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Typografie-Artikel

Neuigkeiten und Fachartikel zu Schrift und Typografie
Auf der ATypI-Konferenz in Warschau wurde die neueste Version der OpenType-Spezifikationen bekanntgegeben. Die Aktualisierung bringt eine signifikante Erweiterung mit sich: »Variable Fonts«. Nach dem Motto »aller guten Dinge sind drei« ist dies nach den Alleingängen von Apple (TrueType GX) und Adobe (Multiple Master) in den 1990er-Jahren nun der dritte Anlauf für Schriften, die den Zugriff auf stufenlos wählbare, gestalterische Zwischenschritte aus einer Fontdatei heraus erlauben. 
Dieses Mal sind jedoch alle führenden Software-Anbieter direkt in die Entwicklung involviert: Microsoft, Apple, Google und Adobe haben sich gemeinsam auf die Details geeinigt und sie als Teil der OpenType-Spezifikationen festgeschrieben. 

Nun müssen die neuen Spezifikationen natürlich noch in die Anwendungsprogramme implementiert und entsprechende Schriften geschaffen werden. Abwärtskompatibel sind die Schriften nur bedingt. Bei TrueType-basierten Fonts kann immerhin auf einen Grundschnitt ohne jegliche Interpolation zurückgriffen werden. Bei den PostScript-basierten OpenType-Schriften hat sich Adobe dazu entschieden, die alten Zöpfe gänzlich abzuschneiden. Das neue Format CFF 2 (Compact File Format) ist nicht abwärtskompatibel und diese Fonts laufen also ausschließlich mit Anwendungen, die die neuen OpenType-Spezifikationen vollständig unterstützen. 
Ein typisches Anwendungsfeld der neuen OpenType-Fonts wird wohl das elektronische Publizieren sein. Die möglichen Designvariationen innerhalb der Fontdateien erlauben eine Echtzeitanpassung an die konkrete Darstellungsumgebung. So kann sich etwa die Breite der Schrift dynamisch mit der Spaltenbreite ändern. Großen Wert wurde auch auf die Dateigrößen (und damit Ladezeiten beim Abruf von Inhalten aus dem Internet) gelegt. Die Kombination verschiedener Schnitte in einem Font kann redundante Informationen vermeiden. 
 
Weitere Informationen:
OpenType-Spezifikationen Artikel von John Hudson Adobe-/Typekit-Ankündigung
  • 9.197 Aufrufe
In ihren fünf Jahren als international tätige Lettering-Künstlerin hat es die aus Buenos Aires stammende und heute in Berlin lebende Martina Flor bereits zu einem beachtlichen Ruf gebracht. Neben der Fertigung ihren Auftragsarbeiten vermittelt sie ihre Kenntnisse auch in Workshops und nun einem eigenen Buch, das im Verlag Hermann Schmidt Mainz erschienen ist. 


In »Lust auf Lettering« gibt Martina Flor Einblick in ihre Arbeitsweise und vermittelt Fachwissen rund um Schrift, Kalligrafie und Lettering.  Das Buch gliedert sich folgendermaßen:
Visuelles Storytelling – Lettering in Abgrenzung zu Kalligrafie und Typedesign Das typografische Auge – Von der Bedeutung des Beobachtens Basics – Von der DNA der Buchstaben Werkzeuge in ihre Anwendung – Von Feder, Pinsel und anderen Tools Spielwiese für Lettering Designer – Von der unendlichen Vielzahl gestalterischer Stile Komposition und Dekoration – Von Struktur, Hierarchie und Verzierung Schriften skizzieren – Von der ersten Skizze zum komplexen Entwurf Analog zu digital – Von Ankern und Vektoren Der letzte Schliff – Von Farben und Texturen Work in Progress – Auf dem Weg zum Lettering-Profi  
Wie man sieht, gibt das Buch einen Gesamtüberblick über die Arbeit eines Lettering-Designers: Von Werkzeugen, Schriftstilen und Arbeitsweisen während des Entwurfs bis hin zur Reinzeichnung/Vektorisierung und der Arbeit mit Kunden wird alles besprochen. Die vielen Illustrationen machen das Buch dabei kurzweilig und weisen auf leicht verständliche Weise auf  die wichtigsten »Dos and Don’ts« hin.



Es liegt aber in der Natur der Sache, dass ein Buch über kunsthandwerkliche Techniken Kurse und die notwendige Übungspraxis nicht ersetzen können. So ist Lust auf Lettering also weniger ein Lehrbuch, als vielmehr ein kurzweiliger Überblick über die Arbeit eines Lettering-Künstlers.  
Das Buch zeigt sich in der üblicher, hochwertigen Schmidt-Qualität. Die 168 Seiten als Hardcover sind detailverliebt gestaltet und passend zum Thema über weite Strecken in Lettering-Stil gestaltet, das heißt, Texte sind oft nicht gesetzt, sondern geschrieben und die Seiten wie abfotografierte Blätter auf einem Schreibtisch dargestellt. 


Daten zum Buch:
Hardcover, 168 Seiten erschienen: 30. Mai 2016 Autor: Martina Flor Gestaltung/Satz: Martina Flor, Pia Friese Schriften: Alegreya Sans, Alegreya Serif, Quire Sans Verlag Hermann Schmidt Mainz ISBN: 9783874398848 bei Amazon aufrufen (Partnerlink)  
  • 9.546 Aufrufe
Googles Webservice und Downloadportal für kostenlose Schriften startete 2010 mit nur 14 Familien. Seitdem wächst das Schriftenportal ständig und liefert mittlerweile Fonts aus über 800 Familien über 15 Milliarden Mal am Tag aus. 
Auf Basis von Googles eigenen Designstandards (»Material Design«) erfolgte nun eine umfassende Aktualisierung, die unter der neuen Adresse fonts.google.com erreichbar ist. 

Das alte (links) und neue Portal (rechts) im Vergleich
 
Der neue Auftritt überzeugt in Design und Benutzerfreundlichkeit. Das reduzierte und besser an jegliche Bildschirmgrößen angepasste Design stellt die Schriftdarstellung stärker in den Fokus und über die Regler und durch die direkte Bearbeitung der Schriftmustertexte lässt sich das meiste gleich  auf der Übersichtsseite bequem erledigen. Die vielen Reiter und Popups der alten Seite entfallen. Zu jeder Familie gibt es natürlich weiterhin eine Detailseite mit Informationen, Schriftmustern und der Darstellung von beliebten Schriftpaarungen, die man direkt übernehmen kann. 

  • 8.604 Aufrufe
Nachdem alle großen Verkaufsplattformen für Fonts nach und nach von Monotype aufgekauft wurden, wurde es für Schriftgestalter und kleinere Foundrys zunehmend schwerer, ein größeres Publikum abseits von Monotypes Kanälen und deren Vertragsbedingungen zu erreichen. Doch nun entstehen als Reaktion immer mehr alternative Plattformen aus den Reihen der Foundrys selbst. Das kürzlich gestartete Fontstand, hinter dem maßgeblich der holländische Anbieter Typotheque steckt, ist ein Beispiel für diese Entwicklung. Mit dem Type Network ist gerade eine weitere Plattform nach ähnlichem Prinzip gestartet. 

Hinter dem Angebot stehen vor allem die Betreiber von Font Bureau und dem zugehörigen Webfont-Dienst Webtype. Statt als einzelne Foundry mit eigenem Webshop aufzutreten, hat Font Bureau sein Angebot in eine Plattform überführt, die als Informations- und Vertriebsportal für verschiedenste Schriftgestalter und Foundrys fungiert. Die Marke Font Bureau tritt dabei in den Hintergrund und selbst der Vertrieb vieler Font-Bureau-Fonts erfolgt nun nicht mehr unter dem Label der Foundry, sondern im Namen der einzelnen Designer bzw. ihrer (teilweise neu gegründeten) Label. 

Die Plattform startet mit 174 Schriftfamilien von 9 Schriftanbietern, doch das Angebot wird sicherlich wachsen. Lizenzen werden im Webshop für Desktop, Web (als Webservice oder für den eigenen Server), Apps und ePub ausgestellt. 
http://www.typenetwork.com
  • 4.918 Aufrufe
Jason Santa Maria ist ein in New York arbeitender Grafik- und Webdesigner. Er arbeitet derzeit für Vox Media, ist aber auch bekannt für die Gründung von Projekten wie Typedia oder A Book Apart. Letzteres ist ein Verlag, der sich speziell an Webdesigner richtet. Dort erschien auch sein Buch »On Web Typography«, dass nun in deutscher Lizenzausgabe vom dpunkt.verlag herausgegeben wurde. 
Der Hauptteil des Buches erklärt auf circa 130 Seiten die Grundlagen der Webtypografie und gliedert sich in folgende Bereiche:
Wie wir lesen
Wie Schrift funktioniert
Schriften bewerten
Schriften auswählen und kombinieren
Typografische Systeme
Komposition


Das Buch zeigt die wesentlicher Felder auf, die es bei der Erstellung typografisch hochwertiger Webpräsenzen zu bedenken gibt und liefert passende Tipps, Links und Faustregeln aus der Erfahrung des Autors. Mehr darf man jedoch dabei nicht erwarten. Das Buch geht kaum in die Breite oder Tiefe und fungiert auch nicht als Nachschlagewerk. So ist das Buch also vor allem für (angehende) Webdesigner geeignet, denen Grundlagenwissen zur Typografie noch gänzlich fehlt und die sich erst einmal einen Überblick verschaffen möchten. Bei einem Preis von nur knapp 20 Euro geht die überblickshafte Behandlung des Themas in Ordnung. Eventuell reicht auch das Lesen des E-Books. Hier kann man auch direkt die im Buch zahlreich vorkommenden Links direkt ansteuern. Einige Leseproben gibt es auf der zugehörigen Webseite des Verlages.  


  • 5.528 Aufrufe
Gerrit Ansmann hat in den letzten Jahren an der Unifraktur Maguntia gearbeitet – einer kostenlos verfügbaren gebrochenen Schrift mit umfangreichem Zeichenausbau und zahlreichen Smartfont-Merkmalen. In diesem Interview verrät er uns mehr über dieses Projekt. 
 
Was fasziniert dich als Physiker an Typografie und Schriftgestaltung? Welche Motivation steckte hinter dem Ausbau der Unifraktur Maguntia?
Ich interessierte mich schon vor meinem Studium für Computergrafik, und dadurch, dass sie für wissenschaftliche Illustrationen nützlich wurde und Bézier-Kurven, Splines u. Ä. Gegenstand meiner Nebenfach-Vorlesungen in Numerik waren, verstärkte sich dies. Außerdem mag ich, im Vergleich zu anderen Künsten, die mathematische Natur der Schriftgestaltung. Aber mein Anlass, sich mit der Gestaltung von Frakturschriften zu beschäftigen, war ein ganz anderer: Als Physiker konnte ich mich naturgemäß für Rollenspiele begeistern, in meinem Fall Cthulhu. Dieses spielt hauptsächlich in den Zwanzigerjahren des vorherigen Jahrhunderts und ist sehr recherchelastig. Wer, wie ich, Abenteuer für dieses Spiel entwirft, muss daher häufig fiktive Zeitungsauschnitte u. Ä. erschaffen, die aus dieser Zeit stammen oder noch älter sind. Um den historischen Schriftsatz authentisch nachahmen zu können, arbeitete ich mich daher in die historischen Regeln des Fraktursatzes ein und lernte, das lange s und Ligaturen einzusetzen. In der Praxis hieß dies dummerweise häufig, dass ich irgendwelche Sonderzeichen per Hand einfügen musste, da die wenigsten Frakturschriften OpenType oder Unicode unterstützten. Die Maguntia war eine der wenigen Ausnahmen, basierte aber wie so viele Frakturschriften auf einer durchwachsenen Digitalisierung. Zum Beispiel hatte man in Wörtern wie Luftfahrt f- und t-Balken auf drei verschiedenen Höhen und J und I waren durch Skalieren ineinander überführbar. Da die Schrift frei war, fing ich daher irgendwann an, die schwerwiegendsten Probleme anzugehen, wobei mir neue Probleme auffielen, die ich wiederum behob, nur um irgendwann alles über den Haufen zu werfen und alle Buchstaben von Grundauf neu zu digitalisieren, und so weiter. Anfangs war mein Ansporn hierbei, eines Tages eine kleine Anleitung für historischen Fraktursatz zu schreiben, die dem Leser nicht abverlangt, irgendwelche sonstwo platzierten Sonderzeichen zu nutzen, sondern die Hauptarbeit OpenType u. Ä. zu überlassen. 

Bald gesellte sich allerdings eine andere Motivation hinzu, und zwar, dass die meisten Schöpfer von Frakturschriften eher auf Masse statt auf Klasse zu setzen schienen und ich mir wünschte, dass es zumindest eine Frakturschrift gibt, mit der man alles tun konnte, was man sinnvoll mit Fraktur anstellen können wollte. 

Auf welchen historischen Vorlagen basiert die Schrift? Und wie eng lehnt sich die Unifraktur Maguntia an diese an bzw. was wurde neu interpretiert oder neu hinzugefügt?
Die Hauptvorlage ist Carl Albert Fahrenwaldts Mainzer Fraktur von 1901, aus welcher die meisten Buchstaben und Ligaturen des deutschen Alphabets stammen, mit Ausnahme von J, Ä, Ö und Ü, die damals im Fraktursatz erst langsam in Gebrauch gerieten. Die verbleibenden Zeichen der Vorlage übernahm ich nur teilweise, da viele meines Erachtens nicht gut zum Rest der Schrift passten, vor allem die Ziffern und einige Satzzeichen. Diese Zeichen waren eher im Antiqua-Stil gehalten, was aber aus mir unerfindlichen Gründen damals üblich war – weswegen ich auch später Antiqua-Ziffern als Alternative ergänzte. Alle anderen Glyphen habe ich neugestaltet, wobei ich sofern sinnvoll möglich die existierenden Glyphen als Grundlage verwendet habe und mich von der ursprünglichen Maguntia und anderen Schriften hab inspirieren lassen. Dies betrifft unter anderem die modernen Formen, die Ziffern, Akzente und diverse Sonderzeichen. 



Lesbarkeit vs. Tradition: Ist die Schrift eher für traditionellen Fraktursatz gedacht? Wie geht sie mit dessen heutigen Lesbarkeitsproblemen um?
Zum einen dienen viele Glyphen ausschließlich der Reproduktion historischer Texte, was ja auch eines der Paradigmata meiner Arbeit war: Jeder Frakturtext soll mit der Maguntia abgebildet werden können. Zum anderen habe ich von zehn Buchstaben, die ungeübten Lesern besonders Probleme bereiten, moderne Varianten gestaltet, sowie ein rundes s ohne Schwung, das am Anfang oder im Innern eines Wortes genutzt werden kann, also dort, wo historisch ein langes s stand. Bei der Gestaltung dieser modernen Varianten habe ich aber den Gestaltungsprinzipien der ursprünglichen Schrift Priorität eingeräumt und deshalb habe ich beispielsweise kein modernes T implementiert (da ich keine zufriedenstellende Lösung fand) und das moderne N ist noch weit von einem Antiqua-N entfernt. Die modernen Varianten sind also ein – hoffentlich guter – Kompromiss zwischen Lesbarkeit und einheitlichen Formen. 

Beispielsatz, der die traditionellen und modernisierten Zeichenformen zeigt.
 
Traditionalisten möchten die Satzregeln und Zeichenformen in ihrem letztgültigen Stand beibehalten sehen, während andere argumentieren würden, dass modernisierte Formen und Satzregeln die gebrochenen Schrift eher am Leben halten können. Wie stehst du zu diesem Thema?
Ich denke nicht, dass man eine Schrift nutzen oder erschaffen sollte, nur um einen Stil am Leben zu erhalten. Stattdessen sollte man eine Schrift nutzen, wenn sie sich für eine Anwendung eignet, und eine Schrift erschaffen, wenn einem die Erschaffung selbst Freude bereitet oder man denkt, dass jemand diese Schrift nutzen möchte – in welchem Fall der Stil durch dieses Bedürfnis am Leben erhalten wird.
Ansonsten denke ich, dass sowohl historischer als auch moderner Fraktursatz ihre Existenzberechtigung haben, zum Beispiel: Wenn die Schrift nur »traditionell« oder (vor allem außerhalb des deutschen Sprachraums) »deutsch« kommunizieren soll und Lesbarkeit entscheidend ist, bietet es sich an, Modernisierungen zu nutzen. Soll die Schrift hingegen »historisch« oder »sehr alt« kommunizieren und es ist zu erwarten, dass die Leserschaft den Text mit angemessenem Aufwand entziffert bekommt, bietet es sich an, das lange s, historische Buchstabenformen usw. zu nutzen. Nichtsdestotrotz habe ich kein Verständnis für unsinnig absurde Kombinationen oder gescheiterte Versuche historisch zu sein, die mit einer Minute Internet-Recherche vermieden werden können. Der wohl verbreiteste derartige Fehler ist die pauschale Ersetzung des runden s durch das lange. Ein anderes Beispiel ist das neue Warsteiner-Logo, dessen t am ehesten wie ein Fraktur-k aussieht, wenn überhaupt, aber weder wie ein Fraktur-t noch wie ein Antiqua-t.
Gebrochene Schriften sind heute im deutschsprachigen Raum nur noch selten im Einsatz und wenn doch, nicht selten mit ausdrücklich gewünschter oder ungewollt entstehender Assoziationen zum Nationalsozialismus. Lässt sich die gebrochene Schrift überhaupt noch davon lösen und welche Einsätze stellst du dir für deine Schrift vor?  
Meiner Erfahrung nach hat die Fraktur in Deutschland durchaus ihre Nischen, in denen sie nicht automatisch mit den Nazis assoziiert wird, zum Beispiel in den Kontexten Tradition, Geschichte oder Festlichkeiten. Außerhalb des deutschen Sprachraums kann die Situation ähnlich sein, gerade wo irgendwann einmal Fraktur üblich war, z. B. habe ich eine beachtliche Menge Fraktur in Prag gesehen. Zumindest in Teilen des Rests der Welt wird Fraktur erst einmal mit Deutschland assoziiert (was leider häufig selbst für eine Nazi-Assoziation reicht), aber auch hier kommt es auf Kontext und Ort an. Außerhalb dieser Nischen besteht gibt es m. E. weder Chancen noch die Notwendigkeit, eine gewisse Nazi-Assoziation zu überwinden. Wer will schon z. B. seine politischen Standpunkte als »historisch« oder »alt« vermarkten?

Ironischerweise und hoffentlich zum Missfallen der Nazis stellt die Maguntia eine große Zahl »internationaler« Sonderzeichen bereit, die es ermöglichen, Namen aus anderen Sprachen in Fraktur zu schreiben, zum Beispiel für einen deutschen Brauchtumsverein – ich hätte meine helle Freude daran, wenn die Maguntia genutzt würde, um etwa den Namen einer türkischstämmigen Karnevalsprinzessin zu schreiben. Außerdem dienen viele Glyphen und Features dazu, den historischen Schriftsatz anderer Sprachen zu reproduzieren, z. B. Lettisch, Tschechisch, Slowakisch und Sorbisch. So oder so habe ich keinen speziellen Einsatzzweck im Blick, sondern hoffe, dass die Maguntia es Anwendern ermöglicht, alles zu gestalten, was sie wollen, sei es die Speisekarte eines österreichischen Restaurants in Portugal, ein Faksimile eines historischen Texts, die polnische Ausgabe von Asterix und die Goten oder sogar eine Karikatur. 
Kannst du uns etwas mehr zu den interessantesten Smartfont-Merkmalen der Schrift verraten? 
Das wohl intelligenteste Feature ist die Lang-s-Heuristik, welche anhand der angrenzenden Zeichen festzustellen versucht, ob ein s im Fraktursatz lang oder rund sein sollte und das entsprechende Zeichen verwendet. Die Heuristik ist zwar nicht perfekt, aber der geneigte Anwender kann sie dennoch vorarbeiten lassen und gegebenenfalls mit einem Bindehemmer nachkorrigieren. Es gibt zwar Schriften mit besseren Lang-s-Automatismen, für die ein ganzes Wörterbuch implementiert wurde, aber leider sind diese nicht frei verwendbar und funktionieren auch nicht überall. Für das runde r, eine alte Nebenform des r, gibt es einen ähnlichen Automatismus.

Außerdem haben wir Ligaturen gemäß der historischen Unterscheidung zwischen Zwangsligaturen und typografischen in zwei verschiedenen Features implementiert. Dies ermöglicht es den Sperrsatz, in dem nur eine dieser Ligaturen aufgelöst wurde, einfach zu implementieren. Schließlich gibt es vor allen für den modernen Fraktursatz ein Feature, das dem runden s den Schwung nimmt, wenn es nicht am Wortende steht, da er dort m. E. nicht passt.
Die meisten anderen Features sind nicht wirklich intelligent, sondern einfache Ersetzungen, zum Beispiel die bereits erwähnten modernen Varianten, historische Varianten und vier verschiedene Arten von Ziffern: Fraktur- und Antiqua- sowie Tabellen- und Proportionalziffern. 
In welchen Anwendungen funktioniert die Schrift? Welche technischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein und wo liegen die Grenzen?
Das Beste ist natürlich ein Programm mit voller OpenType-Unterstützung und Feature-Auswahl, mit dem man die Schrift einfach den eigenen Bedürfnissen anpassen können sollte. Für Nutzer OpenType-fähiger Programme, die keine Features auswählen können oder möchten, stellen wir vorkonfektionierte Varianten der Schrift zur Verfügung, die ausgewählten Feature-Kombinationen entsprechen und versuchen, den historischen Schriftsatz einer gewissen Zeit zu emulieren bzw. heutigen Lesern mit modernen Formen unter die Arme zu greifen. Sofern möglich, sind diese Features festverdrahtet, sodass sie auch ganz ohne OpenType funktionieren. Falls alle Stricke reißen, sind die Glyphen immer noch über das Private-Use-Area des Unicode ansteuerbar.

Ein anderes Problem stellen leider kleine Auflösungen dar, bei denen es sich bemerkbar macht, dass die Hinting-Technik einfach nicht für Fraktur gemacht ist. Ich habe zwar hoffentlich einiges verbessert, indem ich Linienbreiten und -positionen angeglichen habe und viele Stämme per Hand markiert habe, aber für manuelles Hinting auf der Bitmap-Ebene fehlt mir dann doch die Muße. 
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Die Website decodeunicode.org bietet Hintergrundinformationen zu den Zeichen des Unicode-Standards. Sie wurde 2005 an der Hochschule Mainz mit finanzieller Unterstützung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung erstellt und nach 10 Jahren nun umfassend aktualisiert. Zu den Neuerungen zählen:
109.242 Zeichen als SVG-Datei:
Zu jedem Unicode 6.0 Zeichen wird eine frei verwendbare Abbildung vorgestellt. Sie ist vektorbasiert, kann also in allen Größen eingesetzt werden.
Sprachen:
Erstmals werden zu jedem Zeichen die Sprachen angegeben, in denen es verwendet wird.
Schriftsysteme:
Alle 129 Schriftsysteme werden mit einem wissenschaftlichen Text von Dr. Deborah Anderson von der Script Encoding Initiative (SEI) der Universität Berkeley, Kalifornien, vorgestellt.
Missverständliche Zeichen:
Zu jedem Zeichen werden ähnliche Zeichen angezeigt, mit denen es nicht verwechselt werden sollte.
Am meisten betrachtete Zeichen:
Auf der Startseite werden die meist besuchten Zeichen in einer TOP 40 (Desktop-Version) bzw. einer TOP 10 (Mobilversion) angezeigt.

Die Gestaltung übernahmen Johannes Bergerhausen, Ilka Helmig und Siri Poarangan. Die Software-Entwicklung erfolgte durch meso.net aus Frankfurt am Main. 
Eine Aktualisierung des Zeichenvorrats auf aktuellere Unicode-Versionen soll im Laufe des Jahres nach der Verabschiedung von Unicode 9 erfolgen.  
https://decodeunicode.org
  • 5.447 Aufrufe
Das seit 1924 erschienene Magazin »Gebrauchsgraphik« zählte zu den führenden Designzeitschriften des 20. Jahrhunderts und war ein Vorreiter auf diesem Gebiet. Zunächst erschien das Magazin in Berlin, ab 1950 dann in München, wo dieses Erbe unter der aktuellen Bezeichnung »novum – World of Graphic Design« im Stiebner Verlag fortgeführt wird. Durch den langen Bestand bildet das Magazin eine einzigartige Dokumentation der internationalen Trends im Grafikdesign, der Werbung, der Typografie und angrenzender Gebiete.

Unter design.illustrierte-presse.de sind nun hochwertige Digitalisate von Ausgaben zwischen 1924 und 1943 verfügbar. Die Digitalisierung erfolgte anlässlich des 90-jährigen Bestehens des Heftes durch die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) in Zusammenarbeit mit der Universität Erfurt und dem Münchner Stiebner Verlag. Teil des Projektes sind nicht nur die vollständige Zurverfügungstellung der Digitalisate, sondern auch eine Volltexterschließung und Verschlagwortung, um die Recherche zu vereinfachen. 

http://design.illustrierte-presse.de
Aktualisierung 2026: Die angegebene Website ist nicht mehr verfügbar. Die Werke sind über die SLUB-Website einsehbar: https://www.arthistoricum.net/werkansicht/dlf/112648/1
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Nachdem in der Vergangenheit schon entsprechende Angebote für größere Kunden angeboten wurden, legt Monotype nun auch ein Abo-Modell für die breite Masse der Anwender kommerzieller Schriften vor. Für 14,99 Euro pro Monat lassen sich über 2000 Schriftfamilien  von Monotype, Linotype, Ascender, ITC und Bitstream mieten. Das Abo umfasst dabei die Nutzung im Sinne der herkömmlichen Desktop-Lizenzen. Das Angebot kann wahlweise über MyFonts oder fonts.com gebucht werden. Wie bei anderen Abo-Diensten muss man eine Software (»Skyfonts«) installieren, die die Fonts im Hintergrund herunterlädt und dem System zur Verfügung stellt, solange das Abo läuft.  
Update Dezember 2018: Der Service wurde mittlerweile wieder eingestellt. 
  • 8.939 Aufrufe
Mit der Gill Sans Nova, Joanna Nova und der Joanna Sans Nova veröffentlich Monotype zeitgleich drei Schriftfamilien, die auf Eric Gills Klassikern Gill Sans und Joanna aufbauen. Entworfen wurden die Überarbeitungen und Neuschnitte von Steve Matteson, George Ryan, Ben Jones und Terrance Weinzierl.  


Originalskizzen zur Gill Kayo
 

Muster der Gill Sans Nova
 
Die Gill Sans wuchs in der Nova-Version auf 43 (statt bisher 18) Schnitte an und ist nun von Ultra Light bis Ultra Bold und in schmalen Schnitten erhältlich. Mit W1G-Belegung wurde auch der Zeichenumfang deutlich erweitert. Hinzu kommen neue lichte und schattierte Schnitte für Schaugrößenanwendungen, die zum Teil auf Originalzeichnungen aus dem Monotype-Archiv beruhen, bislang aber nicht als Fonts verfügbar waren. 

Ein früher Testabzug der Gill Sans Shadow No. 3
 

Die neuen Display-Schnitte der Gill Sans
 
Die Joanna Nova von Ben Jones verfügt im Vergleich zum Original nun über 18 (statt 6 Schnitte) mit lateinischer, griechischer und kyrillischer Belegung. Außerdem sind nun Kapitälchen, verschiedene Ziffernarten und kontextbedingte Ligaturen per OpenType-Automatik verfügbar. 


Originalzeichnungen der Joanna von Eric Gill aus dem Jahr 1939
 

Muster der Joanna Nova 
 
Die Joanna Sans Nova ist eine Neuentwicklung von Terrance Weinzierl, die eine passende Serifenlose zur Joanna darstellt, laut Angaben des Designers aber auch von Originalzeichnungen der Gill Sans inspiriert ist. Die Schrift verfügt besitzt mehr als 1000 Zeichen in ihren 16 Schnitten.  

 Die Schriften der Eric-Gill-Serie können über MyFonts.com, Fonts.com und Linotype.com bezogen werden und starten mit stark reduzierten Einführungspreisen. 
  • 7.378 Aufrufe
Die dritte Ausgabe des kostenlosen Typografiemagazins »Schrägstrich«, das von Studenten der HTWK Leipzig erstellt wird, ist gerade erschienen. Im Gegensatz zu den vorherigen Ausgaben ist die aktuelle nun keine iPad-App mehr, sondern ein iBook, das sich auf allen aktuellen iOS- und MacOS-Geräten betrachten lässt. 

 Das digitale Magazin steht diesmal unter dem Leitthema »Typografie um die Welt«. Autoren wie Johannes Bergerhausen, Helmut Ness, Holger Schmidhuber, Georg Seifert, Boris Kochan und Rayan Abdullah konnten gewonnen werden. Sie berichten über Schriften, Schriftgestaltung sowie ihre Arbeit und Erfahrungen mit Typografie. 


 
Inhalt:
Vivien Zschammer informiert über die Schriftsysteme der Welt. 

Johannes Bergerhausen begibt sich mit sumerischer Piktogramme zu den Ursprüngen des Schriftsystems. 
Helmut Ness erläutert, wie die Vialog von München bis nach Japan kam.

Holger Schmidhuber stellt eine Schrift vor, die sowohl universell als auch international einsetzbar ist: Die Weber Serif.
Georg Seifert gewährt einen Blick hinter die Kulissen 
seines Fonteditors Glyphs.
Boris Kochan zeigt die Aufgaben und Ziele des GRANSHAN-
Projektes auf.

Rayan Abdullah gibt Einblicke in seine Arbeit als Typograf. 

 
Zum kostenlosen Download von Schrägstrich 3.0 als iBook
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Als wir vor einem Jahr über die Übernahme von FontShop/FSI durch Monotype berichteten, kam auch die Frage auf, welche namhaften unabhängigen Schriftanbieter noch im deutschsprachigen Raum verbleiben. URW++ dürfte dabei den meisten in den Sinn kommen. Aber auch die Hamburger Schriftenschmiede, bekannt als einer der Wegbereiter digitaler Schrift, wechselt nun in ausländische Hand. Das britische Unternehmen Global Graphics aus Cambridge übernimmt URW++ für 4,2 Millionen Euro. URW++ soll weiterhin als eigenständiges Unternehmen unter der Leitung von Peter Rosenfeld fungieren, jedoch als hundertprozentige Tochtergesellschaft von Global Graphics SE.
 
Weitere Details finden sich in der Pressemitteilung von Global Graphics. Einblicke in die aktuelle Arbeit bei URW++ gibt es in unserem Video-Archiv. 
  • 5.554 Aufrufe
Monotype hat die Version 5 des Fontmanagers FontExplorer X Pro für Mac OS veröffentlicht. Hier eine Übersicht der nennenswerten Neuerungen.
 

links: alte Version, rechts: FontExplorer X Pro 5
 
Die Oberfläche erscheint nun optisch überarbeitet. Die bunten Icons wurden durch schwarze ersetzt. Außerdem können die Fonts nun in einer Kachelansicht mit eigenen Mustertexten dargestellt werden. 

Aktualisierungen für die Aktivierungsplugins, die nun auch QuarkXPress und Creative Cloud in den 2015er-Versionen unterstützen.
Unterstützung des Unicode-7-Zeichenvorrates für die Glyphenübersichten.
Die Organisation und Vorschau von Webfonts wurde um WOFF 2 erweitert.
Die Schriften der Webdienste Skyfonts und Typekit können direkt im FontExplorer verwaltet werden.
Monotypes Webshops bzw. -dienste (fonts.com, linotype.com, myfonts.com, fontshop.com, Monotype Membership) können direkt innerhalb des Fontmanagers geladen werden. Das Programm fängt Schriftdownloads dann selbstständig ab und übernimmt sie in die Verwaltung. 

 
FontExplorer X Pro 5 ist verfügbar für Mac OS X und kostet für Neukunden 89,– Euro. Wer bereits eine Vorgängerversion genutzt hat, kann seine Softwarelizenz für 45,– Euro aktualisieren. Nutzer, die mit der Version 4.x arbeiten und diese nach dem 1.4.2015 erworben haben, erhalten ein kostenloses Upgrade.
http://www.fontexplorerx.com
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SkyFonts, Fontslice, Typekit, Fontyou … In den letzten Jahren versuchen sich vermehrt Anbieter darin, neue Lizenzierungsmöglichkeiten für Schriften auszuloten. Mit Fontstand wurde im Rahmen der TYPO Berlin ein weiterer Dienst gestartet. Doch was steckt dahinter? Typografie.info hat sich das neue Angebot einmal näher angeschaut.  
Das Prinzip von Fontstand ist schnell erklärt: Es handelt sich um einen Dienst, der derzeit nur Desktop-Fonts unterstützt. Diese können für eine Stunde kostenlos auf dem eigenen Rechner (in jeder beliebigen Anwendung) getestet werden. Danach mietet man den Font monatsweise für 10% des regulären Preises. Hält man die Miete aufrecht, ist der Font nach 12 Monaten abbezahlt und die Mietlizenz wird in eine herkömmliche Desktop-Lizenz umgewandelt.  

 Der Dienst löst auf recht clevere Weise ein typisches Problem, das professionelle Schriftanwender nur zu gut kennen: wie kann man Fonts testen, ohne sie erst komplett bezahlen zu müssen oder sicher sein zu können, dass der Kunde dem Einsatz später überhaupt zustimmt. Die großen Anbieter wie Monotype und Adobe setzen diesem Problem Mietmodelle entgegen. Man kann komplette Bibliotheken für eine vergleichsweise kleinen Betrag mieten und die Fonts dann beliebig testen und nutzen. 
Der Haken ist jedoch, dass man sich bei diesen Modellen an den Anbieter bindet und dauerhaft den Mietpreis zahlen muss. Bei Fontstand ist dies nicht der Fall. Man kommt in den Genuss von Testversionen und günstigen Mietpreisen, aber behält sich alle Freiheiten einer Desktop-Lizenz, wenn die Fonts abbezahlt sind.  

 Zu Beginn ist der Dienst lediglich für Mac OS X verfügbar. Eine Windows-Version ist jedoch in Planung. Wie bei anderen Webdiensten für Schriften benötigt Fontstand ein dauerhaft lokal laufendes Programm, das die Aktivierung der Schriften regelt. Im Gegensatz zu anderen Diensten wie Typekit oder Fontyou erfolgt die Verwaltung jedoch nicht über den Browser. Die Fontstand-Anwendung bringt den Shop direkt in der App mit. Hier können die Fonts nach Schriftstil, Schriftanbieter und Suchbegriffen durchforstet werden. Eigene Mustertexte oder Glyphentabellen gibt es aktuell leider nicht, aber die Fonts lassen sich ja mit einem Klick aktivieren und dann in beliebigen lokalen Anwendungen begutachten.  

 Fazit: Fontstand überzeugt auf Anhieb. Es bietet klare Vorteile gegenüber klassischen Webshops für Schriften, ohne die Nachteile von Dauermietlösungen mit sich zu bringen. Interessant ist auch zu sehen, wer hinter Fontstand steckt und welche Foundries ihre Schriften über Fontstand anbieten. Entwickelt wurde das Konzept von Peter Biľak (Typotheque) und Andrej Krátky und die beteiligten Schriftanbieter bilden eine feine Auswahl von »Indie Labels«: Type Together, Storm Type, House Industries, Typofonderie, Commercial Type, Bold Monday  und so weiter. So wirkt das Angebot wie eine Antwort der inhabergeführten Foundrys auf die Angebote der großen Anbieter wie Monotype und Adobe, die in ihren Angeboten vor allem auf Masse setzen. Fontstand setzt dem hochwertige Schriften zu fairen Konditionen entgegen. Ein Angebot, das für die betreffenden Foundries und die Schriftnutzer gleichermaßen von Vorteil sein wird.  
Weitere Infos und Download der App unter: https://fontstand.com
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2011 wirbelte Schriftgestalter und Software-Entwickler Georg Seifert den Markt der Fonteditoren kräftig durcheinander. Sein neuer, ausschließlich für Mac OS entwickelter Fonteditor Glyphs setzte neue Maßstäbe in Sachen Einfachheit und Bedienfreundlichkeit. Das Programm nimmt dem Schriftgestalter viele komplexe, technische Einstellungen und Arbeitsschritte ab und erledigt diese selbstständig im Hintergrund. Dennoch handelt es sich bei Glyphs nicht bloß um ein Einsteigerprogramm. Auch umfangreiche Schriftentwicklungen in komplexen Schriftsystemen sind umsetzbar und das Programm ist durch Plugins leicht erweiterbar.  

 Nach vier Jahren wurde nun die Version 2.0 des Programms veröffentlicht und bringt eine umfassende Erweiterung des Funktionsumfanges mit sich. Eine Auswahl der Neuerungen:
Mehrfarbigen Schriften. Die derzeit sehr beliebten, mehrfarbigen Schriften lassen sich mit Glyphs 2.0 besonders einfach erstellen und als Ebenenfont oder in Apples und Microsofts Farbfont-Technologien ausgeben. 
Webfonts. Webfonts können direkt in den Formaten EOT, WOFF und WOFF2 ausgegeben werden.
TTF Autohinting. Glyphs besitzt nun eingebautes TrueType-Autohinting und eine leicht bedienbare Funktion für manuelles TrueType-Hinting. 
Multiple Master. Die Interpolation von Schriften ist nun über drei Achsen möglich und für schwierige Fälle kann die Interpolation für einzelne Buchstaben separat gesteuert werden. 
Intelligente Komponenten. Wiederkehrende Buchstabenteile können nicht nur als statische Komponenten angelegt werden, sondern passen sich durch Interpolation dem jeweiligen Einsatz an.
Neben freistehenden Komponenten können sogar offene Umriss-Segmente (Stamm-Enden, Serifen etc.) als Komponenten in beliebige Buchstaben integriert werden. 
 

 
Einen Überblick über die Neuerungen bietet auch dieses Video:
Glyphs gibt es in der Vollversion für 249,90 Euro und einer abgespeckten Mini-Version für 44,99 Euro. Upgrades von Version 1 sind zum halben Preis erhältlich. Eine 30 Tage nutzbare Testversion beider Programme steht auf der Glyphs-Website zum Download bereit: https://www.glyphsapp.com/buy
 
Gewinnspiel (beendet)
Mit freundlicher Unterstützung des Entwicklers verlost Typografie.info eine vollwertige Lizenz für Glyphs Mini. Zur Teilnahme genügt es, bis Sonntag (26. April 2015) einen öffentlichen Link auf diese Artikelseite bei Facebook oder Twitter einzustellen und uns zur Bestätigungen einen Screenshot davon an [entfernt] zu senden. Das Los entscheidet. Typografie.info wünscht viel Glück!
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Das Pariser Designkollektiv Fontyou existiert seit circa zwei Jahren und fördert eine gemeinschaftliche Entwicklung von Schriften, von denen in der Kürze der Zeit bereits eine beeindruckende Zahl erschienen ist. Nun wendet man sich aber auch mit einem anderen Projekt an die Schriftanwender und startet eine Webplattform für die Verwaltung von Schriften – also einen Cloud-Fontmanager.  

 Wie bei ähnlichen Webdiensten, die ins lokale System eingreifen, muss auch hier ein Software geladen werden, die im Hintergrund auf dem Rechner läuft und die Verbindung zum Dienstanbieter hält. Ansonsten läuft die Verwaltung komplett im Browser ab. Man lädt zunächst seine komplette Schriftbibliothek in das System hoch. Anschließend kann man dann über die Weboberfläche Schriften aktivieren und deaktivieren oder in Listen zusammenfassen. Die Verwaltung ist an den jeweiligen Benutzer gebunden und somit unabhängig vom gerade benutzten Rechner. Solange das Plugin im Hintergrund läuft, kann man von jedem Rechner aus auf seine Schriftbibliothek zugreifen. Der Dienst ist dabei komplett kostenlos. Kommerzielle Zusatzleistungen in der Zukunft sind jedoch wahrscheinlich.  

 Ein Vorteil des System ist sicherlich die Unabhängigkeit vom einem bestimmten Rechner. Die Verwaltung über ein Websystem bietet zudem jede Menge sinnvoller Ausbaumöglichkeiten. Eine Funktion für kostenlose Testversionen kommerzieller Schriften ist bereits in Arbeit. Öffentliche Listen, gemeinsame Klassifikationen, Bewertungen, Diskussionen usw. – vieles ist denkbar, wenn ein Fontmanager nicht mehr nur lokal läuft, sondern Teil eines Online-Systems mit tausenden Anwendern ist. Und auch die kostenlose Nutzung dürfte für viele Anwender ein nicht unwesentliche Kriterium sein. 

 Ein spürbarer Nachteil mag die Verarbeitungsgeschwindigkeit sein. Lokale Schriften lassen sich mit klassischen Fontmanagern über die Festplatte rasend schnell verarbeiten. Doch über das Websystem müssen sie zunächst manuell hochgeladen, und dann zur Verwaltung wieder als Webfont in den Browser geladen werden. Und auch die Aktivierung erfolgt dann schließlich wieder über den Umweg vom Webserver zum lokalen Plugin. Momentan gibt es im Websystem auch keinerlei Detailinformationen oder Glyphentabellen zu den Schriften. Dies könnte in der Zukunft jedoch noch folgen. So ist das System momentan gleichsam fortschrittlich und rudimentär. 
Meine Anfragen zu Privatsphäre-Details wurden leider nur ausweichend beantwortet. Die Website zur Verwaltung der Schriften ist erwartungsgemäß verschlüsselt. Auf wessen Servern in welchem Land die eigene Fontbibliothek dann aber gespeichert wird und wer eventuell darauf Zugriff hat, wird wohl auch eine entscheidende Frage bestimmter Nutzer sein.  
Wer das System schon einmal ausprobieren möchte, kann sich unter fontyou.com registrieren. 
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»Einführung in die Typografie: Hintergründe, Grundlagen, Literaturempfehlungen«. Mit diesem Untertitel ist im Hermann Schmidt Verlag Mainz das Buch »read + play« von Ulysses Voelker erschienen. Es handelt sich dabei um eine überarbeitete und erweiterte Fassung des gleichnamigen Werkes, das zuvor über das Designlabor Gutenberg der FH Mainz erschienen war.
 
Am Konzept hat sich auch mit der Neuauflage nichts Wesentliches geändert. Das Buch möchte ein »Navigationssystem« sein, das dem Leser hilft, sich die Welt der Typografie zu erschließen. In knappen, profunden Texten führt Ulysses Voelker in Funktion und Wirkung, Geschichte und Stile der Typografie ein und ergänzt jeden Einzelaspekt mit kommentierten und hierarchisierten Buchtipps. Anhand dieser Kurzeinführungen kann der Leser dann entscheiden, zu welchem Aspekt er sein Wissen in den weiterführenden Quellen vertiefen möchte. 

Neue (links) und alte Ausgabe (rechts) nebeneinander
 



 Bei der ersten Ausgabe hatte ich die etwas experimentelle Gestaltung kritisiert und dieser Punkt wurde in der Schmidt-Ausgabe spürbar verbessert. Zur weiterhin eingesetzten Letter Gothic gesellt sich nun die lesefreundlichere Avenir und auf die zwei Leserichtungen mit gedrehten Seiten wurde in der Neuausgabe verzichtet.
Daten zum Buch:
Autor: Ulysses Voelker
Umfang: 168 Seiten
Art: broschiert
Verlag Hermann Schmidt Mainz
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 978-3874398688
Bei Amazon bestellen (Partnerlink)
  • 7.818 Aufrufe
Nach 14-jährigem erfolgreichen Bestand und Wachstum bekommt die meistbesuchte deutsche Typografie-Website nun einen englischen Ableger unter der Adresse Typography.Guru. Die neue Site baut direkt auf die Erfahrungen mit dem Betrieb der Online-Community Typografie.info auf. Wie letzteres kombiniert das neue Angebot ein Forum mit verschiedenen Sektionen, die Inhalte rum um das Feld der Typografie sammeln. Die auf der hiesigen Seite vorhandenen Rubriken Font-Wiki und Typo-Wiki wurden nicht übernommen, da es im englischen Raum bereits zahlreiche Webseiten mit entsprechenden Inhalten gibt. Dafür entsteht auf Typography.Guru zum Beispiel ein umfangreiches Verzeichnis, das unter anderem Museum, Werkstätten, Bibliotheken und Ausbildungsstätten aus dem Fachbereich darstellt.  

 Außerdem gibt es Rubriken für Videos, Zitate, Listen, Veranstaltungen, Interviews und natürlich für Fachartikel. In fast allen Bereichen können registrierte Mitglieder direkt mitwirken und Inhalte einreichen, kommentieren und gegebenenfalls auch rezensieren. 

 Alle Mitglieder und Gäste von Typografie.info sind herzlich eingeladen, sich auch auf Typography.Guru umzuschauen und gegebenenfalls auch zu registrieren. http://typography.guru 
Und bevor Bedenken aufkommen: Es gibt keine Absichten, Typografie.info durch das neue, internationale Angebot zu ersetzen oder zukünftig stiefmütterlich zu behandeln. Die Pflege von Typografie.info wird unverändert fortgeführt. 
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Die US-amerikanische Schriftgießerei MacKellar, Smiths & Jordan geht zurück auf die schottischen Einwanderer Archibald Binny und James Robertson, die Ende des 18. Jahrhunderts in Philadelphia eine Schriftgießerei einrichteten, die im Laufe des 19. Jahrhunderts eine der bedeutendsten des Landes werden sollte – nicht nur gestalterisch. Mit ihrem Pica-System setzen sie auch den Maßstab für die Schriftmetrik im englischsprachigen Raum. 
Die Gießerei bezeichnete sich später stolz als »first (permanent) type foundry in the United States«. Kleinere Gießereien hatte es freilich auch schon zuvor gegeben. Johann Christoph Sauer betrieb zum Beispiel im Stadtteil Germantown von Philadelphia seit den 1730er-Jahren eine Gießerei für »German Type« – gebrochene Schriften für den Satz deutscher Texte. Das Material ging später in den Besitz von Binny und Robertson über, die 1796 ihr Geschäft als Binny & Ronaldson eröffneten. 

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Gießerei von Lawrence Johnson übernommen. Dieser holte Thomas MacKellar und die Brüder John und Richard Smith als Partner dazu. Nach Johnsons Tod trat der Buchhalter Peter A. Jordan in die Firma ein, wodurch die bis Ende des 19. Jahrhunderts bestehende Firmierung als MacKellar, Smiths & Jordan entstand. Ende des 19. Jahrhunderts ging die Gießerei mit vielen anderen in American Type Founders auf. 
Zum hundertjährigen Bestehen gab man 1896 noch eimal eine Festschrift heraus, die die Historie des Unternehmens beleuchtete und auch fotografische Einblicke in die Arbeit der Gießerei bot. Nachfolgend eine Auswahl der in diesem Buch enthaltenen Bilder. 
 
Metal-mixing Department

Making the Matrix



Making Type-Moulds

Fire-proof Vault for storing Matrices and Moulds

Hand Type-casting Department

Automatic Type-casting Department

Electrotyping



The Foundry Stock Room

Financial and Commercial Departments

Sales and Shipping


Bookkeeping and Correspondence Department


Printing Department






(Quelle: One hundred years: MacKellar, Smiths and Jordan foundry, 1796-1896. Scan der Villanova University, Creative Commons, BY-SA 3.0)
  • 11.794 Aufrufe
Vor 100 Jahren im Bleisatz waren Schriftproduktion und Vertrieb noch so teuer, dass sich die Bestseller unter den Schriften meist nur bei den großen, finanzstarken Schriftgießereien fanden. Mit der Digitalisierung der Schrift und offenen, weltweit zugänglichen Vertriebsplattformen wie MyFonts können heute aber auch schriftgestalterische »Einzelkämpfer« in kurzer Zeit Bekanntheit erlangen. Vor einigen Jahren war etwa der Niederländer Jos Buivenga einer der ersten der neuen »MyFonts-Stars«. Ein Schriftgestalter, der aktuell mit fast jeder neuen Schrift in die Bestseller-Listen einsteigt, ist der Berliner Hannes von Döhren mit seinem Label HvD Fonts. In einem beim »Hermann Schmidt Verlag« erschienenen Buch stellt er nun sein Schriftschaffen der letzten sechs Jahre vor.


Den größten Teil des 272 Seiten starken und komplett englischen Festeinband-Buches machen die Vorstellungen bzw. Präsentationen von 31 Schriftentwürfen aus. Die Aufmachung entspricht den üblichen Schriftmustern, wie man sie heute meist digital auf Webseiten und in PDFs vorfindet: ein kurzer (werblicher) Beschreibungstext, Alphabet-Übersichten sowie fiktive Textdarstellungen mit Einzelwörtern und Blindtextabsätzen.


Angereichert wird das Buch von einem Fachtext von Jan Middendorp, der über Hannes von Döhren und die neuen Möglichkeiten des Schriftvertriebes schreibt. Außerdem gibt es zwei Interviews: eines mit Hannes von Döhren und eines mit Freund und Mitarbeiter Livius Dietzel. Am Ende des Buches gibt es eine Bildersammlung mit HVD-Fonts in realen Anwendungen.


Käufer des Buches erhalten auch einen persönlichen Code und können sich fünf HvD-Einzelfonts im Wert von 99 Dollar auf der Website von Fontspring herunterladen.

Fazit: Das Werk ist vor allem ein Schriftmusterbuch, das sämtliche HvD-Fonts in gedruckter Form zeigt – früher hätte man von einer so genannten Hauptprobe gesprochen. Jedoch waren solche Schriftmuster in der Regel kostenlos, denn sie waren vor allem Werbematerial, das zum Schriftenkauf animieren sollte. Mit einem Kaufpreis von 39,80 Euro ist das hier vorliegende Schriftmusterbuch in diesem Sinne vergleichsweise teuer und bietet abgesehen von der Druckform der Schriftmuster inhaltlich leider kaum einen Mehrwert – man denke etwa an mögliche Hintergrundinformationen zu den Schriftentwürfen, Skizzen und Anekdoten aus dem Gestaltungsprozess oder schriftgestalterische Einordnungen und Analysen, aus denen der Leser des Buches etwas lernen könnte. Schade! Für knapp 40 Euro sind mir rein werbliche Schriftmuster zu wenig. So kann ich leider keine allgemeine Kaufempfehlung aussprechen und das Buch nur eingefleischten Schriftmustersammlern und Von-Döhren-Fans empfehlen.
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  • 6.830 Aufrufe
Es hat sich seit den 1990er-Jahren leider nicht geändert: Die Betriebssystemhersteller setzen für ihre eigene Software vor allem auf TrueType-basierte Fonts. PostScript-basierte Fonts spielen (im Gegensatz zur Designbranche) bei Betriebssystemherstellern eher eine Nebenrolle und werden weniger gut getestet. Apple hatte zuletzt 2011 mit diesem Problem zu kämpfen, als in OS X 10.6.7 PostScript-basierte Fonts in Programmen und PDFs versagten. Mit der neuesten Aktualisierung von Mac OS X machen PostScript-Fonts schon wieder Probleme. 
Wie die Techniker von FSI FontShop International herausfanden, verarbeitet Yosemite PostScript-basierte OpenType-Schriften falsch, wenn diese einen von 1000 abweichenden UPM-Wert haben. Dieser Wert bestimmt die Feinheit des Rasters, auf dem die Ankerpunkte der Buchstabenumrisse liegen. Schriften im Format PostScript Type 1, wie es sie seit den 1980er-Jahren gibt, hatten stets einen UPM-Wert von 1000. Mit der Einführung des OpenType-Formates fiel die Beschränkung auf 1000 Einheiten und immer mehr Designer wählten nun größere Werte, um die Details des Schriftentwurfes besser kontrollieren zu können. Dennoch gibt es immer wieder Software, die entgegen der Angaben in den OpenType-Spezifikationen von 1000 Einheiten für PostScript-basierte OpenType-Fonts ausgeht und die Skalierung der Schriften dann falsch berechnet. So geschieht es aktuell in OS X 10.10 (Yosemite). Beim Druck oder PDF-Export aus Programmen wie TextEdit, Pages etc. (also allen Programmen, die Apples Grafikbibliotheken zur Generierung des Drucks benutzen) werden die betreffenden Schriften völlig falsch dargestellt. 

oben: Gesetzter Text in TextEdit; unten: exportiertes PDF
 
Wer überprüfen möchte, ob die eigenen Schriften betroffen sind, muss dazu lediglich die Fonts in der Schnellvorschau (»QuickLook«) betrachten. Auch dort zeigt sich das Problem. In Programmen wie Illustrator oder InDesign tritt das Problem jedoch nicht auf. Wir werden diesen Artikel aktualisieren sobald es neue Informationen oder eine Software-Aktualisierung von Apple gibt. 
Update: Das Problem wurde offenbar mit dem Update 10.10.2 behoben. 
  • 12.078 Aufrufe
Erik Spiekermann ist der wohl bekannteste deutschsprachige Typograf. Nach einem schaffensreichen Arbeitsleben zieht er sich nun gerade Schritt für Schritt aus dem Alltagsgeschäft zurück. Die von ihm maßgeblich mitbegründete gelb-schwarze Schriftenwelt der FontFont-Bibliothek und des FontShop-Versandhandels trat er kürzlich zur Überraschung vieler an Monotype ab. Dafür kehrt Erik nun wieder zu seinem Wurzeln als Drucker zurück und ist häufig in seiner neuen Hochdruck-Werkstatt p98a zu finden. Es ist ein passender Zeitpunkt, um auf sein Lebenswerk zurückzublicken. Sein Weggefährte Johannes Erler hat dazu in Zusammenarbeit mit dem Verlag »Gestalten« die Biografie »Hallo, ich bin Erik« erarbeitet. Doch kann sie uns noch viel Neues verraten, dass wir nicht ohnehin schon über den omnipräsenten »Typomanen« Spiekermann wissen? Ich finde, durchaus!


Das Buch ist keine klassische Biografie in Gestalt eines durchgängigen Fließtextes, sondern eher fragmentarisch angelegt. In voneinander unabhängigen Texten und Interviews berichten Erler und viele Weggefährten über Abschnitte von Spiekermanns beruflichem und privatem Leben sowie den konkreten Projekten und zahlreichen Unternehmungen. Dies macht das Werk erfreulich abwechslungsreich und kurzweilig. Die Anektdoten von Kollegen und die reiche Bebilderung aus Privatfotos und unzähligen Arbeitsproben tragen ihr Übriges dazu bei. 

Gesetzt ist das 320-seitige, in Deutschland gedruckte Hardcover-Buch in einem extra angefertigten, halbfetten Schnitt der Akzidenz-Grotesk, den Käufer des Buches mit einem persönlichen Code auch herunterladen können. Das großzügige Format und die Gestaltung sind der Aufmachung als Portfolio-Präsentation angepasst. Die Texte sind aber dementsprechend oft recht klein gesetzt. Die beißend-orange Leuchtfarbe kommt zum Glück nur ab und zu als Hintergrund und für kurze Textabschnitte zur Anwendung.




Lediglich Spiekermanns Schriftentwürfe sind in einem gesonderten Teil am Ende des Buches zusammengefasst. Ansonsten zieht sich die umfassende Werkschau (verteilt auf die sieben Abschnitte »der Designer«, »der Schriftgestalter«, »der Unternehmer«, »der Netzwerker«, »der Autor«, »der Techniker« und »der Mensch«) nahezu über das gesamte Buch. Die Verbindung dieser Bereiche in einer Person ist es wohl auch, die Spiekermanns Wirken so besonders und erfolgreich macht. Und so feiert dieses Buch nicht nur das Lebenswerk Spiekermanns, sondern letztlich auch ganz allgemein die Rolle erfolgreichen Kommunikationsdesigns – als ein Werkzeug der Verständigung, das, ob es den Menschen bewusst ist oder nicht, nahezu alle Teile unseres Lebens berührt. »Es ging mir immer und bis heute darum, Kommunikation möglichst präzise zu gestalten. Ich möchte verständlich sein, weil ich finde, dass es unendlich viel zu entdecken und zu verstehen gibt. Das wollte ich mein ganzes Leben lang«. (Erik Spiekermann)
 
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  • 7.429 Aufrufe
Mit seiner neuesten Desktop-Betriebssystem-Version OS 10.10 (Yosemite) rückt Apple deren Aussehen näher an das Mobilbetriebssystem iOS heran. Im Zuge dessen weicht auch die lange Zeit für die grafische Benutzeroberfläche benutze Lucida Grande – eine Version der Lucida Sans – der Helvetica. Dies mag nicht jedem gefallen. Insbesondere auf Monitoren ohne Retina-Auflösung macht die Lucida mit ihren offeneren Formen und der großzügigen Zurichtung eine bessere Figur als die Helvetica. Die folgende GIF-Animation zeigt den Unterschied.   

 Das Ergebnis steht im Gegensatz zu Apples eigener Aussage über die »großartige neue Schrift«, die nun »besser lesbar« sein solle. 

 Und natürlich habe manche Designer auch schlicht generell eine Abneigung gegenüber der seit Jahrzehnten übermäßig stark eingesetzten Helvetica. 

 Findige Entwickler haben daher bereits Lösungen gefunden, wie man die Helvetica in OS 10.10 wieder los werden kann, ohne selbst tief ins System eingreifen zu müssen. Dieses auf GitHub zur Verfügung gestellte Skript ersetzt die Helvetica wieder durch die etablierte Lucida Grande. Starten Sie die im Download-Paket enthaltene App einfach mit einem Rechtsklick oder mit »CTRL + Klick → Öffnen« und bestätigen Sie die Ersetzung. Nach einem Neustart bzw. einer Neuanmeldung wird systemweit wieder die Lucida Grande verwendet. Bei Bedarf ist auch eine Deinstallationsmöglichkeit im Skript enthalten. 
Wer weder die Lucida, noch die Helvetica mag, kann sich auch das Download-Paket des Berliner Schriftechnikers Jens Kutílek anschauen. Darin befinden sind speziell präparierte Schnitte der Fira Sans, die dem System vorgaukeln, eine Helvetica zu sein. Es reicht, die Schriften in den Font-Ordner der Benutzer-Library zu legen und sich neu anzumelden. Wer nicht zufrieden ist, kann die Fonts einfach wieder löschen um damit zur Helvetica zurückzukehren. 

Mac OS 10.10 mit Fira Sans als UI-Schrift
 
Wer schon dabei ist, Neuerungen von OS 10.10 zurückzunehmen, dem gefallen eventuell auch folgende Tipps. Die unnötigen Transparenz-Effekt wird man über folgende Einstellung wieder los:
Systemsteuerung → Bedienungshilfen → Anzeige → Transparenz reduzieren.

 Safari 8 schneidet URLs im Adressfeld nun direkt nach der Top-Level-Domain ab. Wer zur besseren Orientierung die komplette URL der aktuellen Seite sehen möchte, findet die zugehörige Auswahlmöglichkeit in den Safari-Einstellungen unter »Erweitert«.  

  • 42.056 Aufrufe
An den Emoji scheiden sich die Geister. Für die einen sind sie längst ein selbstverständlicher Teil der digitalen Kommunikation (z.B. in Online-Diensten wie WhatsApp, Twitter, Facebook etc.), andere wähnen durch sie das nahe Ende des herkömmlichen Schriftgebrauchs. Doch wie auch immer man zu diesem Thema steht: Emoji werden täglich millionenfach benutzt. Da sie aus Japan stammen, sind die Bedeutungen mancher Zeichen hierzulande jedoch nicht immer intuitiv verständlich. Hier eine Auswahl oft missverstandener Emoji.
 

Kopfschmerzen? Liegestütze?
Diese Emoji steht für eine Verbeugung bzw. im übertragenen Sinne für eine Respektbekundung
 

Oh Schreck!?
Diese Person reißt nicht erschreckt die Hände über den Kopf, sondern bildet ein O, um zu sagen »Alles okay«.


Turnübungen?
Diese Geste bildet das Gegenstück zum zuvor gezeigten Okay-Emoji und steht für »nicht okay«. 


High-Five? 
Dieses Emoji steht nicht für zwei Personen, die freudig die Hände zusammenschlagen, sondern symbolisiert vor allem eine Geste der Dankbarkeit oder Entschuldigung – gegebenenfalls auch ein Gebet. 
 

Trauer? Weinen?
Der dargestellte Tropfen steht für den kalten Schweiß auf der Stirn und drückt somit Angst oder Sorgen aus. Für Traurigkeit gibt es ein eigenes Symbol mit einer Träne unter dem Auge. 


Sternschnuppe?
Dieses Symbol symbolisiert Benommenheit (»Sterne sehen«). 


Pass auf!? Hör zu?!
Dieses Symbol wird oft als Einleitung von weiblichen Gesprächspartnern benutzt, steht aber eigentlich für ein »Wie kann ich Ihnen behilflich sein?« (z.B. an einem Informationsschalter oder einer Hotel-Rezeption).
 

Gebirge? Ein seltsames M?
Für Europäer ein kaum verständliches Symbol. Es markiert den Beginn bzw. Wechsel eines Gesangsteils, zum Beispiel beim Karaoke. 
 

Keks mit undefinierbarem Viereck?
Dies ist ein japanischer Reis-Cracker mit einem essbaren Algenblatt. 


Litfaßsäule?
Ein altes, aber hierzulande kaum gebräuchliches Barbier-Symbol.
 
Typografie.info bietet für die von Apple erwählten Emoji im Unicode – die auch andere Unternehmen wie Microsoft, Twitter und Facebook übernommen haben – eine komplette Übersicht mit deutschen Beschreibungen: 
Liste »Personen« aufrufen
Liste »Natur« aufrufen
Liste »Objekte« aufrufen
Liste »Orte« aufrufen
Liste »Symbole« aufrufen
 
(Abbildung 3D-Emoji von Good Custom Goods)
  • 125.078 Aufrufe

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