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  • Kurrentschrift – Bedeutung/Definition

    Der Begriff Kurrent kann im weitesten Sinne als Synonym von Schreibschriften (von lateinisch currere: »laufen«) benutzt werden. Diese Bedeutung ist jedoch nicht die übliche. In der Regel meint man mit Kurrent einen spezifischen Schreibschriftstil des lateinischen Schriftsystems, der auf die gotische Kursive des 15. Jahrhunderts zurückgeht und sich im deutschsprachigen Raum bis ins 20. Jahrhunderts als verkehrsübliche Schreibschrift halten konnte. Die Kurrent bildet als Schreibschrift das Pendant zur Fraktur, die kaum schnell und flüssig schreibbar ist. Der Stil der Kurrent wurde von Schreibmeistern wie Johann Neudörffer dem Älteren (16. Jahrhundert) und Michael Baurenfeind (18. Jahrhundert) geprägt und weiterentwickelt.

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    Schriftmuster von Neudörffer, 1538

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    Schriftmuster von Bauerenfeind, 1716

     

    Charakteristisch sind die im Gegensatz zur lateinischen Schreibschrift vorkommenden spitzen Winkel der Kurrentschrift. Die Buchstabenskelette unterscheiden sich zum Teil erheblich von der lateinischen Schreibschrift. Wer nur letztere gewohnt ist, kann Texte in Kurrent nicht ohne Weiteres lesen. Die Kurrent vermeidet die sogenannten Deckstriche unserer heutigen Schulschriften – das ist das Hin- und Zurückschreiben auf derselben Spur. Die Korrent benutzt stattdessen nebeneinander geschriebene, gerade Striche (siehe r), oder bei den Großbuchstaben Kurven nach oben (siehe R). Die Großbuchstaben benutzen bei deutlich mehr Buchstaben als der lateinischen Schreibschrift ähnliche Formen wie die Kleinbuchstaben.

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    Darstellung der Kurrent aus einem Musterheft um 1900

     

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    Leseprobe: Ein Schreiben aus dem Jahr 1877. »Zu unſerm Bedauern war es nicht allent-halben möglich, den Fahrplan der Saalbahn für das bevorſtehende Winterhalbjahr den Verkehrsbe-dürfniſſen des oberen Saalthals und der auf den Anſchluß in Saalfeld angewieſenen Gegenden entſprechend zu gestalten.

     

    Zu einer deutlich sichtbaren Reform kam es erst wieder im 20. Jahrhundert durch Ludwig Sütterlin. Er verzichtete in seiner Vorlage auf eine Schrägstellung seiner Kurrent und den typischen Schwellzug, vereinfachte Buchstabenformen und legte eine Lineatur von 1:1:1 fest. Die Schrift wurde ab 1914 testweise eingeführt und wurde in der Folge zunächst in preußischen Schulen, später in weiten Teilen des deutschsprachigen Raums angewandt. Sütterlin schuf zeitgleich auch eine lateinische Schulschrift, der Begriff Sütterlinschrift prägte sich jedoch vor allem für seine Schreibschrift als Nachfolgerin der Kurrent ein. Beide Schreibschriftstile wurden durch den Normalschrifterlass 1941 verboten und kamen in der Folge außer Gebrauch.


    Siehe auch:

    Quellenangaben:

    Deutsche Schreibschrift, Harald Süß

    Die Antiqua-Fraktur-Debatte um 1800, Christina Killius

    Metzler-Lexikon Sprache, Helmut Glück (hrsg.)


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