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  • Gebrochene Schrift – Bedeutung/Definition

    Die Gattung der Gebrochenen Schriften gehörte in Mittel- und Westeuropa durch viele Jahrhunderte hindurch zu den vorherrschenden Schriftstilen. Am längsten hielt sie sich in Form der Fraktur in Deutschland. Als Schrift für Zeitungstitel, Biermarken oder rustikale Pensionen oder Kneipen, als historische Schrift, aber auch als junge Trendschrift in der Mode, HipHop- und Basketballszene und als Auszeichnungschrift ist sie nach wie vor international weit verbreitet.

    Im 12. Jahrhundert bildete sich in der Architektur der gotische Baustil (Spitzbogenstil) aus. Die Schrift machte diese Stilwandlung mit. Die rundlichen Formen der ausgebildeten karolingischen Minuskelschrift wurden eckig, spitz gebrochen. Durch die Brechung entstand ein kräftiger, vollständig neuer Schriftcharakter, der in seiner Fortentwicklung über die verschiedenen gotischen Volkshandschriften und Urkundenschriften zur individuellen Buchschrift des 14. und 15. Jahrhunderts führte.

    Anfänge der gotischen Schrift zeigen sich bereits schon um die Wende des 11. Jahrhunderts. Gotische Versalien im eigentlichen Sinne gab es noch nicht. Aus der karolingischen Minuskel entsteht zunächst die gotische Minuskel und um 1300 ist die eigentliche gotische Schrift oder Textura ausgebildet. Bei der mittelalterlichen Textura ist die Senkrechte stark betont und die Buchtaben stehen eng beieinander. Es entsteht der Eindruck eines Gewebes, daher der lateinische Name »Textura«. Gutenberg wählte als Vorbild für seine Typen die Textura, da sie seit 200 Jahren »die« feierliche Werkschrift war. Neben der strengen und feierlichen Textura gibt es auch in der Gotik Kursive, deren Spätformen mit dem Namen Bastarda belegt werden. Diese Schriften haben die Schwabacher-Schrift – in der die ersten deutschen Bibel-Übersetzungen Martin Luthers gedruckt wurden – und vor allem die spitze deutsche Schreibschrift wesentlich beeinflusst.

    In Italien konnte sich die Textura, ebenso wie der gotische Baustil, nicht voll durchsetzen. Schon mit der Entstehung der Textura entwickelte sich dort als eigene Schriftstilgruppe die Rotunda oder rundgotische Schrift, die runde und spitze Bogen harmonisch vereint. Ihr Schriftbild steht der Antiqua-Schrift näher als die anderen gebrochenen Schriften.

    Um 1514 entwickelte sich in der Renaissance, also in der Zeit Kaiser Maximilian I. und Albrecht Dürers, eine Form einer gebrochenen Schrift – die Fraktur –, die später zu »der« Schrift der bürgerlichen Literatur im 18. und 19. Jahrhundert wurde. Neben den Kleinbuchstaben gestaltete man bei der Fraktur die Großbuchstaben neu und passte sie den Kleinbuchstaben an. Ein ausschließliche Versalschrift verbietet sich generell bei den gebrochenen Schriften, da sie im Zusammenspiel mit den Minuskeln geschaffen wurden und nur mit diesen zusammen ein harmonisches Schriftbild ergeben.

    Die wichtigen Stilgruppen der Spitzbogenschriften sind:

    • Gotische Schrift oder Textura
    • Rundgotische Schrift oder Rotunda
    • Gebrochene Buchkursive oder Bastarda
    • Schwabacher
    • Fraktur
    • Fraktur-Varianten
    • Spitze Schreibschrift oder Kurrentschrift

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