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      Überhang

      Die menschliche Wahrnehmung spielt uns bei der Einschätzung dieser Objekte einen Streich. Kreis und Dreieck scheinen eine etwas kleinere Höhe zu besitzen, obwohl alle Objekte exakt gleich hoch sind. In der Gestaltung von Schriftarten muss diesem Effekt durch einen optischen Ausgleich entgegengewirkt werden. Spitzen und Rundungen werden dazu mit einem Überhang (englisch: overshoot) versehen. Die betreffenden Stellen ragen dann mehr oder weniger stark über Grundlinie, x-Höhe oder Versalhöhe hinaus.
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      Übersetzer

      Übersetzer nennt man im Bleisatz die diakritischen Zeichen, welche Versalien größerer Schriftgrade zu Umlaut- und Akzentzeichen verwandelten. In einigen Schriften wurden zusätzlich Kleinbuchstaben in verkürzter Größe geliefert, die zur Aufnahme dieser Übersetzer bestimmt waren.
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      Umbrechen

      Das Umbrechen (auch der Umbruch oder die Mettage) ist das Einteilen des Satzes in die endgültigen Kolumnen und Seiten. Insbesondere im Zeitungssatz bildete diese Tätigkeit eine eigene Berufsgruppe (siehe Metteur). 
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      Umschlagseiten

      Die vier Umschlagseiten werden mit U1 bis U4 bezeichnet. Das erste, was man von einer Publikation, sei es nun Buch, Zeitschrift oder sonst etwas, sieht, ist die Seite U1. Schlägt man das Werk auf, schaut man links auf die, bei Büchern in der Regel unbedruckte, Seite U2 (und bei Büchern rechts dann auf den Schmutztitel). Blättert man nun das ganze Werk durch, bis man die letzte Seite umgeschlagen hat, dann ist links die letzte Seite des Werkes und rechts liegt U3, bei Büchern meistens ebenfalls unbedruckt. Schließt man das Werk, blickt man zum Schluss auf die Seite U4. Bei fadengehefteten Büchern sind U2 und U3 häufig mit dem Vorsatzpapier verleimt, sodass der Schmutztitel erst nach erneutem Umblättern sichtbar wird.
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      Unicase

      Der englische Begriff Unicase bezeichnet Schriften oder Schriftsysteme, die nicht wie die lateinische Schrift in gemischter Schreibung über dedizierte Groß- und Kleinbuchstaben-Sets verfügen. Beispiele für Schriftsysteme dieser Art sind zum Beispiel Arabisch oder Hebräisch. Im Deutschen lassen sich diese Schriftsysteme auch als »einhäusig« beziehungsweise »monokameral« bezeichnen. Benutzt man den Begriff Unicase innerhalb der lateinischen Schrift, ist damit eine besondere Art der Schriftgestaltung gemeint. Dabei werden bestimmte Groß- und Kleinbuchstabenformen zu einem einheitlichen Satz kombiniert, das in der Regel keine oder nur geringe Ober- und Unterlängen aufweist (siehe Beispielabbildungen). Im Deutschen lässt sich dies auch als unikameral bezeichnen. Unicase (allgemein) = monokameral = einhäusig (Beispiele: סופית‎ / ABCDEF / abcdef) Bicameral = bikameral = zweihäusig (Beispiel: AaBbCc) Unicase (in lateinischer Schrift) = unikameral = »vereinthäusig« (Beispiel: HҼУM)
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      Unicode-gerechte Norm für Zusatzzeichen (UNZ)

      Die »Unicode-gerechte Norm für Zusatzzeichen« (abgekürzt UNZ) ist eine Empfehlung zur Kodierung spezieller Schriftzeichen (insbesondere Ligaturen). Die Empfehlung wurde von Mitgliedern des Bundes für deutsche Schrift und Sprache (BfdS) entwickelt und mit der »Medieval Unicode Font Initiative« (MUFI) und dem Projekt »Thesaurus Indogermanischer Text- und Sprachmaterialien« (TITUS) abgestimmt. Hintergrund: Typische Ligaturen des klassischen Fraktursatzes (zum Beispiel ch/ck/ll/tt) haben im Unicode keine offizielle Entsprechung. In den Unicode wurden typografische Ligaturen (zum Beispiel fi und fl) lediglich aus Gründen der Kompatibilität zu bestehenden Zeichenkodierungen aufgenommen. Hinzu kommt, dass vor der Etablierung von Unicode Zeichensätze des lateinischen Schriftsystems meist auf 8 Bit (256 Zeichen) angelegt waren und somit nur selten Platz für zusätzliche Zeichen boten. Dies führte dazu, dass Anbieter gebrochener Schriften Ligaturen oder zum Beispiel die Unterscheidung von s und ſ durch unstandardisierte Zeichenbelegungen erreichen mussten. So kann etwa das lange s auf die Taste s gelegt werden, das runde s dagegen auf die Position des Pluszeichens. Der Schriftanwender kann dann beide Zeichen problemlos über jede herkömmliche Tastatur erreichen, die Texte sind jedoch nicht sauber kodiert und damit nicht Font- und systemübergreifend austauschbar und im Allgemeinen schwer technisch zu verarbeiten (Suchmaschinen-Indizierung/automatische Silbentrennung usw.). Mit der UNZ-Belegung sollte daher ein entsprechender Standard für die Anbieter gebrochener Schriften geschaffen werden, der diese historisch gewachsenen Probleme aus der Welt schafft. Vorteile: Die UNZ-Belegung schafft einen einheitlichen Standard für alle Anbieter gebrochener Schriften und kann damit vermeiden, dass sich die Schriften (nach ausreichender Etablierung der UNZ-Belegung) von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich verhalten. Die UNZ-Belegung vermeidet die falschen Belegungen von offiziell kodierten Unicode-Stellen. Die UNZ-Belegung benötigt keine Smartfont-Technologien zum Erzwingen oder Unterdrücken der gewünschten Ligaturen oder zum Austausch von Zeichen durch historischen Alternativzeichen. Die UNZ-Kodierung ist im technischen Sinne stabiler als OpenType-basierte Glyphen-Ersetzungen, da die typografischen Satzkonventionen über die UNZ-Belegung direkt auf Kodierungsebene festgehalten werden und nicht von einem bestimmten OpenType-Font abhängig sind. Kritik: (kurze Zusammenfassung entsprechender Typografie.info-Diskussionen) Die UNZ-Belegung widerspricht dem Prinzip von Unicode, lediglich sinntragende Zeichen zu kodieren und keine typografischen Varianten. Für die technische Kodierung von Ligaturen besitzt das Unicode-System den Bindehemmer und das unsichtbare Verbindungszeichen. Damit lassen sich Ligaturen völlig unabhängig von Spezialschriften auf Kodierungsebene vorgeben oder unterdrücken. Die UNZ-Belegung setzt auf Unicode-Werte aus dem Bereich zur privaten Verwendung (PUA). Damit werden UNZ-kodierte Texte dauerhaft inkompatibel zu herkömmlichen Texten, die mit offiziellen Unicode-Werten erstellt wurden. »B u c h« und »B u ch« werden so zu unterschiedlichen Wörtern und können von gängiger Textverarbeitungssoftware (inklusive Suchmaschinen) nicht mehr als sinngemäß gleich verarbeitet werden. Da der PUA-Bereich per Definition unstandardisiert ist, wird sich an dieser Situation auch mittel- bis langfristig nichts ändern. UNZ-kodierte Texte sind daher auch in Zukunft ausschließlich mit den UNZ-Spezial-Fonts darstellbar und ihre Inhalte inkompatibel zu herkömmlichen Texten in den entsprechenden Sprachen. Die Bezeichnung als »Norm« wurde kritisiert, da dieser Begriff bei technischen Empfehlungen im allgemeinen Sprachgebrauch einen erfolgreichen Normierungenprozess an einem anerkannten Normungsinstitut (z.B. DIN/ISO etc.) suggeriert. Bei der UNZ-Belegung handelt es sich jedoch lediglich um eine von Vereinsmitgliedern entwickelte, private Empfehlung.
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      Unique ID und XUID

      Unique ID und XUID sind Identifikationsnummern für PostScript-Type-1-Fonts. Sie dienen dazu, Fonts in PostScript-Druckern über mehrere Druckaufträge hinweg zwischenzuspeichern. Unique IDs gelten als veraltet und werden nicht mehr neu vergeben. Eine XUID (»Extended User ID«) ist ein 10-stelliger Kode. Die ersten vier Stellen sind die Herstellerkennung. Diese muss bei Adobe angefordert werden. Die restlichen Stellen können frei zur Kennung von Schriftfamilie und Schnitt verwendet werden, wobei mehrere Schnitte nie die gleichen IDs teilen dürfen. Unique IDs und XUIDs stammen aus den Anfängen des Desktop Publishings und trugen langsamen Verbindungen und rechenschwachen PostScript-Interpretern Rechnung. Für die Neuentwicklung von Fonts (etwa von PostScript-basierten OpenType-Fonts) ist es gemäß Adobe nicht mehr notwendig, Unique IDs und XUID einzubinden.
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      Universal Type Server

      Der Universal Type Server ist eine Schriftverwaltunglösung für Unternehmen. Extensis stellt damit den Nachfolger der Produktlinien Suitcase Server und Font Reserver Server vor. Das von Grund auf neu entwickelte Programm verwaltet Fonts und Fontlizenzen netzwerkbasiert und wird über eine einfache Browseroberfläche bedient. Der Universal Type Server ist in zwei Varianten verfügbar: die Professional-Version ist für Arbeitsgruppen jeder Größe bestimmt, die Lite-Version für Teams mit bis zu 10 Arbeitsplätzen. http://www.extensis.com/de/products/universaltypeserver
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      Unsichtbares Verbindungszeichen

      Das unsichtbare Verbindungszeichen (Unicode: ZERO WIDTH JOINER) ist ein standardisiertes Sonderzeichen, mit dem sich im Unicode kodieren lässt, dass zwei getrennt kodierte Zeichen als Ligatur zu verbinden sind. Das Zeichen bildet damit das Gegenstück zum Bindehemmer. Das Zeichen kann zum Beispiel in arabischen und indischen Schriftsystemen verwendet werden. Auch für die Kodierung von Frakturtexten nach klassischen Satzweisen können Bindehemmer und unsichtbares Verbindungszeichen eingesetzt werden, um die Ligaturen ch, ck und tz je nach Kontext ausdrücklich als legiert oder nicht legiert vorzugeben. Dies hat den Vorteil, dass die Unterscheidung auf Kodierungsebene erfolgt und somit auch in Reintexten erhalten bleibt und nicht von lokalen Formatierungen und/oder konkreten Schriften und deren OpenType-Ersetzungsregeln abhängig ist. Das unsichtbare Verbindungszeichen hat den Unicode-Wert U+200D. In HTML-Dokumenten kann er auch über folgende Notation eingegeben werden: ‍  
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      Unterlänge

      Die Unterlänge ist der Teil eines Kleinbuchstabens, der unter der Grundlinie liegt. Sie reicht bis zum unteren Ende des physischen oder virtuellen Schriftkegels. Die Unterlänge liegt in der Regel etwas unterhalb der sichtbaren Begrenzung von Buchstaben wie g und y, steht aber damit nicht in direktem Zusammenhang. Man kann also von der Buchstabenform selbst nicht auf die genaue Lage der Unterlänge des Schriftkegels schließen.
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      Unterschneidung

      Der Abstand eines Buchstabens zu den benachbarten Zeichen wird in erster Linie durch die Breite (Dickte) des Schriftkegels bestimmt. Einige Buchstabenkombinationen benötigen darüber hinaus einen speziellen Ausgleich des Abstandes. Im Bleisatz mussten die Lettern physisch beschnitten werden, damit beispielsweise im Wort »Telefon« das »e« unter den Querstrich eines »T« geschoben werden konnte. Daher rührt die Bezeichnung »Unterschneidung«. Ohne Unterschneidung (links) und mit Unterschneidung (rechts) Im Computersatz lassen sich die Schriftkegel beliebig ineinander schieben. Digitale Schriften (Fonts) werden vom Hersteller bereits mit intergrierten Listen von Unterschneidungspaaren ausgeliefert. Sofern das Satzprogramm die Unterschneidung unterstützt und diese aktiviert ist, werden die im Font enthaltenen Unterschneidungspaare automatisch umgesetzt. Typische Unterschneidungspaare sind: Av, AV, LT, LV, Ly, Ta, To, Ty, Te, T., Va, Vo, V., Ya, Yo, Y. Umfangreiche Fonts können unter Umständen mehrere Tausend Unterschneidungspaare besitzen. Grafikdesigner können aber auch in den meisten Textverarbeitungs- und Layoutprogrammen manuell unterschneiden. Das Unterschneiden gilt ebenso wie das Ändern der Laufweite als Instrument der Mikrotypographie, um die Lesbarkeit des Textes zu verbessern und ein harmonisches Schriftbild ohne optische Lücken oder Verdichtungen zu erhalten.
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      UPM-Wert

      UPM steht für Units Per Em (Einheiten pro Geviert). Dieser Wert definiert die Unterteilung des digitalen Schriftkegels eines Fonts. Je höher der Wert ist, desto feiner ist das Raster, auf dem die Punkte einer Glyphe einrasten können. Der UPM-Standardwert für PostScript-Type-1-Fonts beträgt 1000, für TrueType-Fonts 2048. TrueType- und OpenType-Fonts können aber gemäß der heutigen Spezifikationen beliebige Werte annehmen. Der UPM-Wert selbst hat keinen direkten Einfluss auf die abzubildende Größe der Glyphen eines Fonts. Wie groß eine Schrift im Satz erscheint, wird aber durch das Verhältnis der Größe der Glyphen zum UPM-Wert bestimmt. Denn der digitale Schriftkegel und das enthaltene Buchstabenbild wird im Satz auf die jeweils eingestellte Schriftgröße skaliert. Bei einer Schriftgröße von 10 Punkt und einem UPM-Wert von 1000 wird also ein Großbuchstabe, der von der Grundlinie gemessen eine Höhe von 800 Einheiten hat, nur mit einer effektiven Versalhöhe von 8 Punkt abgebildet. Aus diesem Grund erscheinen unterschiedliche Fonts auch bei gleicher Punktgröße immer in einer anderen tatsächlichen Größe.
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Canapé – die gemütliche Schriftfamilie von Sebastian Nagel
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