktionen der App selbst eingehen, kann das aber bei Bedarf gerne nachreichen.
Ich stelle hier nur ausgewählte und verkleinerter Bilder ein; höhere Auflösungen und auch noch mehr Bilder findet ihr in einem meiner externen Alben. 
Auspacken und Aufladen
Der Stift kommt zusammen mit der Bedienungsanleitung und je einer Ersatzspitze für vorne und hinten in einem hübschen Pappzylinder. 

 Nach dem auspacken muss man die Stiftsitze aus dem Gehäuse ziehen, um den eingebauten Akku direkt über USB für 90 Minuten aufzuladen.


Material und Verarbeitung
Schon beim ersten Blick fällt die ungewöhnliche Form des Stiftes auf. Laut Webseite ist er in Anlehnung an Zimmermansbleistifte nicht rund sondern rechteckig im Querschnitt. Das verhindert zwar, dass der Stift vom Dachstuhl – und natürlich auch vom Tisch – rollt, dadurch liegt er aber nicht ganz so schön in der Hand, wie es meine von runden Stiften gewohnt ist. Ich scheine mich aber bereits nach wenigen Strichen an das minimal andere Haltegefühl zu gewöhnen. Das Holz fühlt sich gut an und ist sauber geschliffen ansonsten aber scheinbar nicht weiter behandelt. Die Spitze(n) sind aus Gummi, dass als Haut über einem Innenleben liegt. Sehr schön ist das aus Metall bestehende und in das Holz eingelassene 53-Logo.

 Die Verarbeitung ist insgesamt recht zufriedenstellend und dem Preis angemessen. Was mir nicht ganz so gut gefällt ist die Passgenauigeit von Gummispitzen und Holz, aber das ist vermutlich eher Materialbedingt und liegt weniger an fehlender Sorgfalt beim Hersteller, zumal man das auch noch etwas zurechtrücken kann.
Insgesamt ist Pencil für einen Stift recht schwer aber auf keinen Fall zu schwer und er fühlt sich (auch dadurch) hochwertig an.  
Die Holzversion ist mit einem Magneten ausgestattet, mit dem man Pencil am iPad befestigen kann. Dieser Haltemechanismus scheint auch durch die circa einen Millimeter dicke Lederhaut meines iPads recht fest zu halten, taugt aber vermutlich dennoch nicht um Stift und Werkzeug sicher gemeinsam in einer Tasche zu verstauen oder anderswie zu transportieren.
Der erste Kuss

 Nach dem der Stift geladen und wieder zusammengebaut ist, muss man ihn über das Kiss-and-pair-Verfahren mit der App verbinden. Das bedeutet, man drückt mit der Stiftspitze auf ein dafür vorgesehenes Icon in der App und die Bluetooth-Verbindung wird hergestellt. Das ist nötig, damit die App zwischen Stift und Finger unterscheiden kann und die Handballenerkennung ihren Dienst tuen kann.
Wenn man sich nicht in der App befindet, bzw. der Stift nicht verbunden ist, funktioniert er wie ein gewöhnlicher Stylus und kann somit als Fingerersatz auch zur Bedienung aller andern (Zeichen-)Apps verwendet werden, dann funktionieren allerdings die Unterscheidung zwischen Stift und Hand, also auch die Handballenerkennung, und das Radiergummi nicht. Randnotiz: Man kann mit dem Stift auch das Trackpad (m)eines MacBooks bedienen.
Über das Kiss-Icon kann man die Verbindung auch wieder trennen. Inwiefern Pencil mit seinem Akku haushaltet, kann ich nicht sagen; es gibt jedenfalls keinen Ein-/Ausschalter am Gerät selbst. Laut Hersteller reicht eine Akkuladung für einen Monat normale Benutzung. 
Schreiben, Zeichnen, Malen …
Die zugehörige App Paper bietet fünf Werkzeuge, einen Radiergummi und wenn Pencil benutzt wird zusätzliche die Möglichkeit mit den Fingern zu verwischen. Das Radiergummi kann man entweder über die Werkzeugbox aufrufen oder die Rückseite vom Stift verwenden. Außerdem gibt es mehrere Paletten mit jeweils sieben Farben und einen Farbmischer. Die gemischten Farben kann man zur späteren Verwendung in einer der bestehenden Paletten ablegen oder man stellt eine neue Palette zusammen. Über den Mischer kann außerdem ein HSB-Farbwähler aufgerufen werden. 

 Nun aber zum der interessanten Frage, wie gut der Stift denn tatsächlich ist. Ich habe bereits oben erwähnt, dass die Spitze aus einem Gummimantel und einem Innenleben besteht – das ist auch schon das größte Problem des Stifts. Die Spitze ist eben leider nicht aus Vollgummi sondern sehr beweglich und hat beim Aufdrücken ca. einen Millimeter Spiel, ehe das Innenleben dem aufsetzenden Stift einen Widerstand bietet. 

 Das führt besonders beim Schreiben dazu, dass man zwar das Innenleben zwischen den Buchstaben absetzt, aber nicht unbedingt die ganze Spitze, ergo sind alle Linien miteinander verbunden. Wenn man langsamer schreibt und nicht zu fest aufdrückt bzw. weit genug abhebt, wird es lesbarer. Über die Lupenfunktion sind auch kleinere Buchstaben und feine Detailzeichnungen möglich. 

 Beim Zeichnen scheint der Stift recht präzise umzusetzen, was man auf der Glasoberfläche macht und hat einen angenehmen Reibungswiderstand – ich habe nicht das Gefühl auf einer glatten Oberfläche zu schlittern, aber der Widerstand zwischen echtem Papier und Stiften ist schon noch spürbar größer. Allerdings habe ich das Gefühl, dass der virtuelle Strich der Stiftspitze einen kleinen Hauch hinterherhinkt.
Bluetooth-Verbindung sei dank, bietet Paper wie oben schon erwähnt eine Handballenerkennung, so dass man wie auf analogem Papier die Hand auflegen kann (das ist bei der Arbeit mit einem Stylus im Allgemeinen keinesfalls selbstverständlich). Die Unterscheidung zwischen Stift und Hand funktioniert allerdings nicht so perfekt wie ich es mir wünschen würde. Unter der Hand bilden sich manchmal Farbflecken und soeben mit dem Stift gezogene Striche fallen einer Falscherkennung zum Opfer und verschwinden wieder. Das liegt – so vermute ich – daran, dass der Stift druckempfindlich meldet, wenn er benutzt wird. Fühlt der Stift sich nicht aufgesetzt, verschwindet die Linie wieder. Das Problem kann man also durch den richtigen Schreibdruck umgehen und vielleicht brauche ich auch einfach noch ein wenig Übung.
Ein Ähnliches Problem tritt beim beim Radieren mit der Stiftrückseite auf. Fast jedesmal wird zunächst der Verwischen-Modus verwendet, weil die App die Rückseite als normalen Finger erkennt und man muss dann etwas fester aufdrücken, um wirklich zu radieren – vielleicht ist das aber ein Feature und kein Bug, um einen echten Radierer nachzuempfinden.
Obwohl der Stift merkt ob er gedrückt wird oder nicht, gibt es beim Zeichnen keine Druckstufen. Die Strichstärkenunterschiede resultieren allein aus der Programmierung der Zeichenwerkzeuge. So ist die Füllerlinie in der Mitte breiter, die Fineliner-Llinie an den Enden dicker und der Bleistift je nach Zeichengeschwindigkeit stärker oder schwächer aufgedrückt dargestellt.
Auf der Homepage wird davon erzählt, dass die besondere Form der Zimmermannsbleistifte viele Haltemöglichkeiten (dicke Linie, dünne Linie, schraffieren) ermöglicht, man kann natürlich auch den Pencil in allen möglichen Varianten halten, die Art, wie der virtuelle Stift dann auf das virtuelle Papier aufsetzt, ändert sich aber kein Stück. Man kann also nicht mit flächig aufgesetzter Bleistiftmine Flächen schraffieren (siehe die zackigen Linien im Testbild). Das einzige was scheinbar minimal auf die Haltung reagiert ist der Radierer an der Rückseite, allerdings kann man nicht so große Strichstärkenunterschiede erzeugen, wie die Geometrie suggeriert und das entsprechende Bild auf der Herstellerseite zeigt. 
Von diesem Problem abgesehen, arbeitet der Stift aber zuverlässig und zeichnet präzise. In meinem Testbild habe ich die geraden Linien hinter den Werkzeugnamen mit einem realen, analogen Lineal gezogen und die sind meinen Erwartungen entsprechend und meinen Ansprüchen genügend gerade geworden. Auch Kurven scheinen exakt und und ohne Wellen oder Kracken exakt wiedergegeben zu werden. In der »Polygonfigur« (unten rechts im Testbild) habe ich experimentiert, wie leicht man wieder an das Ende einer bereits gezogenen Linie ansetzen kann, denn das war ohne Stift fast unmöglich. Mit Pencil geht es in vielen Fällen gut, aber wegen der verhältnismäßig dicken Spitze nicht immer ganz haargenau. 
Fazit
Ich würde sagen, dass der Stift sein Geld durchaus wert ist, aber den Entwicklern – auch softwareseitig – noch Luft nach oben lässt. Wer auf dem iPad hauptsächlich schreiben will, sollte sich nach einem anderen Stift mit dünnerer Spitze umsehen. Zum Skribblen, Zeichnen und Malen funktioniert Pencil aber gut und ist ein schön anzusehendes Werkzeug. Besonders in Kombination mit einem zweiten Stylus für feinere Arbeiten denke ich kann man mit Paper auch auf dem iPad zu schönen Zeichnungen kommen, wie man auch an den unendlich vielen Beispielbildern auf der Herstellerseite sehen kann.
Zumindest für mich sind Pencil und Paper kein vollwertiger Ersatz für analoge Werkzeuge, weil Pencils Stiftspitze sich nicht der gewählten Werkzeugspitze anpassen kann und häufig zu dick ist – bei einem echten Bleistift ist das anders. Auch die Möglichkeit verschiedene Zeichentechnicken, wie flach aufgesetzte Miene etc., und eine Druckempfindlichkeit vermisse ich. Zumindest letzteres wäre nach meinem Gefühl im Preis noch mit drin gewesen.Mehr Informationen zu beiden Produkten gibt es auf http://www.fiftythree.com. Was mit der App, auf die ich hier ja nicht weiter eingegangen bin, alles geht, kann man sich auf der Support-Seite ansehen.
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Erst vor kurzem haben wir das Buch über die Münchner Schildermalertradition des Herstellers Blaschke vorgestellt. Nun legt auch Berlin nach – und nochmal einen drauf. Das Buch »Karbid, Berlin – de la lettre peinte au caractère typographique« beschäftigt sich mit der Berliner Schildermalertradition.  
 Ausgangspunkt für das Buch ist ein Projekt von Verena Gerlach. In den 1990er-Jahren durchstreifte sie den Nordosten Berlins zwischen Hackeschem Markt und ihrer damaligen Hochschule, der KHB in Weißensee und hielt dabei die zahlreichen erhaltenen Schriftmalereien fotografisch fest. Viele waren bereits vor dem 2. Weltkrieg entstanden und hatten im Ostteil der Stadt bis in den 1990er-Jahre überlebt. In der Auseinandersetzung mit diesen Inschriften entwickelte Verena Gerlach schließlich die Schrift Schrift FF Karbid (siehe Font-Wiki). 


 Der Name Karbin stand auch für das hier vorliegende Buch Pate. Darin werden sowohl die Schrift präsentiert als auch Verena Gerlachs »Buchstabenportraits« ausgebreitet, deren dokumentarischer Wert heute um so bedeutender ist, als die Auslöschung der alten Inschriften durch Renovierungsmaßnahmen nunmehr fast gänzlich abgeschlossen ist. Die Serie von Vorher-Nachher-Bilder am Ende des Buches belegt dies eindrucksvoll. 


 Einführende Worte gibt es zunächst von Fred Smeijers und Sébastien Morlighem. Den Hauptteil des Buches machen neben den Bildern Gerlachs die zwei Essays von Fritz Grögel aus.
Die Schrift der Maler – Zu Geschichte und Formen des deutschen Letterings.
Zeugen des Alltags – Berliner Schriftenmalerei im Portrait
Grögel setzt sich also sowohl mit der Geschichte der Schildermalerei im Allgemeinen auseinander, als auch spezifisch mit den diesbezüglichen Entwicklungen in Berlin. Dies ist insbesondere deshalb interessant, da die Beschriftung im öffentlichen Raum trotz ihrer Omnipräsenz im Alltag im Fachbereich der Typografie meist links liegen gelassen wird, da es hier vornehmlich um die Drucktypografie mit Satzschriften geht. Somit ist die Recherche-Arbeit Grögels umso wertvoller, da sie mit vielen interessanten historischen Details aufwarten kann, die sich in gängigen Typografie-Büchern kaum finden werden. 


 Das größtenteils zweifarbig gestaltete Buch ist natürlich selbst auch in FF Karbid gesetzt und fungiert somit gleichzeitig als Schriftmusterbuch für die Karbid-Schriftsippe. Genau dies bereitete mir beim Lesen jedoch auch ein bisschen Unbehagen. Einerseits ist die Karbid nicht wirklich eine perfekte Fließtext-Schrift. Ihre eigenwilligen Details, die im Sinne ihres Ursprungs in Schildermalerschriften verständlich sind, lenken im Fließtext doch noch ziemlich ab – auch wenn sie in der Unterfamilie FF Karbid Text deutlich zurückgenommen sind. Und andererseits erzeugte diese Mischung aus Schriftmusterbuch und Fachbuch auch einen gewissen inhaltlichen Konflikt zwischen dem werblichen Nutzen eines Schriftmusters und dem rein fachlich und sachlich informierenden Inhalt der Texte.
»Karbid« ist dreisprachich (Deutsch, Französisch und Englisch) gesetzt und bei Ypsilon Éditeur erschienen. Das Buch kann direkt beim Verlag bestellt werden.
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FontLab hat die vierte Version seines Fontkonvertierungsprogrammes TransType für Windows (ab XP) und Mac OS X (ab 10.6.8) veröffentlicht. Die aktuelle Version wurde von Grund auf neugeschrieben und unterstützt nun auch Webfonts und farbige Desktopschriften. 
 Zwar muss man heute zum Glück nur noch selten zwischen PC- und Mac-Fonts konvertieren, aber Bedarf für Schriftkonvertierungen gibt es weiterhin. TransType macht diese Arbeit besonders einfach und bequem. Einem leidigen Problem, dem sich die Entwickler dabei besonders angenommen haben, ist die Stilverlinkung von Schriftfamilien. Per Ziehen und Ablegen können verschiedene Fonts ganz einfach zu Familien verknüpft, oder aus Familien herausgelöst werden. TransType kümmert sich selbstständig im Hintergrund um die komplexen Änderungen in den Fonts, die dazu nötig sind und stellt somit sicher, dass die Fonts system- und programmübergreifend funktionieren.  

 Außerdem lassen sich nun auf sehr einfache Weise Webfont-Pakete exportieren, ohne dass man dazu seine Fonts zu einem Webservice wie Fontsquirrel hochladen müsste.  

 Neu hinzugekommen ist die Unterstützung für farbigen Desktopschriften. In den letzten Jahren ist in diesem Bereich viel passiert, jedoch gibt es bislang kaum herstellerübergreifende Lösungen. Apple, Google, Microsoft und Adobe/Mozilla bieten entsprechende, jedoch inkompatible Lösungen. Transtype 4 schafft hier zumindest einige Konvertierungsmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang hat FontLab auch auch das kostenlose Programm FontLab Pad veröffentlicht, mit dem sich unter Windows und Mac OS X farbige Fonts der verschiedenen Formate innerhalb des Programm setzten und dann als PNG oder PDF exportieren lassen – selbst bei jenen Formaten, die das Betriebssystem gar nicht nativ unterstützt.  

 Und wer nicht nur zwischen Formaten wechseln will, sondern auch in das Aussehen der Schriften eingreifen möchte, findet nun eine Reihe von Filtern vor, die Buchstaben der gewählten Schriften verzerren, aufrauen, abrunden, weichzeichnen etc.  

 Unterstütze Formate beim Import:
Einfarbig: OpenType PS (.otf), OpenType TT / TrueType (.ttf), TrueType Collections (.ttc), CID-keyed OpenType PS (.otf), PostScript Type 1 (.pfb, .pfa, .pfm, .afm, .inf), Mac Schriftkoffer (LWFN, FFIL), SVG fonts (.svg), Multiple Master fonts
Mehrfarbig: OpenType TT (.ttf) mit Adobe/Mozilla-SVG-Tabelle, Apple-SBIX-Tabelle, Microsoft-COLR/CPAL-Tabelle, Google-CBDT/CBLC-Tabelle; Photofont (.phf); SVG fonts (.svg)
Sonstige Formate: Unified Font Objects 2 (.ufo), FontLab files (.vfb), Ikarus (.ik), Web Open Font Format (.woff), EOT (.eot), Adobe FDK for OpenType (.fea), ZIP archives (.zip) TransType 4
Unterstütze Formate beim Export:
Einfarbig: OpenType PS (.otf), OpenType TT / TrueType (.ttf), PostScript Type 1 (.pfb, .pfa, .pfm, .afm, .inf)
Mehrfarbig: OpenType TT (.ttf) mit Adobe/Mozilla-SVG-Tabelle, Apple-SBIX-Tabelle, Microsoft-COLR/CPAL-Tabelle
Webfonts: Web Open Font Format (.woff), EOT compressed (.eot), SVG fonts (.svg)
 TransType 4 kostet 97,– US-Dollar. Eine 7-Tage-Testversion kann gratis geladen werden: http://www.fontlab.com
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Jan Filek studierte Kommunikationsdesign an der FH Düsseldorf. Dort entstand als Diplomarbeit das Buch Read/ability, das 2013 im in überarbeiteter Fassung im Niggli-Verlag erschienen ist. Es ist in etwa vergleichbar mit dem englischsprachigen Buch Reding Letters und bietet wie dieses ein Bestandsaufnahme zu Wesen und Forschung der Leserlichkeit bzw. Lesbarkeit von Schrift aus der Sicht der Schriftanwendung, insbesondere im Grafikdesign-Bereich.
 


 
Das Buch gliedert sich in drei Bereiche: Lesen, Forschen und Gestalten. Im ersten Teil des Buches wird der menschliche Leseprozess näher beleuchtet. Wie läuft das Lesen auf physiologischer und kognitiver Ebene ab und welche Effekte sind dabei zu beobachten? Im zweiten Teil wird die Forschung der Lesbarkeit thematisiert und auch deren Nutzen und Verlässlichkeit infrage gestellt. Im letzten Teil des Buches geht es dann an die praktische Seite: die einzelnen Schrift- und Satzparameter (x-Höhe, Buchstabenabstände, Schriftgröße, Satzarten, Serifen usw.) werden auf gut 80 Seiten detailliert im Sinne der Forschungsergebnisse besprochen.
 


 
Das Buch kann insgesamt überzeugen. Für ein Buch, das auf eine Hochschularbeit zurückgeht ist es sehr fundiert und umfassend. Das Thema wird sehr sachlich auf Basis der aktuellen Forschungsergebnisse aufgearbeitet, ohne die leidigen Mythen um die Lesbarkeit zu wiederholen, die sich seit Jahrzehnten durch die typografische Fachliteratur ziehen. Ebenso sachlich wie die (natürlich passenderweise) sehr gut leserlich gesetzten Texte in Avenir zeigt sich auch die Gestaltung des Buches.
Den einzigen Kritikpunkt kann man nicht dem Autor, sondern dem Stand der Forschung an sich anlasten: Auch nach Jahrzehnten der Forschung und also auch nach dem Lesen dieses Buches bleiben klare Antworten zu den Parametern möglichst leserlichen Schriftsatzes aus. So kann auch dieses Buch kein Lehrbuch sein, dass dem Leser klare Empfehlungen an die Hand gibt. Das Buch beschränkt sich auf eine Dokumentation aus der sich allenfalls Indizien ableiten lassen, die dann im gekonnten gestalterischen Zusammenspiel zu guten Ergebnissen führen können.
Positiv hervorzuheben ist auch, dass hier nun erstmals ein aktuelles deutsches Buch zu diesem Thema vorliegt, das einen leicht verständlichen Zugang zu den Forschungsergebnissen bietet, die ja ansonsten nur in »Wissenschaftsenglisch« verfügbar sind. Auch die lokalen Besonderheiten wie die DIN 1450 zur Leserlichkeit von Schrift werden übrigens im Buch berücksichtigt.
 

 
Read/ability von Jan Filek Umfang: 200 Seiten Broschur mit umgelegtem Umschlag 60 Abbildungen Format: 18,6 × 24,4 cm Sprache: Deutsch Preise: CHF 48,– / 38,– Euro (Deutschland) / 39,10 Euro (Österreich)  ISBN 978-3-7212-0879-5 Weitere Buchvorstellungen gibt es in unserem Wiki
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Christian Thalmann ist ein promovierter Astrophysiker aus der Schweiz, der aktuell am Institut für Astronomie der ETH Zürich arbeitet. Eines seiner Hobbys ist die Schriftgestaltung. Seit Anfang 2013 bieten er über sein Label Catharsis Fonts eigene Schriften an, die bereits viel Lob erhalten haben. Typografie.info führte ein Interview mit dem vielversprechenden Newcomer.
Eine Physikerlaufbahn und Schriftgestaltung haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Wie bist du zur Schrift gekommen?
Ich finde Schriftgestaltung eigentlich eine ideale Ergänzung zur Physik. Einerseits kann ich so nebenbei meine kreative Ader ausleben, was ich bei einem »kopflastigen« Beruf wichtig finde. Andererseits ist Schriftgestaltung unter den bildenden Künsten wohl eine der exaktesten und technischsten, sodass auch meine analytische Seite zum Zug kommt.

Die Schrift Backstein

Schriften haben mich schon seit der Zeit unseres ersten Familien-Macs mit sechs mitgelieferten Schriftfamilien interessiert. Die Motivation zum Selbermachen kam dann während eines Urlaubs in Neuseeland. In den gemütlichen Frühstückscafés fielen mir die oftmals von Hand mit Kreide gemalten Menütafeln auf. Ich begann, den Stil auf Papier nachzukritzeln. Zuhause dann bastelte ich daraus zwei Zeichensätze. Es folgten noch ein paar weitere Schriften. Aus heutiger Sicht waren sie alle sehr krud, aber kostenlos, und wurden daher rege heruntergeladen.
Danach war erst einmal ein paar Jahre lang Pause. Vor einem Jahr dann schlug die Inspiration abermals ein, als ich auf einem Buchumschlag einen in FF Quadraat gesetzen Titel bewunderte. Das hat mir vor Augen geführt, wie unterschiedlich und charaktervoll sogar die scheinbar »neutralen« Textschriften sein können, und andererseits auch, wie wenig ich von der Schriftgestaltung verstand.

Die Schrift Gryffensee


Da du keine Ausbildung oder kein Studium im Designbereich absolviert hast: Wie hast du dir dein Wissen über Schriftgestaltung angeeignet?
Am meisten hat mir zweifelsohne die Interaktion mit anderen Schriftgestaltern gebracht, vor allem über das Forum von Typophile.com.  Ich habe jeweils meine Entwürfe zur Schau gestellt und viel konstruktive Kritik erhalten – viel Kritik, aber auch Ermunterung, sonst hätte ich wohl bald wieder aufgegeben. So lernte ich einen Anfängerfehler nach dem anderen zu vermeiden.
Auch die neuen Software-Tools haben ihren Teil beigetragen. Der Wechsel von FontForge auf Glyphs hat meinen Workflow extrem erleichtert. Dank SpeedPunk und RMX Tools kann ich nun unschöne Kurven erkennen und ausmerzen. Anfangs habe ich auch Igino Marinis iKern-Dienst beansprucht, doch seit ich Glyphs benutze, finde ich das Zurichten und Kerning dermaßen bequem und schmerzlos, dass ich es lieber selber mache.

Die Schrift Maestrale


Wie ist es als Typografie-affiner Schriftgestalter in der akademischen Wissenschaftswelt? Ärgern dich Power-Point-Präsentationen mit mangelhafter Typografie und Paper in Computer Modern? Und steckst du deine Kollegen schon mit deiner Begeisterung für Typografie an?
In der Tat kriegt man in Sachen Power-Point-Präsentationen und Konferenz-Poster zuweilen ganz fürchterliche typografische Verbrechen zu sehen. Computer Modern an sich stört mich nicht; ich empfinde sie als sachlich und funktional. Viel eher habe ich Mühe damit, wenn zum Beispiel Bindestriche anstelle von längeren Strichen eingesetzt werden … dabei wäre das in LaTeX nun wirklich keine Kunst!
Während meiner letzten Anstellung in Holland ist es mir in der Tat aufgefallen, dass viele meiner Kollegen ein latentes Interesse an Typografie hatten, das freigesetzt wurde, sobald sie mit dem Thema in Kontakt kamen. Wenn man erst mal ein Auge für Schriften entwickelt, sieht man plötzlich überall allerlei Interessantes.

Die Schrift Octant


Deine Schriftentwürfe sind stilistisch vielfältig und eigenständig. Augenscheinlich schielst du kaum auf Bestseller-Listen und bist nicht daran interessiert, vielbetretene Wege in der Schriftgestaltung zu beschreiten. Woher stammt die Inspiration für deine Entwürfe?
Ich betreibe Schriftgestaltung als Hobby, und somit geht es mir in erster Linie ums Ausleben kreativer Impulse, nicht ums Optimieren von Verkaufszahlen. Daher habe ich kein Interesse daran, noch eine geschmacksneutrale Sans mehr zu produzieren. Als Amateur wäre ich sowieso im Nachteil, wenn ich mich in einem übersättigten Markt mit den erfahrenen Profis anlegen würde. Hingegen fällt es mir als Quereinsteiger vielleicht leichter, mich über althergebrachte Weisheiten hinwegzusetzen, unkonventionelle Ideen zu verfolgen und neue konzeptuelle Nischen zu ergründen.
Mit der Inspiration verhält es sich bei jeder Schrift anders. Einige meiner Schriften sind ganz konkreten Vorbildern nachempfunden, wie etwa die Volantene Script oder die Blumenkind. Meine aufwändigeren Projekte aber entstammen aber oftmals einer spontanen Eingebung, zum Teil mit unerwarteten Wendungen. Die Idee zu Octant entstand zum Beispiel beim Versuch, eine organische Buchschrift im Stile von FF Quadraat zu schaffen. Nach einigen frustrierenden Entwürfen für den Buchstaben »a« zeichnete ich eine Version mit vom Grundstrich abgelöster Punze. Dies passte zwar gar nicht zu meinem ursprünglichen Vorhaben, aber mir gefiel die schamlos unkonventionelle Architektur. Der Rest von Octant entstand einfach durch das Anwenden der selben Architektur auf die anderen Buchstaben der humanistischen Serifenschrift. Die Idee zu Maestrale hingegen kam ungebeten beim frischen Minztee im Café Petterson in Leiden.

Mit welchen physischen und digitalen Werkzeugen arbeitest du beim Schriftentwurf?
Die Grundidee entsteht oft beim Krakeln mit dem Kugelschreiber, aber sobald ich mich entscheide, ein Projekt zu verfolgen, wechsle ich auf die digitale Ebene. Dort muss ich nicht gleich neu anfangen, wenn mir ein Strich missrät, sondern kann jeden Punkt verschieben, bis er sitzt. Ich zeichne all meine Schriften von Grund auf in Glyphs.  Ich finde das Interface sehr intuitiv. Das Nachzeichnen eingescannter Buchstaben ist nichts für mich.

Anfangs waren meine Kurven noch oftmals grobschlächtig. SpeedPunk und die RMX Tools haben mir da sehr geholfen. Mittlerweile habe ich ein Auge dafür entwickelt und muss mich nicht mehr oft auf die Tools verlassen. Auch das Zurichten und Kerning mach ich heutzutage am liebsten selber.

Gerade ist Deine Brilliance erschienen, die du als »glamouröse gebrochene Schrift« betitelt hast. Bitte erzähle uns etwas mehr über die Entstehung dieser Schrift!
Die Idee zu Brilliance entstand beim Üben mit der breiten Feder (Pilot Parallel Pen). Von meiner früheren (digitalen) Arbeit an Gryffensee war ich mit den Grundprinzipien der gebrochenen Schrift recht vertraut und konnte somit gleich losschreiben. Zunächst folgte ich den klassischen Proportionen zwischen Federbreite und Buchstabenhöhe. Dann kaufte ich mir eine zweite, schmalere Feder, um kleiner schreiben zu können, und bemerkte, dass sich das Schriftbild stark änderte, wenn ich die schmale Feder benutzte, um in der ursprünglichen Schriftgröße zu schreiben. Die Schrift wirkte so luftiger und eleganter als die Textura. Der Ansatz gefiel mir gut genug, um daraus ein Fontprojekt zu machen.


Brilliance unterscheidet sich von meinen bisherigen Schriften insbesondere dadurch, dass ein Großteil der Gestaltungsarbeit auf Papier stattgefunden hat. Fürs »A« hab ich zum Beispiel eine ganze Seite mit Entwürfen gefüllt. Dank der kalligrafischen Feder ging das recht flott von der Hand. Eingescannt habe ich aber nichts; alle Buchstaben sind in Glyphs anhand der Papiervorbilder von Grund auf neu konstruiert.
Alle deine kommerziellen Schriften verfügen über ein großes Eszett. Wie stehst du persönlich zu diesem, ja immer noch strittigen Buchstaben?
Als Schweizer bin ich ohne das Eszett aufgewachsen, und habe es immer als überaus kurios, altertümlich und sinnfrei angesehen. Die üblichen Argumente (Masse – Maße) fand ich weit hergeholt, und zumal ich auf Internetforen oft Fehlschüsse wie »Gemüße« sah, fragte ich mich, ob es nicht mehr Verwirrung verursachte, als es vermied. Erst seit meinem ernsthaften Einstieg in die Schriftgestaltung habe ich den originellen Charakter des Eszetts zu schätzen gelernt. Mittlerweile versuche ich es (wohl als einziger Schweizer) konsistent anzuwenden, einfach nur schon aus Freude daran, dass es existiert.
Akzeptiert man erst einmal die Verwendung des Eszetts, so scheint mir das Versal-Eszett eine logische und nötige Ergänzung – sonst kann man es gleich ganz sein lassen.  Mir gefällt es auf jeden Fall! 

Wenn du nicht mit Deinen eigenen Schriften arbeitest, welche Fonts sind aktuell Deine liebsten und warum?
Da ich nicht beruflich in Grafikdesign oder Typografie tätig bin, habe ich wenig Bedarf für kommerzielle Fonts. Ich weiß daher hochwertige kostenlose Fonts wie Alegreya und EB Garamond sehr zu schätzen. Für Präsentationen und Poster benutze ich vorzugsweise Open Sans, nicht zuletzt wegen der schönen Light. An kommerziellen Fonts gefallen mir zum Beispiel Myriad (in vieler Hinsicht schöner als die allgegenwärtige Frutiger), Minion (die Vollendung der Garalde) und insbesondere Satyr, deren organische Formen die Hauptinspiration zu meiner noch unfertigen Textschrift »Traction« geliefert haben. Bei den gebrochenen Schriften sind die Wilhelm-Klingspor-Schrift und die kürzlich erschienene Berliner Fraktur meine Favoriten.

Die Schriften von Christian Thalmann sind über MyFonts erhältlich.
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»Er war nicht der Billigste, aber der Beste!« Der Schildermaler Karl Blaschke hat in den Wirtschaftswunderjahren mit seinen Schildern den Auftritt zahlreicher Münchner Einzelhändler und das Erscheinungsbild der gesamten Innenstadt über mehrere Jahrzehnte hinweg geprägt.
Das Buch »Von Asam bis Zrenner« von Oliver Linke widmet sich dem Schaffen des Schildermalers, dessen Betrieb auf eine über 100-jährige Tradition zurückblicken konnte. Der Autor stieß bei der Organisation des Münchner TypeWalks auf das Werk Blaschkes. Im Sommer 2009 nahm sich eine Projektgruppe von Studenten (Linus Gläßel, Wolfgang Haas, Thomas Pruss, Regine Thiering und Magdalena Wolf) der Designschule München dem Thema an. Sie sammelten Materialen und sprachen mit Zeitzeugen. Diese Arbeit bildet die Grundlage des hier vorliegenden Buches.

Das Buch erzählt zunächst die Geschichte des Schildermalers Karl Blaschke und zeigt die Firmenchronik seines Unternehmens auf. Im Anschluss wird das Schildermaler-Handwerk selbst beleuchtet. Im Hauptteil des 180 Seiten starken, broschierten Buches werden dann ausgewählte Arbeiten des Betriebes in Wort und Bild vorgestellt. Da auch alle Adressen aufgeführt sind, kann sich der Leser mit dem Buch bewaffnet auch selbst auf einen Blaschke-TypeWalk begeben.


Fotosammlungen von alten Ladenbeschilderungen finden sich zahlreich im Internet und auch ab und zu in gedruckten Form. Doch die Geschichten hinter den Arbeiten bleiben meist im Dunkeln. Dies macht diese Dokumentation so wertvoll.
Die einleitenden Texte sind in Deutsch und Englisch abgedruckt. Leider stehen alle Texte und Bilder parallel zum Bund. Dies macht das Lesen doch etwas umständlich. Ansonsten kann das Buch allen Liebhabern der Schrift nur wärmstens empfohlen werden.

 Das Buch ist im August Dreesbach Verlag erschienen und kostet 19,80 Euro. 
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Viele unserer heute benutzten Satzzeichen gehen bereits auf Schreibkonventionen in Antike und Mittelalter zurück. Dementsprechend schwer ist oft die Aufarbeitung ihrer Entstehungsgeschichte. Doch auch in jüngster Zeit entstehen manchmal noch neue Satzzeichen. Ein Beispiel ist das Interrobang (‽), dessen Geschichte sich problemlos nachvollziehen lässt und hiermit erzählt werden soll.
 Der Schöpfer dieses Satzzeichens ist der US-Amerikaner Martin K. Speckter. Er war in den 1960er-Jahren Eigentümer einer Werbeagentur in New York, die unter anderem für das renommierte Wall Street Journal arbeitete. Speckter gab auch ein zweimonatlich erscheinende Magazin namens Type Talks heraus, das sich mit Werbung und Typografie beschäftigte. 
Speckter störte sich daran, dass immer mehr Texter zur Betonung Frage- und Anführungszeichen kombinierten (»Wie bitte!?«). Mit einem eigenen Magazin an der Hand, hatte er jedoch die perfekte Plattform, dem Problem öffentlichkeitswirksam zu Leibe zu rücken. 1962 erschien also ein entsprechender Artikel, indem er sich dafür aussprach, die Schreibweise !? bzw. ?! durch ein einzelnes Zeichen zu ersetzen. Weder Form noch Name des ‽ standen jedoch auf Anhieb fest. Der Artikel präsentierte für die Gestaltung des Zeichens folgende Darstellungen. 

 Als Namen wurden Exclamaquest und Interrobang vorgeschlagen. Am Ende des Artikels rief Speckter die Leser zu eigenen Namens- und Designvorschlägen für das neue Zeichen auf. 
Der Artikel verfehlte sein Ziel nicht und das Thema wurde in namhaften Tageszeitungen besprochen – auch wenn ein am 1. April in der New York Herald Tribune erschienener Artikel Zweifel an der Echtheit des Vorschlags aufkommen ließ. 
Wie gewünscht, trafen auch weitere Design- und Namensvorschläge ein, die in den folgenden Ausgaben von Type Talks besprochen wurden. »Emphaquest«, »Interrapoint« und »Exclarogative« waren einige der Namensvorschläge. Doch befeuert durch die Zeitungsberichte hatte sich Speckters ursprünglicher Vorschlag »Interrobang« bereits etabliert.
Mit einer Idee und wohlwollenden Kommentaren war es jedoch noch lange nicht getan. Denn genau wie heute beim großen Eszett, muss auch die technische Infrastruktur zur allgemeinen Nutzbarkeit eines neuen Zeichens zunächst geschaffen werden. In den 1960er-Jahren waren Schreibmaschinen sowie Blei- und Fotosatz im Einsatz. Und diese Systeme konnten nicht ohne weiteres mit neuen Zeichen ausgestattet werden. Insbesondere die Systeme mit Tasteneingabe benötigten schließlich zunächst einen eigenen Platz für dieses Zeichen. 
1966 erschien mit der auch heute noch recht bekannten Americana jedoch die erste Bleisatz-Schrift in Serienproduktion, die ein Interrobang enthielt. 

 In einem im Time Magazine erschienen Artikel hieß es dazu, dass American Type Founders das vielversprechende Zeichen von nun an in alle Schriften integrieren wolle. Dieses versprechen lösten sie in gewisser Weise auch ein. Denn es wurde in der Folge noch ein fetter Schnitt der Americana herausgebracht, aber das Unternehmen zog sich kurz darauf aus der Schriftherstellung zurück. 
Im Jahr 1968 integrierte der Hersteller Remington Rand das ‽ in seine elektrische Schreibmaschine Modell 25 – zu einer Zeit, als die Schreibmaschinen nicht aus dem Büroalltag von Millionen Menschen wegzudenken waren. Die Einführung des Zeichens auf der Schreibmaschine führte erneut zu landesweiter Berichterstattung – mal lobend, mal kritisch bis ablehnend.  

Das Interrobang der elektrischen Schreibmaschine Remington Rand 25
 

Aus einer Broschur des Schreibmaschinen-Herstellers Smith-Corona (1969)

Doch nach dieser Hochphase zum Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre ebbte die Begeisterung für das neue Zeichen ab. Die Linotype- und Monotype-Satzmaschinen, die in Buch- und Zeitungssatz nach wie vor im Einsatz waren, boten dem Zeichen keinen Platz und verhinderten somit eine allgemeine Etablierung in gedruckten Texten. Als diese Systeme dann in der Folge gänzlich vom  Fotosatz verdrängt wurden, war das Interrobang schon kein Thema mehr und wurde daher nicht in die Standardzeichensätze der Fotosatz-Geräte integriert.  
In digitalen Schriften sind Zeichensatzbeschränkungen heute kaum noch ein Thema und so findet sich das Zeichen nun wieder in immer mehr Schriften. Auch seinen Weg in den Unicode (U+203D) hat es gefunden, sodass dem Einsatz aus technischer Sicht nun keine Grenzen mehr gesetzt sind. Zumal es in den typischen Systemfonts wie Arial Unicode, Lucida Grande oder Calibri enthalten ist. Selbst eine umgedrehte Variante (⸘, U+2E18) für den Einsatz im Spanischen existiert. Natürlich bleibt dem Zeichen weiterhin eine direkte Entsprechung in der aufgedruckten Tastaturbelegung verwehrt und somit wird es wohl auch weiterhin eine Art »Sonderzeichen« bleiben. Doch dieser Sonderstatus macht es in gewisser Weise auch umso interessanter. So wird das Zeichen heute vermehrt als dekoratives Typografie-Element verwendet und findet sich als Schmuckartikel, auf T-Shirts, Kissen, Mützen usw. wieder. Diese Renaissance des Zeichens konnte Martin K. Speckter jedoch nicht mehr erleben. Er starb im Jahr 1988. 

Interrobang als Halsband
 

Logo der State Library of New South Wales
 

Interrobang in heutigen Schriften (v.l.n.r.): Tierra Nueva, Palatino, Brill, Calibri
 

Wer sich für Details zur Geschichte  von Satz- und Sonderzeichen interessiert, dem sei das kürzlich erschiene Buch Shady Characters von Keith Houston empfohlen, das auch die Grundlage dieser Artikels bildet. 
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Kaum eine andere Branche erlebte nach jahrhundertelanger gleichbleibender Tradition eine so rasante Reduktion von Zeit und Material wie der Schriftguss. Der gewachsene Industriezweig, der zum Teil riesige Gebäudekomplexe für Maschinen und Lagerbestände in Anspruch nahm, Tonnen von Material verbrauchte und zahllose Arbeiter und Spezialisten beschäftigte, hat sich heute im Zuge der Digitalisierung grundlegend gewandelt. Statt expandierender Großunternehmen, werden Schriftanbieter heute zu Einzelunternehmungen. Dabei sind die einzelnen Etappen vom Entwurf bis zum Vertrieb in ihren grundlegenden Prinzipien erhalten geblieben und haben sich lediglich substanziell und handwerklich den jeweils aktuellen Voraussetzungen angepasst. Auch die lebendige Auseinandersetzung mit der Schriftgeschichte bildet meist noch immer die Grundlage für zeitgenössisches Schriftschaffen.
 
Der entscheidende Unterschied liegt in der Produktionsweise: Von Anfang an findet die Arbeit unmittelbar am Endprodukt statt. Materialisierte Vorstufen in Form von Skizzen, Zeichnungen oder geschriebenen Entwürfen sind weiterhin oftmals unerlässliche Grundlage. Jedoch schafft heute der routinierte Umgang mit Software und weniger die Fertigkeiten beim Schreiben oder Zeichnen eine zeitgemäße Präzision. Mit der Veränderung des Gestaltungs- und Herstellungsprozesses hat sich auch das Verhalten von Gestaltern und Betreibern der Schriftvertriebe (Foundrys) gewandelt: So entstehen heute Netzwerke, in denen sich Schriftgestalter der ganzen Welt in Echtzeit miteinander verbinden, Ideen, Erfahrungen, Neuigkeiten austauschen und miteinander arbeiten. Dies führt so weit, dass Enthusiasten, die sich der Entwicklung aktueller und effizienterer Methoden der Schriftproduktion widmen, ihre Ergebnisse, teilweise kostenfrei, zur Verfügung stellen. So entstehen neue Softwarelösungen oder Zusatzmodule zur Erweiterung bestehender Programme, die aufeinander aufbauen, sich gegenseitig ergänzen und in ihrer Gesamtheit neue Möglichkeiten im Arbeitsprozess schaffen. Ein klar abgegrenztes Bild »des Schriftgestalters« im traditionellen Sinn lässt sich kaum definieren — zu differenziert ist seine Arbeit heute: Vom Handwerker über den Designer, den Programmierer bis hin zu Ingenieuren finden sich Menschen unterschiedlichster Interessengebiete, die heute unabhängig Schriften produzieren. Durch die Transformation des Schriftgussgewerbes ist aus dem leicht greifbaren Produkt der Bleiletter ein offenes, immaterielles und unendlich (leicht) kopierbares Designprinzip geworden. Daraus ergeben sich große Freiheiten und autonome Handlungsmöglichkeiten für heutige Foundrys und Gestalter: Die einstige Monopolstellung großer Firmen(komplexe) ist einer Landschaft von unzähligen Anbietern gewichen, welche durch die mit dem Internet geschaffene Vernetzung auf einem internationalen Markt weltweit wahrgenommen werden.
 

Vor dem Satz mit beweglichen Lettern – eine gotische Handschrift aus Nürnberg um 1450
 
Doch wie entwickelten sich die Schriftgießereien?
Den Grundstein legte Johannes Gensfleisch zum Gutenberg in Mainz durch die Erfindung des Handgießinstrumentes und der damit einhergehenden Möglichkeit, Bücher mittels eines Druckverfahrens mit Hilfe beweglicher Lettern zu vervielfältigen. Diese weitaus ökonomischere Variante neben dem händischen Kopieren von Büchern verbreitete sich wie ein Lauffeuer im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus.
 

Darstellung einer Schriftgießerei nach Jost Amman aus dem Jahr 1568
 
Die Berufsform des Frühdruckers war gekennzeichnet von der Vielfältigkeit der Aufgaben, die er übernehmen musste. Neben der reinen Drucktätigkeit war er zumindest in der Anfangszeit ebenso Verleger und Händler. Diese Notwendigkeit ergab sich aus der geringen Auftragslage, die es einem Drucker nicht ermöglichte, die Kosten für weitere Personen zu tragen. Darüber hinaus war er auch für den Guss der Drucktypen verantwortlich. Die Herstellung der Stempel und Abschläge wurde hingegen meist von Goldschmieden übernommen, die im Auftrag des Druckers nach handschriftlichen Vorlagen arbeiteten. Bereits mit dem Aufkommen des Buchdrucks konnte man einen Tauschhandel mit Matrizen und Abschlägen zwischen den Druckern beobachten, die so ihr Repertoire und Formenspiel ausweiteten. In Leipzig arbeiteten die Drucker Marcus Brandis und Moritz Brandis mit jeweils 6 verschiedenen Typenformen, um nur zwei Beispiele zu nennen.
 

 
 

Deutsches Gießinstrument (links geschlossen, rechts offen) aus dem 19. Jahrhundert
 
Schon im ausgehenden 15. Jahrhundert konnte man an verschiedenen Orten die Loslösung des Schriftgießers vom Buchdrucker beobachten: so gab es beispielsweise 1498 in Lyon zwei sesshafte Gießer, die jeweils für einen bestimmten Drucker arbeiteten. In Leipzig ist die eigene Berufsform des Schriftgießers vor der Mitte des 16. Jahrhunderts nicht dokumentiert. Es ist aber davon auszugehen, dass die Spezialisierung auch hier bereits stattgefunden hatte. Mit der Emanzipation der Schriftgießer kam es auch zur Herauslösung der Stempelschneider aus der Goldschmiedekunst.
 
Die 1517 durch den Thesenanschlag Martin Luthers ausgelöste Reformation brachte auch einen Aufschwung in die Drucktätigkeit Leipzigs. Die Offizinen wuchsen zu kleinen Unternehmen heran, in denen mehrere Gesellen Beschäftigung fanden, was gleichzeitig einen höheren Bedarf an Schriftproduktion nach sich zog. Auch prägte sich der Ökonomisierungsgedanke so weit aus, dass er die Notwendigkeit der traditionellen Handschriftenreproduktion überwog und allmählich zu einer Veränderung in der Formensprache der gedruckten Bücher sowie der darin verwendeten Typen führte. Bis dahin war es üblich, die Manuskripte exakt mit allen formalen Eigenschaften zu kopieren. Buchstaben wurden nun für eine bessere Raumausnutzung konzipiert und erzeugten gleichzeitig ein offeneres Schriftbild, die Anzahl der Schriftgrade nahm zu, Auszeichnungsschriften entstanden. Auch hatte sich der Umfang eines Alphabets von den anfänglichen 290 Zeichen inzwischen erheblich reduziert; einige Interpunktionszeichen kamen hinzu.
 
Mit dem Wachstum der Druckereien löste sich die Personalunion von Drucker und Gießer nun vollständig auf. So gab es ab dem zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts vermehrt Schriftgießer, welche fest angestellt oder nur zeitweise in den Druckereien anzutreffen waren. Für kleinere Druckereien bewährten sich Lohngießer: Benötigte der Drucker Abgüsse seiner Matern, bestellte er einen Gießer in seine Werkstatt, welcher dann an einem dafür eingerichteten Arbeitsplatz mit den Instrumenten und Werkzeugen des Druckers die übertragene Aufgabe ausführte. Auch richteten sich einige Gießer ihre eigenen Werkstätten ein, in welche der Drucker seine Matrizen brachte und diese abgießen ließ. So konnte er flexibel auf die steigende Auftragslage reagieren und brauchte einen Gießer nur dann zu bezahlen, wenn er auch tatsächlich auf dessen Arbeit angewiesen war.
 
Erste Zeugnisse dieser Berufsform findet man in Leipzig ab der Mitte des 16. Jahrhunderts. So arbeiteten beispielsweise Jakob Koffra für den Drucker Georg Baumann und Jakob Koster für Jakob Bärwald. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie auch Aufträgen anderer Drucker nachgingen. Eine eigene Gießerei mit 3 Gesellen wurde nachweislich 1560/1561 von Andreas Richter betrieben. Der erste Leipziger Drucker, welcher 1541 eine feste Gießerei in den eigenen Räumlichkeiten angliederte, war Valentin Babst. Welche Schriftgießer in den ersten Jahren für ihn tätig waren, ist nicht mehr nachvollziehbar. Die Druckerei von Babst war bereits mit zahlreichen Gießinstrumenten sowie einem umfangreichen Typenbestand unterschiedlichster Herkunft ausgestattet, was aus einer 1579 erstellten Inventurliste hervorgeht. Demnach florierte zu dieser Zeit offenkundig der Handel mit Abschlägen und Matrizen. Auch kann man dieser Bestandsaufnahme aufgrund der Anzahl der Gießinstrumente (22 Stück) die Tendenz entnehmen, dass diese für die verschiedenen Kegelgrößen eingestellt blieben und nicht nach jedem Abguss erneut eingerichtet wurden, was eine weitere Ökonomisierung im Arbeitsablauf darstellte.
 

Schriftprobe der Holländischen Schriften der Erhardtischen Gießerei (Faksimile)
 
Auffallend ist Folgendes: trotz der Abspaltung des Schriftgießers vom Drucker blieb letzterer zunächst alleiniger Eigentümer der Matern, Abschläge und Stempel. Diese notwendigen Arbeitsmaterialien wurden also nicht von den Schriftgießern selbst beschafft, obwohl sie die Grundlage seiner Arbeit bildeten. Folglich bestand zumindest in der Anfangszeit ein direktes Abhängigkeitsverhältnis zwischen beiden Berufsgruppen und der Gießer war ohne das Zutun des Druckers nicht in der Lage, selbstbestimmt zu agieren. Dieser Zustand änderte sich erst im ausgehenden 16. Jahrhundert und bildete damit den Startpunkt für eine unabhängige Fortentwicklung des Schriftgießereigewerbes. Als Folge dieser Tendenz, etablierte sich noch vor dem Übergang ins 17. Jahrhundert mancherorts eine erweiterte Betriebsform: Die Schriftgießer, welche bisher ausschließlich den Bedarf der »eigenen« Druckereien bedienten, begannen nun, fertige Typensätze zum Verkauf anzubieten. Es kam zu einer Verschiebung in der Wechselbeziehung zwischen Drucker und Schriftgießer — die Gießer wurden autonom.
 
Die erste Schriftgießerei in Deutschland, die dieses Vertriebsmodell einführte, war die Egenolffsche Gießerei in Frankfurt am Main, welche bereits 1572 unter der Leitung des Schriftgießers und Stempelschneiders Jacob Sabon den Handel mit fertigen Schriften aufnahm. In Leipzig wurde die Entwicklung einer solchen Gießerei durch mehrere Faktoren verzögert. Zum einen waren die Druckereien mit einem guten Repertoire an Stempeln und Matrizen ausgestattet und ihr Bedarf an Druckschriften konnte bequem durch die ansässigen Gießer abgedeckt werden. Zum anderen sorgten die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges (1618—1648) für starke Einschränkungen. Um der Stadtentwicklung sowie dem buchherstellenden Gewerbe einen erneuten Auftrieb zu geben, veranlasste die Sächsische Regierung verschiedene Maßnahmen, die mit dem Erstarken Leipzigs und dessen Buchprodukitonsgewerbe gleichzeitig einen erneuten Aufschwung für die Schriftgießereien bedeutete. Um die Jahrhundertmitte konnte man vor Ort bereits 44 Druckoffizinen verzeichnen, wovon drei mit einer fest installierten Hausgießerei ausgestattet waren. Auch mit dem erstmaligen Erscheinen einer Tageszeitung 1660 entstand ein neuer Markt für Schriften.
 

Eine der ältesten erhalten gebliebenen Schriftproben eines Schriftgießers (François Guyot, um 1550)
 
Im Jahr 1656 ließ sich Anton Janson in Leipzig nieder. Als Sohn reicher Bauern am 17. Januar 1620 in Wanden in Friesland (Niederlande) geboren, absolvierte er zunächst in Amsterdam eine Lehre bei dem Schriftgießer Christoph van Dijck. Nach einigen Jahren, in denen er zuletzt sogar als Faktor der Gießerei gearbeitet hatte, entschloss er sich 1651 nach Frankfurt in die Egenolffsche Gießerei zu wechseln. Fünf Jahre später siedelte er nach Leipzig über. Hier war er zunächst einige Zeit in der Druckerei von Timotheus Ritzsch als Vorsteher der Hausgießerei beschäftigt.
 
Das Fehlen einer unabhängigen Gießerei in Leipzig, welche fertig gegossene Schriften zum Verkauf anbot, gepaart mit den Erfahrungen, welche Janson in Frankfurt gesammelt hatte, bewegten ihn zur Errichtung einer solchen Gießerei. So kaufte er den bis dahin mit der Buchdruckerei von Friedrich Lanckisch verbundenen Gießereibetrieb, welcher durch dessen Tod an den Buchdrucker Ernst Hahn übergegangen war. Den vorhandenen Typenbestand an Fraktur- und Schwabacher-Schriften konnte Janson mit seinen mitgebrachten Stempeln und Matrizen von Antiqua- und Kursivschriften zu einer umfangreichen Kollektion ergänzen. Eine erste Schriftprobe veröffentlichte er 1671. Mit großer Wahrscheinlichkeit gab es auch bereits vorher Fragmente von Antiqua-Schriftproben, mit denen Janson sein Sortiment bewarb. Die Schriftgießerei Jansons blieb im 17. Jahrhundert in Leipzig die einzige mit einer derartigen Vertriebsform.
 
Mit der Einrichtung der ersten eigenständigen Gießereien in Europa wurde eine Entwicklung in Gang gesetzt, welche die Arbeit der Druckereien enorm erleichterte: Sie mussten sich nicht mehr selbst um die Beschaffung von Abschlägen und Matrizen kümmern, brauchten niemanden für den Abguss dieser anstellen, sondern konnten sich bequem anhand der Vorgaben in den herausgegebenen Schriftproben eine Schrift aussuchen, anhand der Vorgaben des beiligenden Preiscourants bestellen und nach deren Erhalt sofort verwenden.
 
Dieser Artikel ist ein bearbeiteter Auszug aus dem Buch Leipziger Kegel.
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Type:Rider ist ein Geschicklichkeitsspiel für iOS- und Android-Geräte, mit dem man die Geschichte der Typografie erkunden kann. Das Spielprinzip kennt man von anderen erfolgreichen Mobilgeräte-Spielen wie etwa Badland oder Limbo. Bei Type:Rider bilden zwei Kugeln die Spielfigur, die horizontal durch eine 2D-Welt im Vordergrund gesteuert werden muss. Historische Bilder aus der Typografie-Geschichte bilden die Untermalung im Hintergrund. Man sammelt Buchstaben ein und muss sich seinen Weg durch diese Welt immer weiter freispielen. Zwischendurch kann man Texte mit detaillierten Informationen zu wesentlichen Entwicklungsschritten der Schrift- und Typografie-Geschichte nachlesen. 

 Der Entwickler Bulkypix hat bereits über 140 Spiele herausgebracht und Type:Rider präsentiert sich dementsprechend technisch auf hohem Niveau. Auch die grafische Gestaltung der Vorder- und Hintergründe sowie die passende Untermalung mit Musik und Sounds gefällt. Dennoch scheinen sich Spielspaß und Bildungsauftrag hier etwas schwer vereinen zu lassen. Wer Geschicklichkeitsspiele diese Art mag, wird auch an diesem Freude haben. Die Typografie ist dabei jedoch kaum mehr als Dekoration der einzelnen Level. Man lernt freilich wenig über Typografie, wenn man mit zwei Kugeln unter einen rotierenden Druckerpresse hindurchhuschen muss und die optionalen Zusatztexte haben mit dem Gameplay an sich nichts zu tun. Man könnte die gleichen Informationen auch bei Wikipedia nachschlagen. Zumal bezeichnenderweise leider auch die Typografie innerhalb des Spiels etwas zu wünschen übrig lässt.  

 Bei einem Preis von nur 2,69 Euro kann man jedoch nicht allzu viel falsch machen und das Spiel einfach einmal ausprobieren. Es steht in Apples App Store bzw. bei Google Play zum Download zur Verfügung. Einen Trailer gibt es bei YouTube. 
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Die »Lettergieterij Amsterdam« geht auf eine Mitte des 19. Jahrhunderts von Nicolaas Tetterode gegründete Schriftgießerei in Rotterdam zurück. Später wurde die Gießerei nach Amsterdam verlegt und als Lettergieterij Amsterdam vorheen N. Tetterode weiterbetrieben. Eine Hauptprobe aus dem Jahr 1916 gibt mit den folgenden Bildern einen Eindruck von der Arbeit der Gießerei. 
 

Verwaltung
 

Fabrik am Standort Da Costakade 158–164
 

Ausstellungssaal mit Druckereimaschinen
 

Großer Gießereisaal
 

Rollengießerei
 

Fertigungsraum für Kupferlinien und andere Ziermaterialien
 

Eine Bestellung von 20.000 Kilogramm Buchstabenmaterial verlässt die Fabrik
 

Die Filiale in Rotterdam
 

Die Hausdruckerei
 

Zimmereiwerkstatt
 

Abteilung für Galvano-Technik und Stereotypen
 

Gießereisaal
 

Schriftenmagazin
 

Besuch der Königin und des Prinzen
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»Alessio Leonardi kommt aus Italien, lebt aber schon so lange in Berlin, dass man ihn ohne Probleme für einen Franzosen halten könnte«. So schreibt es der Designer und Professor der visuellen Kommunikation über sich selbst. Man sieht schon: er hat eine humoristische Ader und diese lebt er immer wieder gern in seinen charmant gezeichneten Comicstrips aus. 2005 schuf er für einen Auftrag von Linotype die Figur des Mr. Typo.
Mit dem Buch »Mr. Typo und der Schatz der Gestaltung« wird diese Figur nun zum Hauptdarsteller eines ganzen Buches. Darin erklärt uns Mr. Typo die grafische bzw. insbesondere die typografische Gestaltung in ihrem Wesen und ihrer Anwendung von den historischen Wurzeln bis zur Gegenwart. Farben, Formen und Formate und alle wesentlichen Aspekte der Schrift und ihrer Anwendung werden vorgestellt: Schriftgeschichte und Klassifikation, Buchstabendetails, Satzarten und so weiter. Selbst Unicode, Bildschirmtypografie und responsives Design finden Erwähnung.

Der humorvolle Comic-Stil macht das Lesen und Lernen dabei zu einem echten Vergnügen. Dabei hat das Buch aber nicht nur bloßen Unterhaltungswert. Es kann sich inhaltlich durchaus mit den üblichen, eher textlastigen typografischen Einsteigerbücher messen. Als Graphic Novel verpackt eignet sich das Werk natürlich auch hervorragend als Geschenkbuch.

Bestellt werden kann das Buch für 19,90 Euro direkt beim Verlag Hermann Schmidt Mainz.
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1918 veröffentlichte die Schriftgießerei Gebrüder Klingspor in Offenbach das Buch »Die Schriftgießerei im Schattenbild«. Darin wird in von Rudolf Koch geschnittenen Bildern die Entstehung einer Druckschrift im Hause Klingspor präsentiert. Heute, fast 100 Jahre später, hat sich die Entwicklung und der Vertrieb von Schriften gänzlich gewandelt. Umso mehr ist dieses Buch ein bemerkenswertes Stück typografischer Zeitgeschichte, das Typografie.info hiermit in Wort und Bild zur Verfügung stellt.  

Was der Zeichner erfand in jahrelang mühvoller Übung,
ſoll es dem Drucker erſtehn in der beweglichen Form,
Fügen muß es ſich erſt in des Handwerks notwendige Grenzen,
daß in die Wirklichkeit trete ſeine freie Idee.–
Mächtig fördert das Werk mit tiefem Verſtändnis der Meiſter,
lobt und tadelt zugleich, zweifelt, verwirft und erwägt,
Treibt den Armen dadurch zu immer erneuter Bemühung
bis die Zeichnung am Schluß doch beide lobet zugleich. 

Um nun der fertigen Zeichnung die richtige Größe zu geben
ſiehst du den Lichtbildkünſtler hier walten im ſtattlichen Raum,
Wenn er nicht in der Kammer heimliches Dunkel entflohen iſt,
dorten bei rötlichem Schein entſteht das verkleinerte Bild
Unter der fleißigen Hand. – Doch vorher in mächtigem Kaſten
fängt er die Strahlen des Lichts durch der Linſe brechende Kraft. 

Die Übertragung der Zeichnung auf das Metall zu erleichtern
gießt man die ätzende Säure über die Platte aus Zink.
Gierig frißt ſie den Grund und läßt nur die Buchſtaben ſtehen,
die nun der Stempelſchneider abdruckt nach ſeinem Bedarf. 

Zierlich iſt ſeine Kunst. In Blei und Stahl nach der Zeichnung,
den Stichel in ſicherer Hand, ſchafft er das plaſtiſche Bild.

Für den Gießer die Form zu ſchaffen, prägt er den Stempel
in das rötliche Kupfer oder das ſchimmernde Erz.

Jener prägt nur den Stempel aus Stahl, der weichere Bleiſchnitt
kommt zur Erzielung der Form in das galvaniſche Bad.
Wochenlang hängt er in bläulicher Flut und ſtärker und ſtärker
wachſen Kupfer und Nickel wie die Korallen im Meer.

Daß das Schriftenmetall ſich vor allem leicht ſchmelzbar erweiſe,
doch im erkalteten Zustand zäh wird und Feſtigkeit zeigt,
Miſcht man hier in dem Raum nach ſorgſam erprobten Rezepten
Weichblei mit Zinn und dazu einen Teil Antimon.

Wie der Wiſent, der Walfiſch und der bengaliſche Löwe,
langſam ſtirbt er uns aus vor der haſtenden Zeit.
Mit dem ehrwürdigen Werkzeug Gutenbergs, Fuſtens und Schöffers
ſelten nur trifft man ihn an im ſtillen, weiträumigen Saal. 

Spritzendes Blei erfüllet die Form und ſauber gehobelt,
fix und fertig, verläßt mit Tauſenden gleicher Gestalt,
Stoßweiſe weiterrückend, der Buchſtabe ſeinen Geburtsort,
blank liegt er da und erkaltet – eh er ſichs ſelber verſieht. –
Zögernd betrittſt du den Raum mit der Reihe ſolcher Maſchinen,
ſengende Hitze erſtrahlt aus den Schmelztiegeln dir ins Geſicht.
Ungehört verhallet im Trubel dein ſchreiender Anruf –
in gelaſſener Ruhe waltet dies ſtarke Geſchlecht.  

Die glänzenden Lettern entlang mit kundigem Blick durch die Lupe
prüft er die fertige Arbeit treulich ſeit manchem Jahrzehnt. 

Lang ſchon trägt in Geduld er des Amtes vielfältige Bürde,
immer ſucht man ihn da, wo er gerade nicht iſt.

Wie die Böcklein im Mai auf blumiger Wieſe ſich tummeln,
lärmen ſie laut, mißachtend des Meiſters grämlichen Blick,
Machen ſie ſonſt auch alles verkehrt, bei der Arbeit des Frühſtücks
ſind ſie flink und geſchickt, ernſthaft und gründlich zugleich.

Zwischen den ſtillen Regalen des Lagers führt er ſein Leben
als ein Charakter in Ruhe, wie oft auch der Fernſprecher ruft.

Aus der Großväter Zeiten hat mancher Buchdrucker heut noch
eine beſondere Höhe der Schriften. Daß nun die neuen
Mit den älteren ſtimmen, muß man ſie ſonderlich hobeln –
dies nun verrichtet der Mann hier geduldig, jahraus und jahrein. 

Daß der Drucker die Schrift in gerechter Verteilung erhalte
ſetzt ſie die Buchſtaben ein, richtig vom A bis zum Z, 
Macht ein Paketchen daraus, doch legt ſie zuvor einen Zettel
oben darauf mit der Zahl und drunter mit Schwung ſetzt ſie kühn,
Wie der Künſtler es tut, ihren ſelbſteigenen Namen,
der nun reiſt, wills das Glück, bis an die Ufer des Nils.

Wie die beweglichen Lettern mit gutem Geſchmack zu verwenden,
zeigt dieſer Meiſter hier an, rüſtig entwirft er im Geist
Muster, zierlich und neu und von gefälligen Farben,
und es wirket ſein Beiſpiel weithin über das Land.

Wie dunkler Tannen würzigen Harzduft,
wie wenn die Amſel weithin durch den Abend ruft,
wie des Wieſengraſes leichtſchwankende Zierlichkeit,
herrlichſte, deutſcheſte Schrift,
ſo lieben wir dich ſeit langer Zeit.

Ernſte, Gemeſſene du,
klaſſiſchen Geiſtes erhabene Künderin,
vieler Jahrhunderte Lauf Überwinderin
Alters und Neues Verbindende, du –
wie ſollten wir dein nicht gedenken
in Ehrfurcht? 

Sind die Stempel geſchnitten, ſo macht der hurtige Setzer
mit der Gußprobe hier den allererſten Verſuch.
Oftmals erkennt man erſt dann des Entwurfs unvollkommene Faſſung,
und es macht ſich, ſchwer ſeufzend der Zeichner wieder ans Werk. –
Aber auch von den fertigen Schriften druckt er hier Proben,
daß man am Beiſpiel erkenne die Schönheit des neuen Produkts.

Tauſendfach um den Zylinder der langſam rollenden Preſſe
eilen die großen Bogen des blütenweißen Papiers.
Sorgſam achtet der Meiſter auf Farbe und Gleichmaß des Druckes,
daß jeder Buchſtabe ſchwarz und ſcharf umriſſen ſich zeigt.

Weitaus am längſten von allen wirkt hier der treuliche Alte,
wie ein Spinoza mißtraut er des Lebens äußerem Glanz.

Iſt nun die Kiſte gepackt, ſo birgt ſie an Fleiß wohl und Mühe
mehr als manch ein Gebilde anſpruchsvollerer Kunſt.

Aber was hilft uns die Kunſt, wenn nicht der rechnende Kaufmann
klaren Blicks überſchauend des Geſchäftes Ordnung erhält,
Draußen im Lande den Kunden die neuen Erzeugniſſe anzeigt,
daß das vollendete Werk finde den Weg in die Welt.
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Auch nach 150 veröffentlichten Büchern lässt Steven Heller nicht locker. Sein neuestes Werk, das zusammen mit der New Yorker Designerin Louise Fili entstand, widmet sich dreidimensionaler Schrift, wie sie seit dem 19. Jahrhundert angewendet wird. Im Zuge der Industrialisierung gewann die Werbung immer mehr an Bedeutung und für diesen Zweck taugten die klassischen Leseschriften kaum. Die Schauschriften entstanden, die immer fetter und auffälliger wurden. Hinzu kam das Mittel der Farbe – einerseits durch Schildermaler, andererseits durch den Mehrfachdruck von (zumeist) Holzlettern. Dreidimensional gezeichnete oder gedruckte Buchstaben verstärkten die Wirkung zusätzlich.
Der 3D-Trend hielt vom 19. Jahrhundert bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts an und erlebt gerade eine kleine Renaissance, ob in Illustrator entworfen oder als Layer-Font gesetzt. Das Buch präsentiert insbesondere Arbeiten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die die beiden Herausgeber persönlich in aller Welt gesammelt haben. Dabei hat man sich auf ausgewählte Länder konzentriert: USA, Italien, Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Zu jedem Land gibt es einen kurzen (englischsprachigen) Einführungsartikel. Das Spektrum der gezeigten Arbeiten erstreckt sich von Schriftmusterproben von Schriftanbietern über Anzeigen und Poster bis hin zu Filmvorspännen und Ladenbeschriftungen.

Das Buch ist in Hardcover-Ausstattung bei Thames & Hudson erschienen und in Deutschland bei verschiedenen Anbietern für circa 23 Euro erhältlich (z.B. bei Buch.de).
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Nach 18 Jahren ändert Internet-Pionier Yahoo sein allseits bekanntes Logo. Die Präsentation kam nicht überraschend. In einer bislang sicher einzigartigen Aktion präsentierte man 30 Tage lang jeweils ein neue Logo. Große Begeisterung löste man damit jedoch nicht aus. Die Logo-Variationen wirkten einfach wie beliebige Spielereien mit Schriften – ohne jegliches Konzept.  

 Auch das am 30. Tag präsentierte – und damit endgültige – neue Logo reiht sich hier nahtlos ein.


Das bisherige Logo


Das neue Logo
 
Chefin Marissa Mayer berichtet in Ihrem Blog freimütig über die Entwicklung des neuen Logos. Sie sei ein großer Fan von Marken, Design und insbesondere Adobe Illustrator. An einem Wochenende hätte sie sich mit Bob Stohrer, Marc DeBartolomeis und Russ Khaydarov zusammengesetzt und verschiedene Ideen durchgespielt. »Whimsical, yet sophisticated« sollte es sein. Etwas verrückt, aber doch anspruchsvoll und durchdacht.

 
Als optische Würze kam noch ein Meißel-Effekt in die positive und negative Version des Logos hinzu. 


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